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Deutſchet Herold,
Monats ſchrift für Heraldik. Sphragiſtil und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappenkunde zu Berlin.
Herausgegeben
von
Ad. M. Hildehrandt-Miefte,
Mitglied der Geſchichts⸗ und Alterthumsvereine in der Altmark, der Mark Brandenburg, im Erzſtift Magdeburg,
des Harz⸗Vereins, des „Herold“ zu Berlin, des Münzforſcher⸗Vereins zu Hannover ꝛc.
1. Jahrgang.
Berl in.
1870.
Zu dem 1. Jahrgange des „Deutſchen Herold“ haben literariſche Beiträge gegeben
Ferner: Hr. v. F., Frl. v. K.⸗W., Baron v. L., Hr. v. L., Hr. v. R. — welche nicht
näher genannt zu werden wünſchten.
Allen verehrten Mitarbeitern den herzlichſten Dank und die freundliche Bitte um ihre fer⸗
D. Frhr. v. Biedermann, auf Blaſewitz bei Dresden.
J. B. Dornbuſch, Caplan, zu Schloß Frens bei Horrem.
A. Grenſer, Buchhändler, Wien.
M. Gritzner, Königl. Preuß. Lieutenant, Berlin.
J. F. Heß, Baurath, Gardelegen. ö
Ad. M. Hildebrandt⸗-Mieſte.
C. Maſch, Archivrath, Demern bei Ratzeburg.
G. A. v. Mülverſtedt, Königl. Preuß. Archivrath und
Staats⸗Archivar, Magdeburg.
K. Chl. Fhr. v. Reitzenſtein, Berlin.
Th. Stenzel, Paſtor, Nutha bei Zerbſt.
B. Schier, Poſtrath, Leipzig.
G. Seyler, Offenhauſen bei Hersbruck.
L. Graf v. Uetterodt, Neu⸗Scharffenberg bei Eiſenach.
Frhr. v. Vorſt⸗Gudenau, Ziadlowitz in Mähren.
F. Warnecke, Geh. Miniſt.⸗Secretair, Berlin. |
H. Weininger, Secretair des hiſtor. Vereins zu Regensburg.
Sad) Zegiller
des erſten Jahrganges.
1) Nobilitirungen und Standeserhöhungen.
Hatzfeld, Fürſt v.,
Kunhardt v. Schmidt.
v. Lüttwit⸗Kerſtan
Mühlfeld, Frh. v.,
Seeger v. Szezutowski
2) Protocolle der Sitzungen des „Herold.“
8
F
3) Größere Aufſätze und Abhandlungen.
Adelsmatrikel, über Einrichtung derſelben .
Bemerkungen dazu
Beuſt, die öſterreichiſchen Grafen v. —
Cohn's Stammtafeln, Berichtigungen .
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Deütſchen d die,, ee sur
Gotfart, die v. . . VV
Gumppenberg, die e 9 45.
Hatzfeldt, das neue Wappen des Fürſten v. —, 77.
Hefner, O. ; Nierblog 4
I, e e e als Bulluchiiisttker. . ... 74,
Heraldiſche Technik, über Abformen der Siegel 7. 15. 49.
Heraldiſche Manuſeripte, zwei. 3. 12.
Herold, Statt Beffelben enn:
Landwüſt, das Wappen derer v. — 61.
Nürnberg, Wappen und Siegel der Stadt — . 25.
Redactionsprogramm 1.
Regeſten zur Geſchichte niederſächſiſcher Geſchlechter 10.
Rheiniſche Familien, — Beiträge zur Genealogie
derſelben 51. 60. 70. 75. 78. 87.
Saumagen, Graf v...
Siegburger Urkundenfundzdʒd 63.
Siegelſammlung, Anlage derſelben . . 44.
Sigillum vin . . JJ
Statiſtik der Wappenbilder •⁵5ßf
Terminologie, heradiſcre
Aufruf zur Feſtſtellung derſeldben . . 56.
Wappenbilder auf Krügen. . . . N.
Warthauſen, Schloß, und jeine Bee „222 48.68.
Bopberg, Neal , . ».... \ 14.
4) Kleine Artikel und Miscellen.
„Adler“, herald. Verein zu i;,
Bayriſche Geſchlechter im Kriege erloſchen. . . 82.
Beuſt, Wappen des Grafen v. . 50.
Marſchalk'ſcher Grabſtein zu Schkortleben. . . 50. Neues heraldiſches Syſtem, von Frhr. v. Biedermann 48.
Reichsadler mit verwechſelten Tienturen . . . 24. Numismatiſche Zeitung . 6. 23. 49.
Schwarzburgiſche angebliche Wappenſage. . . 37. Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger .. 6. 41. 49. 71.
ELW 8832. Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Verker . . . 49.
CSD 24. Oeynhauſen, Geſchichte des Geſchlechts v. —, . 79.
ieee, II «,ꝗ. Orlamünde, Regeſten der Grafen v. — . . . 81.
„%%% ꝝNn Sachs v. Löwenheimb'ſche Familienſtiftung . . 42.
; 4 8 . 3 Schleſiſche Städtewappen v. Frhr. Saurma . . 66.
5) Literatur, Auszüge aus Zeitſchriften und v. Schönberg, ee der 1 v. — . 41.
Beſprechungen neuer Werke. Stargardt's Antig. Katalag 12
L’Alsace noble, par Mr. E. Lehr . . . . 49. Wappen⸗Symbolik v. Graf Hoverden 23.
Annuaire de la noblesse des Pays-bas. 40. v. Wedel, Stammtafe l.. 42.
Anzeiger f. Kunde d. deutſchen Vorzeit. . . 47. 6) Anfragen.
Banderia Prutenorum . . 2, |
Correſpondenzbl. der deutſchen See. Beräin. 6.49. 66.71. Betreffend das Landfrieden seg 8
Demmin, Kriegswaffen 40. | Antwort darauf 19. 0 3
Genealogiſches Taſchenbuch der Adelsgeſchlechter 1 „ „ Fürſtliche Genealogien 20.
%%% 2.81.86. Aatınort darauf 4...
Heideloff, Ritteralbum, ed. v. Eye 15 „ Preußiſche Nobilitirungen . . 31.
Kärnthens Adel, v. Weiß.
7
8 1 „ Pommerſche Wappen und Münzen 32.
Köln, Quellen zur Geſch. der Stadt -. . . 12.2
17
2
5 „ Siegelabdrücke aus Birkenrinde .. 50.
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Magdeburger Geichichts-Blätter . „ „Die Familien v. d. Liepe u. Hagemeiſter 79.
Mecklenburgiſche Jahrbücher VVV 1 „ Genealogieen der Familien v. Ziegen⸗
Mittheilungen des Vereins f. Münz- und Siegel⸗ | born, v. Schlabrendorf, v. Blumen⸗
aid nn , Wal, , nnn
Nr. 11, S. 79b., Z. 12 v. o. lies 1605 ſtatt 1685; Z. 7. v. u. l. hinausgeht it. ausgeht. Z. 17 v. u. l. nicht mit kritiſchen.
S. 80b. Z. 16 v. u. l. vorführt neben. S. 82a. Z. 1 vo. l SR ft. Meyendorf; Z 15 v. o. l. Döben ft. Düben; Z. 27 v. o. l.
Eilsleben ſt. Eisleben. 5 8
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Monatsſchrift für Heraldik, Sphragitik und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen- Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatlich einmal 2—1 Bogen ſtark. Jährlicher Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene
Petitzeile. —
Nr. 1. , Berlin, im Februar 1870. I
en Jahrgang.
Berlin, im Februar 1870. | we zählen 3 Heraldiker in unſeren Reihen
Nachdem bereits im jüngſt verfloſſenen Jahre Fürſten und Grafen, Gelehrte deren Namen weit
von 1 Freunden der Siegel und Wappen- und breit einen hohen Klang haben, und Gebil⸗
kunde über die Gründung eines Vereins zur dete faſt aller Stände. Um die Wiſſenſchaft
Pflege dieſer Wiſſenſchaften, (wie ähnliche ſchon hochverdiente Männer haben das Anſehen der
in andern Städten Deutſchlands beſtehen) mehr⸗ Heraldik, — welches einſt ein ſo großes war bis
fach berathen war, hat ſich nunmehr mit dem es durch die eigene Schuld ihrer Jünger ſank,
Beginn des Jahres 1870 dieſer Verein unter [glänzend wiederhergeſtellt, indem fie die Wich⸗
dem Namen „Herold“ definitiv conſtituirt. tigkeit, ja Unentbehrlichkeit der Siegel- und Wap⸗
Von Anfang an wurde in Ausſicht genom- benkunde für Specialgeſchichte, Diplomatik, Orna⸗
men, den Verein nicht auf die Stadt Berlin zu mentik, Trachtenkunde und viele andere Fächer
beſchränken, ſondern demſelben einen allgemeineren evident nachwieſen. Mehr und mehr beginnen
Character zu geben, und durch Aufnahme auch auch die edlen Geſchlechter für die Aufhellung der
auswärtiger Mitglieder, die aus allen Gauen Geſchichte ihrer Vorfahren ſich zu intereſſiren und
unſeres Vaterlandes willkommen geheißen werden, nimmt ſelbſt in weiteren Kreiſen die Theilnahme
wo möglich eine Verbindung aller Heraldiker und an ſolchen Beſtrebungen zu. Dabei vergrößert
Sphragiſtiker Deutſchlands anzubahnen. ſich fortwährend die Zahl derer, welche heraldiſch⸗
Unſtreitig nimmt die Heraldik — mit wel⸗
ſphragiſtiſche Sammlungen anlegen — ſei es
chem Ausdruck wir hier die verwandten Beſtre⸗ vorerſt nur dilettirend, ſei es um daran zu ſtudi⸗
bungen der Siegel-, Wappen- und Geſchlechtskunde den 8 die Ergebniſſe ihrer Beobachtungen für
zuſammenfaſſen — unter denjenigen Wiſſenſchaf⸗ die Wiſſenſchaft nutzbar zu machen.
ten, welche in unſerer Zeit zu erneuter Blüthe Leider iſt jedoch in der deutſchen Heraldik
gelangt ſind, eine hervorragende Stellung ein. der Mangel eines einmüthigen Zuſammenwirkens
Jene Zeit, wo man allgemein für ein vereinzelt noch ſehr fühlbar, welches doch gegenüber einem
vorkommendes Beſchäftigen mit ſolchem für trocken nur erſt theilweiſe in Angriff genommenen Ar⸗
und unfruchtbar gehaltenem Thema nur ein gleich- | beitsfelde jo nothwendig wäre. Der Grund davon
dürfte hauptſächlich in dem Umſtande liegen, daß
2
es bisher an einem geeigneten Organ fehlte, welz
ches eine Verbindung zwiſchen den in allen Ges |
genden Deutſchlands zerſtreut wohnenden Freun— |
den unſerer Wiſſenſchaft herſtellte, indem es ihnen
ermöglichte, ſich gegenſeitig die Reſultate ihrer
Forſchungen mitzutheilen und dadurch zu weite—
ren Unterſuchungen Anlaß zu geben. Das Be⸗
dürfniß eines ſolchen Blattes war längſt fühlbar.
Während z. B. Numismatiker, Autographen—
ſammler u. ſ. w. eigene Organe beſitzen, waren
die Heraldiker bisher genöthigt, ihre Artikel und
Mittheilungen in Zeitſchriften zu publiciren, deren |
Tendenz eine mehr oder weniger andere iſt.
Zwar beanſpruchen mehrere numismatiſche Blät—
ter ausdrücklich, auch als heraldiſche Zeitſchriften
zu gelten; dadurch wird aber der Mangel eines
ſpeciell heraldiſchen Organs erſt recht fühlbar ge-
macht. Abgeſehen davon, daß es an und für
ſich unthunlich erſcheint, durch ein und daſſelbe
Blatt die Intereſſen zweier einander doch ziem⸗
lich fern liegenden Wiſſenſchaſteu vertreten zu
laſſen, hat die Erfahrung gezeigt, daß in derar—
tigen Zeitſchriften die Heraldik bald in den Hin-
tergrund gedrängt wurde und ſich mit einem ihrer
nicht würdigen Raume begnügen mußte; zu ge⸗
ſchweigen, daß die darin veröffentlichten heraldi⸗ |
ſchen Artikel meiſtentheils denjenigen, für welche
ſie beſtimmt ſind, gar nicht zu Geſichte kommen.
In Erwägung dieſer Verhältniſſe hat der
Berliner Verein für Siegel- und Wappenkunde
den Beſchluß gefaßt, eine heraldiſche Monatſchrift
unter dem Titel „Deutſcher Herold“ zu be!
gründen, welche verſuchen wird, den beregten
det die erſte Nummer derſelben. |
Wir glauben uns der Hoffnung hingeben zu
dürfen, daß dies Unternehmen bei allen Freunden
unſerer Sache freudigen Anklang finden werde;
können aber auch nicht umhin, dieſelben hierdurch
um ihre wirkſame Unterſtützung dringend zu er— |
ſuchen. Wir bitten nicht allein um recht zahl: |
reiche Subſcription da dieſe in Anbe⸗
tracht der nicht unerheblichen Koſten der Her—
ausgabe ſehr nothwendig iſt — ſondern na⸗
mentlich um literariſche Beiträge; nur wenn letz⸗ |
tere — gleichviel welchen unſerer Wiſſenſchaft
entnommenen Stoff ſie behandeln — hinreichend |
eingeſendet werden, kann der Zweck des Blattes
Kreicht werben. It auch nicht Jeder im Stande,
Uebelſtänden abzuhelfen. Vorliegendes Blatt bil— |
|
|
|
unentbehrlichen Bauſteine herbeitragen helfen.
Mittelalters als der Neuzeit.
gleichſam als Oberbaurath am Gebäude der
Wiſſenſchaft mitzuwirken, ſo können doch Alle die
Der Inhalt des „Herold“ wird in Folgen—
dem beſtehen:
Aufſätze über irgend welche Themata aus
dem Gebiete der Siegel-, Wappen und Familien-
kunde, hauptſächlich der deutſchen, ſowohl des
Sitzungs-Protocolle der deutſchen heraldiſchen |
Vereine. |
Publicirung neuer Nobilitirungen und Wap-
penverleihungen. ö
Anzeigen und Recenſionen heraldiſcher Werke
und Brochüren.
Auszüge aus in den Zeitſchriften der deut-
ſchen Geſchichts- und Alterthumsvereine vorkom⸗
menden Aufſätzen, welche auf die in Rede ſtehende
Wiſſenſchaft Bezug haben.
Mittheilungen aus dem Gebiet der Wappen-
kunſt, z. B. Anleitung zum Abformen alter Sie-
gel, zur Anlage von Sammlungen u. ſ. w.
Adreſſen von Freunden der Wappenkunde,
Graveuren, Wappenmalern u. ſ. w.
Heraldiſche Miscellen.
Brief⸗ und Fragekaſten.
Inſerate: Anzeigen verkäuflicher Samme
lungen, heraldiſcher und genealogiſcher Bücher. —
Somit jet das Unternehmen allſeitiger
freundlicher Unterſtützung empfohlen!
von
Statut
des
Herold.
Verein für Siegel⸗ und Wappenkunde
zu Berlin.
8:4:
Der Verein hat den Zweck:
Sphragiſtik, Heraldik und Genealogie
wiſſenſchaftlich zu betreiben und zu dieſem Behufe eine
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Verbindung der Freunde genannter Wiſſenſchaften in.
Deutſchland herzuſtellen.
82
55
I
Die Mitglieder des Vereins beſtehen aus:
a) wirklichen,
b) correſpondirenden und
c) Ehren-Mitgliedern.
Wirkliche Mitglieder können nur in Berlin an-
ſäſſige, correſpondirende dagegen außerhalb Berlins
wohnende Perſonen werden.
Zu Ehrenmitgliedern ſollen durch Vereins-Beſchluß
nur ſolche Männer ernannt werden, deren Verdienſte
um eine der genannten Wiſſenſchaften rühmlichſt be—
kannt ſind.
Sämmtliche Mitglieder haben gleiche Rechte.
Wer dem Vereine beitreten will und nicht von ei—
nem Mitgliede in Vorſchlag gebracht wird, hat ſich
ſchriftlich an den Vorſitzenden zu wenden. Ueber die
Aufnahme ſelbſt entſcheiden die Mitglieder durch Stim—
menmehrheit.
8 35
Die Sitzungen des Vereins finden am erſten Mitte
woch jeden Monats ſtatt und beginnen präciſe 7 Uhr;
außerordentliche Zuſammenkünfte werden vom Vorſitzen—
den berufen.
Die Beſchlüſſe in den Verſammlungen werden uach
Majorität der Anweſenden gefaßt.
§ 4.
Die Beamten des Vereins, welche zugleich den Vor—
ſtand bilden, werden jährlich gewählt und beſtehen aus:
1) dem Vorſitzenden,
2) dem Schriftführer und
3) dem Schatzmeiſter.
In Behinderungsfälleu vorgedachter Beamten über:
nimmt einer der Sections-Chefs ($ 5) die Vertretung.
§ 5.
Zur regelrechten wiſſenſchaftlichen Behandlung der
durch den Verein vertretenen Wiſſenſchaften wird deſſen
Thätigkeit auf drei Sectionen und zwar:
J. Section für Sphragiſtik,
II. Section für Heraldik und
III. Section für Genealogie
vertheilt.
Für jede Section wird ein Chef ernannt.
§ 6.
Jede an den Verein gerichtete Anfrage, ſofern ſie
die von demſelben betriebenen Wiſſenſchaften betrifft,
wird dem betreffenden Sections-Chef zur Prüfung reſp.
Bearbeitung übergeben, das erzielte Reſultat hierauf in
der Vereins -Sitzung zur Debatte geſtellt, und demnächſt
die gewünſchte Auskunft ertheilt.
Die entſtandenen baaren Auslagen werden
Poſtvorſchuß eingezogen.
8. .
Zur Deckung der entſtehenden Ausgaben zahlt jedes
wirkliche und correſpondirende Mitglied einen jährlichen
Beitrag in Höhe eines Thalers, welcher im Januar
jeden Jahres an den Schatzmeiſter koſtenfrei abzuführen iſt.
Neu eintretende Mitglieder zahlen dieſen Beitrag
ſofort bei ihrem Eintritt, gleichviel wann derſelbe er—
durch
folgt, fuͤr das ganze Jahr.
3
— —— ¶ —
|
Durch Beſchluß des Vereins kann der Beitrag,
jedoch nur für wirkliche Mitglieder, nach Bedürfniß
erhöht werden.
In der Januar-Verſammlung legt der Schatzmeiſter
Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des ver-
floſſenen Jahres und wird demſelben demnächſt De—
charge ertheilt.
$ 8.
Sollte der Verein bis auf die Zahl von weniger
als drei Mitgliedern ſich reduciren, ſo gilt derſelbe für
aufgelöſt und übernehmen die beiden übrigbleibenden
Mitglieder die Ehrenpflicht, den vorhandenen Kaſſen—
beſtand an die National-Invaliden-Stiftung abzuführen,
die Akten, Bücher ꝛc. des Vereins dagegen bei einer hie—
ſigen hiſtoriſchen Geſellſchaft ſo lange deponiren zu laſſen,
bis ein Verein, welcher dem aufgelöſten entſprechende
Zwecke verfolgt, dieſelben für ſich in Anſpruch nimmt.
NER
Jährlich am dritten November, als dem Tage der
erſten Zuſammenkunft der Gründer des Vereins, feiert
derſelbe ſein Stiftungsfeſt.
§ 10.
Eine Aenderung des Statuts kann nur erfolgen,
wenn dieſelbe von zwei Drittheilen der Mitglieder be—
antragt wird.
Berlin, den 8. December 1869.
Der Vorſtand des „Herold“.
Dr. C. Zrecht. F. Warucke.
Schriftführer. Schatzmeiſter.
Baron von Linſtow.
Vorſitender.
Ueber zwei heraldiſche Manuuſeripte aus
dem 16. und 17. Jahrhundert.
Im Anhange zum „Heraldiſchen Pelzwerk“ iſt von
F.-K. ein höchſt ſchätzbares Verzeichuiß der älteſten deut-
ſchen gemalten Wappenſammlungen gegeben worden.
Als Nachtrag zur Reihe der dort aufgeführten heraldiſchen
Manuferipte möge hier die Beſchreibung zweier hand—
ſchriftlicher Wappenbücher — das eine, datirt, vom Jahre
1528, das andere, undatirt, aus der Zeit um 1600 —
folgen, welche in dem an der ſüdlichen Grenze der
Altmark belegenen Schloſſe Flechtingen (ſeit dem Mittel-
alter ein Beſitz der Herren von Schenck) aufbewahrt
werden. Zwar befinden ſie ſich nicht von Alters her
daſelbſt, ſondern wurden erſt von dem vorigen Erbherrn
zur Vergröſſerung ſeiner reichhaltigen Bibliothek er—
worben, allein dennoch dürften dieſelben, da ſie anſchei—
nend noch nicht weiter bekannt ſind, eine eingehende
Beſprechung verdienen.
Das ältere der beiden Manuſeripte, ein ſtarker
Folioband von ca. 200 Blättern, enthält auf der erſten
Seite die Notiz: a
4
„Das wappenpuech ist gemacht worn durch W. v.
R. da man hat zalt 1. 5. 28.“
vv. R.“ iſt unftreitig „von Rottaw,“
denn hinter dem erſten gemalten Blatt, welches vorn
den Kaiſer Friedrich, umgeben von den Wappenſchilden
der öſterreichiſchen Erbländer, auf der Rückſeite das W.
des römiſchen Reiches zeigt, lieſt man:
„Anno Tauſent vierhundert vnd im 94 Jar jſt
mein mueter Fraw Sibille meſſenbeckin geſtorben
am pfintztag vor ſant Thomas tag bin Ich darvor
alt geweſen zway Jar.
Anno Tauſent fünffhundert vnd jm 32 Jar jſt mein
vater Carolus von Rottaw geſtorben an ſant
Nicolaustag zw morgens zwiſchen achtn und ne.“
Es folgen nun verſchiedene Rottau'ſche Familien-
und Alliancewappen, nämlich Blatt 2, Rückſeite, das
Rottau'ſche W., faſt die ganze Seite einnehmend u. bes
gleitet von den Schilden der v. Rottau, v. Meſſenbeck,
v. Zennger u. v. Ramſeidt, mit der Ueberſchrift:
„Woffgang von RottawWarmunt von Rottaw
Gebruedern vier Annen.
vis à vis — offenbar ſpäter eingetragen —
„deren von Baumgartten, Zum Fraunſtain, wapen.“
Blatt 3 Rückſeite: „Karolus von Rottaw ſein vier
Annen.“ (Rottaw, Zenngen, Rappach, Pflug.)
Dann nachſtehende Alliancewappen, je vier auf einer
Seite und je zwei einander zugekehrt:
„Graff von Ortenberg X Rottaw.“ „Volckenſtorff
& Rottaw.“ „Rottaw x Layming.“ „Rottaw X
Polham.“ Mautner vo. Katznberg & Rottaw Fraw
Amalia.“ „Leittenbach & Rottaw.“ „Rayner X
Rottaw.“ „Die von Aüß x Rottaw.“ „Rottaw x
Schmiherr.“ „Ayſtersham & Rottaw.“ „Wilhelm
von Rottaw & Fraw Affra Liechteneckerin zw paſſaw
jm thoumb begraben hat daſelbs ain ewige meſſen
und aign altar.“ — „Karl von Rottaw obijt 1532
die s. nicolay.“ x Fraw Sybilla Meſſenbeckin zw
Räb vnd Ort obijt 1494 vnſer baid' recht vatt' vnd
mueter.“ „Wilhelm von Rottaw, & Fraw Anna
von Aham.“ „Karl von Rottaw obiſt 1532 X
Fraw Sibilla Meſſenbeckin zw Schwennt, vnſer
Steufmuet'.“ „Rottaw x Scebaſtian Pflug Herr
vom Rabnſtain zwr Schwarzuburg.“ „Karrl von
Rottaw c Fraw Anna zenngern vo. ſchneberg.“ —
Waller von Wall (Schwaben) Rottaw.“ — „Karl
Rottawer, dj preiſingin vor der zengin gehabt X
Preyſing Fraw Eliſabeth.“ — „Jörg von Aham
> Rottaw.“ „Rappach x Rottaw.“ — Puchperg
Rottaw.“ „Marſpach x Rottaw.“ — „Tanberg de
Rottaw.“ „Hanns von Nuſtorff obijt Anno 1529. x
Fraw Affra von Rottaw.“ — „Vrban Zennger Ritt'
> Fraw Elyſabeth von Rottaw.“ „Jeronimus von
Rottaw & Fraw Barbara von Schalenberg obijt
1534.“ — „Warmunt vor Rottaw & Suſanna
waltenhofferin obijt Anno. 1. 5. 30. geborn ein
tochter Eliſabeth.“ — „Warmunt von Nottaw X
Dorothea von trenbach zw waldperig 1530; geborn
ein tochter Fides obijt — mer ein tochter Veronica
uiuit.“
i Damit ſchließt der familiengeſchichtliche Theil des
Manuſceripts, und es folgt nun, von hier ab paginirt,
das eigentliche Wappenbuch, mit allerlei Wappen be—
ginnend, worunter eine große Menge mythiſcher, als
König von Egypten, König von Lybien u. drgl. m. S.
13: Karolus Erwelter Römiſcher — konig. 14-20: Die
Kurfürſten. Bis Blatt 30 wieder mythiſche; von 31
ab allerlei Wappen des Römiſchen Reichs, nämlich „Das
Sein die vier Fürſten des Reichs“ — Schwaben, Braun—
ſchweig, Lothringen, Baiern; „die vier Markgraffen,“ —
Meiſſen, Brandenburg, Mähren, Baden; „die vier Land—
grauen,“ — Thüringen, Heſſen, Leuchtenberg, Elſaß;
„Die vier Burgkgraven“ — Reineck, Nürnberg, Magde—
burg, Stromburg;“ „Die vier (ſchlechten) grauen“ —
Kleve, Schwarzburg, Savoyen, Zyly. „Die vier Semper
Frey (Hernn)“ — Lympurg, Rohr, Altenwalde, Weiter-
burg. „Die vier Ritter“ — Strandeck, Andelo, Mel⸗
ding, Fraunburg. Unter Melding die Notiz: „Abge-
ftorben, An des ſtat genommen dy vo. weyſpach, mev⸗
ſchner, geſchehen zw auſpurg 1510;“ daneben der Schild
derer v. Weiſſenbach, in w. ein ſch. Ochſenkopf mit g.
Zunge. „Die vier Stet des reichs“ — Augsburg, Aachen,
Metz, Lübeck. „Die vier Dorffer des reichs“ — Bamberg,
Schletſtatt, Hagennow, Ulm, Die vier paurn des reichs“ —
Köln, Regensburg, Koſtnitz, Salzburg. „Die vier
abtey des reichs“ — Fulda, Kempen, Murbach, Weiſſen—
burg. „Die vier erbgrauen des Reichs“ — Flandern,
Anhalt, Tirol, Altenburg. „Die vier Marſchälg des
reichs“ — Sachſen, Neyd v. Bürgel, Pappenheim,
Franken.
Die vier lantvogt des reichs“ — Reiningen, Elbo⸗
gen, Myſſau, Khaltter. „Die vier landt des reichs“ —
* C. ’ * — * ’ 7
Bayern, Oeſterreich, Mayland, Schleſien. „Die vier
Trugſäſſen des reichs“ — Waldburg, Balberg.
Sigberg, Weſterwalde (Wellerswald) „Die vier Er—
bergen Knecht des reichs“ — Sulhem, Waldeck, Rabenau,
Arensberg. „Die vier Jägermeiſter des reichs“ —
Mätſch, Horn, Neuffen, Schaumburg. „Die vier perg
des reichs“ — Friedberg, Nürnberg, Heidelberg, Hohen—
berg. „Die vier purg des Reichs“ — Altenburg, Aſchen—
burg, Magdeburg, Rothenburg. „Die vier weder des
reichs,“ — Ingelheim, Altorff, Lichtenau, Deckendorff.
Dann eine Anzahl Städtewappen: „Das ſint et⸗
licher ſtet wappen auß einem Turnier puech abgezeicht“ —
nämlich Merſeburg, Halle, Göttingen, Trier, Worms,
Heilbronn, Würzburg, Ingelheim, Ravensburg, Schaff⸗
hauſen, Schweinfurt, Eßlingen, Darmſtadt, Stuttgart,
Mainz, Ingolſtadt, („ein plabs pantel Thier“) Onolz⸗
bach, Simmern, Braunſchweig, Bamberg.
Die Blätter 48 bis 87 enthalten wieder in großem
Maaßſtabe gemalte Wappen verſchiedener Fürſten und
Dynaſten; von Fol. 82 ab erſcheint dann eine fortlau⸗
fende Wappenreihe mit je vier auf einer Seite; dieſelbe
beginnt mit den Markgrafen von Brandenburg u. Burg⸗
grafen v. Nürnberg, und füllt den Band bis 197.
vorkommenden Geſchlechter namhaft zu machen, würde
zu weit führen; nur ſei erwähnt, daß norddeutſche Na⸗
men darunter nicht vorkommen, dagegen die meiſten be⸗
kannteren ſüddeutſchen Familien. Auch
Alle
a usgeſtorbene
3 ˙ —— ß RE VEREINE ANELEIR
kommen vor; bei dieſen pflegt das Jahr ihres Erlöſch—
ens angegeben zu ſein. Auch ſonſt ſind hie u. da kurze
geneologiſche Notizen beigefügt; wir geben dieſelben hier
im Nachſtehenden wieder, da dieſelben vielleicht den ei—
nen oder anderen Leſer dieſer Blätter intereſſiren möchten.
„Graff Henrich von Fuerſtuberg erilagen von
Sweytzer 1469 die s. magdalene.“
„Meſſenhauſen Baiern Abgſtorben sepulti in ecclia.
cadedrali frisingen.“
5
„Herr von Laber abgeſtorben 1476 vltimus dec a-
nus Saltzpurgensis nomine Hatmarus.“
„Leitenbach abgeſtorben 1528.“
„Wolffgang von Tannberg decanus
nicus... obijt 1531.“
„Ulrich von Schwent, zu S. Merthe der l.
des namen ſtarb 1464 am Sambſtag vor Mart ..
Wiſpeck Jörg Hector der leſt diß Namens iſt im ſep—
tember des 1574 in gott entſchlaffen.“
„Wolffgangus Schwartzuſtainer
pat. et mgr. fabrice obijt 1511.“
„Hanns von Schonnſtein canonicus pat. re-
signauit et iterum fortis Laicus.“
2 2 602 5
..
17
.
canonicus
„Wolffhardus von Ramſeyt canonicus pat.
obijt 1530.“
„Dietiſſaw abgſtorbn 1499 vltimus sepultus jn
traubing.“
„Jennger zw Adalmanſtain Echardus
gius Zennger canonici pat.“
„Echardus Leoroder canonicus
pat. Capituli An.) 1528.“
„Weyſſenpach meichſner. Der vier Ritter des
reichs anſtat der von melding, actum per Cesarem ma-
ximilianum 1510 Auguste.“
„Erasmus von Hohenueld Canonicus et custos
pat.“
„Hanns von Taxſperg Canonicus et magister
fabrice pat. Ecclie.“
„Ottlinger Sepulti in monasterio munichmunster.
„De Lapide alias dieti von Hipolſtein Funda-
tores monaſterij jn Biburgk. 1051.“
„Lamerſhein Fundator monaſterij Maulbronn.“
„Henrich von Pholing Ritter Fundator monas—
terij jn Gotzell.“
„Waltkircher vltimus est canonicus Augustensis.“
„Mathias Prannt Canonicus pat. obijt 1531.“
Am Schluſſe ſind mehrere größere Bogen einge—
heftet, anſcheinend die Diarien des Wappenbuchs, denn
man erblickt darauf eine große Anzahl derſelben Wappen
als im eigentlichen Manuſcript, jedoch nur flüchtig (ohne
Helm und Helmdecken, mit unmittelbar auf dem Schilde
ruhenden Kleinoden) entworfen.
7 et Geor-
(et cellarius
cano-
— U — ͤ œ—ͤU—— r . —. —
Hinſichtlich der techniſchen Ausführung wäre zu be-
merken, daß der Styl der Wappen, ſoweit er ſich na—
mentlich in den vorgedruckten Schablonen der Schilde,
Helme und Decken ausſpricht, der der Uebergangsperiode
zwiſchen Gothik und Renaiſſance iſt; Die Zeichnung
der Figuren dagegen, die offenbar von zwei oder drei
verſchiedenen Händen herrührt, iſt größtentheils nur ganz
mittelmäßig. Die ſtets geſtem pelten Löwen find gut.
Die Farben ſind völlig erhalten; ſie ſind außerdem noch
durch die Buchſtaben g. w. R. p. (plab⸗blau) ß. be⸗
zeichnet. Säumtliche Wappen erſcheinen rechtsgewendet,
mit Ansnahme der Alliancewappen der erſten Blätter,
wo je zwei und zwei einander zugekehrt ſind. (Auch
die Figuren der Schilde.)
Eortſetzung folgt.)
Anfrage I.
In einer früheren Sitzung des Münzforſcher-Ver—
eins zu Hannover wurde der in der königl. Bibliothek
daſelbſt befindliche Originalſtempel eines Landfriedens—
ſiegels Kaiſer Wenzel's zu dem Zweck vorgelegt, über
die Bedeutung eines auf dem Siegel ſich zeigenden Fi-
ſches Aufklärung zu erhalten.
Der wohl erhaltene meſſingene Stempel wurde in
Schwaben in der Nähe der Stadt Giengen auf einem
Ackerfelde gefunden und von dem Staatsamtmann und
Verwalter des benachbarten Kloſters Königsbronn an .
ſich gebracht, von dieſem aber dem bekannten J. J. Moſer
überlaſſen, durch welchen die erwähnte Bibliothek in Beſitz
des Stempels kam.
Das etwa 72 Meter im Durchmeſſer haltende
runde Siegel mit der Umſchrift in gothiſcher Majuskel:
„+ S. PACIS. PER. DOM. WENZESLAUM.
ROMANORUM. ET. BOEMIE. REGEM ORDI-
NATE.“ zeigt die Figur des Königs als Knieſtück in
einem gothiſch damaszirten Felde. Zu beiden Seiten
des mit einer fünfblättrigen Krone bedeckten Hauptes
ſind zwei dreieckige Wappenſchilde befindlich, von denen
der vordere den einköpfigen Reichsadler, der hintere
den gekrönten böhmiſchen Löwen zeigt.
Mit der Rechten hält der König das entblößte
Schwert quer über Leib, in der Linken den Reichsapfel.
Unterhalb des Schwertes endlich, wo der ſehr natürlich
dargeſtellte Bauch des Königs aufhört, zeigt ſich ein
rechtsgewendeter frei liegender Fiſch. Vermuthlich hat
derſelbe als Unterſcheidungszeichen dieſes Landfriedens—
ſiegels von einem andern ähnlichen dienen ſollen, und
bleibt es dahingeſtellt, ob dieſes dem im Jahre 1389
nach Eger zuſammenberufenen allgemeinen Landfrieden
gedient hat. Ueber die eigentliche Bedeutung des
Fiſches hat ſich bisher aber noch nichts Genaues ermit—
teln laſſen. Der obengenannte Moſer meint: „zu Wen⸗
zels Zeiten haben allerlei Geſellſchaften ihren Namen
von Thieren entlehnt, jo die Löwengeſellſchaften, und
1484 jet u. A. in Schwaben eine Geſellſchaft von Gra⸗
fen, Herren, Rittern und Knechten die „vom Fiſch“ ge—
nannt. Ob nun etwa dieſelbe ſchon zu Wenzels Zeiten
in Wirkſamkeit geweſen und ſich dieſes als ihres eige⸗
nen Landfriedensſiegels bedient habe, getraue er ſich nicht
zu entſcheiden.“
6
u. Familienkunde bezieht, als auch aus den bereits er⸗
wähnten Publicationen das in unſer Fach Einſchlagende
in Kürze mittheilen. Der Herold hat bereits zu dieſem
Zwecke Schritte gethan, um einen Schriftenaustauſch
Für dieſe Annahme könnte allenfalls der Umſtand
ſprechen, daß der Stempel in Schwaben aufgefunden
wurde.
Es wurde ferner in der erwähnten Sitzung noch
angeführt, daß der Fiſch möglicherweiſe eine örtliche Be⸗
deutung habe und ſich auf den mittelalterlichen Gebrauch
zurückfuͤhren laſſe, die Lage von Städten an Flüſſen
oder Seen durch Wellen und darin ſchwimmende Fiſche
auf ihren Siegeln anzudeuten. Eine befriedigende Lö—
ſung der Frage ward jedoch nicht erzielt.
Die geſchätzten Leſer dieſes Blattes, welche über die
Bedeutung des Fiſches Etwas anzuführen in der Lage
ſind, werden um gütige Mittheilung ihrer Anſicht er—
ſucht.
Berlin.
a
10%
RW
Das Spanifche Wappen,
wie es gegenwärtig, nach der Entthronung der Königin
Iſabella, geführt wird, iſt, zufolge den Darſtellungen
auf den neueſten ſpaniſchen Münzen, in nachſtehender
Weiſe componirt:
Gevierteter Schild mit eingepfropfter Spi
I. Caſtilien. (g. Caſtell in r.)
II. Leon. (gekrönter r. Löwe in W.)
III. Arragonien. (in g. drei r. Pfähle.)
IV. Navarra. (g. Schildbeſchlag in r.) ö
V. (Spitze: (gr. Granatapfel mit r. Saamen in w.)
Der mit einer fünfzinnigen Mauerkrone bedeckte
Schild iſt unten von zwei gekreuzten Palmzweigen um—
geben und wird von zwei W. Säulen gehalten; an jede
der letzteren iſt ein w. Band geheftet, worauf man vorn
„PLUS“ hinten „ULTRA“ lieſt. —
6
*
)
32 * *
CLileralur.
Da ſich in neuerer Zeit nicht nur das Erſcheinen
ſelbſtändiger genealogiſcher und heraldiſcher Werke in
ſehr erfreulicher Weiſe mehrt, ſondern anch in den Be⸗
richten der beſtehenden Geſchichts- und Alterthumsver⸗
eine, ſowie in den verſchiedenen archäologiſchen Zeit—
ſchriften, häufig Artikel heraldiſchen Inhalts veröffent⸗
licht werden (mehrere dieſer Publicationen haben dafür
in anerkennenswerther Weiſe eine ſtehende Rubrik) f
dürfte es eine der Hauptaufgaben des „Deutſchen He⸗
rold“ ſein, ſeine Leſer ſtets in Bekanntſchaft mit allen
dergleichen Erſcheinungen zu erhalten. Wir werden daher
unter der Ueberſchrift „Literatur“ ſowohl Beſprechungen
größerer Werke bringen, deren Inhalt ſich auf Wappen⸗
turen, würden erwünſcht ſein.
zwiſchen ihm und den übrigen deutſchen Geſchichtsver—
einen reſp. Redactionen hiſtoriſcher Zeitſchriften herbei⸗
zuführen.
„Correſpondenzblatt des Geſammtver⸗
eins der Deutſchen Geſchichts- und Alter-
thumsvereine 1870 Nr 1.“ enthält:
S. 7. Anzeige und Recenſion der kürzlich er⸗
ſchienenen, von A. Frauſtadt herausgegebenen Geſchlechts⸗
Geſchichte derer von Schönberg meißniſchen Stammes.
(Eingehendes über dieſe Arbeit in einer der nächſten
Nrn. d. Bl.)
S. 8: Eine Bitte an Freunde der Heraldik von
H. Weininger, Secretär des hiſtoriſchen Vereins zu Re⸗
gensburg, Wappenſagen betreffend; ſpeciell wünſcht Hr.
W. Auskunft über etwaige Sagen, welche ſich an die
Wappen der Grafen Cettner, Gr. Bethlen, Fürſten
Palffy, F. Schwarzburg, (Gabel und Kamm) Gra⸗
fen Bubena, Frhru. Hotowetz, Grafen Gollalto etc.
knüpfen. (Wir wiederholen hier gern die Anfrage,
können jedoch nicht umhin gleichzeitig zu bemerkeu, daß
der „Deutſche Herold“ in feinen Veröffentlichungen ſtets
auf den Boden der geſchichtlichen Thatſachen bleiben wird
und daher ſich auf Publikation von Wappenſag en
nicht wird einlaſſen können.)
„Numismatiſche Zeitung, Blätterfür Mün z⸗
Ft q J . —
Wappen⸗ und Siegelkun de. Nr. 2. 1870,“ ent⸗
hält S. 19 einen Aufſatß von G. Seyler über das be⸗
kannte Wappen in Grünenbergs Wappenbuch, den drei-
köpfigen gelben Adler im ſchwarzen Felde als Wappen
des deutſchen Kaiſers, ſo lange ſich das heilige Grab zu
Jeruſalem in den Händen der Chriſtenheit befinde. Hr.
Seyler weiſt den Vorwurf v. Hefner's, daß dieſe Angabe
eine Phantaſie Grünenbergs ſei, zurück, geſtützt auf eine
bezügliche Mittheilung des Nürnberger Chroniſten Se—
bald Schreyer. — Weitere Aufklärungen in dieſer An⸗
gelegenheit, namentlich Mittheilungen über etwaiges
Vorkommen des Reichsadlers mit verwechſelten Tine—
„Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger
(Organ des Münzforſcher-Vereins zu Hannover) Nr. 1.“
S. 3. Beantwortung einer früheren Anfrage im Num.
Anzeiger, das bekannte Sigillum Vini betreffend. Zu den
0 ' to)
vielfachen Erklärungen, welche dieſes Siegel, deſſen Ur-
ſprung noch nicht ermittelt iſt, bereits erfahren hat,
tritt hier die Hypotheſe, daß die Umſchrift urſprünglich
„sigillum (comitis s. regis Bald) vini gelautet haben
möge, — und mithin etwa ein Graf von Flandern (bei
denen der Vorname Balduin im Mittelalter ſtehend iſt)
oder einer der aus dieſem Geſchlecht ſtammenden Könige
von Jeruſalem ſich dieſes Siegels bedient haben könne.
Die von demſelben courſirenden Abdrücke laſſen offen—
bar erkennen, daß ſie vom Originalſtempel genommen
ſind, der alſo noch vorhanden ſein muß. Wo? Eine
Unterſuchung deſſelben würde wohl erkennen laſſen, ob
ein Falſificat vorliegt oder nicht.
„Mittheilungen des Vereins für Münz⸗
Wappen⸗ und Siegelkunde in Dresden.“ 1.
Heft. Dresden, 1869.
Mit Freuden begrüßen wir dieſe am Schluſſe des
vorigen Jahres veröffentlichte erſte Publication eines faſt
dieſelben Zwecke als der „Herold“ verfolgenden Vereins.
Aus dem Berichte entnehmen wir, daß der Dres—
dener Verein ſich am 8. November 1867 conſtituirte,
in drei Abtheilungen — für Numismatik, Heraldik und
Sphragiſtik — geſchieden iſt, und mit einer Anzahl hi—
ſtoriſcher Vereine in Verbindung ſteht. Er zählt gegen—
wärtig 24 Mitglieder, welche eine äußerſt rege Thätigkeit
entwickeln, indem ſeit dem Beſtehen des Vereins bereits
78 Sitzungen ftattgefunden haben und in denſelben 37
Vorträge gehalten worden ſind.
An heraldiſchen Arbeiten enthalten die Mittheilun—
gen: 1) „Die Wappen und Siegel der Städte Sachſens,
Thüringen's nud der angrenzenden Provinzen.“ Mit
Recht hebt der Verfaſſer es als nothwendig hervor, daß
auch den Städte wappen u. Siegeln Aufmerkſamkeit
geſchenkt werde, wie dies ja auch bereits vielfach ge—
ſchehen iſt. Es iſt natürlich nicht möglich, hier über
jedes einzelne der beſprochenen Städtewappen Genanes
zu wiederholen; wir beſchränken uns darauf, nur zu er⸗
wähnen, daß folgende Sächſiſche Ortſchaften: Adorf,
Altenberg, Annaberg, Aue, Auerbach, Bärenſtein, Bautzen,
Berggießhübel, Bernſtedt, Biſchofswerda, Borna, Brand,
Brandis, Buchholz und Burgſtädt zur Beſprechung
kommen, und daß die Behandlung des Stoffes ähn—
lichen Abhandlungen zum Muſter dienen kann. Dan—
kenswerth ſind die Hinweiſe darauf, wie (was auch leider
anderwärts in reichlichem Maaße der Fall iſt) manches
alte ſchöne Wappen durch Unwiſſenheit oder Unacht—
ſamkeit verdorben iſt.
Eine photolithographirte Tafel mit einer Anzahl
von Siegelabbildungen, welche die Originale (wie eine
Vergleichung der erſteren mit einigen vorliegenden Ab—
güſſen zeigt) getreu wiedergeben, gereicht dem Hefte
zu beſonderer Zierde. In der Erläuterung dazu wird
mit Recht der Unterſchied zwiſchen Städte -Wappen u.
Städte⸗Siegeln, in Bezug worauf manche Heraldiker
oft fehlen, betont. Von Städte-Wappen imeigent⸗
lichen Sinne kann man überhaupt kaum reden, ebenſo
wenig als von Länderwappen. Die ſ. g. Städte wappen 1
f 6 AM l aufbewahrten, Exemplare vorhanden . find, an—
die Contour eines Schildes begrenzte, und erſtere ſowohl
entſtanden faſt immer indem man die Siegelbilder durch
als letztere, wo es nöthig, heraldiſch tingirte. Bei far-
bigen Darſtellungen von Städtewappen die natürliche
| Farbe der. Siegelbilder zu wählen, (falls nicht die Tine
turen durch Ueberlieferung feſtſtehen) wie a. a. O. vorge»
ſchlagen wird, ſcheint nicht zu empfehlen; wo es ſich
um heraldiſche Darſtellungen handelt, ſollten ſtets auch
nur die heraldiſchen Farben gewählt und benutzt werden.
Die ſogenannte Naturfarbe iſt von der neueren Heral⸗
dik gar zu oft mißbräuchlich angewendet worden.
TE ER, ST ETTERNTENR
2) Verſuch eines Nomenclators des ſächſiſchen Adels.“
Ein mit großem Fleiße auf Grund zahlreicher Quellen
des Dres dener Archivs, der dortigen Bibliothek u. einer
Reihe älterer u. neuerer Druckwerke zuſammengeſtelltes
Verzeichniß der Adelsfamilien Sachſens, ſowohl der
eingeborenen als der eingewanderten; als Grundlage
für ſpätere Arbeiten über ſächſiſche Adelsgeſchichte und
Heraldik ſehr brauchbar.
Zur Beachtung für Sammler möge nicht uner—
wähnt bleiben, daß der Verein eine große Anzahl Siegel—
Doubletten beſitzt und dieſelben gegen andere auszu—
tauſchen geneigt iſt.
Heraldifche Technik.
Ueber das Abformen der Siegel.
Höchſt nothwendig, faſt unentbehrlich iſt für
jeden Heraldiker der Beſitz einer möglichſt reich—
haltigen Wappen- und Siegel-Sammlung — ſo
nothwendig wie dem Botaniker ſein Herbarium,
dem Numismatiker die Münzſammlung ete. Zwar
verfolgen die Freunde unſerer Wiſſenſchaft in
dieſer Beziehung ſehr mannigfaltige Ziele: Der
Eine ſammelt nur mittelalterliche, der Andere
nur neuere Wappen; der Eine richtet fein Haupt⸗
augenmerk nur auf fürſtliche, der Andere auf
geiſtliche, der Dritte auf Städte-Siegel, u. ſ. w.
Allen aber liegt es natürlicher Weiſe am Herzen,
ihre Sammlungen ſo viel als möglich zu ver—
größern, um durch ſorgfältige Beobachtung und
Vergleichung des vorliegenden Materials ihre
Kenntniß zu erweitern.
Unſtreitig darf Niemand, der für einen
wiſſenſchaftlichen Heraldiker zu gelten beanſprucht,
es verſäumen, eifrig und eingehend die Siegel
des Mittelalters zu ſtudiren, welche eine uner—
ſchöpfliche Fundgrube des Intereſſanten darbieten
und für jede heraldiſche Arbeit unentbehrlich ſind.
Da nun aber einestheils viele höchſt wichtige alte
Siegel nur in einem, in irgend welchem Archive
dererſeits die Anzahl der alten Originalſiegel,
welche Sammler auf dem Wege des Kaufes oder
Tauſches erwerben können, eine geringe iſt (glück—
licherweiſe — denn die Wachsſiegel gehören an
ihre Urkunden und die Urkunden gehören in's
Archiv; jedes abgeriſſene alte Siegel erinnert in
trauriger Weiſe an Pietätloſigkeit oder Verun⸗
treuung;) ſo würde den ſphragiſtiſchen Forſchun⸗
gen eine enge Grenze gezogen fein, hätte man
nicht verſucht dieſem Mangel dadurch abzuhelfen,
daß man von den in Archiven aufbewahrten
oder überhaupt ſeltenen alten Siegeln Abgüſſe
anfertigt, um dieſe, als die Stelle der. Drigi-
nale vertretend, in Sammlungen aufzunehmen.
Zeichnungen würden zwar auch verwendbar ſein,
allein theils ſteht nicht jedem Sammler ein
Zeichentalent zu Gebote, theils iſt auch die beſte
Zeichnung oft ungenügend, wenn es ſich, wie dies
jo häufig der Fall, um ſphragiſtiſche Darſtell—
ungen handelt, die dem bloßen Auge kaum er⸗
kennbar und in ihrer eigenthümlichen Form von
äußerſter Wichtigkeit ſind.
Die Anforderungen, welche man an einen
guten Abguß ſtellt, ſind: er muß das Original
in ſeiner Größe und den darauf befindlichen
Darſtellungen bis in's Kleinſte getreu wieder—
geben, kurz daſſelbe vollſtändig erſetzen; ſeine
Anfertigung darf in keiner Weiſe eine Beſchädi—
gung des Originals herbeiführen; er muß dau—
erhaft und nicht zu ſchwierig aufzubewahren ſein.
Man hat behufs der Siegel- Vervielfälti⸗
gung verſchiedene Methoden in Anwendung ge—
bracht; die hauptſächlichſten ſind: Abgießen in
Gyps oder Schwefel; Abformen in Guttapercha
oder Thon; Gewinnung eines Stempels durch
galvaniſchen Niederſchlag und demnächſtiges Ab—
drücken deſſelben in Wachs, Guttapercha oder
Siegellack. Jede dieſer Methoden hat ihre größeren
oder geringeren Vortheile und Nachtheile.
Wir beabſichtigen hier zum Nutzen der
ſammelnden Leſer die verſchiedenen Verfahren ſo
zu beſchreiben, wie ſie ſich durch langjährigen
Gebrauch als zweckentſprechend herausgeſtellt haben,
es den Leſern anheim ſtellend, die ihnen als die
geeignetſte erſcheinende Methode zu wählen.
(Fortſetzung folgt.)
Zur Noliz.
Für das laufende Jahr iſt die Einrichtung getrof—
fen, daß der „Deutſche Herold“ den geehrten Abonnen—
ten direct franco zugeſendet wird; dieſelben werden hin—
gegen erſucht, die Abonnementsgebühren im Betrage von
„1 Thlr. 5 Sgr.“ bis zum 1. Mai d. J. an den
Vereins⸗Schatzmeiſter, Herrn Geheimen exped. Secretair
Warnecke zu Berlin, welcher bis zum 1. April
J. Wilhelmsſtraße Nr. 39, ., von da ab aber
D. J.
— —— —.cCᷣ. — — — —-—- — a ͤꝓ⏑W—w— —— — — —
EEE EEE NEE EEE NT ENTER NEE EEE . ww...
Steglitzer Straße Nr. 58, III. wohnt, gleichfalls
franco einſenden zu wollen. Vom 1. Januar 1871 ab
wird der Vertrieb dieſes Blattes vorausſichtlich der Poſt
reſp. dem Buchhandel übergeben werden.
Die Mitglieder des Herold erhalten das Vereins—
Organ zum ermäßigten Preiſe von 20 Sgr.
Ehrenmitglieder erhalten die Zeitſchrift gratis.
Anzeige.
Nachbenannte Bücher ſind zu verhältnißmäßig billigen Preiſen
zu erſtehen:
Der durchlauchtigen Welt Wappenbuch. Nürnberg 1767. 2
Bde. Octav.
Hübner's geneal. Tabellen. Leipzig 1725. Querfol. Schwldrbd.
Scheidt, hiſt. und diplom. Nachrichten vom deutſchen Adel.
Hannover 1754. Quart.
Fürſt's Wappenbuch, 1 Theil. Theilweiſe colorirt.
Bagmihl's pommeriſches Wappenbuch. I. u. II. Theil.
Svea Rikes Ridderskaps Bok, Mit Holzichnitten. Stockholm
1746 Fol.
Silvester Petra Sancta, tesserae gentilitiae,
. Rom 1638. (Sel⸗
ten.) Fol. mit vielen Kupfern.
Insignia gentilitia equitum ordinis velleris aurei von J. J.
Chifflettius. Antwerpen 1632. Selten.
La Nobilta Veneta, v. Casimir Freschot. Venet. 1707. Mit
Holzſchnitten; kl. Oetav. Sehr ſelten; das ganze Venetianiſche
Patriziat enthaltend. *
Maſch, Wappenalmanach der ſouver. Regenten Europgs. Quart.
Oetter's Wappenbeluſtigungeu, 2 Bde. Augsburg und Nürnberg
1761 —1763. Quart mit vielen Abbildungen.
Tyroff, Neues adl. Wappenwerk Band J., Abtheil. 1—3 in drei
Bänden und ein Band Tert.
Becmani Syntagma digpitatum illustrium ete. Lipsiae 1646.
Selten. ' |
Ménestier, nouvelle methode du Blason Lyon 1710. Kl. Oct,
Ldrb. Selten.
M£nestrier, Origine des Armoiries, Paris 1684. Kl. Det. Selten.
Wölckern, Beſchreibung der bairiſchen u. ſ. w. Wappen. Nürnberg
1821-1829. Brochirt. 4 Bde.
Wappengallerie des höheren Adels des Oeſterreichiſchen Kaiſerſtaates.
Wien. Gr. Oet. n
Dorſt, ſchleſ. Wappenbuch; über 300 Wappen in Buntdruck. Com⸗
plet. 9 Hefte; Quart. Ungeb.
Caſt, Süddeutſcher Adelsheros. 2 Bände,
temberg. 1 .
The present Peerage of the United kingdom. London 1810 Kl.
Octav.
and her. Dictionary of the Peerage etc, of the British
Baden und Wuͤr⸗
Gen.
Empire. London 1840. Gr. Octav Lederbd.
The peerage of the british Empire. London 1847. Gr. Detav.
Prachtband.
Chriſtian von Stromberg, das Haus Bathory in ſeinen Verzwei—
gungen. 1853.
Alexander Frhr. v. Simolin, Stammtafeln der Bathory-Simolin.
"1855
Diverſe Staats-Handbücher von Europa auf die Jahre 1722, 1773,
1809, 1811, 1812, 1834, 1838, 1841, 1848 x. .
Gefällige Anfragen und Angebote auf vorſtehende Bücher
wolle man frankirt richten an Herrn Pr. Lieut. M. Gritzner,
Berlin, Victoriaſtraße Nr. 11, woſelbſt ſie auch zur Anſicht ſtehen.
Inhalt der erſten Nr.:
Vorwort. — Statut des Herold. — Ueber zwei heral⸗
diſche Manuſeripte aus dem 16. und 17. Jahrhundert. —
Anfrage J. — Das Spaniſche Wappen. — Literatur. —
Heraldiſche Technik. — Notiz. — Anzeige. N
Im Auftrage des obengen. Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Reg.⸗Bez. Magdeburg. Druck von A. Keller in Gardelegen.
*
aus dem Protocol der Sitzung des „Herold“
—
Monatsſchriſt für Heraldik, N
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatlich einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährlicher Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene
Petitzeile — r
1 Jahrgang.
Ar. 2. FF Berlin, im März 1870. aD
— une un se en == 2 — —
„Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller⸗ Contrahenten ihr Wappen resp. Siegel den
gaädiglt e 1 85 Nit e ih D. ih Urkunden anhingen. Die Annahme, daß AL
Eduard Oscar Kerſtan, Rittergutsbeſitzer auf Kriſchütz, n e f 70
Kr. Wohlau, unter dem Namen „von Lüttwitz⸗ bero ein Brunckow geweſen ſei⸗ wurde beſtrit⸗
Kerſtan“ in den Adelſtand zu erheben. (Publ. 13. Febr.) ten, und behauptet, daß er der Familie Schnet⸗
Den Landrath a. D. und Rittergutsbeſitzer Bernhard ling i und mit dem in der Vor⸗
Paul Friedrich Hugo v. Scheibler') zu Aachen in den | rede zum Sachſenſpiegel aufgeführten Voigt von
Freiherruſtand zu erheben. (Publ. 4. März.) Spandau, Albrecht de Snetlinge, identiſch ſei.“
Die zweite Frage: welches Wappen die
bis mindeſtens in's 14. Jahrhundert in der Neu—
Aus U mark anſäſſig geweſene Familie von Brunckow
Auszug geführt habe, ließ ſich, da die Recherchen noch
nicht beendet ſind, vorläufig nicht beantworten.
Die dritte Frage: ob die Familien Senar-
clens de Vüfflers u. Senarclens de Graney
ein und dieſelbe ſei, führte zu keiner definitiven
vom 2. März 1870.
Nach Erledigung der geſchäftlichen Ange- Entſcheidung.
legenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder, ge— , „
langten folgende an den Verein gerichtete An⸗ Die vierte Frage: wo zur Zeit die Acten
nn des ehemaligen Schöppenftuhls in Brandenburg
fragen nd een f aufbewahrt werden, ob darüber Regiſter exiſtiren
Die erſte Frage: Welches Wappen Albero, und ob Abſchriften daraus zu erlangen ſeien,
a 5 Markgrafen er 85 a wurde durch die Mittheilung erledigt,
von Brandenburg, im 13. Jahrhundert geführt |, Ar 0 f i ee
und welcher Familie derſelbe angehört habe? |“ Gerte 11 1 Ti bei 1 0 söngt. Pets
wurde dahin beantwortet: | i ericht zu Brandenburg befänden, der dort
WIRD J . anſäſſige Prof. Dr. Heffter ein ſehr genaues
Daß, da derſelbe nur als Zeuge in den Ur Namen- und Sach⸗Regiſter derſelben angefer-
kunden aufgeführt wird, ein Wappen deſſelben tigt habe, und Abſchriften durch Vermittlung
ſich ſchon um deshalb nicht habe ermitteln | des Kreis-Gerichts-Kanzlei-Director's v. d.
laſſen, als nach damaligem Gebrauche nur die Blechen zu erhalten ſeien.“ |
) Aus der 1783 nobilitirten Familie in der Rreinpropinz. Herr Premierlieutenant a. D. Gritzner, Bib-
5
—
liothekar des Vereins, verlas demnächf
von ihm verfaßten Aufſatz über die „Heraldik
als Hülfswiſſenſchaft der Geſchichte.“ Nachdem
ſodann der Schriftführer des Vereins, Hr. Geh.
Regiſtrator Dr. Brecht, noch einige Mittheilun—
gen aus ſeiner Arbeit: „Nachrichten über die
Familie Grieben“ (Berliner Patricier) gemacht
hatte, wurde die Sitzung geſchloſſen.
Ueber Plaſonirung.
Ein Umſtand, welcher für die Heraldik in
unſerm Deutſchen Vaterlande ſtets recht hinder⸗
lich geweſen iſt und noch immer zu vielen Irr⸗
thümern u. Mißverſtändniſſen Veranlaſſung giebt,
iſt der Mangel einer gleichmäßigen, allgemein
angenommenen und leicht verſtändlichen Blaſo⸗
nirungsweiſe. Wenn wir ein Wappen beſchrei⸗
ben wollen, fehlt es uns oft an geeigneten Aus⸗
drücken; wir entlehnen dieſelben dann dieſem
oder jenem Schriftſteller, der für die gewöhnlich—
ſten Figuren neue Ausdrücke erfunden hat. Die
Franzoſen ſind uns Deutſchen in dieſer Bezieh⸗
ung weit voraus; ihre Blaſonirung iſt jo all-
gemein angenommen, ſo kurz und beſtimmt, daf
ſie im Stande ſind, ein Wappen mit kaum halb
ſo vielen Worten, als ein Deutſcher gebrauchen
würde, zu beſchreiben, und zwar ſo zu beſchreiben,
daß es einem Jeden, der ſich nur ein wenig mit
Heraldik beſchäftigt hat, ſofort klar vor Augen
ſteht. Außerdem haben fie ihre dictionnaires
heraldiques, worin fie, im Fall ihnen ein Aus-
druck nicht geläufig iſt, nur nachzuſchlagen brau-
chen. Dabei ſind noch ſo viele allgemein übliche
Ausdrücke eingeführt, daß es wohl unmöglich
ſcheint, eine noch größere Präciſion zu erreichen.
Vielfach hat dies allerdings ſeinen Grund
in beſonderen Eigenthümlichkeiten der franzöſiſchen
Sprache, vermöge deren man durch ein oder zwei
Worte etwas ausdrücken kann, was im Deutſchen
durch einen Satz umſchrieben werden muß; z. B.
deux lions adosses — zwei mit dem Rücken
gegen einander gewendete Löwen; vielleicht ließe
ſich überſetzen „abgewendet,“ im Gegenſatz mit
„zugewendet,“ [)( und ()] ähnliche Ausdrücke ſind
z. B. arme, adextré, senestre, u. f. w.) Indeß
|
t einen wollen wir es uns zur Aufgabe machen, in un—
ſerer Sprache wenigſtens eine gleich große Kürze
u. Beſtimmtheit bei der Beſchreibung von Wappen
zu erzielen, und es verſuchen, in den ſpätern
Nummern dieſes Blattes Vorſchläge zur Erreich—
ung dieſes Zweckes zu machen; wir geben uns
der Hoffnung hin daß dieſelben von den deut⸗
ſchen Heraldikern acceptirt, oder daß uns abän⸗
dernde Vorſchläge zugeſandt werden, die wir gern
prüfen und event. annehmen wollen, um dann
ein „Deutſches heraldiſches Wörterbuch“ zus
rn
| Sammenftellen zu können.
Regeſten
einiger Urkunden zur Geſchichte mehrerer
niederſächſiſcher Geſchlechter.
Mitgetheilt von F. Warnecke.
Die nachſtehend im Auszuge mitgetheilten,
ſeither noch unbekannt gebliebenen Urkunden,
welche ſich gegenwärtig im Beſitz des Obenge—
nannten befinden und als älteſte Schriftſtücke
zum Theil von großem Intereſſe ſind (da ſie auch
zur Erklärung noch nicht recht gedeuteter Ver⸗
hältniſſe des Amts Lauenſtein beitragen) erhielt
derſelbe unlängſt von dem Beſitzer des von Münch⸗
hauſen'ſchen Gutes Schwöbber im Fürſtenthum
Calenberg, wohin ſie vor längerer Zeit von dem
ebenfalls von Münchhauſen'ſchen Gute Voldagſen
translocirt worden waren.
1) 1313, 9. November. (feria sexta ante fest.
b. Martini conf.)
Simon, Graf von Daſſel, belehnt die Rit-
ter Arnold von Haversvorde und Wasmod
von Hagen mit den Gütern zu Calverdal,
welche vorher Conrad von Amelunxen und
ſein Sohn Ravenus zu Lehn gehabt.
Zeugen: nobilis vir Luthardus de Mey-
nerssem, Beseco de Woldershusen, Grubo
de Grubenhagen, Johannes de Beseken-
C TE REDE TEE
dorph, Ecbertus de Stocheim, milites,
Albertus de Wallenstede, famulus, etc.
Das abhängende runde Siegel, im Schilde
das von Kugeln begleitete Daſſel'ſche Hirſch—
geweih und die Umſchrift: „+ Sigillum...
oni, comitis de. D. s..“ zeigend, iſt ſtark
lädirt. i
2) 1316, 22. Auguſt (in octava assumpt. b.
Marie virg.)
Albert von Amelunxen, Canonicus zu Pa—
derborn, verpfändet, mit Zuſtimmung ſeiner
Brudersſöhne Otto und Ecbert, ſeine Be—
ſitzungen zu Calverdal an den Ritter Was⸗
modus von Hagen und deſſen Sohn Hein-
rich für 34 Mark Höxterſcher Denare.
Zeugen: Johannes de Marxsen, miles,
Gozwin Blicke, Conradus Grope, Her-
boldus de Amelungessen, Henricus de
Helderssen, Conradus de Meyngodessen,
famuli, etc.
Das abhängende dreieckige Siegel mit der
Umſchrift: „S' Alberti de Amelungessen“
zeigt zwei Veh⸗Pfähle.
3) 1348, 24. Juni (in sunte Johannesestage
to middensomere.)
Ernſt, Herzog zu Braunſchweig, des ſeligen
Herzog Albrechts Sohn, belehnt Heinrich,
Ernſt und Arnold, Gebrüder von dem Ha—
gen, mit einem Burglehn auf dem Hauſe
Lauenförde und 4 daſelbſt belegenen Hufen.
Das etwas lädirte, abhängende große Sie—
gel zeigt den bekannten ſchreitenden Löwen
im mit kleinen Lilien beſtreuten Felde.
Umſchrift: „+ Sigillvm. dei gr. cia.
Ernesti, dveis. in brvneswich.“
4) 1418, 2. März (to Middeffasten.)
Bernd, Otto und Wilhelm, Herzöge zu
Braunſchweig und Lüneburg, belehnen den
Ritter Hermann Bock von Northolz, zu
Hand ſeines Bruders Herrn Bertold, mit
Ländereien und Hebungen zu Oldendorf,
Esbeck, Verdebeke, (Wüſtung im Amte Lauen⸗
ſtein) Hemmendorf und Komeringehuſen,
welche vor Zeiten Wulbrand von Dudingen
U
— — ͤ ͤ—́—ͤꝓ ͤ ö-—ĩꝛ — I ů ů ů QA
.
von der Herrſchaft Homburg und den Her—
zögen durch Richard und Hermann von Man⸗
delsloh zu Lehn gehabt hat.
Von den anhängenden 3 runden Siegeln
von grünem Wachs in gelber Schüſſel iſt
das des Herzogs Bernd zerbrochen.
5) 1429, 19. März (an dem h. Palmendage
abende.)
Otto, Herzog zu Braunſchweig, des ſeligen
Herzog Otten Sohn, belehnt Hinrik vom
Hagen, als den älteſten, und Ernſt, ſeinen
Bruder, mit dem Burglehn und vier Hufen
zu Lauenförde, ſowie mit Ländereien und
Zehnten zu Vahle, Sohlingen, (beide im
Amt Uslar) Schönhagen, Benstorpe, Nort⸗
bergen, Würrigſen und Calverdal, wie ſolche
ihr Vater Hinrik vom Hagen vom Herzog
Otto ſel. zu Lehn gehabt.
Das anhängende, herzogliche Siegel von
grünem Wachs in gelber Schüſſel, zeigt im
Schilde die Leoparden, auf dem Helm das
Pferd vor der mit Pfauenfedern beſteckten
Säule.
Umſchrift (in Minuskeln):
dv-cis-in bryswik.“
„S' Ottonis
6) 1434, 28. März (in den hilgen dagen to
Ostern.)
Heimbert von Helverſſen und Diederich,
ſein Sohn, verpfänden mit Genehmigung
des Herzogs Otto ihr Burglehn zu Fürſten—
berg nebſt dem Hauſe daſelbſt auf der Burg,
ſowie ihre Beſitzungen zu Eylerssen (Eilen⸗
ſen bei Daſſel?) und Meinbrexen für 100
Rheiniſche Gulden, welche ſie Heinemann
Krakouw und Alheyd, ſeiner Hausfrau,
ſchulden.
Die anhängenden runden Siegel der bei—
den Brüder, — von grünem Wachs in gel-
ber Schüſſel, je einen mit vier rechts wehen⸗
den Fähnlein beſteckten Helm zeigend —
ſind gut erhalten.
7) 1439, 8. December (1. d. concept. b. Marie
virg.)
Otto, Herzog zu Braunſchweig, des ſeligen
8) 1488, 9. Juni (Montag nach St. Bonifacii.)
12
1
Herzog Otto Sohn, belehnt Henrik von dem
Hagen, als den älteſten, und Ernſt, ſeinen
Bruder, mit einem Sattelhof und drei Hu—
fen in Thudinghauſen, einer Hufe zu Lutte⸗
ringhauſen, einem Sattelhof und einer Hufe
mit Zehnten und Gerechtſamen zu Aſche,
wie ſolches ſeinem Schreiber Johann Gro—
tejan zu Lehn gegeben war, für eine, dem
Herzog geliehene, Summe Geld, die ihm
die von Hagen wieder gegeben haben; un:
beſchadet der Rechte, welche Geſe von Yitorp-
pe, Hildebrands von Halthuſen Wittwe, an
den genannten Gütern, als ihrer Leibzucht,
bei ihren Lebzeiten hat.
Das anhängende, herzogliche Siegel von
gelbem Wachs iſt mittelmäßig erhalten. Im
Schilde: die Leoparden; auf dem Helm:
Pferd, vor der mit Pfauenfedern beſteckten
Säule. Umſchrift: „Sigillum Ottonis —
ducis in brunswik.“
Mauritius, Graf zu Spiegelberg, belehnt
Hermann Bock von Northolz mit Gütern
und Hebungen zu Verdebeke, Leede (beide Wü⸗
ſtungen im Amte Lauenſtein) Oldendorf und
Voldagſen.
Das mittelmäßig erhaltene Siegel von
grünem Wachs in gelber Schale zeigt das
Spiegelbergſche Wappen: im Schilde einen
aufſpringenden Hirſch und auf dem Helm
denſelben vor einer mit Pfauenfedern be⸗
ſteckten Säule ſtehend.
——— —— —
(Die Urkunde iſt in zwei Exemplaren aus⸗
gefertigt.)
9) 1488, 3. März (Montag nach Reminiscere.)
Hermann und Brun, Gebrüder von Be—
vern, Knappen, verkaufen eine „die niedere“
genannte Mühle nebſt Land an den Müller
Bartold für 30 vollwichtige Rheiniſche Gul-
den. Doch ſoll er, falls er dieſelbe wieder
verkaufen wolle, ſie den genannten Brüdern
zuerſt feil bieten; auch ſoll er gehalten ſein
für dieſelben zu mahlen zur Nothdurft auf
dem Hauſe Brack, ſowie alljährlich zu Oſtern
ein Pfund Geldes zahlen, ablöslich gegen
15 Pfund Bodenwerderſcher Währung.
Zwei anhängende Siegel von grünem
Wachs in gelber Schüſſel: \
1) „S' herman v. Beveren.“ Schild: 3
Büffelköpfe 2, 1. Helm: 2 Büffelhörner.
2) zerdrückt.
10) 1499, 21. September (am Tage St. Mat-
thäi.)
Bartold, Biſchof von Hildesheim und Ad⸗
miniſtrator von Verden, belehnt Bartold
Bock von Northolz mit Gütern und Hebun⸗
gen zu Ockenſen, Deinſen, Lübbrechtſen,
Duingen, Eime, Banteln, Gronau, Leede,
Sehlde, Yerdeſſen, Hoſſingeſſen (beide Wü⸗
ſtungen im Amte Lauenſtein) Salzhemmen⸗
dorf,“) Reynſſen, (die Wüſtung Reinſen bei
Salzhemmendorf) Deilmiſſen, Weſtfeld, Ed⸗
dinghauſen, Thüſte, Esbeck und Oldendorf;
mit dem ehemaligen Beſitz derer von Bolt⸗
ſem zu Oldendorf, Benſtorf, Giften, Elze,
Steller, (Wüſtung im Amte Lauenſtein)
Hackenrott.
Das ziemlich gut erhaltene Siegel von ro-
them Wachs in gelber Schale zeigt einen
quadrirten Schild mit Mittelſchild; in letz⸗
6 2 ˙
terem ſchrägrechts aufſteigender Zaun, darü-
ber ein laufender Fuchs; (von Lan desberg,
Familienwappen des Biſchofs) I und 4: ge⸗
ſpalten; (Hildesheim) 12 und 3: Gabelkreuz
(Verden.)
Umſchrift: „S' bertold’ epi' hildens ad-
mistrator' verd'.“
ueber zwei heraldiſche Manuferipte aus
dem 16. und Se eee
(Schluß.)
Das andere der erwähnten Manuſeripte iſt um ca.
60 Jahre jünger. Obwohl es nicht datirt iſt, ſo läßt
fi) doch die Zeit ſeiner Entſtehung unſchwer beſtimmen.“
Das vordere Drittheil des 446 bemalte Folioſeiten
) Die Urkunde liest: „twein sestich waters in
jowelker weken ute dem Soltborne tom Solte to Hem-
mendorp.“ Es ift da zwiſchen „sestich“ und dem Genitiv
4
|
„waters““ — durch ein Verſehen des Schreibers ein Wort
ausgelaſſen. Aber nicht „eimer“ wie die faſt gleichlautende,
1
ſpätere Urkunde von 1632 (Baring, Beſchreibung der Saala
im Amt Lauenſtein, Anlage XXVI.) ergänzt, ſondern „20“
oder „soc,“ d. h. ein Zug. (Erklärung und Beiſpiele ſiehe
bei Rudorffs Beſchreibung und Geſchichte des Amts Lauenſtein
in der Zeitſchrift des hiſtor. Vereins für Niederſachſen, Jahr⸗
gang 1858, Seite 323.) a
1
Herrſcher, als z.
203 des niederen (meiſt jüddeutſchen) Adels.
13
ſtarken Bandes iſt ganz nach dem Muſter der bekannten
Wappenſammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts an⸗
gelegt. Es enthält zunächſt eine Reihe von Wappen
mythiſcher Königreiche, altteſtamentlicher Helden u. dgl.;
ſodann folgen die Europäiſchen Königreiche und Fürſten—
thümer, ſowie die Porträts zahlreicher Monarchen und
z. B. Kaiſer Friedrich, Albrecht von Oeſter—
reich, Graf Leonhard v. Görtz u. ſ. w. S. 68 ff
„Allerley Stand und Aembter deß heil. Röm. Reichs“
(die vier Herzöge u. |. w.)
S. 96 ff.: die Schilde deutſcher Dynaſtengeſchlechter,
darunter von Norddeutſchen u. A.: Lippe, Ravensberg,
Schaumburg, Hoya, Tecklenburg, Dohna, Blankenhein,
Holſtein, Bentheim. Hierauf folgen wieder deutſche
und außerdeutſche Monarchieen, größtentheils mit dem
vollen Namen des damaligen Regenten; z. B. Joachi-
mus Fridericus Marchio Brandenburgensis; Henricus
Julius Episc. Halberstadensis dux Bruusvicensis;
Sigismundus der 3te König in Pohlen; Chriſtian der
ite Kön. in Dennemark, Jacobus I. ej. nom. Angliae
rex u. ſ. w.
Seite 167 beginnen die Wappen des Adels (je 9
auf einer Seite) und zwar bis S. 187 des hohen, bis
Darnach
folgen eine große Anzahl „vermehrte“ gräfliche und
freiherrliche Wappen, worauf von Seite 281 ab bis zu
Ende wieder eine bedeutende Menge des niederen Adels
ſich findet; vorzugsweiſe ſüddeutſche, ſteiriſche und ſchwei—
zeriſche Geſchlechter. Von Intereſſe iſt der Umſtand,
daß bei vielen Wappen auch der Vorname des damals
lebenden Beſitzers angegeben iſt.
ſchlechtern wären zu erwähnen:
Carl von Alfeldt. (Ahlefeldt.) — Georg von Auers—
waldt. — Alphonſus Boye holsatus. (geſpaltener Schild
vorn # Stern in w., hinten w. halbe Lilien am Spalt
in u) Nicolaus Boy. (3 g. Walzen in b.) Wickhardus
von Bardeleben. (b. Beil mit g. Griff, darunter r. Roſe,
in w.) Gotfridt von Brandenſtein. — Friedrich Ludwig
Britzke saxo. — Joannes Behr livonus. — Schaccarius
Blome, Dietrich Blome holsatus. — Ru dolpb von Car-
lowit. — Dietrich von During — Graf von Illen—
| burg. (Eulenburg) — Hainrich Dönhoff. — Hank Chri—
ſtoph von Ebeleben. — Erich Falckh marchiacus. (drei
r. Hämmer in w. Helm: r.-w. geſchachte Büffelhörner.)
— Graf von Gleichen. — von Gherſtorff. — Johann
Chriſtoph v. Güellen. (Gühlen.) — Chriſtoph vom Ha—
gen zu Duntt Maltheſer Ritter — Joſt Hackh, alte
Brandenburger auch im Land ob d. Enß. — Levin Lud—
wig Hahn. — Die von Hanſtein. — Gertus Hobe. —
Wilhelm von Hopfgarten. — Joh. Chriſtian Haußmann
zu Stetten und Länegg (Schild: w. Mauer mit w.
Zinnenthurm und 4 r. gedeckten Zinnen in b., Schil⸗
deshaupt: geſpalten w.-r. mit zwei geſtürzten Halbmon—
den gewechſelter Tinetur. Helm: w. Engel mit b. Schärpe
und von r. und w. getheilten Flügeln, jeder Theil mit
Halbmond belegt; der Kopf mit r.-w. Wulſt belegt und
mit g. Kreuz beſetzt.) — Buſo von Köckſts. — (Köckte.)
— Kalckreiter v. Labßiz. — Die v. Kitlitz Frhr. —
von KönigsEckh (= Königsmark, drei r. rechte Spitzen
in w. H.: r. Rumpf gekrönt und mit vier w. Federn
Von norddeutſchen Ge-
beſteckt.) — Joh. Ludolff Lariſch; — Lariſch von Elgott.
(erſteres mit b. Schild, letzteres mit r.) — Auguſtus
Löſer. — Cbriſtoph von der Kühe. — Hainrich von Loß.
— Claus von Marenholtz. — Friedrich Metſch. — Die
Nimptſch. — Wolff von Prädole. (Predöhl; ſchräglinks.
getheilt, oben b. unten ſchräg geſchacht r.-g. Helm: zwei
Straußfedern, die vordere g.-r., die hintere r.-J. geſpal⸗
ten; dazwiſcheu r. Tblättrige Blume an w. Stengel.
Decken r-g., g.-b.) — Von Quitzow, Mechelburger. —
Benedict Ranzou holsatus. — Die v. Redern. — Hanß Rei—
bolt auf Leßniz. — Hank Sigmund von Reizenſtein. — Lud—
wig Sackh. — Carl von Sackhen. — Lucas Schachmann.
— Herr von Schönberg — Adam Friedrich von Schlie—
ben. — Sigmund von Schkopp. — Johann Schack,
saxo. — Graf und Herr zu Stollberg. Andre von
Stralendorff. — Georg von Stöttersheim. (Stutter—
heim.) — Johannes Tore Westphalus. — Die von Trau—
pit. — Elias Truchſaß (v. Wellerswalden.) — Apffel-
vitzdum. (Vitzthum v. Apolda.) — Watzdorff. — Georg
Werthmann Liuonus. — Julius Adolph Weiters heim.
(b. Balken mit zwei g. Lilien belegt in r. H.: g. Lilie.
Decken: g.-b.) — von Budenau (S Wuthenow) —
Die von Zedlitz. — Von Zinzendorff.“)
Sämmtliche Wappen ſind einfach, mit ſehr wenig
Helmdecken, in lebhaften Farben ſilhouettenartig — ohne
Schattirung — gemalt. Die Conturen find durchweg
ächt heraldiſch, kraftig und ſchön, dem Gothiſchen zu—
neigend, und bieten eine Fülle trefflicher Muſter.
Ein am Schluſſe beigegebenes Regiſter erhöht den
Werth dieſes äußerſt brauchbaren Manuſcriptes.
1 Ad. M. H.
Sigillum vini.
Zur Anfrage 30 in Nr. 22 des Numisma⸗
tiſchen Anzeigers von 1869, die Bedeutung des
„sigillum vini“ betreffend, über welche in Nr.
24 deſſelben Blattes und Nr. 1. des Numisma⸗
tiſch⸗ſphragiſtiſchen Anzeigers von 1870 eine Er-
klärung zu geben verſucht wird, ſind wir im
Stande, — den Stempel ſelbſt anlangend, —
Beſtimmtes mitzutheilen. Derſelbe iſt nämlich
durch den Geheimen Rath Lepſius zu Naum⸗
burg mit mehreren anderen, theilweiſe ſehr inter⸗
eſſanten, mittelalterlichen Typaren in den Be-
ſitz des Appellations-Raths von Arnſtedt ebenda⸗
ſelbſt gelangt, dem wir einen gut ausgeprägten
| Abdruck dieſes dubiöſen Siegels verdanken. Lep⸗
ſius hat den Stempel, deſſen Echtheit übrigens
von einem Sachverſtändigen, welcher denſelben
| feiner Zeit einer genauen Prüfung unterzog, con-
ſtatirt iſt, aus Italien erhalten. Ob aber dieſes
*) Copien dieſer
Wappen find durch die Redactien d. Bl.
zu erhalten. VV
räthſelhafte Siegel, über welches nun ſchon ſo—
vielerlei Anſichten ausgeſprochen ſind, noch ein—
mal richtig beſtimmt werden, oder das Schickſal
des Steins der Weiſen haben wird, muß die Zeit
lehren. Wir möchten uns weit eher der in Nr.
24 des N. A. von F.-K. ausgeſprochenen An—
ſicht: das Siegel habe ſeinen Urſprung einem
Scherz aus dem 17. oder 18. Jahrhundert zu
verdanken, als der in Nr. 1 mehrfach verſuchten
Deutung anſchließen. Daß daſſelbe das Wappen
der ſogenannten Weinreiter darſtellen ſolle, iſt —
wie auch ganz richtig bemerkt worden — ſchon
der abſonderlichen Umſchrift wegen, kaum anzu—
nehmen; außerdem würde aber dann noch das
im Schilde und der Fahne befindliche Kreuz zu
deuten bleiben, was ſchwerlich mit den Wein—
kreuzzügen in Einklang zu bringen ſein möchte.
Die „beſte Vermuthung“ aber, welche Dr.
Schäfer dadurch gegeben hat, daß er meint, die
Stelle, wo das Steingerölle erſichtlich, ſei auf
dem Abdruck oder Stempel undeutlich(?) und es
könne dafür urſprünglich geſtanden haben: Co-
mitis Bald(vini), muß ebenfalls als unhaltbar
bezeichnet werden, aber aus weſentlich anderen
Gründen, als in Nr. 1 angeführt ſind.
Wir haben es hier mit einem Ori ginal-Stem⸗
pel zu thun. Sollte alſo an der Stelle, wo ſich
das Steingerölle befindet, wirklich „comitis Bald“
geſtanden haben, ſo würde das Obertheil einer
Lilie — welches ſich vor dem Worte vini be
findet — ſpäter aus dem Buchſtaben B. herge—
ſtellt ſein müſſen; was auf den erſten Blick als
unwahrſcheinlich, um nicht zu ſagen unmöglich
erſcheint.
Die Hypotheſe: das Siegel könne das eines
Grafen Balduin (von Flandern) ſein, welcher
das Kreuzfahrer-Kreuz in den Schild und die
Fahne aufgenommen habe, ſcheint nicht minder
gewagt, nicht jedoch, weil ſich dafür auf dem
Siegel durch den gaͤnzlichen Mangel einer An—
gabe über Land und Beſitz des Grafen kein An—
halt findet,“) ſondern weil es im Mittelalter ges
bräuchlich war, den Namen nicht
anzugeben.
benen Grafen von Lindau und Ruppin mit der Unter:
ſchrift: „Sigillvm nicolai comitis“ vor, was über den aus⸗
geiprochenen Zweifel hinweghilft.
am Schluß
ſondern hinter Sigillum und erſt dann den Stand
IE
Beweiſe dafür und daß ein Siegel vielbe⸗
ſprochener Art niemals von dem Grafen Bal-
duin von Flandern geführt worden, iſt am beſten
aus dem vortrefflichen Werke des Olivarius
Vredius, Brügge 1639 — „Sigilla comitum
Flandriae et inscriptiones diplomatum etc.“
betitelt — zu erſehen. Daſelbſt findet ſich wun⸗
derbarer Weiſe jedoch pag. 4 ein Siegel mit der
Unterſchrift: „Sigillum Baldvini Comitis“ vom
Jahre 1607 abgebildet, das genau die Größe
des Sigillum vini hat, und den Grafen, reitend,
mit einem Schwert in der Rechten und einem
Schilde — vielleicht weil nach innen gewen⸗
det ohne Wappen — in der Linken zeigt.“)
A. Voßberg 5.
Am 26. Januar dieſes Jahres verſchied zu
Berlin der Kgl. Kanzleirath a. D. Auguſt Voß⸗
berg, in weiten Kreiſen rühmlich bekannt durch
ſeine Thätigkeit auf dem Gebiete der Alterthums⸗
kunde, ſpeciell der Numismatik und Sphragiſtik,
und als Autorität in dieſen Wiſſenſchaften all⸗
gemein anerkannt.
Der Entſchlafene war geboren am 31. De= 9
tober 1800 zu Strzelno im Großherzogthum Po-
Als Knabe beſuchte er das Gymnaſium zu
Marienwerder, verließ daſſelbe jedoch im Jahre
ſen.
1815, um bei dem Wiederausbruch der Feindſe⸗
ligkeiten gegen Frankreich als Freiwilliger (bei
der Artillerie) in die Reihen der Vertheidiger des
Nach Beendigung des
Krieges verblieb er noch mehre Jahre im Mili-
tairſtande, trat alsdann im Jahre 1823 in den
Civildienſt über, und war zunächſt für die Kgl.
Bank bei der Güterverwaltung in den Polni⸗
Seit 1828 blieb er
in feſter Anſtellung an der Kgl. Bank in Ber⸗
lin, zuletzt als Kanzleirath und Chef der Geh.
treuen Dienſte im Amt
wurden vielfach anerkannt und ihm als beſondere
Auszeichnungen mehrere Ordensverleihungen zu
Vaterlandes zu treten.
ſchen Landestheilen thätig.
Regiſtratur. Seine
Theil.
) Letzterer Umſtand ſcheint doch für die Schäfer ' ſche
Vermuthung zu ſprechen.
Se Wegen zunehmender Kränklichkeit ſeit dem
) Es liegt uns z. B. ein Siegel der 1524 ausgeſtor⸗ 1. Juli 1869 penſionirt, konnte er ſich leider der
erſehnten und wohlverdienten Ruhe nur kurze Schätze iſt teſtamentariſch nicht verfügt worden;
Zeit erfreuen. Nachdem verſchiedene Kuren fehl- ausgenommen die Siegel der Mark Brandenburg
geſchlagen waren, fteigerte ſich fein Leiden immer | nebft dazu gehörigen Manuſeripten, welche laut
mehr, bis er, wie bereits erwähnt, den 26. Ja- ausdrücklicher Beſtimmung dem Kgl. Geb: Staats:
nuar d. J. an völliger Entkräftung ſanft entichlief. | Archiv überwieſen wurden; es find ca. 29005alte
viſcher Theile der Preuß. Monarchie, (Polen,
thums Poſen. 1866.
rung I. 1868.
ſich äußerſt werthvolle Sammlungen, welche der—
ſelbe für die Zwecke ſeiner Forſchungen mit großer
Sachkenntniß unter Aufwand vieler Mühe und
Koſten anlegte. Außer der Münzſammlung ſind
zu erwähnen die Collectionen von alten Siegeln
und Abgüſſen, beſiegelten Urkunden, alten und
plomen und anderen — vorzugsweiſe mittelalter- |
000 größten Theil feiner Mußezeit verwen- Siegel, ſowie mehrere hundert Zeichnungen und
dete der Verewigte auf boch gründliches Studi-] Holzſtöcke. (Material für fernere Lieferungen des
um der Münz⸗ und Siegelkunde; fein Tod iſt e märkiſchen Siegelbuchs, über deſſen Fortſetzung
für die Freunde dieſer Wiſſenſchaft ein ſchwerer jedoch noch Nichts feſtgeſtellt iſt.) Alles Uebrige
Verluſt, insbeſondere auch für den „Herold,“ wird zwar wohl nicht zur öffentlichen Verſteige—
deſſen Gründung er noch erlebte und beförderte. rung kommen, indeß ſollen Cataloge angefertigt wer:
Werthvoll und ihm für alle Zeiten ein ehren- | den und wird man bei dem Einzelverkauf mög?
volles Andenken ſichernd find die zahlreichen | lichſt darauf achten, daß jede Abtheilung
Schriften, in denen V. die Reſultate ſeines großen | der Sammlung ihre paſſende Stelle erhält. Alle
Fleißes niedergelegt hat. Abgeſehen von klei- bezüglichen Anfragen und Aufträge find an Hrn.
neren Publicationen, Aufſätzen in Zeitſchriften[Paſtor Ragotzky zu Triglitz bei Pritzwalk zu
u. drgl. find nachſtehende Werke — faſt ſämmt⸗ | richten, *) welcher jede gewünſchte Auskunft zu
lich mit koſtbaren Kupfern oder Holzſchnitten — ertheilen ermächtigt iſt.
im Druck erſchienen:
Geſchichte der Münzen und Siegel der gro— a a 8
ßen Preußiſchen Städte zur Ordenszeit. 1841. Heraldiſche Technik.
Geſchichte der Preußiſchen Münzen und i 3
. zur Ordenszeit. 1843. Ueber das Abformen der Siegel.
Münggeſchichte der Stadt Elbing. 1844. (Fortſetzung.) .
Münzggeſchichte der Stadt Thorn. 1845. Die am meiſten verbreitete und beliebteſte
Fahnen des Deutſchen Ordens. 1849. Art, alte Siegel zu vervielfältigen, iſt das Abe
Münzgeſchichte der Stadt Danzig. 1852. gießen in Gyps.
Die Mittelalterlichen Siegel ehemals Sla— Bevor man dieſe Manipulation vornimmt,
unterſuche man zunächſt (dieſe Regel gilt ein für
Litthauen, Schleſien, Pommern) 1854. alle Mal, möge man nur mit Gyps, Thon, Gut⸗
Weinreichs Danziger Chronik. 1852. tapercha oder ſonſtigem Materiale operiren) aufs
Wappenbuch der Städte des Großherzog ſorgfältigſte den Zuſtand der abzugießenden Siegel,
um feſtzuſtellen, ob Letztere nicht etwa dadurch be—
ſchädigt oder gar vernichtet werden können. Iſt
das betreffende Siegel bröcklich, zieht Oel, mit
welchem die Oberfläche zu beſtreichen iſt, ſchnell
ein, oder iſt die eigentliche Stegelplatte, wenn
ſie aus anderem Wachs beſteht als die Umhüll⸗
ung, ſehr dünn, ſo verzichte man jedenfalls auf
die Anfertigung eines Abguſſes. Indeſſen kommt
| dies nur ſelten vor: die größte Mehrzahl alter
Siegel verträgt nicht nur das Abgießen ſehr gut,
ſondern gewinnt ſogar dadurch, indem dieſelben
nachher weit ſchöner und deutlicher auszuſehen
pflegen. Die zum Abgießen tauglich befundenen
Siegel L reinige man von dem darauf angeſammel—
Die Siegel der Mark Brandenburg. Liefe—
In dem Nachlaſſe des Verewigten befinden
(bereits verkauften) neueren Siegelſtempeln, Di—
lichen — Reliquien. Beſonders beachtenswerth
iſt eine alphabetiſch geordnete, überaus koſtbare
Sammlung von ca. 2000 Stammbuchblättern mit
3 Wappen. Ueber den Verbleib dieſer
) Deſſen Güte wir aerliende 1720 verdanken.
i 55 D. Red.
r
16
ten Staube mittelſt einer mäßig ſcharfen Bürſte,
event. unter Anwendung von etwas Waſſer u.
Seife; in letzterem Falle iſt darauf zu achten
|
|
|
daß ſie vor dem Abgießen wieder völlig trocken
geworden ſeien. Hat ein Siegel einen nach innen
überſtehenden Rand, ſo ſchneide man mit einem
ſcharfen Federmeſſer innen ſo viel ab, daß der
Abguß ſich ſpäter unbehindert abheben läßt. Dann
beſtreiche man die abzugießende Siegelfläche mit
feinem Oel oder mit zerlaſſenem Gänſefett (am
beſten mittelſt eines weichen Schablonirpinſels)
möglichſt gleichmäßig und zwar weder zu fett
noch zu mager; erſteres würde die Deutlichkeit
des Abguſſes beeinträchtigen, letzteres das Abhe—
ben deſſelben erſchweren. Hierauf bringe man die
Siegel, deren je 8 bis 10 auf einmal vorge—
nommen werden können, in eine horinzontale
Lage.
Nun menge man in einem Porzellangefäß eine
kleine Quantität Gyps mit kaltem Waſſer (Ver:
hältniß — 2:3) zu einem dickflüſſigen Brei, den
man mit einem Löffel langſam rührt. Sobald.
die Maſſe gehörig durchgerührt iſt, fülle man da⸗
von langſam und vorſichtig auf die geölten Sie—
gelflächen. Um das Entſtehen von Luftbläschen
zu vermeiden, laſſe man den Gypsbrei langſam
von einer Seite her über die Fläche ſich ausbrei-
ten. Sollen mehrere Siegel gleichzeitig abge—
goſſen werden, ſo empfiehlt es ſich, erſt auf jedes
eine dünne Lage, dann in derſelben Reihenfolge
eine etwas ſtärkere zu gießen. Die Höhe des
Aufguſſes richtet ſich nach der Größe des Siegels;
jedenfalls darf er nicht zu dünn aufgetragen
werden, weil ſonſt das Ablöſen erſchwert iſt.
Bleibt ſchließlich von der Gypsmaſſe noch etwas
übrig, ſo gieße man, — was namentlich bei grö—
ßeren Siegeln vortheilhaft iſt — davon auf jede
Form eine Art Handhabe. Die ganze Verrich—
tung muß mit möglichſter Schnelligkeit vorgenom—
men werden, da der Gypsbrei ſich ſehr bald
verhärtet und damit unbrauchbar wird.
Nach Verlauf von ca. fünf Minuten hat
ſich der Aufguß, wenn die Qualität des Gyp⸗
ſes eine gute war, hinreichend verhärtet. Nach-
dem man jetzt auf demſelben das Datum der Ur—
%
kunde, an welchem das betreffende Siegel hängt,
ſo wie den Namen deſſen der es führte, eingeritzt
hat, hebe man ihn ſorgfältig ab. War das
Im Auftrage des obengen. Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Reg.⸗Bez. Magdeburg.
Technik. — Inſerate.
Siegel gehörig angefettet und der Gyps genügend—
erhärtet, ſo läßt ſich dies ohne Mühe bewerkſtel⸗
ligen; andernfalls muß man den Abguß vorſich⸗
tig klopfen oder von der Seite her ihn mit einer
Meſſerklinge abſprengen. Gleich darauf reinige
man das Original durch Abbürſten von den etwa
darauf zurückgebliebenen Gypsſpuren. |
Die auf ſolche Weile von dem Siegel ge
wonnene Form, gleichſam ein Petſchaft, muß nun⸗
mehr (in der Sonne oder an einem mäßig war—
men Ofen) völlig ausgetrocknet und ſodann in
Wachs oder Stearin (oder einer Miſchung von
beiden) welches man — am Beſten in einem irde⸗
nen Tigel — bis zum Sieden erhitzt, getränkt
werden. Je größer und ſtärker der Abguß iſt,
deſto länger muß er darin liegen bleiben; wie
lange, das ergiebt ſich erſt durch öftere Uebung;
im Allgemeinen genügt eine Zeit von 3 bis 4
Minuten, nach deren Verlauf die Abgüſſe heraus⸗
genommen werden und wieder erkalten müſſen.
(Fortſetzung folgt.)
Anzeigen.
J. Siebmacher's
groſſes und allgemeines deutſches
Wappenbuch.
Zweite reich vermehrte und mit biſtoriſchen
heraldiſchen Erläuterungen verſehene Ausgabe.
Herausgegeben bis Lfg 66
von
Dr. O. T. v. Hefner,
von da ab fortgeſetzt von A. Grenſer und Anderen,
genealogiſchen und i
iſt bis jetzt bis Lfg. 75 vorgeſchritten, und ſoll mit circa 100 Lie⸗
ferungen abgeſchloſſen werden.
Soeben erichien:
thümer Anhalt und Braunſchweig.
herausgegeben von Ad. M. Hil⸗
debrandt.
enthaltend Preußiſche Edelleute.
Kiedrzynski — Krajewski, berausge⸗
Lfg. 74, enthaltend den Adel der Herzog⸗
geben von G. A. v. Mülverſtedt.
Verlag von Bauer & Raspe, Nürnberg.
Freunden werthvoller heraldiſcher und genealogiſcher
Werke und Manufcripte empfehlen wir das fo eben von J. A.
Stargardt, Berlin, Jägerſtraße Nr 53 part., ausgegebene Ver⸗
zeichniß Nr 91. Preis 5 Sgr. Daſſelbe kann als Führer in dieſem
Zweige der Literatur dienen, — es enthält ca. 1000 Nummern.
Inhalts-Verzeichniß:
Nobilitirungen. — Sitzungsprotocoll des Herold. — ueber
Blaſonirung. — Regeſten. — Ueber zwei herald. Manuſeripte.
(Schluß.) — Sigillum vini. — A. Voßberg 7.
Druck von A. Keller in Gardelegen.
4
— Heraldiſche
ö
J 2
70
ss
„Ses
ger von
Muszug
aus dem Protoeoll der Sitzung des „Herold“
vom 6. April 1870.
In der heutigen, von 16 Mitgliedern beſuchten, Ver:
ſammlung machte, nach Erledigung der geſchäftlichen
Angelegenheiten, der Hr. Vorſitzende die Mittheilung,
daß der Hr. Ober⸗Forſtmeiſter v. Graß zu Wiesbaden
ſeine Wachsabdrücke und Siegel, und
der Redacteur des Preußiſchen Volkskalenders, Hr. Dr.
Gödſche, die Holzſtöcke der bisher in dieſem Kalender
erſchienenen Wappen dem Vereine zur Dispoſition ge—
ſtellt hätten. N
Demnächſt theilte Hr. Lieut. Gritzner mit, daß für
die Vereinsbibliothek an Geſchenken eingegangen ſeien:
1) von Hrn. Alfr. Grenſer in Wien: „der Kärntb-
ner Adel bis 1300, von Weiß.“
2) rom Hrn. Grafen Hoverden in München:
deſſen Vortrag „über die Bedeutung der Heroldſtucke.“
3) vom Hrn. Grafen Uetterodt auf Scharffenberg:
deſſen Werke: „Günther Gr. v. Schwarzburg, erwahlter
Deutſcher König,“ und „Erneſt, Gr. zu Mansfeld 1580 —
1626,“ nebſt einer photographiſchen Copie des im Beſitz
des Hrn. Grafen befindlichen van Dyckſchen Original:
Porträts des Mansfeld.“
4) ron Hrn. v. Rettberg in München: vier Zeich⸗
nungen nach Dürer, aus dem german. Muſeum zu
Nürnberg, und zwar: die Wappen derer von Roggen⸗
1
i
|
der deutſche
5) von dem Verein für Münz⸗Wappen⸗
Kunde zu Dresden: deſſen „Miktheilungen;“ gegen Ein⸗
tauſch eines Jahrganges des „Deutſchen Herolds.“
6) von Hrn. F. Nitze in Dresden: zwei Hefte des
von demſ. herausgegebenen Journals „Für Heraldik;“ 1859.
7). Von Hrn. Dr. Ernſt Edl. v. Franzenshuld
zu Wien: drei Aufſätze deſſelben: a) Ueber die Regene⸗
ration der Heraldik und den gegenwärtigen Standpunkt
dieſer Wiſſenſchaft; b) Die Pirna; c) Die neuen Er⸗
ſcheinungen in Betreff der Heraldik.
Durch Hrn. Geh. exp. Seer. Warnecke wurde ein
demſelben von dem Grafen Ludwig v. Uetterodt auf
Neuſcharffenberg überſandtes, durch ſeinen Inhalt inte:
reſſantes und durch vier Zeichnungen erläutertes Pro⸗
memoria, die angebliche Wappenſage der Grafen zu
Schwarzburg betreffend, vorgelegt. Allgemein ward für
wünſchenswerth erachtet, daſſelbe in das Vereinsorgan
aufgenommen zu ſehen, was jedoch — wegen der zur
Beſchaffung lithographirter Beilagen fehlenden Geld-
mittel — beanſtandet werden mußte.
Es wurde die zu veröffentlichende Dankſa gung für
die Schenkungen beſchloſſen. Gleichzeitig ward die ſehr
erfreuliche Thatſache conſtatirt, daß der Verein in ganz
Deutſchland bei den Betheiligten lebhaften Anklang und
der „Deutſche Herold“ große Anerkennung finde, indem
ſich die Abonnentenzahl täglich in kaum erwarteter Weiſe
vermehre. N
Zwei von Hrn. Warnecke vorgelegte Hefte des Leip⸗
ziger Repertoriums von Gersdorf, eine Beſprechun
des O. T. v. Hefner'ſchen großen Wappenwerkes ent⸗
haltend, welche wegen mangelnder Zeit im Vereine nicht
zur Beſprechung gelangen konnten, wurden zur Cireu⸗
lation bei den Mitgliedern zur Verfügung geftellt ; einige
zur Auskunftsertheilung eingefandte Wappen dem Hrn.
und Siegel:
Sectionschef für Heraldik zur Prüfung übergeben, und
in Betreff der Anfrage:
116
nnn
welchen Namen die Familie Rivinus früher geführt
habe,
von Hrn. Dr. Brecht die Mittheilung gemacht, daß nach
Dreyhaupt II. S. 698 der am 17. Detober 1601 in
Halle geborene, als Dr. med. & phil. in Leipzig ver⸗
ſtorbene Andreas Rivinus den ehemaligen Namen ſeiner
Familie, Bachmann, in „Rivinus“ latiniſirt habe.
Eine anderweite Frage „wo, abgeſehen von den Staats—
Archiven, noch actenmäßiges Material zu Familienfor—
ſchungen vorhanden jet," wurde durch die Mittveilung
erledigt, „daß ſich in dem, unter Aufſicht des Staatsan—
walts Hiepe in Wetzlar ſtehenden, untrennbaren Theile
des ehem. Reichskammergerichts daſelbſt, bedeutendes
Material zu derartigen Forſchungen vorfände.“
Die übrigen, von den Herren Dr. Pyl zu Greifs—
wald, v. Rettberg zu München, Graf Oeynhauſen zu |
Hamburg und A. Kutter hierſelbſt ergangenen Anfragen
konnten nicht zur Erledigung gelangen, da ſich dieſelben
noch in der Circulation befanden.
Nachdem ſodann der Schatzmeiſter über den gugen—
blicklichen Stand der Vereinskaſſe referirt, und vt. Grig—
ner den von ihm verfaßten Entwurf einer Geſchäfts—
ordnung verleſen hatte, ehrte die Verſammlung, nachdem
von dem ꝛc. Warnecke die großen Verdienſte des zu
Leipzig verſtorbenen Profeſſors Dr. Heinrich Ernſt
Kneſchke, des unverdroffenen langjährigen Forſchers im
Gebiete der Heraldik, Sphragiſtik und Genealogie, her—
vorgehoben waren, das Andenken des unvergeßlichen
Todten durch Erheben von den Sitzen; hierauf folgte
der Schluß der Sitzung.
In Bezug auf die, in der Sitzung vom 2. März
unerledigt gebliebene, Frage, ob die Familie Senar-
clens de Vufflens (nicht Vufflers) und Senarclens de
Grancy dieſelbe ſei, hat Hr. Graf E. v. Zeppelin, Kb
nigl. Würtemb. Kammerherr u. |. w. die Gute gehabt,
der Redaction d. Bl. nähere Auskunft zu ertheilen.
Die genannten beiden Familien ſind allerdings gleichen
Stammes, u. zwar find die beiden Linien Vukllens und
Grancy, ſowie eine dritte, Senarclens de St. Denis,
erſt ſeit drei Generationen, ſoviel bekannt, von einander
getrennt. Alle drei führen daſſelbe Wappen, nämlich im
gelben Schilde einen mit drei weißen Sporenrädchen
belegten blauen Schrägbalken; Helmzier: Schwan mit
erhobenen Flügeln; Schildhalter: Greife. Die Familie
iſt neben den Gingins und den Blonays eine der, drei
anerkannt älteſten Familien des althochburgundiſchen
Landes, und beſitzt noch mehrere ihrer angeſtammten
Seigneurien im Canton Waadt. Die bedeutendſten der⸗
ſelben ſind eben: Vulllens bei Morges am Genfer See,
mit dem noch ganz den Aublick einer uralten Ritterburg
bietenden mächtigen Schloſſe, in dem die noch heute in
der Volksſage fortlebende „reine Berthe“ gehauſt haben
ſoll; ſodann St. Denis, an der Eiſenbahn zwiſchen Lau—
ſanne und Freiburg. Der Senior der Linie Grancy
bekleidet eine hohe Hofcharge in Darmſtadt; die Seni⸗
oren der beiden anderen Linien leben auf den Schlöſſern,
deren Namen ſie führen. a
Das Spaniſche Siegel,
mit welchem Serrano, Herzog de la Torre, als
Präſident der proviſoriſchen Regierungs-Junta,
ſeine Schreiben an die Fürſten Europa's beſiegelt
(vorliegend iſt das a son Altesse Royale, le
Grand Duc de Mecklenbourg-Strelitz gerich⸗
tete) iſt rund und hat 53 MM. im Durchmeſſer.
Im Felde erblickt man in einem ovalen, mit der
Königskrone bedeckten und von der Ordenskette
des goldenen Vließes umgebenen Schilde das
Wappen, wie es von K. Ferdinand VII. und K.
Iſabella vollſtändig geführt ward, und ſo auch
öfter, z. B. von mir im Wappen-Almanach der
ſouverainen Regenten Europa's und in v. Hefner's
Wappenbuch J. 2. Taf. 41 dargeſtellt iſt, nur
daß hier der Herzſchild mit dem Stammwappen
des Hauſes Bourbon (Anjou) fehlt.
Im quadrirten Mittelſchilde find die Wap-
penbilder von Caſtilien und Leon, und in einer
Spitze das von Granada angebracht; im Haupt
ſchild enthält die obere Reihe Arragonien, Sici—
lien, Oeſterreich und Neuburgund; die zweite
Reihe, neben dem Mittelſchilde, Parma und Tos-
cana; die untere Reihe Altburgund und Brabant,
dazwiſchen in eingepfropfter Spitze Flandern und
Tirol. Ein feiner Perlenrand, unterbrochen von
der Krone und dem Ordenszeichen, ſchließt das
9 7
Wappen ein.
Rand iſt leer, als ſollte er eine Inſchrift auf—
nehmen. Das Ganze iſt von einer mit Kronen—
laub und Puncten verzierten Einfaſſung umgeben.
In Bezug auf die S. 6 gegebene Beſchrei—
bung möchte es doch fraglich ſein, ob die beiden
Der darauf folgende 5 MM. breite
Säulen und Palmzweige jetzt wirklich Nebenſtücke
des Wappens geworden ſind. Auf den Münzen
find erſtere ſeit lange gebräuchlich geweſen.“)
C. Maſch.
Graf von Saumagen.
Eine der wunderbarſten „Nobilitirungen,“
welche jemals vorgekommen iſt, dürfte wol die
des ſächſiſchen Hofnarren Joſeph Frölich ſein,
und es intereſſirt vielleicht manchen Heraldiker,
deſſen eurioſes Wappen, welches ſich mit der höchſt
*) Vgl. v. Hefner a. a O. S. 6 und Til. 13. Die beiden
Säulen, zwei weiße Kugeln begleitend, füllten während der Regie⸗
rung Joſeph
niſchen Wappen's, und werden bald auf Gibraltar (die Säulen Dee
Hereules) bald auf die Eroberung der neuen Welt bezogen.
1
Bonapartes das bte blaue Feld des damaligen Spa⸗
*
eigenhändigen — anſcheinend in einem ſehr ani—
mirten Zuſtande aufs Papier geworfenen — Un—
terſchrift des edlen Herrn Grafen in unſerer
Sammlung befindet, näher kennen zu lernen.
Joſeph Frölich bat nämlich im Jahre 1730, |
gelegentlich des Reichs-Vicariats, feinen könig—
lichen Herrn, Friedrich Auguſt den Zweiten |
von Polen und Sachſen, um eine Standeser: |
höhung und Se. Majeſtät geruhten, ihn — in |
Anerkennung feiner außerordentlichen Verdienſte
— zum Grafen — von Saumagen zu ernennen. |
fih von nun an: „Joſeph Frölich Graff Sau-
magen“ ſchrieb) zu mehrerer Verherrlichung ſeines
Standes und Namens, eines Wappens, womit
er denn auch in folgender Weiſe „begnadigt“
wurde: Quadrirter Schild mit Mittelſchild; in
letzterem drei Säcke (?geftürzte Becher?) und ein
halbes Mühlen-(Galgen-?) Rad; wahrſcheinlich
beides Attribute der früheren Beſchäftigung des
„hochgeborenen“ Herrn.
Im erſten goldenen Felde präſentirt ſich
ein von rechts nach links gewendetes, ſpringendes,
den Kindern Israels ſeit uralter Zeit verhaßtes |
Thierchen, für das man den mit „Glück“ wunder:
barer Weiſe gleichbedeutenden Namen „Schwein“
erfunden hat; alſo gewiß ein ſchönes, ſogar der
Fortuna Concurrenz machendes Sinnbild!
Das zweite und dritte rothe Feld iſt mit je
einem Inſtrumente belegt, das ſich's gefallen
laſſen mußte, für einen groben, ungeſchliffenen
Menſchen den Namen herzugeben: ein (Dreich-)
Flegel.
Das vierte ſilberne? Feld endlich zeigt einen
links gewendeten Hund mit eingeknickten Hinter—
läufen, in der Situation à la Quitzow, vgl. die
Helmzier, Siebm. I., 171, 1.
An Stelle der Helme waren urſprünglich
Schellen verliehen, auf welchen in höchſt ſinniger
Weiſe rechts ein Ochs und links ein Eſel erſchie⸗
nen, denen ſich, als Dritte im Bunde, mitten
zwiſchen beiden und einem Hirſchgeweih thronend,
eine Eule zugeſellte.
Unſere hochgräfliche Gnaden waren jedoch
Natürlich bedurfte der neue Herr Graf, (welcher
|
verſtanden, ſondern ließen die Eule fort und
ſubſtituirten dafür einen nicht aufrecht ſtehenden
Mann, denjenigen Theil des Körpers zeigend, wo
— mit Heine zu reden — das Rückgrat aufhört,
ſeinen ehrlichen Namen zu führen. Die Chronik
verſchweigt, ob's etwa der eigene Revers des
Herrn Grafen ſein ſollte.
Den Schild umgiebt, ſtatt der Helmdecken,
eine ausgebreitete Narrenkappe mit zwei an den
Seiten herabhängenden Schellen; auch iſt in la—
teiniſcher Schrift unter demſelben der Name
„Joſeph Frölich“ angebracht.
Ein anderes, gleichfalls höchſt ſeltenes Sie—
gel mit Autograph dieſes närriſchen Kauzes, was
übrigens dem beſchriebenen im Weſentlichen gleicht,
deſſen gute Ausführung aber, im Gegenſatz zu der
mangelhaften des vorliegenden Abdrucks, uns
ſehr gerühmt wird, befindet ſich in der reichhal—
tigen Sammlung des Frhrn. v. L. zu S.
Beantwortung der Anfrage 1.
Der Fiſch auf dem Landfriedensſiegel Kaiſer
Wenzels ſcheint eine Andeutung auf das Chri—
ſtenthum zu ſein. Das Reichsoberhaupt gebietet
oder beſtätigt den Frieden im Namen der Re—
ligion und Kirche. Beide werden durch die äl—
teſte Symbolik vermittelſt eines Fiſches darge—
ſtellt, in dem Manche den Wallfiſch erkennen
wollen, der in der Geſchichte des Jonas die Wie—
dergeburt andeutet.
Andere haben den Fiſch, vchthys, vielleicht
in gleichem Sinne oder wenigſtens ohne von jener
Erzählung zu abſtrahiren, durch die Worte ge—
deutet: Jesus chrystos theou yios soter.
Noch Andere wollen das Gleichniß bedacht
ſehen, vermöge deſſen der Heiland ſeinem Jünger
Petrus zuruft, er wolle ihn zu einem Menſchen—
fiſcher machen. Gewiß iſt, daß an vielen alten
kirchlichen Gegenſtänden und Gebäuden der Fiſch,
als Ornament angebracht, ein Zeichen oder Sym⸗
bol der Kirche ſein ſoll. So z. B. am Erfurter
Dom im Kreuzgange, ſowie am eiſernen Thür⸗
griffe des Hauptportals. Auch manche Klöſter
und Abteien, z. B. Kloſter Roth in Schwaben,
jetzt im Beſitz der Grafen zu Erbach, führen den
are: ' och Fiſch in gleichem Sinne als Wappen.
mit dieſer Wappenverleihung nicht ſo ganz ein— | 8
) In der früheſten Zeit galt der Fiſch als Symbol der Perſon
des Heilandes; man vermuthet eine Beziehung auf den Fiſch des
Tobias. Die Deutung des Wortes jchthes iſt jedoch ſpäteren Ur⸗
ſprungs. Nicht ſelten findet man ihn in Verbindung auch mit einem
Anker auf altchriſtlichen Grabmälern. 12955 2
Als „pisciculi“ werden die Glieder der chriſtlichen Kirche von
In der hier entwickelten Anſicht glaube ich
um ſo mehr Grund zu finden, als bekanntlich
weder auf den Majeſtätsſiegeln des Kaiſers Wen—
zel, noch auf andern Siegeln der Herrſcher aus
Luxemburgiſchen Stamme Fiſche anzutreffen ſind.
Schloß Neuſcharffenberg in Thüringen.
| Ludwig Graf Uetterodt.
Nachdem Vorſtehendes bereits zum Druck befördert war,
ging uns noch eine, in ihrem Endreſultate mit dem Vorigen
übereinſtimmende, Antwort von Hrn. B. Schier in Leipzig
zu. Um Wiederholungen zu vermeiden, theilen wir nur Fol—
gendes mit:
„Die Vermuthung, daß der Fiſch als Unterſcheidungs—
zeichen dieſes Siegels von einem andern ähnlichen Siegel habe
dienen ſollen, beruht m. E. auf hier nicht anwendbaren mo—
dernen Begriffen.
Die von J. J. Moſer ausgeſprochene Anſicht hat gleich—
falls Nichts für ſich. Daß ritterliche und andere Genoſſen—
ſchaften im Mittelalter ihre Namen von Thieren 2c entlehnten,
hatte einen ganz andern Grund; ich erinnere dabei nur an die
Züricher Geſellſchaft der Böcke, (nach ihrem Wappen) die ſich
auch nach ihrem Geſellſchaftshauſe zur Schnecke die „Geſellſchaft
zur Schnecke“ nannte. Für die Annahme endlich daß der Fiſch,
wie angedeutet, eine örtliche Beziehung haben könnte, bietet ſich
nirgend ein Anhalt.
Krone, Kugel, Schwert und Fiſch ſind die vier Embleme,
die uns in dem vorliegenden Siegel entgegentreten. Die erſten
beiden ſind Attribute der königlichen Würde und kommen hier
nicht weiter in Betracht; das Schwert aber deutet ſym oliſch
darauf hin, daß der Bruch des Landfriedens durch das Schwert
beftraft wird, und der Fiſch kann kaum etwas anderes ſein, als
die ſchon auf den älteſten chriſtlichen Grabſteinen und Siegel—
ringen vorkommende Allegorie für Chriſtus.“
Anfrage II.
Behufs einer kleinen Arbeit bedarf ich der
Beantwortung folgender Fragen, die Genealogie
verſchiedener fürſtlichen und gräflichen Familien
betreffend.
J. Anhalt. 1) Wann wurde Frau Anna
Fürſtin zu Anhalt, ſeit 1595 Gem. des Fürſten
Chriſtian I. von Bernburg, geboren, und wer
war ihre Mutter, die Gem. des Gfn. Arnold v.
Bentheim?
2) Welches iſt der Geburtstag im J. 1606
des Fräulein Loyſe Amalie, T. des Fürſten
Chriſtian J.?
en Kirchenvätern bezeichnet, unzweifelhaft in Erinnerung an Matth.
V. 19
Noch im ſpäten Mittelalter findet man den (zuweilen als Delphin
gebildeten) Fiſch in ſymboliſirender Weiſe oft verwendet. Er iſt
außerdem Attribut des Jonas und Tobias, der Hl. Antonius von
Padua, St. Arnold, St. Benno, St. Bartoldus ꝛc. jedoch zum
Theil aus anderen nicht hierhergehörenden Gründen. .
3) Wann wurde die Fürſtin Sophia, ſeit
1626 Gem. des S. Ludwig v. Cöthen, geboren,
und wer war ihre Frau Mutter, die Gem. des
Gr. Simon v. d. Lippe?
11. Reuß. 4) Welches tft die Geburts- und
Todeszeit des Frl. Sibylla Maria Reuſſin v.
Plauen? Wer waren ihre Eltern? die Geburts⸗
zeit muß vor 1629, die Todeszeit nach 1642 fallen.
5) Dieſelben Fragen, in Bezug auf Frl.
Eliſabeth Reußin von Plauen. Sie könnte viel⸗
leicht einige Jahre älter ſein als Frl. Sibylla
Maria. Sind beide Schweſtern geweſen?
6) Welches iſt die Geburtszeit von Frau
Juliane Eliſabeth, geb. Rheingräfin, Reuſſin
Wittwe um 1630? 1640? Weſſen Wittwe war
ſie, und wann wurde ſie Wittwe? Als ihren
Todestag finde ich 14. Mai 1653. a
Il. Schönberg. 7) Wer waren die Eltern
von Frl. Anna Dorothee v. Schönburg, welche
1586 geboren und 1645 geſtorben ſein ſoll?
IV. Naſſau. 8) Welches iſt die Geburts-
und Todeszeit von Fräul. Catharina v. Naſſau?
Wer waren ihre Eltern? In Betracht können
hier nicht kommen die von Cohn Tf. 134 und
137 aufgeführten Gräfinnen dieſes Namens, welche
1624 reſp. 1631 ſtarben. Obiges Fräulein lebte
nämlich noch 1637. 5
V. Pfalz bei Rhein. 9) Welches iſt der
Todestag der 1661 geſtorbenen Frau Sabina
von Wartenberg, geb. Pfalzgräfin? |
VI. Eberjtein- Tautenberg. 10) An
welchem Tage des Jahres 1576 wurde Frau
Agnes, geb. Gräfin zu Eberſtein, Schenkin zu
Tautenberg (um 1629 Wwe.) geboren?
VII. Solms-Dohna. 11) Wann im J.
1657 ſtarb Frau Urſula, geb. Gräfin zu Solms,
Burggräfin zu Dohna? |
VIII. Walded-Lippe. 12) Welches ift die
Geburts- und Todeszeit von Frau Maria Mag⸗
dalena, geb. Gfin. zu Waldeck, Gfin. zur Lippe
(um 1629 Wwe.)? Wer waren ihre Eltern,
und wer war ihr Gemahl? |
IX. Weiſſenburg. 13) Dieſelben Fragen
in Bezug auf Eltern, Geburt, Tod und Gemahl
betr. Frau Urſula Marie, Gräfin zu Weiſſen⸗
burg, Erbmarſchallin, um 1630. |
X. Radzivil. 14) und 15) dieſelben
Fragen in Bezug auf Eltern, Geburt und Tod
betr. Fräulein Eliſabeth Eleonore und Frl. Sophie
21
Agnes, Herzoginnen v. Radzivil, um 1630.
XI) Kinsky- Stubenberg. Dieſelben
Fragen betr. Frau Catharine, Herrin zu Stu—
benberg, geb. Kinsky; 1630 Gemahlin des Gr.
Wolfgang v. Stubenberg.
Diejenigen Herren, welche die große Güte
haben wollten, mir eine oder die andere der
obigen Fragen möglichſt bald, direct oder in die—
ſem Blatte, zu beantworten, würden mich zu
herzlichſtem Danke und freudigſtem Gegendienſt
verpflichten. f
Nutha bei Zerbſt. (Anhalt.)
Th. Stenzel, Paſtor.
Litetatur.
Jahrbücher des Vereins für Mecklenbur—
giſche Geſchichte und Alterthumskunde, her—
ausgegeben von Dr. G. C. F. Liſch. 34. Jahrg.
Schwerin 1869. a
Seite 55 u. ff: Ueber die Stammtafel der alten
Grafen von Schwerin, von Dr. F. Wigger, Archivar.
Seite 144. u. ff. Ueber die Wappen und Siegel der
Grafen von Schwerin, von Dr. W. G. Beyer, Archtvrath.
Seite 147. u. ff: Ueber die Wappen und Siegel der
alten Grafen von Schwerin, von Dr. G. C. F.
Liſch, Geh. Archivrath.
In dieſen drei Arbeiten iſt eine Löſung des Pro-
blems, wie die Grafen von Schwerin aus dem Geſchlecht
der Edlen von Hagen zu ihren drei verſchiedenen Siegel—
und Wappenbildern gekommen ſeien, verſucht. Es iſt
hier die Rede von den „zwei Lindwurmern am Baum“,
dem Roßſiegel, und dem eigentlichen Wappen, einem von
Roth und Gelb quer getheilten Schilde. Wigger faßt
die Lindwürmer als wikliches Wappenbild auf, und
vermuthet, die Grafen möchten dasſelbe nach Erwerbung
des Landes Wittenburg — welches nach einer weiteren
Hypotheſe die Lindwurmer als Feldzeichen gefuhrt habe —
angenommen haben. Er hat dafur keinen anderen Be—
weis, als daß die Stadt in ihrem älteſten Siegel „die
Lindwurmer auf der Burg führte.“
Herr Dr. Beyer ſagt mit Recht, daß die Beſchrei—
bung „2 Lindwürmer am Baum“ viel zu unbeſtimmt
ſei (man kann ſich in der That darnach von dem Siegel
keine richtige Vorſtellung machen) und weiſt nach, daß
der Baum, der ſich in der Mitte der Lindwürmer be—
findet, nur durch irgend ein Mißverſtändniß entſtanden
ſei; es habe urſprünglich die fragliche Pflanze eine Lilie
vorſtellen ſollen. Das Siegelbild ſei demnach der chriſt—
lich religiöfen Symbolik enknommen, und ſtelle — weil
„die Lilie das Symbol der chriſtlichen Reinheit und des
aus dem Blute ſeines Stifters erwachſenen Chriſten—
thums ſelbſt iſt — den ſiegenden, mitten in das flie⸗
hende Heidenthum gepflanzten chriſtlichen Glauben“ dar.
In Betreff des Roßſiegels iſt Beyer der Anſicht, die
Grafen hätten durch Annahme deſſelben „im Gegenſatz
zu ihrer gegenwärtigen Stellung im Slavenlande“ auf
*
‘
Roſtock, von Liſch. Genaue Beſchreibung
ihre Herkunft von den alten ſächſiſchen Herzögen hin—
weiſen wollen. In dem dritten Siegel — welches ich
lieber ein Wappen nennen wurde — erblickt Dr. Beyer
eine Hindeutung „auf die beiden Landestheile dies- und
jenſeits der Elbe, alſo eine Vereinigung beider älterer
Siegel, wobei man die Wappenbilder wegließ, weil na—
mentlich die zuſammengeſetzte ſymboliſche Darſtellung
auf dem älteren Siegel fur die Hälfte des an ſich nicht
ſehr großen Schildes zu viel Raum erfordert hätte.“
Hierin beſtärkt ihn „noch der zweifache Umſtand, daß
wirklich ſtatt des einen getheilten Schildes auch zwei
zuſammengeſtellte Schilde vorkommen, und daß Heinrich
III. von der alteren Schweriner Linie 1330 neben dem
großen runden Roßſiegel in feinem Siegelringe auch den
getheilten Schild fuhrte.“
Jaedenfalls ſcheint Herr Dr. Beyer die Begriffe
Siegel“ und „Wappen“ nicht ſcharf genug zu trennen.
Denn während oben das Lindwurmſiegel als ein der
religiſen Symbolik entnommenes Bild bezeichnet iſt,
welches folglich mit der Heraldik gar nichts zu thun
haben kann, ſcheint er daſſelbe ſchließlich dochals Wappen⸗
Bild anzuerkennen? Ich für meine Perſon möchte
Herrn Dr. Liſch beiſtimmen, welcher ſowohl das Lind—
wurm⸗ als das Roßfſiegel nicht für Wappen- ſondern fur
Bildſiegel halt. Eine ſehr wahrſcheinliche Deutung des
Herrn Dr. Liſch verſucht die Lindwurmer auf eine Sym—
boliſirung des deutſchen Stammnamens Hagen (Hain,
Gehölz) und das Roß auf eine Symboliſirung des wen—
diſchen Namens Schwerin (Thiergarten, Luſthain, Wild-
part) zuruckzufuhren. f
„Seite 249: Ueber das Siegel der Univerſität
des runden
Siegels nach einem noch vorhandenen Originalſtempel,
der zuerſt au. 1443 benutzt wurde; Erklärung der Inſchrift.
5 17775 250: Das Wappen des Geſchlechts Pritbur,
Liſch.
Berichtigung der Annahme, welche bisher gäng und
gebe war, das Wappen dieſes alten, in der Gegend von
Malchow anſäſſigen, adelichen Geſchlechts jet ein ge—
ſtummelter Doppeladler mit zwei blutſpritzenden Hals—
ſtummeln und ausgebreiteten Flügeln, auf Schild
und Helm. Im Archiv des Kloſters Malchow fand
namlich Dr. Liſch 4 verſchiedene Siegel aus dem
14. Jahrhundert, theils rund, theils ſchildförmig, „auf
denen ein vorwarts gekehrter Helm ſteht mit zwei aus—
gebreiteten Flugeln, welche an den oberen Helmecken mit
einem Rade belegt ſind.“ Beigegeben ſind die Abbil—
dungen zweier Siegel, eines ſchildförmigen von 1333
des „Pryscebur von Karghow“ eines runden von 1346
u. 1341 des „Heunekin Pritzebur von Kutze.“
Dass gegenwartige Prigbur'ſche Wappen möchte —
ſagt Dr. Liſch — auf einem Mißoerſtandniß beruhen,
da ein alter Helm mit ausgebreiteten Flugeln wohl fur
einen kopfloſen fliegenden Adler angeſehen werden könne.“)
Ein der Pritzbur'ſchen Familie zugeſchriebenes ſchildför—
miges Siegel, abgebildet bei Penz, Genealogie dieſes
Hauſes, deſſen Original an der Landfriedensurkunde der
von
) Analoge Fälle, in denen durch mißverſtändliche Auffaſſung
eines Helmſiegels die Helmzier zur Schildfigur geworden iſt, kommen
öfters vor. |
22
Fürſten von Werle d. d. 8. Mai 1353 hängen ſoll, wird
mit einem Siegel „Nicolai Belowe“, welches an der
genannten Urkunde hängt und mit Penzens Abbildung
übereinſtimmt, identificirt.
Seite 252: Siegel des Hermann Kremer von Liſch.
Hausmarke des ſonſt unbekannten Inhabers.
Seite 253: Siegel des Marſchalls Heinrich von
Pappenheim, von Liſch. N !
Nachtrag zum 33. Jahrgang, Seite 198. woſelbſt
über einen im Jahre 1847 aufgefundenen Siegelſtempel
des Genannten, ungefähr aus der Mitte des 14. Jahr—
hunderts, mit dem Bilde eines Manneshauptes, berichtet
wurde. Dazu bemerkt Dr. Herberger, Archivar zu Augs—
burg, daß die Siegel der Marſchälle v. P. aus dem 13.
Jahrhundert ſtets 4 Rethen Zinnen (2) im Schilde und
nicht das Manneshaupt zeigen, und daß die erſten Siegel
mit dem Manneshaupt erſt ſeit 1351 wieder erſcheinen.
Dagegen conſtatirt Fuͤrſt Hohenlohe das Vorhandenſein
folgender Siegel mit dem Manneshaupte: 1206 H;
1214 Heinrich; (de Kallentin,) 1254, Heinrich; 1261
u. 1263, Heinrich; 1289, Hildebrand; 12 . „Hildebrand;
1312, Heinrich; 1336, Heinrich und Johann; (Pappen⸗
heim⸗Rechberg.) 1336, Hiltprandt und Wilhelm. (Pap—
penheim⸗Biberbach.) Ä
Siegel des Karthäuſer-Priorates in
Seite 253:
Cöln, von Liſch. €
Beſchreibung des Siegels (Bild: Die hl. Urſula)
nach einem ſilbernen Originalſtempel, wahrſcheinlich dem
Anfange des 16. Jahrhunderts angehörig, von Herrn
Fabricant Franck aus Cöln zu Boizenburg gekauft.
Seite 254: Siegel der Freiherrn von Dietmar,
von Liſch. Bi
Beſchreibung eines dreieckigen Petſchaftſteines mit
dem Wappen des mecklenburgiſchen Geh. Raths und
RR. Friedrich v. D., + 1795. (Schild von b. undg.
quer getheilt; 3 Helme, 1.) miteinem wachſenden Greifen,
2) mit drei Straußfedern, 3.) mit einem wachſenden
Löwen.“)
Die Reichhaltigkeit dieſes Jahrganges der Mecklenb.
Jahrbücher dürfte manchem anderen hiſtoriſchen Verein
als Vorbild dienen! i
Würzburg. G. Seyler.
Zeitſchrift des Harz-Vereins für Ge⸗
ſchichte und Alterthumskun de. III. Jahrg.
Heft 1. 1870.
Wie faſt jedes Heft dieſer Zeitſchrift, ſo bringt auch
das vorliegende eine Tafel Abbildungen mittelalterlicher
noch unedirter Siegel, vom Archivrath v. Mülverſtedt
in bekannter gründlicher und ſcharfſinniger Weiſe er⸗
läutert. Es kommen hier zur Beſprechung: 1) Siegel
der Aebtiſſin des dem hl. Bartholomäus geweihten Gi-
ſterzienſer-Nonnen-Kloſters zu Blankenburg. Während
andere Siegel von Eiſterzienſer-Aebtiſſinnen nur das
Bild der letzteren zeigen, erblicken wir hier dieſelbe
knieend unter dem Bruſtbilde des Heilandes. Auch das
gleichzeitig erwähnte Conventſiegel deſſelben Stiftes iſt
in ſofern ungewöhnlich gebildet, als darauf außer dem
„) Vgl. Maſch. Mekl. W- Buch, Nr. 46.
Schutzheiligen auch das Wappenzeichen der Stifter (das
Gräfl. Blankenburgiſche Hirſchhorn) angebracht iſt. 2)
und 3) Zwei Siegel zweier v. Minsleben — das eine einen
Baumſtamm mit Blättern, das andere eine Hausmarken—
ähnliche Figur zeigend, erſteres eine adelige, letzteres eine
bürgerliche Familie v. Minsleben repräſentirend; ein
drittes gleichnamiges Geſchlecht führte im Schilde zwei
geſtürzte halbe Pfähle. Anknüpfend hieran werden ge—
nealogiſche Nachweiſe über alle drei Familien (welche,
längſt erloſchen, der Grafſchaft Wernigerode angehörten)
gegeben, worauf jedoch, da dieſelben mehr ein locales
Intereſſe haben, hier nicht näher eingegangen werden—
lann. 4) Siegel des Bürgers und Stadtvogts zu Gos—
lar, Conrad Romolt; ſchildförmig und einen halben ſprin⸗
genden Bock zeigend, zugleich in ſo fern redend, als
Ram einen Bock bezeichnet; Analoga: Rammingen,
Rammelſtein, Ramsberg. — 5) Gewerkſiegel der Schulter:
und Gerber-Innung zu Nordhauſen; nach dem noch
vorhandenen Originalſtempel des 14. Jahrhunderts ge—
zeichnet. Rund und etwa thalergroß, erblickt man
darauf in getheiltem Schilde oben einen wachſenden
Adler (Hälfte des Nordhauſener Stadtwappens) unten
zwei Handwerkszeuge der genannten Innungen. Der
Hr. Vf. knüpft daran die Bemerkung, daß mittelal—
terliche Gildeſie zel der Regel nach rund, bisweilen pas
raboliſch, wohl nie ſchildförmig erſcheinen; daß als Sie—
gelbilder ſehr ſelten die Stadtwappen allein, häufiger
dieſelben halbirt und mit Werkzeugen des betr. Hand—
werks combinirt, ferner die Schutzheiligen der Stadt
oder der Innung, endlich auch — bei Bäckern und
Kürſchnern — Producte des Handwerks vorkommen. Die
Fleiſcher führen in ihren Siegeln einen Stier. (Auch
Widder: z. B. auf dem ſchönen großen paraboliſchen
Siegel der Halberſtädter Schlächtergilde.) — 6) Schild—
ſiegel des Hans v. Holbach (rund; 8. hans holbach;
Schild: geſpalten, vorn mehrmalige Balkentheilung, hin—
ten ein aufgerichteter nach außen gewendeter Wolf,) aus
einer bisher faſt unbekannten, vom J. 1315 bis 1529
urkundlich auftretenden Familie, deren gleichnamiger
Stammfig unfern von Nordhauſen liegt. Die in die
Augen fallende Aehnlichkeit dieſes W. mit dem der be-
kannten Familie v. Wangenheim (der Umſtand, daß letz⸗
tere einen Hund, erſtere einen Wolf führt, wird durch
Mittheilung eines Wangenheimſchen Siegels vom J.
1312, welches einen Wolf zeigt, beſeitigt) läßt als ſehr
wahrſcheinlich eine Stammesgemeinſchaft beider Ge—
ſchlechter annehmen. Anknüpfend hieran werden ſehr
intereſſante Mittheilungen (welche zum Theil noch wei—
terer Ausführung harren) über die Familien v. Sund⸗
haufen (Siebm. J., 147) v. Werna (v. Ledebur, Pr.
Ad.⸗Lex. III., 102) v. Wülferode (ibid. III., 143) und
v. Holbach II. (Haube II. 460 und v. Hellbach I. 579)
gemacht.
Holbach J. und v. Wangenheim eine ſtammverwandte
Gruppe zu bilden, wenigſtens deutet die Wappengemein⸗
ſchaft darauf hin, wobei zu beachten, daß das als Bin⸗
deglied dienende Wappen ein zuſammengezogenes iſt.
Es führen:
Die v. Wangenheim: im 13. Jahrh.: Schild
mit Balkentheilung; ſeit 1312 (reſp. 1296) geſpalten,
Erſtere drei ſcheinen mit den Familien v.
——
23
vorn Hund, hinten Balken. Helm: mit Flügeln be—
ſteckter Hut.
Die v. Holbach J.: geſpalten; vorn Balken, hin-
ten Wolf ö
Die v. Sundbauſen: geſpalten; vorn Wolf,
hinten Balken. Helm: Flügel, dazwiſchen ein Manns—
rumpf; fruher vermuthlich: nur Balkenſchild, Helm:
Mannsrumpf. (Siebm. II, S. 95, unter den Schwä—
biſchen; Hr. v. Mülverſtedt vermuthet, daß hier, wie
öfters im Siebmacher der Fall iſt, ein Verſehen ſtatt—
gefunden habe und das W. der Thüringiſch-Harziſchen
v. Sundhauſen irrthümlich zwiſchen die Schwaben ge—
rathen ſei. Wir möchten jedoch behaupten, daß in
Schwaben wirklich ein Geſchlecht v. S. exiſtirt habe.
Es findet ſich nämlich in einem Wappen-Manuſcript
vom J. 1490, Band I., Fol. 153b., ganz daſſelbe W.
welches Siebm. a. a. O. giebt — Schild: getheilt; oben:
g. Balken in u, unten w. leer; Helm: Mannsrumpf,
deſſen Kleidung die Schildfigur wiederholt, mit g. w.
geſtülpter Mütze. Ueberſchrift: „von Sunnthausen“ —
und zwar in Geſellſchaft anderer ſchwäbiſcher Wappen,
wie denn dieſe Handſchrift faſt nur frankiſche, ſchwabiſche
und rheiniſche Geſchlechter enthält. Immerhin bleibt
die Aehnlichkeit beider Wappen merkwürdig.)
Die v. d. Werna: Sundhauſen.
Die v. Wülfferodt: Schild: ſechsmal querge—
ſtreift; Helm: — Sundhauſen und Werna.
Die v. Hollbach II. hingegen führen nach Siegeln
des 14. u. 15. Jahrh. im Schilde zwei geſchrägte Li—
lienſtäbe, auf dem Helm zwei Flügel.
Der genealogiſche Zuſammenhang der erſterwähnten
fünf Familien ſcheint demnach zwar keinem Zweifel zu
unterliegen; doch bleibt derſelbe noch urkundlich zu be—
ſtätigen.
6. Siegel der Stadt Elrich im Harz. 13. Jahrh.
Die nach einem ſehr beſchädigten Original gefertigte
Abbildung zeigt das S. von mittlerer Größe; unter
+
einem eckigen Portale erhebt ſich ein heraldiſch ſtyliſirter
Baum, am Stamm mit einem von zwei unkenntlichen
Figuren gehaltenen Schilde beheftet. Umſchrift: F Si-
gillvm Elriche ciuitatis. (Majuskel.) Auf dem Schilde
iſt keine Figur erkennbar, da indeſſen ſpätere Siegel
dieſer Hauptſtadt der harziſchen Grafſchaft Hohnſtein
ſtets das Wappen ihrer ehemaligen Herren, der Grafen
von Hohnſtein (ein Schachfeld) zeigen, überdem die
eine ſchildbaltende Figur den Hohnſtein'ſchen Helm in
der Hand trägt, ſo kann unbedenklich angenommen werden,
daß der lädirte Schild ebenfalls ein Schach zeigte.
Den Baum in Mitten des Siegels erklärt Hr. v.
M unter Bezugnahme auf das Wort Elrich für einen
Ellernbaum. Dies hat viel für ſich, wie denn ganz
analog ein uns vorliegendes secretvm bvrgensivm de
danneberge zwei gegen einen Baum, der hier wohl als
Tanne anzuſprechen ſein dürfte, (Val. Mecklenburgiſche
Siegel J. Heft S. 25 die Siegel der Grafen von Danne—
berg) aufſpringende Löwen zeigt. Anderſeits darf nicht
überſeben werden, daß Bäume, vorzugsweiſe Linden, auf
Städteſiegein des Mittelalters häufig vorkommen; faſt
immer wenn der Name des Orts mit Wald zuſammen⸗
geſetzt iſt; z. B. Arenswalde (wird in dem in Rede
„
}
Gade buſch;
——— —ͤ—ꝶãV ——ͤj˙—*r?0ßxß3ßÜ᷑æͥTe2ͤ —a-.ęu—ũ ÜaIs.·˙˙s:-xßé) ũU—
— — ꝛ—e6 — —— — L — .n:mj0 . ] —— —b — —— — vBb — —
| Freien walde;
Greifswald; u. ſ. w Auf dem
Hauptſiegel des letzteren wird der Wald freilich
nur durch einen Zweig repräſentirt. — Nicht unerwähnt
bleibe, daß die Schildhalter auf dieſem Siegel wohl zu
den älteſten vorkommenden gehören möchten. —
Die vorſtehend im Auszuge mitgetheilte Abhand—
lung giebt Veranlaſſung zur Aufſtellung nachſtehender
Fragen: 1
a) Welche Siegel von Eiſterzienſer Aebtiſſinnen
zeigen eine dem Blaukenburger ähnliche Darſtellung?
b) Wo finden ſich Conventſiegel, auf denen das
Wappenbild des Stifters erſcheint?
c) Gildeſiegel, deren Bilder von
wähnten Normen abweichen? f ö
d) Läßt ſich Näheres über ein ſchwäbiſches Ge—
ſchlecht v. Sundhauſen und einen etwaigen Zuſammen⸗
hang deſſelben mit der gleichnamigen Thüringiſchen Fa—
milie nachweiſen?
ſtehenden Aufſatze bereits erwähnt;)
8
den oben er:
„Numismatiſche Zeitung. Nr. 4;“ enthält S.
22 ff. eine günſtige Beſprechung und Empfehlung des
Werkes: „Kärnthens Adel“ von A. Weiß, Archivar des
Kärnthner Geſch.-Ver. (Wien 1869.) Die. am
Schluſſe erwähnte Anſicht des Hrn. Vf., daß in der äl⸗
teſten Zeit die meiſten Wappen redende geweſen ſeien,
ausgenommen diejenigen welche rein heraldiſcher Natur
(d. h. doch wohl, ein ſ. g. Herolds- oder Ehren: Stud,
einfache oder zuſammengeſetzte Sectionen, Balken, Pfähle
uſw. enthaltend) ſino, leitet uns auf die ſoeben als Ma—
nuſcript gedruckte Brochüre:
„Zur Wappen⸗ Symbolik. Ueber die De;
deutung der Herold-Stücke; von H. Graf von
Hoverden; München 1870;“ in welcher auch den rein
heraldiſchen Wappen eine ſymboliſche Bedeutung vindi—
cirt wird. Der Hr. Bf. ſtellt die Frage auf, ob die ſpe⸗
eifiſch heraldiſchen Bilder, ebenſo wie die |. g. gemei⸗
nen Figuren, Symbole ſind? Nachdem die früher ſehr
übliche Sucht, jeder Wappenfigur und Tinctur eine
willkürlich erfundene Deutung zu geben, in gebührender
Weiſe zurückgewieſen iſt, warnt der Hr. Vf. vor dem
entgegengeſetzten Extrem, welches jedem „Urwappen“ (um
dieſen dem Begriff „Uradel“ eutſprechenden Ausdruck zu
gebrauchen) die Möglichkeit abſpricht, in Folge einer
Einwirkung äußerer Umſtände, welche in ſymboliſcher
Weile in dem Wappenbilde veranſchaulicht werden, ent—
ſtanden zu ſein. Eine ſolche Anficht würde ja ſchen aus
dem Grunde unhaltbar ſein, weil die Wappen mit He:
roldsſtücken in der älteſten Zeit keineswegs überwiegen,
ſondern — wie z. B. ein Blick in die Züricher Rolle
lehrt — mindeſtens ebenſo viele W. mit gemeinen Fi—
guren vorkommen, bei denen in zahlloſen Fällen eine ab—
ſichtliche Beziehung zu dem Namen des Beſitzers auf
der Hand liegt. Hinweiſend darauf, wie die mittel⸗
alterliche Kunſt es liebte, ihre Daxſtellungen natürlicher
Figuren ornamental zu ſtyliſiren (z. B. die nie natür⸗
lich gebildeten Blumen in mittelalterlichen Miniaturen)
ſtellt der Hr. Vf. den Satz auf, doß auch die heraldiſchen
Seetionen und Heroldſtücke ornamentale Veranſchaulich—
ungen natürlicher Objecte ſeien. Das zur Erläuterung
24
gewählte W. derer v. Dachenhauſen, in welchem der
Schach von w. undes das (gemauerte) Haus, das er.
Schildeshaupt das Dach vorſtelle, ſpricht ſehr dafür;
intereſſant iſt ferner der Hinweis darauf, daß z. B.
geſtänderte Schilde“) häufig von Geſchlechtern geführt
werden, deren Namen mit „Wald“ zuſammenhängt, und
wie in der Vorzeit Anſiedelungen in Wäldern dergeſtalt
angelegt ſeien, daß von einem, die Wohnungen der An—
ſiedler enthaltenden, Punkte aus das Land ſtrahlen—
förmig vertheiit wurde, Jo daß jeder Plan die Form
eines Dreiecks bildete, deſſen Spitze an die Wohnung
ſeines Beſitzers im Centrum anſtieß.“) Einen ferneren
Beweisgrund bilden die „gewellten Balken“ im Wappen
ſolcher Familien, deren Name mit Bach oder einem
gleichbedeutenden Worte zuſammengeſetzt iſt.
Jedenfalls iſt die vom Hru. Vf. entwickelte Theorie
neu und beachtenswerth; müſſen wir vorläufig bei der
Anſicht beharren, daß dieſelbe nur auf einzelne Fälle
anwendbar ſei, im Allgemeinen aber die Heroldſtücke in
Urwappen auf die Grundform des Schildbeſchlags zu—
rückzuführen fein würden,“) fo möchten wir doch die in
Rede ſtehende Brochüre der Beachtung unſerer Leſer ſehr
empfehlen, und fie veranlaſſen, die angeregte Frage weiter
zu verfolgen.
Vermiſchtes.
Ueber den deutſchen Reichsadler mit verwechſelten Tincturen vgl.
Heideloff, Ornamentik des Mittelalters, XIII. S. 1. ff. und die dazu
gehörende Abbildung des Plafonds im Kaiſerzimmer der Königsburg
zu Nürnberg. EA
Die früher einmal ausgeſprochene Vermuthung, das Sigillum
vini ſei das Hauptſiegel einer italieniſchen Stadt, iſt unhaltbar. In
Geographiſchen Lericig findet ſich kein Ort des Namens Vini ode
Vinum. Lines oder Vinets iſt ein Flecken in Frankreich, Vinon
oder Vins desgl.; (in der Provence.) Viniolae ein Ort auf Sardinien.
Die Bezeichnungen „Sigill“ für das Hauptſiegel und „Secret“
für das kleinere Siegel einer Stadt wurden nicht immer ſtreng ge⸗
nommen, ſondern oft beide Ausdrücke verwechſelt oder gleichzeitig
für denſelben Gegenſtand gebraucht. So heißt es z. B. in verſchie⸗
denen vorliegenden Urkunden des Raths zu Wernigerode: „Wir Bür⸗
germeiſter — — — eine glaubhafft Uhrkund in gewöhnlicher form
unter unſerm Stadt Secret auszuſtellen — — — haben wir
vnſer Groß Inſiegell hieran hangen laſſen.“ (1651.)
Letzteres, nicht das Secret, befindet ſich an den Urkunden.
Correſpondenz.
Mehrere Abonnenten: Ihr Wunſch, daß dem Deutſchen
Herold Illuſtrationen beigegeben werden möchten, ſoll, ſobald nur
durch die Zahl der Abonnenten die Herſtellungskoſten der Zeitſchrift
) Zu den vom Hern. Vf. namhaft gemachten geſtänderten
Wappen nennen wir hier noch das in unſerer Sammlung befind⸗
liche eiförmige S. des Grafen Otto von Grieben vom F. 1207;
16 fach geſtändert mit der Umſchrift: T comes ot (to de 1) apide.
) Noch heute iſt daſſelbe bei den Wendendörfern in Nord⸗
deutſchland erhalten. Vgl. z. B. XIII. Jahresbericht des Altmärki⸗
ſchen Vereins, Seite 27.
%) Die fo häufig wiederkehrenden, mit Roſen, Sternen,
Kugeln u. dgl. belegten Balken, Sparren, Schrägbalken etc. möchten
wir einfach als ſtarke Spangen bezeichnen, welche auf dem Original⸗
Schilde zu mehrerer Befeſtigung deſſelben vermittelſt Nägel, deren
Köpfe man in Form von Roſetten etc. ornamentirte, angebracht
wurden. Vgl. u. A auch den „Lilienhaspel“ im Kleve ſchen de
und die „Keiten“ im Navarreſiſchen. Anmerkungen d. Re
*
gedeckt find, erfüllt werden. Wünſchen Sie Ihren. Auffägen Zeich⸗
nungen beizufügen, ſo wollen Sie dieſelben gefälligſt einſenden, wir wer⸗
den für getreue Reproduction derſelben durch Lithographie Sorge tra,en.
Hrn. P. S in N. Mitarbeitern am D. H. den ganzen Jahr⸗
gang gratis zugehen zu laſſen, iſt uns leider unmöglich; wohl aber
erhält jeder Einſender eines brauchbaren größeren Auffatzes mehrere
Freieremplare der Nummer, worin derſelbe erſcheint.
Hrn. G. S in W. Von zahlreichen Beiſpielen ſchildförmiger
Helmſiegel im Mittelalter in unſerer ſphragiſtiſchen Sammlung hier
nur einige der älteſten: S.“ werneri de bertensleve 1337. (Helm
in Profil, mit Federn in Form eines geſchloſſenen Flügels beſteckt.)
F. tiderici de dalem, 1316. (Helm en fare, mit zwei gekreuzten
Palmzweigen) S. johannis de dorstat, 1331. (Helm im Profil;
vor einem mit ſechs Hahnfedern beſteckten Schaft ein querliegendes
Grabſcheit.) S'. hermani de hertbecke, 1341. (Heim im Profil;
vier links wehende Fahnen vor einer Anzahl Hahnfedern.) 85 bor-
chardi militis d' marnholt (Marenholz) 1362. (Helm im Profit ;
Federbuſch. S'. johannis eomitis de woldenberch, 1303. Helm
en face, offener Flug.) Von Intereſſe find ferner drei Siegel dreier
von Warmſtorf; (Urkunde des Kloſters Marienborn bei Helmſtedt
d. d. Mittfaſten 1358.) Zwei derſelben, ſchildförmig, zeigen einen
Helm en face mit zwei Eſelsohren beſteckt; das dritte, rund, enthält
einen Schild und in demſelben den eben beſchriebenen
Helm. Hier dürfte wohl anzunehmen fein, daß der Helm auch
Schildfigur dieſes Geſchlechts war. Vgl. Hohenlohe, über den
Gebrauch der heraldiſchen Helmzierden. S. 9 und 10.
Hru. F. W. in B. Unſere Note zu dem Aufſatz über das
Sig. vini (Nr. 2, Seite 14, Spalte 2) ſollte ſich nur auf den —
wie wir gern zugeben, geringfügigen — Umſtand beziehen, daß das
Sig. Balduini, welches Vredius giebt, dem Sig. vini in Bezug auf
Größe und Darſtellung ähnelt. Eine weitere Beſtätigung der
Schäfer'ſchen Anſicht läßt ſich aus dem genannten Werke keineswegs
entnehmen; eine ſolche würde nur dann vorliegen, wenn das dort
abgebildete Siegel die Umſchrift: „Sig. comitis Balduini‘ trüge.
Anzeigen.
Von Siebmacher's gr. u. allgem. Wappenbuch, neue
Auflage, erſchien ſoeben:
Lfg. 75, enthaltend Dalmatiner Adel (Tafel 43—60) herausgegeben
vom Hauptmann F. Heyer.
Lfg. 76, enthaltend Preußiſche Edelleute, Kiedrzynski — Krajewski,
herausgegeben von G. A v. Mülverſtedt.
Verlag von Bauer & Raſpe, Nürnberg.
Subſcriptionspreis a Lieferung: 1 Thlr. 18 Sgr. (2 Fl. 40 Kr.)
Einzelne Lieferungen: 2 Thlr. (3 Fl. 30 Kr.)
Es wird zu kaufen geſucht:
ein vollſtändiges Exemplar von Tyroff, Allgemeines Wap⸗
penwerk, 1. Band Text;
3 Bände Abbildungen in je 3 Abtheilungen (der dritte Band
nur 1 Abtheilung.)
Gef. Offerten werden durch die Redaction des „Deutſchen
Herold“ erbeten.
H. v. Köckritz auf Mondſchütz bei Wohlau in Schleſien er⸗
ſucht um gefällige Mittheilung von, ihm vielleicht unbekannten (noch
ungedruckten, in den Staatsarchiven nicht vorhandenen), Urkunden
und anderweiten Nachrichten über fein Geſchlecht. Dagegen iſt der
Genannte, im Beſitz einer reichen Wappen-Sammlung, gern bereit,
etwaige Nachfragen in dieſer Richtung nach Möglichkeit zu beantworten.
Inhalts⸗Verzeichniß:
Nobilitirungen. — Vereinsbericht. — Das Spaniſche
Siegel. — Graf Saumagen. — Antwort auf Anfrage I. —
Anfrage II. — Literatur. — Vermiſchtes. — Correſpondenz.
— Inſerate.
en mm mn m mn nn nn mn m —————u
Druckfehler in Nr. 2: S. 14, Spalte 1, 3. 15 v. u. lies D ftatt B.
2, „ 10 v. o. „1067 ft. 1607.
117 17 77
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg. R
Schnellpreſſendruck von A, Keller in Gardelegen. 5
Ur. 4.
S, Berlin, im Mai 1870. DI | 1. Jahrgang.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller:
gnädigſt geruht: Sr. Durchlaucht dem Prinzen Frederic
von Schleswig⸗Holſtein⸗Noer auf deſſen Antrag den Titel
eines Grafen von Noer für ihn und ſeine Descen—
denz zu verleihen. (Publ. 12. April.)
Auszug
aus dem Protokoll der Sitzung des „Herold“
5 vom 4. Mai 1870.
Nach erfolgter Mittheilung eingegangener
Schreiben und Aufnahme neuer correſp. Mit⸗
glieder, wurde, um eine gleichmäßige Behan
lung der an den Verein, deſſen Mitglieder, ref
den Redakteur des Vereins-Organs, gelang:
Anfragen herbeizuführen, beſchloſſen:
Daß alle Anfragen, fie mögen bei der
daktion oder einzelnen Mitgliedern einge
ſtets dem Vorſitzenden zugeſtellt werden ſ. ,
von welchem demnächſt das Weitere verancaßt
werden wird.
Ferner wurde in Betreff des bisher beobach—
teten Verfahrens, den Einſendern von Artikeln
eine gewiſſe Anzahl von Exemplaren des Vereins⸗
Organs zuzuſtellen, beſtimmt: |
Von dieſem Verfahren Abſtand zu nehmen,
dagegen den Herrn Schriftſtellern, auf Verlan⸗
gen, Separat- Abzüge (bis zu 25 Ex.) ihrer
Aufſätze zukommen zu laſſen.
Nachdem ſchließlich der von Hrn. Gritzner
redigirte Entwurf einer Geſchäfts⸗Ordnung zur
Annahme gelangt war, wurde die Sitzung gegen
9 Uhr geſchloſſen. f
In Bezug auf den in Nr. 2 des „Herold“ mit⸗
getheilten Auszug aus dem Protocoll der Sitzung
vom 2. März 1870, werden folgende Bemer⸗
kungen gemacht:
„Die Meinung: der Marſchall Albero ſei mit Al⸗
brecht von Snetlingen, Voigt zu Spandau, identiſch,
bedürfte jedenfalls eines urkundlichen Nachweiſes, ehe ſie
als unzweifelhaft angenommen werden kann. Eine
Autorität in mittelalterlicher Genealogie verneint es
ſogar beſtimmt.
In der Urkunde von 1261 (Riedel C. I. 13, S.
211) ſteht: Albero marscalchs ac frater suus Johannes
de Brunchow; es würde alſo kein Zweifel mehr jein
können, daß Albero auch den Familiennamen von Brun-
kow zu führen hatte, wenn nicht die Annahmen übrig
blieben: Johannes de Brunchow ſei der Sohn aus
einer zweiten Ehe von Albero's Mutter geweſen, ſo daß
Albero einer anderen Familie angehören würde, oder der
Name Brunchow ſei von dieſem Bruder erſt angenom-
men worden, alſo der urſprüngliche Familienname doch
noch unbekannt.
In Bezug auf die erſte Annahme wäre anzuführen,
daß der Marſchall Albero ſchon 1243 genannt wird;
wenn alſo, trotz der hervorragenden Stellung, die er am
Hofe der Markgrafen einnahm, ſein Bruder erſt 18 Jahr
ſpäter auftritt, ſo iſt wol daraus zu ſchließen, daß dieſer
ſehr viel jünger als der Marſchall war, und die Ver⸗
muthung möglich, er ſei ſein Stiefbruder geweſen.
Für die zweite Annahme ſpricht, daß der Familien⸗
name von Brunkow in dieſer Urkunde von 1261 zum
erſten Mal genannt wird (wenigſtens in den im Rie⸗
del'ſchen Codex geſammelten Urkunden.) In der Alt⸗
mark tritt der Familienname Brunkow zum erſten Mal
1305 auf (Riedel I. 15. S. 52); und wenn es auch
ſehr wahrſcheinlich, daß dieſe Familie hier nach der noch
im Landbuch von 1375 ihr gehörigen wüſten Dorfſtätte
Brunkowe den Namen führte, ſo iſt doch nicht erwieſen,
26
daß die ſchon 1261 als in der Neumark angeſeſſen bes ı
kannt werdende Familie mit der Altmärkiſchen deſſelben
Urſprungs iſt; denn in der Neumark lag auch ein Dorf
Brunko, das 1298 bekannt wird. (Raumer, Landbuch
d. Neumark S. 92.) Es kann hier nur das Wappen
entſcheiden. Nach Haſſe's handſchriftlichem Wappenbuch
S. 13b. zeigt das Wappen der von Brungkow in Sil⸗
ber Kopf und Hals eines ſchwarzen Widders, deſſen
Hörner von Gold und Schwarz wechſeln. Den Helm
ziert ein Pfauenwedel. Nach einer anderweitigen Mit:
theilung iſt ein älteres Brunkowſches Siegel bekannt,
das einen Querbalken im Schilde zeigt.
An einer Urkunde vom 4. Mai 1389, die im
Königl. Geheimen Staatsarchiv befindlich, (ſ. Riedel J.
13. S. 270. Nr. 4) hat ein Siegel von Redeke Brun⸗
kow gehangen; ob es noch daran, iſt dieſſeits unbe—
kannt.
Das Siegel Albero's könnte vielleicht an der Ur⸗
kunde von 1267 hängen (Riedel I. 13. S. 213) in der
die Markgrafen Johann, Otto, Conrad dem Klofter
Marienſee ein Pfund brandenburgiſcher Pfennige aus
der Lade des Dorfes Lubechowe (Hohen Lübbichow im
Königsberger Kreiſe) beftätigen, die Albero dem Klofter
als jährliche Gabe geſchenkt; denn es wird erwähnt, daß
Albero perſönlich vor den Markgrafen erſchienen ſei,
um dieſe Schenkung zu machen.
An der im Meklbg. Urkundenbuch Nr. 3685 ver—
öffentlichten Urkunde, in der ſich König Birger von
Schweden d. d. Helſingborg 19. April 1314 zu einer
Schuld gegen den Fürſten Heinrich von Meklenburg be—
kennt, hängt noch das Siegel des ſich verbürgenden
Knappen Johann Brunkow. Daſſelbe iſt rund und
zeigt in einem ſtehenden Schilde einen Querbalken;
Umſchrift: S. Johannis Bronfowe.
| . KN.
Das Wappen und die Siegel der H. R.
Nürnberg. 17.382-24:
Siebenkees bemerkt in ſeinen Materialien: „Nürn⸗
berg hat darin vor manchen andern Reichsſtädten einen
Vorzug, daß es mehr als ein Wappen führt.“ Wenn
N. Stadt
man bei dieſer Behauptung die Zeit Siebenkees' im
Auge hat, wo man ſelten ein Wappen von einem
Siegel unterſcheiden konnte, ſo mag man ſeiner Be—
merkung beiſtimmen. Im Mittelalter aber war es gewiß
nicht ſo, und von einem Manne wie S. könnte man
faſt verlangen, ſich correcter auszudrücken. Richtiger
hieße der Satz jedenfalls: Nürnberg hat außer ſeinen
beiden Siegeln, — dem Secret und dem Gerichts⸗
ſiegel — noch ein wirkliches Wappen, welches in den
eigentlichen Stadtſiegeln nicht gebraucht wurde; denn
es iſt einleuchtend, daß man das Bild des Secretſiegels,
noch weniger aber das des Gerichtsſiegels, nicht für ein
Wappen halten kann, obwohl beide Siegel Bilder ent⸗
halten, die in Wappen ſehr häufig erſcheinen. Beide
ſind wahrſcheinlich in einer Zeit entſtanden und gebraucht
worden, wo es noch nicht üblich war, die Wappen in
die Siegel zu ſetzen, wo noch keine Stadt, viel weniger
ein Amt ein Wappen führen konnte und durfte.
Ehe ich von dem Wappen und den Siegeln rede,
welche Nürnberg wirklich führte, muß ich erſt einiger
ſogenannter Wappen gedenken, welche die Stadt vorher
geführt haben ſoll, was aber ſicherlich nie der Fall war.
Zur Zeit des Grafen Adalbert von Bamberg, alſo
im 9. — 10. Jahrhundert, ſoll Nürnbergdrei ſchwarze
Wolfsangeln im weißen Felde oder drei weiße
Wolfsangeln im ſchwarzen Felde geführt haben.
Kaum iſt es nöthig, etwas zur Widerlegung dieſes erſt
im 17. Jahrhundert ausgeheckten Märchens anzuführen,
nachdem ſchon Müllner, der bekannte Rathſchreiber und
Annaliſt, dasſelbe nach ſeinem wahren Werthe gewürdigt
hat, indem er es für grundlos erklärt und dabei bemerkt,
es ſei „nicht gar vor langer Zeit aus ſchlechten Ver—
muthungen hergefloſſen.“
Dieſelbe Bewandtniß hat es mit dem weißen
ausgebreiteten Adler im blauen Felde. Die⸗
jenigen Chroniſten, welche Nürnberg dem Grafen von
Babenberg unterwerfen, geben der Stadt auch das Wappen
dieſes Hauſes, nämlich im gelben Feld einen
ſchwarzen Löwen mit einem weißen rechts
ſchrägen ſchmalen Balken belegt. Jede dieſer
Vermuthungen iſt aber nichts weiter als eine ſolche,
verdient deshalb keine weitläufige Widerlegung.
IJ. Das Wappen.
Das Wappen der Stadt Nürnberg, welches ehehin
auf Münzen, ferner in Siegeln welche den Staat, nicht
die Stadt betrafen, gebraucht wurde, findet noch heu—
tigen Tages bei ſtädtiſchen Bauten, z. B. den neueren
Thoren, Anwendung. Auch die Fahnen der Stadt richten
ſich nach den Farben des Wappens, ſie ſind nämlich
roth⸗-weiß. Es hat aber daſſelbe folgende Geſtalt:
Ein in die Länge getheilter Schild, zur Rechten im
gelben Felde ein halber ſchwarzer Adler am Spalt,
f 93 75 von Roth und Weiß ſechsmal ſchrägrechts
eilt.
Dieſes Wappen hat ein Heer von Chroniſten zu vagen
üthungen veranlaßt, die weder nach geſchichtlichen
Va ſachen noch heraldiſchen Grundſätzen irgend eine
I Hricheinlichfeit für ſich haben.
Dem linken Felde giebt man gewöhnlich den Namen
„Schwabenfeld“ d. h. das Feld, welches die ehemalige
Abhängigkeit Nürnbergs von den Herzögen von Schwaben
anzeigen ſoll. Aber gerade die Farben dieſes Feldes —
roth und weiß — deuten viel eher auf das fränkiſche
Herzogthum, und nach den Erfahrungen, die man auf
dem Gebiete der Heraldik gemacht hat, könnte man viel
eher eine Abhängigkeit von den Herzögen von Franken
annehmen.
Wenn wir annehmen dürften, daß Nürnberg ſchon
im 10. Jahrhundert beſtanden und ein Wappen ge⸗
führt habe, ſo wäre mit dem eben Geſagten leicht eine
Sage zu vereinigen, nach welcher Kaiſer Konrad I.,
welcher bekanntlich ein Herzog von Oſtfranken war, der
Stadt Nürnberg die roth⸗weiße Theilung des Schildes
als Wappen verliehen habe. Müllner führt die Sage
auch an, wobei er bemerkt, daß Nürnberg dies Wappen
angenommen habe, nachdem es eine Reichsſtadt geworden
ſei. Dieſe Angabe iſt jedenfalls aus dem „Ralhs⸗ und
27
Geſchlechterbuch der Stadt Nürnberg“ genommen, aus
welchem Oetter in dem I. Verſuch ꝛc. Seite 66ff. folgende
Stelle anführt:
„Alß nun Nürnnberg alſo zu dem Römiſchen Reich
kam, vnnd zu einer Reichsſtat wardt, vorließ es das alte
Wapen, welcheß ſie zuvor unter Graff albrecht auß
Francken gebraucht vnnd gefürt, vnnd Nam ſich eineß
Newen Wapenns an, welches Ihnen Kaiſer Connradt
beſtetiget, Priuilegirt vnnd Freyheit darüber gebe, unnd
waß Nemblich drey Rott unnd weiß Strich, vberzwerch
getaillt, das ſchwabenn Feld genanndt.“
Ob nun der Verfaſſer des Geſchlechterbuches oder
irgend Jemand anders der Urheber dieſer Sage iſt —
ſo viel iſt ſicher, daß der Betreffende entweder für ſeine
Zeit ungewöhnliche heraldiſche Kenntniſſe hatte und die
ganze Erzählung ſelbſt erfand; oder daß er ſich auf eine
bereits vorhandene Tradition geſtützt und dieſelbe durch
ſeine Phantaſie erweitert hat. Wie dem auch ſein mag,
die Sage hat einen Kern, der nur aus dem Wuſte der
unwahrſcheinlichen oder vielmehr erdichteten Nebenum—
ſtände herausgeſchält zu werden braucht.
Nach meiner Ueberzeugung war das urſprüngliche
Wappen wirklich ein einfacher Schild, von Roth und
Weiß ſechsmal ſchrägrechts getheilt. Nur iſt es nicht
von Kaiſer Conrad, ſondern erſt viel ſpäter erlangt
worden. In das nachmalige Wappen, welches, nach der
Art in der es zuſammengeſetzt iſt, zu ſchließen, aus dem
13. Jahrhundert herrühren möchte, würde die roth-weiße
Theilung mit aufgenommen worden ſein, wenn es nicht
bereits vorhanden geweſen wäre. Die Wappen aus
jener Zeit ſind überall höchſt einfach, und ein ganz
neues Wappen erhielt niegleichzeitig 2 Wappenbilder.
Auch die Burggrafen von Nürnberg führten dies
Wappen, jedenfalls deßwegen, weil ſie auf die Stadt
gewiſſe Rechte hatten. Müllner ſagt hierüber:
„Des Burggrafthums Wappen hat das Anſehen, als
ob die Burggrafen vor Alters allein einen mit Farben
roth und weiß abgetheilten Schild geführt, in welchen
abgetheilten Schild hernach der Schild mit dem ſchwarzen
Löwen hineingeſetzet, und damit die rothe und weiße
Abtheilung bedeckt worden, daß dieſelbe nur am Rande
noch zu ſehen.“
Jedenfalls deutet die roth-weiße Theilung im Burg—
grafenwappen nicht auf das fränkiſche Herzogthum,
ſondern auf die Stadt Nürnberg, und ſomit wäre auch
entſchieden, daß wir hier das Characteriſtiſche, Urſprüng—
liche des Nürnb. Stadtwappens vor uns haben.
Alles was ſonſt von Schriftſtellern über das „Schwa—
benfeld“ fabulirt wurde, beruht meiſtens auf Mißver—
ſtändniſſen. Daß das Wort „feld“ ſich nur auf das
Wappen, nicht aber auf einen Landesdiſtrict beziehe, iſt
einleuchtend. Es iſt wunderlich, welche Mühe darauf
verwandt wurde, eine Gegend um Nürnberg herauszu—
düfteln, welche den Namen Schwabenfeld trägt. Vor⸗
ausgeſetzt, daß man nun wirklich ein ſolches Feld ge—
funden hätte, was hätte dies für einen Nutzen gehabt,
und wie hätte man daſſelbe mit dem Schwabenfeld des
Wappens in Beziehung bringen wollen und können?
Aber außer dem Schwabenfeld führt Nürnberg noch
einen halben Adler im Wappen, und dieſer kam erſt
dazu, als unſere Stadt reichsunmittelbar wurde, was
im 13. Jahrhundert geſchah. Aus dieſem Grunde, d.
h. weil der halbe Adler das kaiſerliche Wappen reprä⸗
ſentirt, nimmt er auch die Ehrenſtelle ein. Diejenigen,
welche von dem halben Adler den Beweis herleiten
wollen, daß Nürnberg ehemals eine Municipalftadt ge-
weſen ſei, ſind daher gänzlich im Irrthum. Wie geſagt,
iſt ja eben dieſer halbe Adler das Zeichen der Reichs-
unmittelbarkeit und Nürnberg war von der Zeit an,
als ſie dieſen im Wappen führte, eine Reichsſtadt.
Siebenkees bemerkt in dem II. Bd. ſeiner Materi⸗
alien zur Geſch. d. St. Nürnberg p. 392: „Man hat
noch nicht erwieſen, daß und welcher Unterſchied fei
zwiſchen Reichsſtädten mit dem ganzen und halben Adler“.
Dies iſt jedoch nach folgender Thatſache leicht zu
entſcheiden: Es war die älteſte und beſonders im 13.
Jahrh. ſehr gebräuchliche Methode, daß man, wenn man
zwei Wappenbilder in einem Schilde vereinigen wollte,
jedes Wappenbild blos halb darſtellte. Die zweite Hälfte
muß man ſich als vorhanden und von der andern ver—
deckt denken. Der halbe Adler wird demnach in den
Wappen der Reichsſtädte nur dann vorkommen, wenn
das Wappen außerdem noch ein Wappenbild enthält.
Sollte es trotzdem den ganzen oder doppelten Adler
führen, ſo weiſt dies darauf hin, daß es in einer ſpäteren
Zeit eine Umänderung erfahren hat. Hat aber das
Wappen den Adler als einziges Bild, ſo iſt er natür⸗
lich ganz dargeſtellt.
Daraus geht hervor, daß der ganze oder halbe Adler
keinen Rangunterſchied begründet.
II. Die Siegel der Stadt Nürnberg.
Bei den Siegelu der Stadt Nürnberg, welche
insgemein Wappen genannt werden, iſt ein Unterſchied
zu machen zwiſchen den Haupt- und Seecretſiegeln und bei
den letzteren wiederum zwiſchen den Secretſiegeln älterer
und neuerer Ordnung. Die erſteren wurden nur als
Rückſiegel benutzt und hatten Anfangs fein eigentliches
Bild, ſondern nur ein gothiſches gekröntes N.; ſpäter
das Stadtwappen. Die Secretſiegel neuerer Ordnung
waren dagegen von dem Hauptſiegel nur durch Größe
und Umſchrift, ſowie auch dadurch verſchieden, daß ſie
N
nie ein Rückſiegel führten.
1) Das Haupt- oder Stadt-Siegel.
Daſſelbe ſtellt einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln
und einem gekrönten Frauenkopf vor, und hat folgende
Umſchrift in gothiſcher Majuscel:
„ + Sigillvm universitatis civivm de Nvrenberch.“
In dieſer Geſtalt findet ſich das alte Stadtſiegel be—
reits an einer Urkunde des Kloſters Engelthal vom Jahre
1243 und in den folgenden Jahren bis zu 1299, und
zwar ohne Rückſiegel. Ein ſolches findet ſich erſt auf
einem Siegel, welches an zwei Waldſtromeriſche Urkunden
vom Jahre 1347 gehängt iſt. Das hier befindliche Rück⸗
ſiegel ſtellt, wie oben bemerkt, ein gothiſches gekröntes
N. vor, mit der Umſchrift: „Sig. Sv. Nyr.“ Ein an⸗
deres Rückſiegel aus eben dieſem Jahre hat die einfache
Umſchrift: „S. Nvra“.,
Im Jahre 1349 finden wir endlich ein Rückſiegel
mit dem Stadtwappen, von welcher Zeit an ſich daſſelbe
beſtändig im Gebrauch erhalten hat.
Das alte Stadtſiegel wurde im Jahre 1368 außer
Gebrauch geſetzt, in Leder verwahrt und verſiegelt, und
in der Loſungſtube reponirt. Dagegen wurde ein neues
angefertigt, mit welchem am St. Michgelstag zu ſiegeln
angefangen wurde; von dieſem iſt mir aber weder ein
Abdruck noch eine Beſchreibung zu Geſichte gekommen.
Die Tinctur des Siegelbildes kam jedenfalls erſt in
einer ſpäteren Zeit auf, als das Verſtändniß der heral—
diſchen und ſphragiſtiſchen Gebräuche des Mittelalters
bereits abhanden gekommen war. Genau läßt ſich ſelbſt⸗
redend der Zeitpunkt dieſer Neuerung nicht beſtimmen.
Wie man dem Siegelbilde Schild und Tinctur
(Feld: Blau; Adler: Gelb.) gab, und es dadurch gleich⸗
ſam in ein Wappen umwandelte, ſo ſuchte man dem
Bilde eine beſondere Deutung zu geben. man
darauf kam, es für das Wappen des Grafen Adalbert
von Babenberg auszugeben, iſt mir eben ſo wenig be—
greiflich, als daß die Nachricht Glauben finden konnte,
es ſei der Reichsveſte von Kaiſer Heinrich V. oder Conrad
III. ertheilt worden, „weil fie bei der von erſterem vor
genommenen Belagerung und Zerſtörung der Stadt nicht
erobert worden, ſondern ihre Jungferſchaft behalten.“
(Siebenkees II. 393). — Die Deutung, daß der Jung⸗
fernadler das zu Nürnberg herrſchende Weiberregiment
anzeige, iſt ein Beweis, daß ſich der berühmte „Nürn—
berger Witz“ auch auf geiſtigem, ſogar auf dem Gebie—
te der Heraldik verſucht habe, freilich mit viel weniger
Glück als auf dem der Technik.
Schon in den älteſten Zeiten wurde rothes Wachs
zu den Stadtſiegeln benützt, wie das älteſte vorhande⸗
ne Siegel an der oben bereits erwähnten Engelthali—
ſchen Urkunde vom Jahre 1243 beweiſt.
Urſprünglich bediente man ſich des Stadtſiegels nicht
nur bei allen im Namen des Rathes und der Stadt
ausgefertigten Urkunden, ſondern auch zur Beglaubigung
von Privatdocumenten. Im vorigen Jahrhundert wur⸗
den vorzüglich die in der Teſtamentsregiſtratur gefertig—
ten Abſchriften der Teſtamente mit dem Stadtſiegel
verſehen.
2) Das Seeret⸗-Siegel.
Der Unterſchied zwiſchen dem Stadt- und dem
Secretſiegel iſt bereits Eingangs dieſes Abſchnittes ange—
zeig 4
; Das Kgl. Archiv zu Nürnberg verwahrt 3 Siegel:
ftempel,von denen
a. Der älteſte aus Meſſing beſteht und folgende
Umſchrift führt:
„ Secretvm * Civivm * De * Nvremberch”“
dieſer Siegelſtock möchte derjenige
Wie
Ich vermuthe,
ſein, welcher im Jahre 1449 am Sonntag Mil. Dni.
auf eine unerklärt gebliebene Weiſe abhanden kam,
der aber noch in demſelben Jahre in der Frauenkirche
von einer „Betſchweſter“ wieder gefunden wurde, wofür
dieſe letztere 12 Fl. zur Verehrung bekam. Nachdem aber
inzwiſchen ein neues Secret vom Goldſchmid Hochbrant
angefertigt worden war, hat man das wiedergefundene
in ein Schächtelchen verſiegelt und in der Loſungsſtube
verwahrt. Aber auch das neue Secret wurde ſchon im
28
Jahre 1452 zum Siegeln untauglich, deßhalb außer
Gebrauch geſetzt, ebenfalls verſiegelt und in der Loſungs—
ſtube verwahrt, und durch ein Neues erſetzt; dieſes möchte
b. mit dem zweiten im Kgl. Archive befindlichen
Stempel identiſch ſein. Derſelbe iſt mit vieler Kunſt
und gutem Geſchmack in Meſſing ausgeführt, und von
dem zuerſt angeführten Secret auch dadurch verſchieden,
daß hier „Nyrenberch“ ſtatt Nyremberch geſeßt iſt.
c. Das dritte auf dem Archive befindliche Siegel
iſt in Silber ausgeführt und möchte, der Arbeit nach
zu urtheilen, dem 16. Jahrhundert angehören. der Orts—
name iſt hier „Nyrmberge“ geſchrieben.
d. Außerdem war noch ein kleines Secret vorhanden
mit der Umſchrift: „*Secretvm. Reipub. Norinbergensis.“
Die Vermuthung, daß das Seeret vom Kaiſer Carl
IV. im Jahre 1350 verliehen worden ſei, iſt wohl eben
jo unbegründet, als die Behauptung, daß die Einfüh—
rung in Folge einer Verordnung des Kaiſers Sigmund
geſchehen ſei. Beide Zeitangaben ſtimmen nicht, da
Nürnberg erſt oder ſchon im Jahre 1386 ein Seeret
geführt hat. Die Einführung wird eben darin ihren
Grund gehabt haben, weil zu jener Zeit der Gebrauch
der Secrete aufkam; eine kaiſerliche Verleihung oder
Beſtätigung war jedenfalls gar nicht nothwendig, da
Nurnberg zu ihrem Secret kein neues Bild annahm
ſondern das im Stadtſiegel bereits Vorhandene hierzu
benutzte.
Auch das Secretſiegel wurde in rothes Wachs, je—
doch ohne Rückſiegel abgedrückt. Der dritte oberſte Haupt—
mann war Bewahrer deſſelben. Es wurde gebraucht:
a. bei Schreiben an den Kaiſer, Könige, Reichs—
ſtände; an Reichsglieder und Standesperſonen, welche
nicht in Nürnbergiſchen Dienſten ſtanden, ferner an
auswärtige Fürſten und Regierungen;
b. bei allen in der Canzlei im Namen des Raths
ausgefertigten Urkunden und gemeiner Stadt Schuldbriefen.
Das eben sub lit. d. bemerkte kleinere Secret be—
nützte man bei allen Miſſiven ohne Unterſchied, die
von dem älteren geheimen Rath erlaſſen wurde.
Schreiben des Rathes an Nürnbergiſche Abgeord—
nete, Dienſtleute und auswärtige Beamte, wurden mit
dem Geſchlechtsſiegel des älteren regierenden Bürgermeiſters
beſiegelt.
3) Das Gerichtsſiegel.
Das Gerichtsſiegel, welches Nürnberg bis zum Ende
der Reichsunmittelbarkeit führte, iſt daſſelbe, welches ur—
ſprünglich von dem Reichsſchultheißen daſelbſt bei ſei—
nen amtlichen Ausfertigungen geführt wurde. Das Reichs—
ſchultheißenamt oder Gericht wurde der Stadt Nürn—
berg im Jahre 1385 verpfändet.
Das Schultheißenſiegel ſtellte anfangs einen links—
ſpäter aber immer rechtsſehenden einfachen Adler mit
ausgebreiteten Flügeln vor, mit der Umſchrift: „t Si-
gillvm. Scvlteti * De. Nyremberc *“. Zuweilen trifft
man auch Siegel, bei denen der Ortsname Nurinberc
oder Nurnberc lautet. Das letztere iſt der Fall bei Sie⸗
geln a. d. J. 1300. 1307, das erſtere im Jahre 1325. 5
Von dem Jahre 1336 an lautet die Umſchrift:
„+ Sigillvu. * Ivdicii. De. Nvrenberch.“ Ein ſehr
alter Siegelſtempel, welcher dieſe Umſchrift führt, iſt im
Kgl. Archive zu Nürnberg aufbewahrt.
zuerſt an einem Siegel vom Jahre 1345 vor, während ein
29
Ein Rückſiegel mit einem lateiniſchen N. kommt
Rückſiegel vom J. 1350 ein gothiſches N. zeigt, in deſſen
innerem Raume ein kleines gothiſches E. zu ſehen iſt.
Wie mit dem Stadt- ſo ging es auch mit dem
Gerichtsſiegel, es wurde nämlich im Laufe der Zeiten in
ein Wappen umgewandelt und erhielt Schild und Zines
tur, und zwar, da das Reichsſchultheißenamt ein kaiſer—
liches Officium war, die Reichsfarben, was nahe genug
lag. e e
Bei den Gerichtsſiegeln war gelbes Wachs in Gebrauch.
Bis in die letzte Zeit war der Reichsſchultheiß nebſt
dem zweiten Loſunger Verwahrer des Gerichtsſiegels.
Würzburg. Seyber.
Einige Anmerkungen und Berichtigungen
u „Tr. G. Voigtel's Stammtafeln zur
Geſchichte der europäiſchen Staaten, neu
herausgegeben von Eudwig Adolf Cohn.“
Das eben angeführte Werk, von welchem ſeit
1864 bei C. A. Schwetſchke u. Sohn (M. Bruhn)
in Braunſchweig 3 Hefte mit 156 Tafeln er—
ſchienen ſind, gehört ohne allen Zweifel zu den
verdienſtvollſten auf dem Gebiete der geſammten
Genealogie. Wie es auf den rühmlichſt bekannten
Erſtlingsarbejten auf dieſem Felde, nämlich den
Werken von Lohmeier, Hübner, Pütter, ruht, ſo
zeigt es in der neuen Ausgabe, welche bedeutenden
Fortſchritte hier gemacht worden ſind. Obgleich
wir weit entfernt ſind, die Verdienſte zu mindern,
welche ſich die Königin von Dänemark, Varren—
trapp, Klüber (Vater u. Sohn), Gottſchalk, Oertel
u. A. durch ihre Arbeiten erworben haben; die
Palme unſerer Tage gebührt doch Herrn Dr.
L. A. Cohn, Privatdocenten der Geſchichte zu
Göttingen. Wer ſich mit Genealogie beſchäftigt,
wird ſtets nicht nur Hübner u. Pütter, ſondern
auch Voigtel u. Cohn mit dankbarer Verehrung
nennen. Ebenſo wird er's auch der Verlags:
Buchhandlung von Schwetſchke u. Sohn aufrichtig
Dank wiſſen, daß ſie die neue Herausgabe des
Voigtel'ſchen Werkes beſchloſſen und dieſelbe ſo
wackeren Händen anvertraut hat. Jeder Gene—
aloge wird aber auch dem Herrn Verleger für
die ſchöne typographiſche Ausſtattung danken, denn
auch in dieſer Hinſicht bemerken wir mit Freuden
einen bedeutenden Fortſchritt. —
Wenn ich nun hier den Freunden der Ge—
nealogie einige „Anmerkungen und Berichtigun-⸗
zu Cohn's Stammtafeln“ biete: ſo geſchieht das
weder um die Brauchbarkeit des Werkes zwei:
felhaft zu machen, noch auch um mein perjön-
liches Intereſſe an der Genealogie zu bekunden,
ſondern um mit meinen ſchwachen Kräften Herrn
Cohn und ſeiner Arbeit zu dienen, ſowie um die
geehrten Leſer d. Bl. zu reizen, daß auch ſie ihre
Notizen und Berichtigungen zu dieſem verdienſt—
vollen Werke veröffentlichen. Einer muß dem
Andern dienen und Handreichung thun. Einer
kann nicht Alles wiſſen, denn unſer Aller Wiſſen
iſt Stückwerk. In Bezug auf dieſe genealogiſchen
Tafeln kann Herr Cohn ja auch das Wort an-
wenden, welches Joſ. Mader in feinen Kritiſchen
Beiträgen zur Münzkunde Bd. 4. S. 121 aus⸗
ſpricht: „Der Stoff iſt zu reich — wenigſtens
für mich — um ihn zu erſchöpfen! wer kann
Alles leſen? Alles anmerken? oder auf Alles,
was er geleſen hat, ſich beſinnen? — und wer
kann vollends Alles prüfen?“ |
Ich gebe nun im Folgenden, was ich mir
beim Gebrauch der Cohn'ſchen Tafeln, wenigſtens
denen von Nr. 51—152, notirt habe, und be-
merke ausdrücklich, daß ich nicht lauter Berich-
tigungen biete, ſondern hier und da nur auf
Widerſprüche verweiſe, die meine Wenigkeit nicht
zu löſen vermag, deren Aufklärung aber Herr“
Cohn und Andere ch werden angelegen ſein laſſen.
1) Tfl. 51. Pfalz-Simmern. Als Todestag
der Dorothee, geb. 6. Januar 1581, To. v.
Joh. Caſimir, ſteht hier 8. Sept. 1631; da⸗
gegen zeigt Tfl. 152 den 18. Sept. Die
letztere Angabe iſt die richtige, denn nach der
Inſchrift an ihrem Sarge in der Gruft der
Schloß⸗ u. St. Marien⸗Kirche zu Deſſau lebte
ſie 50 Jahr 8 Mon. 12 Tage. Dieſe genaue
Altersangabe verbietet uns die Annahme, der
8. Sept. ſei nach altem Stil gerechnet; gälte
beim Todestag der alte Stil, müßten wir ja
ihren Geburtstag auf den 26. Dec. 1580 ſetzen.
2) Til. 54. Pfalz⸗Zweibrücken. Sabine, To.
des Pfalzgrafen Otto Heinrich, wird als 1661
geſtorben aufgeführt.
Dagegen bemerke ich, daß ſie in den mir
vorliegenden ſchriftlichen Akten über die tugend—
liche Geſellſchaft als „vor 1650 geſtorben“ er⸗
wähnt wird. Entſcheiden kann ich nicht.
3) Tfl. 55. Pfalz- Birkenfeld. Dorothee
Katharine, To. v. Chriſtian I., F 7. Dee.
1710; aber nach Tfl. 130 bei Joh. Ludwig
+ 7. Dec. 1715. f
4) Tfl. 55. — Alexander Berthier, Schwieger⸗
ſohn Wilh., Hzgs. in Bayern, wurde erſt 1809
Herzog von Wagram, nicht ſchon 1807.
NB. Iſt der dem Hzg. Maximilian am 8.
1845 todtgeborene Sohn abſichtlich ausgelaſſen?
5) Tfl. 62 u. 63. Sachſen. Die Anm., daß
nach Hoffmeiſter der Vermählungstag Herzog
Wilhelms der 23. Mai, nicht der auf beiden
Tafeln notirte 25. Mai 1625, ſei, iſt richtig.
Die Trauung war am 23. Mai Abends 10
Uhr, ef. Tenzel, Saxon. num. III. S. 561,
ib. Tfl. 47, Nr. 6 u. 7. S. 639.
60) — — Sachſen. Als Todestag
der 2. Gem. des Herzogs Joh. Ernſt v. Ei⸗
ſenach ſteht hier 19. Aug., Tfl. 117 aber
18119. Aug. 1658. Ich fand — ich weiß nicht
mehr, wo? — den 19. Juni. Was iſt richtig?
7) Tfl. 67. Sachſen. Als Geburtstag von Hzg.
Joſeph ſteht hier 26. (Aug. 1789), dagegen
Tfl. 96 bei ſeiner Gem. Amalie 27. Aug.
Oertel hat an beiden Stellen 27. Aug.
8) Til. 68. Sachſen. Des Hzgs. Ernſt J. Gem.,
Dec.
arie v. Württemberg, iſt wohl nicht im Dec.
ſondern im Sept. geb., ef. Tfl. 97. Klüber im
geneal. Staats⸗Handbuch und Oertel haben an
beiden Stellen Sept. In der Anm. zu Tfl. 68
iſt der Irrthum unberückſichtigt geblieben.
Sollte aber Dec. richtig ſein, jo möchte Tl.
97 a. a. O. berichtigt werden.
9) Tfl. 77. Brandenburg. Die jüngſte Tochter
des Kurfürſten Joachim Friedrich, Marie Ele-
onore, verm. ſich nicht 1651, ſondern 1631;
Die letztere Angabe ſteht richtig Tfl. 51 bei
Ludwig Philipp. Die Abweichung 8. u. 18.
Fbr. bei Angabe ihres Todestages beruht wohl
nur in der verſchiedenen Stil-Rechnung.
10) Tfl. 86. Braunſchweig. Als Monat des
Todes der Eliſabeth, To. des Herzogs Julius,
ſteht hier Oct. (1618), Tfl. 87 aber bei ihrem
Gem. Hzg. Chriſtoph (24.) Nov. — Daſelbſt
iſt auch ein von mir nicht zu löſender Wider⸗
ſpruch in Bezug auf den Tod Hzg. Chriſtoph's;
nach Tfl. 86 iſt er am 7. Juli, nach Tfl. 87
am 12. März (1606) geſtorben.
11) Tfl. 86. Bei Hedwig, der jüngſten 1580
geb. Do. des Herzogs Julius, ſteht als Todes⸗
jahr 1641; Tfl. 87 aber finden wir bei ihrem
Gem. Otto III. die Angabe: 11. März 1657.
Die (wahrſcheinlich irrige) Angabe v. 1641
ſtammt wohl aus Hübner, cf. Tfl. 188 u. 187.
Auf die unbedeutende Abweichung bei Angabe
des Vermählungstages von Hedwig und Otto
III., 15. u. 14. Apr. 1621, will ich kein Ge⸗
wicht legen. (Fortſetzung folgt.)
Zur Statiſtik der Wappenbildet.
Der Mangel eines genügenden (wiſſenſchaftlichen)
heraldiſchen Syſtems als Grundlage zur Aufſtellung von
Siegel- wie überhaupt von Wappenſammlungen bewog
mich, ein ſolches auszuarbeiten und zuſammenzuſtellen.“
Um nun bei dieſer Gelegenheit auch angeben zu können,
wie viel Platz die verſchiedenen Categorien des Syſtems
unter ſich verhältnißmäßig beanſpruchen, unternahm ich
es, aus einer Sammlung von über 7000 Stück Wap⸗
pen jene Verhältnißzahlen herauszuſuchen.
Iſt auch dieſe Anzahl keine ſo große, daß man das
erlangte Reſultat als ein ſolches betrachten könnte, wel-
ches mit mathematiſcher Richtigkeit auf die geſammten
bekannten Wappen anzuwenden wäre, ſo iſt ſie doch im»
merhin groß genug, um aus dem gefundenen Ergebniß
ein annähernd richtiges Zahlenverhältnß des Vorkommens
der verſchiedenen Wappenfiguren abnehmen zu können.
Da man weiß, wie ſolche gegenfeitige Verhältniſſe faſt
immer ihren conftanten Werth behalten, (z. B. die
Buchſtaben im Buchdruckerfach, wie überhaupt ſtatiſtiſche
Zuſammenſtellungen) ſo glaubte ich auch hier auf die
Richtigkeit dieſer Erfahrung bauen zu können. Eine
Probe, die ich machte indem ich eine zweite Spezial—
ſammlung von 700 Stück ebenfalls durchzählte, ergab,
daß meine Vorausſetzung mich nicht getäuſcht hatte,
und daß die Verhältniſſe unter ſich ziemlich dieſelben
blieben. —
Mir iſt bis jetzt eine ſolche Auf- und Auszählung
nicht bekannt geworden; ich erlaube mir deshalb, in
Nachſtehendem meine Ergebniſſe zu veröffentlichen, um
dadurch auf ein neues Feld ſphragiſtiſcher Studien hin⸗
zuweiſen.
Vorausſchicken muß ich, daß ich faſt nur deutſche
Wappen in meiner Sammlung habe, und daß ſich das
Verhältniß in jedem Lande anders herausſtellen würde.
Bei uns ſind Löwen und Adler die am häufigſten wie⸗
derkehrenden Wappenbilder; bei den Polen würden die
Waffen (Pfeile, Säbel), bei den Engländern die Kreuze
überwiegen; je nach den auch in den Wappen ſich aus⸗
ſprechenden Eigenthümlichkeiten der betr. Länder.“)
Das Prinzip, nach welchem ich die Felder und Fi-
uren beſtimmte, kann ich hier allerdings nicht näher
*) Daſſelbe wird in den nächſten Wochen in der Buchhand—
lung von Lehmann u. Liebel zu Dresden erſcheinen unter dem Titel:
„Neues heraldiſches Syſtem vom Frhru. v. Biedermann.“
*) So findet man gewiſſe heraldiſche Figuren oft in einem be⸗
ſtimmten Diftriet außerordentlich zahlreich, während fie in anderen
Theilen deſſelben Landes gar nicht oder doch nur ſporadiſch erſcheinen;
z. B. der Turnierkragen bei den Rheiniſchen Geſchlechtern (vgl. v.
Ledebur Archiv Heft I. 1863 S. 1 ff.) die Schachfelder und Greife
in Pommern'ſchen Wappen. 5 8 a
erläutern, und verweiſe deshalb auf die oben erwähnte
Schrift.
Ich fand folgende Verhältniſſe:
Leere Felder 45 (incl. 2 mit Pelzwerk.)
6 5 mit Einfaſſung 1.
Geſpaltene Schilde 70 incl. 10 mit krummen Linien.
Getheilte %ͤ&; ß 10 47 5 5
Durchſchnittene, „ 5 5
Geviertete 34
Combinirte Schnitte 50
Pfähle 41
Balken ö 228 incl. 39 mit krummen Linien.
Schrägbalken / 'a Se 4 5
Sr ee an l
Freiviertel 3
Sparren 63
Spitzen 58
Rauten 64
Schindeln u. Schildlein 28
Gitter 10
Eiſenhüte 9
Kugeln 58
Ringe 34
Kreuze 112
Sterne 289
Monde 89
Sonnen 26
Kometen, Regenbogen, Blitze, Flammen 16
Berge 49
Blätter, Klee⸗, 58
„ dive 36
Zweige 37 incl. 6 Kränze.
Blumen 464
(Lilien: 167; Roſen: 241; diverſe: 56.)
Aeſte (Baumſtämme) 49. incl. 3 Brände.
89.
Früchte
Bäume i 123.
Ganze Menſchen 302
Menſchliche Theile 158, (darunter 110 Arme.)
Engel und Heilige 31.
Ganze u. halbe Thiere 511, darunter 47 Hunde, 45
Pferde, 123 Raubthiere, 28 Stiere,
38 Widder, 65 Böcke, 101 Hirſche,
5 ausländiſche.
Löwen 643, darunter 68 halbirte.
Thierköpfe 157, darunter 32 Löwenköpfe.
Theile von Vierfüßlern 99. i
Ganze Vögel, diverſe, 311; darunter 11 Sittige, 15
Sträuße, 41 Schwäne, 7 Pfauen,
29 Hähne, 27 Tauben, 27 Raben,
10 Falken, 44 Störche und Reiher,
17 Uhus.
Adler 393. (281 ganze, 112 halbe.)
Vögeltheile 133. (Krallen, Flügel 95; Köpfe
38, darunter 35 Adlerköpfe.)
1
Fiſche IR
Kleines Gethier 64, incl. 20 Muſcheln, 20
Schlangen.
Chimären 308; incl. 108 Doppeladler.
Gebäude
220; darunter 19 Schiffe.
31
|
Hausgeräthe 123.
Kleidungsſtücke 81.
Spiele und Inſtrumente 73.
Arbeitsgeräthe 295.
Waffen 202.
Attribute 53.
Schmuckſachen 79.
Buchſtaben 35.
Marken 10
Hieran würde ſich die nicht unintereſſante Arbeit
knüpfen, daß man, ſo weit dies möglich iſt, die Zeit der
Wappenverleihungen mit den Wappenfiguren in Be—
ziehung brächte, um daraus zu finden, ob gewiſſe „Moden“
auch bei den Wappenbriefen ſtattfanden, und ob nicht
zu der einen oder anderen Figur irgend welche äußere
Veranlaſſung vorzüglich maßgebend wurde, wie z. B.
unbeſtritten die Zeit der Kreuzzüge. Es würde ſich
vielleicht dabei herausſtellen, warum einzelne Thiere faſt
immer mit denſelben Attributen vorkommen, z. B. der
Kranich mit dem Stein, der Strauß mit dem Hufeiſen,
Sittiche mit Halsbäudern, Raben mit Ringen, u. orgl.
Wurden dieſe Beigaben nur gegeben, um die ſonſt un—
förmlich gezeichneten Thiere dadurch leichter kenntlich zu
machen, oder hatten fie eine tiefere, reſp. hiſtoriſche Be—
deutung”) a 5
Zur Löſung ſolcher und ähnlicher Fragen würde die
hier angeregte Arbeit viel beitragen; abgeſehen von dem
hohen Intereſſe, welches ſie für die Geſchichte der Wappen
haben würde.
Blafewig. Detlev Freiherr von Biedermann.
*) Der Kranich iſt das, beſonders bei neueren Wappenver-
leihungen ſehr beliebte, Symbol der Wachſamkeit; man ſagt, daß
dieſer Vogel, wenn er Wache hält, um munter zu bleiben, auf einem
Beine ſteht, und mit der anderen Kralle einen Stein emporhält. Der
Strauß frißt der Sage nach gern Eiſen, und wird daher ſtets (3.
B. ſchon 1297 auf dem Siegel Arnolds Struz und auf alten
Darſtellungen des von Haydeck'ſchen Helmſchmucks) mit einem Huf⸗
eiſen im Schnabel abgebildet. Der Ring im Schnabel des Raben
bezieht ſich wohl jedenfalls auf das bekannte diebiſche Gelüſt dieſes
Vogels nach glänzenden Dingen und Geſchmeiden. Er kommt in⸗
deſſen auch ohne das genannte Attribut vor. Das Halsband des
Sittichs ſoll vielleicht darauf hinweiſen, daß dieſes Thier im Abend⸗
lande nicht in der Freiheit, ſondern nur in der Gefangenſchaft, im
Käfig u. an der Kette, vorkommt. So erſcheinen auch Affen u.
Meerkatzen mit Leibgurt und Kette. Anm. d. Red.
Anfrage III.
Für geneigte Auskunft über folgende Familien, deren
Wappen im Preuß. Wappenbuch von Köhne (Tyroff)
verzeichnet find, uber deren Nobilitirungs- oder Anerken—
nungs-Diplome aber Nichts bekannt iſt, würde der Fra—
geſteller, Lieut. M. Gritzner, Berlin Victoriaſtr. 11., ſehr
dankbar ſein. i
1) v. Baner. (Preuß. Wappenbuch II., 77.) Preuß.
Adelſtand vom Jahre 1761; Datum?
2) Becker, auch Becker-Gotkowski. (Pr. Wb. II.,
77.) wer und wann nobilitirt? wohl vor 1741!
3) Bonin von Möllendorf. (Pr. Wb. II., 86.)
Wer war der Diplom-Empfänger? Datum des Diploms?
4) Bord. (Pr. Wb. II., 86.) Pr. Ad. d. d. 20. 9.
1794. für wen?
5) Crayen. (Pr. Wb. II., 100; dieſe Linie +.)
Reichsadelſtand dd. 11. 1.
kennung?
6) Droſte. (Pr. Wb. III., 9.)
bilitirt reſp. anerkannt? Aus dieſer Familie ſtammen,
wie es ſcheint, auch die von Droſte-Knobloch mit
geſpaltenem Wappenſchilde, vorn der Fiſch, hinten von
Knobloch, (3 Kannen 2 Helme: 1) Droſte (Flug,) 2)
. 1 und Fahnen.) ex sig. — Much über
Nobilitirung dieſer Linie iſt Nichts bekannt.
7) Krockow. (Pr. Wb. III. 74.) Otto Adolph auf
Guhren (Steinau) in Schleſien nob. Wann?
Krüger. (Pr. Wi HI. ohn In
ſchon 1763 mit adl. Prädicat angeſeſſen.
wann nob.?
a Kunowski. (Pr. Wb. III., 77.) Pr.
18. Für Otto Friedrich Wilhelm
im Kalbe Inf.-Agt (nach Ledebur Archiv J.
der Nobilitirung?
10) Kurnatows ki. (WeLodzia, Pr. Wb. HL, 77.)
Wann 0 wer anerkannt und nobilitirt
11) Langermaun. (Pr. Wb. III., 79.) Reichs- A.
d. d. 15. 4.1643. Wann von Kurbrand . anerkannt?
12) Montmollin. (Pr. Wb. ) Pr. 270
Anerkennung für 9 „Herren v. M. 1 NS 1
9 I., 321.) Datum und Jahr?
3) Pfeiffer (v. „ (Pr. Wb. IV,
R. A. 11 Prädicat „v. P.“ d. 1719;
erfannt in Preußen 0
14) Rentzel. (Pr. Wb. IV., 31)
in Preußen anerkannt?
15) Splitger ber, (Pr. Wb. IV.,
meiſter des Prinzen Ferdinand v.
in Pr. nobilirt. Jahr? Datum?
1788; wann Preuß. Aner
Pommern
Wer und
Ad. d. d.
K. Lieut.
311.) Jahr
19.)
An⸗
Wann und wer
65 9 5
Preußen,
Der Jäger⸗
David
I
ee
eo
Anfrage IV.
1) Was bedeutet das Wort theuorutum, durch welches
im W. des Fſtth. Rügen der Mauer rgiebel bezeichnet
wird? (Koſegarten Pomm. Geſch. I., p. 350 — 351:
„Leo Ener theuorutum.“) Das Wort kann, nach Prüf:
ung der Originalhandſchrift, auch thenorutum geleſen
werden. Rutum kommt wohl von ruere.
2) Auf einer Münze findet ſich ‚ein Wappen:
kreuzte Schlüſſel, darüber eine Lilie.
3 erhalten: „IV — GIIE
W. iſt dies?
3) Wachsſiegel; Biſchof mit Krummſtab.
(Minuskeln) „sigilum ulrici stett . 57
Herzog Ulrich von Pommern als
ſolches Siegel geführt?
4) Wappen auf einer viereckigen Silbermünze: im
ausgebogten Fchilde ein ſchräggegitterter Pfahl; darüber
ein Fürſtenhut; daneben die Buchſtaben: V — 8 und
die Zahl: 15 — 78. Ringsherum ein Perlenkreis:
außerhalb deſſelben, ſchräg links über der Krone, eine
dem Meklenburgiſchen Stierkopf ähnliche Figur. Wem
gehörte dies Wappen?
Gr. .
ge:
Von der Umſchrift
„ SL .“ Weſſen
Umſchrift:
Hat etwa
Biſchof v. Camin ein
.
Schnellpreſſendruck von A. K
Wer und wann no⸗
f
a
|
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M.
Anzeigen.
Bebufs einer literar. Arbeit werden Siegel (oder Abgüſſe davon)
nachſtel hender Grafen und Gräfinnen von Holſtein⸗Schaumburg e
wünſcht; leihweiſe Ueberlaſſung derſelben auf einige Wochen würd
genügen; auch können Tauſchobjecte dafür a werden.
Albrecht, 1265, Hamb Domprobſt. Heylwig, Gemahlin Otto's
Pfeil v. Brandenburg. Agnes, Gem. Waldemar's v Roſtock.
1 5 geb. 1253, Dompr. z. Hamb. Albrecht, 1272. Mechtild.
127 Bruno, 1281. Otto, 1290. N., Gem. Niclot's Gr. v.
Wittenburg, F 1318. Katharina, 1296 Gem. Hz. Otto's v. Stettin.
Agnes, 1313, Gem. Hz. Erich's v. Schleswig. N. 1341, Gem.
Nicolaus Hrn. v. Wenden. N., 1341, Gem. Bernhard's Hrn. v.
Wenden. Gerhard Biſch. zu Minden, + 1366. Simon, + 1361.
Bernhard, Hamb. Domprobſt, F 1416—19. Eliſabeth, Aebtiſſin zu
Elten, um 1370. Heinrich, Biſch. v. Osnabrück 1402—1404, 5
1421. Sophia, Gem. Hz. Bogislaw's v. Pommern. Elifabeth,
Gem. 1) Albrecht s III. v. Mecklenburg, 2) Erich's v. Sachſen⸗
Lauenburg. Otio II., geb. 1400, 7 1464. Ingeborg, Aebtiſſin des
Kl. Waſtena. Heilwig, Gem. 1) 1416 Balthaſar's Fſtn. v. Wen⸗
den, 2) Diedrichs Gr zu Oldenb. Erich 11. 14201492. Hein⸗
rich V., Bild. v. Minden, 7 1508 Antonius J., + 1526. Jo⸗
hann IV., geb. c. 1450, + 1527. Bernhard Il. + vor 1464. Anna,
Gem. Gr. Bernhards b. d. Lippe. Chriſtian I., ſeit 1448 Kön.
v. Dänemark. Otto IV. B. v. Hildesheim 1531 37. Adolf X.
Erzb. v. Köln, + 1556. Johann II. (in Bückeburg 1533) + 1560.
Antonius II., Erzb. v. Köln, F 1558. Heinrich VI 1529.
Wilhelm II. Pr. in Hildesheim, + 1580. Jobſt II., 11581. Adolf
ʒrk Hermann 1, B. v. Minden, 11 1592. Anton III.,
B. v. Minden, + 1599. ‚Marin, Gem. Zobit's v. Limburg⸗ Styrum,
+ 1616. Heinrich VII, + 1593. Georg Hermann, 15811616.
Hermann II., 1581—1634.
Auch Nachrichten darüber, wo dieſe Siegel etwa zu finden,
werden dankbarſt entgegen genommen Gütige N kachweiſe wolle man
der Red. d. Bl. geneigteſt einſenden. |
mit d
,,
f . .
Für Wappen Sammler und Zeichner.
Wappen⸗Conturen in vorſtehender Form ſind durch die Red. d.
Bl. zu beziehen. Preis à Buch (384 Conturen) 1 Thlr.
| Inhaltsverzeichniß. f
Amtl. Nachricht. — Vereinsbericht. — Die Wappen und
Siegel der Stadt Nürnberg. — Berichtigungen zu Cohn's
Stammtafeln. — Zur Statiſtik der Wappenbilder. An⸗
fragen. — Anzeigen. 5
Hilde rundt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg.
Teller in Gardelegen. 3
Hierzu eine Beilage.
Beilage zu? ar des „Deulſchen Herold.
der Mitglieder des „Herold.“
Verein für Siegel⸗ und Wappenkunde zu Berlin.
A. Vorſtand:
Vorſitzender: Baron H. von Linſtow, Haupt⸗ Schatzmeiſter: F. Warnecke, Geheimer expediren⸗
mann z. D., Bendler⸗Str. 23. der Sekretair, Steglitzer⸗Str. 58.
Schriftführer: Dr. C. Brecht, Geheimer Regi⸗
ſtrator, Moritz⸗Str. 9.
B. Ehren: litglieder:
3) Se. Durchlaucht der Fürſt Friedrich Karl zu 3) Freiherr von Ledebur, Hauptmann a. D. und
Hohenlohe-Waldenburg auf Kupferzell im Direktor der Königlichen Kunſtkammer in
„Königreiche Württemberg. Berlin, Belle-Alliance⸗Str. 5.
2) Se. Excellenz der Staats-Minifter und Mi- 4) Maſch, C., Archiv⸗Rath und Paſtor in Demern.
niſter für die landwirthſchaftlichen Angele- 5) Dr. Carl Ritter von Mayerfels in München.
genheiten von Selchow in Berlin, Schügen- 6) von Mülverſtedt, G. A., Archiv⸗Rath in
Str. 26. Magdeburg.
C. Wirkliche und correſpondirende Milglieder:
1) von Ahlefeldt⸗Dehn, L., Baron in Weimar. 15) Dornbuſch, J. B., Kaplan zu Schloß Frens,
2) Bartholomäus, Fr., Buchhändler in Erfurt. Station Horrens via Cöln.
3) Birnböck, Th., Kai. Ruſſiſcher Hof⸗Graveur 16) Ebel, L., Gerichts-Acceſſiſt in Gießen.
in München. 17) Eger, Dr. L., in Wien, Tabor:Str. 27.
4) Bodemann, Ed., Rath in Hannover. 18) Dr. E. Edler v. Franzenshuld, in Wien,
5) v. Bohlen, J 95 Freiherr, Erb⸗Kämmerer auf Hofburg.
Bohlendorf und Streu, Inſel Rügen. 19) Galliſch, E, Rentier in Berlin, Leipziger⸗
6) Burſian, Dr., in Freiburg im Breisgau. Str. 122.
7) Brecht, G., Bürgermeister in Quedlinburg. 20) von Görne, Lieutenant zur See.
8) von Bülow, G., in Berlin, Puttkammer. 21) von Graß, Ober⸗ Forſtmeiſter in Wiesbaden.
Str. 9. 22) Grenſer, A., in Wien, Waiſenhaus⸗Gaſſe 10.
9) von Buttlar, R., auf Elberberg bei Fritzlar. 23) Gritzner, M., Lieutenant a. D. und Bi⸗
10) Clericus, L., Maler und Literat in Berlin, blioth ekar des Vereins, in Berlin,
Simeon⸗Str. 11 Miktovig Str. 11.
8 f 24) Grotefendt, H., Dr. phil. in Breslau.
11) Culemann, F., Senator in Hannover. W ;
12) Damcke, G., in Bernburg. Eu oe ee le e
13) Dimmling, Wappenſtecher in Berlin, Jäger: 26) Heſekiel, Dr. phil., Hofrath in Berlin, Hal⸗
Str. 65. | le'ſche Str. 27.
14) von Donop, H., Premier⸗Lieutenant im 3. 27) Hildebrandt, Ad. M., Archäolog in Mieſte
Garde⸗Regiment zu Fuß und Flügel-Adju⸗ Reg.-Bez. Magdeburg, Redakteur des
tant in Detmold. Vereins-Blattes.
28) Himly, Regierungs⸗Aſſeſſor in Hannover.
29) Hötzel, Edelſteinſchneider in Berlin, Gr.
Friedrich⸗Str. 157.
30) Kindler, Prem.⸗Lieutenant im Niederſchle⸗
ſiſchen Feld⸗Artillerie-Regiment Nr. 5 in
Poſen.
31) von König, Eliſe, Freiin, auf Warthauſen.
32) Korn, F., Buchhändler in Nürnberg.
33) v. Ledebur, H. Freiherr, Hauptmann und
Compagnie⸗Chef im 4. Garderegiment zu
Fuß in Spandau.
34) Liſch, Dr. phil., Geheimer Archiv⸗Rath in
Schwerin.
35) Löffelholz von Kolberg, E. Freiherr, in
Nürnberg, Pilatus⸗Haus. |
36) von Löhneyſen, F. Freiherr, Geheimer Lega⸗
tionsrath und Kammerherr in Braunſchweig.
37) Odebrecht, H., Rentier in Greifswald.
38) von Oeynhauſen, J., Graf, Lieutenant im 2.
Hanſeatiſchen Infanterie-Regiment Nr. 76
in Hamburg.
39) Printz von Buchau, H. Freiherr, Major z.
D. in Dresden.
40) von Prittwitz⸗Gaffron, H. Hauptmann a. D.
auf Randow⸗Hof bei Oels.
41) Pyl, Th. Dr. phil., Vorſtand des Geſchichts⸗
Vereins für Neuvorpommern und Rügen
zu Greifswald.
42) Ragotzky, B., Paſtor in Triglitz bei Pritzwalk.
43) Rantzau, P., Studioſus in Berlin, Fried-
richs⸗Gracht 49.
44) von Redern, H., General⸗Major und Comman⸗
deur der 20. Savallerie-Brigade in Hannover.
45) von Retberg, R. auf Wettbergen, in München.
46) Rietſtap, J. B., Profeſſor im Haag.
47) von Roſen, G., Regierungs⸗Rath in Werni⸗
gerode.
48) von Saurma, Baron, Lieutenant im Garde⸗
Küraſſier⸗Regiment in Berlin, Alexandrinen⸗
Str. 128.
49) von Schmidt, E., Ober⸗Poſt⸗Commiſſar in
Frankfurt a. M.
50) Schmidt, G. Dr. phil. und Kaplan zu Vet⸗
ſchau i. d. Niederlauſitz.
51) Schröder, Geheimer Kanzlei-Inſpektor in
Berlin, Nauenburger Str. 33.
52) Schmitzberger, J., Kaiſ. Ruſſiſcher Hof⸗Stein⸗
ſchneider in München.
53) Keck von Schwarzbach, Obrift - Lieutenant z.
D. in Warmbrunn.
54) von Seydlitz, Hauptmann a. D. in Berlin,
Louiſen⸗Str.
| 55) Seyler, G., Buchhändler in Würzburg (Sta⸗
hel'ſche Buchhdlg.)
56) Siebigk, Kabinets⸗Rath in Deſſau.
57) Starke, P., Senator und Rittergutsbeſitzer
in Sorau.
58) von Starkloff, Obriſt⸗Lieutenant a. D., in
Cannſtadt.
59) Steinmann, C. G., in Braunſchweig.
60) von Strombeck, Kammerherr und Finanz⸗
Rath in Braunſchweig.
61) von Uetterodt, L. Graf, auf Neu-Scharffen⸗
berg bei Eiſenach.
62) Voigt, C., Wappenſtecher und academiſcher
Künſtler in Berlin, Gr. Friedrich⸗Str. 138.
63) v. Vorſt⸗Gudenau, Frhr., zu Ziadlowitz in
Mähren.
64) Wahl, Graveur in Berlin, Prinzen⸗Str. 9.
65) von Werlhof, P., Baron Dr. phil. auf Ud⸗
vard bei Neuhäuſel in Ungarn.
66) von zur Weſten, Stadtgerichts-Rath in Ber⸗
lin, Puttkammer⸗Str. 22.
67) Winkler, Wappenmaler in Berlin, Oranien⸗
Str. 135.
68) von Zeppelin, Graf, Kgl. Würtembergiſcher
Kammerherr und Geh. Legationsſekretair in
Stuttgart.
Die Verſammlungen des Vereins finden am
erſten Mittwoch jeden Monats, Abends 7 Uhr,
Potsdamer ⸗Str. 20 im Café Jacobi ſtatt.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
— 0
Monatsſchrift für Heraldik, 2 Sy Sppragitik und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Runde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 1 —1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
Ur. 5. SS, Berlin, im Juni 1870. S 1. Jahrgang.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller— Nachdem noch der Druck der Geſchäfts-Ordnung
gnädigſt geruht: Dem Grafen Alfred v. Hatzfeld beſchloſſen und Herr Dr. Brecht auf ſeinen Wunſch
die erbliche Fürſtenwürde mit dem Prädicat „Durch- des Amts als Schriftführer des Vereins enthoben, ſowie
laucht“ zu verleihen; (publ. 3. Juni;) die Neuwahl auf die nächſte Sitzung anberaumt und
Die Beſitzer des Schickler'ſchen Bankhauſes zu Ber- bis dahin die Uebernahme der Geſchäfte ſeitens des Hrn.
lin, Gebrüder George Henry David Arthur und Schagmeiſters angeordnet wurde, ward die Sitzung ges
Fernand David George Schickler, ſowie deren ſchloſſen.
Mutter, die Wittwe Davida Schickler geb. Schick- f
ler zu Paris, in den Adels- und Freiherrnſtand zu
erheben; (publ. 4. Juni.)
Aleber die Einrichtung einer Adelsmatrikel,
Auszug mit beſonderer Nerückſichtigung preußiſcher
aus dem Protokoll der Sitzung des „Herold“ Verhältniſſe.)
vom 1. Juni 1870. Ungeachtet aller ſeit Jahrzehnten gegen den Adel und deſſen
A 5 5 3 Fortbeſtand gerichteten Declamationen, und wiewohl durch die
Nach Vorleſung und Genehmigung des Protokolls he Geſeßgebung die ſtaatsrechtlichen Privilegien deſſelben
der letzten Sitzung, Aufnahme eines neuen Mitglieds aufgehoben find, wird derſelbe doch niemals aufhören, im Be⸗
und Erledigung geſchäftlicher Angelegenheiten, theilte der | wußtſein des Volkes als ein bevorzugter Stand zu gelten, und
wett „Bibliothekar des Vereins, unter Ueberreichung der man wird nicht umbin können, ihn als einen wichtigen Factor
47. Lieferung des neuen Siebmacher ſchen Wappen⸗ im Staatsleben anzuerkennen. Trotz aller Gleichheits⸗Theorieen
buchs für die Bibliothek, mit, daß dem Vereine nach- erblickt das Volk noch immer in der Ariſtocratie eben die ari-
ſtehende Geſchenke zugegangen ſeien: Fe dee ihr
08, h a 1 8 ; z. B. hervorragende Führer aller
a. vom Fürſten zu Hohenlohe; 1 „Das Siegelrecht Parteien, ſelbſt ſolcher die gerade dem Adel jeden Vorzug ab-
des Mittelalters, ſprechen, adeligen Standes find. Die Erhebung in den Adel—
b. vom Hauptmann twee Saffron; 6 Denk ſtand wird jetzt mehr als je als hohes Zeichen königlicher Gnade,
ſchrift über die Sachs von Löwen⸗ als werthvolle und bedeutende Standeserhöhung betrachtet, um
1 heimb'ſche Familien⸗Stiftung,“ die ſich Viele mit Eifer bemühen.
und durch Tauſch 55 15 5 Wenn nun der Adel als eine vom Staate anerkannte und
der 16. Jahresbericht des Germaniſchen National— in deſſen Grundlagen eingewurzelte Einrichtung beſteht, jo er⸗
Muſeums in Nürnberg giebt ſich für den Staat, reſp. die dazu verordnete Behörde,
erworben jet. 8 3 . die nothwendige Verpflichtung, die Verhältniſſe des Adels zu
3 Hierauf verlas derſelbe einen von ihm verfaßten ordnen, eine gewiſſe Controlle über den jeweiligen Beſtand
Aufſatz: deſſelben zu führen, darüber zu wachen, daß nicht einzelne Per⸗
Beitrag zu einer Statiſtik der Seitens der branden: \ ; ili ine hö
4 Ö, . fonen oder ganze Familien ſich den Adel oder eine höhere Stufe
burg⸗preußiſchen Regenten ſeit dem Jahre 1600 er⸗ deſſelben anmaßen, ohne nachweislich dazu berechtigt zu ſein.
theilten Standeserhöhungen N. % f 5 al um 0 0 ch daz Hit zu f
welcher Aufſatz demnächſt zum Abdruck im Deutſchen ) Unter Benutzung mehrerer uns aus dem Nachlaß eines
Herold gebracht werden wird. unlängſt verſtorbenen Freundes der Adelskunde übergebener Papiere.
34
Hierzu iſt die Anlegung einer Adels-Matrikel (eines fy
ſtematiſch aufgeſtellten, ſtets fortgeführten Verzeichniſſes, in welches
jeder Unterthan, welcher in dem betr. Staate ſich des adeligen
Prädicates bedienen und ſein Recht dazu anerkannt wiſſen will,
ſich eintragen laſſen muß — ) unbedingt nöthig. Die Pflicht,
ſolche Adelsmatrikel anzufertigen und auf dem Laufenden zu
erhalten, liegt unbeſtreitbar dem Hexroldsamte ob. Freilich darf
man die Schwierigkeiten nicht verkennen, die ſich dabei — wie
faſt immer, wenn es gilt eine neue Einrichtung ins Leben zu
rufen — finden werden; manches Vorurtheil bei dem Adel
ſelbſt wird zu beſeitigen, manche laue Gleichgültigkeit zu be⸗
leben ſein; allein durch Ausdauer wird ſich bald Alles heben
laſſen, ſobald nur Diejenigen, denen von Amts wegen die Pflicht
gebührt, mit warmen Eifer und wirklichem Intereſſe ſich ernſt—
lich bemühen, ein Werk zu ſchaffen, welches, abgeſehen von
ſeinen ſtaatsrechtlichen und politiſchen Nutzen, (welchen zu er—
örtern hier nicht der Ort iſt) in hiſtoriſcher Beziehung von
außerordentlicher Wichtigkeit iſt.
Wir haben zu erörtern:
1) in welcher Art und Weiſe iſt die Adelsmatrikel zu—
ſammenzuſtellen;
2) auf welchem Wege wird der benöthigte Stoff zu einer
ſolchen zu erlangen ſein?
A. Es iſt die Anſicht ausgeſprochen worden, die Adels—
matrikel ſolle ſich nur auf die im Gebiete des (Preußiſchen)
Staates anſäſſigen Familien erſtrecken, da der Grundbe-
ſitzende Adel die Grundlage des Adels überhaupt ſei und erſt
die Begüterung einer Familie die wirkliche Heimath im Staate
gebe. Dagegen iſt jedoch einzuwenden, daß auch wieder nur
einzelne grundſäſſige Geſchlechter Prärogative bezüglich des
Herrenhauſes und der Provinziallandtage beſitzen; daß Standes—
eigenſchaften gegenwärtig vom Beſitz unabhängig ſind, wie die
große Zahl bürgerlicher Rittergutsbeſitzer ergiebt; daß der Grund—
beſitz ſo äußerſt häufig wechſelt, ja daß manche Familien, die
unbeſtreitbar zu den beſten des Landes gehören, deſſelben gänzlich
entbehren. Es ſcheint daher unumgänglich nothwendig, daß
jeder im Unterthanenverbande ſtehende Adlige in
die Matrikel aufgenommen werde; erſt dann kann dieſelbe als
ein vollſtändig abgeſchloſſenes Werk betrachtet werden und nach
den angedeuteten Richtungen hin von Nutzen ſein; ſie würde
immer ein Stückwerk bleiben, wollte man einzelne Ka:
tegorien von Adeligen ganz ausſchließen, oder überhaupt bez
ſchränkende Grundſätze in Anwendung bringen.
Da aber der Adel bekannter Maaßen in verſchiedene Rang-
und Standesabſtufungen zerfällt, ſo wird man nicht umhin
können, dieſelben bei Anlegung der Matrikel zu berückſichtigen,
und letztere in verſchiedene Unterabtheilungen zu zerlegen, wobei
der geſchichtliche Urſprung der betr. Familie als Kriterium zu
betrachten ſein würde. Jedenfalls würde eine Gliederung
zwiſchen Uradel und neuem Adel ſtattfinden müſſen. Man
könnte etwa ſo claſſifieiren:
A. Eingeborene (ſeit mindeſtens 300 Jahren innerhalb
der heutigen Staatsgrenzen auftretende) Familien.
J. Uradel; (notoriſch alte, vor dem Jahre 1400 als
adelig urkundlich vorkommende Gefchlechter.)
II. Patrieier; (ſeit 1400 oder früher urkundl. be⸗
kannte Stadtgeſchlechter, denen ſpäter eine Adelsaner⸗
kennung ertheilt worden iſt.)
III. aden; Nobilitirungen der römiſch⸗ deutſchen
aiſer.
IV. Briefadel; vom Landesherrn, reſp. von den früh—
eren Regenten jetzt einverleibter Provinzen, geadelte
Familien.
V. Verjährungsadel; Familien, die nicht zum Ur⸗
adel gehören, aber für ihren Adel keinen anderen Be—
weis beibringen können, als daß ſie ſich deſſelben ſeit
einem gewiſſen Zeitraum — etwa ſeit 50 Jahren —
unangefochten bedient haben.
B. Eingewanderte Familien.
Dieſelben Abtheilungen.
Bei jeder Abtheilung sub A. und B. find ferner
trennen:
a) begüterte,
b) unbegüterte
Geſchlechter; bei a) wäre vielleicht noch zu unterſcheiden:
1) mit erblicher Viril- oder Colleetivſtimme im
Herrenhauſe,
2) ohne dieſelbe.
Weniger paſſend als das hiſtoriſche Syſtem, ſcheint die
Ordnung nach Rangſtufen, da letztere zum größten Theil neuen
Urſprungs ſind und einer Familie bei weitem nicht den Vorzug
geben können, den das Alter gewährt. Ein einfacher Edelmann,
der ſeine Vorfahren bis ao. 1200 nachweiſen kann, ſteht un-
bedingt im Range höher, als ein Graf, deſſen Afcendenten erft
im vorigen Jahrhundert den Adel erwarben.
Uns wenigſtens ſcheint die Eintheilung:
J. Jure
1) Reichs⸗ 4
12) 1 75 Fürſten
II. Grafen; (incl. marquis, vicomtes.)
III. Freiherrn;
IV. Edelleute;
mit Unterabtheilungen:
a) begütert,
b) unbegütert —
für eine Matrikel, ſofort fie wiſſenſchaftlich- hiſtoriſchen Werth
haben ſoll, nicht geeignet. Immerhin könnten jedoch die Standes—
erhöhungen durch fernere Unterabtheilungen zum Ausdruck
kommen; das Schema wird dann, freilich etwas complieirt,
folgendes ſein:
A. Eingeborene Familien;
Uradel;
1) Fürſten;
a) Reichsfürſten;
1) begüterte;
2) unbegüterte ;
b) Titularfürſten;
11 2
2) Grafen;
a) vormals reichsunmittelbare; fe
b) Titulargrafen; ie
RW. u. , w.
Auch möchte es wünſchenswerth oder vielmehr nothwendig
ſein, daß wenigſtens den Dynaſten eine beſondere Rubrik ge⸗
geben würde.
Eine Sonderung der Familien nach den Provinzen, denen
ſie gegenwärtig durch ihren Beſitz oder ihre Stellung angehören,
L oder nach den Landestheilen, in denen ihr Urſprung wurzelt,
35
wird ſchwer ausführbar ſein. Einerſeits ſind viele Fami⸗
lien ohne Grundbeſitz, daher ohne feſte Heimath, und ihre Mit⸗
glieder werden, wenn ſie bedienſtet ſind, aus einer Provinz in
die andere verſetzt; andererſeits überwiegt der neuere Adel an
Zahl faſt ſchon den alten; bei erſterem wird es in den meiſten
Fällen unmöglich ſein, ihn einem beſtimmten Landestheil zuzu—
weiſen — bei dem anderen iſt auch im Laufe der Jahrhun⸗
derte die hiſtoriſche Zugehörigkeit zu dieſem oder jenem Diftrict
durch Ueberſiedelung oder Verzweigung nach anderen Gegenden
derartig verwiſcht, daß es ſchwer oder ganz unmöglich iſt, dieſes
oder jenes Geſchlecht als aus einer beſtimmten Landſchaft ent⸗
ſproſſen zu bezeichnen. Damit ſoll jedoch nicht ausgeſchloſſen
ſein, daß in der Matrikel ſoviel als möglich bei jeder Familie
vermerkt werde, woher ſie (beſtimmt oder muthmaßlich) ſtamme,
und in welcher Provinz ihre Mitglieder ſich gegenwärtig auf—
alten. —
f In Betracht der großen Bedeutung des grundſäſſigen
Adels, iſt von beachtenswerther Seite der Vorſchlag gemacht
worden, die Matrikel in zwei Haupttheile zu zerlegen, eine
Perſonal- und eine Real-Matrikel. Erſtere würde in der be—
reits beſprochenen Weiſe alle Familien des Landes enthalten,
letztere würde dagegen ein nach den Provinzen geordnetes Ver—
zeichniß aller in der Händen des Adels befindlichen Güter ſein,
welche letztere nach ihrer Eigenſchaft als Fürſtenthum, Graf—
ſchaft, Baronie, Herrſchaft u. |. w. zu bezeichnen wären. Gleich—
zeitig muß natürlich die beſitzende Familie unter Hinweiſung
auf ihre bezügliche Nr. in der Perſonalmatrikel namhaft gemacht
werden; auch dürfte zu bemerken ſein, ob die qu. Beſitzung
Allodium, Lehn oder Fideicommiß iſt, ſowie ob ſich irgend welche
politiſche Rechte an dieſelbe knüpfen. Dagegen würde es zu
weit führen, wollte man auch über das Areal, den jährlichen
Ertrag, die Succeſſionsordnung u. drgl. Nachweiſe geben.
Sit die (Perſonal-) Matrikel nach dem oben mitgetheilten
Schema eingerichtet, ſo ſind unter jeder Rubrik die dahin ge⸗
hörenden Familien in alphabetiſcher Reihenfolge aufzuführen.
Dabei iſt anzugeben:
1) Geſchlechtsname;
2) Angabe des hiſtor. Urſprungs, reſp. der Data etwaiger
Nobilitirungs-, Anerkennungs⸗ oder Standeserhöhungs⸗
Diplome;
3) Genaue Blaſonirung des Wappen's mit Angabe der
ſtattgehabten Vermehrungen deſſelben;
4) Vorname der ſelbſtändigen männlichen Familienmitglieder;
5) Deren Stand, Wohnorte, Beſitzungen; vielleicht auch ihre
Geburtstage, perſönliche Auszeichnungen ꝛc.
Die Nachweiſe ad 4) und 5) können natürlich nur dann
gegeben werden, wenn die Matrikel nicht blos ein Verzeichniß der
verſchiedenen Geſchlechter, ſondern überhaupt aller adeligen
Unterthanen iſt. Vorläufig würde ſchon eine bloſe officielle
Familienmatrikel ein großer Gewinn ſein. i
Ein Geſchlecht iſt zu löſchen, ſobald es, oder die im Staate
domieilirende Linie, ausſtirbt; wenn feine im Unterthanenver—
bande befindlichen Mitglieder auswandern, oder wenn ſie des
Adels verluſtig gehen.
IB. Eine unbedingte Verpflichtung der Unterthanen, der Staats⸗
regierung auf deren Verlangen über ihre Standesverhältniſſe
und über ihre Berechtigung, das Adelsprädicat zu führen, Aus⸗
kunft zu ertheilen, liegt geſetzlich nicht vor. Da jedoch ange
ſtellte Ermittelungen, denen jeder amtliche Character abgeht,
ſchwerlich zu einem günſtigen Reſultate führen würden, — ſchon
deshalb, weil ſolche Recherchen nicht blos dem zweifelhaften
Adel ſehr unwillkommen ſein, ſondern auch vielen alten Fa⸗
milien geradezu als beleidigend erſcheinen werden —, ſo wäre
es nothwendig, ein Geſetz oder eine Verordnung zu geben, durch
welche jede adelige Familie reſp. jedes Mitglied einer ſolchen
verpflichtet wird, ſich in die Adelsmatrikel eintragen zu laſſen,
und gleichzeitig dem Heroldsamte gegenüber den Beweis des Adels
zu führen. Um dem Geſetze Nachdruck zu geben, muß in dem⸗
ſelben zugleich die Verwarnung ausgeſprochen werden, daß im
Weigerungsfalle die Vermuthung des unredlichen Beſitzes Platz
greifen und die Landesregierung ſich veranlaßt finden werde, dem
Betreffenden den Gebrauch des Adels⸗Prädicats fo lange zu unter-
ſagen, bis der geforderte Berechtigungsnachweis geliefert ſein
wird.
Ob der Erlaß eines ſolchen Geſetzes vom politiſchen
Standpunkte aus zweckmäßig iſt, oder ob die Anlage der Ma⸗
trikel nur einen halbofficiellen Character zu tragen habe, bleibt
höheren Erwägungen anheimgeſtellt.
Jedenfalls muß zunächſt feſtgeſtellt werden, welche Organe
im Lande vorhanden oder zu gewinnen ſind, um das Material
zur Aufſtellung und ſpäteren Fortführung der Matrikel zu er⸗
langen; auch dürfte es unumgänglich ſein, den Staat in Be—
zirke zu theilen, in deren jedem die erforderlichen Erhebungen
ſtattzufinden haben. Dieſe Bezirke können entweder mit den
adminiſtrativen Eintheilungen zuſammenfallen, oder nach hiſto⸗
riſchen Erwägungen begrenzt werden; alſo muß entweder in
jeder Provinz, oder in jeder Landſchaft die Ermittelung vor-
genommen werden. Erſteres möchte vom practiſchen Stand—
punkte aus das Zweckmäßigſte ſein, wiewohl dagegen eingewendet
werden kann, daß der Adel in den einzelnen Provinzen aus den
heterogenſten Elementen zuſammengeſetzt iſt. Wollte man aber
z. B. in Preußen eine Sonderung nach den ehemaligen Marken
und Fürſtenthümern eintreten laſſen, ſo würden ſich da auch
nicht geringe Schwierigkeiten erheben, weil der allgemeine Ge-
ſchäftsgang einmal nach der modernen Eintheilung geregelt iſt.
In jeder Provinz müſſen nun diejenigen Organe aufge—
ſucht werden, welche man bei der Einrichtung der Provinzial⸗
matrikeln verwenden kann; als geeignete Anknüpfungspunkte
bieten ſich z. B. der Johanniter⸗Orden, die Erbämter, Familien⸗
ſtifter u. dgl. Nur wenn die adeligen Elemente ſelbſt mit-
wirken, kann man befriedigende Reſultate erwarten. Dies zu
erreichen, würden Provinzial⸗Heroldskommiſſionen, für welche
die Bezeichnung „Ritterbank“ in Vorſchlag gebracht iſt, einzu-
richten ſein. Dieſelben beſtehen aus einem Vorſitzenden, etwa
mit dem Titel „Adelsmarſchall,“ ſowie aus mindeſtens dreien,
im Bezirk anſäſſigen, Edelleuten aus notoriſch alten Familien,
von denen anzunehmen iſt, daß fie mit den Verhältn iſſen des
umwohnenden Adels einigermaßen vertraut ſind. Denſelben ſind,
um mögliche Irrthümer zu verhüten, den Arbeiten der
Ritterbank eine wiſſenſchaftliche Form zu geben, und in zweifel-
haften Fällen Rathſchläge zu ertheilen, Sachverſtändige beizugeben,
die in Sachen der Genealogie und Heraldik als Autoritäten zu
betrachten find. Auch müßten die Staatsarchivare der betr.
Provinzen jedenfalls dazu herangezogen werden.
Den Mitgliedern der Herolds-⸗Commiſſion, welche ihr Amt
als Ehrenpoſten zu verwalten haben werden, liegt es nun ob,
in der sub A. bezeichneten Weiſe eine Matrikel der in ihrem
Bezirk domieilirenden adeligen Perſonen anzufertigen. Zu dem
Ende wird zuvörderſt von ſämmtlichen Landrathsämtern und
den Magiſtraten der größeren Städte ein Verzeichniß aller in
36
ihrem Geſchäftskreiſe ſich aufhaltenden Unterthanen, die ſich trikel zu beſorgen, von denen das Heroldsamt von Zeit zu,
eines adeligen Prädicates bedienen, einzufordern ſein. Dieſe
Perſonen müſſen alsdann von der Heroldscommiſſion aufge—
fordert werden, ſich bei derſelben Behufs ihrer Immatriculation
zu melden, und gleichzeitig — oder innerhalb eines feſtzu—
ftellenden. Termins — einzureichen:
a) einen Nachweis ihres
Rechtes auf den Adel
bez. einer höheren
Stufe deſſelben, un⸗
ter Beifügung etwai⸗
ger Diplome; (ori-
ginaliter oder ab⸗
ſchriftlich.)
eine genaue Beſchrei—
bung des vollſtändi⸗
gen Wappeus, erläus
tert durch Beifügung
zweier guter Abdrücke
des Petſchafts und
womöglich einer Zeich—
nung;
eventuell: Angaben
über Stand, Begüte⸗
rung ꝛc. der einzelnen
Perſonen.
Der Commiſſion liegt
es ob, die gelieferten Nach-
weiſe zu prüfen und zu
begutachten, auch bei noto—
riſchem Adel die Qualität
deſſelben als ſolchen nach
beſtem Gewiſſen auf Ehre
und Pflicht zu atteſtiren.
Die Prüfung der hi⸗
ſtoriſchen Nachweiſe wird
ganz beſonders Sache der
gelehrten Beiſitzer des
Collegiums ſein. Sobald
dieſelbe beendigt iſt, wird
die Bezirks- reſp. Provin⸗
zial-Adelsmatrikel nach
dem oben gegebenen Sche—
ma zuſammengeſtellt und
abſchriftlich an das He—
roldsamt eingeſandt, wel—
ches nun ſeinerſeits aus 1 A
dem vorgelegten Material E
eine Generalmatrikel au: N
fertigt und in etwaigen % D
zweifelhaften Fällen eine a I 7
Entſcheidung trifft.
Die Provinzial-He⸗
rolds-Commiſſionen oder
Ritterbänke bleiben per⸗
manent und treten in periodiſchen Zwiſchenräumen zuſammen,
um von den inzwiſchen bei dem Adel ihres Bezirks vorge:
fallenen Veränderungen im Perſonal- oder Beſitzſtande aus den
von den betreffenden Familien einzuſendenden Mittheilungen
Kenntniß zu nehmen, und die nöthigen Abänderungen der Ma-
Zeit in Kenntniß geſetzt werden muß.
Was die abzulegende Adelsprobe anbetrifft, ſo dürften die
ehemals reichsunmittelbaren Geſchlechter von derſelben zu diſpen—
ſiren fein; ebenſo die uradeligen Familien, ſofern nicht der Herolds—
kommiſſion
der Notorietät des alten Adels
aufſteigen. Sobald es ſich
bei letzteren aber um hö—
here Rangſtufen handelt,
iſt der Beweis der Bes
rechtigung dazu durch Vor⸗
legung der Diplome zu
zu führen; andernfalls
müßte die Anerkennung
des betr. Titels verweigert
reſp. ſuspendirt werden.
Man vergleiche hierzu:
1) die Kgl. Bavriſche
Declaration vom 19.
März 1807.
das Kgl. Bayriſche
Ediet vom 28. Juli
1808.
die Kgl. Würtember—
giſche Verordnung vom.
11. Januar 1818.
die Großherzogl. Ba—
den'ſche Kabinets-Or—
dre vom 23. November
1808.
die Großherzogl. Ba—
den'ſche Verordnung
vom 3. Juli 1815.
Das Ediet sub 2 lautet
im Auszuge wie folgt: ")
„Wir Maximilian Joſeph,
v. G. Gn. König von
Baiern. —
„Wir haben
„ſchloſſen und verordnet
„was folgt:
Zweifel an
5. Kapitel.
„Matricel für ſämmtliche
„Adeliche des Königreichs.
„. 14. Sämmtliche
Adeliche Unſeres König—
„reiches, ſowohl die alten
„Geſchlechter als auch die—
„jenigen, welche erſt in
„neueren Zeiten die Adels—
„Titel erhalten haben,
„ſollen in eine beſondere
„Matricel eingetragen
„werden. g
„F. 15. Zu dem Ende find alle adeliche Familien ge
„halten, innerhalb 6 Monaten nach der Publication des gegen⸗
„wärtigen Edicts, bei Unſerm Miniſterium der auswärtigen
2 8
E
* N PN;
*) Siehe: Kgl. Bayr. Regierungsblatt, 1808, S. 2032 ff.
3
7
— — —
„Angelegenheiten in beglaubten (sic) Abſchriften einzugeben:
„a) ihre Adels⸗Titel und die Diplome oder ſonſtigen Ur—
„kunden, durch welche derſelbe bewieſen wird;
„b) ihre Familienwappen;
„e) den Vor- und Zunamen aller Familien-Glieder, ihr
„Alter, ihren gegenwärtigen Wohnort, mit einer An—
„zeige der Stellen, die ſie bekleiden.
„§. 16. Bei jeder adelichen Familie werden dieſe An—
„gaben, nachdem ihre Beglaubigung unterſucht und richtig ge—
„funden worden iſt,
„in die Matricel ein
„getragen.
„§. 17. Ebenſo
„werden in der näm—
„lichen Matricel alle
„Veränderungen vor—
„gemerkt, die mit
„einer Familie ſich
„ergeben.
„F. 18. Wer in dieſe
„Matricel nicht ein—
„getragen iſt, wird in
„Unſerm Königreiche
„in den öffentlichen
„Acten nicht als ade—
„lich erkannt.
19 Die Ex⸗
„tracte aus dieſer
„Matricel geben voll—
„kommenen Beweis
„für den Adelstitel.
AU
„F. 20. Die Ma⸗
„tricel wird unter der
„Aufſicht Unſeres
„Miniſteriums der
„auswärtigen Ange—
„legenheiten geführt.
„„ 21. Die über
„den Adel vorkom—
„mende ſtreitige (Sic)
„Fälle aber werden
„bei den einſchlägigen
„Avellations-Gerich⸗
„ten verhandelt und entſchieden.
„F. 22. Sollte das gerichtliche Erkenntniß Verände⸗
„rungen in dem Adels-Titel zur Folge haben, ſo müſſen
„dieſe dem genannten Miniſterium angezeigt werden, damit durch
„dasſelbe die den Vorſchriften gemäßen Verfügungen veranlaßt
„werden können.“ —
Ob eine amtliche Veröffentlichung des geſammten Inhalts
der Adelsmatrikel opportun iſt, ſei dahingeſtellt. Mindeſtens
müßte aber ein Verzeichniß aller im Staate wohnhaften, zur
Führung von Adelsprädicaten berechtigten Familien publieirt
|
werden. Vorgefallene neue Immatriculirungen und Löſchungen
ſind gleichfalls durch das officielle Organ zur allgemeinen Kennt—
niß zu bringen.
Um den Inhalt der Matrikel für die Wiſſenſchaft nutzbar
zu machen, muß Jedem, der ſich über ſeine Qualification dem
Heroldsamte gegenüber hinreichend legitimirt, der Einblick in
dieſelbe und die Entnahme von Auszügen geſtattet ſein.
Die im Vorſtehenden gemachten Vorſchläge auch practiſch
durchzuführen, dürfte vielleicht Manchem bedenklich erſcheinen.
Ohne, wie ſchon geſagt, die zu überwindenden Schwierigkeiten ver—
kennen zu wollen,
ſind wir doch über⸗
zeugt, daß das an⸗
geregte Unternehmen
ſehr wohl im Bereiche
der Möglichkeit liegt,
wofern nur die Po-
ſten der in erſter
Reihe zum Betriebe
der Sache verpflich-
teten Behörden mit
friſchen tüchtigen
Kräften beſetzt ſind,
die, von Begeiſterung
für Heraldik und Ge:
nealogie erfüllt, voll
regen Eifers die Hand
an's Werk legen.“)
Ad. M. H.
) Was darf man
freilich erwarten, wenn,
wie dies vor einiger
Zeit in einem befann-
ten Staate geſchehen
ſein ſoll, ein Mitglied
des Heroldsamtes er-
klärt: „Ich begreife
nicht wie man ſich für
eine ſo langweilige
Sache, wie die Heraldik,
intereſſiren kann!“
Pro memoria,
eine angebliche „Wappen- und Schildſage“
der Grafen zu Schwarzburg betreffend.
Es darf wohl als bekannt angenommen werden,
daß man Wiege oder Urſprung des Schwarzburgiſchen
Hauſes Theils in Rom, Theils beim Stamme Witte—
kinds des Schwarzen, eines Vetters des bekannten Sach⸗
ſenhäuptlings, geſucht hat, der im J. 779 in der Schlacht
bei Buchholz an der Lippe gefangen genommen, erſt nach
Frankreich geführt, nach fünfjähriger Haft getauft und
mit einem Theile des thüringer Waldes, 20 Meilen in
der Länge, 10 in der Breite, von den Carolingern be—
gabt worden ſei. Wittekind der Schwarze, ſo geht die
Sage, habe dort eine Burg erbaut, die man die Schwar-
burg benannt habe. — Dieſe Sage hat keinen hiſtori⸗
ſchen Werth, wie man auf den erſten Blick erkennt.
Wittekind wurde erſt 784 getauft, ſeine Stammesange—
hörigen find gewiß erft ſpäter zum Chriſtenthum übers
getreten.
Glaubhafter dagegen iſt die Anſicht mehrerer Hiſto—
riker, welche die Grafen zu Schwartzburg mit den Kä⸗
fernburgern identificirt, welche fe vom galliſchen Könige
Lothar ableiten, deſſen Sohn Gundar das Schloß
Chevremont in Frankreich verließ, und bei Arnſtadt in
Thüringen die Käfernburg erbaute. — Später erbaute
einer ſeiner Nachkommen Schwarzburg und nannte ſich,
wie früher allgemein üblich, nach demſelben.
Die Exiſtenz eines Gemäldes, das im Archive zu
Arnſtadt aufbewahrt wird und die Käfernburg in der
Zeit der Erbauung, im Vordergrunde aber drei Männer
nebſt ihren Frauen in galliſcher Tracht, vorſtellt, ſowie
das Führen von Lilien (Cleven) neben dem Wappen⸗
ſchilde — mag jene Hypotheſen unterſtützen, eine Wap⸗
peuſage iſt unſeres Wiſſens völlig unbekannt, oder hat
vielmehr nie eriſtirt.
Beide Grafen, die Käfernburger wie die Schwartz
burger, führten oder führen noch in Blau den gelben,
aufgerichteten gekrönten Leu, als Stammwappen, ein
Enblem, das fie mit den meiſten thüringer Dynaſten⸗
geſchlechtern, wie den Gleichen, den Blankenhaynern, den
Orlamündern, den Kirchbergern, Frankenſteinern u. A. m.
gemein haben.
In ſehr früher Zeit dagegen erhielten die Schwartz—
burger das Erb⸗Stallmeiſteramt von den Kaiſern und
führten den Titel: „imperatoris stabullarii;“ demgemäß
nahmen ſie erſt den Striegel, dann den Pferdekamm
im Wappen auf. Noch jetzo iſt derſelbe im Schildes⸗
fuße nebſt der Heugabel zu erblicken, indeß im 13. Jahr⸗
hundert das Helmkleinod davon begleitet wurde. Man
vergleiche hierzu die beigefügte Siegeltafel.)
Schloß Neuſcharffenberg.
Ludwig Graf Uetterodt.
Einige Anmerkungen und Verichtigungen zu
„Tr. G. Voigtel's Stammtafeln zur Ge-
ſchichte der europäiſchen Staaten, neu heraus-
gegeben von e Adolf Cohn.“
Schluß.)
12) Tfl. 90. Lüneburg.
Tfl. 90 ſteht wohl in Bezug auf Clara (geb.
In der Anm. zu
*) ]) Sigillum Reyneri Domini, Imperatoris stabularii;
copirt aus der Schrift über Schwarzburgiſche Geſchichte: Syllogae
Ayermanni, 2) Sigillum Guntheri comitis de Schwartzburge,
appensum literis Guntheri comitis de Keuernberg, Bertholdi
filii ejus, comitis Alberti de Rabinswald, Heinrici et prono- |
minati Guntheri comitum de Swarzburg,
comitis Friderici |
18. Jan. 1571) irrthümlich: „den 16. Mai als
ihren Todestag nennt König, Schwarzburg
TH. 7.“ Muß es nicht heißen: „Vermäh⸗
lungstag?“
Wenn aber Königs Angabe richtig iſt,
müßte wohl die Einklammerung (16. Mai?)
neben dem 7. März, dem Vermählungstage,
wegfallen und eine Zeile höher eingeſchoben
werden? Iſts von Hübner ein Irrthum, als
Clara's Geburtstag den 16. Jan. anzugeben?
13) Tfl. 95. Wirtemberg (it nicht „Württem⸗
berg“ officielle Schreibart?). Bei Wilhelm,
Sohn v. Herzog Friedrich, iſt der Druckfehler
1845 durch 1848 zu verbeſſern.
14) Til. 96 u. 97. — Hzg. Friedrich iſt nicht
1732, ſondern 1752 geboren.
15) — — Die zweite Gemahlin des
Hzg. Ludwig, Henriette, iſt nicht 1770, ſondern
1780 geb.; ef. Tfl. 132.
16) — — —. Bei Heinrich (Graf v. Sontheim),
jüngſtem Sohn von Hzg. Friedrich, begegnen
wir zweien Druckfehlern, 1722 ſtatt 1772, u.
1833 ſtatt 1838; wenigſtens finde ich ſo bei
Klüber u. Oertel.
17) — — Iſt Gräfin Eugenie Amalie, Tochter
von Graf Wilhelm, wirklich im December 1848
geb.? Wäre dem alſo, dann beruhete eine mir
vorliegende handſchriftliche Notiz meines ſonſt
ſehr gewiſſenhaften ſeligen Vaters, der ein ei)
riger Genealog war, auf einem Irrthum. Ich
vermag nicht, das Richtige feſtzuſtellen.
18) Tfl. 102. Baden. Bei Katharina Urſula,
To. von Georg Friedrich, ſteht als Todestag
ihres Gem. Otto: 4. Aug. 1607; nach Til.
117 fer ober am 7. Aug.
19) Tfl. 103. — — Anna Amalie, v. Ge⸗
org Friedrich, T 18. Dec. 1651; Tl. 130
aber ſteht bei ihrem Gem. Wilh. 18. Nov.
Welche Angabe iſt die richtige? — Ihr Verm.⸗
Tag iſt nach der Anm. 15. Nov.
20) TH. 117. Heſſen⸗Caſſel. Philipp II.
verm. ſich 19. Jan. 1569; bei ſeiner Gem.
Anna Eliſab. auf Tfl. 51 ſteht aber 17. Juni
de Stolberg, Heinriei de Heldrungen, Lutolfi et Heinrici de Al-
ristete, Lutolfi de Bendeleiben, et Ditmari de Willerstetin,
datis apud Wizenfels A. D. M. CC. XLVIIII. Nach dem Ori⸗
ginal auf dem K. S. Hauptſtaatsarchiv in Dresden copirt. 3) Si-
gillum Guntheri senioris — 4) Sigillum Guntheri junioris —
comitis in Kevernberg. Nach den in der Thuringia Sacra befind-
lichen Copieen der Originalſiegel, an Dotations⸗Urkunden zu Guniten
des ehemaligen Kloſters Georgenthal, gezeichnet. f
E
u.
39
nommene Angabe richtig fein ſollte, worüber
| 1567. (Hübner hat Tfl. 139 u. 208: 1 a .
3 die Genealogen in Mecklenburg Auskunft werden
7
| Juni 1567, reſp. nur das Jahr.) Was 11
richtig? g „
21) Tfl. 117. — Die 2. Gem. des Landgrafen |
|
geben können, ift Uebereinſtimmung herzuſtellen.
28) — — . Sit feines jüngſten Stiefbruders
Otto (geb. 1594) hieß Agnes Magdalene. Ihr Karl Ludwig Friedrich Verm.⸗Tag der 15.
Vermählungstag ift nach Lenz 15. Juni. Febr. 1735, oder, wie Tfl. 67 bei ſeiner Gem.
(Tubing u. Hübner haben mit Unrecht 14. Eliſabeth Albert. ſteht, der 5. Febr?
Juli). Danach wäre auch auf Tfl. 152 eine 29) Tfl. 144. Mecklenburg-Schwerin. Als
kleine Berichtigung nöthig. | Scheidungsjahr der Charlotte von ihrem Gem.
22) — — Agnes, To. des Landgrafen Moritz, König Chriſtian VIII. v. Dänemark, ſinde ich
iſt nach der Inſchrift an ihrem Sarge nicht 1812, ſtatt 1814. |
„14. (13.) März“, ſondern am 14. Mai 1606 30) Tfl. 152. Anhalt⸗Deſſau. Die erſte
geb. und am 28. Mai 1650 geſtorben. Hier⸗ Gem. des Fürſten Johann Georg J., Dorothee
nach würden auch die bezüglichen Angaben auf von Mansfeld, geb. 1562, F nicht am 18.
Tfl. 152 zu berichtigen ſein. Sept., ſondern am 23. Febr. 1594. So be⸗
Richtig iſt hier 18. Mai 1623 als Verm.⸗ richtet die Inſchrift an ihrem Sarge mit dem
Tag bezeichnet, denn die Angaben aus Ritters⸗ ausdrücklichen Zuſatz, daß ſie im Kindbett ge—
hus, Tubing u. Hübner „23. Fbr.“ auf Tfl. ſtorben ſei. Ihr Sohn Chriſtian wurde be—
152 iſt falſch. kanntlich am 23. Fbr. 1594 geb. — Als ihren
23) — — Barbara, To. Phil. I., 8. Juni Verm.⸗Tag finden wir a. a. O. den 12. Febr.,
1597; dieſer Angabe widerſpricht „11. Juni alſo wohl hier die Rechnung alten Stils,
1595“, was wir Tfl. 93 bei Georg, ihrem während bei Cohn 22. Febr. neuen St. an⸗
Gemahl, finden. — Die Anm. erwähnt nur geſetzt iſt.
das Jahr nach Heyl. 31) — — Sophie Eliſabeth, ält. To. von Joh.
24) — — Friedrich, Logrf. zu Heſſen- Eſch⸗ Georg 13 beſtimmt 9. Fbr. 1622, wie 2
wege, T 24. Sept. 1655; dagegen Tfl. 54 bei] Medaillen ausweiſen.
ſeiner Gem. Eleon. Cath. 1658. Auf leßterer ) de die Todeszeit der Fürſtin
Tafel fehlt nicht nur die Angabe ſeines Todes, Sophie Magd., 2. Gem. des Fürſten Joh.
ſondern auch die des Vermählungs⸗Tages. Caſimir, wiſſen wir Beſtimmtes. Sie T 27
25) Tfl. 122. Heſſen-Darmſtadt. Eliſabeth,, Dec. 1673, Nachts zwiſchen 11 u. 12 Uhr u.
To. Georg's J., + nicht, wie auch Hübner Tfl. wurde am 3. Jan. 1674 beigeſetzt. Daß der
211 hat, 1625, denn erſt am 5. Febr. 1630 1. Verm.⸗Tag dieſes Fürſten nicht 23. Fbr.,
wurde ſie als Mitglied der tugendlichen Ge- | ſondern 18. Mai 1623 iſt, haben wir ſchon
ſellſchaft aufgenommen. Ob die Angabe 1655, oben bei 22. erwähnt, woſelbſt auch als der
welche wir auf Tfl. 129 bei ihrem Gem. Joh. Todestag einer 1. Gem., Agnes, 28. Mai
Caſimir finden, richtig ſei, weiß ich nicht, doch | als feſtſtehend bezeichnet wurde.
will ich erwähnen, daß mir, ich weiß nicht, | 33) — — Eva Kathar., jüngſte To. Joh. Ge⸗
wo? 1635 als ihr Todesjahr begegnet iſt. org's J. wurde 10. Sept. 1613 geb. lt. Inſchrift
Auf dieſer Tafel könnte auch ihr Verm.⸗ an ihrem Sarge.
Tag, 9. Mai, noch notirt werden. 34) — — Moritz, der älteſte Prinz des F. Joh.
26) Tfl. 129. Naſſau. Iſt Ludwig II. 8. Caſimir, wurde nicht 17., ſondern, wie zu
Nov. 1627 geſtorben? Tfl. 117 bei ſeiner zweien Malen die Inſchrift an ſeinem Sarge
Gem. Anna Marie ſteht 8. Nov. 1625. Auf zeigt, ſchon „Sonntags 7. Nov. 1624 kurz
welcher Tafel iſt der Druckfehler? nach 5 Uhr Morgens geb. u. lebte 7 Wochen
17) Tfl. 143. Medlenburg-Strelit. Her- 4 Tage 7 Stunden.“ Nach Cohn's Angabe
zog Adolf Frorch. III. verm. 16. Apr. 1709; würde er aber nur 6 Wochen 1 Tag alt ge⸗
nach Tl. 113 aber bei ſeiner Gem. Dor. worden fein.
Sophie am 11. April. Wenn die letztere, der 35) — — Emilie Luiſe (eigentlich Amalia Lu⸗
Anm. zu Tfl. 113 nach, aus Hanſen ent⸗ dovica), ält. To. des F. Johann Georg II. iſt
a
nach Angabe der Inſchrift an ihrem Sarge den
7. Sept. 1660 geb., wie ſchon Hübner ſagt,
indem er der richtigen Angabe Becm. S.
565. nicht der irrigen S. 252 folgt.
36) — — Amalie, die 4. To. dieſes Fürſten,
verm. ſich 16. Nov. 1683 (nicht 26. Nov. 1684).
37) — — Quile Sophie, der Vorigen jüngere
Schweſter, wurde 15. Sept. 1667 geb. u. f
18. Apr. 1678 „in der Mitternacht vor dem
19. Apr.“ 1667 ſteht auch als ihr Geburts⸗
jahr an ihrer Mutter Sarge, ſowie auf einer
Medaille, welche allerdings den 19. Apr. als 3
Todestag hat.
38) — — Eleonore. To. des Prinzen Georg Ari⸗
bert, iſt nach einer mir vorliegenden handſchrift⸗
lichen Notiz 16. Mai 1642 geb., was nachzu⸗
tragen wäre. |
39) — — Statt Leopold (Friedrich Franz),
wie auch Oertel ſchon fälſchlich hat, muß es
heißen (Leop. Froͤrch.) Franz. Derſelbe
nahm — meines Wiſſens — erſt am 30. Apr.
1807 den Herzogstitel an.
40) — (Marie) Leopoldine, die Schweſter
von „Vater Franz“, wurde 1746 geb. |
4
41) — — Paul (Chriftian) +4 Mai 1797
ſo finde ich wenigſtens in dem Exemplar Sr.
Hoheit des Herzogs von deſſen eigener Hand
bei Voigtel den Todestag des jüngeren Bruders
notirt.
— — Dem Hzg. Leopold Friedrich wurden
vor dem jetzigen Erbprinzen Friedrich ſchon 2
Prinzen geboren, welche ungetauft ſtarben:
a) geb. u. f 4. Aug. 1825. b) geb. u. f
3. Nov. 1827.
43) — — Dem Erbprinzen (Leop.) Friedrich
(Franz Nicolaus) iſt noch eine Prinzeſſin geb.
Alexandra (Thereſe Maria) 4. April 1868.
Nutha bei Zerbſt. Th. Stenzel.
42
— ämöm—m—U—ũ . —ä3 d —
Titeratur.
„Demmin, die Kriegswaffen in ihrer hiſto⸗
riſchen Entwicklung von der Steinzeit bis
zur Erfindung des Zündnadelgewehrs.
Ein Handbuch der Waffenkunde. Leipzig 1869, E. A.
Seemann.“
Wenn ich heute ein Werk über Kriegswaffen zur
Anzeige bringe, ſo glaube ich nicht, daß dies einer be⸗
ſonderen Motivirung bedürfen wird. Es iſt gewiß ſehr
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M.
Schnellpreſſendruck von A.
40
begreiflich, daß ein Freund der Wappenkunde auch
Waffenkunde treiben müſſe. Dies hat uns ſ. 3.
Herr Dr. Grote in eiuer Reihe von Anecdoten bewieſen,
von denen z. B. eine erzählt, daß der Topfhelm der
Grafen von Woldenberg von Letzner als „ein Wap⸗
penſchild, worin ein Patriarchenkreuz“ — die Augen⸗
löcher nämlich — blaſonirt worden ſei. — Bei einem
Handbuch der Waffenkunde wird auch kein großes Ge⸗
wicht darauf zu legen ſein, welche Stellung der Ver⸗
faſſer in Betreff der Heraldik einnimmt. Iſt dies der
Fall, ſo können wir das vorliegende Buch als ſeinem
Zwecke vollkommen genügend empfehlen. Der uns be-
ſonders wichtige Zeitabſchnitt, das Mittelalter, iſt ſehr
ut vertreten, und der Verfaſſer bietet eine große Menge
von Abbildungen aller Arten von Schilden und Helmen.
Eine ſpezificirte Angabe des Juhalts dürfte hier zu weit
führen und aus doppelten Gründen unzuläſſig ſein. Ich
kann daher nur ſagen, daß das Buch verhältnißmäßig
compendiös, reichhaltig und erſchöpfend und bei einer
ſplendiden Ausſtattung mit 2000 Illuſtrationen ſehr
billig iſt. Ich wenigſtens möchte daſſelbe bei meinen
Studien nicht gerne entbehren, und ſo wird es auch
noch vielen Heraldikern ein vielbenütztes Handbuch wer⸗
den. Im Sonſtigen iſt — was aus dem vorangeſchick⸗
ten Abriß der Geſchichte der Waffen bervorgeht — der
Verfaſſer ein Anhänger des Gatterer'ſchen Syſtems, doch
dürfte dies hier, wie geſagt, von keinem Belange ſein.
Würzburg. Seyler.
ſch
Heraldik zu beſchäftigen
Leſer auf das vorſtehende
muſſen wegen des nahen Zul
lande mit Deutſchland, und we
Familien Niederländiſchen Urſprungs
kehrt. Der vor Kurzem ausgegebene Proſpec
die Abſicht des Hrn. Vf., jährlich im November ein
genealogiſch-heraldiſches Handbuch des Niederländiſchen
Adels zu publiciren. Der Inhalt deſſelben wird in Ge⸗
nealogieen der lebenden und erloſchenen Geſchlechter des
Königreichs, ſowie ſolcher Familien beſtehen, deren Ur⸗
ſprung dort zu ſuchen iſt, oder die in der Geſchichte der
Niederlande eine Rolle geſpielt haben; ferner in Nach⸗
richten über die alljährlich innerhalb derſelben ſtattge⸗
fundenen Geburten, Vermählungen und Todesfälle, ſowie
in Abbildungen der Wappen. Preis à Jahrgang (300
Seiten. Gr. 8.) 3 Fl. = 6 fr. 35 cent. “
Wenn der Herr Vf. im Proſpecte ſagt: „Quels
sujets pourraient offrir un plus grand intérét, qu 0
Porigine et le développement des familles de nos
contrees, depuis la feodalite jusqu’a nos jours“
ſo iſt er gewiß der freudigen Zuſtimmung unſerer Leſe
ſicher; denſelben möchten wir auch ſeine Bitte „nous
(Fortſetzung in der Beilage.)
Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗ Bezirk Magdeburg. |
Keller in Gardelegen. ö
Beilage zu Ur. 5 des „Deutſchen Herold.“
invitons tous les intéressés à nous envoyer affranchies
les copies ou les fragments de genealogies qu’ils
croiront utiles a notre ouvrage“ zur Beachtung
empfehlen.
„Anzeiger für Kunde der Deutſchen Vor⸗
zeit, 1870 Nr. 3“ — Seite 80 ff.: Sphragiſtiſche
Aphorismen von F.-K. Abbildungen und Erläuterungen
mittelalterlicher Siegel zur Geſchichte des früheſten Vor—
kommens von Schildhaltern, unter denen das älteſte
bisher bekannte das S. Heinrichs von Scharfeneck v. J.
1292 iſt. Außerdem zeigen die S. Burchard's v. Wefer⸗
lingen (um 1300) Heinrich's v. Voß 1284, Friedrich's
v. Truhendingen 1296, Johann's Grafen v. Eberſtein
1361, Wolfgang's Grafen v. Veringen 1262 u. a. m.
ſo zu ſagen uneigentliche Schildhalter. Ein näheres
Eingehen darauf geſtattet hier der Raum nicht.
Nr. 4. S. 121 ff: Beſchreibung und Abbildung
eines Büchereinbandes (Nr. 1736 der Bibliothek des
Germaniſchen Muſeum's) mit dem in Leder geſchnittenen
Wappen der Löffel holz in ſpätgothiſchem Styl.
„Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger,
Nr. 2, S. 11:“ Beſchreibung eines in der Sammlung
des hiſtoriſchen Vereins für Niederſachſen befindlichen
Siegelſtempels: S'. Scabinor”. sci.“ iohis. evangeliste
in räcovrt.“ — Anfrage in Betreff des Alters und
Urſprunges des am En de'ſchen Familienwappen's. (In
g. zwei n Adlerfüße; Helm: drei Straußfedern, r. g. x.,
davor die Adlerfüße geſtürzt.) S. 12: Anfrage: wohin
gehört ein ſechseckiges mittelalterliches Siegel, den hl.
Narciſſus zeigend, mit der Umſchrift: „Sigillvm. bylle
salis. clugle.“ Nr. 3—4, S. 20: Ueber biſchöfliche
Siegelringe, deren früheſtes Vorkommen, ihren Gebrauch
und ihre Bilder. S. Anfrage: welchem Adelsge—
ſchlechte gehörte Nicolaus, Biſchof von Meiſſen 1379—
1392 an? Die ausgeſprochene Vermuthung, daß eine
auf ſeinem Siegel vorkommende geflügelte Scheere, unter
Bezugnahme auf die volksthümliche Bezeichnung der
Schneider, mit dem, dem Biſchof ſpäter beigelegten, Na⸗
men Caper (Ziegenbock) in Verbindung zu bringen ſei,
ſcheint gewagt; eine geflügelte (vielmehr mit Flügeln
beſteckte) Scheere (richtiger Bremſe) kommt als Wap⸗
penbild vor, z. B. ſchrägrechts gelegt auf alten Siegeln
der v. Brüſewitz. (s' gherardi * brysevitzen in uns
ſerer Sammlung.)“) S. 26: Notiz betr. den Verkauf
der heraldiſchen Sammlungen des verſt. Profeſſors Dr.
Kneſchke zu Leipzig. Bezügl. Anfragen find an den
Polizeicommiſſar Kneſchke in Leipzig zu richten. Nr. 5,
S. 36: Anzeige des D. Herold.
2
23:
ſoll allerdings gewiß „weiler“ heißen — es ſteht aber
„weder“ in dem betr. Original. Nr. 6, S. 43: Anfrage
betr. den Beſitzer eines ſpitzovalen Siegels, welches im
Felde einen knieenden Geiſtlichen unter einer Heiligen—
Figur, darunter eine Greifenklaue zeigt, mit der Um⸗
ſchrift: s. iohis d castro i sculen can cysonien (9)
Nr. 7, S. 49: Zur Anfrage S. 12. Das fragl.
0) Desgl. „S. alberti rasoris;“ 14. Jahrhundert.
Das als Druckfehler
gerügte Wort, Nr. 1, S. 4, Zeile 19 v. u. „weder“
Siegel iſt wahrſcheinlich nicht ein eigentliches Siegel,
vielmehr ein Stempel, auf eine mit sal clugie gefüllte
bulla (Gefäß) als Beglaubigung der Echtheit gedrückt.
Was iſt sal clugie? Wo liegt clugia (s. clunia,)? St.
Nareiſſus genießt in Spanien beſondere Verehrung. —
„Geſchichte des Geſchlechts von Schönberg,
meiſſniſchen Stammes, von A. Trauftadt,
Pfarrer zu Luppa, 1. Band. Leipzig, Gieſeke &
Devrient, 1869.“
Indem wir dies Werk
hier zur Anzeige bringen
und Freunden der Adels—
geſchichte aufrichtig em⸗
pfehlen, bedauern wir leb⸗
haft, daß der Raum un⸗
ſeres Blattes zu knapp
bemeſſen iſt, um eine ſo
große, ausführliche Arbeit
eingehend zu beſprechen.
Es kann hier nur mit⸗
getheilt werden, daß der
kürzlich erſchienene erſte
Band die Geſchichte der
hochangeſehenen Familie
von Schönberg — mit dem r.-gr. getheilten Löwen in
g. — ſeit ihrem erſten urkundlichen Auftreten mit Tuto
de Sconenberg 1254 bis auf
Chriſtoph von Schonberg, +
1575, enthält, und zwar in
gründlicher, auf urkundlichen
Nachrichten beruhender, dabei
doch feſſelnd anziehender Dar:
ftellung, die bei jedem Hiſtoriker
Intereſſe erwecken wird. Ein
Anhang giebt kurze Nachweiſe
über Familien, die entweder
einen ähnlichen Namen oder ein ähnliches Wappen führen,
unterftügt durch zahlreiche Abbildungen älterer Siegel
und Wappen. In dieſem ſpeciell
heraldiſchen Theile — der vielleicht
etwas zuſammenhängender und bes
züglich der nicht-meiſſniſchen Fa⸗
milien eingehender hätte gegeben
werden können, — bemerken wir
mit Vergnügen manche ſehr richtige
allgemeine Bemerkungen, z. B. daß
für die Darſtellung der Wappen
des Uradels ſtets nur der Styl des
14. Jahrh. gewählt werden ſollte.
Die typographiſche Ausſtattung
des Buches iſt eine ſehr zu lobende;
zu beſonderer Zierde gereichen ihm
zahlreiche Abbildungen — Anſichten
der Schlöſſer, Porträts, Siegel und Wappen. Die Ver⸗
lagshandlung hat die dankbarſt anzuerkennende Güte
gebabt, hier den Wiederabdruck mehrerer Holzſchnitte zu
geſtatten: es find dies: 1) Grabdenkmal Caſpar's v. S,
Biſchofs von Meiſſen, + 1463; 2) Hans Dietrich von
42
S. auf Gelenau 1659 — 1727. 3) Siegel Dietrichs
v. S. 1396. 4) Siegel Caſpar's v. S. 1437. 5) Wappen
des Biſchofs v. Naumburg, Dietrich v. S., 1487.
Hoffentlich läßt der zweite Band nicht lange auf
ſich warten. Derſelbe bringt denn auch wohl eine ſehr
erwünſchte Ueberſicht der mit anderen Familien ſtattge⸗
habten Alliancen.
„Die Sachs v. Löwenheimb'ſche Familien⸗
ſtiftung; eine Denkſchrift. Von H. v. Prittwig und Gaff⸗
ron. Oels, 1870.“ — Der i. J. 1799 als letzter ſeines
Stammes verſtorbene RGbeſ. Ernſt Samuel Sachs v.
Löwenheimb errichtete teſtamentariſch ein Stipendium
(zunächſt für Studirende aus ſeiner Verwandſchaft) mit
einem Capital von 3000 Thlrn.
Stipendium Berechtigten — ſämmtlich Nachkommen
der Univerſalerbin des Stifters, Frau v. Koſchembar
geb. v. Wuttgenau, und der Töchter derſelben, Frau v.
Forcade, v. Roſenberg⸗Lipinski und v. Randow, — auf
52 genealogiſchen Tabellen,
Familien vorkommen. — b
„Verzeichniß einer ausgewählten Bibliothek,
zu verkaufen durch J. A. Stargardt, Berlin 1870“ —
enthält auch diverſe heraldica; darunter eine Novität:
„Stammtafel der Familie v. Wedel, heraus—
gegeben v. Baron Ferd. v. Wedel-Jarsberg; Chriſti—
ania 1870.“ (6 Thlr.)
) Leider zeigt das übrigens ſehr hübſch ausgeführte Titelbild —
das farbige Geſchlechtswappen — einen jedem Kenner auffallenden
Anachronismus, indem Schild und Helm dem Styl des 14. Jahrh.
nachgebildet ſind, hingegen der Löwenkopf auf dem Helm völlig im
Rengiſſancegeſchmack gehalten iſt.
Anzeigen.
Von Siebmacher's
groſſem und allgemeinen deutſchen
Wappenbuch
iſt ſoeben die Lieferung 77, enthaltend den Adel der Herzogthümer
Schleswig⸗Holſtein und Lauen burg von M. Gritzner
und Ad. M. Hildebrandt, verſendet worden. Subſcriptions⸗
preis Thlr. 1. 18 Sgr. Desgleichen Lieferung 78, enthaltend „Außer:
deutſche Staatenwappen.“
Nürnberg, Mai 1870.
— ——
Geſuch.
Behufs einer hiſtoriſchen Arbeit werden Beſitzer von Wappen⸗
ſammlungen freundlichſt um gefällige Mittheilung älterer von
Bülow'ſcher Siegel oder Wappen (aus der Zeit vor 1550)
erſucht. Bei Copien oder Abgüſſen (deren Koſten der Unterzeichnete
ſelbſtverſtändlich gern tragen wird) wird um möglichſt genaue Aus⸗
kunft über den Ort, wo ſich das Original urſprünglich befand, ge⸗
beten. — Beſitzer von Stammbuchblättern oder ähnlichen Zeichnun⸗
gen mit dem Bülow'ſchen Wappen werden um gefällige leihweiſe
Ueberlaſſung des Exemplars auf kurze Zeit ganz ergebenſt erſucht
gegen das Verſprechen, daß das Geliehene prompt und unbeſchädigt
. werden wird.
bgleich der Unterzeichnete die einſchlagende Literatur an Wap⸗
penbüchern und ähnlichen Werken ſämmtlich berückſichtigt zu haben
glaubt, wird er es dankbar erkennen, wenn er auf ein vielleicht be⸗
ſonders ſeltenes Werk ſpeciell aufmerkſam gemacht wird.
G. v. Bülow, Berlin, Puttkamer Str. 9.
Bauer & Raspe.
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs-Bezirk Magdeburg.
Obige Broſchüre
giebt nun eine vollſtändige Ueberſicht aller zu dieſem
in welchen 65 verſchiedene
Für Genealogen, Heraldiker, Numismatiker
ꝛc. wichtig!
Des hohen deutſchen Ritterordens
Münz Sammlung
in
NN.
Mit ſteter Rückſicht auf das Central-Archiv des hohen
Ordens, geſchichtlich dargeſtellt und beſchrieben
O. S. B.
Mit 21 Kupfer⸗ und 1 Holztafel.
Gr. 4. Wien 1858. (XII und 267 S.) Eleg. geh. Früherer
Ladenpreis 22 Fl. jetzt a 10 Fl. = 6 Thlr. 20 Sgr.
Deutſche Adelsproben
aus deu deutschen Ordens - Central -Archine,
mit Genehmigung Sr. k. k. Hoheit des hochwürdigſt durch⸗
lauchtigſten Herrn Erzherzogs
Wilbelm von Oesterreich,
Hoch- und Deutſchmeiſters, k. k. Feldzeugmeiſters und
General⸗Artillerie-Inſpectors.
Bearbeitet von
Leopold Wedopil,
Prieſter und Archivar des hohen deutſchen Ritterordens.
3 Bände. gr. 8. Wien 1868. Eleg. geh.
Früherer Ladenpreis 10 Fl., jetzt a 8 Fl. 40 Kr.
5 Thlr. 20 Sgr.
. Zu beziehen von Karl Czermak,
Buchhandlung und Antiquariat in Wien, Schottengaſſe 6,
ſowie durch alle Buch⸗ und Antiquar⸗Handlun⸗
gen des In: und Auslandes.
Von den
Grabſteinen und Epitaphien
adeliger Perſonen in und bei den Kirchen der Altmark,
herausgegeben von Ad. M. Hildebrandt,
(123 Seiten mit 8 Abbild. Octav. 1868. Nur in 250 Exemplaren
abgezogen) find noch Exemplare a 20 Sgr. durch FJ. A. Stargardts
Buchhandlung in Berlin zu beziehen.
Inhalts⸗Verzeichniß:
Amtl. Nachrichten. — Ueber die Einrichtung einer Adels
matrikel. Promemoria. Anmerkungen zu Voigtels
Stammtafeln. (Schluß.) — Literatur. — Anzeigen. —
Berichtigung. In den Aufſatz über die Wappen
und Siegel der Stadt Nürnberg hat ſich ein Irrthum einge⸗
ſchlichen. S. 27a. iſt nach: „würde die roth⸗weiße Theilung“
einzuſchalten: „nicht.“ Ich wollte dort beweiſen, daß das
Wappen von Nürnberg wenigſtens in Bezug auf die roth⸗
weiße Theilung älter iſt, als ſonſt angenommen wird. f
Seyler.
Die Eiſenbahnſtation bei Schloß Frens (Beilage zu Nr.
4, C. 15) heißt nicht Horrens, ſondern Horrem. —
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
SEIN
—.— N N }
N
N
aa
Lith.v. Jul. Könecke in Gardelegen.
Gez v. I. Gr von Ütterodt.
Se Fyhragiſtik und Genealogie.
9
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
Nr. 6.
„Se. Majeſtät der König von Bayern haben ſich
mittelſt allerhöchſter Entſchließung vom 1. Januar l. J.
allergnädigſt bewogen gefunden, den K. Kämmerer und
Major à la suite Ernſt Franz Molitor von Mühl⸗
feld in den erblichen Freiherrnſtand des Königreichs zu
erheben.
Auszug
aus dem Protofioll der Sitzung des „Herold“
vom 6. Juli 1870.
„Nach Vorleſung des Protokolls vom 1. Juni d. Is.
theilte der Herr Vorſitzende mit, daß die von den Herren
Grafen v. Oeynhausen zu Hamburg und G. Kutter
hierſelbſt ergangenen Anfragen nicht in gewünſchter
Weiſe haben erledigt werden können, namentlich die des
Letzteren ganz reſultatlos geblieben ſei. Ferner wurde
bemerkt, daß die von dem Herrn Ritter v. Mayerfels
zu München angeregte Frage:
„ob die von dem Geſchlecht der Reichenbach geführ⸗
ten drei Figuren als Morgenſterne oder Hämmer
ſich erwieſen“
— angeſtellten Nachforſchungen zufolge — dahin zu
beantworten ſei, daß dieſe Figuren Hämmer vorzu:
ſtellen haben.
Sodann wurden die von dem Herrn Freiherrn v.
Pettenegg zu Wien und dem Herrn Kammerjunker
von Frölich auf Gr. Bellmannsdorf eingegangenen,
genealogilge Anfragen betreffenden, Schreiben zum
Vortrag gebracht, dem qu. Sections⸗Chef zur Er⸗
ledigung übergeben, und beſchloſſen, die von dem Herrn
Freiherrn v. Gudenau zu Ziadlowitz überſandten Bei⸗
träge zur Familien⸗Geſchichte der v. Mirbach, Bertolf
von Belven, Baſtenach, Brakel, Engelsdorf und Gül⸗
pen demnächſt durch das Vereinsblatt zu veröffentlichen.
An Geſchenken waren für den Verein eingegangen:
1) von dem Herrn G. v. Bülow hierſelbſt: Ge⸗
—
0
S, Berlin, im Juli 1870. Ds 1. Jahrgang.
ſchichtliche Nachrichten über die von Bülow zu
Oebisfelde;
2) von dem Verein für ſiebenbürgiſche
Landeskunde zu Hermannsſtadt: gegen
Archiv des Vereins für ſiebenbür⸗ Austauſch
giſche Landeskunde, Band 9, Heft I; des
3) vom Germaniſchen Muſeum zu Nürn⸗ Verei
berg: ereins⸗
blattes.
Anzeiger für Kunde der deutſchen
Vorzeit, Jahrgang 1870, Nr. 5;
4) von dem Herrn Redacteur des „Herold“ die Photo—
graphie eines in großartigem Maßſtabe von dem⸗
ſelben gemalten von Kröcher'ſchen Stammbau-
mes, und
5) von dem zeitigen Schriftführer des „Herold“: eine
Anzahl mittelalterlicher Siegel-Abdrücke.
Ein dem Vereine von dem Herrn Grafen von
Uetterodt auf Neu⸗Scharffenberg eingeſandtes, mit
vielen vortrefflichen Wappenzeichnungen begleitetes Ma⸗
nuſcript über Thüringiſche Geſchlechter ward demnächſt
vorgelegt und damit die Mittheilung verknüpft, daß der
Autor dieſes umfaſſenden Werks ſich, in Rückſicht auf
die dem Verein zur Zeit noch fehlenden Geldmittel, be⸗
reit erklärt habe, ſowohl die Herſtellungskoſten der zu
Nr. 5 erſcheinenden Beilage — die Schwarzburgiche
Schildſage betreffend — zu übernehmen, als auch die
Koſten der Herſtellung von Wappen⸗ und Grabſtein⸗
Abbildungen zu tragen, welche zur Erläuterung eines
von dem Herrn Grafen verfaßten, in Nr. 8 erſcheinen⸗
den, Artikels zur Geſchichte des Dynaſten-Geſchlechts
Lobdeburg dienen.
Es wurde dem genannten Herrn der zu veröffent⸗
lichende Dank votirt und einſtimmig beſchloſſen, denſel⸗
ben — in Anerkennung der beſonderen Verdienſte um
den Verein — zum Ehrenmitgliede zu ernennen.
Nach erfolgter Aufnahme neuer correſpondirender
Mitglieder, Beſprechung von Vereins- Angelegenheiten
und über die erforderliche Veröffentlichung ſüddeutſcher
+4
Standeserhebungen ꝛc. wurde die heutige, von 14 Mit-
gliedern beſuchte, Verſammlung geſchloſſen.
Nach dem Rücktritt des Hrn. Dr. Brecht find, bis
zur Neuwahl eines Schriftführer's, die Geſchäfte deſſel⸗
ben proviſoriſch dem Hrn. Vereins⸗Schatzmeiſter, Geh.
Miniſt.⸗Secretär F. Warnecke zu Berlin, Steglitzer
Str. 58, übertragen, und ſind bis auf Weiteres alle den
Verein betreffenden Schreiben an denſelben zu adreſſiren.
Ueber die Veſitzer des Schloſſes Wart-
hauſen und deren Wappen.
Wer die Bahnſtrecke zwiſchen Ulm und dem Bodenſee be
fährt, dem wird unter manchen alterthümlichen Schlöſſern
dieſer Gegend vielleicht als eins der ſchönſt gelegenen Wart⸗
hauſen in's Auge fallen. Im Kriege und durch Blitzſchlag
öfters beſchädigt, trägt es zwar nicht mehr das äußere An⸗
ſehen hohen Alters — Thürme und Zinnen gehören dem
ſpäten Mittelalter an — aber die unterirdiſchen Theile find
ſtets dieſelben geblieben. Die Erbauung des Schloſſes ſtreift
in's Sagenhafte hinüber; ſpäter hatte Warthauſen gleichnamige
Beſitzer. Im vor. Jahrh. erhielt W. durch Sophie v. Laroche
und andere Celebritäten, die dort Graf Friedrich Stadion's
Gaſtfreundſchaft genoſſen, eine gewiſſe Berühmtheit, die noch
in mancher Erinnerung lebt. Doch es iſt hier nicht Zweck,
eine Geſchichte des Schloſſes zu ſchreiben, oder zu wiederholen
was Andere bereits beſſer erzählt; es ſollen nur, wenn auch
lückenhaft, Notizen über einige Beſitzer und ihre Familien,
über welche noch Weniges bekannt ſein dürfte, gegeben werden.
Zunächſt Einiges über die „Grafen von Keſſelburg—
Warthauſen“ und ihr apokryphes Wappen.
Das kaiſerliche, gefürftete, freiweltliche Auguſtiner-Chor⸗
frauen⸗Reichsſtift Buchau am Federſee in Schwaben, welches
einſt mit Sitz und Stimme bei den Reichstagen auf der Rhei—
niſchen Prälatenbank, wegen der Herrſchaft Straßberg auf der
ſchwäbiſchen Grafen⸗, bei den Kreistagen aber auf der weltlichen
Fürſtenbank eingeführt war, kam 1803 durch Reichsdeputations—
ſchluß nebſt dem gleichnamigen Reichsſtädtchen an das fürſt⸗
liche Haus Thurn und Taxis und 1806 unter würtembergiſche
Landeshoheit. Neben dem Familienwappen der jeweiligen
Fürſtäbtiſſin führt Buchau als „Stiftswappen“ (außer dem
ſchwäbiſchen Löwen) einen grünen Schild mit ausgerundetem,
durchlaufendem rothen Kreuz, oben rechts von einer gelben Sonne,
links von einem desgl. Halbmond, die Hörner einwärts, beſeitet.
Gatterer's Wappenkalender auf d. Jahr 1764 nennt dies
Feld ausdrücklich das Wappen der aus dem Hauſe Keſſelberg
entſproſſenen Stifterin Adelinde.
Der Codex germ. Nr. 932 der königl. bayr. Hof und
Staatsbibliothek zu München, ein ikonographiſches Werk, das
dem Ende des 15. Jahrhunderts angehört und keinen Text hat,
enthält in ſeinem erſten, größten, eine allgemeine Wappenſamm⸗
lung darſtellenden Theil Fol. 132 daſſelbe Wappen als dasjenige
der Grafen zu „Wardhawſen“ in folgender Abweichung: im
rechten oberen Quartier des durch ein rothes Kreuz gevierteten
weißen Schildes eine gelbe Sonne, im linken oberen ein
blauer Halbmond; auf dem Helm ein weißer Flügel, zwiſchen
ſeinen Schwingen mit Pfauenfedern beſteckt; Decken roth und weiß.
Eine Federzeichnung im Jahr 1752 vom Biberacher Pa⸗
trizier Auguſt Fidel Scherriſch von Aurdorf aus den Annales
Biberacenses de anno 1619 des berühmten Hiſtoriker's
Johann Ernſt von Pflummern ausgezogen, weicht darin ab,
daß der Mond als ganze Scheibe dargeſtellt und die Helnzier
ein „Keſſel“ iſt, d. h. ein becherartiges Gefäß mit hohem, kan⸗
tigem, zugeſpitztem Deckel, der oben als Handhabe in einem
Ring endigt. Eine Fahne, vermuthlich um den Dynaſtenſtand an⸗
zudeuten, iſt ſchräg hinter den Helm geſteckt. Was waren dieſe
Grafen und was iſt von ihrem Wappen zu halten?
Die Grafen vom Keſſelberg („Comites de Caldario,“
Caldarienses Comites) oder von Keſſelburg⸗Warthauſen ſind,
ſowenig auch die hiſtoriſche Baſis der Sage ſelbſt angezweifelt
werden ſoll, ſagenhafte Geſtalten; ihr in eine vorheraldiſche
Zeit einzuweiſendes Wappen iſt eine mittelalterliche Fiktion,
(wie andere heraldiſche Phantome aus jener Zeit, z. B. die
Wappen König Davids u. |. w.) nur mit dem wejentlichen
Unterſchiede, daß dieſes Wappen durch feine Aufnahme in das
des Buchauer Stifts und von da in das große der Fürſten
Thurn und Tapis, hintendrein legaliſirt worden iſt; dieſer Um⸗
ſtand mag ſeine Erwähnung hier rechtfertigen.
(Fortſetzung folgt.)
Aleber das Anlegen einer Siegel- Sammlung.
Wenngleich die Siegel-Sammlungen — (in
den meiſten Fällen ſchon im Knabenalter unter⸗
nommen) — Anfangs Spielereien ſind, denen die
wiſſenſchaftliche Richtung fern liegt, ſo haben
dieſelben der Heraldik doch ſchon manchen weſent—
lichen Nutzen geſchafft; — ja es läßt ſich aus
mancher dieſer Sammlungen mehr Intereſſantes
ſchöpfen, als aus vielen Wappenbüchern. — Man
thut deshalb unrecht, wenn man das Siegel⸗
Sammeln im Allgemeinen als „Spielerei“ be⸗
trachtet; daſſelbe kann vielmehr allen Freunden
der Heraldik recht ſehr empfohlen werden, —
wenn ihnen die dazu erforderliche Zeit zur Ver⸗
fügung ſteht.
Was nun die Anlage einer Siegel-Samm- ?
lung betrifft, ſo wollen wir zunächſt die Ord⸗
nung derſelben ins Auge faſſen. — Die meiſten
Sammlungen ſind nach dem Alphabet geordnet; —
zuweilen ſind hierbei die Fürſten, Grafen, Frei⸗
herrn 2c., zuweilen die Nationalitäten getrennt. —
Es hat dieſe Ordnung Manches für ſich: man
braucht kein beſonderes namentliches Verzeichniß
anzulegen, und kann die Wappen- Ver⸗
mehrungen, — (im Fall der neuere Zweig der
Familie keinen anderen Namen angenommen hat, —
neben einander geordnet — ſchnell überſehen.
Indeß ſtößt man bei dieſer Ordnung doch ſehr
häufig auf Schwierigkeiten, die oft zu Irrthümern
Veranlaſſung geben. Z. B. führen ja viele Fa⸗
milien 2 oder noch mehr Namen, von welchen
liche Familienname iſt ꝛc. — Bei Trennung der
Nationalitäten iſt wieder der Umſtand ſchwierig
zu überwinden, daß oft Familien ſchon ſeit Jahr⸗
hunderten in dem Lande nicht mehr ver—
treten ſind, aus welchem ſie ſtammen — oder
daß ihr Vaterland ſehr zweifelhaft iſt.
Weit vorzuziehen erſcheint die Ordnung:
„Nach den Wappenbildern.“ — Hierbei iſt es
freilich nöthig, daß man ein namentliches Ver⸗
zeichniß (nach dem Alphabet geordnet) beſonders
führt. — Die Vortheile dieſes Syſtem's ſind
folgende:
1) Kann man jedes Wappen, welches ſich
in der Sammlung befindet, augenblicklich
finden — wenn man auch den Namen deſſelben
nicht im Gedächtniß hat. — Es bildet die
Sammlung ſomit gewiſſermaßen ein Regiſter,
aus welchem man den Namen einer Familie
nach dem ihr angehörenden Wappen heraus-
finden kann, wenn daſſelbe in der Sammlung
vorhanden iſt.
2) Fallen die kleineren Verſchiedenheiten
der ſich faſt gleichenden Wappen viel mehr
in's Auge und prägen ſich dem Gedächtniß
mehr ein; und
3) Finden ſich darin ſtammverwandte Fa⸗
milien, die verſchiedene Namen angenommen
haben, leichter heraus.“)
Was nun dieſe Ordnung nach den Wappen⸗
bildern ſelbſt betrifft, ſo würde eine Herzählung
aller möglichen ſolcher Bilder zu viel Raum für
dieſen Aufſatz erfordern; — der Verfaſſer iſt
gern bereit, im Fall es die geehrten Leſer in-
tereſſirt, in einer ſpäteren Nummer dieſes Blattes
das Syſtem dieſer Ordnung, welches er nach
längerem Forſchen für das zweckmäßigſte be—
funden hat, mitzutheilen. — Im Allgemeinen
ſei nur erwähnt, daß, — welches Syſtem der
Sammler auch wählen möge, — es haupt—
ſächlich darauf ankömmt, daß er ganz genau
an dieſem Syſtem feſthält, jo daß nicht der ge—
ringſte Zweifel entſtehen kann, wo ein Wappen
nach ſeinem Bilde hingehört; — das Wappen
J Ju dem in Nr. 2 enthaltenen Aufſatze „Ueber Blaſonirung“
iſt irriger Weiſe in der 24. Zeile ſtatt des Wortes „Abkürzungen“
das Wort „Ausdrücke“ geſetzt, — welches hier den Satz ganz un⸗
verſtändlich macht. — Ich hatte bei den qu. Abkürzungen die Ab⸗
bréviaturen der Wörter, z. B. ſtatt écartelé „ec.“ — oder ſtatt
casqué „eg“. im Auge. H. v. L.
45
ſich oft ſchwer ermitteln läßt, welcher der eigent-
geben.
muß alſo ſeinen ganz beſtimmten Platz haben.
Natürlich wird durch jedes neu erworbene Siegel
ein Weiterrücken der dahinter folgenden noth-
wendig, und es iſt deshalb wünſchenswerth,
dieſes Rücken ſo leicht als möglich bewerkſtelligen
zu können. — Zu dieſem Zwecke erſcheint es am
praktiſchſten, jedes Siegel für ſich auf ein kleines
Papp⸗Täfelchen mit Gummi⸗arabikum zu be⸗
feſtigen, und dieſe Täfelchen dann in der qu.
Ordnung auf größeren Tafeln — mit gehörig
erhöhtem Rande — neben einander zu legen.
Die Namen ſchreibt man am beſten unmittelbar
unter die Siegel auf die kleinen Täfelchen, —
und zwar deshalb darunter, weil man dann
die Namen beſſer ſchreiben und auch beſſer leſen
kann, als wenn man ſie darüber 5
n
Die Freiherrn von Gumppenberg.
Die Nachrichten, welche uns Herr von Hefner im
neuen Siebmacher (Bayriſcher Adel S. 38) mit Bezug
auf obiges Geſchlecht giebt ſind theils ſo karg, theils —
in Bezug auf das Wappen — ſo ungenau, ja irrig,
daß ich es für mehr als gerechtfertigt halte, wenn ich
es verſuche, eine Berichtigung und Ergänzung zu liefern.
Als Hauptquelle dient mir dabei eine Würzburg 1856
erſchienene, von einem Mitglied der Familie verfaßte,
durch und durch gediegene Geſchichte des Geſchlechtes,“)
welche leider nur als Manuſcript gedruckt wurde und
deßhalb den meiſten Forſchern unzugänglich iſt.
„Unter dem Stande der Miniſterialen“, ſo ſagt
der Herr Verfaſſer, „und namentlich unter den Miniſte—
rialen der mächtigen Grafen von Vohburg haben wir
die Stammväter der Familie Gumppenberg zu ſuchen
und zwar unter den Burgſaſſen von Vohburg ſelbſt.“
Die Geſchichte dieſer Burgſaſſen von Vohburg findet
einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt an die Gump⸗
penbergiſche Geſchichte in Hiltebrand von Vohburg. Im
Jahre 1280 nämlich urkundet Graf Berthold von Graifs—
bach, daß er dem „Hiltprandus de Voburch“ die Vogtei
Pöttmes verkauft habe, und im folgenden Jahre ertheilt
er dem „Hiltprandus de Gumppenberg“ die Inveſtitur
über die „villa in Bettmos cum omnibus suis perti-
nentiis.“ Hildebrand muß alſo feine neue Beſitzung
inzwiſchen bezogen und nach dem — wahrſcheinlich be-
reits vorhandenen — Schloße ſeinen neuen Namen ans
genommen haben.
Hiemit ſteht eine alte Sage, nach welcher die Gump-
penberger aus Böhmen ins Land gekommen und deſſelben
Stammes mit denen von Seeberg ſeien, uur in ſchein⸗
barem Widerſpruche, welchen die älteren Genealogen aus
*) L. A. Freiherr von Gumppenberg, Geſchichte der Familie
von Gumpyenbeeg. Für die Familie als Manuſcript in Druck ge⸗
ürzburg, 1856.
Unverſtand nicht aufzulöſen vermochten und ſich deßhalb
theils für die erſtere Annahme entſchieden, theils die G.
direct von den S. ableiten.
„Seeberg nämlich, das Stammhaus der Seeberger,
liegt nahe bei Franzensbrunn, im Egerer⸗Lande, das den
Grafen von Vohburg unterthänig war, und ohne Zweifel
ſtanden die Beſitzer dieſer Burg ebenfalls im Verhält—
niſſe der Miniſterialität zu Dicken Grafen, ſo daß, bei
der rein perſönlichen und erblichen Natur der dadurch
begründeten Abhängigkeit, die Möglichkeit gemeinſamer
Abſtammung der Miniſterialen zu Seeberg und jener
zu Vohburg ſehr nahe liegt.“
Der Verfaſſer weiſt ferner nach, daß die Seeberger
ſich wirklich zu Anfang des 12. Jahrh. unter den Voh—
burgiſchen Miniſterialen finden, während die mit den
Burgſaſſen von Vohburg ſtammverwandten Miniſteri—
alen von Wettenfeldt mit urſprünglichem Eigenthum der
Markgrafen von Vohburg in der Gegend von Eger be—
lehnt waren.
Die Farben (roth und weiß) des Gumppenbergiſchen
Wappens, — welches dem Seeberger ſehr ähnlich iſt —
ſprechen eher für als gegen dieſe Annahme, da wir in
den Wappen der urbayriſchen Geſchlechter dieſe Farben
vielleicht gar nicht, bei den bömiſchen dagegen ſehr häufig
finden. Als Beiſpiel brauche ich blos das böhmiſche
Wappen ſelbſt, und das der jetzigen Fürſten von Lob—
kowitz') anzuführen.
Nach einer ſpäteren Darſtellung iſt das Gumppen—
bergiſche Wappen fo zu beſchreiben: im einfachen r.
Schilde ein rechtsſchräger w. Balken mit 3 gr. See—
blättern, die mit den Spitzen abwärts an einander ge—
reiht find. Helm: 2 Büffelhörner, w. mit u Flecken,
und daran hängenden r. Ohren. Helmdecken: r. und w.
Die alte Sage, daß das Helmkleinod durch Heiratb
aus dem Wappen der Sandizell in das Geſche Wappen
übergegangen ſei, iſt nicht ſo unwahrſcheinlich; wenig—
ſtens iſt die Tinctur deſſelben den ſonſtigen Wappen:
farben nicht analog.
Das eigentliche Wappenbild, die 3 Seeblätter, war
wie ſo manches andere den alten Heraldikern ein Räthſel.
Der eine nennt ſie Schröterhörner (auch Herr v. Hefner!)
Nürner dagegen Ortbänder, der dritte richtig Seeblätter.
Der Herr Verfaſſer theilt alte Siegel und Wappendar—
ſtellungen mit, aus denen hervorgeht, daß die Seeblätter
urſprünglich eine herzförmige Form hatten wie Linden—
blätter, ohne Stiel und Einſchnitt. Erſt allmählich er—
hielten ſie einen kleeblatt⸗ ring⸗ oder herzförmigen Ein⸗
ſchnitt und entwickelten ſich zu den durchgeſchlagenen
Seeblättern, die allerdings den Schröterhörnern nicht
unähnlich ſind. 5
Als Kaiſer Maximilian s. d. Prag d. 16. Jan.
1571 Georg von G. in den Stand der Banner- und
Freiherrn des heiligen römiſchen Reichs und der kaiſer⸗
lichen Erblande erhob, war damit wie gewöhnlich eine,
diesmal freilich blos vermeintliche, Beſſerung des Wappens
verbunden. Folgendes iſt die Beſchreibung:
Schild: quadrirt; 1 und 4. Seeberg; r. mit rechts⸗
) Nach einem Aufſatze, welchen ich im Leitzmanns N. Z.
1869 Nr. 5 mitgetheilt habe, iſt das Stammwappen dieſes Hauſes
ein weißer Schild mit rothem Schildeshaupt.
46
ſchrägen w. Fluß, der mit drei gr. Lindenblättern hinter
einander mit der Spitze nach oben beſetzt iſt. 2. und 3:
Gumppenberg. 2 Helme: 1) gekrönt mit r. geſchloſſenem
Flug, der mit dem Wappenbild des 1. Feldes, jedoch
linksſchräg, bezeichnet iſt. 2) Gumppenberg. Helmdecken:
r. und w.
Mit Recht rügt der Herr Verfaſſer den Umſtand,
daß das Stammwappen den zweiten Platz erhalten habe,
als eine Verkehrtheit. Es iſt überhaupt nicht begreiflich,
warum man das G'ſche Wappen mit dem Seebergiſchen
vermehrte, da es ja bekannt war, daß beide Wappen
urſprünglich ganz gleichartig waren. Der Unterſchied
zwiſchen Balken und Fluß, See- und Lindenblättern iſt
erſt im Laufe der Zeit entſtanden und hätte in dieſem
Falle gar nicht berückſichtigt werden dürfen. Aber außer⸗
dem enthält das Wappen in feiner rein techniſchen An⸗
ordnung noch manche Fehler und Gebrechen. Die Qua—
drirung iſt in einem Falle, wo alle Felder gleich tingirt
find, — wie hier — ganz widerſinnig und undenkbar,“)
da eine Schildestheilung nur durch ein Zuſammen—
treffen von verſchiedenen Farben entſtehen kann. Der
Fluß hätte deßhalb durch den Schild durchlaufend dar—
geſtellt werden, oder man hätte die Balken und Flüſſe
in Form von Sparren oder eines Andreaskreuzes grup—
piren müſſen.
„Eben die erwähnte Verwechſelung in der Anord-
uung der Felder und Helme“ ſagt der Herr Verfaſſer,
„hat indeſſen zur Folge gehabt, daß häufig und fchon
in den nächſtfolgenden Jahren von dieſer Ordnung ab—
gewichen wurde und erſt ſpäter iſt mit mehr Conſequenz.
an dem Vorbilde feſtgehalten worden, welches das Diplom
giebt.“ — ö
Wenn ſchon im Allgemeinen zu beklagen iſt, daß ſo
viele genealogiſche Werke nur als Manuſcript gedruckt
werden und dadurch dem Forſcher die wiſſenſchaftliche⸗
Ausbeutung unmöglich gemacht iſt. jo iſt dies insbe—
ſondere bei ſolchen Werken der Fall, die jo reichhaltig.
und vortrefflich geſchrieben ſind, wie das vorliegende.
Wenn ein Edelmann die Geſchichte ſeines Geſchlechtes
veröffentlicht, ſo bringt er ein Opfer, welches er dem
Vaterlande, der Wiſſenſchaft und ſich ſelbſt ſchuldig iſt;
Der Adel ſollte ſich dem nicht entziehen, umſomehr als
die herrſchaftlichen Archive faſt noch unzugänglicher ſind
als die Staatsarchive, bei welchen letzteren die Benutz—
ung meiſt nur von der Erfüllung einer ſehr unſchwie⸗
rigen Formalität abhängig gemacht iſt. N
Würzburg. Seyler.
Dr. Otto Titan von Hefner 7.
Am 10. Januar 1870 verblich zu München,
erſt zweiundvierzig Jahre alt, unerwartet ſchnell
dieſer bekannte Heraldiker, vorzugsweiſe verdient
durch ſeine Bemühungen, das Studium der
*) Doch find ähnliche Fälle nicht ſelten. A. d. R.
47
Wappenwiſſenſchaft wieder zur Geltung zu bringen.
Zahlreiche Werke zeugen davon. |
Um nur das Hauptſächlichſte zu berühren,
ſo verdankt man Hefner das unter dem Namen
„Neuer Siebmacher“ bekannte Stamm: und
Wappenbuch (von ihm jedoch nicht vollendet), ein
hiſtor. Wappenbuch der europäiſchen Städte, eine
Geſchichte Herzog Albrecht's IV. v. Bayern, eine
Chronik der Stadt Roſenheim, ein durch über
1400 Figuren erläutertes Handbuch der theore—
tiſchen und practiſchen Heraldik, ein Siegel- und
Wappenbuch der alten Geſchlechter München's,
die Wappen der bayriſchen Städte und Märkte
in Farbendruck, Originalbilder aus der Vorzeit
München's, heraldiſche Bilderbogen, ein heral⸗
diſches Originalmuſterbuch für Künſtler, eine
Heraldik von Altbayern unter Zugrundelegung
eines neuen allgemeinen Syſtem's, ſchließlich den
Bayriſchen Antiquarius. Noch nicht vollſtändig
erſchien das Neue allgemeine Wappenbuch, in
Lieferungen zu 16 Tafeln und 1 Bogen Text.
Des Verſtorbenen Vater verwaltete etwa
20 Jahre lang die Stelle eines Adjuncten im
Antiquarium zu München, war in der gelehrten
Welt durch ſeine Schriften ein bekannter und
angeſehener Mann, dann Gründer der ſ. g. Klein⸗
kinderbewahranſtalten. Er ſtarb am 16. Sep⸗
tember 1862.
Dr. O. T. v. Hefner wurde zu München
den 18. Januar 1827 geboren, vollendete ſeine
Studien auf der dortigen Univerſität, wanderte
aber 1849 nach Amerika aus. Was er dort in
den anderthalb Jahren ſeines Aufenthaltes er⸗
lebte, ließ er 1852 bei Becher in Stuttgart durch
den Druck veröffentlichen. Auch correſpondirte
er damals von Philadelphia ꝛc. aus fleißig in
die Augsburger Allgemeine, ſowie andere Deutſche
Blätter.
Zurückgekehrt, vermählte ſich DH. am 26.
Juli 1853 mit Fräulein Sophie von Ziegler⸗
Pürgen, Tochter des verſtorbenen Hofraths und
Gutsbeſitzers v. Z. zu Pürgen.
Im April 1864 begann H. den Vaterlands⸗
Freund erſcheinen zu laſſen als Organ für bay⸗
riſche Geſchichte, Kunſt und Literatur. Derſelbe
bot eine große Fülle kulturhiſtoriſcher Stoffe,
ging jedoch leider aus Mangel an Theilnahme
nach Jahresfriſt wieder ein.
Bereits der erſte Band des Bayriſchen Anti⸗
quars wurde bei ſeinem Erſcheinen ſehr günſtig
beurtheilt. Das Werk iſt eine Culturgeſchichte
des Bayriſchen Adels, worin ſeiner Abſtammung,
Fehden, Turnire, Liebeshändel, Beſitzungen und
Wappen in unterhaltender Weiſe gedacht wird.
Wenn es darum zuthun iſt, Mehreres über
den Verblichenen zu erfahren, der beliebe eine ge—
nealogiſche Seizze unter dem Titel „Die Hefner
mit dem Winzer“ im 2. Bande des Bayr. An⸗
tiqu. zu leſen.
Am Schluſſe ſei noch erwähnt, daß der Ver⸗
blichene der Gründer des ſ. g. „Heraldiſchen
Inſtituts“ iſt, autoriſirt von der Kgl. Bayriſchen
Regierung unter dem 19. Juni 1861. Die
Sammlungen umfaſſen mehr als 40,000 Wappen
und Siegel mit urkundlichen Nachweiſen. Die
gelieferten Arbeiten umfaſſen alle Zweige der
Genealogie, Heraldik, Sphragiſtik und Diplo⸗
matik, und werden dahin gehörende Aufträge,
als Anfertigung von Stammbäumen u. Ahnen⸗
tafeln, Familiengeſchichten, Entwerfen von Wappen,
Facſimilirung von Urkunden ꝛc. pünktlich er:
ledigt.
Ueber Wappenbilder auf Krügen.
Unter den ornamentirten Töpferarbeiten der
ſpätgothiſchen und Renaiſſance-⸗Zeit gehören die
mit Reliefbildern verzierten Steingutfabrikate des
Niederrheines zu dem Beſten, was in dieſem Ge⸗
biete jemals iſt geleiſtet worden. Die auf den⸗
ſelben angebrachten Verzierungen und Inſchriften
in erhabener Arbeit ſind ſowohl in künſtleriſcher
Beziehung als auch für Sittengeſchichte, Volks⸗
poeſie, Koſtümkunde und Heraldik von Intereſſe
und Bedeutung. Auffallender Weiſe hat man
den niederrheiniſchen Töpfergilden und ihren
trefflichen Fabrikaten von Seiten der Geſchichts⸗
und Alterthumsforſchung bisher nur eine ſehr
geringe Aufmerkſamkeit geſchenkt. Und doch ver⸗
dienen dieſe Innungen wegen ihrer eigenthüm⸗
lichen und von denen der anderen Zünfte ganz
verſchiedenen Verfaſſungen und wegen ihrer Jahr⸗
hunderte andauernden Blüthe die Aufmerkſamkeit
des Geſchichtsforſchers in ebenſo hohem Grade,
wie die reichen, ornamentirten Fabrikate derſelben
die Beachtung des Archäologen. Das, was dar⸗
48
über bisher iſt veröffentlicht worden, verdient
kaum der Erwähnung.
Nachforſchungen, die ich über die bedeu⸗
tendſte dieſer Töpfergilden, nämlich über die
Siegburger Ulnerzunft,*) angeſtellt habe, und die
inſoweit erfolgreich waren, als ich die Perga-
mentbriefe der Lade jener Innung auffand, und
umfangreiche Ausgrabungen in den Scherben—
lagern, in denen die brüchige Waare Jahrhun⸗
derte hindurch aufgeſchüttet worden iſt, mir ein
ein reiches Material zur Beurtheilung der Fa⸗
brikate dieſer Zunft an die Hand gaben, haben
unter Anderem auch für die Wappenkunde ein
nicht unintereſſantes Reſultat geliefert.
Ein auf Krügen vielfach angewandter Schmuck
ſind bekanntlich die Wappenbilder. Man findet
auf den Steingutfabrikaten des Niederrheines
Wappen der verſchiedenen Länder und Regenten,
dann auch Städte, Zunft⸗ und Adelswappen.
Beſonders häufig kommen die Wappen rheiniſcher
und weſtphäliſcher Adelsgeſchlechter auf denſelben
vor. Dieſe, wie auch die Wappen der Städte
und Zünfte, ſind in der Regel durch Jahrzahl und
Namen der Inhaber näher beſtimmt. Die ſo—
wohl auf Krügen in Sammlungen als auch auf
Bruchſtücken in den Scherbenlagern ſich in großer
Zahl vorfindenden Wappenbilder ſind aber für
Heraldik und Genealogie in ſoweit eine reiche
Quelle, als ſich aus denſelben vielfach Ergän—
zungen und Berichtigungen für die Stammtafeln
und die Wappenkunde der genannten Adelöge-
ſchlechter ergeben. Man mußte aber bisher von
einer wiſſenſchaftlichen Verwerthung des aus
dieſer Quelle ſich Ergebenden abſtehen, weil man
nicht wußte, inwieweit dieſe Wappenbilder au⸗
thentiſch ſeien, ob nicht die Töpfer dieſelben will⸗
kürlich, mit beliebigen Zuſätzen und Verände⸗
rungen verſehen, als bloßen Schmuck ihrer Fa⸗
brikate angewandt haben. Hierüber geben nun
die erwähnten Urkunden den erwünſchten Auf⸗
ſchluß. Aus einem Zunftbriefe vom Jahre 1552
ergiebt ſich, daß die Magiſtrate der Städte und
die Edelleute für ihren Bedarf bei den Sieg⸗
burger Töpfern mitunter größere Partien von
Steingut zu beſtellen pflegten, dabei ihre Wappen
im Bilde einſandten und beſtimmten, wie die
Krüge mit denſelben ſollten verziert werden. Die⸗
9) In den Urkunden ſo genannt von dem altdeutſchen ul, dem
lateiniſchen ulla⸗Topf. e n
jenigen Meiſter, welche mit ſolchen Aufträgen
zumeiſt beehrt wurden, führten den Namen
„herrenwerkluide“ und erfreuten ſich beſonderer
Privilegien. Wie ſehr die Beſteller auf eine ge⸗
naue Abbildung des eingeſendeten Wappens
hielten, ergiebt ſich aus einer im Kirchenarchive
zur Siegburg vorhandenen Urkunde. Ein Adolf,
Herr zu Gymnich führt 1597 Klage beim freiade⸗
ligen Scheffengerichte gegen den Ulnermeiſter
Daniel Vlach, weil derſelbe eine bei ihm beſtellte
Anzahl von Krügen nicht mit dem ihm damals,
ſondern mit einem anderen, 7 Jahre früher ein⸗
geſandten und datirten Wappenbilde der Fa⸗
milie von Gymnich ausgeſchmückt habe. Er ver⸗
langt Zurücknahme der überſandten und Liefe⸗
rung der beſtellten Waare. Dieſe Beweiſe ge⸗
nügen meiner Anſicht nach, um darzuthun, daß
den auf den Fabrikaten der Siegburger Töpfer
und unzweifelhaft auch der übrigen niederrhei⸗
niſchen Töpfergilden ſich vorfindenden Adels⸗
wappen eine wiſſenſchaftliche Bedeutung beizu⸗
legen iſt, und daß einer wiſſenſchaftlichen Ver⸗
werthung der ſich daher ergebenden Ergänzungen
und Berichtigungen fortan Nichts im Wege ſteht.
Schloß Frens.
J. B. Dornbuſch, Kaplan.
Titeratur.
„Neues heraldiſehes Syſtem für Wappen-
Sammlungen, nebft Anleitung zur Anlage vou Sammlun⸗
gen, von Detlev Frhr. v. Biedermann. Dresden 1870.“
Seit längerer Zeit iſt von verſchiedenen Sammlern auf
die Unzuträglichkeiten hingewieſen, welche ſich durch das Ord⸗
nen der Siegel nach dem Alphabet ergeben; (Vgl. obigen Ar⸗
tikel von H. v. L.) Im Bezug auf Sammlungen alter Sie⸗
gel iſt das ſphragiſtiſche Syſtem F.-K. “s bisher noch von keinem
anderen verdrängt worden; hinſichtlich neuerer Abdrücke hat
der Hr. Vf. der eben genannten Brochüre das Verdienſt, die
Ordnung derſelben nach Wappenbildern zuerſt in detail⸗
lirteſter Weiſe in ein Syſtem gebracht und letzteres durch den
Druck publicirt zu haben. Die Vortheile, welche dies Syſtem
vor der alphabetiſchen Ordnung voraus hat, beſtehen darin, daß
man in einer ſo eingerichteten Sammlung jedes Wappen, deſſen
Figur man ſich erinnert, auffinden, und demgemäß oftmals
Anderen unbekannte Siegel leicht beſtimmen kann; daß ſich die
Wappen und ihre Figuren, ſowie namenlich unterſcheidende
Merkmale ähnlicher Wappen, dem Gedächtniſſe gut einprägen;
daß ſich, wie der Hr. Vf. bereits in feinem Artikel (Nr. 4
d. Bl.) andeutete, Schlüſſe auf die Abſtammung und auf mög-
liche Stammesgemeinſchaft der Familien gleichartiger Schildfi⸗
guren ziehen laſſen, u. drgl. m. Nur etwas zeitraubender iſt
|
|
49
dieſe Methode, indem der Sammler ſtets ein alphabetifches ] Geſchlecht v. Kappelle oder v. d. Kappell in Oberfranken von
Regiſter mit größter Sorgfalt zu führen hat.
Vorliegendes Werk bringt auf Seite 1 bis 7 practiſche
Bemerkungen über die Anlegung einer Lackſiegel-Sammlung.
Zu Seite 5 möchten wir hinzufügen, daß Lackabdrücke großer
Stempel ſich am Beſten herſtellen laſſen, wenn man den Lack
in einem großen Löffel oder einer Blechkanne über einer Spi—
ritusflamme ſchmelzen läßt und auf Cartonpapier gießt. Seite 8. ff:
Erläuterung des Syſtenms — Aufzählung der in Wappen
vorkommenden Figuren. Eines näheren Eingehens darauf ent⸗
halten wir uns, um die ſammelnden Leſer zur Anſchaffung des
Werkes und zu eigener Prüfung anzuregen. —
„Numismatiſch-ſphragiſtiſcher Verkehr des Dr.
L. Eger, Wien, Taborſtraße 27.“ Katalog von Münzen
und Siegeln, Abdrücken alter und neuer Stempel ꝛc., zu
beziehen durch das Bureau des Herausgebers, welches den Ein—
und Verkauf genannter Gegenſtände vermittelt.
„Prospectus L' Alsace noble, sui vie
de: Lelivre d'or du patriciat de Strasbourg,
d' apres des documents authentiques et en grande par-
tie inedits par M. Ernest Lehr, docteur en droit
etc. — 3 vols., impression de luxe, contenant 31 plan-
ches d’armoiries chromolithographiées, 200 gra-
vares, etc.“ Prix, broche: 200 fr. Reliure: 25 Fr.
(Veuve Berger- Levrault et fils, libr.- edit:, Paris.)
Das angekündigte Werk wird, dem Proſpect zufolge,
auf dem Grunde hiſtoriſcher — großentheils unedirter — Do—
eumente ruhend, Nachrichten über Geſchichte, Genealogie und
Heraldik der Elſäſſiſchen Familien geben. Es find 6 ſou⸗
veraine, 3 mediatiſirte, 4 nicht ſouveraine Fürſtenhäuſer und
129 Adelsfamilien vertreten. Darunter Deutſche: Baden,
Heſſen, Naſſau, Pfalz, Würtemberg; Hohenlohe, Salm; And—
lau, Bärenfels, Barbier v. Hegenheim, Berckheim, Bernhold,
Berſtett. Birckwald, Bock, Bodeck v. Elgau, Böcklin v. Böck⸗
linsau, Coehorn, Dartein, Dettlingen, Dietrich, Eckbrecht v.
Dürkheim, Eggs, Eptingen, Eſebeck, Falkenhain, Flachslanden,
Franck, Gail, Gayling v. Altheim, Gemmingen, Glaubitz,
Gohr, Gottesheim, Güntzer, Haffner v. Wasslenheim, Haindel,
Hauſen, Hell, Hoen v. Dillenburg, Ichtratzheim, Joham v.
Mundolsheim, Kageneck, Kempf v. Angreth, Kempfer, Kent⸗
zinger, Kesling von Berg, Kirchheim, Klinglin, Klöckler v.
Veldegg⸗Münchenſtein, Landenberg, Landſperg, Lewenhaupt,
Lückner, Lützelburg, Mackau, Malſen v. Tilborch, Mayerhoffen,
Müllenheim, Munck, Neuenſtein, Oberkirch, Peyerimhoff, Rath⸗
ſamhauſen, Reinach, Reiſet, Reiſſenbach, Reuttner v. Weyl,
Rinck v. Baldenſtein, Röder v. Diersburg, Roggenbach, Roſen,
Rotberg, Salomon, Schauenburg, Schmidburg, Schönau,
Schramm, Sickingen, Strahlenheim, Streitt v. Immendingen,
Truchſeß v. Rheinfelden, Türkheim, Voltz v. Altenau, Waldner
v. Freundſtein. Wangen v. Geroldseck, Weitersheim, Waſſenberg,
Wetzel v. Marſilien, Wimpffen, Wreden, Wurmſer, Zorn,
Zuckmantel, zu Rhein, u. A. 5
Zu bedauern iſt — bei der überwiegenden Mehrzahl
deutſcher Geſchlechter die zur Beſprechung kommen, — daß das
Werk nicht in deutſcher, ſondern franzöſiſcher Sprache erſcheint.
„Cor reſpondenzblatt“, Nr. 4: Die Bambergiſchen
Erbämter, von K. Chl. von Reitzenſtein. — Nr. 5: das
demſelben.
„Numismat:⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger“ Nr. 9
Seite 65: Beſchreibung des großen Siegel's der Canadiſchen
Conföderation. S. 60: Ueber das Wappen des Joseph
Chevalier de Saxe, von F. Nitze. Nr. 11, S. 82. Heral⸗
diſche Notiz, betr. die älteſte Form des Holſteiniſchen Wappens,
des ſ. g. „Neſſelblattes“, — die ſich, zufolge dem Siegel der
Gebr. Grafen Johann und Gernhardt v. H., als gezackter
Schildrand ausweiſt; Nr. 12, S. 89: in Bezug auf daſſelbe
Hinweiſung auf die ähnlichen Siegel Walthers v. Dileberg
und Ditmar's v. Willerſtedt. S. 91: Anfrage betr. das Biſchöf⸗
liche Verden ſche Wappen — bekanntlich ein Nagelſpitzkreuz.
ſtatt deſſen jedoch im 17. Jahrh. Schweden das bei Sieb⸗
macher J, 19, Nr. 14. abgebildete Wappen führt, r.- w. ge⸗
ſchachter Schrägbalken in b. Woher ſtammt dies W.? Wie
lange iſt es officiell gebraucht?
„Numismatiſche Zeitung“ Nr. 11. Beſprechung der
Schönberg'ſchen Familiengeſchichte, von Seyler.
Heral diſche Techniß.
Ueber das Abformen der Siegel.
(Fortſetzung.)
Iſt dies geſchehen, ſo ſchneide man die Formen rings⸗
herum gleichmäßig glatt, bürſte die Oberfläche mit einer
weichen Sammtbürfte ab, und lege einen durch Siegel—
lack oder Klebewachs zu befeſtigenden Streifen ſtarken
Cartonpapiers als erhöhten Rand um jede Form; dadurch
wird bei dem nunmehrigen Reproduciren das Abfließen
des Gypſes verhütet und den Abgüſſen eine ebenmäßige
Geſtalt gegeben. Jetzt beſtreiche man die Formen, in
gleicher Weiſe wie vorher die Originale, mit Oel oder
Fett, und wiederhole dann die Manipulation des Ab—
gießens mit flüſſigem Gyps wie oben beſchrieben.
Zieht das Fett ſehr ſchnell in die Formen ein, fo
iſt das ein Zeichen, daß letztere ſich nicht lange genug
in dem ſiedenden Wachs befunden haben; ſie müſ—
ſen dann nochmals auf kurze Zeit hineingelegt werden.
Hebt man nach hinreichender Verhärtung des Gyp—
ſes den Abguß ab, ſo hat man nun ein vollkommen
getreues Abbild des Originals. Der Abguß muß wie—
derum völlig austrocknen und gleichfalls behufs beſſerer
Haltbarkeit in Wachs geſiedet werden. Nach dem Er:
kalten kann man ihm durch ganz ſanftes Reiben mit
weichem weißen Flanell einen marmorartigen Glanz
verleihen.
Ein ſolcher Abguß bietet die Vortheile großer Deut⸗
lichkeit les läßt ſich nach Gypsabdrücken z. B. weit
leichter zeichnen als nach den dunkeln Originalen) und
Haltbarkeit. Eine größere Sammlung von ſolchen Stücken
erfordert jedoch viel Raum, denn die Abgüſſe können,
da fie mindeſtens 4 Zoll ſtark fein müſſen, nicht gut
auf Papptafeln geklebt — ſondern nur in hinreichend
hohen Käſten verwahrt werden.
.
Zum Anfertigen der Formen verwendet man am
Beſten guten ſ. g. Stuccatur- oder Geſchwind-Gyps, a
Metze gewöhnlich 5 Sgr. Zu den eigentlichen Abgüſſen
empfiehlt es ſich aber feineren Gyps zu gebrauchen;
beſonders eignet ſich Alabaſter- oder Pariſer Gyps, à
Pfd. 5 Sgr. Man darf demſelben, um dem Abguß ei:
ne angenehme gelbliche Färbung zu geben, eine kleine
Quantität feinen gelben Ocker zuſetzen.
Anſtatt die Formen in Wachs oder Stearin zu ſie⸗
den, kann man auch die Oberfläche mit einer dünnen
Auflöſung von Schellack in Spiritus beſtreichen; dies
empfiehlt ſich namentlich bei größeren Exemplaren.
(Fortſetzung folgt.)
Vermiſchtes.
Obwohl auf den alten Grabſteinen meiſtentheils die nor—
male Stellung der Ahnenwappen beobachtet zu ſein pflegt, ſo
kommen doch Fälle vor, welche dem Genealogen nicht wenig
Kopfzerbrechen verurſachen. So befindet ſich in der Kirche zu
Schkortleben bei Weißenfels ein Leichenſtein, auf welchem eine
weibliche Geſtalt in ganzer Figur ausgehauen iſt, mit der
Umſchrift:
„Anno domini 1578 iſt die edle und tugendſame Frau
Eliſabeth geb. Marſchalk, Joſt von Bieſenrodt ehelige Haus⸗
frau zu Schkortleben in Gott ſeligen verſchieden,“
und begleitet von vier bemalten Wappen: Oben rechts: v.
Bieſenrodt mit der Umſchrift J. v. B.
(Der Ehemann Jobſt.)
Oben links: v. Landwüſt: A. v. L. (die Schwie⸗
germutter Agnes v. L.)
Unten rechts: v. Marſchall (die Thüringer: 2 r. Schaf⸗
ſcheeren in w.) Umſchrift: E. v. S. Soll heißen? Die
Mutter — geb. v. S.?
Unten links: im r. Schilde ein ſechseckiger w. Stern:
Helm: Wulſt; Büffelhörner, r. und w. „D. v. G.“ Heißt —2
Großmutter väterlicher Seite? Von Rechts wegen mußten an⸗
gebracht ſein:
Der Vater
(v. Marſchall.)
Die Großmutter Die Großmutter
väterl. Seite. mütterl. Seite.
Welcher Familie mag das Wappen mit dem Stern ange⸗
hören? Das D. v. G. iſt kaum ein Fingerzeig, da das
Marſchall'ſche W. mit E. v. S. bezeichnet iſt.
Der Oeſterreichiſche Reichskanzler Graf Beuſt hat die Er⸗
laubniß erhalten, den kaiſerlichen Adler und das ungariſche
Landeswappen in ſein Wappen aufzunehmen. Wiener Blätter
machen darauf aufmerkſam, daß die Verleihung des Reichsadlers,
als Gnadenzeichen, nicht ſelten iſt, dagegen die Vermehrung
eines Privatwappens durch die Ungariſchen Embleme bisher
nicht vorgekommen ſei.
Wie durchaus nothwendig iſt, daß Schriftſteller, die über
Zuſtände des Mittelalters ſchreiben, in der Heraldik Beſcheid
wiſſen, davon hier ein Beiſpiel von Vielen. In dem, 1869
Die Mutter.
zu Paris erſchienenen, Prachtwerke: „Les arts au moyen
age et à l'époque de la renaissance, par Paul La-
croix etc.; deuxieme édition“ findet ſich S. 28 die Ab⸗
bildung eines edelherrlichen Gemaches aus dem 14. Jahrh.
(tire du Dictionnaire du mobilier francais.) Da erblickt man
über dem hohen Kamin ein in Stein gehauenes Wappen: Dreied-
ſchild mit Adler; über demſelben ein offener Helm im Ge⸗
ſchmack des 18. Jahrh., beſteckt mit zwei natürlichen Flügeln,
zwiſchen denen ſich eine unbeſchreibbare Figur zeigt; daneben
als Schildhalter (U) rechts natürlicher Löwe mit eingeklemmten
Schwanz, links ſitzender Eisbär. Müſſen nicht ſolche Unge⸗
heuerlichkeiten auch gegen die übrige Zuverläſſigkeit derartiger —
ſonſt gediegener — Werke Verdacht erregen?
Anfrage v.
Jedem Siegelſammler ſind ſicherlich Ab-
drücke in Birkenrinde bekannt, welche neben
großer Haltbarkeit die Vorzüge außerordentlicher
Schärfe und ſchönen Ausſehens vereinen, mit
deren Anfertigung jedoch die Graveure heut' zu
Tage ſich nicht mehr zu beſchäftigen ſcheinen.
Es wird hierdurch eine gefällige Auskunft darü-
ber erbeten, in welcher Weiſe dieſe — mei⸗
ſtens als Probe-Abdrücke fortgegebenen — Sie⸗
gel in Birkenrinde hergeſtellt wurden, da der
Einſender etwas Genaues ſowohl über die er—
forderliche Auswahl des Materials, als auch
über die Manipulation des Abdrückens, nicht
hat in Erfahrung bringen können. Gütige Aus⸗
kunft wolle man der Redaction d. Bl. zur Ver⸗
öffentlichung geneigteſt einſenden.
Anzeige.
Von Siebmacher's
großem und allgemeinen Wappenbuch
iſt ſoeben Lieferung 79, enthaltend preußiſchen Adel Krainski —
Lemmers, bearbeitet von G. A. v. Mülverſtedt und Ad. M.
„ ausgegeben worden. Subſeriptionspreis Thlr. 1.
18
gr. 2
Nürnberg, Juli 1870. - Bauer & Raspe.
Inhalts⸗Verzeichniß:
Amtl. Nachricht. — Protocoll. — Schloß Warthaufen.
— ueber das Anlegen einer Siegelſammlung. — Die Frei⸗
herrn v. Gumppenberg. — Dr. O. T. v. Hefner. — Ueber
Wappenbilder auf Krügen. — Literatur. — Herald. Technik.
— Vermiſchtes. — Anfrage. — Anzeige.
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 5
RL
a? Sppragifik und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 11 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
Ur. 7. I Berlin, im Anguſt 1870. SS 1. Jahrgang.
Auszug Jahres-Beiträgen der torreſpondirenden Mitglieder, ſowie von
R 7 e 0 % den Abonnenten des Vereinsorgans noch beträchtliche Summen
aus dem Protokoll der Sitzung des Herold im Rückſtande ſeien und man über die Art der erforderlich
vom 3. Auguſt 1870. werdenden Einziehung der Gelder Bedenken habe. Es wurde
Anweſend 10 Mitglieder. empfohlen, die Reſtanten durch den „Deutſchen Herold“ an die
Nach ſtattgehabter Vorleſung des Protocolls der letzten baldige Einzahlung der noch rückſtändigen Beträge zu erinnern,
Sitzung, welches in allen Theilen genehmigt ward, wurden auf widrigenfalls die Entnahme derſelben durch Poſtvorſchuß als
den Vorſchlag des Präſidenten der Freiherr Carl v. Reigen: | dem Wunſche der Debenten entſprechend angeſehen werden
fein hierſelbſt, ſowie der Gerichtsamtsactuar Carl Apetz zu ſolle.
Roda im Herzogthum Sachſen-Altenburg reſp. zu wirklichen Eine Beſprechung älterer Siegel veranlaßte den Herrn
und correſpondirenden Mitgliedern aufgenommen. Freiherrn v. Reitzenſtein in einem längeren, intereſſanten
Darauf ward dem Lieut. Herrn Gritzner das Wort Vortrage über das erſte Erſcheinen der heraldiſchen Ehrenſtücke,
ertheilt und von demſelben vorgetragen, daß es zu Unzuträg- die Art derſelben und deren in ſpäterer Zeit ſehr oft erfolgte
lichkeiten führen müſſe, das Amt des Schriftführers und Schatz Corruption ze. ſich zu äußern, wobei der Wunſch ausgeſprochen
meiſters — wie das jetzt, wenn auch nur proviſoriſch, ‚beliebt | ward, den Vortrag auch den auswärtigen Vereins-Mitgliedern
worden ſei — in einer Perſon zu vereinigen; auch müſſe eine | durch Bearbeitung für den D. Herold zur Kenntniß zu bringen.
Vertheilung der Geſchäfte wünſchenswerth und es daher rath— Vom Herrn Lieutenant Gritzner wurde eine Schrift
ſam erſcheinen, die Neuwahl eines Schriftführers vorzunehmen. über die Siegel des Ratzeburger Dom-Capitels, vom Archiv⸗
Nachdem dieſer Antrag die Zuſtimmung der Anweſenden ge- Rath Paſtor Maſch zu Demern verfaßt und für die Bibliothek
funden hatte, ward von dem Herrn Lieutenant Gritzner der beſtimmt, überreicht, und dem Geber der zu veröffentlichende
Geh. exped. Secretair Warnecke, Steglitzer Str. 58, III. Dank des Vereins ausgedrückt.
und ſeitens des Vorſitzenden die Uebertragung des Schatzmeiſter— Schließlich ſprach der Unterzeichnete — in der Hoffnung
Amtes auf den bisherigen Bibliothekar, Lieutenant Gritzner, auf den glücklichen Erfolg unſerer Waffen in dem gegenwärtigen
Victoria-Straße Nr. 11, III. in Vorſchlag gebracht, auch die Kriege und den Einzug unſerer ſiegreichen Truppen in Paris
Verwaltung der Bibliothek dem Wappenmaler Herrn Winckler, — den Wunſch aus, daß mit dem Sturze des verhaßten Aben—
Oranje. Straße 135 parterre, übertragen. Einſtimmig er⸗ teurers auch die berüchtigte Napoleoniſche Heraldik — dieſe
folgte die Billigung dieſer Wahlen und waren auch die betreffen- | Ausgeburt des Corſen — ihrem Untergange nicht entgehen
den Mitglieder mit Uebernahme der ihnen zugewieſenen Aemter möge, ein Wunſch, welcher allſeitig mit Beifall begrüßt wurde.
einverſtanden. Schluß der Sitzung 94 Uhr.
Der Schriftführer erftattete ſodann Bericht über den zei- Zur Beglaubigung: F. Warnecke.
tigen Stand der Vereinscaſſe, legte Rechnung über die von 1.
Januar bis ult. Juli er. gehabten Einnahmen (151 Thlr. 5 Peilräge zur Henealogie
Sgr.; außerdem noch rückſtändig pptr. 71 Thlr.) und Au- File 4.5 2 .
gaben (95 Thlr. 7 Sgr. 3 Pf.) und überlieferte den Saldo einiger Rheiniſch⸗Riederländiſcher
im Betrage von 55 Thlr. 27 Sgr. 9 Pf. an den Schatz⸗ familien Eu
meiſter, welcher — nach Prüfung der Beläge und Durchſicht ii “
der Rechnung — für den bisherigen Rechnungsführer die ſta⸗ Baſtogne, zu deutſch Baftenad).
tutenmäßig zu ertheilende Decharge erwirkte. Dieſes alte und reiche Geſchlecht fehlt bei Fahne gänzlich.
Ber dieſer Gelegenheit kam es zur Sprache, daß von den Einige Perſonen kommen in den verſchiedenen Schriften des
52
Oberlehrers Anix vor; ſo z. B. 1442 Emmerich von B.
und ſeine Frau Johanne, Tochter von N. von Buck und
Johanne von der Roitzſchen. — Folgendes genealogiſche
Bruchſtück iſt aus dem Staatsarchiv zu Lüttich zu documentiren:
Heinrich von Baſtenach Herr zu Vogelſanck,
heirathete Beatrix de Clermont de Harzee (Tochter von
Wery de Clermont de Harzee, hautvoué de Fran-
chimont + 1365 und Johanna von Julemont.) —
Beide lebten 1382. Nach Hein rich's Tode vermählte ſich Be⸗
atrix mit Dietrich von Engelsdorf, und ſtarb vor
1415. — Der Name Harzee erſcheint nun dieſe Zeit gewöhnlich
in Henste corrumpirt. Hein ich und Beatriz hinterließen:
Gerhard von Baſtenach Herrn zu Vogelſanck, der
ſich mit Eliſabeth Gräfin von der Marck vermählte.
Sie war die Tochter des Grafen Engelbert von der Marck
und der Eliſabeth von Hamal zu Lauvirval und ſtarb
vor 1420. Ihre Kinder:
1) Johanna von Baſtogne heirathete vor 1420
Johann von Orley. —
2) Heinrich von Baſtogne Herr zu Vogelſanck
lebte noch 1438 und war mit Eli ſabeth von
Merode-Frankenberg (der Tochter Andreas des
erſten u. der Gertrudis von Frankenberg)
verheirathet. Er hinterließ nur folgende zwei Töchter:
1) Iſabella, welche den Freiherrn Richard von
Merode-Frentz heirathete, aber am 11. November
1445 kinderlos ſtarb und im Kreuzgange des Kloſters
zu Burtſcheidt begraben liegt; —
2) Bona, erhielt in der Folge Vogelſanck und hei⸗
rathete 1436 Gaub in (S Gobelinus, Göbel)
von Elter (franzöſiſch d’Autel) zu Sterpen ich. —
Das Wappen der Baſtogne zeigt zwei weiße Leoparden
in roth und im weißen Oberwinkel einen ſchwarzen Hahn. —
Vertolf von Belven.
Die Familie ſchrieb ſich ſpäterhin Belven von Bertolf
und noch ſpäter Beelen von Bertolf. Ich finde folgendes
Bruchſtück: Johann Bertolf von Belven, Ritter, 1460
Schöffe zu Aachen, heirathete Agnes von dem Panhus
genannt von Kettenis, und hinterließ:
1) Johann Bertolf von Belven, der um 1493 lebte
und Margaretha von Birgel heirathete; ſeine Kinder
waren: Johann, der keine Nachkommen von Eliſabeth
von Schwarzenberg hinterließ, und Johan na, die
ſich mit Johann von Crümmel genannt Nechters⸗
heim vermählte. —
2) Odilia, heirathete Johann von Dobbelſtein zu
Eynen burg. —
3) Simon, 1482 — 1493, zeugte mit Agnes von
Crümmel:
1) Achilles. In Bezug auf ihre und ſeine Nachkommen
verweiſe ich auf Fahne 1. u. II., bemerke jedoch, daß
ſein Enkel Simon nicht mit Margaretha Schall
von Bell, ſondern mit Eliſabeth Schuyl von
Wallhorn (Tochter von Wynaud u. Eliſabeth von
Tiffelt) vermählt war. —
2) Reinhard, welcher 1533 noch lebte aber 1538 todt
war, heirathete Chriſtina von Rolandswerth.
Seine Descendenz ſteht bei Fahne I.
3) Everhard, von welchem unten.
4 Simon. f
5) Scheiffart.
6) Agnes. Die drei letzteren find bei Fahne I. erwähnt.
Everhard Bertolf von Belven, Mitherr zu Ruyff—
lebte noch 1533. Er hatte zweimal geheirathet; erſtens Marie
von Sanect⸗Vith und zweitens Margarethe von
Doenrath (Tochter von Ghis lain und Margarethe
von Hoven). Die erſte Ehe war unfruchtbar, aus der
zweiten entſproſſen:
1) Ever hard, fiel bei Thionville.
2) Baltaſſar, ſtarb unverheirathet.
3) Agnes, heirathete Leonhard von Gül pen, Sohn
von Frambach u. Marie von Eys genannt von
Beusdael. —
4) Johann, Mitherr zu Ruff, ſtarb im hohen Alter
1630 am 18. Dezember. Er hatte ſich am 4. November
1598 mit Franziska von Sainte-Fontaine (Tochter
von Olivier und Angelique Radoux des Pre) ver⸗
mählt und hinterließ folgende Kinder:
1) Jo hann, von dem hernach. —
2) Adolf, Domherr zu Aachen.
3) Agnes, heirathete 20. Juni 1621 Chriſtian von
Woeſtenrath, Sohn von Chriſtian u. Maria
von Haultepenne. —
A) Angelique, ſtarb unvermählt. —
5) Maria, Nonne zu Aachen. —
Johann Bertolf von Belven, Herr zu Ruyff und
Baelen, vermählte ſich am 28. Februar 1634 mit Maria
Iſabella von Haultepenne (Tochter von Philipp u.
Suſanna de Frerot genannt von Guyencourt) u. hinterließ:
1) Johann Philipp Bertolf von Belven Herr zu
Ruyff und Baelen, hinterließ von Charlotte von
Boccop (Tochter von Ernſt und Anna Veronica
von der Ehren genannt von Birgel) Erbin zu Birgel:
Johann Chriſtof Bertolf von Belven, Herr zu
Ruyff, Baelen und Birgel, präſentirte folgende
ſechszehn Ahnen: Bertolf v. Bel ven, Doenrath,
St. Fontaine, Raboux des Prez, Haultepenne, Zoute
genannt Lacy, Frerot de Guyencourt, Haynin,
Boccop, Oldenbarnevelt, Spiering, Konnen
von Segenwerp, von der Ehren, Birgel,
Kolff von Vettelhofen, Spies von Büllesheim. —
2) Wilhelm, heirathete Anna Catharina von
Schwarzenberg und hinterließ eine Tochter Mar ia
Magdalena (geboren 1675 geſtorben 1745) welche ſich
1709 mit Johann Siegmund von Lamboy de
Rave (geboren 1656 geſtorben 1722) vermählte. —
Weiter vermochte ich die Abſtammung nicht fortzuführen.
In Azevedos großem Werke „Genealogie de la maison
van der Noot“, in dem „Nobiliaire“ von Vegiano nnd
in den „Tombes“ von Hercken rode, findet ſich noch
Manches über dieſe Familie, was ich aber leider an das Obige
nicht anzuſchließen vermochte. — f
Brakel. |
Franz Georg Ignaz von Brakel, mit welchem Fahne
ſeine Genealogie dieſes Hauſes beſchließt, ſtarb 1791 und
hinterließ von Wilhelmine Thereſe von Haxthauſen.
einen Sohn Ferdinand, deſſen weitere Descendenz das frei
herrliche Taſchenbuch aufführt. — Franz Georg Ignaz
hatte noch zwei Brüder, die bei Fahne fehlen, nämlich Georg
u. Wilhelm. — |
53
Engelsdorf.
Wir haben oben (ſub Baſtogne) geſehen, daß
Beatrix von Harzee in zweiter Ehe den Dietrich von
Engels dorf heirathete und vor 1415 ſtarb; im genannten
Jahre vermählte ſich Dietrich nämlich zum zweiten Male mit
Alize von Malberg und hinterließ aus dieſer Ehe unter
anderen Kindern eine Tochter Margarethe, vermählt mit Johann
von Fiſchbach, deſſen Vorfahren bereits im 11. saec. im
Luxemburgiſchen ſeßhaft waren. — Das Wappen der Harzee
findet ſich in Veſſel's armorial du Luxempourg, Arlon
1868. — Der erfte Harzee den ich auffinden konnte tft
Louis de Walcourt, dit de Clermont-Harzée, der im
Jahre 1321 ſtarb und mit Jsabella de Bellestre (geſtorben
1350) vermählt war. Er iſt der Großvater der Beatrix;
ihre mütterlichen Großeltern waren Simon de Julemont
und N. N. d’Ouffey. — Beatrix hatte eine Schweſter
Eliſabeth, vermählt mit Wilhelm von Mombeck, der in
erſter Ehe Beatrix von Pittingen, Tochter des Herrn von
Sevenborn, geheirathet hatte. —
Johanna von Clermont-Harzee, wie es ſcheint die letzte
der Hauptlinie, heirathete um 1420 Jacob von Beaufort-
Celles, deſſen Nachkommen ſich auch mitunter Beaufort-
Harzee ſchrieben. 1
Gülpen.
Die Genealogie dieſes ſehr weit verzweigten Geſchlechtes
iſt noch äußerſt unklar und finden ſich ſehr wenige authentiſche
Quellen darüber vor:
Alard von Gülpen Herr zu Rosmelle (= Roſ⸗
müblen) ſtarb vor 1512, in welchem Jahre feine Gattin
Catharina von Neufchateau mit Johann von Beau-
fort de Celles dit de Harzee (geſtorben 1520, in zweiter
Ehe 1519 mit Philippine von Bouzenton, Wittwe des
Johann von Spontin, vermählt) zur zweiten Ehe ſchritt.
Sie ſtarb 1516. Ihre Eltern waren Johann von Neuf-
chateau und Catharina von Xhénémont, deren Mutter
eine Bergh von Trips war. — Alard und Catharina
hinterließen einen Sohn Frambach und eine Tochter Catha—
rina. Erſterer heirathete Anna Pfingſten“) von Al-
ſteren, Tochter von Johann von Alſteren, der mehre-
male Bürgermeiſter von Lüttich war, und von Margarete
von Hamal zu Soi je. Fahne hat irrthümlich den Namen
der Mutter auf die Tochter übertragen. Frambach beſaß Ros-
melle, Neufchateau und Wodemont (deutſch Walden:
burg.) Seine Kinder waren:
1) Frambach, vor dem hernach.
2) Wilhelm, deſſen Nachkommen ich nach denen Fram—
bachs anführen werde.
3) Adolf Herr zu Neufchateau war mit Joſina von
Oultremont vermählt und ſtarb am 1. Mai 1557.
Sein gleichnamiger Sohn war erſtens mit Catharina
von Schwarzenberg und zweitens mit Maria von
Waes verheirathet. Er hat jedenfalls Nachkommen gehabt
über die jedoch bisher nichts Sicheres aufzufinden war.
Mar ia von Waes vermählte ſich in zweiter Ehe mit
Gerhardt von Ans, Bürgermeiſter von Lüttich. —
(Fortſetzung folgt.)
*) Ein merkwürdiger Taufname. In franzöſiſchen Urkunden
wird er ſtets Pentecote geſchrieben, iſt alſo keine Abart von
Philippine wie Fahne glaubt.
Betr. die Adelsmatrikel.
Zu der ſehr intereſſanten und wichtigen Abhandlung
unſers Herrn Redacteurs in Nr. 5 dieſer Blätter,
„Ueber die Errichtung einer Adelsmatrikel,“ erlaube ich
mir folgende Bemerkungen.
Von den bereits beſtehenden Adelsmatrikeln kommt
die Kgl. Württembergiſche der in Vorſchlag gebrachten
am naͤchſten. Dieſelbe tft angeordnet durch kgl. Decret
vom 15. Januar 1818, R. Bl. Nr. 6; vom 3. Januar
180% , DE Nr ;; pom 4, Juli 1825, R Bl. Ne.
37. Sie zerfällt in eine Perſonal- und Real-Matrikel.
In erſterer wird unter folgenden 8 Rubriken der Stand
der ſämmtlichen perſönlichen Verhältniſſe eingetragen:
1) Familien⸗Name; 2) Vorname (aller Familienglieder);
3) Geburtstag und bei Minderjährigen Bezeichnung des
Vormundes; 4) Dienſtverhältniſſe, Titel u. ſ. w.; 5)
Wohnort in- und außerhalb des Königreiches; 6) An-
gabe, welchem Staate jedes einzelne Mitglied als Staats—
bürger angehört; 7) Hinweiſung auf die Realmatrikel;
Beſitzungen im Auslande und ſonſtige Verbindungen
mit fremden Staaten. Immer richtig erhalten wird die
Perſonal-Matrikel durch die von den Gerichtshöfen und
den Oberämtern jährlich zu liefernden Notizen über vor—
gekommene Veränderungen. S. (ungedr.) Miniſt. Erlaſſe
vom 19. April 1832; 29. Sept. 1834; 23. Juli 1836.
IJgn der Real-Matrikel find nur enthalten ſolche Be—
ſitzungen, auf denen ehemals eine Reichs- oder Kreis—
tagsſtimme ruhte, und Rittergüter; andere liegende
Gründe werden nicht aufgenommen. Die genannten aber
ſind unter folgenden 9 Rubriken beſchrieben: 1) Name
und Beſchreibung des Gutes; 2) politiſche Zutheilung
nach Oberamt und Kreis; 3) auf dem Gute ruhende
Rechte; 4) Steueranſchlag; 5) ungefährer reiner Ertrag;
6) ob Lehen oder Allod? 7) Succeſſions- und Familien-
rechte; 8) Name des Beſitzers; 9) Hinweiſung auf die
Perſonalmatrikel. Conf. R. von Mohl, das Staatsrecht
des Königreiches Württemberg, I. 6 S. 468.
Was unſere bayriſchen Verhältniſſe betrifft, ſo be—
merke ich vor Allem, daß die kgl. Declaration vom 19.
März 1807 nur Beſtimmungen enthält über die ſtaats⸗
rechtlichen Verhältniſſe derjenigen vormals reichsunmit—
telbaren Häuſer, welche kurz vorher der Krone Bayerns
unterworfen worden waren.
Wie ſchon aus dem Wortlaute des im Auszuge
mitgetheilten Adels⸗Edictes von 1808 hervorgeht, haben
wir nur eine Perſonal-Matrikel, welche ihre Unterab-
theilungen nach den bei uns beſtehenden 5 Adelsklaſſen
(Fürsten, Grafen, Freiherrn, Ritter, Edle) erhalten hat.
Die Adels-Matrikel ſcheint bei dem bayr. Adel
keinen beſondern Anklang gefunden zu haben, da die
Friſt zur Einſendung des Materials unter energiſcher
Bedrohung der Säumigen öfters verlängert werden mußte.
Da in Bayern nur diejenigen als adelig anerkannt
ſind, welche in die Adels-Matrikel aufgenommen wur⸗
den, ſo müſſen alle fremde Adelige, welche in bayriſche
Dienſte treten, ſich immatriculiren laſſen. Jeder neue
Eintrag wird durch das Regierungsblatt veröffentlicht.
Die Matrikel wird durch die von ſämmtlichen kgl.
Pfarrämtern und den Familien einzuſendenden Tabellen
über etwaige Veränderungen ergänzt.
Wenn ich mir nun erlaube, bezüglich der in Vor:
ſchlag gebrachten Matrikel einige Modificationen vorzu⸗
ſchlagen, ſo geſchieht dies in der Hoffnung, daß Deutſch—
land in kurzer Zeit nicht mehr in den norddeutſchen
Bund und die ſüddeutſchen Staaten abgegrenzt, ſondern
ein deutſcher Bundesſtaat ſein wird. Hierauf allein
gründen ſich meine Vorſchlägeee
Nach meiner Anſicht mußte die künftige Adelsma—
trikel abgetheilt werden in 1., eine Central- 2., eine
Provinzial-Matrikel.
Die Führung der erſteren wird von einem Depar—
tement des Bundeskanzleramtes beſorgt, iſt gleichſam ein
Repertorium über die Provinzial-Matrikeln, und enthält
daher blos Allgemeines. i N
Die Provinzial⸗Matrikel wird von der betr. Nitter:
bank beſorgt und erſtreckt ſich auf jedes einzelne Samt:
lienglied, unter genauer Angabe der Geburts- und Todes⸗
zeit, Würde, Titel, Vermählung u. ſ. w. Es wurde
hierbei Bedacht darauf zu nehmen ſein, die alte, auf
hiſtoriſcher Abſtammung und Stammesgenoſſenſchaſt be⸗
beruhende Eintheilung Deutſchlands in Kreiſe (Ober—
ſachſen, Niederſachſen, Franken, Bayern, Schwaben u. |. w.)
. 5 En
ie deutſchen Bundesfürſten könnten hierin jeden⸗
falls keine Kränkung ihrer Regalien, ſondern blos eine
Conſequenz des für Norddeutſchland bereits beſtehenden
gemeinſamen Indigenates erblicken. Nach meiner Auſicht
müßte aus demſelben ferner hervorgehen, daß in Zukunft
die einzelnen Regierungen nicht mehr das Recht haben,
zu nobilitiren, ſondern blos die betr. Perſönlichkeiten bei
der Bundesregierung in Vorſchlag zu bringen.
Haben wir dies erreicht, jo müſſen von ſelbſt unſere
Reichsheroldenämter eine beſſere Verfaſſung bekommen.
Sollte ſelbſt der Reichsherold keine genügenden heraldiſch—
wiſſenſchaftliche Kenntniſſe beſitzen, was noch öfters der
Fall ſein könnte, wo dieſes Amt nur als Nebenamt
betrachtet wird, ſo würde er von den Sachverſtändigen
der Ritterbänke gegebenen Falles ſich Rath erholen
müſſen. i x
| Vorläufig müſſen wir uns eine freiwillige Controlle
über die Herolden-Aemter aneignen und die meiſt ſehr (2)
ſinnigen Wappenmalereienſchonungsloskritiſiren. Vielleicht
wird dadurch manchem Stümper ſein Amt verleidet,
oder er ſiebt ſich wenigſkens veranlaßt, gründlichere
Studien zu machen, als in den heraldiſchen Bädekers:
Gatterer u. ſ. w.
Würzburg, im Juli, in
einigen Deutſchlands.
2
2
den Tagen des
Seyler.
Eine Bitte an Freunde der Heraldik.
Schon ſeit Jahren beſchäftige ich mit damit, vereinzelte
Wappen⸗Sagen zu ſammeln. Einige der deutſchen Städte er—
ſchienen bereits vor geraumer Zeit in Weſtermanns illuſtrirten
Monatsheften, jene der Ritter und Edlen, der Freiherrn und
Grafen in der illuſtrirten Zeitung zu Leipzig. An dieſe ſollen
ſich dann jene fürſtlicher Häuſer reihen, welche ins Reine ge—
ſchrieben bei der Redaction ſchon vorliegen.
Der Schreiber weiß recht gut, daß eine Menge dieſer
Sagen erſt entſtanden, nachdem ein Wappen ſchon weiß Gott
wie lang im Gebrauche war. Irgend eine eigenthümliche Schil⸗
desfigur ſuchte ſich das Volk nach ſeiner Art zu deuten und
ſo bildete ſich manche Wappenſage. Damit kann aber noch
nicht der Wunſch mancher Heraldiker Platz greifen, die Wappen⸗
ſagen alle über Bord zu werfen und für leere Erfindungen
auszugeben. Es exiſtiren deren genug, welche das Gegentheil
hievon gerade darthun.
Man wird es mir nicht verargen, daß ich mich ſchon län—
ger mit dem Gedanken vertraut machte, feiner Zeit dieſe Wap—
penſagen alle in einem Werke für ſich erſcheinen zu laſſen.
Um aber entweder Lücken auszufüllen oder manches mir noch
Unbekannte zu erfahren, erlaube ich mir an Freunde der He.
raldik nachſtehende Fragen zu richten:
Aus welchem Grunde führen die Grafen von Cettner
in Roth eine gelbe Heer-(Regiments-) Fahne, deren Spitze
nach rechts oben gewendet und deren Schaftende abgehauen iſt?
Wie kommt es, daß im blauen Wappenſchilde der Grafen
von Bethlen eine gekrönte und aufwärts ſteigende grüne
Schlange einen Reichsapfel im Munde hält?
Warum hat der Fürſt Palffy von Erdöd in ſeinem
blauen Wappenſchilde ein halbes gelbes Rad (mit fünf Spei⸗
chen), das dem grünen Dreiberg am Fuße entſteigt und warum
wächſt ein ſtattlicher gelber Hirſch aus dieſem Rade hervor?
Derſelbe Edelhirſch erſcheint gleichfalls im Herzſchild der Gra—
fen von Erdödy.
Was erzählt man ſich davon, daß im blauen Schilde der
Grafen von Csaky das vom Rumpf getrennte blutige Haupt
eines noch jugendlichen Mannes zu ſehen? Eine rothe mit
weißem Pelz verbrämte Mütze ziert ſein Haupt und dicke Bluts⸗
tropfen entquellen dem Halſe.
Wie läßt ſich das erklären, daß die Grafen von Bub na
im erſten gelben Halbfeld ihres Wappens eine Trommel
führen, deren Sarg gelb, blau und roth iſt. Wir wiſſen
wohl, daß der Ausdruck Bubna im Slaviſchen eine Trommel
bezeichnet, wie kommt aber die genannte Familie dazu, ſich
dieſen Namen beizulegen?
Das Schild der Freiherrn von Hotowetz, von Huſſenitz
und Loewenhaus iſt ſchräg in Schwarz und Roth durch einen
weißen Bach getheilt. Im unteren Felde vertheidiget ein gel—
ber Löwe mit einem Banner in den Pranken auf das Ent⸗
ſchiedenſte einen zuſammen ſtürzenden Wall. Hinter dem Löwen
erblicken wir eine Stadt in hellen Flammen. Warum das?
„Aus Zufall,“ antwortet mancher, dem Wappenſagen und
Wappendeutungen ein Gräuel ſind.
Ich hätte noch mehrere derartige Kümmerniſſe am Herzen,
allein ich will mich für diesmal beſcheiden. Etwaige Auf—
ſchlüſſe oder Mittheilungen könnten entweder in der Correſpon—
denz des „Deutſchen Herolds“ ihre Erledigung finden, oder nach
Regensburg an den Bittſteller geſandt werden, an den Sekretär
des hiſtoriſchen Vereins der Oberpfalz Herrn
Hans Weininger.
Inhalts-Verzeichniß:
Protokoll. — Beiträge zur Genealogie einiger Rheiniſch⸗
Niederländiſcher Familien. — Betr. die Adelsmatrikel. — Eine
Bitte an Freunde der Heraldik. —
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs-Bezirk Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
a
5 us
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Fyphtagiſtik und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde Zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 1—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
2 1 p p ee
Ar. 8. u. 9.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller—
gnädigſt geruht: den Major und Commandeur des
Schleswig⸗Holſtein'ſchen Pionierbataillon's Nr. 9,
Johann Heinrich Cöleſtin Hutter, in den Adel—
ſtand zu erheben. (Publ. 20. Aug.)
Auszug aus dem Sitzungs-Vrotoſtolle des
„Gerold“ vom 7. September 1870.
Es hatten ſich 11 Mitglieder eingefunden.
Zunächſt wurden mit dem Protokolle der letzten
Sitzung die zahlreich von verſchiedenen correfpon-
direnden Mitgliedern eingegangenen Zuſchriften
vorgeleſen, nach welchen der Verein das beſte
Gedeihen ſeiner Thätigkeit hoffen darf. Zugleich
gab der Schriftführer auf eine an denſelben ge—
richtete Anfrage über den Zweck der Zutheilung
auswärtiger Mitglieder in eine der drei Seeti—
onen, im Einverſtändniß der Anweſenden, die
Erklärung ab, daß damit weder eine Theilnahme
dieſer Mitglieder an den Berathungen, noch die
Verpflichtung des Vereins zur Zuſendung der
Acten — wie dies als erforderlich in dem qu.
Schreiben dargeſtellt ſei — ausgeſprochen ſein
könne. Allerdings habe der Verein bei der Auf—
nahme correſpondirender Mitglieder ſtillſchweigend
vorausgeſetzt, daß dieſelben nach beſten Kräften
jenem ihre Unterſtützung angedeihen laſſen werden,
und bis jetzt habe ſich auch dafür das lebhafteſte
Intereſſe durch Zuſendung von Artikeln ze. ge⸗
zeigt. Die Aufforderung zum Eintritt in eine der
Sectionen habe aber zunächſt den Zweck, zu er⸗
S, Berlin, im September 1870. D
1. Jahrgang.
fahren, nach welcher Richtung hin das aufgenommene
Mitglied thätig geweſen und erforderlichen Falls
im Stande ſei, etwa wünſchenswerthe Aufſchlüſſe
in dieſer oder jener Weiſe zu ertheilen. Die
Zweckmäßigkeit dieſer Einrichtung ſei auch bereits
erwieſen, und erſcheine es ſogar wünſchenswerth,
daß die auswärtigen Mitglieder über die in
ihrem Beſitz befindlichen Sammlungen ꝛc. dem
Vereine Mittheilungen machten. Um dies nach⸗
träglich vielleicht noch zu erreichen, wurde bean⸗
tragt, die vorgenannte Erklärung auch in dem
Protokoll⸗Auszug für den „Herold“ aufzunehmen
und ſo in weiteren Kreiſen zur Kenntniß zu
bringen. 755
Sodann erfolgte die Aufnahme folgender
Herren zu correſpondirenden Mitgliedern; auf den
Antrag:
a) des Herrn Guſtav Seyler zu Offen—
hauſen:
1) Oscar Ritter v. Schellerer, kgl. bair. Kammer⸗
herr und Oberpoſtmeiſter zu Würzburg;
b) des Herrn Schatzmeiſters:
2) Paſtor und Superintendent Ludw. Aug. Th.
Holſcher zu Horka bei Nieſky und
c) des Schriftführers:
3) der Kgl. Oberförſter v. Bernuth zu Jäger⸗
hof bei Wolgaſt.
Der Herr Vorſitzende überreichte eine Samm⸗
lung von 502 etwa zu Ende des 17. Jahrhun⸗
derts gemalten Wappen verſchiedener Patricier⸗
Geſchlechter zu Nürnberg als Geſchenk für die
Bibliothek; dann legte der Herr Lieutenant Gritz⸗
ner das Statut eines unter dem Namen „Adler“
in Wien gegründeten heraldiſchen Vereins den
Anweſenden zur Kenntnißnahme vor. Allgemein
wurde das Inslebentreten dieſes Vereins begrüßt
und die ſehr erfreuliche Thatſache conſtatirt, daß
man für Heraldik, Sphragiſtik und Genealogie
immermehr Sympathien finde und daher die
Zeit wohl nicht mehr fern ſei, wo dieſe ſo oft
verkannten Hülfswiſſenſchaften der Geſchichte
überall die verdiente Anerkennung finden werden.
Mehrfach auch von auswärts geäußerten
Wünſchen entſprechend wurde beſchloſſen, die letzte
Seite des Vereinsblattes neben anderen Inſer⸗
tionen auch durch Mittheilungen von Geburts-,
Heiraths⸗ und Todes⸗Anzeigen, im genealogiſchen
und pecuniären Intereſſe, auszufüllen. Der Hr.
Lieutenant Gritzner erbot ſich ſofort, aus mehreren
hieſigen Zeitungen das Material zu ſammeln,
da nicht anzunehmen ſei, daß von Seiten der betr.
Familien, wenigſtens im Anfange, unſer Blatt
Unterſtützung und Benutzung finden werde; wobei
die geringe Verbreitung der Annonce ein weſent⸗
liches Moment bilde. Der practiſche Nutzen
ſolcher Veröffentlichungen wurde vereinsſeitig an⸗
erkannt, und — unbeſchadet wichtigerer Zwecke
des Blattes — die Ausführung dadurch für ge:
ſichert erachtet, daß ſtatt der großen, bis jetzt zur
Verwendung gekommenen Typen, kleinere ge⸗
nommen werden möchten. Der Schriftführer
wurde veranlaßt, mit der Redaction ſich dieſer⸗
halb in Verbindung zu ſetzen und die nöthigen
Anordnungen wegen Ausführung des Beſchluſſes
zu treffen.
Schließlich ſtellte man noch zur Erwä⸗
gung, ob es nicht in Rückſicht auf die faſt in
jeder Zeitung ſich jetzt findenden Vorſchläge über
Wappen und Flagge des zukünftigen Deutſchen
Reichs und jenen zum Theil ohne alle Sach⸗
kenntniß geſchriebenen Artikeln gegenüber,
gewiſſermaßen Pflicht eines heraldiſchen Vereins
ſei, ſeine Meinung zu äußern. Da man mit,
Stimmenmehrheit dieſem Antrage die Zweck-
mäßigkeit zuſprach, ſo wurde, zur Berathung
des Gegenſtandes, auf Mittwoch, den 14. d. Mts.
eine außerordentliche Zuſammenkunft anberaumt
und damit die heutige Sitzung geſchloſſen.
Zur Beglaubigung:
F. Warnecke.
.
Bereits im vorigen Jahre war von zahlrei⸗
chen Mitgliedern der damals in Regensburg ta-
genden Generalverſammlung des Geſammtverein's
der deutſchen Geſchichts⸗ und Alterthums⸗Vereine
unter reger Betheiligung eine ſpecielle Section
für Numismatik, Sphragiſtik und He⸗
raldik gebildet. Da viele der Mitglieder dieſer
Section jetzt dem „Herold“ angehören und Abon⸗
nenten unſeres Vereinsblattes ſind, ſo hatten
wir die Abſicht, zu der diesjährigen Generalver⸗
ſammlung, welche durch den Verwaltungs⸗Ausſchuß
(ſiehe Correſpondenzblatt Nr. 6 d. J.) zum Sep⸗
tember nach Naumburg a. S. einberufen war,
unſere Leſer einzuladen, um als Mitglieder der
heraldiſchen Section dieſes Congreſſes der Deut⸗
ſchen Archäologen, unter denen ſich ſo zahlreiche
Heraldiker finden, über verſchiedene Fragen und
Angelegenheiten unſerer Wiſſenſchaft zu berathen.
Bereits waren, auf vertrauliche Anfragen, mehr⸗
ſeitig zuſtimmende Antworten eingelaufen, als
der Krieg ausbrach, und in Folge deſſen der
Verwaltungsausſchuß es für rathſam erachtete,
die Verſammlung auf das nächſte Jahr zu ver⸗
ſchieben. f
Eine der wichtigſten für die heraldiſche See⸗
tion zur Berathung zu ſtellenden Angelegenheiten
war die Frage über Erzielung einer einheitlichen
deutſchen heraldiſchen Terminologie. In Bezug
hierauf ging uns, als Vorlage für den Naum⸗
burger Congreß, der untenſtehende Aufſatz eines
eifrigen Mitarbeiters zu; wiewohl die mehrer⸗
wähnte Verſammlung nun erſt im folgenden Jahre
ſtattfinden wird, glauben wir dennoch denſelben
hier mittheilen zu müſſen, da es nur gut ſein
kann, wenn die angeregte Frage allſeitig reiflich
erwogen, und Jedem Gelegenheit gegeben wird,
ſeine wohl durchdachte Anſicht geltend zu machen.
Bezüglich hierauf verweiſen wir auf den nach⸗
folgenden „Aufruf.“
Die endgültige Entſcheidung über einzelne
Meinungsverſchiedenheiten dürfte wohl am Beſten
auf einer Zuſammenkunft der Deutſchen Hera
diker, wie ſolche uns das nächſte Jahr hoffent⸗
lich bringen wird, herbeigeführt werden. |
Aufruf
an die Deutſchen Heraldiker.
Es iſt wohl keinem der Jünger der Heraldik
welche ſich mit Beſchreibung gezeichneter oder
Zeichnung beſchriebener Wappen befaſſen, unbe:
kannt, wie ſehr ſchwer es oft iſt, Wappenblaſo⸗
nirungen zu verſtehen, und andererſeits, ſelbſt
bei ziemlicher Kenntniß alter Waffen und Ge⸗
räthſchaften, manche Wappenfigur zu enträthſeln
und richtig zu benennen, oder den beſten Aus⸗
druck für ein Heroldſtück zu finden.
unzähligen Anleitungen zur Heroldskunſt von
Spener bis Hefner, ſind wir einer zugleich deut⸗
lichen und kurzen Blaſonirungsweiſe, wie ſie z.
B. die alt franzöſiſche Heraldik ganz vorzüglich
beſitzt, nicht um ein Haar näher gekommen; ja
gerade dieſe Heraldiker von ſo diverſen Schulen
und Anſchauungen haben die Blaſonirungskunſt
wohl bereichert, aber um nichts deutlicher gemacht.
f Um nun allen dieſen Uebelſtänden abzuhelfen,
hat unſer Verein ſich die Aufgabe geſtellt, eine
Beſchreibungsweiſe zu componiren, welche kurz
und bündig aber durchaus klar jedes Wappen
auch dem Laien vor Augen führen ſoll.
„Von dem Guten das Beſte“ und: „viribus
unitis“ ſollen hierbei unſere Deviſen ſein, und
indem wir von allen den bekannten Anleitungen
zur Wappenbeſchreibung das Paſſendſte heraus⸗
nehmen, fordern wir alle ſich dafür In-
tereſſirenden, namentlich die heraldi—
ſchen Schriftſteller, auf, beſondere kurze
Ausdrücke für Heroldsfiguren ꝛc. uns
einzuſenden und hierdurch unſer ſchwieriges
Werk fördern zu helfen.
Die termini technici ſollen alsdann geordnet,
und (wenn es die Vereinskaſſe geſtattet auch mit
Abbildungen verſehen) den einzelnen Nummern
des „Deutſchen Herold“ als Beilage gradatim
beigegeben werden.
Gefällige ſchriftliche Beiträge werden vom
Unterzeichneten mit größtem Danke entgegenge⸗
nommen; wir hegen die Hoffnung, daß die als⸗
dann von uns aufgeſtellte Blaſonirungsmethode
von allen deutſchen Heraldikern angenom⸗
men und auch in dieſer Hinſicht die Einigkeit Deutſch⸗
land's hergeſtellt werden wird.
Berlin, am 20. Auguſt 1870.
Im Auftrage des heraldiſchen Vereins⸗Ausſchuſſes:
Max Gritzner,
Lieutenant a. D.,
Schatzmeiſter des Verein's „Herold“ und Vorſtand der
Section für Heraldik.
Trotz der
57
Ein Beiſpiel: „abgeledigt“ — Ausdruck für einen
Balken, Schrägbalken ꝛc. deſſen Enden die Schildesrän⸗
der nicht berühren. —
Die heraldiſche Terminologie.
Die Wiſſenſchaft der Heraldik Hr nicht allein eine
rein hiſtoriſche, eine Kultur- und Kunſt⸗hiſtoriſche, ſondern
auch eine rein techniſche Seite. Die Wichtigkeit der er⸗
ſteren und letzteren Seite hat man erkannt, ſeitdem die
Heraldik als Wiſſenſchaft beſteht. Da dieſer Zeitpunkt
mit dem Verfall der Heraldik Hand in Hand geht, ſo
iſt unſerm Zeitalter eine Menge von Ungenauigkeiten,
ſinnloſem und überflüſſigem Zeuge überliefert worden,
das uns mehr Mühe koſtet, wegzuſchaffen, als es unſern
Vorfahren ſchwer war, es zu erſinnen. Während nun
die hiſtoriſche Seite in den letzten Jahrzehnten viele und
tüchtige Arbeiter gefunden hat, welche mit dem alten
Wuſte Kehraus machten, ſo iſt die techniſche Seite noch
faſt ganz auf dem alten troſtloſen Standpunkte. Es liegt
dies in der Natur der Sache. Während die hiſtoriſche
Seite einem jeden Einzelnen ein ſelbſtändiges, unab⸗
hängiges Arbeitsfeld bietet, ſo fordert die Technik eine
conventionelle Behandlung und Regelung. Da aber noch
vor Kurzem eine heraldiſche Convention ſehr illuſoriſcher
Natur war, fo konnten wir natürlich hierin keine er⸗
heblichen Fortſchritte machen.
Die techniſche Seite der Heraldik, ſoweit ſie hier
in Betracht kommt, erſtreckt ſich auf die Kenntniß der
in der Heraldik vorkommenden Figuren, und die Fertig⸗
keit, dieſelben richtig und verſtändlich zu beſchreiben, oder
mit anderen Worten auf die Blaſonirung der Wappen.
Da eine ſolche Beſchreibung kurz und bündig ſein
muß, ſo erfordert ſie eine eigene Terminologie. Es iſt
dabei eine Reihe von Regeln zu beachten, welche theils
in dem urſpünglichen Wappenweſen begründet, großen⸗
theils aber durch die Willkür vergangener Jahrhunderte
entſtanden ſind. Die nachmittelalterliche Zeit, welcher
der Verfall der Heraldik angehört, iſt die Urheberin einer
Reihe von Ausdrücken, die den Zweck der Terminologie
gänzlich verfehlen, da es ſich bei dieſem nicht um Schaff⸗
ung von geheimnißvollen (lächerlich -) myſteriöſen Be⸗
zeichnungen, ſondern wie geſagt um ſolche handelt, die
ebenſo kurz als deutlich ſind.
Andererſeits wußten unſere Vorfahren die Grenze,
welche der Terminologie angewieſen iſt, nicht wahrzu⸗
nehmen, indem ſie nicht allein für die Formen, ſondern
auch für die Eigenſchaft (welche nicht mehr der Technik
angehört!) eines Körpers einen ganz überflüſſigen Kunſt⸗
Ausdruck erfanden. Ich erwähne in dieſer Beziehung
nur den Ausdruck „amphibiſch“ für die Eigenſchaft des
Pelzwerkes, daß auf ſolches jede beliebige Farbe oder
Metall geſetzt werden kann.
In der letzen Zeit haben einzelne Heraldiker ange⸗
fangen, in der Terminologie Beben anzubringen,
aber leider nur zu häufig „Verbeſſerungen“ im Sinne
der kaiſerlichen Wappenbriefe des 17. und 18. Jahr⸗
hunderts In anderen Fällen hat man mit vielem Rechte
einen der herkömmlichen Ausdrücke umgangen, und half
58
ſich mit Umſchreibungen oder durch einen andern, beſſern
oder deutlicheren Ausdruck, jedoch meiſt auf Koſten der
Bündigkeit. a
Es fehlen auch nicht Abweichungen da, wo es ſich
um Fundamentalregeln handelt (z. B. bei der Bezeich⸗
nung von rechts und links) die jedoch höchſt ſtörend ſind.
Wir haben aber auch wirkliche Verbeſſerungen erhalten,
und erwähne ich in dieſer Beziehung nur Herrn Dr.
Grote, der ſtatt „geſpalten“ und „getheilt“ die nicht
mißzuverſtehenden Bezeichnungen „hochgetheilt“ und
„quergetheilt“ eingeführt hat.“
Thatſache iſt es jedenfalls, daß wir unter Fortdauer
der dermaligen Verhältniſſe in wenigen Jahren unter
der Scheinherrſchaft der Zopf⸗Terminologie einige
Dutzend ſectireriſche Heraldiker zählen würden, von denen
jeder ſeine eigene Terminologie erfunden hat. Kurz:
wir brauchen eine verbeſſerte Kunſtſprache,
aber wir wollen fie nicht auf dem Wege der Revo—
lution, ſondern der Reformation. Eine ſolche her—
zuſtellen, iſt nicht Sache der Einzelnen, ſondern der
Geſammtheit. Und es wäre dies vor Allem eine
Aufgabe des Naumburger Arhäotogen- Tages;
ich meine nicht daß derſelbe eiue Terminologie ex abrupto
feſtſtellen ſoll, aber es wäre ſeine Sache die Angelegenheit
zu berathen und eine Comiſſion oder eine Perſönlichkeit
mit den Vorarbeiten zur nächſten Verſammlung zu be—
auftragen. f .
Alle Heraldiker und Freunde der Sache möchte ich
freundlichſt bitten, die Angelegenheit in reifliche Ueber⸗
legung zu ziehen.
Würzburg, im Juni 1870. Seyler.
„Adler,“
heraldiſcher Verein in Wien.
Es iſt uns eine beſondere Freude, über einen
wichtigen Fortſchritt unſerer Wiſſenſchaft berichten
zu können, welcher von Neuem bekundet, wie
dieſelbe mehr und mehr zu der ihr gebührenden
Anerkennung gelangt.
Am 10. Mai d. J. hat ſich zu Wien unter
obigem Namen ein Verein gebildet, welcher als
ſeinen Zweck die Pflege der Heraldik, Sphragiſtik
und Genealogie verfolgt; derſelbe hat ſoeben
ſeine Statuten und Beitritts⸗Einladungen ver⸗
ſandt.
Gewiß wird dies Unternehmen allſeitig freudig
anerkannt und in den betreffenden Kreiſen ge⸗
würdigt werden. Wohl darf man demſelben
) Sollte dies wohl eine Verbeſſerung ſein? Einerſeits iſt der
5
Ausdruck „geſpalten“ im Gegenſatz zu „getheilt“ nicht mißzuverſtehen;
„ſpalten“ bedeutet nach allgemeinem Sprachgebrauch: von Oben nach
Unten (der Länge nach) theilen; andererſeits ſcheint uns der Aus⸗
druck: „längsgetheilt“ beſſer als „hochgetheilt.“ Andere ſagen da⸗
für „gelängt“ und „gequert.“ a a
ö A. d. Red.
ein günſtiges Prognoſticon ſtellen — fehlt es doch
weder in Wien ſelbſt, noch in Oeſterreich über⸗
haupt an Männern, denen die Pflege dieſer Hülfs⸗
wiſſenſchaften am Herzen liegt — darunter nicht
wenige, welche als heraldiſche Schriftſteller rühm⸗
lichſt bekannt ſind.
Wir entnehmen den Statuten, daß der
Verein aus ordentlichen, correſpondirenden und
Ehrenmitgliedern beſteht, von denen die beiden
erſteren einen Jahresbeitrag von 5 Fl. ö. W.
zu zahlen haben, ſowie 2 Thlr. für das Diplom;
dieſelben ſind verpflichtet, nach Kräften die Zwecke
des Vereins zu fördern, gewünſchte Auskünfte
zu ertheilen ꝛc.; der aus ſechs Mitgliedern be⸗
ſtehende Vorſtand wird für die Dauer von 2
Jahren gewählt. Vereins⸗Verſammlungen finden
während des Winters monatlich einmal, General-
Verſammlungen am 10. Mai ſtatt. Der Verein
legt eine Sammlung und Bibliothek an, deren
Benutzung den Mitgliedern frei ſteht. Demnächſt
beabſichtigt der Verein eine Zeitſchrift heraus⸗
zugeben, welche, in ähnlicher Weiſe wie der
„Deutſche Herold,“ Abhandlungen über heraldiſche
Gegenſtände, namentlich die K. K. Oeſterreichiſche
Monarchie betreffend, bringen, ſowie über die
Thätigkeit des Vereins Mittheilungen machen
wird. Näheres in Bezug hierauf werden wir
1. Z. berichten, ebenſo über die Publicationen peri⸗
odiſch referiren. i
Somit wünſchen wir dem „Adler“ ein fröh⸗
liches Gedeihen und eine reiche Wirkſamkeit!
Ad. M. H.
Die von Gotfart.
(Zu dem Artikel „Vermiſchtes“ in Nr. 6 d. BL)
Die Frage des Herrn Referenten in dem obigen
Artikel nach dem Beſitzer des mit „D. v. G.“ über⸗
ſchriebenen Wappens kann ſofort dahin beantwortet werden,
daß daſſelbe der — freilich in der gedruckten Literatur
ſehr ſelten, kurz u. oberflächlich berührten — altadeligen
Familie v. Gotfart, deren Name auch Gottfahrt, Gött—
fahrt u. ſ. w. geſchrieben wird, angehöre. Ihr Wappen,
bei Siebmacher J. 179. befindlich, zeigt (wie find auf
dem qu. Leichenſtein die Farben erkennbar?!) auf Bl.
einen w. achtſtrahligen Stern, in deſſen jedem Strahlen⸗
winkel ſich ein kleiner desgl. Stern befindet, während
den Helm zwei von Bl. und W. quergetheilte Büffel⸗
hörner zieren. Vielleicht läßt eine nochmalige genauere
Beſichtigung des Leichenſteins auch das Schild-Emblem
ſo wie es ſein ſoll, erkennen. So wurde es auch von
jeher geführt. Ein vorl. Siegel de 1441 des Hans
„Gotefart, (in der Umſchrift heißt er Hans von G.)
zeigt das vollſtändige Wappen, im Schilde den großen die v. Gotfarth eine Zeit lang begütert waren und welche
mie die kleinen Sterne und auf dem Helm die Büffel⸗
hörner, an deren Außenſeite von Unten her auf Sten⸗
geln zwei Blumen (Dijteln?) emporſchießen. Aeltere
Siegel der Gebrüder Johann und Göge genannt von
Gotfordes (zu Buttelſtedt geſeſſen) de 1362 und des
Hans Gottforde (zu B. geſeſſen) de 1388 ſind nur
Helmſiegel und laſſen die Büffelhörner, an deren Außen-
ſeiten auf kurzen Stengeln 2 Blumen ſtehen, erblicken.
Die Herren v. G. ſind eine alte thuringiſche Fa—
milie, die ſtets in der Nähe der von Marſchall wohnte
und daher auch eine Alliance mit ihnen ſehr wohl ein-
gehen konnte. Ich finde auch eine ſolche, aber aus etwas
ſpäterer Zeit als der Leichenſtein datirt, nämlich eine
v. M. a. d. H. Goſſerſtedt (T. Heinrichs v. M.) als
Gemahlin Andreas' v. G. auf Buttelſtedt und Erdeborn,
das er 1613 verkaufte.
Iſt hiernach anch das 2. Wappen auf dem qu⸗
Leichenſtein richtig überſchrieben, ſo müßte man dies
wohl auch in Betreff des 4. Wappens mit den Schaaf—
ſcheeren erwarten; vielleicht daß eine genauere Inſpection
auch das S. oder V. S als einen anderen Buchſtaben
erkennen läßt; ſonſt könnte zur Deutung des letzteren
Wappens nur angeführt werden, daß die alten ausge⸗
ſtorbenen Herren v. Schlotheim die Schafſcheeren
führten, deren Name aber nicht paßt, da das Geſchlecht
v. Marſchalk ausdrücklich exprimirt iſt.
Die Güter des Geſchlechts v. G., deſſen Namen wir
trotz der ſchon früh vorkommenden Präpoſition für
einen appellativiſchen, von einem nomen personale (wie
Bröſigke u. la. m.) hergenommenen halten, lagen zu
Artern, Alt⸗Beichlingen, Buttelſtedt, Erdeborn, Freyen⸗
Beſſingen, Guttmannöhaufen, Loberſchitz, Lodersleben,
Lütgendorff, Ollendorf, Preiſſitz und Wundersleben. Es
erloſch nicht, wie in Adelslexieis zu finden iſt, im 17.,
ſondern blühte noch im folgenden Jahrhundert. Im J.
1720 lebten der F. S.⸗ Weimar'ſche Oberſtlieutenant
Chriſtoph Friedrich v. G. (verm. mit Wilh. Dorothee
v. Mandelsloh) und der Major Ernſt Heinrich v. G.
auf Erdeborn (verm. mit Chriſtiane Eliſab. v. Geuſau)
und 1724 Ludwig Gruft v. G. (verm. mit Dorothea
Tugendreich v. Germar.)
Der uns vorliegende Stammbaum der Familie weiſt
Alliancen mit den Geſchlechtern v. Brühl, Dernbach,
Germar, Geuſau, Halck, Harras, Lohm, Mandelsloh,
Töpfer, Tümpling, Wettin, Werder und Wurmb auf.
In einer gedruckten Leichenpredigt auf Johanna
Sibylla v. Minckwig geb. v. Bieſenrodt (+ 6.
November 1707) heißt deren Ururgroßmutter Anna v.
Landwüſt, Gemahlin Heinrich's v. Bieſenrodt auf
Schkortleben.
Uebrigens ſaß nicht fern von denen v. Gotfarth ein
anderes Geſchlecht v. Marſchall, das öfter mit den Thü⸗
ringiſchen Erbmarſchällen zu Goſſerſtedt, Alten⸗Gottern
dc. verwechſelt wird und im Schilde einen Querbalken,
auf dem Helm zwei auswärts mit Federchen beſteckte
Büffelhörner führte, wie mehrere vorliegende Siegel aus⸗
weiſen. Dieſer Familie gehörten im 16. u. 17. Jahrh.
Rittergüter zu Querfurt, Brücken und an anderen Orten.
Die Herren v. Guttmannshauſen, in deren Urſitz
zu, und laſſen wir
nicht mit den Marſchällen von Gutmannshauſen, d. h.
den Thüringiſchen Erbmarſchällen auf Holzhauſen, Alten:
Gottern, Herrengoſſerſtedt ꝛc. zu verwechſeln ſind, führten
nach Ausweis eines Siegels aus dem 17. Jahrh. ein
Wappen, deſſen Schild ſchräglinks wellenförmig getheilt
iſt mit daraus hervorſpringendem Löwen, während der
Helm (nach einem Siegel des 14. Jahrh.) einen Buſch
Reiherfedern zeigt. G. A. v. M.
Faſt gleichzeitig mit Vorſtehendem ging uns, die⸗
Angelegenheit betreffend, der nachſtehende Artikel
denſelben hier unmittelbar ſich an⸗
ſelbe
ſchließen.
In Nro. 6 uunſeres Vereinsblattes iſt unter der
Rubrik: „Vermiſchtes“ eine Frage angeregt, welche ich
mich verpflichtet halte, kurzer Hand dahin zu beant⸗
worten: g
Im blauen Schilde führt das alte Geſchlecht derer
von Göttfahrt in Thüringen den weißen ſechsſtrahligen
Stern, als Kleinod dagegen, den Farben des erwähnten
Bildes entſprechend, weiß⸗ blau und blau⸗weiß gewech—
ſelte Büffelhörner, (ein Hülfskleinod.) Die auf dem ge⸗
ſchilderten Grabmonumente gemeinte D. mag Dorothee
oder Deborah von Göttfahrt geheißen haben, da dieſe
Namen unter den Thüringer Familien zn Ende des ſechs⸗
zehnten Jahrhunderts faſt allgemein verbreitet waren.
Als bekannt darf ich annehmen, daß das Göttfahttiſche
Geſchlecht, welches zu Buttelſtädt bei Weimar begütert
war, in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
erloſch. Hans Chriſtoph und Hans Georg, Weimariſche
Räthe, unterſchrieben ums Jahr 1590 mit Anderen von
der Brüderſchaft ein Gelöbniß wider das Fluchen. Cas⸗
par von Göttfahrt war zur nämlichen Zeit ein angeſe⸗
hener Herr am Hofe Herzog Caſimirs von Coburg, ver⸗
mochte aber in die damals zerrütteten Finanzverhältniſſe
jenes Fürſten keine Ordnung zu bringen und überließ
jene Aufgabe dem herzoglichen Stallmeiſter Ulrich von
Lichtenſtein, der auf eine ſo traurige Weiſe in die durch
den Magier und Alchymiſten Jeronimo Scoto ge⸗
ſpielte Intrigue mit der unglücklichen Herzogin Anna
verwickelt war, und ſeinen Unbedacht mit 36 jähriger
Kerkerhaft in einem dem Coburger Kirchhof benachbar⸗
ten Thurme büßte, bis erſt Wallenſtein den inzwiſchen
ſtumpfſinnig gewordenen wieder in Freiheit ſetzen ließ.
Ein Göttfahrtiſches Grabmonument befindet ſich im
Dom zu Naumburg und liegt eine Copie deſſelben dem
Verein im Manuſcripte vor; daſſelbe zeigt einen ſchwer—
gepanzerten Ritter, jedoch ohne Helm, zu Häupten das
Wort: „Auferſtehung.“
as nun die Frage wegen der Buchſtaben oder
Namens⸗Abbreviationen, „E. v. S.;“ unter dem Mar:
ſchalliſchen Schilde anbelangt, jo iſt darauf Folgendes
zu antworten:
Das alte Dynaſtengeſchlecht derer von Ebersberg
am Harz theilte ſich ſchon früh in verſchiedene Linien
und zog ſich durch ganz Thüringen bis nach Franken,
auf achtzehn bis zwanzig verſchiedenen Punkten anſehn⸗
lichen Grundbeſitz erwerbend.
60
Zur Regierungszeit des
in den beiden thüringiſchen
würde und das Erbtruchſeſſenamt am
auf der Wartburg übertragen N
Die Linien zu Herrengoſſerſtädt (nachmals Alten⸗
gottern und Burgholzhauſen, bekleideten das Marſchall⸗
amt, ein jüngerer Zweig gehörte zu den erſten dapiferis
de Slatheim oder Schlotheim.
Erſt ſpäter find den Letzteren anderweite
Herren von Schlotheim gefolgt, welche nicht in Weiß
die beiden rothen Schaafſcheeren führten, ſondern in glei»
chem Felde den geſtürzten Schild, nach Andern ein mit
Schlöten geziertes ſchwarzes Schloß oder Caſtell.
ö Unbezweifelt iſt es, daß die erwähnte jüngere Linie
der Ebersberger Dynaſten in Schlotheim bei Mühlhau⸗
ſen in Thüringen das Münzrecht beſaß.
Sie ließen Bracteaten prägen, welche, nach Sitte
der Zeit, einen geharniſchten Ritter zu Roß darſtellten,
der eine erhobene Rennfahne oder Banner führt, indeß
ſein Dreieckſchild eine der Marſchalliſchen Schaaf⸗
ſcheeren weiſt.
(Man vergleiche v. Poſern⸗Klett, Sachſens
Münzen im Mittelalter, Leipzig 1846, Band J., Tafel J.)
Um dem Cours ihrer Münzen Vorſchub zu leiſten,
ahmten die Schlotheimer Münzherren die Gepräge der
benachbarten Reichsſtadt Mühlbauſen nach und beglei⸗
teten das Bild des reiſigen Bannerträgers mit einem
Mühleiſen, das wie ſchwebend über der Croupe des Pfer—
des angebracht wurde.
Hierdurch wurden die Bracteaten denen der erwähn⸗
ten Reichsſtadt ungemein ähnlich, — das einzige Un⸗
terſcheidungszeichen bildeten die Schaafſcheeren, dergeſtalt,
daß der Magiſtrat ſich zur Erhebung einer Klage beim
Thüringiſchen Landesgerichte, (unſeres Wiſſens zu Mit⸗
telhauſen bei Erfurt, nach v. Poſern a. a. O. S. 153
jedoch zu Erfurt ſelbſt.) veranlaßt ſah. Die Folge war,
daß den erwähnten Herren von Schlotheim geboten wur:
de, in Zukunft nur das Marſchalliſche Familienwappen,
die Schafſcheere, dem Reiter in den Schild zu ſetzen, bei
ſchwerer Strafe aber ſich hinfort des Mühlhäuſer Stadt⸗
wappens auf ihren Münzen zu enthalten.
Merkwürdig iſt, daß die Schlotheimer Herren noch
den Zunamen Slune (Schlaun) führten, und ſich urkund⸗
lich noch bis ins J. 1330 N. N. Slune de Slatheim
ſchrieben, in welchem Zeitraum ſie Schloß, Münze und
Güter an die Grafen Hohenſtein verkauften, von wel⸗
chen daſſelbe auf die Herren von Hopffgarten gekommen
iſt, die jedoch vom fraglichen Münzrecht nie Gebrauch
gemacht haben, während die thüringer Marſchälle noch
zu Eckartsberge eine anderweite Münzſtätte lang im
Gange erhielten.
Pietätsvoll hat dieſe letzte Linie den vollen Namen
Marſchall von Eckartsberge geführt, wie überhaupt die
18 in Thüringen bis nach der Mayngegend zerſtreuten
Zweige der Geſammtfamilie, unter Letzteren die Mar⸗
ſchälle von Sonnenfeld und die Marſchälle von der
Schney, ſich jenes Epithetons nimmer entäußerten.
Nur die Grafen Giech zu Hohenthurnau, haben,
trotz Beibehaltung des Wappens, der beiden Schaafſchee—
ren, den Namen oder Marſchallstitel nicht weiter ge⸗
Kaiſers Lothar ward ihnen führt, erkennen dagegen den gemeinſamen Stammvater
Hauptlinien die Marſchalls⸗
Lan dgrafenhofe
x
Chonimundus oder Kühnemund auch als Begründer ihres
Hauſes an.
Ob nun die im erwähnten Artikel des Vereins⸗
blattes erwähnten drei Buchſtaben E. v. S. den Namen
Slune, Schlaun, von Schlotheim, von Sonnenfeld oder
von der Schney bedeuten ſollen, vermag ich nicht anzu⸗
geben, glaube aber auf die mit außerordentlicher Ge⸗
wiſſenhaftigkeit geführten Familienregiſter und Stamm⸗
tafeln meines verehrten ſeeligen Freundes, des Königl.
Kammerherrn Julius Auguſt Marſchall zu Schloß Alten⸗
gottern bei Langenſalza, hinweiſen zu dürfen, die deſſen
älteſter Sohn, der Königl. Landrath daſelbſt, gewiß zur
Einſicht offen halten wird.
Schloß Neuſcharffenberg in Thüringen, den 15.
Auguſt 1870. Ludwig Graf Uetterodt.
Beiträge zur Genealogie einiger Aheiniſch-
Niederländiſcher Jamil ien.)
(Fortſetzung.)
4) Catharina, heirathete erſtens Hermann von Eys
genannt Beusdael und zweitens Leonhard von dem
Hofe. Aus erſter Ehe ſtammt Johanna von Eys ge⸗
nannt Beus dael, Gemahlin des Johann von Eynatten
zu Obſinnig und Mutter der Barbara von Eynatten
die ſich, wie wir unten ſehen werden, mit Fram bach von
Gülpen, Herrn zu Wode mont, vermählte. —
Frambach von Gül pen, ältefter Sohn Fram b ach's
und der Anna Pfingſten von Alſteren, erhielt das Gut
Rosmelle und heirathete Marie von Eys genannt Beusd ael.
Sein Sohn Leonhard Herr zu Neuharen und Rosmelle
hinterließ von Agnes Bertolf von Belven nur eine Tochter,
welche 1624 dem Heinrich von St. Fontaine und Geneffe
ehelichte. Rosmelle aber fiel, wahrſcheinlich als Mannlehen
an die jüngere Linie. —
Wilhelm von Guͤlpen, zweiter Sohn des älteren
Frambach, beſaß Wodemont u. war Gouverneur von
Limburg. Seine Frau war Anna von der Heyden ge⸗
nannt von Belderbuſch, deren Mutter eine Cortenbach.
Wilhelm's Sohn: N
Fram bach von Gülpen Herr zu Wo dem ont und
Präſident des Lehnshofes von Lim burg, heirathete ſeine Ver⸗
wandte Barbara von Eynatten lefr. oben) und zeugte
mit ihr:
1) Johanna, vermählt mit Johann Hoen von Cartils
Herrn zu Rummen. — |
2) Hermann Friedrich von Gülpen Herr zu Har-
lue, As, Rosmelle und Stockem, welcher am 16.
Jauuar 1652 ſtarb; ſeine Gattin Anna von Heyen⸗
ho ve (Tochter von Werner und N. von Gülpen)
war ihm bereits am 19. April 1641 vorausgegangen.
Beide liegen zu Harlue begraben. Ihre Ruheſtätte war
mit 64 Ahnenwappen geziert, die aber leider theils an und
für ſich falſch, theils ſo regellos geſtellt ſind, daß es ſchwer
halten dürfte ſie jemals zu rectificiren. — n
*) In Folge einer Reife des Hrn. Bf. hatte ſich die Correctur des
erſten Theils dieſes Artikels in Nr. 7 perſpätet und ſind in Folge deſſen
einige Druckfehler ſtehen geblieben. Man leſe S. 52, I., 3. 1: Ruir
ft. Anix; 3 7: Hautvoué ſt. hautvoué; II. 24 v. u. Radoux ft. Raboux.
61
Hermann Frie drich's Tochter Anna Margaretha
von Gülpen Erbin zu Harlue heirathete am 16. März
1654 Philipp Anton von Gavre-Lidekercke, vicomte
de Bailleul.
Zu der Linie zu Rochet bemerke ich noch, daß die
Mutter der Margarethe von Gülpen, vermäblten von
Reuſchen berg, eine Argenteau war. —
Einzelne finde ich noch: Anna von Argenteau hei⸗
rathete Jakob von Gülpen, beide ſtarben vor 1624 mit
Hinterlaſſung einer Tochter Marie von Gülpen Erbin zu
Ramioule, die ſich gegen 1595 mit Antou de Fulloise
vermählte, durch deſſen Tochter Ramioule an die Familien
Brinfhem, Wases, und Hostellerie kam. —
Johann von Gülpen heirathete circa 1490 Mar-
gareth von Burbure. —
Mirbach.
Strange hat in dem ſechſten Hefte ſeiner Beiträge die
Genealogie der Herren von Mirbach zu Haneffe mitgetheilt,
wie fie ſich aus dem vortreflichen Werke des Herrn Stanis⸗
laus Bormans „Les seigneuries allodiales du pays
de Liege“ ergiebt. Dieſe Genealogie iſt nicht vollſtändig,
da her ich fie biermit erweitert folgen laſſe. Thiery von
Mirbach, Herr zu Willich, Haneffe & Donchierf,
heirathete Eleonore von Roeuer, Tochter von Johann
u. Maria von Guidegoven („Guykhoven.) Er ſtarb
1536 u. wurde von ſeiner Frau überlebt. Seine Kinder waren:
1) Gottfried, vor dem hernach.
2) Johann, ſtarb ohne Kinder, wahrſcheinlich jung.
3) Aleydis, heirathete Nikolaus von Miche; beide
Eheleute finden ſich in einer Urkunde von 1553. —
4) Margareth, beirathet Euſtachius von Strailes zu
Othée, Sohn von Euſtachius u. Margareth von
Hosden.
Gottfried von Mirbach Herr zu Hanef fe, Don⸗
cherf, Nuyenhem und Aldenhoven, heirathete zwei⸗
mal; erſtens Iſabella de la Falloise (Tochtervon Jo hann
de la Falloise, Bürgermeiſter von Lüttich, und Margareth
von Krickenbeck) und zweitens am 30. Juni 1526 An na
von Wihogne Tochter von Andreas v. Wihogne, zu Vel-
roux und Lexhy, und Margareth von Cors warem.)
Sie wird am 30. October 1571 als Wittwe erwähnt. —
Gottfried hinterließ folgende Kinder erſter Ehe:
1) Ludwig J., von dem hernach.
2) Maria, heirathet vor 1570 Andreas von Ans,
Bürgermeiſter von Lüttich. 5
3) Margarethe, Nonne zu Herkenr ode. —
4) Eleonore, Erbin zu Aldenhoven, heirathete vor
ah Wilhelm von Merode Herr zu Heusden u.
Sard.
Ludwig J. von Mirbach Herr zu Haneffe, Don⸗
chier f, Harduemont, Nu yen hem, Stier c. Großbailly
von Looz und Montenac. lebte noch 1636 und heirathete be⸗
kanntlich Maria von Merode⸗Waraux (Tochter von Wil hel m
und deſſen dritter Gemahlin Johanna von Thiant, ver⸗
wittweten von der Gracht.) Aus dieſer Ehe ſtammen:
1) Ludwig II, von dem hernach.
2) Richard, Mitherr zu Haneffe, nannte ſich Baron
de Ha neffe, und kommt in den Jahren 1624 — 1636
öfters vor. Er heirathete Franziska Claudia de
Groot (Tochter von Adrian u. Maria von dem
Hofe zu Gottenrath) und zeugte eine Tochter Maria
Alexandrina Nonne zu Millen, und einen Sohn
Ludwig Franz, welcher von Maria Frey inn von
Oſſorio einen Sohn hinterließ, der um 1700 lebte, und
wahrſcheinlich ohne Nachkommen ſtarb. —
3) eine Tochter vermählt mit N. d'Aquaviva.
4) Johanna, heirathete 3. Juli 1605 Carl Caspar
von Bentind.
5) Lui ſe heirathete erſtens vor 1628 Charles baron
de Crivelli und zweitens vor 1638 Philipp von
Donceel.
Ludwig II. von Mirbach, Herr zu Haneffe,
Donchierf, Harduemont, Stier, Ferier c. heirathete
am 6. Mai 1611 Hubertine de Druyn de Rosey, Erbin
zu Ronchinnes, Carnier & Everhaille (Tochter von Rene
Druyn de Rosey, grand bailly du Hesbaye und Jo-
hanna von Montjoye Erbin zu Carnier & Everhaille)
und hinterließ nur folgende zwei Töchter:
1) Maria Anna Catharina Erbin zu Everhaille,
Carnier und Harduemont, heirathete Chriſtof de
Maillart, baron de Landre, Herr zu Som merange,
Sohn von Charles und Luiſe von Beauveau. —
2) Luiſe Erbin zu Ronchinnes heirathete 26. No vember
1647 Hein rich von Vignacourt, zu Rilcourt, Ma-
lene, Orbais, Lannoy und Villerval, ſpaniſchen
Oberſten. —
Frhr. Vorſt v. Gudenau.
Das Wappen der v. Candwüſt,
eine Warnung vor Sorgloſigkeit und man⸗
gelnder Beaufſichtigung der Petſchaftſtecher und
Maler. |
Wie zahllos oft Wappen durch Unverftand
nicht heraldiſch gebildeter Künſtler corrumpirt
werden, und dadurch Varianten entſtanden ſind,
welche oftmals die Urform kaum noch ahnen
laſſen, iſt zwar ſattſam bekannt; es kann aber
nicht oft genug darauf aufmerkſam gemacht
werden, da leider nur zu häufig die Wappen⸗
führer den Graveuren und Malern geſtatten,
ihrer Phantaſie Spielraum zu laſſen.
Zu denjenigen Wappen, welche ganz be⸗
ſonders zahlreiche Varianten aufzuweiſen haben,
gehört u. a. das der alten Voigtländiſchen Fa⸗
milien v. Landwüſt, welches, — nebenbei ſei es er⸗
wähnt, — den Grund zur Annahme einer
Stammesgemeinſchaft dieſes Geſchlechts mit dem
gleichfalls voigtländiſchen v. Röder und weiter
mit denen v. Feilitzſch, v. Zedtwitz ꝛc. giebt, wo⸗
rüber jedoch eingehendere Forſchungen zu machen
bleiben. Wir geben im Folgenden ein Ver⸗
zeichniß der Veränderungen, welche dies im Ganzen
62
doch ziemlich einfache Wappen bisher erlebt hat. Joſeph in Naumburger Lehnsacten; ein
Richtig wird daſſelbe ſo geführt:
1) Weißer Balken, mit drei rothen gelb=be-
ſaamten Roſen belegt, in Roth. Helm: roth⸗
weißer Wulſt, darüber ein rother, einem Pfauen⸗
wedel gleich geſtalteter, mit dem weißen Balken
(ohne Roſen) belegter Becher, zwiſchen zwei
Rennfähnlein, deren Schäfteroth⸗weiß gewunden,
deren Flaggen roth und weiß ſenkrecht getheilt
ſind. Helmdecken weiß und roth.
(Wie aus Nachſtehendem erhellt, wurde die
urſprüngliche Helmzier, ein Pfauenwedel, im
Laufe der Zeit als Becher aufgefaßt, jedoch meiſt
als Wedel gezeichnet. Um das Jahr 1700 wurde
ein Farbenwechſel als Beizeichen beliebt.)
2) 1497:
den Balken andeutend. (Chriſtoph v. L.; Ar⸗
chiv zu Eger.)
3) 1468: Schild: Der Balken mit den drei
Roſen; Helm: der Wedel rechts und links ge
theilt, hinter jedem Theil eine Fahne hervor⸗
ragend. (Heinrich und Chriſtoph; Archiv zu
Bamberg.)
4) 1470: Helm: Federkorb mit Wedel und
Querſtrich ohne Fähnlein. (Eger.)
5) 1472: Schild: Balken ohne Roſen; Helm:
Wedel mit Balken ohne Fahnen. (Eger.)
6) Der Wedel ohne Balken. (Heinrich; Eger.)
7) 1534. r. Schild mit w. Balken ohne Roſen;
Helm: r. Becher mit w. Balken; Lanzenſchäfte
r. und w. gewunden; Flaggen r. und w. ſenk⸗
recht getheilt. (Agnes v. L.; farbig gemalter
Grabſtein in Schkortleben.)
8) 1550: wie vor., aber die Lanzenſchäfte
ganz r., Flaggen r. mit dem w. Balken be⸗
legt. (Catharina, Agnes' Schweſter; in Farben
gemalt an der Emporkirche zu Salſitz.)
9) 1571; wie vor., aber die Flaggen ohne
Balken; (Leichenſtein von Herrmann v. Atzen⸗
dorf, Catharina's Sohn, in Salſitz.)
10) 1595: wie 8., doch der Balken im Schilde
mit den 3 Roſen belegt; der Becher ohne
Balken; die Flaggen getheilt. (Leichenſtein
von Philipp v. Atzendorf, Catharina's an⸗
derem Sohn, in Hainichen.)
11) 1549 bis 1662: ſchwarzer Balken ohne
Roſen im w. Schilde; Becher und Fahne ohne
Figur oder Theilung. (Herrmann, Heinrich,
Helm: Pfauenwedel, mit Querlinie,
Petſchaft.)
12) 1553 — 1641: Der Balken ohne Roſen;
Becher uud Fahne ohne Figur; keine Tinc⸗
turen angedeutet. (Joſeph, Friedrich Wilhelm,
Lehnsacten; ein Petſchaft.)
13) 1602 — 1646: ſtatt des Balkens im Schilde
ein wagerecht ſchwebender, jederſeits einmal
geaſteter Stamm; Becher und Fahnen ohne
Figur. Farben fehlen. (Herrmann, Lehnsacten.)
14) 1646: Schild: ein ſchräglinks geſtellter,
jederſeits einmal geſtümmelter Aſt natürlicher
Farbe im gelben damascirten Felde. Hel n:
gelber Becher in Form eines Spitzglaſes, ohne
Figur; gelbe Lanzenſchäfte; Flaggen roth und
gelb wagerecht getheilt, Helmdecken gelb und
roth. (Epitaph Hermann's in der Kirche zu Guben.)
15) 1602 — 1670: Der Balken ohne Roſen;
Helmzier und Tincturen fehlen. (Caſpar,
Lehnsacten.)
16) 1685: Der Balken mit drei Roſen; der
Becher mit Balken. Die Fahne ſenkrecht ge⸗
theilt. (Grabmal in Geſtewitz.)
17) 1655 — 1689: wie 1685; Tincturen
fehlen. (Hans Chriſtoph, Lehnsacten.
18) 1655 — 1689: wie 1685, aber ohne die
Rennfähnlein. (Hans Friedrich, des Vorigen
Bruder, Lehnsacten.)
19) 1693 — 1733. Im r. Schilde der w.
Balken mit 3 w. Roſen; der Becher in Form
eines Spitzglaſes mit Fuß (Sanduhr) r. mit
w. Balken im Obertheil, w. Knopf in der
Mitte, w. Pfahl im Untertheil. Lanzenſchäfte
r., Fahnen r. mit w. Balken belegt. Decken
w. und r. (Gemalter aufgeſchworner Stamm⸗
baum Georg Adam's auf Geſtewitz, Archiv in
Dresden.)
20) 1795: wie vorſtehend ohne Helmzier, mit
w. und r. Bauſch. (Georg Adam, in Farben
an der Emporkirche in Geſtewitz.)
21) 1705: wie vorſtehend ohne Helmzier, mit
Krone. (Georg Adam, in Farben, Kanzel zu
Geſtewitz.)
22) 1716 bis 1776: im w. Schilde ein r.
Balken mit drei w. Roſen belegt. Der Becher
auf dem Helm w. ohne Balken: Die Lanzen⸗
ſchäfte r., die Fahne ſenkrecht r. u. w. getheilt.
(Gemalter Stammbaum Gottlieb's, auf Gla⸗
ditz, Archiv zu Dresden.)
23) 1754: wie vorſtehend 1716; die Lanzen—
ſchäfte gelb. (Gemalter Stammbaum Friedrich
Hartmann's auf Gladitz; Domcapitel zu
Naumburg.)
234) 1720: ſchwarzer Balken mit drei r. Roſen
im r. Schilde. Lanzenſchäfte ſch. und r. ge⸗
wunden, Fahnen ſch. und r. ſenkrecht getheilt.
Becher ſchwarz mit einer r. Roſe belegt. Decken
r. und ſch. (Entwurf zu Val. Königs Adels—
hiſtorie IV. Bd.; von der einen Linie her:
rührend. Wohl irrthümlich durch eine Malerei
entſtanden, auf der das Silber ſchwarz ange:
laufen.)
25) 1720: im w. Schilde ein ſch. Balken mit
drei r. Roſen. Lanzenſchäfte ſch. und r. ge⸗
wunden, Fahnen r. und ſch. ſenkrecht getheilt.
Bauſch w. und r. Decken w. r. und ſch. (bid.
von der anderen Linie herrührend.)
26) 2 1720: wie vorſtehend; der Bauſch r. w.
und ſch. Decken w.⸗ſch. (Stammbaum der v.
Klüx in Dresden.)
27) 1759: im blauen Schilde der w. Balken
mit 3 r. Roſen. Becher w. ohne Figur;
Lanzenſchäfte und Fahnen ganz r.; Helmdecken
w. und bl. (Gemaltes W. Johann Friedrich's
im Univerſitäts⸗Album zu Halle.)
28) 2 Bei Haſſe: wie vorſtehend, aber der
Becher g. die Lanzenſchäfte w.⸗r gewunden, die
Fahnen blau, Decken r. w. und bl.
29) 2 (1830 bei v. Zedlitz-Neukirch:) Schild
wie vorſtehend; Helmzier nicht erwähnt.
30) 1770 — 1844: Schild bl. mit Balken
und 3 Roſen; Becher als Urne mit einem
Henkel jederſeits; ſonſt Tincturen nicht er⸗
kennbar. (Friedrich, Hartmann in vorhan—
denem Petſchaften.)
1840 — 1870: Rückkehr zum alten Wappen
mit r. Schilde ꝛc. — L
. wo
Auffindung alter Arkundenbücher zu
Siegburg.
| Bei Gelegenheit einer im Mai dieſes Jahres von
mir vorgenommenen Durchforſchung des Kirchenarchives
zu Siegburg wurde mir mitgetheilt, daß auf dem Speicher
des dortigen Hypothekenamtes eine Menge alter geſchrie—
bener Bücher und Urkunden ſich befänden, die mit dem
unlängſt erfolgten Tode des Hypothekenbewahrers mit
den übrigen Acten nach einem anderen Locale ſollten
transportirt werden. Bei Durchſuchung dieſer Bücher
63
|
|
EL A
fand ich nun, daß dieſelben die von unſeren Geſchichtsforſchern
für verloren gehaltenen Gerichtsurkunden mehrerer Aemter
der niederen Sieg enthielten. Es ſind außer einigen
loſen Pergamentbriefen Kölniſcher Erzbiſchöfe und päpſt—
lichen Breven aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert
im Ganzen 223 Bände, welche Urkunden folgender Ges-
richtsbezirke enthalten:
der Aemter Porz, Blankenberg, Löwenburg, Wol—
fenburg, Lütsdorf, Vilich, Steinbach, Mülheim und
Deutz; dann 15
der Gerichte Odenthal, Schwarz-Rheindorf und der
Vogtei Siegburg.
Unter dieſen befinden ſich die Schreinsurkunden der
Stadt Deutz in ununterbrochener Reihenfolge vom Jahre
1350 bis 1809. Außerdem führt ein dazu gehöriges
Inventar-Actenſtück noch 6 weitere Bände auf Deutz be-
züglicher Urkunden, vom 16. bis zum 19. Jahrhundert
reichend, auf, über deren Vorhandenſein ich mich jedoch
nicht habe vergewiſſern können. Die übrigen Urkunden⸗
bücher find aus der Zeit des 17., 18. und 19. Jahr⸗
hunderts und gehen falt alle bis zum Jahre 1809. Gr:
mäß dem beiliegenden Inventarium wurden dieſe Urs
kunden im Jahre 1810 von der franzöſiſchen Regierung
dem damals in Mühlheim befindlichen und nachher nach
Siegburg verlegten Hypothekenamte überwieſen. Ihr
Aufbewahrungsort ſcheint nach der Vertreibung der
Franzoſen unſerer Regierung nicht bekannt geworden zu
ſein, und ſo haben ſie denn bis heute unbeachtet und
unbenutzt auf Speichern geruht, obgleich über ihren Ver⸗
bleib zumal betreffs der Schreinsbücher der Stadt Deutz
vielfach Nachforſchungen ſind angeſtellt worden.
Für die Geſchichtsforſchung verſpricht dieſer Ur—
kundenſchatz eine reiche Ausbeute, welche den Hiſtorikern
um ſo willkommener ſein dürfte, weil die bisher be—
kannten archivaliſchen Nachrichten über die Geſchichte der
Gegenden, auf welche jene Urkunden Bezug haben, zum
Theil nur unbedeutend und mangelhaft ſind Zumal iſt
dies der Fall rückſichtlich der Geſchichte der Stadt Deutz.
Die auf dieſelbe ſich beziehenden archivaliſchen Quellen
ſind äußerſt dürftig, und es mag dies wohl vorzüglich
ſeinen Grund darin haben, daß das bedeutende Archiv
der vormals dort befindlichen St. Heriberts-Abtei ver—
loren gegangen iſt. Im dreißigjährigen Kriege zündete
einer der in der Kirche der genannten Abtei eingeſperrten
gefangenen ſchwediſchen Soldaten das dort lagernde
Pulver an und ſprengte die Kirche und anliegenden Ge⸗
bäude in die Luft. Bei dem dabei ausgebrochenen Brande
ſoll auch das Archiv und die Bibliothek des Kloſters
ein Raub der Flammen geworden ſein. Wie gering
und ſpörlich die Anzahl der bekannten auf Deuß be⸗
züglichen älteren Originalurkunden bis zur Auffindung
der beſprochenen Schreinsbücher geweſen iſt, mag man
auch ſchon daraus ermeſſen, daß in den letzteren Jabren
ein die ältere Geſchichte der St. Geriberts-Abtei behan⸗
delndes Pergament-Manuſcript und einige wenige alte
Deutzer Urkunden als Raritäten von Sammlern zu ganz
enormen Preiſen ſind angeſteigert worden. i
Auch für die Geſchichte der übrigen vormals be—
deutenden Ortſchaften des Siegthales, zumal der ehe—
maligen Feſtungen, dürften die beſprochenen Urkunden
64
bücher vielfach Neues und Unbekanntes zu Tage fördern.
Bis zum Jahre 1632 erfreuten ſich die Bewohner der
niederen Sieg durch ihren großen Handel und regen Ge—
werbfleiß eines blühenden Wohlſtandes, und einzelne
Ortſchaften, wie die Feſtungen Siegburg und Blanken—
berg, gebörten damals zu den bedeutenderen kleineren
Städten des Rheinlandes. Im Jahre 1632 fielen die
Schweden unter dem General Baudiſſin in das Sieg—
thal ein, eroberten die Feſtungen Siegburg, Blankenberg
und Windeck, und hauſten dort drei Jahre lang in einer
ſo barbariſchen Weiſe, daß jene Gegenden faſt entvölkert
und der einſt ſo blühende Wohlſtand derſelben für die
folgenden Jahrhunderte bis in die Neuzeit hinein gänzlich
vernichtet wurde. Ueber jene für die Bewohner des
Siegthales ſo verhängnißvollen Ereigniſſe iſt aber bis
heute äußerſt wenig bekannt, und der Mangel an darauf
bezüglichen archivaliſchen Quellen iſt jo groß, daß ſich
nicht einmal die Jahreszahlen einzelner wichtiger Vor—
fälle, z. B. der totalen Zerſtörung der Feſtung Blan—
kenburg, mit Sicherheit feſtſtellen laſſen. Wahrſcheinlich
werden die genannten wieder aufgefundenen Urkunden
über dieſen Abſchnitt der Geſchichte des Siegthales mehr
Licht verbreiten.
Schließlich werden dieſelben aber auch
unzweifelhaft eine reiche Quelle für die Ge—
ſchichte der adeligen Geſchlechter und Burgen
jener Gegenden ergeben, auf welche ſie Bezug
haben.
Der jetzige Aufbewahrungsort des beſprochenen ars
chivaliſchen Schatzes iſt durchaus unpaſſend, und es find
bereits an zuſtändiger Stelle die nöthigen Schritte ge—
ſchehen, um eine Unterbringung deſſelben an einem für
die Conſervirung und Benutzung geeigneteren Orte zu
veranlaſſen. Aber „inter arma silent musae“, und es
werden wohl ruhigere Zeiten abgewartet werden müſſen,
bevor man daran denken darf, jene Uebertragung nach
dem Provinzial-Archive vorzunehmen, und den Hiſto—
rikern die Möglichkeit wird, das inhaltreiche Material
der 223 Foliobände für die Geſchichtsforſchung auszubeuten.
Schloß Frens. J. B. Dornbuſch, Kaplan.
Einige Bemerkungen über die in Nr. 5 vor-
geſchlagene Einrichtung einer Adelsmatrikel
für das Königreich Preußen.
So ſehr auch Schreiber dieſer Zeilen die Ein⸗
richtung einer Adelsmatrikel für das Königreich
Preußen mit Freuden begrüßen würde, und lebhaft
bedauert, daß eine ſolche bis jetzt noch nicht ange—
legt worden, ſo möge es ihm doch geſtattet ſein,
einige Punkte des in Rede ſtehenden Aufſatzes näher
zu beleuchten, und in Folgenden ſeine unmaßgeb—
liche Anſicht und Bemerkungen niederzulegen.
Die vorgeſchlagene Eintheilung in Uradel,
Patriciat, Reichsadel, Briefadel ze. iſt von einem
gewiſſen Standpunkt aus recht ſchön gedacht, doch
kaum ausführbar, da ſie ſich nicht ſo an die Ge⸗
genwart hält, wie die naturgemäße Eintheilung nach
den Rangſtufen: Fürſten, Grafen, Freiherrn ꝛc.
Ueberdies iſt in erſterer Eintheilung überſehen, daß
zwei getrennte Abtheilungen, nämlich Reichs adel
u. Briefadel, für ein und dieſelbe Klaſſe
von Adel gemacht ſind. Iſt denn der Reichsadel,
von Kaiſern und Reichsvicaren verliehen, kein Brief-
adel? Es müßte alſo III. u. IV. in eine Klaſſe
kommen, nämlich Briefadel, u. dieſe dann viel⸗
leicht die Unterabtheilungen: Reichsadel und an⸗
derer landesherrlicher Adel haben, obwohl dies auch
nicht zu rechtfertigen iſt, denn eine 1806 kurz
vor Schluß des deutſchen Reiches verliehene Reichs⸗
adelserhebung iſt doch unmöglich nachdieſer Rang—
ordnung, wo man das Alter einer Familie vor—
zugsweiſe berückſichtigen will, vor eine z. B.
1740 von König Friedrich dem Großen verliehene
preußiſche Adelserhebung zu ſetzen? Allerdings glau-
ben namentlich die Reichsgrafen und Reichsfreiherrn,
vornehmer zu ſein als andere, z. B. preußiſche und
öſterreichiſche, Grafen und Freiherren, dies beruht
doch aber offenbar in einem Ueberſchätzen der Reichs-
erhebungen.
Die wirklichen Reichsgrafen und
Reichsbaroneſind längſt entweder ſouverain gewor⸗
deu oder doch mindeſtens zur Fürſtenwürde überge-
gangen, und die ſpäteren diplommäßig verliehenen
Reichsgrafen- und⸗Freiherruſtands-Erhebungen ha-
ben nichts anderes zu bedeuten, als daß ſie eben vom.
Kaiſer für das ganze deutſche Reich verliehen worden!
ſind. Es iſt demnach eigentlich lächerlich, wenn ſich
Jemand „Herr Reichsgraf“ tituliren läßt; es fällt
doch gewiß keinem preußiſchen oder öſterreichiſchen
oder bayriſchen Grafen ein, ſich „Herr preußiſcher
Graf“ oder „öſterreichiſcher Graf“ oder „bayriſcher
Graf“ zu nennen, oder die Adreſſen in dieſer Weiſe
ſich zu erbitten. Daſſelbe gilt natürlich von Frei-
herrn, Rittern und einfachem Adel.
Ex iſtſchon richtig, daß im Grunde genommen
ein zum Adel gehörender einfacher Edelmann in
gewißer Art vornehmer iſt, als ein Graf, deſſen
Familie erſt im vorigen Jahrhundert geadelt wurde;
aber auf anderer Seite ſteht doch ein ſolcher Graf
immer im Range höher als jener Edelmann, denn
Graf iſt doch mehr wie Herr von, und wenn zwei
ſonſt in ihren bürgerlichen Stellungen gleichſtehende
Herren zu placiren wären, ſo würde man ſtets dem
Grafen den Vorrang vor dem Edelmann geben,
wenn auch Letzterer zehnmal aus viel älterer Familie
*
65
Es giebt übrigens noch eine andere Beurtheil-
iſt.
ung der Vornehmheit eines Adlichen; dies ſind die
Ahnen. Ein uralter Edelmann kann keine
Ahnen haben, wenn ſeine Mutter eine Bürgerliche
war, wohingegen ein ſolcher aus einer vor 100
Jahren geadelten Familie ſehr gut 8 auch 16 Ahnen
haben kann, und dadurch doch gewiß viel mehr von
adlicher Abſtammung iſt als erſterer, außerdem aber
zu Ehren und Würden gelangen kann, die einem
ahnenloſen Edelmann, und mag er Graf oder Fürſt
ſein, nie offen ſtehen; z. B. Ritter des Malteſer
Ordens, k. k. öſterr. Kämmerer, u. ſ. w. Nach all'
dieſem ſcheint mir daher die vorgeſchlagene Rang—
Ordnung nicht practiſch zu ſein, abgeſehen davon,
daß manche Familie ſich in ihrer Vornehmheit zu—
rückgeſetzt fühlen würde. Deshalb iſt allein die Ein—
theilung nach dem jeweiligen Standestitel der
Familien die einzig richtige und practiſche, wie
ſie überall und auch im Kgr. Bayern gewählt
worden iſt. “) v. F.
Die öſtreichiſchen Grafen v. Veuſt.
Der „Herold“ bringt in Nr. 6 S. 50 eine Notiz
über das Wappen des Oeſtreich. Reichskanzlers Grafen Beuſt,
die zu berichtigen und zu vervollſtändigen ich in der Lage bin.
Friedrich Ferdinand Frhr. v. Beuft, k. k. Geh.
Rath und Reichskanzler, Reichsminiſter des kaiſerl. Hauſes
und des Aeußeren, ward mittelſt kaiſerl. Handſchreibens
d. d. Ofen 5. December 1868, in erneuerter Anerkennung
ſeiner Verdienſte und zum Beweiſe beſonderen Wohl—
wollens, von S. M. Kaiſer Franz Joſeph 1. von Oeſt—
reich, König von Ungarn, in den erblichen öſtreichiſchen
Grafenſtand erhoben.
Die Ausfertigung des Diplomes und Feſtſtellung
des Wappens hat ſich bis medio 1870 verzögert. Das
Wappen iſt jetzt vom kk. Adelsamte folgendermaßen feſt—
geſtellt und von Sr. Maj. ſanctionirt worden:
Schild: quergetheilt mit Mittelſchild, den eine
Blätterkrone bedeckt. Derſelbe zeigt das Beuſt'ſche
Stammwappen: zwei und eine halbe von der Rechten
zur Linken gehende r. Spitzen in w. Das Hauptſchild
hat oben in Gelb einen wachſenden ſchwarzen, gekrönten
Doppeladler, (als kaiſerliches Gnadenzeichen;) die untere
Schildeshälfte iſt geſpalten; vorn in w. ein ſchrägrechts
gelegter gr. Oelzweig, die Friedensmiſſion des Reichs—
kanzlers andeutend, () hinten auf grünem gekrönten
Dreiberg ein weißes Doppelkreuz. (Patriarchenkreuz,
das Neu⸗Ungariſche Wappen.) — Den Hauptſchild
deckt die G. perlige Grafenkrone, über welcher ſich ein
gekrönter Helm mit rechts ſchwarz-gelben, links roth—
*) Es kann uns nur angenehm fein, wenn, wie im obigen Ar⸗
tikel, auch abweichende Anſichten über die in Rede ſtehende Angelegen—
heit ausgeſprochen werden. Wir bitten die geehrten Leſer um weitere
Mittheilungen in dieſer Hinſicht, und werden ſpäter darüber reſumiren.
D. Red.
|
die linke von Roth, Weiß und Grun
ungariſchen Farben.)
weißen Decken erhebt. Derſelbe trägt die zum Beuſt'⸗
ſchen Stammwappen gehörige, vorwärtsgekehrte, aufs
wachſende Jungfrau, das weiße Kleid mit 5 rothen
Querſtreifen belegt, die weißen enganliegenden Aermel
mit roth-weiß geſtreiften Bauſchen. Das abfliegende
blonde Haar iſt mit einem Kranz roth und weißer Roſen
hält. Jede Hand hält eine auf dem Helm ruhende
etwas ſchräggekehrte abwärtsfliegende rückwärts einmal
um die Stange geſchlagene lange Fahne an gelbem Schaft.
Die rechte iſt von Schwarz über Gelb (die öſtreich. Farben),
quergetheilt (die
Den Schild hält rechts ein gelber Löwe, links ein
brauner Bär, beide widerſehend und auf einer Ver—
zierung von Arabesken ſtehend. Unter dem Schilde auf
gelbem Band die Deviſe in ſchwarzen Lapidarbuchſtaben:
Furchtlos und treu.
Der Herold a. a. O. erwähnt, daß die Vermehrung
eines Privatwappens durch Ungariſche Embleme bisher
nicht vorgekommen ſei. Wenn auch nicht in dem Um—
fang wie die Verleihung des kaiſerlichen Adels an tau—
ſende von Familien, ſo laſſen ſich doch Beiſpiele bei—
bringen, die auch für erſteren Fall den Beweis führen.
Bon den ungariſchen Familien, die allgemein bekannt
find, führe ich nur die Grafen Szöéchenyi, die das
ung. Patriarchenkreuz im Feld 1 u. 4 führen, dann die
Grafen Pejäcevich an, deren einer Schildhalter das
das vollſtändige ungar. Wappen auf der Bruſt trägt.
Wien, 20. Auguſt 1870 Alfred Grenſer.
Titeratur.
Genealogiſches Taſchenbuch der Ritter- und
Adelsgeſchlechter. J. Jahrgang. Brünn, Buſchak
und Irrgang.
Heute habe ich das Vergnügen, über ein Unter⸗
nehmen zu berichten, welches nach ſeiner Anlage ganz
dazu geeignet iſt, eine Lücke in der genealogiſch-heral⸗
diſchen Literatur auszufüllen, und als Ergänzung der
Gothaiſchen Taſchenbücher zu dienen. Begegnen wir
auch in dem vorliegenden Jahrgang nur öſterreichiſchen
Geſchlechtern, ſo iſt deswegen nicht zu ſchließen, daß die
übrigen deutſchen Geſchlechter von der Aufnahme aus—
geſchloſſen ſeien. Der Grund hierzu wird eben in den
enormen Schwierigkeiten, mit denen der Anfang eines
ſolchen Unternehmens zu kämpfen hat, zu ſuchen ſein.
Eben deswegen ſollte Jeder, der hierzu im Stande iſt,
beitragen, die Lücken auszufüllen.
Nur bezüglich der Wappenbeſchreibungen habe ich
Einiges zu bemerken gefunden. Dieſelben könnten ohne
Schaden auf ein kleines Volumen zurückgeführt werden
und es dürfte der Redaction zu empfehlen ſein, das—
jenige, was ſich auf eine Wappen darſtellung bezieht,
auszuſcheiden; z. B. die Beſchreibung der Conturen des
Wappens, wie: „Ein aufrecht oblonger, unten rund in
Spitz auslaufender Schild;“ überflüſſig iſt ferner:
„Ueber demſelben (zwei) gegeneinander gekehrte (Tur⸗
nierhelme).“ Nicht gemäß der Kunſtſprache ſind die
Bezeichnungen „Ein von Gold und blauer Farbe ver—
zierter Schild“ „Ein von blauer und rother Farbe
beſtehender .. . Schild.“ „Ein gezierter Schild“ S.
66
50 iſt jedenfalls blos Druckfehler und ſoll, wie aus der
nachfolgenden Beſchreibung hervorgeht, „gevierter“ heißen.
Es würde überhaupt zweckentſprechend ſein, bei der Bla—
ſonirung mehr ſchablonenmäßig zu verfahren und alles
dasjenige, was ſich überall gleichbleibt und eigentlich von
ſelbſt verſteht, ganz wegzulaſſen oder ſo kurz als möglich
zu faſſen. Dadurch würde die Ungleichmäßigkeit in
der Beſchreibung, welche bei einem bloßen Abdruck der
von den Familien gelieferten Beſchreibungen ſehr er—
klärlich iſt, vermieden werden. Als Muſter könnte in
dieſer Beziehung der „neue Siebmacher“ empfohlen werden.
Die genealogiſchen Notizen ſind ſo vollſtändig, als
man fie wünſchen kann. Bei einzelnen Familien find
vollſtändige, auf den Urſprung des Geſchlechts zurückge—
hende Ahnentafeln beigegeben, z. B. Benkner S. 19;
Greiſſing S. 138; Lange S. 233; Wayda S. 443.
Ohne Schaden könnten die, den Turnirbüchern und
alten Genealogen entnommenen, Mythen hinweglaſſen
werden. (Alvensleben S. 6.)
Eine Anpreifung bedarf das Werk nicht; es wird
ſich von ſelbſt einführen und bald neben den gothaiſchen
Taſchenbüchern als unentbehrliches Handbuch eingebürzert
haben.
Beſonders intereſſant war mir der vorliegende Band
auch deswegen, weil er eine reichhaltige Quelle zur Ge—
ſchichte der neueren öſterreichiſchen Heraldik iſt.
Würzburg. Seyler.
Wappenbuch der Schleſiſchen Städte und
Städtel, herausgegeben von Hugo Saurma Frhrn.
v. und zu der Jeltſch, illuſtrirt von L. Clericus.
Berlin 1870; in Commiſſion bei Görlich und Koch,
Breslau. 426 Seiten mit zahlreichen Holzſchnitten und
11 photolithographirten Tafeln. i
Ein vorzügliches Werk, deſſen Titel „Wappenbuch“
ein faſt zu beſcheidener iſt, denn es enthält nicht nur
die Wappen von 241 ſchleſiſchen Städten und Flecken
in genauen, die Entſtehung der Bilder erklärenden Be—
ſchreibungen und beigedruckten Zeichnungen, ſondern auch
in gedrängter aber völlig genügender Weiſe einen Ab—
riß der Geſchichte jeder Ortſchaft. Nicht nur wird das
Buch jedem, der ſich ſpeciell mit Städtewappen beſchäftigt,
eine wichtige Quelle ſein — es bietet auch für die Ge—
ſchichte des Adels dieſer Provinz manches Intereſſante,
deſſen Auffindung ein Regiſter über die vorkommenden
Familien erleichtert.
Die Holzſchnitte find kräftig und deutlich; dieſelben
find? — was Manchem recht lieb ſein wird — am
Schluſſe auf mehreren Tafeln wiederholt, in der Ord—
nung nach den Wappenbildern — wobei wir uns nur
die Bemerkung erlauben, daß die Heroldſtücke wohl den
ſ. g. natürlichen Figuren hätten voraufgehen müſſen.
Die Siegeltafeln ſind eine nöthige und wichtige Zugabe —
vielleicht hätten ſich dieſelben indeß beſſer ausgenommen
wenn ſie, ſtatt in Photolithographie, in einfacher Litho—
graphie oder in Holzſchnitten ausgeführt wären; theil—
weiſe genügen die Abbildungen in künſtleriſcher
Hinſicht nicht ganz.
Jedenfalls kann aber Schleſien vor anderen Pro—
vinzen um ſolches Werk beneidet werden. —
Correſpondenzblatt Nr. 6. S. 41 ff: „Bei⸗
träge zur mittelalterlichen Stegelkunde. I. Siegel der
Stadt Brieg, von G. A. v. Mülverſtedt, Archivrath ꝛc.“
In Verfolg des Umſtandes, daß Hr. Dr. C. Grün⸗
hagen den im IX. Bande des cod. dipl. Silesiae edirten
Urkunden der Stadt Brieg die älteſten Stadtſiegel der—
ſelben beifügt — und in ſeiner Erläuterung dazu, ab—
weichend von Anderen, das Wappenbild nicht für drei
ſchächerkreuzförmig geſtellte Anker, ſondern Wolfseiſen
erklärt, ſpricht ſich Hr. v. M. in längerer Abhandlung
dahin aus, daß die erwähnten Figuren doch als Anker
zu betrachten ſeien, indem er nachweiſt, daß Anker auf
ſehr zahlreichen Siegeln des Mittelalters ſtets der Merk—
male entbehren, welche Hr. Dr. G. an den Ankern des
Bieger Wappens vermißt, vielmehr immer in ziemlich
primitiver Weiſe dargeſtellt werden, ſo daß allerdings
bisweilen eine Verwechſelung mit Wolfseiſen möglich
ware. Unterſcheidendes Merkmal bleibt der lange Stiel
des Ankers, der dem Wolfseiſen fehlt. Man vergleiche
in dem vorſtehend angezeigten Saurma'ſchen Werke die
auf Tf. 1 abgebildeten Siegel nnd die Erläuterung
dazu. — Beachtenswerth iſt der gleichzeitig erwähnte
Umſtand, daß die Gabel- oder Schächerkreuz-förmige
Stellung dreier Figuren in einem Schilde in Wappen
ſlaviſchen Urſprungs beſonders beliebt iſt.
S. 42 wird bemerkt, daß die Anker u. A. auch
dadurch erklärt würden, daß der Patron der Hauptkirche
von Brieg, St. Nicolaus v. Bari, einen Anker als
Attribut führe, es wird jedoch ein Beleg hierfür ver—
mißt. Ein ſolcher findet ſich in dem Werke „Chriſtliche
Kunſtſymbolik und Ikonographie“ (vom Frhrn. v. M.)
Frankfurt 1839 Seite 7. der Anker iſt jedoch nicht
alleiniges Attribut dieſes Heiligen.
Im Hinweis auf den bezügl. Perein's-Beſchluß
vom 3. Aug. erſuchen wir diejenigen geehrten Abon-
nenten d. Zl., welche den Abonncmentsbetrag für das
laufende Jahr noch nicht berichtigt haben, denſelben
gefälligſt bis zum 1. November d. Js. an den Schatz
meiſter, Herrn Lieutenant Gritzner, Berlin, Victoria-
Str. 11, einſenden zu wollen; andernfalls würden wir
uns erlauben, nach Ablauf dieſes Termin's den Be-
trag durch Poſt-Nachnahme zu erheben. Ein Gleiches
gilt in Zetreff der noch reſtirenden Beiträge corre-
ſpondirender Mitglieder des „Herold.“
Inhalts- Verzeichniß:
Nobilitirung. — Protocoll. — Aufruf. — Die herald.
Terminologie. — Verein „Adler“. — Die v. Sotfart. — Bei⸗
träge zur Genealogie Rheiniſch-Niederländiſcher Familien. —
Das Wappen der v. Landwuſt. — Auffindung alter Urkunden⸗
bücher zu Siegburg. — Bemerkungen zur Adelsmatrikel. —
Die Oeſterreichiſchen Grafen v. Beuſt. — Literatur. — An⸗
zeige. —
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs-Bezirk Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
UT
— aa
, Monatsſchtiſt für Heraldik,
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen -Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile
Ur. 10. DD Berlin, im October 1870. D 1. Jahrgang.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller- ſandt waren, vor, und brachte auch ein ihm von Letz⸗
gnädigſt geruht, den Secondelieutenant im Rheiniſchen | terem zugegangenes, die qu. Wappenfrage behandelndes
Küraſſierregiment Nr. 8, Georg Robert Kun hardt, Schriftſtück') zur Kenntniß der Anweſenden. Außerdem
unter den Namen: „Kunhardt von Schmidt“ in wurde eine Anzahl Blätter Durchzeichnungen alter colo—
den Adelſtand zu erheben. rirter Städte-Wappen aus der Sachſen⸗Chronik vor⸗
gezeigt und daran vom Schriftführer die Mittheilung
Auszug aus dem Protoſiolle der Sitzung des geknüpft, daß der Hr. Redakteur wegen der Seltenheit
ld 5. October 1870 farbiger Städte - Wappen aus jener Zeit und weil das
„Hero vom 5. f a alte Buch nur in größeren Bibliotheken befindlich, nicht
Das vorgeleſene Protokoll der Sitzung vom 7. v. Jedem alſo zugänglich ſei, die Abſicht habe, dieſe Zeich⸗
Mis. gab dem Herrn Schasmeiſter zu der Bemerkung nunz lithographiren and dem Herold beifügen zu laſſen.
Veranlaſſung, daß die beſchloſſene Aufnahme von Geburts- (55 wurde dabei vom Schriftführer erwähnt, daß es die
2c. Anzeigen zweckmäßig erſt am 1. Januar 1871 ab in's Abſicht des Hrn. H. ſei, nicht allein auf eine Reproduk⸗
Leben treten möge; was auch ſeitens der Verſammlung tion dieſer Wappen, ſondern auch darauf Bedacht zu
gebilligt wurde. a nehmen, anknüpfend an jene alten Abbildungen eine Be⸗
Sodann theilte der Hr. Vorſitzende der Verſamm⸗ ſchreibung der Wappen zu geben, wie dieſelben in ſpäterer
lung mit, daß der „Adler“ zu Wien ihn in ſeiner Eis | Zeit bis jegt von den betreffenden Städten geführt wurden,
genſchaft als Präſident des hieſigen Vereins zum Ehren⸗ und ſtellte zu dem Ende das umfangreiche Material
mitglied ernannt habe, und knüpfte daran den von meh⸗ ſeiner Sammlung, ſowie jeine Mitwirkung bei der Aus⸗
reren Seiten unterftügten Vorſchlag, den durch feine | führung des Projects in Ausſicht. Vereinsſeitig ging
Leiſtungen im Gebiete der Heraldik rühmlichſt bekannten man um ſo bereitwilliger auf den gemachten Vorſchlag
Präſidenten des Wiener Vereins, den Hauptmann Hrn. F. ein, als der Hr. H. ſich in anerkennenswerther Weiſe
Hever, gleichfalls durch Ernennung zum Ehrenmitglied erboten hatte, die Hälfte der Lithographirungskoſten zu
auszuzeichnen; ein Vorſchlag, welchem allerſeits zuge- beſtreiten, falls der Verein die andere Hälfte trage.
ſtimmt wurde. g : 7 Damit wurde die heutige Verſammlung nach Er—
| Der Staatsarchivar und Archiv⸗Rath Hr. v. Mül⸗ ledigung ſonſtiger weder für die auswärtigen Mitglieder
verſtedt zu Magdeburg hatte eine Schrift über die noch für die Abonnenten des Blattes irgendwie der Mit⸗
zwiſchen den Jahren 1500 und 1800 erloſchenen Adels: theilung werthen Angelegenheiten gegen 94 Uhr geſchloſſen.
geſchlechter des Stifts und Fürſtenthums Halberſtadt! Anweſend waren 11 Perſonen. Z. Bl.: F. Warneke.
eingeſandt. aum waren von um BO
Hildebrandt ſämmtliche Siegel der Gewerke zu Gardelegen ie 7 ;
Su Vereine zum Geſchenk gemacht und ſeitens des Hrn. i Die Heutſchen Jarben. ö
Wappenſtechers Dimmling ein Bibliotheksſtempel gear⸗ Die alten deutſchen Reichs farben
beitet, für welche Geſchenke den genannten Herren der | find als Symbol der deutſchen Einigkeit nun viel⸗
Dank des Vereins ausgeſprochen wurde. fach der Gegenſtand litterariſcher Erörterung ge⸗
kü n Darnach legte der Schriftführer einige auf das zus | worden. Wir ſtehen vor Ereigniſſen, welche
künftige deutſche Reichs-⸗Wappen und Banner bezügliche, „„ En 2
3 ; nr ste: *) Daſſelbe wird binnen Kurzem als Brochüre unter dem Titel:
colorirte Zeichnungen, welche von Sr. bochfürſtlichen neter Wappen und Banner des Deutſchen Reiches“ bei Mitſcher
Durchlaucht v. Hohenlohe und Hrn. Hildebrandt einge- Röſtell in Berlin erſcheinen.
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endlich die Zukunft unſeres Vaterlandes begründen
und die Wiederherſtellung Deutſchlands in alter
Kraft und Herrlichkeit ſichern ſollen. Wie der
Phönix aus der Aſche ſoll das Reich aus der
Schmach der Schwäche und Zerriſſenheit ſich wieder
erheben und eine feſte Geſtalt gewinnen.
Da heißt es denn Deutſchlands Farben be⸗
kennen, und Sache desjenigen wiſſenſchaftlichen
Vereins, welcher den Namen Herold angenommen
hat, dürfte es vorzugsweiſe ſein, die Beſchaffenheit u.
Autorität dieſer Farben wiſſenſchaftlich zu unter⸗
ſuchen. Wir ſind weder ein naturwiſſenſchaftlicher,
noch ein Kunſtverein, die optiſche Farbenlehre geht
unsſo wenig an, als dieäſthetiſche Schönheit der Zu⸗
ſammenſtellung; die Heraldik iſt eine Hülfswiſſen⸗
ſchaft der Geſchichte. Unſer Vaterland iſt keine Ent
deckung in den neuen Welttheilen, ſondern hat eine
glorreiche Vorzeit, und an dieſe wollen wir unſere
Farbenlehre anknüpfen. 8
Vor Allem muß man nach unſeren Grund—
ſätzen davon abſtrahiren, ſolche Farben als Landes⸗
farben anzuſprechen, welche nicht die des Wappens
ſind, oder mit anderen Worten die Farben des
Landes geſondert von denen des Wappens zu
behandeln. Eine ſolche Doetrin iſt der Heraldik
fremd. Wir müſſen den Vorwurf dieſes Ab:
weges leider den meiſten derjenigen Schriften
machen, welche dieſe Frage behandelt haben, und
hievon ſelbſt die uns hier vorliegende faſt mit
unſern Anſichten harmonirende Schrift: „die
Farben des Norddeutſchen Bundes Schwarz, Weiß,
Roth“ des durchlauchtigen Heraldikers F. K. nicht
ganz frei ſprechen, wenn der hochgeſtellte Herr
Verfaſſer auch ſchließlich zu dem Satze gelangt,
daß die genannten Farben als Wappen nicht
gelten dürfen und ihre Zuſammenſtel⸗
lung als Schild unſtatthaft ſei.
Gemäß der oben entwickelten Anſicht müſſen
wir die Meinung als unberechtigt zurückweiſen,
daß die deutſchen Landesfarben insbeſondere ſich
aus Zuſammenſtellung der Reichswappenfarben mit
der Reichsſturmfahne neu zuſammen ſetzen und auf
dieſe Weiſe hiſtoriſch begründen laſſen. Die angeblich
aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts ſtammende
Gloſſe zu Art. 60. des 3. Buchs des Sachſenſpiegels,
welcher wir dieſes Alter durchaus nicht zuſprechen
können, ſagt zwar: „zum dritten hat das Reich eine
Fahne, die iſt forne roth und hinden gelb.“
Auch hat der durchlauchtige Herr F. K. aus
dem Balduineum oder Trierer Bildercoder uns
gelehrt, daß König Heinrich VII. in der Schlacht
von Ancifa im September 1312 unter ſeinen
Bannern auch eine Fahne (eigentlich einen Wimpel)
vorn roth und hinten gelb im Kampf habe
flatteru laſſen, es iſt aber aus dieſer Belehrung
zugleich erſichtlich, daß dieſe Fahne die „Reichs⸗
ſturmfahne“ war, ein Feldzeichen, welches eben
nur in der Schlacht gebraucht wurde und lediglich
den Character einer „Sonderfahne“ hat,
während als eigentliche Reichspaniere die ſchwarzen
Adler im gelben Felde erſchienen. Dieſe Reichs⸗
ſturmfahne nun als Landesfahne erklären reſp.
ihre Farben in die deutſchen Reichsfarben auf⸗
nehmen, heißt, abgeſehen von der Willkür, welche
in ſolchen Uebertragungen liegt, den Waffenſtreit
ſymboliſch für permanent erklären. Aus dieſem
Grunde müſſen wir die rothe Farbe ſowohl aus
der 1830 entſtandenen Tricolore Schwarz, Roth,
Gold, als aus der 1866 etablirten Zuſammen⸗
ſtellung Schwarz⸗weiß⸗roth entfernen, wenn wir
die deutſchen Farben heraldiſch beſtimmen wollen.
Das deutſche Reichswappen iſt urſprünglich, wie wir
aus Siegeln und Malereien des Mittelalters
kennen, der einköpfige ſchwarze unbewehrte Adler
im gelben Felde. Deſſen bedienten ſich die deutſchen
Könige und römischen Kaiſer bis auf Kaiſer Karl
IV. welcher gleichzeitig auch König von Böhmen
war. Vor Karl IV. kennen wir nur dieſen ein-
köpfigen ſchwarzen Adler als Wappen⸗
bild. Karls Sohn war Wenzeslaw oder Wenzel
als böhmiſcher König der 4te feines Namens.
Dieſer war es, welcher, als König von Böhmen
auch zugleich Herzog von Schleſien, anfangs
pfandweiſe, dann erblich durch Vertrag v. 18.
Auguſt 1373 vom Pfalzgrafen u. Herzog Otto
v. Bayern die Mark Brandenburg erwarb. Er
iſt es, welcher ſich zuerſt und zwar lediglich als
König von Böhmen, Markgraf von Brandenburg
u. zur Lauſitz und Herzog zu Schleſien z. B. in
Urkunden v. 23. u. 24. März u. 7. April 1371
eines Rückſiegels bedient, welches einen doppel⸗
köpfigen Adler mit dem doppelſchwänzigen
Löwen als Bruſtſchild zeigt. Er braucht
dieſes Siegel noch den 28. Dec. 1375, und als
er am 7. Juli 1376 zum deutſchen König
gewählt wurde, behielt erden Doppeladler ſtatt |
des von Kaiſer Karl IV. gebrauchten ein⸗
köpfigen Adlers und erhob ihn nach Karls IV. Tode
zum Reichswappen, was der Doppeladler auch unter
lands.
Farben würden ſich nur dann vermehren, wenn
die Bruſt des deutſchen Aars ſich mit dem Schilde
des Fürſten deckte, welcher heute Deutſchlands
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den Habsburgern nnd Lothringern bis zur Auflöſung keinen bedeutenden Grundbeſitz mehr hatte und auch wenig in
des Reichs geblieben. Als der Kaiſer Franz 1804 die
deutſche Krone für herrenlos erklärte und ein öſtreichi⸗
ſches Kaiſerthum ſchuf, arrogirte das öſterreichiſche
Kaiſerthum dieſen Doppelaar. Wiewohl das eigent-
liche Wappen von Böhmen nur der doppelſchwänzige
weiße gekrönte Löwe im rothen Felde iſt, ſo iſt der
Doppeladler als Reichswappen⸗-Bild doch eine böh⸗
miſche Schöpfung, welche vom König Wenzel auf
Deutſchland übertragen wurde. Hiefür führe ich noch
den Umſtand an, daß die Nachkommen des Herzogs
Wladislaw I. v. Böhmen (7 27. Sept. 1125) aus
ſeiner Ehe mit Richza Tochter Diepolds III. Mark⸗
grafen v. Vohburg, die ſogenannte Diepoldiſche oder
Theobaldiſche Linie der Przemisliden an einer Ur⸗
kunde vom 9. Mai 1225, im Archiv in Breslau be⸗
findlich, ſichbereits dieſes doppelköpfigen Aars als
bedienten. Da mit den Luxemburgern für das Siegel
deutſche Reich die Zeit der Schwächung begann
und unter den letzten Habsburg⸗Lothringern faſt
zum Cretinismus ausartete, ſo iſt dieſer Doppel⸗
aar in der That kein Wappen, um welches wir
das Kaiſerthum Oeſterreich beneiden. Wollen wir
an die Zeit der Größe und Herrlichkeit unſeres
Vaterlandes anknüpfen, ſo bleiben wir bei dem
einköpfigen Aar im gelben oder goldnen Feld.
Schwarz und Gold ſind daher die einzigen hi⸗
ſtoriſch und heraldiſch berechtigten Farben Deutſch⸗
Honny soit qui mal y pense. Dieſe
Schwert und Fahne führt; dann würden aber
dieſe Farben weder Schwarz, gelb, roth noch
Schwarz, weiß, roth ſein, ſondern es würde ſich
die Rangordnung der Farben nach der heral-
diſchen Regel bedingen, daß Metall nicht Metall
decken darf, und die ſchwarze Farbe würde
zwiſchen den beiden Edelfarben die Mitte bilden.
K. Chl. Frh. v. Reitzenſtein.
Schloß Warthauſen und feine Newohner.
(Fortſetzung.)
Was nun das Geſchlecht derer von Warthauſen be⸗
trifft, ſo datiren leider die meiſten Nachrichten darüber aus der
Zeit, nachdem ihr Stammſitz bereits von ihnen veräußert war
und ſie ſich in dem nahen Alberweiler angeſiedelt hatten.
Daß ſie dem ſchwäbiſchen Uradel angehört, iſt ſicher, dagegen
erhellt aus neueren Forſchungen, daß das Geſchlecht nach 1200
„HFF Z:!!! a u ie a N a a
|
urkundlichem Verkehr mit dem nachbarlichen guten Adel geftan-
den, nur wenig mit demſelben verſchwägert war. Die älteften
Daten find: Adelbertus Warthuſiä dominus 1108
derſelbe zeugt in einer Schenkung an Ochſenhauſen für Albert
von Oberſtetten 1129. 1168 verkauft das Geſchlecht feinen
Stammſitz an das Hohenſtaufen'ſche Haus, doch erſcheint es nach
dieſer Zeit noch mehrfach, außer Alberweiler, in Warthauſen
begütert.
Ueber die Warthauſen in Alberweiler iſt Folgendes bekannt:
Frater Sifridus de Warthuſen, Canonicus zu
Marchtall um 1230.
Henricus de Albernwilar 1258.
Benz von Warthauſen 1407.
Junker Hans Ulrich v. W. + 1412.
Conrad von W,, begütert zu W. u. am Windberg 1445.
Hans v. W. „der Alt“, ebendaſelbſt 1445 und 1446;
+ vor 1453.
Gallus Warthuſen, Hanſen ſeligen Bürgers zu Bi-
berach Sohn 1467, ſein Schweſtermann Martin Strigel.
Wilhelm der Warthauſer 1464.
Michael v. W. vel Warthauſer (zu Alberweiler)
Bartlome's Vetter 1464. + zu Aichach in Oberbaiern 1505
am Samſtag nach Allerheiligen.
Drei übel hauſende anonyme Brüder 1487
welche, als der ſchwäbiſche Bund ſich ihnen näherte, ihr eigenes
Schloß zu Alberweiler einäſcherten, acht Mann erſtachen und
ſieben Gefangene machten, welche zu Weißenhorn durch den
Henker ertränkt wurden.
(1379 ward Alberweiler im Städtekrieg niedergebrannt.)
Görig Warthawſer, Heiligenpfleger zu A. 1498.
Junkher Caspar Gerhart und
‚Hanns Bos. (Beide in des Nachfolgenden Jahrtags⸗
Stiftung genannt, doch von anderen Eltern als dieſer.)
Bartlome von Warthuſen, Lehensherr und Er⸗
bauer der Pfarrkirche zu Alberweiler 1498, 1503. + ebendort
1512 am Samſtag nach St. Ulrich. Uxor Anna, hatte meh⸗
rere Kinder.
Hans Stephan v. W. + vor 1552.
Hans Jakob v. W., Philipp's Vater, + 7. Juli 1565
Gerichts⸗ u. Lehensherr der Kirche zu A.
Philipps v. W. zu A. 1558, 1567. + in A. 4.
Aug. 1575. Uxor: Magdalena von Mußlow. + 17.
October 1575.
Deren Kinder:
1) Hanns-Jerg (geiſtlich.)
2) Felix Friedrich, 7 als Letzter des Stammes zu
A. 27. Juli 1584.
3) Hanns Ulrich, F zu Maynz 29. Juli 1583.
4) Hans Ulrich (geiftlic.)
5) Filius non baptizatus.
6) Margrett J.
7) Barbara, in virginitate mortuae.
8) Magtalena F 1585, maritus Schantz. (Siebm.
I., 109.)
9) Margrett II. quae obiit virgo.
Das Wappen des Geſchlechtes zeigt einen ſchwarzen Schild
mit weißem Balken, der mit zwei gelben, bewurzelten Lilien⸗
ſtäben kreuzweiſe überlegt iſt.
Auf dem Helme Lilienſtäbe in mehrfach abwechſelnder An⸗
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ordnung: bald zwei gelbe durch die Helmdecken geſteckt, bald ! fen nebſt ihrem Wappen, hat Bucelin „Germaniae No-
drei, wovon der mittlere, ſchwarze, in ein Kiſſen auf dem Helm
geſteckt iſt und deßhalb unbewurzelt erſcheint, während zwei be⸗
wurzelte, gelbe, darüber gekreuzt ſind. Auch alle drei Stäbe
in ein rothes oder ſchwarzes Kiſſen, mit gelben Quaſten ver⸗
ziert, geſteckt, kommt vor. Helmdecken ſchwarz und gelb.
Varianten am Schilde kommen derart vor, daß die Li—
lienſtäbe ſtatt der Wurzeln in Ringe endigen, auch geſchuppt
erſcheinen.
Kaiſer Friedrich's I., des Rothbart's, Sohn Philipp, oder
Friedrich II., ſein Enkel, belehnt ſeinen Truchſeſſen, den Grafen
Eberhard von Waldburg, mit der Herrſchaft Warthauſen. Eber⸗
hard's Sohn Ulrich erſcheint zuſammen mit ſeinem Bruder
Heinrich 1234 erſtmals als „Truchſeß von Warthauſen“
und ohne ſeinen Bruder in der Beſtätigungsurkunde des Klo—
ſters Schuſſenried, durch Kaiſer Conrad 1240, als Herr zu
Warthauſen „Ulricus Dapifer de Warthusin.“ Von
ſeinen Nachfolgern ſind urkundlich nachgewieſen:
1251 Walter Truchſeß von Warthauſen.
1258 Heinrich T. v. W.
1272 Burkard u. Conrad v. W.
1294 u. 1299 Walter v. W.
1309 Werner Truchſeß v. W., um welche Zeit dieſe
Linie der Waldburg erloſch und Warthauſen an
die Linie der Truchſeſſen zu Waldſee kam.
Die Gebrüder von Waldſee verkaufen 1331 die Herrſchaft
den Herzogen Albrecht und Otto zu Oeſterreich, und bald darauf
erſcheinen die von Freyberg als die Beſitzer; jedoch erhellt
aus einer dem Berthold vom Stein zu Ronsperg, Ritter, er-
theilten Erlaubniß, Warthauſen von Conrad von Freyberg ein—
löſen zu dürfen, daß die Freyberg den Beſitz nur pfandweiſe
hatten. Näheres hat ſich darüber nicht feſtſtellen laſſen. In
Urkunden von 1396 findet ſich ein Eberhard v. F. zu Achſtetten
und Warthauſen und 1419 wird Junker Conrad von Freiberg,
zu W. geſeſſen, urkundlich genannt. And Paulus v. Stein
hatte W. pfandweiſe von Oeſterreich inne, er blieb 1446 bei
Ragatz in einem Treffen gegen die Schweizer. Seine drei Söhne,
Berthold, Conrad und Hans, erhalten vom Erzherzog Albrecht
(als Adminiſtrator der Oberöſterr. Lande) die Erlaubniß, dieſe
Pfandſchaͤft an die Stadt Biberach zu veräußern. was aber
nur theilweiſe geſchah und verſchiedene Complikationen zwiſchen
der Stadt und Erzherzog Albrecht zur Folge hatte.
von Ulm von Erzherzog Sigismund die Herrſchaft zu erhalten,
was ihm gegen Erlegung von 1200 Fl. bewilligt wurde; der
Herzog aber beſtätigte den Contrakt nicht, gab die Summe
zurück, und Biberach verblieb, jedoch immer nur pfandweiſe, in
deren Beſitz. 1474 brannte das Schloß vom Blitz getroffen
ab und von dieſer Zeit bis 1528, wo Oeſterreich die Pfand—
ſchaft kündigte, gab es zwiſchen der Stadt, dem Haus Oeſter⸗
reich und einem Michel von Freiberg, der ſich in den Beſitz
von Warthauſen drängen wollte, neue Streitigkeiten. Endlich
1529 wurde Warthauſen dem Dr. Hans Schad von Mittel:
biberach, einem gewandten und am kaiſerlichen Hofe hochgeach—
teten Manne. um 18000 Fl. verſetzt. Schon 1532 wurde die
Veſte und Herrſchaft W. mit aller Herrlichkeit, hohen und
niederen Gerichten ꝛe. dem Hans Schad und feinem Mann:
ſtamm von Oeſterreich zu Mannlehen verliehen, wozu 1544
noch der Blutbann kam.
Die freiherrliche Linie der Schad von Warthau—
Darüber!
ſtarb der Erzherzog 1461 und nachher ſuchte Hanns Harſcher
titin“ etc. pars II. behandelt, fo daß nur beizufügen iſt, daß
nach Leopold Schad's Tod, der 15. Dechr. 1695 feine Linie
ſchloß, Warthauſen an Oeſterreich heimfſiel. Den 18. Januar
1696 wurde Johann Philipp Joſeph von Stadion damit bes
lehnt, und die Linie Stadion⸗Warthauſen, die noch in Defterreich:
blüht, beſaß die Herrſchaft bis 1826, in welchem Jahre ſie
Graf Johann Philipp Eduard Stadion an Württemberg ver-
kaufte. Freiherr Friedrich König erwarb wiederum Schloß und-
Schloßgut nebſt Patronatsrecht ze. Anno 1829 vom Staate,
und laut Diplom vom 25. Febr. 1867 führt der Majorats⸗
herr Frh. König von und zu Warthauſen fein Familienwappen.
mit dem (oben beſchriebenen) der + von Warthauſen vereinigt.
a E v. K.⸗W.
Beiträge zur Genealogie rheiniſcher
Jamilien.
Vom Frhn. v. Vorſt⸗Gudenau.
Bock von Lichtenberg.
Rainer Bock zu Lichtenberg (Fahne II. p. 14)
hatte einen Bruder Rudolf. Dieſer hinterließ von Margareth
von Eys genannt Beusdael eine Tochter Veronika, welche ſich!
vor 1585 mit Johann von Holtrop vermählte. —
Rainer hatte folgende Kinder:
1) die von Fahne angeführte Veronica, Ehefrau des Caspar
von Cortenbach (geſtorben 1605) welche noch 1625 lebte.
2) Frambach, Comthur des deutſchen Ordens, geſtorben gleich-
falls 1605. |
3) Reinhard. —
Die Eltern des Frambach, mit dem Fahne II. 14, feine
Genealogie beginnt, waren N. von Bock und N. von Bade ge—
nannt Kempel. —
Diamantſtein.
Dieſe Familie, die ſich auch Diemantſtein ſchrieb, ſtammt
aus Schwaben, kam jedoch ſpäter in Folge von Hofdienſten in
das Kölniſche und Bergiſche.
logiſche Bruchſtück:
IJ. N. von Diamantſtein heirathete N. von Köllwarth.
II. N. von Diamantſtein heirathete N. von Freyen-Sei⸗
boldstorff. ö
III. Johann Heinrich von Diamantſtein geboren ca. 1580,
geſtorben 19. October 1652, heirathete Anna Maria.
von Weichs.
IV. 1) Franz von Diamantſtein, hinterließ von Clara von
Berlichingen (geſtorben 1659) eine Tochter Anna Sofia
Maria, vormählt mit Johann Stefan von Stauding und
einen Sohn Johann Chriſtof von Diamantſtein, über
den nichts Näheres vorliegt. |
2) Johann Conrad.
3) Chriſtof Leonhard. g
4) Johann Stefan, geſtorben 1669, heirathete Magdalena
Freyinn von Ratſchin, und hinterließ: 1
V. 1) Adam Freiherr, ſpäter Graf, von Diamantſtein, heira⸗
thete Maria Eliſabeth Gräfin von Velbrück zu Lan⸗
quit. Er ſtarb 1730, ſie 1740. — 5 |
2) Sofie Magdalena ſtarb 1731.
Fortlaufend iſt folgendes genea—
71
3) Maria Eleonore heirathete 10. November 1679 Fried⸗
rich Chriſtof Leutrum von Ertringen.
4) Anna Thereſia heirathete 7. Mai 1679 Hans Wolf
von Weichs.
5) Johann Stefan. —
Bei Hattſtein und Zedler findet ſich auch noch Einiges
über dieſes Geſchlecht. —
Dornick.
Der bei Fahne II. 32 erwähnte Johann von Dornick
hinterließ von Sofia von der Capellen folgende Kinder:
1) Wilhelm, deſſen Descendenz uns Fahne mittheilt. Nur fehlt
bei ihm Wilhelm's zweiter Sohn: Theodor Johann von
Dornick geboren 1666. —
2) Johanna Maria heirathete Dietrich von Steprath zu Walbeck
und Twiſtede.
3) Der bei Fahne ſchon erwähnte Johann Herr zu Wohnungen,
heirathete N. von Erwille Erbin zu Oeffte, und hinterließ
Johann Dietrich von Dornick, Herrn zu Oeffte. —
Eys genannt Beusdael.
Die Genealogie dieſes weit verbreiteten Geſchlechtes liegt
noch ſehr im Dunkeln. Im Staatsarchiv zu Lüttich findet ſich
folgender Stammbaum:
ofe
1 &
Er 2
* = en 5
ur D 2 == 25
2 2 = Ss
S 2 5%) eo 6
— — — —
Eys v. B. Broiſch Koſſelaer Ophem
— — —
Eys von Beusdael Koſſelaer.
—
Maria von Eys, genannt Beusdael heirathete Frambach von
Gülpen. —
Genannte Maria hatte noch zwei Geſchwiſter: eine Schweſter
Margareth, vermählt mit Rudolf Bock von Lichtenberg, und einen
Bruder, vermählt mit N. von Ellerborn, deren Mutter eine
Huyn von Amſtenrath war. —-
Der Vater der oben erwähnten Marie hatte einen Bruder
Heinrich von Eys genannt Beusdael, der ſich mit Eliſabeth
von Alſteren (Tochter Johann's VI. von Alſteren, öfters Bürger⸗
meiſter von Lüttich, und der Jacobe von Hamal genannt Soije)
Erbin zu Bruſthem vermählte. Seine Tochter Mechtildis hei—
rathete Arnold von Spee zu Altendorf. —
Friemersdorſ genannt Pütz feld.
I. Conrad von Frieuersdorf genannt Pützfeld lebte 1474.
II. Dietrich von F. genannt P. kommt urkundlich in den
Jahren 1489 — 1510 vor. Im Jahre 1504 war er
mit Margaretha von Lyſur vermählt, welche in erſter Ehe
1488 den Arnold von Schmidtheim zum Manne gehabt
hatte. —
Conrad von F. genannt P. lebte noch 1571. Im Jahre
1561 heirathete er Catharina von Mirbach, Tochter von
Nikolaus zu Arloff und Eliſabeth vom Steyne.
III.
rina hatte in erſter Ehe 1555 Conrad von Blankart zu
Male mit Heinrich von der Horſt. Sie lebte noch 1600. —
IV. 1) Magdalena von F. genannt P. heirathete Rainer
Scheiffart von Merode Herrn zu Wylerſchwiſt.
2) Dietrich von F. genannt P. ſteht mit ſeiner Frau
(Anna von Blankart) und Descendenz bei Fahne I. p. 105.
Ich bemerke hier nur noch, daß Werner Dietrich von Frie⸗
mersdorf genannt Pützfeld und Maria Magdalena Scheiffart
von Merode außer den bei Fahne erwähnten zwei Söhnen noch
eine Tochter Maria Catharina hinterließen, welche ſich 1708
mit Engelbert Hubert Freiherrn von Waha (geſtorben 1717)
vermählte. (Efr. Goethals III). — 5
(Fortſetzung folgt.)
CTiteratur.
Correſpondenzblatt Nr. 7, S. 49 ff. „Siegel der
Stadt Wenden;“ (in Lievland.) Beſchreibung und Er⸗
läuterung eines von dem noch (wo?) vorhandenen äl—
teſten Siegelſtempel dieſer Stadt genommenen Abdrucks;
Derſelbe (2“ Dm.) zeigt über einen niedrigen ſechsthür—
migen Mauer einen zum Kampf geſchickten „Wenden.“
Dieſe Figur wird auf ſpäteren Darſtellungen des Wappens
als Ritter oder Ordensbruder angegeben — völlig miß—
verſtändlich, da der ganze Anzug und Habitus derſelben,
wie man ſie auf dieſem (a. a. O. abgebildeten) Siegel
erblickt, einen Wenden kennzeichnet, der hier als redendes
Wappenbild gewählt wurde. In Vergleich gezogen wird
das hier ebenfalls mit abgebildete, durch Voßberg's
„Siegel der Mark Brandenburg“ bekannt gewordene
Sigillum Hennekini Wendes, deſſen Urſprung noch nicht
ermittelt iſt.
Bezüglich der als ſelten erwähnten Ausdrucksweiſe
in der Umſchrift: „ ... civitatis de Wenda“ jet be⸗
merkt, daß Schreiber dieſes außer den ſchon genannten
Siegeln von Neu-Kalen und Dömitz nur noch ein sig.
civitatis de La in ſeiner Sammlung fand; die Um-
ſchrift civitatis in ꝛc. iſt dagegen ziemlich häufig ver:
treten. Noch erwähne ich: „sigillum civitatis civium
de Gmunden;“ „sig. civitatensium in Egele;“ „sigil-
lum de Kothene;“ „s', ban nove civitatis ducis de
Luneborch.“
Ibid. S. 53: „Die Bambergiſchen Erbämter; Fort-
ſetzung aus Nr. 4 deſſ. Bl. Vor K. C. Frhn. v. Reit⸗
zenſtein.
„Numismatiſch- ſphragiſtiſcher Anzeiger.“ Nr.
13, S. 99: Notiz über heraldiſch⸗ſphragiſtiſche Be⸗
ſtrebungen in Schleſien: Anlegung einer Sammlung
von Abgüſſen der Siegel des Breslauer Staats-Archivs
durch den Verein f. ſchleſ. Alterthümer; Herausgabe des
Städte-Wappenbuch's vom Frhrn. Saurma desgl. eines
die Abbildungen der ſchleſiſchen Siegel des Mittelalters
Catha⸗ enthaltenden, noch in Vorbereitung begriffenen Werkes.
— Nr. 16, ©. 117: über antike Gemmen als Siegel—
Ahrweiler geheirathet und vermählte ſich ſpäter zum dritten! ſtempel.
72
„Geſchichts-II. Blätter f. Stadt u. Land Mag⸗
deburg.“ 1870, Heft. S. 276: Magdeburgiſche
Siegel (mit Abb.) von G. A. v. Mülverſtedt. 1) Stadt
Burg, Secret, 14. Jahrh.; unter einem dreibogigen
Portal die Mutter Gottes; Umſchrift: 4 Secretum. bor-
gensivm. de. Borgh.“ 2) Heinemann v. Grabow;
Fragment eines Siegels (unicum) v. J. 1282, zugleich
einzige Quelle für die Kenntniß des Wappens dieſes Ge⸗
ſchlechtes; (quergetheilter Schild, oben leer, unten 3 —4
Pfähle.) Es ſind diverſe Familien dieſes Namens zu
unterſcheiden: die v. G. im Magdeburgiſchen und der
Priegnitz (Wappen: Krebs,) die 1660 reſp. 1760 erloſch;
die v. G. in der Priegnig, (wachſender Löwe über Schach;)
die v. G. in Mecklenburg, (Balken mit drei Sternen.)
Eine vierte Familie v. G. iſt die, der der ebengenannte
Heinemann angehörte; ſie entſtammt dem gleichnamigen
Orte im Jerichow'ſchen und tritt zuerſt mit Heinrich v.
G. 1144 auf, erloſch aber bereits zu Anfang des 14.
Jahrhunderts mit Alverich v. G., Dechant zu St. Ni⸗
colai in Halberſtadt. 3) Gertrud v. Alvensleben ; thaler-
großes Siegel, die Dame in ganzer Figur ſtehend dar⸗
ſtellend, wie fie in der Linken den Alvensleben'ſchen
Schild, in der Rechten den dazu gehörenden Helm trägt.
Umſchrift: „ S. dnae (sic) ghertrudis d' Alvesleve.
Höchſt wahrſcheinlich die zweite Gemahlin Friedrich's v.
A. auf Erxleben ꝛc.
Dieſes Siegel verdient (cf. ibid. III. S. 414) in
ſo fern beſondere Beachtung, als es an einer vom 12.
Juli 1361 datirten Urkunde des Kloſters Hadmersleben
hängt, und Eingangs derſelben die Gertrud v. A. als
Aebtiſſin bezeichnet wird; eine derartige Darſtellung
eines Aebtiſſinſiegels muß aber zu den größten Selten—
heiten gezählt werden. Möglich wäre, daß Gertrud v.
A. dies Siegel vor ihrem Eintritt in den geiſtlichen
Stand geführt und fortgefahren habe, daſſelbe auch
nachher zu gebrauchen.“
4) Arnold v. Ammendorf; dreieckiges Siegel, geſpalten,
vorn adlerartig gebildete, an den Spalt geſchobene halbe
Gans, hinten vier Reihen Pelzwerk. Urk. v. J. 1343 u. 1358
im Archiv des Kloſters Marienborn. Die v. A. erſcheinen
Nen auf ihrem gleichnamigen Stammſitz im Kreiſe
euhaldensleben mit Erlewin v. U. 1239, blühten
mehrere Jahrhunderte lang, und ſtarben im 14. saec.
aus. Faſt ganz daſſelbe W. führten die v. Deben im
Magdeburgiſchen. — 5) Werner v. Gudenberg. Wappen⸗
ſiegel: Schild, aufwärtsgekehrter Halbmond; Helm:
derfelbe vor einem, oben mit einem Stern beſetzten,
Stabe. Umſchrift: S'. Werner d (e) Gvdenberg. Urk.
d. a. 1410. Die Familie, welcher der Siegler angehörte,
iſt von der v. Gutenberg im Saalkreiſe zu unterſcheiden. —
6) Hans Gerbrecht, Bürger zu Magdeburg; aus einer
angeſehenen Patricierfamilie dieſer Stadt. Rundes
Schildſiegel: zwei gegeneinander gewendete Löwen; im
Schildesfuße eine Lilie; U.: „S' Johannis Gerebrechti .“
— S. 304: Erläuterung einer beigegebenen Lito⸗
graphie, darſtellend einen am Trinitatis⸗Hoſpital zu
Egeln befindlichen Gedenkſtein des Mageburger Dom—
) Sind den verehrl. Leſern ähnliche Beiſpiele bekannt? dann
würden Sie uns durch Mittheilungen darüber ſehr berze
D. Red.
herrn Albrecht v. Kracht mit dem Wappen der einen Li⸗
nie dieſes Geſchlechts: im getheilten Schilde zwei Naub-
vogelfüße gewechſelter Tinckur; Helm: off. Flug. Die
andere Linie führt bekanntlich auf Schild und Helm
einen, in eine Vogelkralle endigenden, Flügel.
Ad. M. H.
Der IV. Band der „Seriptores rerum Prussicarum“
enthält die für Heraldik wichtige alte Schrift von Jo-
hannes Dlugoſz: „Banderia Prutenorum“ welche bisher
blos in verſchiedenen Handſchriften und in den Aus-
gaben von Paprocki 1584, Bielski 1597, Voßberg
1850, Meckelburg 1850 vorhanden war, herausgegeben
und mit Anmerkungen verſehen von Dr. E. Strehlke. Die
Schrift enthält bekanntlich eine Beſchreibung der Banner,
welche die Polen unter König Wladislaus Jagiello
in der Schlacht bei Tannenberg (1410) ihren Feinden
abgenommen hatten. Dlugoſz war ein Krakauer
Domherr und lebte 1413-1480; hiernach iſt leicht der
Werth der Schrift zu beurtheilen. Die Redigirung iſt
ſo gediegen wie es ſich von Dr. Strehlke erwarten
läßt. Gute Holzſchnitte ſind in den Text gedruckt.
Der kürzlich erſchienene IV. Bd. der Quellen zur
Geſchichte der Stadt Köln hrsgg. von Dr. L. En nen
enthält 20 ſehr intereſſante Siegelabbildungen aus dem
Zeitraum von 1311—1372. Mit einer Ausnahme
(Erzherzog Rudolf IV. von Oeſterreich, prachtvolles
Reiterſiegel) betreffen ſie ſämmtlich die Stadt Köln:
Wappenſiegel: Wollenamt; Ritterzunft Schwarz—
haus; Ritterzunft Aren; Steinmetzzunft; Bäckerzunft;
Gürtelmacher; Goldſchmiede; Fiſchamt; Schröder; Sar—
wörter; Kannengießer; Ziechenweber.
Bildſiegel: Ritterzunft Eiſenmarkt; Ritterzunft
Himmelreich; Schuhmacher (ſpitzoval;) Faßbinder.
Bl.ildſiegel mit Wappen: Ritterzunft Windeck; Maler
(ſpigoval;z) Schmiede.
Berichtigungen
zu „Heideloffs Fürſten⸗ und Ritteralbum mit genealo⸗
Bien Notizen von Herrn Dr. A. v. Eye. Stuttgart,
1868.“
Stralenfels S. 39.
Das Geſchlecht dieſes Namens gehört nicht dem
öſterreichiſchen, ſondern dem altfränkiſchen Adel an. Ihr
Stammſitz gleichen Namens lag zwiſchen Hilpoltſtein
und Velden im nachmalig Nürnbergiſchen Gebiete.
Glieder des Geſchlechtes kommen häufig in Urkunden
des 14. u. 15. Jahrh. vor, und werden auch in geiſt⸗
lichen Würden gefunden. Johann war von 1394— 1417
Abt von Reichenbach; Margaretha 1454 1465 Priorin
des adeligen Nonnenkloſters Engelthal.
Adelram wurde nach anderen Mittheilungen nicht
von Friedrich dem Schönen, ſodern von Kaiſer Ludwig
zum Ritter geſchlagen.
Trimberg S. 68.
Der Dichter Hugo von Trimberg. hörte nicht dem
Dynaſtengeſchlechte dieſes Namens an; er war bekannt⸗
lich Rector der Collegiat⸗Stifts⸗Schule zur heil. Maria
und St. Gangolf in Bamberg, und ſchrieb ſich wahr⸗
ſcheinlich blos wegen eines zeitweiligen Aufenthalts von
der Burg Trimberg; deren Beſitzer ſcheinen überhaupt
1
ö
i
kömmlich.
73
Gaſtfreunde der Dichter geweſen zu ſein, denn noch ein
anderer, ebenfalls berühmter Meiſterſänger (deſſen Lieder
in der Maneſſiſchen Sammlung aufbewahrt ſind) Meiſter
Süßkind, ein jüdiſcher Arzt, ſchrieb ſich von Trimberg.
Die Helmzier der Grafen von Trimberg wird an—
gegeben: ein niedriger rother Hut (mit rothen Krämpen)
der mit drei Pfauenfedern beſteckt iſt. Decken: roth u.
weiß. Guſt. Seyler.
Kritik über „Kärnthens Adel bis 1300,“ heraus—
gegeben von A. Weiß. 5
Herr H—b bringt in Nr. 9 des literariſchen Cen⸗
tralblattes für Deutſchland von Prof. Dr. Zarnke eine
Kritik über das genannte Buch, welche allerdings, wie
man es verlangt hat, ſchonungslos tft, aber in jeder an-
deren Beziehung vieles zu wünſchen übrig läßt. So
ſagt er, daß die Einleitung über die Standesverhältniſſe
und das ſociale Leben des Mittelalters mit manchen
Irrthümern behaftet ſei, ohne dieſe Mängel zum Beſten
den Leſeru jenes Buches, die er alſo wiſſenlich auf
dem Irrwege läßt, zu verbeſſern, oder auch nur anzu—
deuten! Das trifft jeder.
Weiter bemerkt Hb., der Verfaſſer müſſe über Küche
und Keller unſerer Zeit eingehende Studien gemacht
haben. Gewiß! Nicht blos bei dieſem, ſondern auch bei
jedem anderen Gegenſtande, deſſen mittelalterliche Bes
ſchaffenheit der Darſteller ſeinen Zeitgenoſſen zu erklären
wünſcht, muß er an die jetzigen Verhältniſſe anknüpfen,
und wenn er dieſe nicht oder mur unvollkommen kennt,
ſo dürfte ſein Verſtändniß mangelhaft und ſeine Dar—
ſtellung nicht beſonders anſchaulich ausfallen.
Hb. ſpricht den Studien über Kärnthens Adel, da
kein gelehrter Apparat angebracht iſt, allen wiſſenſchaft—
lichen Werth ab. Wir wollen darüber nicht ſtreiten,
da die Vorrede ohnehin Plan und Zweck des anſpruch—
loſen Werkes deutlich auseinanderſetzt. Doch bleibt es
fraglich, ob die Angabe einiger Tauſend Archiv—
nummern zur Wiſſenſchaftlichkeit der Sache weſentlich
beigetragen hätte, eine ſolche Anſchwellung wäre für
außerkärnthneriſche Leſer völlig nutzlos. Diejenigen hin—
gegen, die in den Fall kommen können, neue Studien
auf dem Grund jener Unterſuchungen zu beginnen, werden
in einer Menge eingeſtreuter Bemerkungen, die man ſo
unſcheinbar als möglich anbrachte, Rath finden, wo die
Urkunden einzuſehen ſind und mit dem Aufſuchen nicht
mehr Zeit verlieren, als die Sache nothwendig erheiſcht.
Vermiſchtes.
— Nach einem in Hamm eingegangenen Reſeript
des königlichen Heroldsamts zu Berlin, iſt die
Reihenfolge der Farben beim Fahnenſchmuck folgende:
von oben — nämlich von der Spitze der Stange ab |
gerechnet, bei der preußiſchen Fahne: „Schwarz, Weiß“,
bei der norddeutſchen Flagge: „Schwarz, Weiß, Roth“.
Quaſten ſind an den gleichfarbigen. Streifen anzu—
bringen. Das Auszacken iſt nur bei Schiffsflaggen her—
() Die Anſicht, daß als Zeichen der Trauer
irgend welche Aenderung in der Farbenſtellung anwend—
bar ſei, (l) muß nach heraldiſchen Grundſätzen als eine
durchaus irrige bezeichnet werden. Die preußiſchen Na—
tionalfarben ſind unter allen Umſtänden „Schwarz—
Weiß“ und beſteht das Zeichen der Trauer bei Fahnen
lediglich im Umfloren derjelben. - (Nordd. A. 3.)
Der berühmte Dr. Joh. Friedr. v. Meyer ſagt in
ſeinen „Blättern für höhere Wahrheit:“ Es giebt nur
zwei Grundfarben, Blau und Roth; — — Blau iſt
die horizontale Linie oder das Leidende, Roth die per-
pendikulare oder das Wirkende; — — Es war eine
ſinnreiche Wahl der Heraldiker, daß fie Roth mit per-
pendikularen, und Blau mit horizontalen Strichen an—
zudeuten (zu ſchraffiren) verordneten, ſowie Purpur und
Grün beide mit Diagonalen in verſchiedener Richtung.“
Zur Anfrage Nr. I.
Das Landfriedensſiegel betr.
Nicht weil ich Werth darauf lege, ſondern blos um
die Literatur zu vervollſtändigen, theile ich hier mit, daß
auch Joh. Andr. Severin Henrici eine Abhandlung über
dieſes Siegel geſchrieben und der Societät der Wiſſen—
ſchaften in Göttingen im Jahre 1756 überreicht hat.
Ob ſie gedruckt iſt, weiß ich nicht, wohl aber iſt ſie un—
günſtig recenſirt worden (Gött. gel. Anz. 1756 ©. 1323.)
Henrici ſoll der Fiſch ein Denkmal der Befreiung K.
Wenzels aus feiner Gefangenſchaft zu Wien durch den
Fiſcher Hans Grundel ao. 1394 fein. (Hiſt. dipl. Maga⸗
zin. 1. 241. Nbg. 1781.) Seyler—
Zur Anfrage Nr. II.
Ad 1) Die Mutter der Fürſtin Anna zu Anhalt
war Magdalena, Tochter des Grafen Humbert
von Nuenar und Limburg, welche dem Arnold
die Grafſchaft Limburg zubrachte.
Ad 2) Fräulein Loyſe Amalie v. Anhalt iſt
geb. 14. Jan. 1606; f 17. Octob. 1635.
Ad 3) Die Fürſtin Sophie iſt geboren 16.
Auguſt 1599. Ihre Mutter, die zweite Ge⸗
mahlin des Grafen v. d. Lippe-Bieſterfeld, war
Eliſabeth, Tochter des Grafen Otto v. Holſtein⸗
Schaumburg, verm. 13. Nov. 1585.
Ad 4) Frl. Sibylla Maria Ruthena v. Plauen
iſt geb. 4. April 1625. Sie wurde vermählt
24. Oct. 1647 an Heinrich X. jun. v. Plauen⸗
Lobenſtein und ſtarb 17. Mai 1675.
Ad 5) Beide waren Schweſtern. Eliſabeth
wurde die Gemahlin des Freiherrn Chr. v.
Schönburg und ſtarb 24. Febr. 1667.
Ad 6) Juliane Eliſabeth v. Reuß war Tochter
des Rhein⸗ und Wildgrafen Friedrich zu
Daun und der Sibylla Juliane, Tochter des
Grafen Philipp von Yſenburg; Gemahlin des
Grafen Heinrich IV. v. Plauen. ( 25. Aug.
1659.) Sie ſtarb 16. Mai 1653.
J. F. Heß.
Zur heraldiſchen Terminologie.
Bezüglich der Redactionsnote zu meinem Aufſatz in
Nr. 8 u. 9 S. 58 d. Bl. bemerke ich, daß ich Dr.
Grote's hoch⸗ und quergetheilt wiklich für eine Ver—
beſſerung halte.
Nach meiner Anſicht muß der terminus techn. 1)
kurz aber auch deutlich ſein, 2) darf er der Gramatik
keinen zu großen Zwang anthun; ad 1) gehören die
Bezeichnungen „geſpalten“ und „getheilt“ nicht zu den
deutlichen; ſelbſt die Anhänger derſelben verwechſeln ſie
häufig, natürlich, weil die Bedeutung der Worte an
und für ſich, durch nichts an den heraldiſchen Sprach—
gebrauch erinnert; ad 2) gehören die Bezeichnungen
„gelängt“ und „gequert,“ welche Niemand im Ernſte
empfehlen wird.
Bei dieſer Gelegenheit möchte ich auf die Bezeich—
nungen „linksſchräg“ und „rechtsſchräg“ aufmerkſam
machen, welche als declinirbare Adjectiva vor „ſchräglinks“
ꝛc. den Vorzug. verdienen. Seyler.
Anzeigen.
Der mangelhafte Zuſtand der Genealogieen unſerer Deut⸗
ſchen Dynaſtengeſchlechter erheiſcht dringend Abhülfe, welche von
allen Freunden unſerer Vaterländiſchen Geſchichte ſehnſüchtig
gewünſcht wird. Für die Deutſchen regierenden Häuſer hat
Adolf Cohn in Göttingen mit unſäglicher Arbeit und geift-
reicher Kritik das Mögliche geleiſtet. Die Fortſetzung dieſes
Werks rückſichtlich der ausgeſtorbenen und noch blühenden ehe:
maligen landesherrlichen Geſchlechter iſt für die Kräfte eines
Einzelnen oder einiger Weniger eine zu große Aufgabe, um
dieſelbe löſen zu können. Tüchtige Arbeiten können hier auch
nur von den Specialhiſtorikern geliefert werden. Ich erlaube
mir daher, zur Abfaſſung eines Werkes:
„Stammtafeln Deutſcher Dynaſtenhäuſer mit
Siegeln und Wappen“
aufzufordern, und bitte alle Geſchichtsforſcher, Genealogen und
Heraldiker Deutſchlands, welche Theile dieſer Arbeit übernehmen
wollen, Anmeldungen beim „Herold“ einzureichen. Ich ſelbſt
bin erbötig, die Orlamünde, Tannrode, Gleisberg, Waldenburg,
Schönburg, Beichlingen, wie überhaupt Dynaſtieen des Oſter⸗
landes, Erzgebirges, Frankenwaldes, und Oſt⸗Thüringens zu
übernehmen, für welche ich bereits ſeit 10 Jahren geſammelt
habe.
Berlin, den 23. September 1870.
K. Chl. Ihr. v. Veitzenſtein.
Soeben erſcheinen antiqu. Verzeichniſſe:“)
Nr 95. Manuſcripte, Adelsdiplome, Urkunden.
Nr. 96. Numismatik, Sphragiſtik.
Nr. 97. Geſchichte, Heraldik. 5
Die meiften Werke ſtammen aus dem Nachlaſſe Voßbergs.
— Ferner debitire ich:
Saurma, Wappenbuch der Schleſiſchen Städte und Städtel,
m. Wappen u. Siegelabbildungen. 4 Thlr.
Berlin, Jägerſtr. 53. J. A. Stargardt.
) Näheres über dieſelben in Nr. 11 d. Bl.
Bi fte.
Der Unterzeichnete, ſeit längerer Zeit damit beſchäftigt, eine
„Bibliotheka genealogico - beraldica“ für den Druck vorzubereiten,
iſt jetzt mit der Benutzung der buchhändleriſchen Hülfsmittel fertig
geworden und richtet nunmehr an die Herren Autoren ſolcher heral⸗
diſcher, genealogiſcher und ſphragiſtiſcher Werke, welche N
im Selbſtverlage der Verfaſſer erſchienen, ad Mar
nuſeript gedruckt, oder aus Zeitſchriften ſeparat abgedruckt
worden ſind
die freundliche Bitte, ſein Unternehmen durch Ueberſendung der
betreff. Werke gefälligſt unterſtützen zu wollen. Es erfolgen dieſe
— wenn die Adreſſe des Abſenders genau angegeben und der Wunſch
um Rückſendung durch Unterſtreichung mit farbigem Stifte ausge⸗
ſprochen wird — nach gemachtem Gebrauche wieder zurück.
Offenhauſen bei Hersbruck in Mittelfranken.
Gust. Seyler.
Soeben erſchien im Verlage von Ferd. Schöningh in Pa⸗
derborn:
„Geſchichte des Geſchlechts von Oeynhauſen. Aus
gedruckten und ungedruckten Quellen bearbeitet von Julius
Grafen von Oeynhauſen. — Erſter Theil: Uegeſten und
Urkunden von 1036 bis 1605. — Mit vier Siegeltafeln
und zwei Abbildungen.“ in gr. 8
Das Buch enthält in 570 Urkunden das Material zur Geſchichte
des alten weſtfäliſchen Geſchlechts von Oeynhauſen ſeit dem erſten
Auftauchen ſeines Stammſitzes gleichen Namens bis zum Jahre 1605,
der Zeit der Verzweigung in die noch jetzt blühenden Hauptlinien.
Die aus der lithographiſchen Kunſtanſtalt von Fr. Bartholomäus in
Erfurt hervorgegangenen Siegeltafeln mit 15 Siegeln, ſowie die
Anſichten eines Grabſteins und des älteſten Stammſitzes ſind ſehr
ſorgfältig ausgeführt. Ein genaues Perſonen⸗, Orts- und Sach⸗
regiſter erleichtern die Benutzung des Urkundenſtoffes.
Von Siebmachers
„Großem und Allgemeinen Wappenbuch“
erſchien ſoeben:
Lieferung 80, „Außerdeutſche Staatenwappen“ bearbeitet von
M. Gritzner und Ad. M. Hildebrandt⸗Mieſte. — Schluß⸗
lieferung dieſer Abtheilung mit Titelblatt und Regiſter.
Die Abtheilung „Hannoveriſcher Adel“ befindet ſich in der Preſſe.
Nürnberg. Bauer & Raspe.
Eine ſehr bedeutende Autographenſammlung,
ca. 3400 Nummern enthaltend, iſt wegen zunehmenden
Alters des Befigers zu verkaufen. Dieſelbe enthält Au-
tographen (nicht nur Unterſchriſten, ſondern auch ganze
Briefe, zum Theil von hohem hiſtoriſchen Werth) der euro-
päiſchen Staatsmänner, Helden und Gelehrten aus der
Zeit vom Ende des Mittelalters bis ca. 1700. Jedem
Blatt iſt ein hiſtoriſcher Nachweis mit Angabe der bezüg-
lichen Quellenwerke beigefügt. Den Werth der Sammlung
erhöhen forgfältig geführte Wegifter.
Nähere Auskunft ertheilt die Wedaction d. Bl.
Beflectanten können event. den Katalog zur Einſicht
erhalten.
Inhalts⸗Verzeichniß:
Nobilitirung. — Die Deutſchen Farben. — Schloß Wart⸗
hauſen, (Schluß). — Beiträge zur Genealogie rheiniſcher Fa⸗
milien. — Literatur. — Vermiſchtes. — Anzeigen. —
S. 47, Z. 2 v. u. lies „reich ornamentirten“ ſtatt „reichen,
ornamentirten“ S. 48. Anmerkung: „olla ft. ulla“ —
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. f
IP
I
BER
| Monatsſchriſt für Heraldik,
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal L—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile
Nr. 11. DD Berlin, im November 1870. D 1. Jahrgang.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller: | auf Schloß Wollenburg in Kärnthen, die Geſtaltung
gnädigſt geruht: den General der Infanterie, Chef des | der deutſchen Flagge betr. Auf eine von p. Göſchen an den
Generalſtabes der Armee, Freiherrn Hellmuth von Moltke, Verein gerichtete (feinem Wunſche entſprechend hier zu
in den Grafenſtand zu erheben. (Publ. 12. Nov.) beantwortende) Anfrage: ob die in Nr. 1 des „Herold“ be-
ſchriebenen, höchſt intereſſanten heraldiſchen Manuſcripte
aus den 19 1 105 1 1 zu erhalten
35 y 7 ſeien, konnte keine Auskunft ertheilt werden, dahingegen
Auszug HER dem Prokoſiolle der Sitzung des wurde auf eine anderweite Frage bemerkt, daß Briefe
„Gerold“ vom 3. Nopbr. 1870. mit der Bezeichnung: Baron Schenk v. Flechtingen auf
Der dritte November, an welchem Tage im ver- Flechtingen in der Altmark ihren Beſtimmungs-⸗Ort ſicher
floſſenen Jahre zuerſt die Gründer des Vereins“) zur erreichen werden (Bgl. unter „Correſpondenz.“)
Bildung einer, nun ſchon über ganz Deutſchland ver— Herr Lieutenant Schuch legte zur Anſicht eine An⸗
breiteten, heraldiſchen Geſellſchaft zuſammentraten, wird zahl ca. 200 Jahre alter, auf Leinwand und Papier
— ben Statuten gemäß — als Stiftungstag gefeiert. gepreßter Wappen vor, welche ohne Zweifel zu Einband⸗
Demzufolge hatten ſich denn die Mitglieder am Abend Deckeln von Leichenpredigten verwendet geweſen find.
dieſes Tages zahlreich im Sitzungslocal verſammelt. Als Geſchenke waren eingegangen: 5
Der Herr Vorſitzende eröffnete die Zuſammenkunft | 1) vom Herrn Oberforſtmeiſter Freiherrn von Graß zu
mit einem kurzen Rückblick auf das verfloſſene Jahr Wiesbaden: Gips⸗ und Lack⸗Abdrücke; g
und die Thätigkeit des Vereins in demſelben. Letztere 2) vom Herrn Gerichts⸗Actuar Apetz zu Roda: Gips⸗
konnte als eine höchſt erfreuliche, über Erwarten rege und Wachsſiegel und 5
bezeichnet werden; was zunächſt der uneigennützigen und | 3) vom Herrn G. v. Bülow: 1 Exemplar der Brochüre
verdienſtvollen Leitung der Redaction des Vereins-Organs „die deutſche Fahne“ von Dr. Pallmann.
zugeſchrieben werden mußte. Zum correſpondirenden Mitgliede wurde, auf den
Sodann referirte der Schriftführer über eine dem Antrag des Oberſtlieutenants Keck v. Schwarzbach zu
Verein zugegangene Offerte einer hieſigen Buchhandlung, Warmbrunn, der
welche ſich bereit erklärt hatte, den Verlag des Vereins Herr Regierungs-Rath v. Bertouch zu Liegnitz ernannt.
Blattes zu übernehmen. Dieſer Vorſchlag fand allge— Nach Schluß der Sitzung vereinigte ein Abendeſſen
meinen Beifall. die Mitglieder noch mehrere Stunden lang in feſtlicher
Ein vom Präſidenten des „Wiener Adler“ einge— Stimmung. Zur Begl. F. Warnecke.
laufenes Schreiben, Antwort auf das demſelben über—
ſandte Ehrenmitglieds⸗Diplom, wurde verleſen; des—
gleichen eine Zuſchrift des Hrn. Hauptmann Göſchen Aeiträge zur Genealogie rheiniſcher
N ) Die Herren: Hauptm. z. D. v. Linſtow, Geh. Regiſtr. Dr. 717
Brecht, Geh. exped. Secket Warnecke, Lieutenant Gritzner und Jamilien.
Ct. Voigt. Erſten Anlaß zur Gründung des Vereins gab Herr ꝛc. Vom Frhn. v. Vorſt Gudenau.
Warnecke dadurch, daß er dem Anfangs October 1869 in Berlin zum (Fortſetzung.)
Beſuch anweſenden Herrn Paſtor Ragotzky feine Idee mittheilte, den- Von der Heyden genannt Bel derbuſch.
ſelben ſofort dafür gewann und letzterer die ihm dekannten Sammler , 5 * l
einlud. g ag a 5 D. Red. Die Genealogie der Linie zu Streversdorf bei Fahne I.
76
ift nicht ganz vollftändig.
dopil leicht ergänzen. —
Aus einem in Lüttich aufbewahrten Stammbaum ergiebt
ſich noch folgendes Fragment:
. N. von Belderbuſch, heirathete N. von Birgel. —
II. N. von Belderbuſch heirathete N. von Gevenich (deren
III.
Sie läßt ſich nach Krohne und Ne⸗
Mutter eine von Ooſthorn war).
Johann von Belderbuſch (auch von Fahne eitirt) lebte
um 1450. Durch ſeine Frau, eine Tochter Jakob's von
Broich“) und einer von Schwarz⸗Bongart, erhielt er das
Gut Broich bei Vaels. —
. a) Adelhaid heirathete Wilhelm von Colyn. (Nedopil hat
irrig Wöhlerbuſch ſtatt Belderbuſch).
b) Tochter N. N. heirathete Peter von Cortenbach. —
e) Sohn N. N. heirathete feine Schwägerin N. von Cor⸗
tenbach. i
. a) Anna von Belderbuſch heirathete Wilhelm von Gülpen. —
b) Sohn N. von Belderbuſch; von ihm ſtammt jedenfalls
der Peter von Belderbuſch, der mit ſeiner weiteren
Descendenz bei Fahne I. p. 22 angeführt iſt. —
Lutzerode.
Johann von Lutzerode, mit dem Fahne ſeine Genealogie
dieſer Familie beginnt, hinterließ noch einen zweiten Sohn, der
ſich mit N. Hall von Ophoven vermählte.
Aus dieſer Ehe ſtammt jener Johann von Lutzerode,
Gatte der Margaretha von Gymnich, der bei Fahne an der
Spitze des zweiten genealogiſchen Fragmentes ſteht. —
Die Mutter der oben erwähnten Hall von Ophoven war
eine von Vorſt, und zwar aus dem Geſchlechte welches ſich nach
dem Forſterhof bei Liedberg (Kreis Gladbach) ſchrieb, und be—
kanntlich einen Zinnenbalken im Wappen führte. —
Mylendonk.
Was Dumont in ſeinen Fragments über den Ausgang
der älteren Linie der Herren von Mylendonk zu Mylendonk
ſagt, ſcheint mir der Beſtätigung zu bedürfen. — Zu dem
was Fahne I., 283 über die jüngere Linie zu Peſch mittheilt,
habe ich Folgendes hinzuzufügen:
Johann Craffto von Mylendonk Herr zu Peſch lebte noch
im Juni 1616, war aber im September 1617 nicht mehr am
Leben. a
Seine zweite Gemahlin und Wittwe Margaretha Gräfin
von Joyenſe (Tochter von Claudius und Philiberta de Saulx)
vermählte ſich 1624 in zweiter Ehe mit ihrem Verwandten
Franz Anton von Joyenſe. Johann Craffto's einziger Sohn
Hermann Claudius von Mylendonk Herr zu Peſch hinterließ
von Maria von Failly zu Berniſart (Tochter von Johann und
Maria von Gognies) folgende Finder:
1) Ludwig Hermann v. M. heirathete Iſabella Philippine von
Mailly (Tochter von Wilhelm vom Mailly Marquis von
Quesnoy und Iſabella von Croy⸗Solre). Aus dieſer Ehe
ſtammt nur eine Tochter. Maria Margaretha Luiſe, die ſich
1716 mit Philipp Emmanuel Fürſten von Croy⸗Solre ver⸗
mählte. -
2) Maximilian Heinrich, war 1688 Major in der ſpaniſchen
Kavallerie. —
3) Eine Tochter, vermählt mit dem Fürſten von Rache. —
4) Eine Tochter, vermählt mit dem Marquis du Forèét. —
5) Dieſe Familie Broich führte 3 (2. 1) Rauten im Wappen. —
1
und Ooſterwyk, heirathete Sophia von
Nuland.
Auch Neuland, Nieuland, früher zum Unterſchiede von
anderen Familien dieſes Namens Ingennieuland geſchrieben. —
Fahne J. 307 hat von dieſem Geſchlecht einige Nachrichten,
denen ich Folgendes beifüge:
Adrian Freiher von Nieuland, mit welchem Fahne ſeine
Genealogie beginnt, war der Sohn Peter's von N. und der
Aleydis von Aßendelfft (Tochter von Heinrich und N. von der
Laen genannt Alkmaede) und der Enkel von N. von Nieuland
und N. von Mohr zu Rothenthurm. —
Adrian hatte folgende Geſchwiſter:
1) Arnold, heirathete Catharina von Nieuveldt und hinterließ:
a) Dieuwer (merkwürdiger Name; noch dazu bezeichnet hier
Dieuwer eine Frau; ich halte es für Johanna Baptiſta.
(Baptiſta⸗Täufer⸗Dieuwer).
b) Johann. —
c) Berthold. —
d) Agatha. — |
2) Henriette, heirathete Franz Freiherrn von Spiering, jülich'ſchen
Marſchall —
3) Gerhard Amtmann zu Pullenberg, heirathete N. N.
Hieranda. —
4) Heinrich, Rittmeiſter. —
5) Eduarda, heirathete Johann Freiherrn von Wewelinghofen. —
Andere Nieuland führten einen Helm im Wappen (Du⸗
mont, Fragments J., 48 ff. und Vegiano, Nobiliaire Suppl.
VI., 18 ff.) noch andere 3 (2, 1) Roſen. Von Letzteren
kommen mehrere bei Herkenrode vor. — ö
Ripperda.
J. Berthold Egger (Edgar) von Ripperda heirathete Aleydis
van den Boekhorſt Erbin zu Boxbergen. —
II. Unico J. Herr zu Boxbergen, 1537 Droſte zu Zallandt,
1563 auf dem Reichstage zu Deventer, heirathete Judith
von Twickelo zu Wudam. —
III. 1) Edgar, ſtarb ohne Kinder. —
2) Balthaſſar, folgt unten. —
3) Hermann, deſſen Descendenz nach der ſeines Bruders
Balthaſſar folgt. —
4) Aleydis, heirathete N. von Scheele. — N
Balthaſſar Freiherr von Ripperda, Mitherr zu Boxbergen
(welches ſpäter ganz auf Hermann überging) Herr zu Vorden
Valcke, Erbin zu Ven⸗
huſen. (Ihre Mutter war eine von Scheele). i
IV. 1) Eleonore, heirathete Wilhelm von Hugenpot. —
2) Carl Victor Freiherr von Ripperda, Herr zu Vorden
und Ooſterwyk, heirathete 1623 Petronella Eliſabeth
von Schade, Tochter von Otto und Petronella von Budde.
1) Carl Wilhelm Freiherr von Ripperda, über den keine
Nachrichten vorliegen. Doch ſcheint er Kinder gehabt
zu haben. —
2) Gerhard Moritz, folgt unten. —
3) Joachim Heidenreich Adolf. — a
4) Gisbert Hermann. — a |
Gerhard Moritz Freiherr v. Ripperda, Herr zu Dickhaus,
heirathete Anna Lucia von Münnich, Erbin zu Ellerburg,
Tochter von Johann und Eliſabeth von den Brincken. —
VI. 1) Eliſabeth Auguſte, geboren 1667, heirathete erſtens
1684 Chriſtoph von Hesler, zweitens 1690 Hannibal
Germanus Freiherrn von Schmertzing. ö
von
77
2) Johann Chriſtoph Heinrich, war 1669 kurbrandenbur⸗ Ueberflüſſiges, wenn nicht ein nonsens. In beiden
giſcher Oberſtlieutenant. —
|
Bänden finde ich kaum einige Characterbilder, die
3) Margarethe Chriſtine, heirathete Achaz Joachim von Mörner. ı richtig gezeichnet find, dagegen eine Menge von ſoge—
Wir gehen nun über auf:
Hermann von Ripperda; derſelbe wurde ausſchließlicher
Beſitzer von Boxbergen und trat als ſolcher 1578 bei
dem Landtage zu Zwolle auf. Er ſtarb circa 1620
in hohem Alter. Seine Gemahlin war Maria vonHeiden. —
1) Unico II. folgt unten.
2) Dietrich Adrian ertrank 1617. Von Sibylla von Plet⸗
tenberg (in zweiter Ehe mit Friedrich von Schwarzen—
berg vermählt) hinterließ er eine Tochter Adriana Si—
bylla von Ripperda, Erbin zu Olderſom, Papenburg
und Ooſterweede, die ſich mit Johann von Gent zu
Oyen verheirathete und 1679 ſtarb.
Unico II. von Ripperda, Herr zu Boxbergen, Hengelo,
Boenloe, Droſte zu Twente und Rittmeiſter, ſtarb um
das Jahr 1625. Seine Gemahlin Anna von Doe—
tinghen (Tochter von Wilhelm und Johanna Pipenpoy)
folgte ihm 1636. —
Wilhelm I. von Ripperda, Herr zu Borbergen, Boenlo
und Solmsburg, Rittmeiſter, Deputirter des Deutſchen
Ordens bei dem weſtphäliſchen Frieden, heirathete
Aleydis von Bouchorſt Erbin zu Wummenum.
1) Unico III. von Ripperda, Herr zu Hengelo, Wum—
menum, Boenloe und Boxbergen, Mitglied der Stände
von Ober⸗Yſel, Oberſt ꝛc. ſtarb ohne Kinder von
Margareth von Merode. —
2) Wilhelm II. folgt unten. —
3) Aleydis Eliſabeth, heirathete 1655 Armand
Gouffier Grafen von Caravas. —
4) Anna, heirathete Wilhelm von Lintelo. —
5) Nicolaſina, heirathete Jakob von Coevorden. —
Wilhelm II. von Ripperda Herr zu Hengelo heirathete
ſeine Schwiegerin Anna Maria von Gouffier-Caravas.
VII. Ludwig Wilhelm von Ripperda Herr zu Hengelo, hei—
rathete Maria Vivina de Bouron de Saint-Gilles. —
VIII. I) Anna Charlotte heirathete Karl Iſaak du Pleſſis
Herr zu Bavoge, franzöſiſchen und kaiſerlichen Oberſten.
2) Noél Ludwig k. k. Kämmerer und Oberſt, hinterließ
von Joſefa von Monti drei Söhne: Joſef, Franz und
Karl, über welche mir keine Nachrichten vorliegen. —
3) Luiſe Thereſe.
4) Wilhelmine Marie.
5) Anna Thereſe, ſtarb 16. October 1777. —
(Fortſetzung folgt.)
O. FT. von Hefner
als Culturhiſtoriker.
In Nr. 6 des Herold behauptet Herr H. W. der
Adelige Antiquarius“ des Herrn Dr. O. T. von Hefner
‚jet eine Culturgeſchichte des bayriſchen Adels! Ich habe
bis, jetzt zugewartet, ob vielleicht von einer anderen
Seite dagegen Proteſt erhoben werden würde. Bis jetzt
hat ein ſolcher auf ſich warten laſſen, weßhalb ich es
als meine Pflicht betrachte, dies ſtatt Anderer zu thun.
Wenn der „Antiquarius“ wirklich eine Culturgeſchichte,
ſo wäre wahrlich die Geſchichtsphiloſophie etwas ſehr
III.
IV.
Louis
{
Bayern.“)
nannten „Meidingern,“ und vor Allem eine wahre Blu:
menleſe (auch Diſteln geben Blüthen!) von ſolchen Ge—
ſchichtchen, welche den bayriſchen Adel gerade nicht in
ein günſtiges Licht ſetzen. Dies Alles, mit dem nöthi—
gen Quantum „Senf“ und „Hefe“ vielleicht auch Galle,
(womit H. v. H. ſeine Gerichte zu würzen gewohnt war),
dies Alles, was man z. Th. in jedem Lehrbuch der bayr.
Geſchichte, z. Th. in den Aneedoten⸗-Sammlungen des Qued⸗
linburger Verlages oder auch bei Herrn Leibrock findet,
— dies Zeug, ſoll eine Culturgeſchichte des bayriſchen
Adels ſein? — So wenig, als die Trödelbude eines
Kleiderjuden eine Antiquitätenſammlung iſt, auf die er
ſonderlich ſtolz ſein könnte, wo man freilich unter alten
zerfetzten Kleidungsſtücken auch einmal eine Pergament-
Urkunde finden kann.
Gottlob! Auch in Bayern kennt man den Beruf
des Adels, welcher vor Allem darin beſteht „die edlere
Sitte zu bewahren, den Ruhm der Geſchlechter und die
Ehre der Familie zu erhalten, aller Roheit zu wider-
ſtehen und die höhere Bildung und Kultur zur Blüthe
und zu Früchten zu bringen.“ Dieſe herrlichen Worte
eines großen Gelehrten möchten jedem Kulturhiſtoriker
des Adels als Maßſtab dienen, und er hat jedenfalls
nur dann Anſpruch auf dieſen Titel, wenn er das Für
und Wider gewiſſenhaft abwägt.
Da aber Herr v. H. ein Vergnügen darin gefun—
den, nur alles dasjenige anzuführen, was der Adel ſeit
Jahrhunderten gegen ſeinen Beruf gethan hat, und nur
gezwungen dazwiſchen einmal das Für berückſichtigt, ſo
iſt ſein Machwerk keine Culturgeſchichte, ſondern eine
Parteiſchrift, jo ſonderbar dies auch bei H. v H., dem
ſtolzen Edelmann, klingen mag. Freilich, in feinem Al—
phabete kommt das utile vor dem uodal (dem geiſtigen,
oben bezeichneten uodal nämlich!). Man lebt nicht von
dem Ruhme, die „umfaſſendſten“ Werke geſchrieben zu
haben, man muß auch dazwiſchen „Geſchäfte“ machen.
Im übrigen verweiſe ich auf Leitzmanns N. 3.
welche in einer ihrer nächſten Nrn. etwas Weitläufige⸗
res über den Antiquarius bringen wird. Dies ſind
perſönliche Gedanken und Anſichten eines Deutſchen in
Seyler.
Das neue Jürſtlich Hatzfeldt'ſche Wappen.
Der älteſte Sohn des Grafen Eduard von Hatzfeld-Wil⸗
denburg⸗Weisweiler zu Trachenberg und der Gräfin Sophie,
Tochter des weiland Fürſten Franz Ludwig von Hatzfeldt-Wal⸗
denburg⸗Schönſtein, Graf Alfred von Hatzfeldt, vermählt mit
Gabriele geb. Gräfin Dietrichſtein (Herrin der früher fürſtlich
Dietrichſtein'ſchen Herrſchaften Leipnik und Weißkirchen in
Mähren, erhielt im April 1870 den Preußiſchen Fürſtenſtand.
Das ihm bei dieſer Gelegenheit verliehene fürſtliche Wappen
*) Man vergleiche mit dem „Antiquarius“ das ſchöne Werk
des Archiver Weiß: „Kärnthens Adel.“ Welcher Contraſt bei man⸗
cher Aehnlichkeit, — nach dem Antiquarius geleſen, eine wahre Er⸗
quickung, gleich anziehend als Lecture, wie reichhaltig an Material
.
zur Kunde unſerer Wiſſenſchaft.
78
ift: ein durch eine Spaltung und zwei Querlinien in ſechs
Felder getheilter Wappenſchild, mit einem dem Ganzen aufge⸗
legten, mit einem Fürſtenhute bedeckten. Mittelſchilde.“)
Letzteres iſt geſpalten und enthält vorn das v. Hatzfeldt' ſche
Stammwappeu, den ſchwarzen Feuerbock (Hausanker) in G.,
Hinten das W. der Herrſchaft von Wildenburg: drei (2. 1.)
rothe „Miſpelblüthen“ mit g. Saamen und gr. Kelchblättern.
Hauptſchild, Feld I.: fünfmal von ſch. und g. (6 Plätze)
quergetheilt. (Herzſchild des gräflich Hatzfeld-Wildenburg⸗Weis⸗
weiler'ſchen Wappens.)
Feld II.: in W. ſchrägrechtsgeſtellt ein ſonderbares ſch. In⸗
ſtrument, ſogenanntes Theerkranzeiſen, in Geſtalt eines Wein⸗
glaſes, deſſen Stiel, ähnlich einem Schlüſſelgriff, kleeblattartig
geformt ift.**)
III.: in B. (sic) ein ſch. Doppeladler.
IV.: in ſch. ein gekrönter r. doppelſchweifiger Löwe. (II.
ſoll das Wappen einer verwandten Familie, III. und IV.
werden wahrſcheinlich die (neuscreirten?) Figuren der mähri—
ſchen Herrſchaften ſein.
V.: in w. eine r. Roſe mit gr.
(Feld VI. des älteren fürſtl. Wappens.)
VI.: ſchrägrechtsgetheilt von g. über r., darin neben⸗
einander aufgerichtet, die Haken oben und abgewendet, 2 65
begriffte w. Winzermeſſer. (Heppen.)
Ueber dem Schilde ſchweben () — parademäßig gerichtet —
ſieben () gekrönte Helme, von denen nur der mittlere und die
beiden zu deſſen Seiten etwas den oberen Schildesrand berühren.
Der erſte Helm (zur Rechten) trägt zwiſchen zwei von
w. und r. über Eck getheilten Büffelhörnern die Roſe des
V. Feldes ſchwebend. () Helm II.: zwiſchen offenem w. Fluge
ein Schildchen, in Zeichnung und Farben des 1. Feldes des
Hauptſchildes. III. ein beiderſeits wie das vordere Feld des
Mittelſchildes bezeichneter Flug; v. Hatzfeldt'ſcher Stammhelm.
(Warum nimmt dieſer Helm nicht die ihm gebührende Stelle
als mittelſter Helm ein?) VI. gekrönter ſch. Doppeladler.
V. bärtiger Mannsrumpf im ſch. Kleide, mit 6 g. Knöpfen
und g. Kragen, bedeckt mit g. geſtülptem ſch. Barett. (Zum
Wildenburgiſchen W. gehörig.) VI. zwiſchen offenem w. Fluge
ein gekröntes Schildchen, bezeichnet wie Feld 2 des Haupt⸗
ſchildes. VII. vor 3 ſch. Straußfedern die Heppen wie in Feld 6.
Die Decken find bei Helm I.: w.-r; bei II.: g.-ſch;
III.: g.-ſch; IV.: b.-ſch. () V.: g.-ſch. VI.: w.-r. VII. g. -r.
Schildhalter: zwei von ſch. über g. getheilte Greifen mit
erhobenem, ausgebreitetem Fluge und untergeſchlagenen Schweifen,
ſtehend auf w. Bande mit der Deviſe „Virtus et konos“ in
ſch. Lapidarſchrift.““)
Das Ganze umgiebt ein purpurner Fürſtenmantel, veh⸗
gefüttert, mit g. Schnüren, Franzen und Troddeln verziert,
oben zuſammengehalten durch einen Fürſtenhut, dem der vor⸗
dere Bügel (ebenfo wie dem das Hauptſchild krönenden)
fehlt. — Sollte dieſer auffallende Umſtand vielleicht eine neue
heraldiſche Regel für „jüngere Fürſtenlinie“ ſein?!
Saamen und Kelch.
„) Wann wird doch endlich einmal der heraldiſche Nonſens der
gekrönten Herz und Mittelſchilde aufhören?! A. d. Red.
) Wappen der letzten Gräfin v. Winkelhauſen, (aus dem
rheiniſchen, am 27. Oct. 1711 in den Reichsgrafenſtand erhobenen,
1737 bereits in Mannsſtamm erloſchenen Geſchlecht,) Iſabella Maria
Anna, verm. mit Edmund Florenz Cornelius Grafen v. Hatzfeldt,
Urältervater des genannten Grafen Alfred.
e) Die in der Farbe veränderten fürſtlich Dietrichſtein'ſchen,
urſprünglich freiherrl. Leslie ſchen Schildhalter. — X. —
Die Stellung der Helme muß, wenn auch im Ganzen die
Zuſammenſtellung (bis auf einige kleine heraldiſche Schnitzer)
als ziemlich gelungen bezeichnet werden kann, als durchaus un⸗
ſchön bemerkt werden. Es iſt doch fo altheraldiſch und ſchön,
die Köpfe der Schildhalter bei Helmhäufungen mit den äußeren
Helmen zu beſtülpen; — weshalb umging man das hier ſo
krampfhaft? Wollte man wohl dabei vermeiden, die Anordnung
der K. K. Adelskammer nachzuahmen, welche dem Gemahl der
älteren Schweſter oben genannter Gabriele, Grafen Mensdorf,
bei deſſen am 23. Dez. 1868 erfolgten Erhebung zum Fürſten
von Dietrichſtein obige Anordnung beliebte? — X.
Zu den „Beiträgen zur Genealogie rhei-
niſcher Familien vom Freiherrn v. Vorſt-
Gudenau,“ in Nr. 10 d. Bl.
In meiner Urkundenſammlung finden ſich folgende fünf auf
die „Bock von Lichtenberg“ bezügliche Originaldokumente:
1) 1505, am nächſten Sonntag nach St. Pauli Be⸗
kehrung. Johann Beiſſel von Gymmich bezeugt vor dem Scheffen⸗
Gerichte zu Friesheim, daß Reinhard Bock von Lichtenberg zu
Irnich u. Johann v. Heimbach zu Virnich einen Vertrag über
den Vorgang beim Eintritte, Opfer, Friedenskuſſe und bei der
Weihwaſſerſpende in der Kirche zu Schwerfen geſchloſſen haben.
2) 1559, 21. Febrnar.
Johann von Holtorp und Veronica Bock von Lichtenberg,
Eheleute, leihen von Peter von Kirberg und Chriſtina von
Stommelen, Eheleuten, 60 Joachimsthaler.
3) 1550, 26. März.
Wilheim, Herzog von Jülich ꝛc. ernennt den Johann von
Holtorp, Gemahl der Veronica Bock von L., zum Amtmann in.
Münſtereifel, Euskirchen und Tomberg.
4) 1559, 31. März.
j Johann von Holtorp und Veronica Bock v. L., Eheleute,
tauſchen mit den Conventsjungfern des Kloſters Bürvenich
Wieſen aus.
50% 1575, 28. Juni. |
Erbtheilung zwiſchen Anna von Hochkirchen, Wittwe des
Reinhold Bock von Lichtenberg, und deren Kindern: Frambach,
Deutſchordens-Ritter, Reinhard, Michael und Veronica, Ehefrau
des Caſpar von Cortenbach, auf der einen — und den Kindern
der kurz vor der Beſiegelung der Erbſcheidung verſtorbenen
Veronica Bock von Lichtenberg, Wittwe des Johann von Hol⸗
torp, (von den Kindern wird in der Urkunde nur der älteſte
großjährige Sohn Reinhard genannt) auf der anderen Seite,
betreffend die Güter, welche Reinhard Bock v. L., Vater des
Reinhard, Gemahls der Anna von Hochkirchen, und der Ve⸗
ronica, Gemahlin des Johann von Holtorp, zu Irnich, Reif
feld, Vuſchenich, Düren und Zülpich hinterlaſſen hat.
Daraus ergeben ſich alſo für die in Nr. 10 d. Bl. er⸗
brachten Nachrichten über die Bock von Lichtenberg fol⸗
gende Berichtigungen und Ergänzungen:
I. 1505 Reinhard Bock von Lichtenberg zu Irnich. ö
II. Reinhard Bock v. L., Herr zu Irnich, Reiffeld, Vuſchenich,
Düren und Zülpich, hatte 2 Kinder: i
1) Reinhard, h. Anna von Hochkirchen. Kinder: 1. Fram⸗
bach, 2. Reinhard, 3. Michael, 4. Veronica, h. Caſpar
von Cortenbach.
2) Veronica + 1575, h. Johann von Holtorp (vor 1559).
Aelteſter, 1575 großjähriger Sohn derſelben: Reinhard.
79
Die Nachricht bei Fahne, Geſchichte der Kölniſchen ac.
Geſchlechter I., 167, es ſei der vorher genannte Johann von
Holtorp 1585 auf der jülichſchen Hochzeit geweſen, iſt unrichtig,
da derſelbe bereits 1575 nicht mehr lebte. Nach Robens I.,
157 war es deſſen Sohn Reinhard, welcher jener Hochzeit bei—
wohnte. J. B. Dornbuſch.
Anfrage VII.
1) Welches Wappen führten die van der Lype
oder v. d. Liepen im Teltow, welche dort ſchon 1370 exi—
ſtirten, und noch 1541 zu Bonſtorf, Blankenfelde, lutken
Kynitz ſaßen? und iſt eine Verbindung derſelben mit
dem gleichnamigen Geſchlecht in Mecklenburg und Vor—
pommern (Kreis Grimmen), welches dort ſeit 1260 bis
gegen 1600 exiſtirte, nachzuweiſen?
2) Welches Wappen führte die pommerſche Familie
dieſes Namens? die Mecklenburgiſche führte eine Pfeil—
oder Lanzenſpitze im Wappen.
3) Was enthalten die dortigen Quellen über die
Familie dieſes Namens, oder was iſt dort anderweitig
über ſie bekannt? In Druckſchriften wird ſie nur in
Bagmihls pommerſchem Wappenbuch bei der Familie
Küßow erwähnt, welche ſpäter ihre Güter erhielt. Sie
hatten Quitzin, Müggenwalde, Lehmhagen, und wohnten
auch in Grimmen.
4) Was enthalten die dortigen Quellen über die
pommerſche Familie Hagemeiſter?
VIII.
Mit wem war Chriſtoph Georg von Ziegen—
horn vermählt, und wer waren die Eltern ſeiner Gattin?
Ebenſo handelt es ſich um die Lebensdata ſeiner Tochter
Chriſtine, verm. v. d. Oſten⸗Sacken. Die Königsberger
Wallenrodt'ſche Sammlung giebt keine Kunde.
Anton Chriſtoph Anna
von Maria
Ziegenhorn, von FVV
Mansfeld'ſcher Weſtern⸗
Hofmeiſter. hagen
Anton Chriſtoph
v. Ziegenhorn,
Hofgerichtsadvocat 2 ? ?
zu Mitau, geb.
Eisleben 1675, + ?
— —
Chriſtoph Georg v.
Ziegenhorn,
Geh. Juſtizrath ꝛc. zu ?
Königsberg i. Pr. geb.
1714, 9. Sept., + 1783, 20. Dez.
nr
Chriſtine v. Ziegenhorn,
e an Peter
Ernſt v. d. Oſten-Sacken, Dragonerlieutenant,
ſpäter auf Santen in Kurland.
IX.
Freundliche Bitte an Genealogen: Man wünſcht:
1) Die 16 Ahnen des preußiſchen Miniſters
v. Schlabrendorf,
2) Die acht Ahnen des preußiſchen Miniſters
Ludwig v. Blumenthal + 1760.
3) Die 8 Ahnen der Gemahlin des letzteren,
Sophie Eſther Suſanna von Hoym a. d.
H. Poblotz.
Gefällige Aufſchlüſſe wird die Redaction des D. H.
gern beſorgen. —
Titeratur.
„Geſchichte des Geſchlechts von Oeynhauſen.
Aus gedruckten und ungedruckten Quellen bear-
beitet von Julius Gr. v. Oeynhauſen. Erſter
Theil: Regeſten und Urkunden von 1013 — 1685
Mit 4 Siegeltafeln und 2 Abbildungen. Pader—
born, Druck und Verlag von F. Schöningh. 1870.
VI. und 271 S. und 5 Stammtafeln.“
Familiengeſchichtliche Werke werden in neuerer Zeit anders
herausgegeben als früher. Während die erſten Autoren der—
ſelben ſich begnügten, nach einer „Sectio generalis“ über
die einzelnen Mitglieder des Geſchlechts biographiſch in ge—
drängter Kürze und faſt nur aus gedruckten Quellen zu refe—
riren, hat man ſchon vor faſt hundert Jahren begonnen, nicht
nur auch ungedrucktes Material aus Archiven und Bibliotheken
zu benutzen, ſondern auch meiſtens ſehr genau die Quellen ſelbſt,
beſonders für die fpeciellen Angaben und Ausführungen in der
Darſtellung, angezeigt und vermerkt. Es iſt dies die allein
richtige und empfehlenswerthe Art der Familiengeſchichtsſchrei—
bung, für die uns Wohlbrück in ſeinem Alvensleben'ſchen Werk
ein noch nicht erreichtes Muſter hinterlaſſen hat, das auch den
hohen Vorzug beſitzt, dem Leſer unmittelbar unter dem Text in
Form von Noten die Beweisſtellen für das Gegebene darzu—
bieten, ſo daß eine Prüfung der gemachten Angaben auf das
Leichteſte und Schnellſte ſtattfinden kann.
Aus dem wohlberechtigten Wunſche aber, auch die der
Familie eigenſten, nur ſehr ſelten in eine gut lesbare
und gefällige Darſtellung aufnehmbaren Urkunden in ihrem
völligen Wortlaute ſprechen zu laſſen, und alle auf die
Familie oder ihre einzelnen Mitglieder bezüglichen wichtigen
Schriftſtücke in einer Sammlung vereint zu ſehen, welche die
Geſchlechtsangehörigen handelnd vorführt und Alles enthält, was
auf die Rechte und Freiheiten, oder Pflichten und Grund»
beſitz derſelben Bezug hat, entſtand diejenige Art von Familien⸗
geſchichten, welche ſich nicht kritiſchen Biographien und allge
meinen Darſtellungen über die Familie als Ganzes begnügen,
ſondern auch Urkundenſammlungen hinzufügten als einen codex
probationum, der die Fundamente der Familiengeſchichte zu
enthalten habe. In dieſer Art ſind die Arbeiten über die
Geſchlechter v. d. Schulenburg, (von Danneil) v. Oertzen. v.
Hahn, v. Maltzan, (von Liſch,) v. Kleiſt, (von Kratz,) v. Kar⸗
dorff, (von Maſch,) angelegt, und dabei eine lange Reihe von
Urkunden nicht nur zum erſten Male, ſondern auch ſolche pu⸗
blicirt worden, deren Bedeutung über die der betr. Familien
ausgeht.
Allein nicht überall war es thunlich und räthlich, den ge—
ſammten urkundlichen Stoff in ſeinem ganzen Wortlant zum
Abdruck gelangen zu laſſen. Die übergroße Fülle ſolchen Ma⸗
terials, die Höhe der Koſten, das überwiegende Verhältniß der
bereits anderweit publicirten Urkunden, der verhältnißmäßig
ſpäte Beginn derſelben oder die geringere Bedeutung der Fa⸗
80
milie ließen es ausreichend erſcheinen, an Stelle des voll:
kommenen Tenors der Urkunden, Auszüge und Regeſten zu
ſetzen, welche unbeſchadet des eigentlichen Urkundeninhaltes Alles
das hervorheben, was ſich auf die Familie und ihre Ange—
hörigen bezieht. In dieſer Form hat die genealogiſche Literatur
gleichfalls mehrere Werke (über die v. Salza von einem Mit-
gliede der Familie, v. Wangenheim desgleichen, v. Kotze von
G. A. v. Mülverſtedt) aufzuweiſen, von denen jedoch nur das
letztere die einem ſolchen Buche, wenn darin die einzige familien-
geſchichtliche Publication beſtehen ſoll, unentbehrliche Einleitung
und allgemeinen Capitel mit enthält, während das i. J. 1865
über die v. Bodenhauſen erſchienene Werk Regeſten mit vollſtän⸗
digen Urkunden untermiſcht bringt, deren wir viele mit dem
Wortlaute der regeſtirten Schriftſtücke vertauſcht geſehen hätten,
wenn gleich letztere auch bereits früher gedruckt ſind.
Zu derjenigen Art familiengeſchichtlicher Werke, welche, in
zweitheiliger Form angelegt, neben einer biographiſch-hiſtoriſchen
Darſtellung (oder eigentlichen Familiengeſchichte) auch ein Ur⸗
kundenbuch bringen ſollen, zählt das vorliegende, deſſen Er—
ſcheinen wir hier anzeigen, und zwar iſt das Urkundenbuch
durchweg nicht aus Urkunden in ihrem ganzen Wortlaute,
ſondern nur aus Regeſten derſelben zuſammengeſetzt. Ein
zweiter demnächſt erſcheinender Band ſoll dann die eigentliche
Geſchichte des Geſchlechts v. Oeynhauſen enthalten.
Seine Abſicht bei dem Unternehmen des ganzen Werkes
ſpricht der Herr Vf. im Vorworte in dem Satze aus:
„Die Geſchichte einer Familie iſt ſtets nur von engerem
„Intereſſe, und eine Arbeit, wie die vorliegende, will daher
„auch von dieſem Standpunkte aus betrachtet ſein, ſie ſoll den
„Gliedern der Familie v. Oeynhauſen die Geſchichte ihrer Vor—
„fahren nach allen Seiten hin, guten wie ſchlechten, vor die
„Augen führen, zugleich aber auch den Freunden Weſtphäliſcher
„Geſchichte einen Einblick in das Thun und Treiben eines
„Paderborn'ſchen Adelsgeſchlechtes gewähren.“
In Uebereinſtimmung mit der Abſicht des Herrn Pf.
können wir dieſelbe durch das vorliegende Werk nur erreicht
erachten. Denn wir ſehen vor uns das Leben und die Thaten
eines alten ritterlichen Geſchlechtes der rothen Erde von ſeiner
Wiege bis faſt zum Beginn jener Schreckenszeit des dreißig⸗
jährigen deutſchen Krieges, der die Axt von Neuem an die
Wurzel der alten Zuſtände Dentſchlands in Staat, Kirche und
Recht legte. Nicht früher freilich als im Jahre 1345 tritt der
erſte ritterliche Träger des Namens v. Oeynhauſen aus dem
Dunkel hervor, aber es wird im ferneren Verlauf der Dar-
ſtellung ſich ergeben, daß dies ſeinen Grund in der Abſtamm—
ung des Geſchlechts aus der alten Sippe derer v. Barkhauſen
habe, bei welchen wir den gleichen Taufnamen und gleichem
Wappen begegnen. Der Ort, dem die v. O. ihren Namen
entlehnten, iſt viel älter, die Kunde über ihn und einige andere
Familiengüter geben die erſten zehn Regeſten, die mit dem
Jahre 1036 beginnen. N
Das Leben des Geſchlechts v. O. nimmt im Ganzen den—
ſelben Verlauf wie bei den meiſten Adelsgeſchlechtern des Mittel⸗
alters. Auf ritterlichen Höfen wohnen ſie auf dem Lande, ſind
midthätig gegen die Kirche und ihre Prieſter, und geben
ihr reichlich von ihrem alten Gut und Erbe, nicht achtend
das Schwinden ihres Grundbeſitzes, dem ſie um Gottes willen
entſagen, die Seele im Jenſeits vor ſchwerer Strafe zu retten
oder vergoſſenes Blut zu ſühnen. Beſonders dem Kloſter
Marienmünſter erwies ſich das Geſchlecht hold. Doch gab es
auch manchen Streit zwiſchen beiden Theilen zu ſchlichten, wie
ihn die nahe Nachbarſchaft und die vielen Gutsübertragungen
wohl oft mit ſich führten. Gar manche Mitglieder des Ge—
ſchlechts wählteu den geiſtlichen Stand; Den Töchtern ſchloſſen
ſich die Klöſter Quernheim, Baringhauſen, Willebadeſſen und
Heerſe auf, den Männern die Domcapitel zu Minden
und Paderborn, oder ſie ſchwuren ihre Gelübde der Gottes—
Mutter zum Eintritt in den ritterlichen Orden der Deutſchen
vom Spital zu Jeruſalem. Zahlreich iſt der Name Oeynhauſen
vertreten in der Reihe der Paderborniſchen und Lippeſchen
Droſten und Räthe, und nicht ſelten zeugen die Urkunden
des 16. Jahrhunderts von dem Anſehen und den hohen Würden,
welche Mitglieder des Geſchlechts im Dienſt geiſtlicher und welt-
licher Fürſten ſich errungen haben, und von der Wichtigkeit der
Staatsgeſchäfte, die auf ihren Schultern laſteten.
Ergiebt ſich nun aus den Regeſten mit großer Klarheit
die Stammreihe des Geſchlechts, welche die Schlußtabellen
des Buches veranſchaulichen und zur Ueberſicht bringen, ſo
wird das Intereſſe an dem Gegebenen durch die Fülle von
Nachrichten erweitert, welche über eine ſehr große Zahl
alter Weſtphäliſcher Adelsfamilien aus authentiſchen Quellen
überliefert find. Ein ſehr genau gearbeitetes Regiſter macht
in letzterer Beziehung die Benutzung des Vuches äußerſt leicht
und ein Anhang von 18 Seiten giebt dem ſtrengen Genealogen
ſicherlich erwünſchtes und neues Material in zahlreichen Ahnen—
tafeln und Grabſtein-Inſchriften, wobei intereſſante Wappenbe⸗
ſchreibungen nicht fehlen.
Auch in mangelhafter und unwiſſenſchaftlicher Form und
in übler Diſpoſition kann Gutes und für lange Zeit Brauch—
bares geboten werden, und es iſt dies bei genealogiſch-hiſto⸗
riſchen Werken nicht ſelten der Fall, weil die Bearbeitung der—
ſelben oftmals Familiengliedern ſelbſt zufällt, die an die Stelle
gründlicher hiſtoriſcher Vorbildung und der Vorübung
in der Darſtellung des Geſchichtlichen nur ihre Liebe oder gar
Begeiſterung für die Sache zu ſetzen vermögen.
Ganz das Gegentheil iſt hier der Fall. Der Herr Ver—
faſſer excellirt nicht nur durch den aus feinem Buche erlicht-
lichen ſorgſamen Fleiß im Sammeln des zahlreichen Materials
(für welches die Familien-Archive zu Grevenburg und Reelſen,
das Archiv zu Münſter und die „Lippiſchen Regeſten“ von
Preuß und Folkann die Hauptquellen waren,) ſondern er hat die
nicht leichte Kunſt des Regeſtirens ſo gut verſtanden und aus—
geübt, daß er überall den Inhalt der Urkunden richtig auf
faſſend ihren Kern dem Leſer in ſchmuckloſer, präciſer und an⸗
gemeſſener Form vorführt. Neben jedesmaliger Angabe der
Quelle, bei denen wir aber rückſichtlich des Münſterſchen Ar⸗
chivs und des Copiars von Marienmünſter eine genauere Ci⸗
tirung (mit Angabe des Locats reſp. des Foliums) gewünſcht
hätten. Verſtändigerweiſe werden einige Urkunden (aber nur
wenige) in ihrem vollen Wortlaute gegeben, ſo der eine der
Fehdebriefe von 1439 (Regg. Nr. 112. 113.) ein Schreiben
des Domherrn Herrmann v. O. 1440 (Nr. 114.), die ſehr
intereſſanten Briefe des Helmſtedter Studenten Moritz v. O.
1583 ff. (Nr. 451 ff.) u. A. m. Kurz, es iſt nur ein ver⸗
dientes Lob, welches wir dem Talent, der Sorgfalt und dem
Maaß des Hrn. Vf. ſpenden müſſen, die er bei ſeiner Arbeit,
welche muſtergültig zu nennen iſt, bewieſen hat. Seinen rechten
Werth wird dieſer Theil des Werkes erſt durch den ungleich
ſchwierigeren zweiten erhalten, welcher die aus den Urkunden
gewonnenen Reſultate in den Lebensbeſchreibungen der einzelnen
5
Mitglieder vorführen und das Allgemeine über den Urſprung,
die Heimath, den Grundbeſitz und das Wappen der Familie ent—
halten ſoll.
Daß zu einem familiengeſchichtlichen Werk auch Abbil-
dungen der Familienſiegel gehören, zumal der älteſten, verſteht
ſich von ſelbſt. So iſt das Werk auch mit 4 Siegeltafeln
verſehen, die 15 Familienſiegel (3 aus dem 14., 4 aus dem
15. und 8 aus dem 16. Jahrh. enthalten. So trefflich auch
die für dieſe Art von Arbeiten ſehr zu empfehlende lithogra⸗
phiſche Anſtalt von Fr. Bartholomäus in Erfurt ihre Aufgabe
gelöſt hat, ſo möchte uns doch ſcheinen, daß die Zeichnungen
auf den drei erſten Tafeln nicht den Ductus mittelalter—
licher Buchſtaben in der Form der Originale wiedergeben. Wir
ſehen wohl alterthümliche Buchſtaben, doch fehlt ihnen ſo zu
ſagen der Hauch, der Timbre des Mittelalters. Das Gleiche
gilt auch von der Umſchrift der Abbildung des ſchönen, dem
Titel vorgehefteten Leichenſteins Werners v. O. zu Sommerſell
v. J. 1568. Die Buchſtaben der curſiven Umſchrift haben
nicht den Character der Zeit, der ſie angehören. Nicht min—
dere Ehre macht der genannten Anſtalt die dem Buche zu fernerer
Zierde gereichende Abbildung der Oldenburg, eines alten Oeyn—
hauſen'ſchen Schloſſes, und der Verlagshandlung die vorzügliche
Ausſtattung durch die Güte des Papiers und Klarheit des
Druckes. ER
„Regeſten der Grafen von Orlamünde aus
Babenberger und Ascaniſchem Stamm mit
Stammtafeln, Siegelbildern, Monumenten und
Wappen, verfaßt von C. Chl. Freih. v. Reitzen⸗
ſtein, herausgeg. vom hiſtoriſch. Verein für Oberfranken zu
Bayreuth. 4°. Bayreuth 1869, 70.“
Der hiſtoriſche Verein zu Bayreuth hat das verdienſtliche
Werk unternommen, Regeſten der Grafen von Orlamünde zu
ediren. In welch' vielfacher Hinſicht ſolche Unternehmungen
nutzbringend ſein müſſen, iſt allen Leſern des Herold bekannt.
Das vorliegende Werk iſt aber für jeden fränkiſchen, voigtlän—
diſchen und thüringiſchen Genealogen geradezu unentbehrlich,
umſomehr, als bisher über den Gegenſtand Vollſtändiges nicht
vorhanden war. Es freut mich, mittheilen zu können, daß der
Verfaſſer auch den Siegeln ſeine Beachtung geſchenkt hat. Die
beigegebenen Stammtafeln ſind: 1) Haus THE 2)
Haus Babenberg zu Weimar und Orlamünde. 3) Haus As⸗
canien⸗Orlamünde. 4) Haus Ascanien-Orlamünde zu Weimar
und in Franken. 5) Haus 2 5 Orlamünde zu Orlamünde
und auf dem fränkiſchen Walde. 6) Haus Andechs und Me—
ranien. Sodann folgen 6 Tafeln mit Grabſteinen. Daß der
Grabſtein des Pfalzgrafen Siegfried II. + 1124, begraben in
Kl. Herrenbreitungen, einer bedeutend ſpäteren Zeit angehört,
bedarf wohl kaum der Erwähnung. (Während ich dieſes
ſchreibe, iſt die Vorrede, welche jedenfalls zu Mittheilungen
über die Beilagen mit verwendet werden wird, noch nicht ge⸗
druckt.) Es beweiſt dies unter Anderem der große Reichthum
des Schildes an Bildern. — 41 Siegel- und 3 Wappen⸗Ab⸗
bildungen. 1 Tafel Münzen. Die typographiſche Ausſtattung
iſt vortrefflich.
Der hiſtoriſche Verein zu Bayreuth hat für das vor:
liegende Werk, welches doch vorzugsweiſe unſerer Wiſſenſchaft
dient, unſeren beſonders lebhaften Dank verdient. Daß aber
demſelben mit zahlreichen Beſtellungen beſſer gedient iſt, als
mit leeren Worten, begreift ſich wohl von ſelbſt. Es iſt zum
buchhändleriſchen Vertrieb des Werkes Veranſtaltung getroffen,
doch können auch jetzt ſchon Beſtellungen bei dem hiſtoriſchen
Verein angemeldet werden. Seyler.
J. A. Stargardt (Berlin Jägerſtr 53) hat ſoeben ein
Verzeichniß von Manuſeripten, Adelsdiplomen, Wappenbriefen,
Urkunden u. ſ. w. veröffentlicht, welches in ca. 300 Nummern
— meiſt aus dem Nachlaß des Numismatikers und Sphra⸗
giſtikers, Kanzleir. Voßberg, viel Intereſſantes zum Kauf dar—
bietet. Die prächtigen Pergament-Diplome, z. Th. calligra-
phiſche Meiſterwerke, ſind größtentheils Originale der deutſchen
Kaiſer des 15. bis 18. Jahrhunderts; die Urkunden reichen
hinauf bis zum 14. Jahrh. Wir finden darunter ſolche, welche
ſich auf Pommern, Polen, Rußland, Schweden ꝛe., andere, die
fh auf die Geſchichte der Städte Cöln, Straßburg,
Dortmund, Thorn u. ſ. w. beziehen. Sehr bedeutend iſt
die Zahl der in dieſen Schriftſtücken genannten Familien, wir
führen z. B. folgende Namen an: Alvensleben, Arnſtedt, Aulogk,
Berlichingen, Berswordt, Bredow, Buch, Calcheim, Firks, Flemm⸗
ing, Frieſen, Fugger, Gleichen, Hardenberg,, Herwarden, Kall—
heim, Kleiſt, Königsmark, Kotze, Lützow, Mansfeld, Quitzow,
Rochow, Schulenburg, Sydow, Schlieben, Spee, Stolberg, Za-
ſtrow ꝛc. — Gleichzeitig wurden ausgegeben: Verz. Nr. 96,
700 Nrn. numismatiſche Werke. — Nr. 97: Geſchichte und
Heraldik, 2000 Nrn. Auch dieſe ſtammen zum größten Theil
aus dem Nachlaß des als eifriger Sammler bekannten Voß⸗
berg. Darunter auch intereſſante Straß burger und El⸗
ſäſſer Ineunabeln. —
„Zeitſchrift des Harzvereins für Geſchichte und Alterthums—
kunde. 1870. II. Heft.“ S. 427 ff: Die zwiſchen den Jah⸗
ren 1500 u. 1800 erloſchenen Adels-Geſchlechter des Stifts
und Fürſtenthums Halberſtadt, von G. A. v. Mülverſtedt.
Eins der auffallendſten Beiſpiele der Vergänglichkeit ir⸗
diſcher Größe bildet der ehemalige Halberſtädter Stiftsadel.
Hunderte edler Namen zeigt das Lehenregiſter des Stiftes im
Jahre 1311 auf, deren Träger aber ſchon ums Jahr 1500
bis auf 83 dahingeſunken waren, von denen jedoch nur 54
zum eingebornen Halberſtädter Adel zu rechnen find. Auch
dieſe ſanken im Laufe der Zeit ſeither ins Grab, ſo daß zu
Anfang dieſes Jahrh. nur noch neun alte Halberſtädter Fami⸗
lien in ihrer Heimath zu finden ſind.
Wir erblicken unter jenen dreiunda chtzig Geſchlechtern
viele weit und breit bekannte hochangeſehene Namen — viele
aber auch, deren Auftreten auf engere Kreiſe beſchränkt blieb.
Jedenfalls dürften nicht nur die Leſer der Harzvereins-Zeitſchrift,
ſondern überhaupt alle für Adelsgeſchichte ſich Intereſſirenden
dem Herrn Verfaſſer zu großem Dank verpflichtet ſein für die
a. a. O. gegebenen hiſtoriſch-heraldiſchen Nachweiſe über die
ſeit 1500 erloſchenen Halberſtädter Ritterfamilien; es ſind dies
folgende, zum Theil in Adelslexieis nicht zu findende: 1) von
Alstorf; bei Aſchersleben ehedem anſäſſig, um 1550 7. 2)
von Ammendorf, Geſchlecht des Saalkreiſes, 7 nach 1514. 3)
von Arnſtedt — W.: g. Leuchter in b., Helm: 3 w. Strauß⸗
federn zwiſchen je 3 ſch. Hahnfedern; + 1611. 4) von Borch⸗
torf: anſcheinend zwei verſchiedene Geſchlechter, wenigſtens kom⸗
men zwei verſchiedene Wappen vor; a) Schrägrechtsbalken; Helm:
off. Flug, je mit demſelben, nach oben convergirend, belegt; b)
Bärenkopf: Helm: Büffelhörner. Erſteres + nach 1511, letzte⸗
res nach 1610. 5) von Bortefeld, Braunſchweigiſcher Adel. +
1676. (W. Siebm. I. 171.) 6) von Bugenrode; Aſcherslebe⸗
ner Familie, Anfang 16. saeculi T. W.: Rad; Helm ſechs
Fähnlein. 7) von Meyendorf, Magdeburger Stiftsadel; + 1634.
Wi k. 1 Hut mit verſchlungenen Schnüren in w.
Helm: 3 Straußfedern r. w. r 8) von Beyer, (von Trau⸗
tenburg) im Mannsſtamm + 1786; Stammſitz Ottleben. W.:
aus einem Buſch hervorſpringender Wolf oder Hund; Helm.:
Pfaufedern. 9) von Berwinkel; zur Sippe der Bartensleben
zc. gehörig. Der gleichnamige Stammſitz bei Oſterwiek. T 1662.
W.: zum Sprung geſchickter Wolf über zwei Garben; Helm:
Federbuſch, al. Fähnlein. 10) von Benzingerode; Stammſitz gl.
N. bei Wernigerode; F um 1500. W.: Querbalken. 11) v.
d. Danne, nach 1480 Staßfurter Pfänner, im 16. Jahrh.
auch im Mansfeld'ſchen anſäſſig; F im 17. saec. W.: Tan⸗
nenzweig mit Tannäpfeln auf Schild und Helm. 12) von
Dewen, Stammſitz Düben bei Schönebeck; Magdeburger Fa—
milie, T Ende 16. saec. W.: geſpalt. Schild, vorn halber Adler
oder Pfau am Spalt, hinten Pelz; H. offener Flug; — alſo
zu unterſcheiden von der gleichnamigen Familien welche einen
Querbalken mit einem Aſt belegt, reſp. das bei Siebm. 1.
159 gegebene Wappen führten. 13) von Deben — anſcheinend
zu dem Meißen'ſchen Geſchlechte gehörend. 14) v. Dorſtadt;
drei verſchiedene Familien: a) die Edlen v. D.; W.: getheilt,
darüber geſchachter Schrägbalken; b) ſchrägrechts aufwärts gelegter
Spaten, am Rande von Kleeblättern begleitet; H: derſelbe vor
einem Hahnfederbuſch querliegend. c) (hier vorzugsweiſe in Be—
tracht kommend) drei ſitzende w. Bracken in r: H; ein ſolcher
mit Federn beſteckt; + 1661. 15) v. Eisleben: Magdeburger
Geſchlecht, Stammſitz bei Neuhaldensleben; 1 Hälfte 17.
snec. Wappen nach alten Siegeln: drei Halbmonde 2. 1.4
(⸗Hanſtein ꝛc.); ſpäter ganz anders: Schild geſpalten von g.
ſch. und r., darüber ſchräglinks aufwärts gekehrter g. Pfeil
mit w. Federn; H.: zwei geſtürzte Pfeile.
Vermiſchtes.
Der gegenwärtige Krieg hat uns bereits 2 fränkiſche
l gekoſtet. Nachdem erſt vor kurzem der letzte
Peller v. Schoppershof vor dem Feinde gefallen,
ſtarb am 25. Sept. zu Meſſincourt im Diſtrict Sedan
Johann Carl Leo Joſeph Auguſt Freiherr Heußlein
v. Eußenheim als der Letzte ſeines Hauſes. Er hatte
ſich, um den deutſchen Truppen in der Schlacht bei
Sedan die Nachricht von herannahendem Succurs zu
bringen, durch einen äußerſt forcirten Ritt eine Lungen⸗
entzündung zugezogen, an deren Folgen er ſtarb. Sei—
nen Vater hatte er erſt vor 6 Wochen verloren.
Siegelrecht. 1450. Heinz, Anton, und Mi—
chael, Gebrüder die Kottenauer von Kottenau, fertigen
einen Kaufbrief und „ gebeten die Erbern vnd
veſten Hannſen von Beyer hochtritt genannt vnd Fritzen
im Hoffe, daß fie ihr Inſigel an dieſem Brieff gehengt
haben, wann ſie in dieſen Zeiten nicht eigenes In—
ſigel gegroben hatten.“ —
Um auch einmal dem Humor ein Plätzchen zu
gönnen, theilen wir nachſtehend eine uns kürzlich in
Bezug auf die Anfrage I. (den Fiſch auf dem Land⸗
friedensſiegel Wenzels betreffend) zugegangene Antwort mit.
Darnach bedeutet der Fiſch „auf Freiheit fußende Wach—
ſamkeit. Bei den älteren Wappen bedeutet Grün Freiheit,
82
bei den ſpäteren oder neueren Wappen bedeutet Gold nicht
nur Vorzüßglichkeit, ſondern auch Freiheit. Im Kampfe
für Unabhängigkeit des Volkes oder auch des Staates
bedeutet Weiß nicht nur 1 Reinheit, ſondern auch
Freiheit. Der goldene (2) Karpfen im 0 oder
grünen (2) Felde bedeutet vorzügliche Wachſamkeit
in Wohlſtand, im blauen Felde auf Grund der Wiſſen—
ſchaft.“ (2)
Dieſe, von den bisherigen Antworten allerdings
ſehr abweichende, Erklärung, welche jedenfalls weiter
bekannt zu werden verdient, glaubten wir unſeren Leſern
nicht vorenthalten zu dürfen.
Eorrefpondenz:
Herrn v. A. auf E Das Werk „L' Alsace noble,“
deſſen Proſpect wir in einer frieren Nummer mittheilten, iſt wes
nige Tage vor dem Ausbruch des Krieges in Straßburg erſchienen;
einige Exemplare ſind nach Deutſchland gekommen, weit mebr were
den vermuthlich durch das Bombardement vernichtet fein. Das ges
wünſchte Except, die v. Klinglin betreffend, ſoll binnen Kurzem
beſchafft werden.
Herrn Hptm. G. — Schloß Flechtingen liegt im preußiſchen
Regierungs bezirk Magdeburg, Kreis Gardelegen, ca. 5 Meilen von
erſterer, 4 M. von letzterer Stadt entfernt; an einem kleinen See
gelegen, gewährt es in ſeiner theilweiſe alterthümlichen Bauart und
durch ſchöne landſchaftliche Umgebungen einen prächtigen Anblick. —
Beſitzer iſt der Hr. Baron v. Schenk Flechtingen, an welchen
Euer ꝛc. ſich event. wenden wollen.
Anzeigen.
Soeben it bei Mitſcher & Vöſtell in Berlin (Leip-
ziger Str. 129) erſchienen und durch alle Buchhandlungen
zu beziehen:
„Aeber Wappen und Vanner des
Deutſchen Reiche“
von Ad. M. Hildebrandt -Mieſte.
In farbigem Umſchlag geh. mit 2 Tafeln. Preis 10 Sgr.
Nen!
Geſchichte der Familie v. Blücher,
von Dr. Friedrich Wigger. I. Band; mit 6 lithogr. Tafeln.
(1 3 Siegel-, 2 Leichenſtein⸗Tafeln.) 8. XI. und 379
Text, 540 S. Urkunden. Schwerin 1870.
Von Siebmachers
„Großem und Allgemeinem Wappenbuch“
erſchien ſoeben:
Lieferung 81: „Städtewappen“ bearbeitet vom Advocaten
e in Dresden.
Die erſte Lieferung des Hannöveriſchen Adels wird noch
vor Ablauf dieſes Monats ausgegeben werden.
Nürnberg, den 5. November 1870.
Bauer & Raspe.
Inhalts- Verzeichniß:
Amtl. Nachricht. — Protocoll. — Beiträge zur Gene⸗
alogie Rheiniſcher Familien; Zuſatz dazu. — Anfragen. —
Literatur. — Vermiſchtes. — Freiheit, Literatur. — Vermiſchtes. — Correſpondenz. — A — Anzeigen. —
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗ von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdebı Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
r
7
Monatsſchrift für Heraldik, “
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erscheint monatl. einmal —1 Bogen ſtark. Jährl. e 1 Thlr. 5 95 Inſertionspreis 1 Sgr für die geſpaltene Petitzeile
Ur. 12. f S, Berlin, im Dezember 1870. D 1. Jahrgang.
An die Abonnenten des „Deutſchen Herold.“ des , ke een dir
Mit vorliegender Nummer ſchließt der erjte | Jahresbeitrages gleichzeitig den Abonne⸗
Jahrgang des „Deutſchen Herold“, auf deſſen mentsbetrag von 1 Thlr. 10 Sgr. für den
Thätigkeit wir — und hoffentlich auch, bei bil- Jahrgang 1871 an den Schatzmeiſter, Hrn.
ligen Anſprüchen, die geehrten Abonnenten, — Lieut. Gritzner, Vietoriaſtr. 11 hierſelbſt,
befriedigt glauben zurückblicken zu dürfen. portofrei einſenden.
Um den verehrl. Abonnenten des Blattes, Neu hinzutretende Abonnenten können
welches unter der bisherigen Redaction zu bei jeder zunächſt liegenden Buchhandlung
erſcheinen fortfährt und Vereinseigenthum oder Poſtanſtalt auf den „Deutſchen Herold“
bleibt, aber mit dem 1. Jauuar 1871 in ſubſeribiren.
den Commiſſions⸗Verlag der Buchhandlung Bereits liegt der Redaction intereſſantes
von Mitſcher 8 Röſtell, Berlin, Leipziger⸗ Material für den nächſten Jahrgang vor. Wir
ſtraße Nr. 129 übergeht, unnöthige Umſtände erwähnen u A. als beſonders für Freunde der
zu erſparen wird denſelben, falls nicht eine ent⸗ neuen Adelsgeſchichte wichtig: eine chronologiſch
gegengeſetzte Erklärung bis zum 31. December mit großem Fleiß zuſammengeſtellte Matrikel
er. ſchriftlich an den Schriftführer Fru. Geh. der geſammten Brandenburgiſch-Preußiſchen
Seer. F. Warnecke hierſelbſt (Steglitzer Str. Standeserhöhungen, Anerkennungen ꝛc. von 1600
58) erfolgen ſollte, das Blatt auch fernerhin bis auf die neuſte Zeit, verſehen mit Hinwei⸗
regelmäßig zugeſandt werden. ſungen auf bereits exiſtirende Wappenbücher
Durch den zwiſchen den Herren Mitſcher oder kurzer Wappenangabe, ſowie Berichtigungen
E Röſtell und dem Vereine geſchloſſenen Vertrag irriger Diplomdaten in früheren Werken nach
und andere Umſtände ſehen wir uns genöthigt, den Originalen. Nr. 1 wird bereits den Anfang
den Preis (auch für die Vereinsmitglieder) auf enthalten.
1 Thlr. 10 Sgr. (alſo um nur 5 Sgr.) zu er⸗ Um den auswärtigen Vereinsmitgliedern
höhen, werden aber bemüht ſein, den verehrl. ein Aquivalent für die eingetretene Preiser⸗
Abonnenten dieſe geringe Mehrausgabe dadurch höhung zu bieten, wird der Jahresbeitrag,
zu vergüten, daß das at in Zukunft möglichft | ſofern dieſelben Abonnenten der Monatſchrift
ſtets in der Stärke eines Bogens und, wenn — | find, auf 20 Sgr. herabgeſetzt.
wie wir erwarten — ſich die Zahl der Leſer in —
dieſem Jahre noch ſteigert, auch öfters mit Kunſt⸗ Das Sigungsprotocoll findet der Leſer in der
beilagen verſehen erſcheinen wird. nächſten Nr. d. Bl.
Zur Beantwortung der Anfrage II.
deiner auf S. 21 d. Bl. ausgeſprochenen Bitte
um freundliche Beantwortung von 16 genealogiſchen
Fragen ſind mehrere Herren aus den verſchiedenſten Ge⸗
genden nachgekommen, und erlaube ich mir hierdurch den⸗
ſelben meinen verbindlichſten Dank zu ſagen Die letzte
indirekte Antwort auf die erſten 6 Fragen hat Herr J.
F. Heß auf S. 73 d. Bl. gegeben.
Sämmtliche Beantwortungen find mehr oder min-
der ausführlich und zutreffend ſowohl, als auch von
einander abweichend, ſo daß hier und da noch manche
Frage offen bleibt, oder einzelne Beantwortungen genau—
erer Prüfung unterzogen werden müſſen.
Da Letzteres mir nicht möglich iſt, mögen Andere
verſuchen, das Richtige feſtzuſtellen. Zu dieſem Ende
gebe ich hier eine Zuſammenſtellung der mir geſendeten
Antworten und erlaube mir dazu einzelne Bemerkungen,
1) Als Mutter der Fürſtin Anna von Anhalt wird
übereinſtimmend angegeben Magdalene, Tochter und Er—
bin Humberts (alias Gumprechts), Grafen von Nuenar
und Limburg. Herr B. in S. nennt ausdrücklich Hum—
pert III., welcher 1589 geſtorben, wie Hr. B. und Hr.
Graf v. W. in H. angeben. Es ſcheint mir alſo die
Angabe des Herrn Freiherrn v. P. in W. „ſie, Mag⸗
dalene, ſei 1589 geſtorben,“ auf einem Irrthum zu be—
ruhen.
Im Jahre 1589 (B. „8. Oct.“) ſtarb auch außer
Magdal. Vater noch ihr Bruder Adolf, der letzte Graf
v. Nuenar, nach deſſen Tode ſie die Baronie Lenep eben—
ſo erbte, wie ſie vom Vater zum Brautſchatz die drei
Herrſchaften Bedburn, Alpen und Helfenſtein mitbekam
und die Grafſchaft Nuenar und Limburg an der Lahn
erbte.
Als Todesjabr des Gemahls dieſer Gräfin Magd.,
des Grafen Arnold v. Bentheim (mit Tecklenburg und
Steinfurt — v. P.) wird 1606 übereinſtimmend ange—
geben; H. v. P. notirt als Todestag 11. Januar und
führt als Geburtszeit Arnold's 11. Det. 1554 an.
Als Todeszeit der Fürſtin Anna wird 9. December
1624 notirt; die Frage nach ihrer Geburtszeit
iſt unbeantwortet geblieben.
2) Als Geburtstag des Fräulein Loyſe Amalie von
Anhalt ſteht feſt 14. Januar 1606.
3) Als Geburtsjahr der Fürſtin Sophie von Anh.,
To. des nach H. v. W. am 17. Dee. 1613 (nach Cohn
Tfl. 165: 7. Dec.) verſtorbenen Grafen Simon VI.
von der Lippe, wird übereinſtimmend 1599 genannt; als
Geburtstag derſelben notiren die Herren B., v. P. und
Heß 16. Auguſt, was nach Cohn fl. 165 richtig iſt.
Ihre Mutter war nach übereinſtimmenden Angaben Frau
Eliſabeth, Tochter Otto's V., Grafen v. Holſtein-Schaum⸗
burg (- Pinneberg — v. P.) geb. 1566, verm. 13.
Nov. 1585. ö
Als dieſer Gräfin Eliſabeth Todeszeit notirt Hr. B.
irriger Weiſe den Tod ihres Gemahls, 17. Dec. 1613;
fie ſtarb nach Cohn am 7. Sept. 1638. — Als Todesjahr
der Fürſtin Sophie ſteht 1654, 19. März feſt, wie die
Inſchrift an ihrem Sarge zeigt. Cohn hat deshalb irr⸗
thümlich 1653. Als ihren Vermählungstag fand ich
den 16. Sept. 1626, nicht 12. Sept., wie Cohn hat.
4) In Bezug auf Fräulein Sibylla Maria, Reußin
von Plauen, ſtimmen alle Angaben darin überein, daß
ſie die älteſte Tochter Graf Heinrichs XXXIX. (IV.) zu
Reuß älterer Linie, Ober-Greiz, und der Frau Juliane
Eliſab., geb. Rheingräfin v. Neufville (Salm-Daun) ge⸗
weſen, 1625 geb. ſei, ſich mit Heinr. X. v. Reuß-Loben⸗
ſtein verm. habe und 1675 geſtorben ſei.
Nur über die Tage ihrer Geburt und ihres Todes,
ſowie über die Zeit ihrer Vermählung lauten die Angaben
verſchieden.
Die Herren v. W., v. d. G. u. B. haben in Uebereinſtimm—
ung mit Cohn als Geburtstag 4 Aug., während Hr. Heß
S. 73 4. April ſetzt; ferner geben jene drei Herren als
Todestag den 21. Mai, während Hr. Heß und Cohn
17. Mat anführen. In Bezug auf das Vermählungs—
jahr ſtehen letztere Herren mit dem 24. October 1647
jenen Dreien gegenüber, welche 1646 haben.
Ich vermag nicht zu entſcheiden, auf weſſen Seite
das Richtige zu ſuchen ſei.
5) Ueber Frl. Eliſabeth, Reußin von Plauen, kommen
alle Angaben darin überein, daß ſie die jüngere Schwe⸗
ſter der vorigen geweſen, am 29. September 1629 geb.
ſei, und ſich am 30. November 1645 mit Chriſtian,
Herrn von Schönburg - (Rochsburg ) „Penig verm.
habe. Von vier Seiten wird 1675 als ihr Todesjahr
angeſehen, ſo daß ſie alſo in einem Jahre mit ihrer
ältern Schweſter Sib. Marie geſtorben wäre, während
Herr Heß notirt 24. Februar 1667.
Meiner unmaßgeblichen Auſicht nach dürfte letztere
Angabe die richtige ſein, wofür Herr Heß hoffentlich gern
den Beweis beibringen wird, indem er die Quelle
angiebt, aus welcher er geſchöpft.
6) Von Frau Juliane Eliſabeth, geb. Rheingräfin, Reu—
hin Wittwe, iſt die Geburtszeit noch zu erforſchen. Ueber
ihren Todestag im Jahre 1653 ſchwanken die Angaben
zwiſchen dem 14. Mai und 16. Mai, welchen allein Herr
Heß vertritt. — Wittwe wurde dieſe Dame zuerſt am 25.
Auguſt 1629 (1659 Seite 73 d. Blattes iſt wobl nur
ein Druckfehler) von Graf Heinrich XXXIX. (IV.) in
Reuß⸗Obergreiz. Nachdem fie ſich am 4. Mai 1637
wieder vermählt hatte mit Graf Heinrich XLIII. (III.)
von Reuß-Gera, wurde fie durch deſſen am 12. Juni
1640 erfolgten Tod abermals Wittwe.
7) Bei Fräulein Anna Dorothea, Gräfin zu Schön⸗
burg (Seite 20 iſt der Druckfehler Schönberg) iſt Fol⸗
gendes zu bemerken. Sie war die 2. Tochter von Hugo II.
Herrn von Schönburg-Hartenſtein und Frau Anna
(Cohn: Agnes) geb. Gräfin zu Reuß-Gera (geb. 26.
Juni 1567. + 1. Auguſt 1588). Sie wurde geboren 28.
December 1586 u. + den 20. Januar 1645 als Pröp⸗
ſtin zu Quedlinburg, cf. Zedler XXXV. Sp. 769. |
Letztere Angabe notire ich beſonders für die Herren
v. d. G. und v. W., welche, ſich auf Hübner II., 645
ff. ſtützend, ſagen: „Anna Dorothea, geb. 1586, ſoll
als Kind geſtorben ſein und eine andere findet ſich nicht.“
Nach Zedler wurde eine ältere Schweſter der Anna
Dorothea Namens Agnes Dorothea im Jahre 1584 ge⸗
boren und 7 1586 5
Hiernach wäre alſo Hübners Angabe zu berichtigen.
8) Ueber Fräulein Catharine, Gräfin von Nassau, |
hat keiner der freundlichen und gefälligen Herren die Frau Urſula, geb. Gräfin zu
nöthige Auskunft geben können.
Herr Graf von Wein H. bei R. bemerkt mit Recht:
„Dieſe Frage läßt ſich nicht leicht beantworten; man
müſſte da vor allem den ganzen Zuſammenhang u. Zweck
der Frage und die Quellen kennen; übrigens diene Nach—
folgendes zur Notiz.
Wilhelm, Graf von Naſſau, Fürſt zu Oranien,
erſchoſſen 1584, hatte von ſeiner 3. Gemahlin Charlotte von
Bourbon eine Tochter Catharine, welche 1648 ſtarb.
Ihr Gemahl war ſeit 1596 der am 9. Auguſt 1612 +
Graf Ludwig von Hanau-Münzenberg.
Ferner hatte Heinrich Friedrich, Prinz zu Oranien,
Graf von Naſſau (des Obigen Sohn), von ſeiner Ge—
mablin Amalie, Gräfin zu Solms (+ 18. März 1675)
eine Tochter Henriette Catharine, geb. 10. Februar 1634
j den 4. November 1708, die nachmalige Gemahlin
des Fürſten Johann Georg von Anhalt-Deſſau“
Bei meiner Arbeit, welche ſich auf die „tugendliche
Geſellſchaft“ bezieht, kann jene erſte Catharine deshalb
nicht in Betracht kommen, weil dieſelbe um 1637—40
nicht „Fräulein,“ ſondern „Wittwe“ war.
Zwiſchen 1637 —40, höchſtens 42 iſt aber „Fräu—
lein Catharine, Gräfin von Naſſau“ in jenen Damen-
orden aufgenammen worden, und zwar an Stelle des
am 7. Juli 1637 verſtorbenen Fränlein „Anna Marie,
Fürſtin zu Anhalt“. Die von mir ſorgfältig durchforſchten
Schriftſtücke über beſagten Orden geben durchaus keinen
weitern Anhaltepunkt zur Beantwortung der von mir
geſtellten Frage. a
Wäre anzunehmen, daß das Mitglieder-Verzeich—
niß ungenau ſei, dann könnte Fräulein Henriette Ca—
tharine, Gräfin von Naſſau, unſere nachmalige Anhaltiſche
Fürſtin, gemeint ſein. Für dieſe Annahme möchte ich
mich eher entſcheiden, als für die, daß die in jenem
Mitglieder-Verzeichniß aufgeführte Naſſau'ſche Prinzeſſin
in den ſeitherigen Stammtafeln fehle, und daſelbſt noch
eingeſchoben werden müſſe. Es kann doch in dem Ver—
zeichniß eher der bloße Vorname „Henriette“ neben
Catharina weggelaſſen ſein, als in den Stammtafeln
eine — meines Erachtens — gar nicht unterzubringende
Prinzeſſin.
Daß dieſe Dame zu jung geweſen ſei für die
Aufnahme in den Orden, läßt ſich nicht einwenden, da
wir dem allerdings auffallenden Beiſpiel ſchon früher
wiederholt begegnet ſind. Doch das und Weiteres hier—
über gehört nicht in dieſes Blatt.
9) Die Frage nach dem Todestage von Frau Sa—
bina, geb. Pfalzgräfin beim Rhein, Frau zu Warten—
berg, iſt unbeantwortet geblieben.
Herr Graf von W. giebt den ſchätzenswerthen
Wink, daß über dieſe Frage vielleicht etwas zu finden
ſei in dem jüngſt erſchienenen Buche von Dr. Hautle
über die Genealogie des Wittelbach'ſchen Hauſes.
Wer das Werk zur Hand hat, iſt vielleicht ſo
freundlich, nachzuſehen und das Ergebniß mitzutheilen.
10) Unerledigt iſt ferner geblieben die Frage nach
dem Geburtstage der 1576 geborenen Frau Agnes, geb.
Gräfin zu Eberſtein, Schenkin v. Tautenberg.
11) Ebenſo hat der Todestag der 1657 geſtorbenen
85
|
|
\ Solms, Burggräfin zu
Dohna, nicht feſtgeſtellt werden können.
12) Dagegen ſind die Fragen in Bezug auf Frau
Maria Magdalene, geb. Gräfin zu Waldeck, Gräfin zur
Lippe, völlig erledigt worden
Ihre Eltern waren nämlich: Graf Chriſtian (v.
W.: Chriſtoph, was wohl nur ein Schreibfehler) von
Waldeck-Eiſenberg (neue wildunger Linie) und Frau
Eliſabeth geb. Gräfin v. Naſſau-Siegen, als deren älte—
ſtes Kind Maria Magd. am 27. April 1606 (nach Cohn
Tfl. 160) geb. wurde. Sie wurde an ihrem Geburts-
tage 27. Apr. 1623 die 2. Gem. von Simon VII.,
Grafen von Lippe, durch deſſen am 26. März 1627
erfolgten Tod ſie Wittwe wurde. Sie ſtarb, was den
freundlichen Berichterſtattern unbekannt geblieben, am
28. Mai 1671, (ef. Cohn Tfl. 160.)
Ich erlaube mir hier noch die Bemerkung, daß in
Bezug auf der Maria Magd. Mutter, Eliſab. Gräfin v.
Naſſau-Siegen, auf Tfl. 136 bei Cohn Folgendes nach—
zutragen iſt: Der Eliſabeth Vermählungstag iſt nach
Tfl. 160 der 18. Novbr. 1604; ihr Tod fällt auf den
26. Juli 1064,
Ebenſo iſt in Bezug auf ihren Gemahl Graf Chri—
ſtian die auf Tfl. 136 ſich findende Angabe, er ſei im
März 1638 geſtorben, zu berichtigen, da er nach Ffl.
160 am 31. Dec. 1637 ſtarb.
13) Die Fragen hinſichtlich „Frau Urſula Marie,
Gräfin zu Weißenburg, Erbmarſchallin“ find unbeant—
wortet geblieben. Herr v. d. G. ſchreibt: „Grafen von
Weißenburg ſind mir nicht bekannt,“ und' Herr Graf
v. W. ſagt: „Dieſe Frage wird Niemand beantworten
können, da es Grafen von Weißenburg gar nie gege—
ben hat.“ 5 \
Somit haben wir anzunehmen, daß der Titel „Grä⸗
fin“ in dem Mitglieder⸗Verzeichniß der tugendlichen Ge—
ſellſchaft dieſer Dame irriger Weiſe gegeben, folglich zu
ſtreichen iſt.
Die von Herrn Grafen v. W. notirte „Erbmar—
ſchallin Urſula Maria, geb. 1558, Schweſter des Kriegs⸗
helden Gottfried Heinrich von Pappenheim“ dürfte hier
wohl nicht in Betracht kommen. Oder läßt ſich nach—
weiſen, daß dieſe Dame nach dem 4. Juli 1630 geſtor⸗
ben iſt? An dieſem Tage erfolgte nämlich die Auf⸗
nahme der Erbmarſchallin Urſula Maria v. Weißenburg
in jenen Damenorden, und letztere muß etwa um 1640
— 1642 geſtorben ſein, da an ihre Stelle die 1627 ge⸗
borene Fürſtin Sophie von Anhalt-Plötzkau trat, deren
Erwählung 1643, ſpäteſtens 1644 erfolgte.
14 und 15) Ueber die Fürſtinnen Eliſab. Eleonore
und Sophie Agnes v. Radzivil hat ſich Nichts feſtſtellen
laſſen. Hr. Graf v. W. u. Hr. B. notiren als Kinder
Nicolaus IV. + 1596 und feiner Gemahlin Eliſabeth
Szialowicka eine Eliſabeth, deren Gemahl Nicolaus
Mielecky und eine Sophia deren Gemahl Achaz Zema
war. Dieſe dürften aber hier unberückſichtig bleiben
müſſen. — Das gilt ſicherlich auch von den beiden anderen
Fürſtinnen Eliſabeth, der Tochter des F. Chriſtoph (+
1604) und des F. Nic. Chriſtoph (+ 1616.)
16) Auch die Frage über „Frau Catharina, Herrin
86
zu Stubenberg, geb. Kinski,“ welche am 14.
in den Orden aufgenommen wurde, iſt noch unerledigt.
Weitere freundliche Mittheilungen werde ich mit
herzlichſtem Dank entgegen nehmen. i
Nutha bei Zerbſt. (Anhalt.)
Th. Stenzel, Paſtor.
Titeratur.
Fortſetzung aus Nr 11.
16) v. Embden: urkundlich ſeit 1162; Stammſitz gl.
Namens bei Neuhaldensleben; ein Zweig nach Livland gezogen.
+ anſcheinend im 17. Jahrh. W.: Spitze, darin eine geſpaltene
Lilie; begleitet von 2 Roſen; Helm: Schaft mit Hahnfedern,
begleitet von einer Roſe und der halben Lilie. 17) v. Gittelde.
Drei Familien zu unterſcheiden; a) Magdeburger Patrizier;
W.;: Zelt auf Schild und Helm. b) Die mit den Schlüſſeln
im W. (Siebm. I. 181.) + 1614 iſt nicht zum Halberſtädter
Stiftsadel zu rechnen, wohl aber c) die mit folgendem W.:
Schild geſpalten, vorn viermal quergetheilt, hinten halbe Roſe;
+ 14. oder 15. Jahrh. 18) v. Hacke — die Merſeburger, im
18. Jahrh. ausgeſtorbene Familie. W.: Schrägbalken, mit 3
Eicheln (Eiſenhütchen?) belegt.) 19) v. Hagen gen. Geiſt, ſeit
Anf. des 15. Jahrh. im Halberſtädtiſchen begütert; + Ende
vor saec.®.: 3 ſch. Widderhörner in g; Helm: Pfauenſchweif.
20. v. d. Helle. W.: Sonne oder Roſe; + Mitte 16. saec.
20) Grafen v. Hohnſtein, T 1593. W.: Schach von r. und
w; Helm: r. Hirſchgeweih. 22) v. Hordorf; Stammſitz im
Stift Halberſtadt, urkundlich ſeit dem 12. Jahrh., + 1649.
Wappen: eine Ente auf Schild u. Helm. 23) v. Hornhauſen;
Stammſitz gleichen Namens ebendaſelbſt; urk ſeit 1102, 7
um 1612, W.: drei ſch. Widderhörner auf g. (v. Geiſt, v.
Neindorf.) 24) v. Kißleben; Stammſitz gl. N. im Braun⸗
ſchweigiſchen; + 1782 W.: Siebm. I. 152. 25) v. Kneit—
lingen; Stammſitz gl. N. ebenda; 1 1739. W.: Schild: zwei
w. Balken in ſch. Helm: 6 Aehren oder Pfeile. 26) v. Knup⸗
lau: urkundl. ſeit 1363; + 1706. W.: halber Lowe im Schilde,
und auf dem Helm vor 3 Straußfedern 27) v. Krebs;
Halberſtädter Stiftsritter ſeit dem Anf. des 14 Jahrh. Urk
ſeit 1273. + Anfang dieſes Jahrh., worauf Stamm und
Wappen an die v. Dewitz überging. W.: ſehr variirend:
bald zwei r. Krebsſcheeren in w., bald ein aufgerichteter r
Krebs, bald eine Krebsſcheere in verſchiedenen Stellungen,
bald zwei ſch. Krebſe übereinander in g. Zuletzt: im Sch. 1
Krebs, auf dem Helm fünf Strauß'edern. — 28) v. Kreyen-
dorf, (Crendorp) urkundl. ſeit 1289, 1 im 17. saec. W.:
Pfahl (oft nach innen ausgeſchweift) von zwei klimmenden
Krähen beſeitet.
Schluß im 3. Heft derſelben Zeitſchrift.
29) von Knipping; urk ſeit 1312, auch im Magdeburgiſchen.
+ um 1650. Verſchieden von denen von Kn. in der Grafſch Mark,
obwohl das W. weſtphäliſchen Typus hat: ſchräggegitterter Schild;
derſelbe auf dem Helm zwiſchen 2 Buffelhörnern 30) die Grafen
von Mansfeld; T 1780 — 31) von Meiſtorf; Stammſitz Meisdorf
am Harz; urf. ſeit Mitte des 12. Jahrhunderts; r um 1500 W:
im Sch. ein Federwedel, H.: drei ſolche. 32) von Mortz; Lünebur-
giſchen Urſprungs + im 16. Jahrh indert. W.: Zwei querlie⸗
gende Jagdhörner im Schilde. 33) v. Moſigkau; Stammſitz gl.
N. in Anhalt; urk. ſeit 1363 + 1743. W.: urſprünglich ein Pfahl
„) Helm: auf eine Ecke geſtelltes rautenförmiges Kiffen.
Juli 1630 ſpäter (als Vaſallen der Edlen von Barby) Hundekopf im Schilde
und — zwiſchen 2 Federn — auf dem Helm. 34) von Neuſtadt;
Merſeburgiſcher Abkunft, ſeit dem 14. Jahrhundert urf, bek.;
Anf. des 17. Jahrh. W.: im Sch. ein Schrägbalken; H.: 3 Stäbe
mit Schellen oder Ringen beſetzt, oder drei Spieße. 35) v. Ochlitz,
urk. ſeit 1291. + nach 1571. W.: 3 Wolfsköpfe; H.: Wolf. 36)
von Odeleben; nicht genau feſtzuſtellen zu welcher der verſchiedenen
Familien d. N. die von 1481 bis zum 16. Jahrhundert im Halber⸗
ſtädtiſchen vorkommenden v. O. zu zählen find. 37) von Rath⸗
gebe; ſeit dem 14. Jahrhundert am Harze auftretend; T um 1515.
W.: ähnlich wie das von Barſewiſch; ein von 3 Kleeblättern bes
gleiteter, mit einem Fiſch belegter Schrägbalken; al. nur der Fiſch
im Schilde. 38) von Rautenberg, Braunſchweiger Abſtammung, urk.
ſeit dem 12 Jahrhundert; + 1647. W. Siebm. I., 182. 39) von
Rottorff; urk. 1182; ein Zweig im Mansfeldiſchenz + End. 17. Jahrh.
W.: Anker H.: Haynfederbuſch. 40) von Ruſteleben, Stammſitz
Roßleben in Thüringen; dort ſeit Anfang des 13. Jahrh. im Hal⸗
berſtädtiſchen ſeit dem 15. Jahrh. F 1. Hälfte 16. saec. W.: Ro⸗
ſenkranz, darüber drei mit den Spitzen zuſammenſtoßende Schwer—
ter; dieſelben (in variirender Stellung) auf dem Helm. 41) von
Sampleben; Braunſchw. Uradel; 7 1587. W.: Siebm. I. 183.
42) Schenk (von Flechtingeu) Erbſchenken im Stift Halberſtadt;
urk. ſeit 1196; 7 in der 1. Hälfte dieſes Jahrh.; aber durch Adop⸗
tion fortgeſetzt. W.: Siebm. I. 175. 44) von Schladen; urk. ſeit
1429. W.: 2 geſtürzte Biſchofsſtäbe; H.: Kreuz. 45) von Schlan⸗
newitz; wüſter Stammſitz bei Calbe a. S. urk. ſeit 1288, + 1583
W.: Schweinerumpf im Schilde. 46) von Seggerde; Stammſitz gl. N.
bei Heumſtedt; urk. ſeit 1224; J nach 1614. W: im Schilde ein
halber Löwe, Helm: 3 Federn. 47) v. Spiegel: nicht die Weſtfä⸗
liſchen, die noch Meiſſen ſchen v. S., ſondern die eingebornen, ſeit
dem 12 bis 16. Jahrh. blühenden; W : Siebm. I. 179. 48) v
Stockheim, im 15. Jahrh. im Halberſtädtiſchen belehnt, ſpäter im
Erzſtift Magdeburg. W.: vermuthlich: zwei geſchrägte Pfeile;
H.: 2 Straußfedern. 49) v Thaus (Daus, Taus,) urk. 1247, +
um 1570. W.: a) zwei Flügel, b) eine Pickelhaube neben hohem
Hute mit abhangender Schnur; alſo vielleicht zwei verſchiedene
Familien. 50) v. Tobel: dunkeln Urſprun s; ſeit dem 15.
Jahrh im Stift Halberſtadt, von dort anſcheinend nach der Neumark ge⸗
zogen, daſelbſt 1639 7 W.: im Sch ein Flügel; H.: hoher Hut mit
Hahnfederbuſch. 51) v. Vitzenhagen: der Gfeſch. Falkenſtein entſproſſen;
urk. ſeit 1299, F um 1700. W.: w. Pfahl in r. H. r. hoher
Hut, mit dem Pfahl belegt und w. geſtülpt, mit Hahnfederbuſch
52) v. Wed dingen; Magdeb: Adel; urk. 1197, F 1651. W. im
Schilde ſchrägr. aufwärts gelegter Pfeil, beiderſeits mit herabhan⸗
gendem Flügel beſteckt. H.: geſchl. Flug 53. v. Weferlingen;
Stammſitz gl. N. bei Schöppenſtedt in Braunſchweig; urk. ſeit Ende
12. saee., 7 in der 2. Hälfte des vor. Jahrh. W.: Siebm' J. 181.
54) v. Wegeleben; Stammſitz gl. N. bei Quedlinburg; urk. 1259,
+ um 1500. W : Siebm. J. 159, aber richtiger Helm: 3 Strauß⸗
federn. 55) v. Wenden, Braunſch: Uradel; urk. ſeit Mitte des 12.
Jahrh., + 1595. W.: Siebm. 1. 181; auch variirend. 56) Edle v.
Warberg; gleichsfalls Braunſchweiger; urk. ſeit dem 12. Jahrh; 9 5
1654 W.: Haſelwurzſtaude mit zwei emporſtehenden Blättern; H.:
variirend: 3 Straußfedern, Schirmbrett, Pfauenſchweif. 57) von
Werle; ebenfalls Braunſchw. Urſprungs, urk. 1211 7 1587. W.: 3
g. Anker in 1 3 H.: drei oder vier Straußfedern 58) von Wobeck;
Seit 1334 — 1641 im Halberſtädtiſchen. W.: urſprünglich querliegen⸗
des Büffelhorn, oben mit Federchen oder Knöpfchen beſteckt; Helm: 2
dergleichen; ſpäter unter dem Horn ein oben mit 4 Straußfedern be⸗
ſteckter Ring; H.: 8 Straußfedern 59) von Wranpe; Urſp. unbekannt; —
im Halberſtädtiſchen ſeit 1420, + Anf. 17 Jahrh W.: verſchieden⸗
artig; im Sch. drei 2zinkige Gabeleiſen 2. 1. al. 1. 2., al. drei⸗
zinkige, al. ganze Gabeln; H.: aufgerichtete Gabel, oder dieſelbe
zwiſchen 2 Büffelhörnern; al. 4 oder 5 Hahnfedern.
Inhalts⸗Verzeichniß:
An die Abonnenten. — Zur Beantwortung der An⸗
frage . — Beiträge zur Genealogie Rheiniſcher Familien. —
Literatur. —
Beiträge zur Genealogie rheiniſcher
Familien.
Vom Frhrn. v. Vorſt⸗Gudenau.
Fortſetzung.
Roiſt von Weers.
Es iſt ein ganz allgemein verbreiteter und ſelbſt noch von
neueren Genealogen (auch Fahne I) feſtgehaltener Irrthum, daß
die heutigen Grafen Sweerts von Sporck eines Stammes mit
den Roiſt von Weers ſeien. — Ihr urſprünglicher Name iſt
aber nicht Roiſt ſondern Reiſt, und da die von Reiſt ſich auch
Reiſt von Weert ſchrieben, hat dieſe doppelte Namensähnlichkeit
um ſo ſicherer zu obigem Irrthume geführt. — Des Namens
Sweerts gab es übrigens, ſoviel mir bekannt, zwei Familien in
den Niederlanden: die Genealogie der einen hat Dumont im
zweiten Bande ſeiner „Fragments“ gegeben, von der anderen
habe ich nur einzelne Perſonen finden können. In die Familie
Reiſt kam der Name Sweerts erſt gegen 1625 durch Heirath
reſp. Adoption. —
Die Genealogie der Roiſt von Weers, wie fie Fahne mit-
theilt, iſt nicht ganz Ban fie iſt nach Lacomblet's „Archiv“
Band V. Abtheilung 2 zu ergänzen und zu berichtigen. —
In dem genannten vortrefflichen Buche finden ſich außer⸗
dem ſehr viele wichtige bisher unbekannte genealogiſche Notizen
namentlich über die Familien Caleum genannt Lohauſen,
Gruithauſen, Spies von Büllesheim und Weiß. —
Segrath.
Von dieſem wohl urſprünglich Aachener, ſpäter in Lüttich
und Limburg weit verbreiteten Geſchlecht, finde ich folgendes
genealogiſche Bruchſtück:
I. N. von Segrath, heirathete N. von Eyll. —
II. Alard von Segrath, heirathete Anna von Hochkirchen, —
Tochter von Edmund von Hochkirchen zu Schirzel aus
erſter Ehe mit N. von Zievel. — Beide lebten 1580. —
Heinrich von Segrath, heirathete Anna von Kerchem,
Tochter von Adam und Anna von Horion.
Alexander von Segrath, heirathete um 1630 Eliſabeth
von Eynatten, Tochter von Ludwig und Johanna von
Thys, Erbin zu Thys. Alexanders acht Ahnen ſind:
Segrath, Eyll, Hochkirchen, Zievel, Kerken, Wald, Ho:
rion, Merode.
V. a) Eliſabeth von Segrath, heirathete N.
Wilbringhoven.
b) Stefan Theodor Freiherr von Segrath, Herr zu Rus
lingen, grand bailli de Hesbaye, lebte 1680 u.
heirathete Anna Franziska von Hemricourt, Tochter von
Richard und Maria Eliſabeth Royer genannt von Bous
vegniſter.
VI. a) Maria Angelica von Segrath vermählt mit Franz Johann
von Lonein Herr zu Flémalle. —
b) Thereſe, heirathete Chriſtian Friedrich von Bonloun. —
c) Anna Margaretha, heirathete Johann Hyaeinth von
Couwenhoven zu Winxelles.
d) Richard Freiherr von Segrath, Herr zu Rulingen, hei⸗
rathete Chriſtine Margaretha von Voordt, Tochter von
III.
IV.
von Orjo zu
87
VII. a) Conſtanzia von Segrath,
0/00/00 / T ll ee
Peter Nikolaus von Voordt und Eva Sibylla von Pütlynck.
ſtarb 1774 als Nonne im
Kloſter Herckenrode. —
b) N. N. Sohn, Herr zu Rulingen; von dem ich nicht
weiß ob er verheirathet war u. Nachkommen hatte.
c) Anna Franziska, heirathete Peter Anton von Thiribu;
aus dieſer Ehe ſtammt unter anderen eine Tochter Iſa⸗
bella Thereſe Erneſtine, vermählt mit Philipp Robert
Ernft Grafen von Arſchot-Schoonhoven, deſſen Tochter
Thereſe Angelica Philippine (geboren 1767 geſtorben
1836) ſich 1794 mit Ludwig Grafen von Hompeſch⸗
Rurich vermählte. —
Die Ahnen des sub. VI. erwähnten Freiherrn Richard
von Segrath ſind: Segrath, Kerckem, Eynatten, Thys, Hem⸗
ricourt, Nollens, Bouvegniſter u. Noiron. —
Ich bemerke noch, daß in den letzteren Zeiten die Schreib-
art Zegraedt die gewöhnliche war. — Das Wappen zeigt drei
(2, 1) gelbe Ringe in ſchwarz.
Steprath.
J. N. von Steprath, heirathete N. von Wylich.
II. N. von Steprath, heirathete Sibylla von Schidderich.
III. N. von Steprath, heirathete Agnes von Dornick, deren
Mutter eine Bemmel.
IV. ) Sibylla, heirathete Johann von Sallant.
2) Heinrich Herr zu Dodenthal, heirathete Catharina von
Geldern zu Argen, Tochter von Rainer und Aleydis
Schenk von Nidecken.
V. Rainer von Steprath Herr zu Dodenthal, Indornick,
Walbeck, Twiſtede und Gruntfort, heirathete Johanna
Vorſt von Dorrenwerth, Töchter von Johann u. Maria
von Wittenhorſt. —
VI. 1) Johann, deſſen Descendenz unten folgt. —
2) Dietrich; ſeine Descendenz folgt nach der ſeines Bruders
Johann. —
3) Joſt, heirathete Johanna von Biſſen.
4) Agnes, heirathete Johann von Rechtern genannt Voorſt.
bee heirathete Caspar von Meerwyk Herrn zu
Keſſel. —
6) Alexandrine, Deirathete 1611 Anton von Lynden zu
Croonenburg, Loenen ee.
Johann von Steprath, Herr zu Indornick und Dodenthal,
hinterließ von Maria von Dorth (Tochter von Johann und
Johanna von Weeze) folgenden Sohn:
VII. Dietrich von Steprath, Herr zu Indornick und Doden⸗
thal, heirathete Sofia von Iſendoorn, Erbin zu Lathum
und Loo, Tochter von Walter von Iſendoorn zu Lathum
und Margareth von Rechtern genannt Voorſt Erbin zu
Schoonderbeeck und Loo.
VIII. 1) Margaretha Erbin zu Indornick heirathete Franz von
Lynden zu Croonenburg, Loenen ꝛc. Ihre Tochter Sofia
Helwigh von Lynden, Erbin zu Indornick (geſtorben 1717)
heirathete Rainer Johann von Steprath, Herrn zu Twi⸗
ſtede und Walbeck, (ſiehe unten). —
2) Johanna Maria heirathete Wilhelm von Dornick; ihr
Sohn Johann Carſilius heirathete Sm Maria von
Steprath zu Walbeck, (ſiehe unten).
Dietrich von Steprath, zweiter Sohn Rainer's, (fiehe oben)
3%
— ä— —ů—k
|
|
V.) erhielt Walbeck und Twiſtede und heirathete Johanna
Maria von Dornick (Tochter von Johann und Sofia von
der Capellen). Sein Sohn:
VII. Rainer Johann von Steprath, Herr z Walbeck und
Twiſtede, geldriſcher Rath, heirathete Sofia Helwigh von |
Lynden, (geftorben 1717) Erbin zu Indornick, (ſiehe oben). —
VIII. 1) Johanna Maria von Steprath, Erbin zu Walbeck,
heirathete Johann Carſilius von Dornick, (ſiehe oben).
2) Margareth Eliſabeth Sofia, Stiftsdame zu Münſter⸗
bilſen, heirathete Maximilian Heinrich von Rneſſe zu
S'Heeren -Eldern, Masnuy ſtarb 31. Mai
6
Bergh von Trips.
Der Anfang der Genealogie dieſes Hauſes wie Fahne J.
429 denſelben giebt, iſt nicht ganz vollſtändig und außerdem
durch einige Druckfehler entſtellt.
1. N. von Bergh. —
II. 1) Goswin folgt unten. —
2) Heinrich, 1323 Schöffe zu Maeſtricht. hinterließ:
a) Dietrich, erſter Geiſtlicher an einer von ſeinen Schweſtern
zu Maeſtricht gegründeten Capelle. Er lebte noch 1360.
b) Caeeilia senior. —
c) Caeeilia junior. —
Goswin von Bergh lebte 1319 und heirathete eine von
Schönforſt. —
III. 1) Rainer folgt unten. —
2) Tholet von Bergh genannt von der Gracht.
3) Gottfried lebte 1361.
4) Tochter N. N. heirathete Arnold von Zievel.
5) Catharina. —
Rainer von Bergh kommt in den Jahren 1346 — 1383 ſehr
häufig in verſchiedenen Urkunden vor. Von N. von Greven—
broich hinterließ er:
IV. 1) Adam, heirathete erſtens N. N. (von Grevenbroich?)
und zweitens Agnes von Palant, Tochter von Daniel u.
Eliſabeth de la Saulx. Aus zweiter Ehe ſtammen:
a) Catharina, heirathete am 26. Juni 1383 Arnold von
Merwede, Mitherrn zu Limburg bei Sittard.
b) Agnes, heirathete am 23. Dezember 1388 Johann von
Hülsberg genannt von Schlaun. —
2) Dietrich, folgt unten. —
3) Tochter N. N. heirathete Werner von Dave, Herrn zu
Ligny, (Sohn von Guy u. Jutta von Wewelinghofen). —
4) Rainer, kommt zuerſt 1387 vor, zuletzt 1418, in welchem
Jahre er ſtarb. 404 beſaß er mit ſeiner Frau Jo—
hanna von Wedergraet das Haus Hardenſtein, welches
beiden Eheleuten durch Rainer von Schönforſt über—
tragen worden war. Rainer von Bergh und Johanna
von Wedergraet hinterließen einen Sohn Bernhard, über
den Nichts vorliegt. —
Dietrich von Bergh, Herr zu Mertzenhoven, Burgvogt zu
Limburg (bei Sittard) und Daelheim wird in Urkunden von
1376 — 1394 häufig erwähnt. Seine Gemahlin war eine
Tochter Gerhard's von Fraypont, u. der Aleydis von Maton. —
V. 1) Adam von Bergh, folgt unten.
2
2c, Ole
2) Rainer von Bergh, Herr zu Mertzenhoven,
1394, zuletzt 1441 erwähnt; 1451 war er nicht mehr am
Leben. Er hat zweimal geheirathet; erſteus Catharina von
Dongelberghe, Erbin zu Libermé und Mareinelle, und
zweitens Johanna von Drongelen. Dieſe behielt als Wittwe
Mertzenhoven, verkaufte es aber 1451 an Faſtré Surlet de
Chokier. (Cfr. unten). —
Rainer's von Bergh Kinder erſter Ehe:
a) ) Dietrich, ſtarb vor 1451. —
b) Sohn N. N., ſtarb jung. —
c) Tochter N. N., heirathete circa 1440 Wil helm (nicht
Gottfried) von Khenemont,
3) Tochter N. N., heirathete Rolmann von Arenthal. Aus
dieſer Ehe au unter Anderem Iſabella von Arenthal,
welche ſich mit Faſtré Surlet de Chokier, nachmaligem Herrn
zu Mertzenhoven und mehrmaligem Bürgermeiſter von Lüttich,
vermählte.
Adam von Bergh heirathete Johanna von Lynden, Tochter
von Stefan Herr zu Alſt und Iſabella von Hoewen zu Boe⸗
delenham und Muſſenberg. Adam lieh dem Arnold von Mer:
wede u. Steyn, Herrn zu Limburg, große Summen Geldes u.
wurde ſo anfangs Pfandherr und ſpäter gegen 1423 wirklicher
Beſitzer des genannten Schloſſes Limburg. —
VI. 1) Wilhelm von Bergh, hetvathete am 4. Jänner 1446
Margaretha von Palant, Erbin zu Trips, Tochter von
Carſil u. Agnes von Hoemen. In Bezug auf ihre Descen⸗
denz verweiſe ich auf Fahne. —
2) Reinhard, 1446 Deutſchordens⸗Ritter.
3) Agnes, heirathete vor 1426 Heinrich von Welkenhauſen,
Herrn zu Clermont, und brachte ihm Limburg zu. Beide
Eheleute lebten noch 1441.
Gülpen.
Nachträglich finde ich noch:
Alard von Gülpen, der an der Spitze des genealogiſchen
Fragments auf pag. 53 ſteht, hatte eine Schweſter Anna, die
ſich mit einem von Hochkirchen vermählte. — Alard's Eltern
waren Frambach von Gülpen, Herr zu Rosmelle, Ritter, und
Maria von Smitſen. Alard ſtarb am 4. Februar 1495. Die
Familie von Smitſen iſt ein ſehr wenig bekanntes Aachener Geſchlecht;
es führte über einem leeren (gelben?) Felde ein, weißes
Schildeshaupt und darin drei rothe Pfähle. — Jalheau hat
ſtatt Smitſen „delle Smet“; dies iſt aber ein ganz anderes
Geſchlecht. —
Einzelne finde ich noch: Johann von Gülpen heirathete
Johanna von Berlo. Letztere ſtarb 1389 mit Hinterlaſſung
einer Tochter Henriette von Gülpen, welche ſich um 1370 mit
einem von Mulken zu Hartfeld vermählte. Aus dieſer Ehe
ſtammt Johanna Catharina von Mulken, Ehefrau des Peter
von Cortenbach. Beide lebten 1415.
wird zuerſt
—— ESSENER
Berichtigungen. S. 70. b., Z.
Ibid. Z. 37 l. Wöttwarth ſt.
Erwitte ſt. Erwille. Ibid.
Altenhof ſt. Altendorf. 3. 12:
30 v. o. l. Rade ſtatt Bade.
Köllwarth. S. A 4 v. 9% J.
3. 26 v. u. Broich ſt. Broiſch. 13:
Friemerdorf ſt. Friemerdors.
—
Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗ Bezirk Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
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3
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j
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DDeutſcher Herold,
5 | J |
| Monatsſchrift für Heraldik, Sphragiftik und Genealogie, |
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j Organ des Vereins für Siegel- und Wappenkunde zu Berlin. |
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Im Auftrage des Vereins redigirt
Ad. M. Sidebrandt.
2. Jahrgang.
ee ee een — |
Berlin.
| 1871.
Z:; ᷑̃ F f P» „ . „
Zu dem 2. Jahrgange des „Deutſchen Herold“ haben literariſche Beiträge gegeben
die Herren: |
Dr. A. Berger, Wien.
Dr. A. Cohn, Göttingen.
Dr. jur. Baron v. Fock, Berlin.
M. Gritzner, Königl. Preuß. Lieutenant, Berlin.
J. Grote, Kfhr., a. Schauen.
Ad. M. Hildebrandt, Mieſte.
Dr. C. Ritter v. Mayerfels, München.
G. A. v. Mülverſtedt, Königl. Preuß. Archivrath und
Staats⸗Archivar, Magdeburg.
Dr. Th. Pyl, Greifswald.
Dr. v. Querfurth, Oſchatz.
K. Chl. Fhr. v. Reitzenſtein, St. Amarin im Elſaß.
O. Ritter v. Schellerer, München.
G. Seyler, Offenhauſen bei Hersbruck.
F. Warnecke, Geh. Miniſt.⸗Secretair, Berlin.
Ferner die Herren: F.-K., G. in Dresden, H., H. W., W. H. in Stralſund, H. v. 2,
V., welche nicht näher genannt zu werden wünſchten. |
Allen verehrten Mitarbeitern den herzlichſten Dank und die freundliche Bitte um ihre fer⸗
nere Thätigkeit! |
Vach-Regiſter
des zweiten Jahrgangs.
1
1) Nobilitirungen und Standeserhöhungen: —
S. 21. 55. 61.
2 Protokolle der Sitzungen des „Herold“:
vom 7. Dezember 1870: LER
„ 3 Januar 18717 5 A
„ 7. Februar 8 ; OL,
Mirz; . „„
„ 4. April „ 41.
Nai . 5 .
„ 6. Juni \ ; > 5 . 56.
„ 5. September 8 ; 5 STIL
o Pa
„ 7. November. a N “87,
3) Größere Auffäge und Abhandlungen:
Altenberg, Wappen der Stadt . 0 \ 8 5
Blaſonirung, über —,
Deutſchen Farben, die, und der Reichzadler
Berichtigung dazu ;
Erwiderung auf Th. Stenzels 1 e 5
Formen und Maaße der Siegel des Mittelalters . 89.
Goslar, Siegel im Archiv zu —,
Hagemeiſter, Urſprung und Wappen der Familien von, 05
Hatzfeldſche Wappen, das —,
Erwiderung darauf
Fund alter Wappen⸗Holzſchnitz⸗ Arbeiten zu ae E
Hausgenoſſen, die, in Bamberg
Hund, Bayriſch Stammbuch, III. Th.
Landeshoheiten. 5 f ; 5 1 i . 56
Erwiderung darauf 99725
Matrikel der Brandenb.⸗ Preußiſchen Standezer
höhungen. 4. 17. 29. 50. 5 69. 74. 84.
Schwarzenberg und Seinsheim
Seinsheim und Schwarzenberg . . 69.
Erwiderung dam, 33.
Sigillum laudabilis muneris roraffici . 8 36.
Städtewappen, deutſche in der Sachſenchronik. 6. 12. 23. 58. 80.
Verzeichniß der Mitglieder des Herold 1 85.
Vorwort. 55 15
Waldſtromer und Peller von Schopperäbef, PR
der Geſchlechter W g . 14.
Wappen, die einfachiten . A - a
Wappen» oder Siegelentſtellungen 45.
Erwider ungdarauf (Anticritica) . ; 5 4 70.
Wittekinds des Großen Wappen 44.
naß dan Te De)
4) Kleine Artikel und Miscellen:
Deutſches Reichs-Wappen
Heraldiſche Technik
Heußlein v. Euſſenheim und Pellet von Schopperehof
Kriege erloſchene Geſchlechter . g 4
Redende Wappen .
v. Schönberg'ſche Stammbuchblätter
Siegelrecht 5 5 5
Smitner⸗Löſchner'ſche Seesen 5 5
Städtewappen in der Sachſenchronik, Bemerkungen dazu
Standeserhebungen, die letzten im alten Deutſcheu Reich
Steengracht, Frhr., Abſtammung der —, 1 5
Tiſch mit Wappen des D. Reiches
Wappenbücher und heraldiſche Manuſcripte
Zuſatz zum Protocoll vom 2. März 1870.
5) Necrologe:
Dr. A. Kohn + . . „ * * * * *
Thomas Birnböck . „ ; 5 Ce
34.
35.
6) Literatur, Auszüge aus Zeitſchriften und
Beſprechungen neuer Werke:
Anzeiger für Kunde der Deutſchen Vorzeit.
Archiv f. Geſchichte ꝛc. von Oberfranken.
5 ij von Unterfranken. g
Bülow, Geſch. des Wappens des Geſchlechts v. —,
Correſpondenzblatt.
Deutſches Kaiſerwappen.
Doppeladler und Schwarz-Gold- Roth
Geſchichts⸗Blätter für Stadt u. Land Magdeburg
Heraldiſch⸗Genealogiſche Zeitſchrift.
Homeyer, Haus- und Hofmarken
Illkirch und Königshofen
Mittheilungen d. voigtl. alterth. Vereins
Mittelalter⸗Siegel aus dem Erzſtift Magdeburg
Neue Mittheilungen ꝛc.
Numismat. Zeitung. 4 ;
Oſterland, die en. Adels: Familie dein .
Antworten auf Anfragen:
Prittwitz, das Adelsgeſchlecht v.—,
Röder, Stammbaum derer v. —, .
Saurma, Geſchichte des Geſchlechts v. —,
„ Stammtafeln der v.—,
Staatsanzeiger, Königl. Preuß.,
Staatswappen aller Länder der Erde 8
Stillfried⸗Rattonitz, Geſch. Nachr. vom Geſchlecht ı v.—,
Tſchammer, Geſch der freiherrl. Familie v —,
Verzeichniß von Monographien z. Geſch. adl. Geſchl.
Vorſt, Genealogie der Familie v. d. —,
Weber, die Kunſt des Bildformens und Gypegießens
| Wochenblatt des Sohanniter-Drdend
Wappentafel Deutſcher Städte
Würtembergiſche Jahrbücher
Zeitſchrift d. Geſellſch. f. d. Geſch. d. 1 Schleswig Holſtein 48.
7) Anfragen: S. 14. 27. 38. 40. 60. 78. 83. 97.98.
15. 39. 60. 70.
8) Herald. Bibliographie: S. 8. 15. 28. 40.49. 78.
ſchehen.
2
Monatsſchriſt für Heraldik, e
ET Sphragiſtik und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Mappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 2—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile
Ar. 1.
SF Berlin, im Januar 1871. SIG
2. Jahrgang.
Vorwort.
Mit vorliegender Nr. beginnt der „Deutſche Herold“
ſeinen zweiten Jahrgang. Als wir im Februar des nun
verfloſſenen Jahres mit der Herausgabe eines ſpeciell
den Intereſſen der Heraldik gewidmeten Organes vor—
gingen, konnte dies nicht ohne manche Beſorgniß ge—
n. Das dringende Bedürfniß nach einem Organ
für die deutſchen Heraldiker war zwaroft geäußert; doch ſchien
es bedenklich, ob man ſich allgemein ſo dafür intereſſiren werde,
um ſowohl die Exiſtenz des Blattes zu ſichern, als auch
die nöthige Verſchiedenartigkeit des Inhalts zu ermög—
lichen. Zu unſerer großen Freude ſind dieſe Befürch—
tungen nicht gerechtfertigt worden; die Probenummer
war binnen kurzer Zeit vergriffen, ſo daß eine zweite
8 5
Auflage derſelben erforderlich ward, und bald hatte ſich
der „D. H“. eines Kreiſes von Abonnenten zu erfreuen,
der die gehegten Erwartungen übertraf, und aus deſſen
Mitte der Nedaction zahlreiche beiſtimmende und ermun—
ternde Zuſchriften zugingen. Auch Mitarbeiter fanden
ſich bald ein, ſo daß es möglich wurde, im Inhalt den
verſchiedenen Wünſchen der Leſer entgegenzukommen;
wie das Inhaltsverzeichniß der letzten Nr. zeigt.
Im Ganzen kann überhaupt das verfloſſene Jahr
als ein unſeren Beſtrebungen förderliches bezeichnet werden:
auf allen Gebieten zeigte ſich reger Eifer und frucht—
bringendes Gedeihen! Die beſtehenden Vereine, welche
ganz oder theilweiſe der Pflege unſerer Wiſſenſchaft ſich
widmen, — die Neubildung eines heraldiſchen Vereins
für die Oeſterreichiſch⸗Ungariſche Monarchie haben wir be:
reits vor einigen Monaten mit Freuden begrüßt — ent—
wickelten eine lebhafte und gedeihliche Thätigkeit, und die
Zahl der Mitglieder war bisher ſtets im Zunehmen be—
griffen; die heraldiſche Literatur iſt durch zahlreiche neue,
größtentheils gediegene Werke vermehrt worden, von
denen wir beſonders die Geſchichten der alten Geſchlechter
v. Schönberg, v. Oeynhauſen und v. Blücher, ſowie
das „Siegelrecht des Mittelalters“ von Dr. K. L. und
das Wappenbuch der Städte Schleſiens vom Frhn. Saurmg
erwähnen; über dieſe und ähnliche literariſche Erſchek n
nungen iſt bereits in eingehenderer Weiſe berichtet worden.
Wir dürfen feſt erwarten, daß auch das jetzt anbrechende
Jahr ein dem Stande unſerer Wiſſenſchaft günſtiges ſein
wird; verſchiedene Publicationen von Wichtigkeit ſtehen in
Ausſicht. Möge denn anch unſerem Herold eine gedeihliche
Zukunft beſchieden ſein!
Allen bisherigen Gönnern u. Freunden dieſer Zeit—
ſchrift jet die dringende Bitte freundlich ans Herz ge—
legt, auch fernerhin derſelben ihr Wohlwollen zu erhalten
und ſie namentlich durch Mittheilungen aller Art
zu unterſtützen. Letztere Bitte ergeht namentlich an
die geehrten Vorſtände der deutſchen Geſchichts- und
Alterthumsvereine, von denen leider bisher nur wenige
auf den ihnen vorgeſchlagenen Schriftenaustauſch einge—
gangen ſind, der von jetzt ab, nachdem der buchhändle—
riſche Vertrieb unſeres Vereinsblattes begonnen hat, um
ſo mehr erleichtert iſt.
Auszug aus dem Sitzungs-Vrotoſtoll des
„Herold“ vom 7. Dezember 1870.
Nachdem der Vorſitzende, Baron von Linſtow, angezeigt
hatte, der heutigen Verſammlung nicht beiwohnen zu können,
wurde die Sitzung vom Schriftführer eröffnet. 5
Zunächſt erfolgte die Vorleſung des Protokolls vom 3.
v. Mts., die der eingegangenen Schreiben neu aufgenommener
Mitglieder und anderweiter Eingänge, von denen mehrere zur
näheren Beſprechung Veranlaſſung gaben. So war von dem
Kreis⸗Gerichtsrath Hagemeiſter zu Stralſund
1) angefragt: Wie ſich die in Ledebur's Adelslexikon
bei der Familie Hagemeiſter befindliche Notiz, dieſelbe ſei 1660
im Beſitze von Steinfurth geweſen, beweiſen laſſe — eine
Frage, deren genügende Beantwortung vorbehalten bleiben
mußte, und
2) bemerkt: daß ſich für den Forſcher als ein ſehr emp—
findlicher Mangel die theilweiſe Unbrauchbarkeit der älteren
Kirchenbücher herausſtelle. Einestheils exiſtirten dieſelben nur
in einem Exemplare, kämen deshalb häufig abhanden, oder
würden durch Feuer vernichtet, anderntheils entbehrten die vor-
handenen meiſt der Regiſter und ſeien ſomit faſt unbenutzbar.
Bei der größeren Bedeutung, welche die Beſchaffung kirch—
licher Daten in Lehns⸗, Fideicommiß- und Stiftungs-Angele⸗
genheiten, ſowie bei einfachen Erbfällen hat, hielt man auch
vereinsſeitig für höchſt wünſchenswerth, daß die alten Kirchen-
bücher“) mit alphabetiſchen Regiſtern verſehen und abgeſchrieben,
die Duplikate aber dann den Gerichten zur Aufbewahrung über—
geben würden, wie dies im preußiſchen Staate ſchon ſeit De—
cennien für die Zukunft vorgeſchrieben und ausgeführt ſei.
Auf den erhobenen Einſpruch: es würden ſchwerlich die Mittel
vorhanden ſein, die Koſten der Abſchriften zu beſtreiten, wurde
entgegnet, daß die Ausgaben nicht ſo erheblich ſein möchten,
um nicht von den Koſten der oft ſehr reichen Kirchengemeinden
getragen werden zu können; zumal auf dem Lande, wo die
Arbeit geringere Mühe verurſachen und dem Küſter oder Lehrer
ein erwünſchter Verdienſt daraus erwachſen dürfte.
Uebrigens erklärte ſich der Verein zu feinem großen Be-
dauern außer Stande, zur Realiſirung des gemachten Vorſchlags
beitragen zu können.
Die ferner ſeitens des ꝛc. Hagemeiſter erfolgte Mittheilung,
daß er einen für den „Herold“ bearbeiteten Artikel mit einer,
auf ſeine Koſten herzuſtellenden, kolorirten Wappenbeilage ver—
ſehen laſſen wolle, ward dankbar entgegengenommen.
Auf den Antrag des Schriftführes wurde die Aufnahme
des Dr. juris von Fock hierſelbſt zum wirklichen Mitgliede
beſchloſſen. 5
Der Schriftführer zeigte ſodann an, daß ihm ſeitens der
hieſigen Haupt⸗Stadtpoſt⸗Expedition unterm 13. v. Mts. er⸗
öffnet worden ſei, daß die Beſtellung der mit der Bezeichnung:
„An den Verein „Herold“ zu Berlin“
einlaufenden Briefe Schwierigkeiten habe und vorſchriftsmäßig
alle betr. Sendungen folgendermaßen adreſſirt ſein müſſen:
„An den Herold, Verein für x.
z. Händen des Geh. exped. Seeret. F. Warnecke
Berlin,
Steglitzer Str. 58.“
Darauf erfolgte die nach §. 4 des Statuts vorgeſchriebene
Neuwahl der Beamten des „Herold“ für das Jahr 1871,
welche nachſtehendes Reſultat ergab:
Vorſitzender: C. Chl. Freiherr v. Reitzenſtein, Vorſtand
Schriftführer: Geh. exped. Secret. F. Warnecke, des
Schatzmeiſter: Lieutenant Max Gritzner, Herold.
Sections⸗ (Sphragiſtik: Geh. Archiv⸗Secretair G. von Bülow,
Chefs Heraldik: Lieutenant M. Gritzner,
für Genealogie: Stadt-Ger.⸗Rath v. Zur Weſten.
*) D. h. doch wohl nur die adelige und patriziſche Familien be⸗
treffenden Theile.
Dem Vorſitzenden Baron v. Linſtow, welcher eine Wider:
wahl abgelehnt hatte, wurde auf mehrſeitigen Antrag ein Dank
für die bisherige, erfolgreiche Leitung des Vereins votirt.
An Geſchenken waren eingegangen von:
Hermann, Freiherrn v. Reitzenſtein zu Bruckenau:
„Die Waldboten von Zwernitz, ein Beitrag zur älteren
fränkiſchen Dynaſten-Geſchichte u. Topographie des Nordgaues“;
Oscar, Freiherrn von Schellerer, kgl. bayeriſchem Kammerherrn
x. zu Würzburg: „Genealogiſche Notizen über die Freiberrn
und Ritter von Schellerer;
Jul. Grote, Erbſchenken, Reichsfreiherrn zu Schauen:
2 Gyps⸗Abgüſſe der Siegel des Stifts-Marſchalls Ludwig
von Dinklar und Dietrichs von Dyke (de Piscina) —
deren Originale ſich an einer in deutſcher Sprache abge—
faßten Urkunde von 1272 im ſtädtiſchen Archiv zu Hil⸗
desheim befinden — und
dem Numismatiſchen Verein zu Hannover:
gegen Austauſch des „Deutſchen Herold“, der Numismatiſch⸗
ſphragiſtiſche Anzeiger von 1870.
Ein von dem Freiherrn v. Reitzenſtein über die „Seins⸗
heim u. Schwarzenberg oder die Freien u. die Herren“, verfaßter Auf⸗
jaß, welcher darlegt, daß die von erſterem Haufe in neuerer Zeit
beanſpruchte Gewährung der Stellung und des Ranges der ehe—
mals reichsſtändiſchen Grafen und Herren mit dem Titel
„Erlaucht“ unmotivirt erſcheint, ward zur Veröffentlichung im
Vereinsblatte beſtimmt. In gleicher Weiſe ſollen von dem ꝛc.
v. Reitzenſtein die aus dem Staats-Anzeiger mitgetheilten Be⸗
richte über das Trabantenweſen in Preußen, deutſche Kriegs⸗
ausdrücke im Franzöſiſchen u. die geſtickte Altardecke im Kloſter
Ribnitz (Mecklenburg) ſoweit dieſelben auf die Waffen- reſp.
Wappen⸗Lehre Bezug haben, den Leſern des „Herold“ zur
Kenntniß gebracht werden.
Ferner legte der genannte Herr die bekanntlich unvolls
ſtändig reproducirte Ausgabe des Conſtanzer Conrad Grüner
bergſchen Wappenbuchs vor, damit den Wunſch verbindend, daß
man vereinsſeitig dies anerkannt muſtergültige Wappenbuch in
ſeiner zweiten, gerade intereffanteften Theile herausgeben und
ſich dann zunächſt durch Einladung zur Subfeription über die
Deckung der nicht unbedeutenden Koſten vergewiſſern möge;
welcher Vorſchlag allgemein Billigung fand u. zur Ausführung
beſtimmt wurde.
Von verſchiedenen Seiten war bereits früher darauf hin—
gewieſen, daß die Sitzungen des märkiſchen hiſtoriſchen Vereins
mit denen des „Herold“ auf einen Tag fielen. Um mit er⸗
ſterem nicht zu collidiren, wurde vorgeſchlagen:
von 1871 an die Sitzungen des „Herold“ auf den er ſten
Dienſtag nach dem Erſten jeden Monats ſtattfinden
zu laſſen.
Der Vorſchlag fand die Zuſtimmung der Anweſenden, je—
doch wurde es für zweckmäßig erachtet, die dadurch erforderlich
werdende Abänderung des § 3 des Statuts bis zur nächſten
Seſſion hinauszuſchieben.
Schließlich holte der Hr. Schatzmeiſter die Genehmigung
des Vereins ein für die von 1871 an einzuführenden Aende⸗
rungen in Betreff des Beitrags der Mitglieder und des Abon—
nentsbetrages für das Vereinsorgan, dahin gehend, daß vom
genannten Zeitpunkte an, der Beitrag für ſämmtliche Mitglieder
auf 20 Sgr. pro Jahr erniedrigt, der Abonnementsbetrag aber
auf 1 Thlr. 10 Sgr. erhöht, alſo nur eine, — des buchhänd⸗
leriſchen Verlags wegen nothwendige — Rechnungs⸗Manipula-⸗-
tion erforderlich wird, welche den Geſammtbetrag der bis—
herigen Leiſtungen in keiner Weiſe alterirt. Nachdem
*
gelegt waren, welche ihrer vollendeten Ausführung wegen den
ungetheilteſten Beifall der Anweſenden fanden, — ward die
letzte Vereins⸗Sitzung des laufenden Jahres geſchloſſen.
Z. B. F. Warnecke.
Die Hausgenoſſen in Bamberg.
In der mittelalterlichen Geſchichte der ehrwürdigen Bi—
ſchofsſtadt Bamberg erſcheint unter dem Namen „Hausge—
noſſen“ ein bevorzugter Bürgerſtand, der in feiner
Sonderſtellung dem Patriciate nicht unähnlich, grundverſchieden
aber von dem Weſen deſſelben iſt. Die Hausgenoſſen behaup—
teten als urſprünglich factiſche Hausgenoſſen der im klöſterli—
chen Verbande lebenden Domherren, deren Hausdiener ſie
waren, und ohnedem als Angehörige der 1. Claſſe der Un—
freien, eine angeſehene Stellung. Als Diener des Domkapitels
hatten ſie nicht allein die Ausübung der weltlichen Rechte des
Kapitels zu beſorgen (Münz meiſter), ſondern waren auch
zu Dienſtleiſtungen im Innern des Domherrnhauſes verpflich—
tet. Dies beweiſen uns die Namen: Hel ma iſter, Piſtor,
Küchen meiſter und wahrſcheinlich auch Marſchall
(Siehe unten.)
Lebhaft wird die Geſchichte der Hausgenoſſen erſt im 2.
Drittel des 13. Jahrhunderts. Sie erſcheinen nunmehr häu—
fig bei Handlungen des Biſchofs oder des Domkapitels als
Zeugen, und erhalten den Vorrang vor Bambergiſchen
Rathsfamilien. Als im Jahre 1231 (25. April) Dom⸗
dechant Krafto dem Stifte ſeine beiden „servos“ Wigger
und Heinrich ſchenkt, daß ſie denſelben jure domesticorum
dienen ſollen, find folgende Hausgenoſſen (domestici) als
Zeugen unterſchrieben: hainricus Helmaister, hartmudus,
Gundeloch, hainricus pistor, hainricus stunphelin, Ru-
degerus.
Mit Veränderung der Lebensweiſe der Domherren, als
das klöſterliche Zuſammenleben derſelben aufgehoben wurde, und
fie — wie eine Chronik ſich ausdrückt — aus der Kutte ka—
men und Weltgeiſtliche wurden, wurde auch die ſociale Stel—
lung der Hausgenoſſen eine gänzlich veränderte. Daß ſich
dies in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zugetragen haben
muß, ſchließe ich aus dem Umſtande, daß gerade damals den
Hausgenoſſen das Bedürfniß eines Beinamens erſt fühlbar
wurde, und die Amts⸗ oder Eigennamen der damals lebenden
Hausgenoſſen meiſt zu Familiennamen ihrer Descendenz wurden.
Die Hausgenoſſen, welche ſich in der Folge des Domcapitels
„erbliche Amtleute“ nennen, hatten nun mit vielleicht nur ei—
ner Ausnahme, keine Hausdienſte mehr zu beſorgen, ſondern
waren ausſchließlich dazu beſtellt, des Kapitels Rechte über die
Münze, Maß und Gewicht auszuüben. Andere Mitglieder der
Hausgenoſſen wurden auch wohl landſäſſig, oder in anderen
Städten, z. B. die Münzmeiſter und Haller in Nürnberg, an⸗
ſäſſig und rathsfähig.
Ueber die Betheiligung der Hausgenoſſen bei der Münze
leſe ich folgendes: „Wollte ein Biſchof Münze oder Wechſel
in der Stadt Bamberg haben, ſo mußte er es den Hausge—
noſſen wiſſen laſſen, wie er ſeine Münze geſtellt haben wollte.
[Waren nun die Hausgenoſſen geſonnen, das Geſchäft zu über⸗
nehmen, ſo hatten ſie vor allem ein Recht dazu. Unter ihrer
Aufſicht wurde die Münze geprägt ꝛc. (Schweizer ſiehe am
Schluſſe) Mein Gewährsmann bezieht dieſes Recht auf einen
Act des Biſchofs Berthold v. J. 1275, der fich dem Domca⸗
pitel gegenüber verpflichtet, ohne deſſen Wiſſen und Willen die
Münze nicht zu ändern. Indeſſen kann dies wohl nur eine
Beſtätigung oder Wiederholung eines früheren Uebereinkommens
oder auch wirklich in ſofern eine neue Verpflichtung ſein, als
das urſprüngliche Recht des Domcapitels nunmehr förmlich
auf die Hausgenoſſen übergegangen war. Denn es iſt wohl
nicht zufällig, daß ſchon im Jahre 1250 ein Stammherr der
Hausgenoſſen Conradus antiquus monetarius genannt wird.
Die zweite Obliegenheit der Hausgenoſſen beſtand in der
Aufſicht über Maß und Gewicht, und in ihrer Mitwirkung
bei Unterſuchungen welche Schultheißen und Schöppen der
Stadt Bamberg hierüber anſtellten. Dieſer Verpflichtung wird
in dem alten Bamberger Stadtrechte §§. 84. 85. 88. ausführ⸗
lich Erwägung gethan.
Für dieſe allerdings nicht ſehr erheblichen Verpflichtungen
— denn ihre Betheiligung bei der Münze iſt eher ein Recht
als eine Pflicht zu nennen — hatten die Hausgenoſſen keine
Lehen inne, wie im Jahre 1412 ausdrücklich gefagt; wird,
ſondern waren dagegen mit völliger Steuerfreiheit privilegirt.
Dieſes Recht wurde im Jahre 1275, in dem Statute welches
Biſchof Berthold mit dem Domaapitel abſchloß, beftätigt, die:
jenigen jedoch, welche Münzen ſchlugen und Wechſelgeſchäfte
betrieben, ausgeſchloſſen, und auch vom König Ruprecht an⸗
erkannt. Als dieſer im Jahre 1402 wegen des Stiftes Noth⸗
ſtand eine allgemeine Steuer für das ganze Bisthum ausſchrieb,
wurden auf Verwendung des Domcapitels allein die Hausge—
noſſen mit noch drei andern Bürgern von der Concurrenz aus⸗
genommen.
Die Hausgenoſſen hatten wegen der Steuerfreiheit mit
ihren Nachbarn, den Immunitäten, wiederholt Streitigkeiten
auszufechten. Dieſelben führten endlich im Jahre 1412 zu ei⸗
ner Klage beim Domcapitel, bei welcher Gelegenheit die Im⸗
munitäten Alles zu Papier brachten, was fie gegen die Haus—
genoſſen anzuführen wußten, woranf eine ebenſo weitläufige
Verantwortung der Letzteren erfolgte. Das Domcapitel faßte
zwar zunächſt keinen für die Hausgenoſſen ungünſtigen Ent⸗
ſchluß; indeß ſcheinen die Immunitäten doch im Kampfe ob⸗
geſiegt zu haben, wodurch ſich jene entweder zur Auswanderung
veranlaßt ſehen mochten, oder, ſo weit ſie nicht dem Erlöſchen
nahe waren, zum gewöhnlichen Bürgerſtand herabſanken, und
in demſelben verſchwanden. Obige Streitigkeiten ſind die
letzten Spuren, welche die Hausgenoſſen hinterließen.
Die Anzahl der amtirenden Hausgenoſſen war im normalen
Zuſtande 24, erſt wenn dieſe bis auf 12 geſchmolzen war,
mußten die übrigen zu einer Neuwahl ſchreiten; wobei jeder
aus ſeiner Verwandtſchaft ein neues Mitglied wählen konnte.
Die zum Hausgenoſſenamte berechtigten Geſchlechter waren
folgende:
1) Die Münz meiſter, von denen verſchiedene Seiten⸗
linien ausgingen. Urkundlich werden erwähnt: 1250 Günther
Sohn des alten Münzmeiſters Conrad. 1257 Brunwardus
filius antiqui monetarii. 1268 Brunwardus, frater
suus Güntherus. 1272 Güntherus magister monetae,
civis Bambergensis. Dieſer Günther ſcheint die Hauptlinie
fortgepflanzt zu haben. 1308 Reimar ein Sohn Günthers. Zu
+
Zeiten Biſchof Ludwigs (1366-74): Conrad Münz⸗ erhielten. Er ſelbſt bekleidete das Küchenmeiſteramt, und wird
meiſter. 1411 Fritz mit feinem gleichnamigen Sohn, ferner als ſolcher i. J. 1299 (Brunwardus, quondam magister
zwei Heinz, Vater und Sohn; Günther und deſſen Better | coquinae) erwähnt. Unter dem J. 1290 iſt im Necrologe
Heinz Münzmeiſter von Hallſtadt. der Franziskaner ein Braunwart aufgeführt, mit dem unſrigen
Von Braunwart, dem Bruder Günthers, gingen vier ver- wahrſcheinlich eine Perſon. Seine vier Söhne find die Stamm⸗
ſchiedene Familien aus, welche den Sivpenamen „Braunwarte“ | väter folgender Linien. (Schluß folgt.)
Chronologiſche Malrikel
der geſammten, durch die Brandenburgiſch-Preußiſchen Regenten vom Jahre 1600 bis auf die neuſte
Zeit ertheilten Diplome, enthaltend: Standeserhöhungen, Adelsbeſtätigungen (Anerkennungen,
Confirmationen) Adelserneuerungen (Renovationen), ſowie Vereinigungen von Namen und Wappen,
Prädicate und Erbämter.
Wenn, unter obigem Titel, ich es unternommen habe, die mir. durch langjährige Forſchungen auf dieſem Geſchichts⸗
felde bekannt gewordenen, aus gedruckten und ungedruckten Quellen entnommenen, vom Regentenhauſe Brandenburg-Preußen
ertheilten Diplome obigen Inhalts chronologiſch zu ordnen und zu publiziren, ſo waren die mich beſtimmenden Gründe die
folgenden:
1) Iſt es für den Statiſtiker auf dem Felde der Adelsgeſchichte von entſchiedenem Werthe, die Anzahl und die
Art der, ſowohl in den einzelnen Jahren, als auch von einzelnen Regenten und auf beſondere Veranlaſſung
oder bei beſonderen Gelegenheiten verliehenen Diplome überſichtlich geordnet zu finden, was bei Adelslexieis nicht
möglich iſt.
2) Sind nicht allein in früheren Werken, ſondern auch in dem von Ledebur'ſchen Adelslexikon (übrigens einem, mit
Unrecht, auch in neuerer Zeit wieder, geſchmähten, in ſeiner Art und als Grundlage für weitere Forſchungen vorzüglichem Werke)
nicht immer die im Diplom verzeichneten, von faſt allen Genealogen, ſo auch von mir, als für die Erhebung ꝛc. allein
maaßgeben den Daten angeführt, fondern bei älteren Standeserhöhungen vielfach das Datum der A. C. O.,, bei den
neueren das der amtlichen Bublicirung Nach guten Quellen hoffe ich nunmehr etwas Licht in den bisherigen oft
großen Wirrwarr und Widerſpruch gebracht zu haben, wenn auch Irrthümer hierbei leicht untergelaufen fein mögen. Wo Zei⸗
tungen aufzutreiben waren, habe ich mich bemüht, dieſe zu erhalten und (ſeit 1834) wo es möglich war das Datum der Publi⸗
zirung beigeſetzt, um nicht noch mehr Irrthümer zu verbreiten, oder zur Aufklärung älterer beizutragen.
3) Iſt das von Herrn von Ledebur als Nachtrag zu feinem Adelslexikon 1863465 herausgegebene Archiv für Ge⸗
nealogie ꝛc. (meiſtens entnommen den handſchriftlichen hinterlaſſenen werthvollen Nachrichten des T Geh. Archivraths Köhne) lei⸗
der wenig verbreitet, obgleich gerade der I. Band viele neue oder verbeſſernde Nachträge zu den Preußiſchen Diplomen liefert.
Ich habe mich bemüht, denſelben gewiſſenhaft auszubeuten, wie ich denn überhaupt keine der entdeckten handſchriftlichen Quellen
(coll. gen. König und Köhne ꝛc.) unbenützt gelaſſen haben dürfte.
4) Sind die ſeit 1857 preußiſcher Seits erfolgten Standeserhöhungen ꝛc. noch nirgends zuſammenhängend erwähnt
(da das von Led. Adelslexikon mit dem J. 1857 abſchließt) ebenſowenig deren Wappen, ſowie viele Wappen der in Led. Archiv
na chgetragenen Familien. Gerade dieſe Wappen bilden aber eine fortdauernde Quelle der Fragezeichen und Irrthümer bei He—
raldikern und Wappenſammlern und habe ich mich bemüht, möglichft alle dieſe Deſideranda durch kurze Andeutung des
Wappens auszufüllen, was mir durch zahlreiche Familienmittheilungen und Notizen möglich war. Im Uebrigen habe ich auf
bekannte Wappenbücher, vor Allem Köhne Wappenbuch der Preuß. Monarchie 4 Bände (deſſen Citirung im v. Led. Adels⸗
lexikon nicht überall durchgeführt iſt) ferner auf Siebmacher mit Supplementen, Berndt rheiniſches, Bagmihl pommerſches, Dorſt
ſchleſiſches Wappenbuch ꝛc. verwieſen.
Die Vornamen der Diplomempfänger habe ich meiſt, der Kürze halber, fortgelaſſen, oder nur mit den Initialen angedeutet.
So hoffe ich denn, das Mögliche geleiſtet zu haben, indem ich zugleich durchaus von abſoluter Vollſtändigkeit
abſtrahire, und bitte um eine milde Beurtheilung meiner mühevollen Arbeit. Für ev. Berichtigungen und Nachträge werde ich
ſtets dankbar ſein.
Berlin, im Dezember 1870.
Gritzner, Lieut. a. D., Victoriaſtr. 11.
Abbreviaturen-Verzeichniß:
R. A. Reichsadelſtand. ren. renopirt. conf. confirmirt. Wm. Wappenvermehrung. Gev. gevierdtet.
A. Adelſtand. beſt. beſtätigt. an. anerkannt. W. Wappenverbindung. geſp. geſpalten (ſenkrecht getheilt. ;
Frh. A. Adelſtand mit Frei⸗ ad. in Folge Adoption. N. u. W. Namen und Wappen⸗ 1 getheilt (quer).
berrntitel. Ws. im Weibsſtamm. Verbindung. Schrb. Schrägbalken.
Frh. Freiherrnſtand. leg. legitimirt. nat. natürlich. l. A. C. O. laut Allerhöchſter | rt. lk. recht, link.
V. Vicomtenſtand. N. Namenvereinigung. Cabinets⸗Ordre. # ſchwarz, b. blau.
Grf. A. Adelſtand mit Gra— Wb. Wappenbeſſerung. r. roth, gr. grün.
fentitel. ſ. ſilber, g. gold.
G. Grafenſtand. Die Monate ſind mit: Jan., Febr., März, Apr., Mai, Jun., Jul., Bk. Querbalken.
Fürſtenſtand. Aug., Sept., Oct., Nov., Dez. abbrevirt oder durch die Zahlen 1-12 | Hz. Herzichild.
F.
H. Herzogswürde.
D. Prädikat „Durchlaucht.“
ausgedrückt. Led. Ledebur (Adelslexikon.) Siebm. Siebmacher. Bagm.
Bagmihl. Tyr. Tyroff (Wappenbücher). Suppl. Supplement.
wachf. wachſend. d. d. de date.
Stw. Stammwappen.
5
Matrikel.
Jahr Datum tan Inhalt Diplom
e a Name. des 1 Wappen. Bemerkungen.
des Diploms. Publie Diploms. 115
1600 2 Geiſſendörfer. beſt. A. | Die ganze Familie. 2 Urſprung?
1631 14. Mai. Kerſſenſtein. an. A. L. Ch. v. K. auf Praſſen. Led. III. 287 R. A. vom St. Gallustage des
sub Kirſchen⸗ Jahres 1437.
ein.
1633 5. Febr. Brempt. an. Frh. Joh. v. Brempt. Siebm. J. 125. R. Frh. für But, d. d. 28. 12.
1627.
„ 5. Febr. Spiering. [an. Frh. Goswin Franz v. S. u. Siebm. J. 121. R. Sch. für Franz v. S. v. J.
Erben Arnold's. 1623.
% Nai Podchoczimski. an. A. Paul Cleophas v. P. Köhne IV. 22. Poln. A. für denf. d. d. 7. 3.
ejd.
1639 2. Juni. Winß. an. A. Nic. W. Gutsbeſ. Siebm. IV. [Sein Vater hatte (wann?)
g 555 196. den R. A. erhalten.
1645 4. Aug. Cuilla. conf. A. Gerh. Zephiris C. Hof⸗ 2 Des „alten“ Adels (2) ſteht im
junker. Diplom. Urſprung?
1646 24. Mai. Müch)lheim. an. A. Gebrüder Fr. u. R. v. M. Köhne IV. 7. Poln. A. d. d. 8. 8. 1569 für
(Müllenheim.) Joh. M.
1648 29. Juni. Dohna. an. G. Sämmtliche Burggrafen zu || Köhne 1. 33. R. Grf. 18. 3. ejd. für den⸗
Dohna. ſelben.
„ 256. Aug. Grünberg. conf. A. Albr. v. G., Corporal || Siebm. I.
im Leib.⸗-Regt. 57 oder 162?
„ 120: Dez Neukirchen gen. an. A. Ganze Familie. Köhne IV. 2.] jetzt Freiherren quo jure?
Nyvenheim. N. u W. n
1649 30. Nov. Beringe. conf. A. Heinr. v. B., franz. Geh. Eber am Hals.] Des „alten Adels“ (2) ſteht im
R. u. Ob.⸗Stallmeiſter. band gefeſſelt, Diplom.
1651 12. Mai. Steinäcker. conf. A. Oberförſter Joachim S. W R. A. d. d. 12. 9. 1637 für
352 denſelben.
1652 | 5. Oct. Düren. an. A. Ganze Familie. 2 Des falten ( Adele ſteht im
(nicht 2. Diplom. Urſprung?
Juni. 0
1654 3. Oct. Schwerin. an. Frh. u. Otto v. S. Köhne 11. 63. R. Frh. d. d. 24. 3. 1648 für
Erbkäm⸗ denſelben.
merer⸗Amt
der Kur⸗
mark. Be
1655 8. Mai. Grone. an. A. Joh. Fr. Ferd. v. G., Haupt⸗Siebm. IV. 74. Kaiſ. Nenov: d. Adels d. d. 11. .
mann auf Holzhauſen. 1652 für denſelben (vgl. auch
8. 8. 1712 ſowie v. Mayersthal
5 25. 10. 1708.)
„ 9. Juni. Somnitz. Wm. und Lorenz Chr. v. S., Geh. | Bagm. III.
29. Aug.
16. Juni
15. Jan.
„ 28. Sept.
PR 15. Oct.
7. 15. Oct.
Erbkäm⸗
merer⸗Amt
von Hinter:
Pommern
und
FR Cammin.
Lubnau v. Lilienklau [ an. A.
(Lübenaw v. Lienklaw).
Rockelfing. an. A.
Weimann. (Weymann). an. A.
Faſolt. an. A.
Byland. conf. Frh.
Diepenbrock. beſt. Frh.
Tab. 10. —
auch: geſp. vorn
d. Schlüſſel
hinten Stw.
Rath, Hauptmann zu Neu⸗
ſtettin; für den Familien⸗
ſenior und jedesm. ält.
Sohn.
R. A. d. d. 9. 1. ejd. für den⸗
ſelben als Lübenaw von
Lienklaw.
(Led. III. 304.)
Reinholt Lübbenaw.
Ludw. v. R.
Dan. W. Clev.⸗Märk.
Kanzler u. Kurbr. Geh. R.
Rudolf F., Rathsverw.
zu Königsberg.
Arn. Adr. und Roelmann
Gebr. Frh. v. B.
Joh. Herm. v. D.
Siebm. Supp.
VI. 18.
7 R. A. d. d. 30. 9. 1659 für
denſelben.
Kaiſ. Adelsbeſtät. u. Wb. d. d.
25. 3. 1655 für denſ. u. ſeinen
5 Bruder.
Siebm Supp.] Rfrh. für Otto v. B. v. J.
XII. II. 1590.
Siebm. II. 117, Rfrh. d. d. 5. 10. 1653 für denſ.
Köhne III. 16.
(Fortſetzung folgt.).
Deutſche Städtewappen
in der Sachſenchronik;
erläutert von Ad. M. Hildebrandt und F. Warfre dk.
Wenn ſchon farbig gemalte Adelswappen aus dem früheren
und ſpäteren Mittelalter immerhin zu den Seltenheiten gehören
und namentlich Behufs Feſtſtellung der Tincturen, wozu eben
ältere Siegel keinen Anhalt bieten, ſehr geſchätzt werden, ſo iſt
dies in noch höherem Grade bei Städtewappen der Fall. Hier
fehlen die Farben theils oft ganz und gar, theils kennt man
ſie durch die Tradition, ohne ihre Richtigkeit durch das
Vorkommen in früheren Perioden erweiſen zu können.
Eines der wenigen älteren Werke, in welchen ſich farbig
gemalte Städtewappen befinden, iſt die in verſchiedenen Bibli-
otheken aufbewahrte ſogenannte „Sachſenchronik“ eine im J.
1492 gedruckte, mit zahlreichen colorirten Holzſchnitten ver—
ſehene Geſchichte Niederſachſens.“) Die darin enthaltenen Nach—
richten über Gründung verſchiedener Städte ſind ſtets von Ab—
bildungen der letzteren begleitet, auf welchen dann gleichzeitig
das Wappen colorirt angebracht iſt. Die beigefügten beiden
Tafeln, (Tf. II. erfolgt mit der nächſten Nr.) geben ſehr ge—
treu die betr. Holzſchnitte wieder; die Farben ſind hier durch
die üblichen Schraffirungen angedeutet.
Wir glauben den Wünſchen der Leſer entgegenzukommen,
wenn wir uns nicht auf einfache Beſchreibung der Wappen be—
ſchränken, ſondern hier auch kurz die Siegel der bez. Städte
mittheilen, ſoweit ſich Exemplare derſelben in unſeren Samm—
lungen vorfinden.
f Tafel J.
1. [Aken. (Aachen.) Im g. Schilde der ſch.
Reichs⸗Doppeladler. i
Das alte Hauptſiegel zeigt im Siegelfelde links auf Stufen
die hl. Jungfrau mit dem Chriſtkinde; vor derſelben kniet rechts
ein gekrönter, mit vehgefüttertem Mantel bekleideter, eine Kirche
mit den Händen emporhaltender Kaiſer unter einem Baum.
Umſchrift: „S'. regalis sedis aquensis.“ 14. Jahrh.
2) Aluelde. (Alfeld) Von w. und r. geviertet,
in der Mitte mit einer b. Kugel oder Scheibe be—
Legt.
a) Das Hauptfiegel zeigt — nach einen vorliegenden Ab—
druck vom Originalſtempel — auf einer länglichen gothiſchen
Bank ſitzend einen Biſchof mit Nimbus, in der Linken den
Krummſtab haltend, mit der Rechten ſegnend. Der untere
Theil der Figur iſt auffallend verkürzt. Unter der Bank neben
einander zwei Wappenſchilde: vorn geſpalten (vorn leer, hinten
ſchräg gegittert; hinten geviertet (1. u. 4. gegittert) ohne die
Scheibe in der Mitte. Die Umſchrift (Majuskel) lautet: „Si-
gillum . civitatis . in alvelde.“ 14. Jahrh.
b) Secret v. J. 1363. Die Darſtellung ähnlich wie bei
) Das uns vorliegende Exemplar gehört zur Hochgräflich Stol-
bergiſchen Bibliothek zu Wernigerode, und befindet ſich daſelbſt s.
r. Re. 22 m. fol. Am Ende des Werkes heißt es: geprent (ges
druckt) Peter Schoffer von gernszheim Jn der eddelen Stat Meucz
die eyn anefangk is der prentery. In deme jare na cristi ge-
bort Dusent vierhundert. LXXXXII. vppe den Sesten dach des
Merezen.
Der (in dieſer erſten Ausgabe nicht genannte) Verfaſſer war der
aus Wernigerode ſtammende Conrad Botho zu Braunſchweig; cf.
Leibnitz, script. rer. Brunsvic. III. p. 277. 423. 594; Oberſäch⸗
ſiſche Bearbeitung von Pomarius, Wittenberg, 1589. —
unten
dem Hauptſiegel, nur kleiner; der Biſchof hier als „scs. ni-
colaus“ bezeichnet; — ohne die Wappen. Umſchrift: „secre-
tum civitatis alveldencis.“
c) Etwas kleineres Secret, ganz wie voriges, jedoch mit
Wappen wie das Hauptſiegel, und zwar das Stadtwappen wie
auf der Tafel. 15. Jahrh.
d) „S'. consilum (sic) opidi in alvelde“; St. Ni⸗
colaus, hier von drei Wappenſchilden begleitet, rechts ein Ad⸗
lerflügel (2), links Hildesheim, unter Alfeld (— bei a) 1388.
e) Ein ſpäteres ſehr ſchlecht gearbeitetes kleines Siegel
hat den Biſchof über den beiden W. wie bei a) als Knieſtück.
3. Brunswich. (Braunſchweig.) Zwei gegenein—
ander gelehnte Schilde: 1) einwärts gekehrter r. Löwe in w.;
2) r. Lilie in w.
a) Das ſchöne Hauptſiegel (der Stempel iſt erhalten) zeigt
eine um den inneren Perlrand ſich herumziehende, oben und
mit einem offenen Thor verſehene Zinnenmauer; aus
der ſelben erheben ſich zwei oben durch ein Dach verbundene
runde vielfenſtrige romaniſche Thürme, zwiſchen welchen, den
inneren Raum ausfüllend, über dem unteren Thor ein links
(heraldiſch) gewendeter Löwe ſteht. Umſchrift: „ Sigillum.
burgensium. in. bruneswic.“ 14. Jahrh.
9) Das „secretu. burgensium i. bruneswic“ iſt in
ſeiner Darſtellung ganz gleich, (natürlich wie alle Seerete,
kleiner) aber der Löwe rechts gekehrt. 14. Jahrh.
c) „secretum burgensium in bruneswik“ ſonſt wie
voriges.
d) „S' der meynheit (die von den Gilden, Haupt—
leuten und Bürgern erwählten Vorſteher, die dem Rathe als
beiräthig zur Seite ſtanden) to brunswik.“ (Minuskel.) Ein
Biſchof, in der Rechten den Krummſtab, in der Linken das
Modell des Braunſchweiger Doms haltend. Am Fuße der Löwe
im Schilde.
e) „signetum brunswi.“ Unter einem Portal der Löwe
ohne Schild. 16. Jahrh.
1) „secretum burgensium in brunswick.“
g) „sign. sen. brunsv.“ Im Siegelfelde der
Rechts aufſpringende Löwe.
h) Ein geſchmackvolles neueres Siegel zeigt das Wappen
gothiſch ſtyliſirt: Schild: Löwe; Helm: derſelbe zwiſchen den
Braunſchweiger Sicheln. — Die Lilie findet ſich auf keinem
der Siegel, ſcheint daher auch mit dem Stadtwappen nichts ge⸗
mein, ſondern irgend eine Nebenbedeutung zu haben.
4) Embeke. (Eimbeck, Einbeck.) Im g. Schilde
ein großes gothiſches r. E.
Ein altes Hauptſiegel befindet ſich nicht in unſerem
Beſitz, wohl aber
a) ein Secret v. J. 1385. Ueber Wellen zwei Zinnen⸗
thürme, dazwiſchen auf der gezinnten Thormauer ſtehend ein
linksgewendeter Löwe. Umſchrift: „secretum civitatis
Embicen. ad causas.“*
b) Ganz ebenſo iſt die Darſtellung auf dem „secretum
civitatis Embicen. ad causas 1540.“ ſowie auf dem
c) „signetum reipub. Embecen 1558“, hier jedoch
der Löwe rechts gewendet.
d) „sigillum reipublicae (2) Embeccensis“, ca. 1680.
Ueber Wellen die Thürme; zwiſchen denſelben zwei abgewendete
aufgerichtete Greifen, darüber auf einer Krone (2) fihreitend der
Löwe ebenfalls rechts gewendet.
e) „sigillum civitatis Einbecensis.“ 19. Jahrh. Der
nach
7
Löwe auf dem Stadtthor nach Rechts ſchreitend.
Auf keinem Siegel begegnen wir dem E. Wir würden
daher wohl zu der Annahme geneigt fein, daß der Verfaſſer
der Chronik dieſen Anfangsbuchſtaben des Stadtnamens nur
als Nothbehelf gewählt habe, weil ihm vielleicht das eigentliche
Bild fehlte, wenn ſich nicht bei den Nachbarſtädten Northeim
und Göttingen etc. gleichfalls Buchſtaben: N. Wes .
wenn auch nur als Helmſchmuck, fänden; welch' letzterer auf
den uns vorliegenden Siegeln vermißt wird.
5. Vallersleue. (Fallersleben.) In Roth ein
ſchwarzer Löwe, nach links gegen einen kleinen
gemauerten w. Thurm (ohne Thür) aufſpringend.
Von dieſem — in neuer Zeit durch den Dichter Hoff—
mann bekannt gewordenen — Oertchen iſt uns nur ein Siegel be—
kannt, welches dem 16. Jahrhundert angehört und im Siegel—
felde einen nach Rechts ſpringenden Löwen zeigt: Umſchrift:
„Sigillum . . .. ersleve“.
6) Ganderſſem. (Gandersheim.) In Roth ein
nach links aufſpringendes w. Pferd
a) Das ſehr ſchön gearbeitete, aus dem 14. Jahrhundert
ſtammende Hauptſiegel, deſſen Stempel noch exiſtirt, zeigt in
einem Dreieckſchilde den Braunſchweiger Helm, mit Buüffelhör—
nern die außen mit Pfauenfedern beſteckt ſind. Unter den
abfliegenden Bändern des Topfhelms zeigt ſich im Fuße des
Schildes eine kleine Lilie; — unter dem linken Büffelhorn,
zwiſchen dieſem und dem Schildesrande, befindet ſich ein klei—
ner Löwenkopf en face. Umſchrift: S'consulum in gan—
derssem.“ — b) Ein etwas kleineres Siegel aus dem 16.
Jahrhundert hat dieſelbe Umſchrift und Darſtellung; nur
fehlt ſowohl die Lilie als der Löwenkopf im Schilde. c)
Gleichfalls nur den Braunſchweigiſchen Helm im Schilde zeigt
das „Sigill. civit. Gandersheim MDCCLIV.« Aus dem
18. Jahrh. finden wir drei Siegel: d) „Sigill. civit. Gan-
dersbeim“ und e) „F. B. L. (Fürſtl. Braunſchw. Lünebur⸗
giſche) Stad Gandersheim“ haben dieſelbe Darſtellung, wäh⸗
rend f. mit derſelben Umſchrift wie d. im blauen Schilde ein
gekröntes G zeigt. Daſſelbe führt — in der Form alter
Minuskel — die Stadt auch im 19. Jahrhundert auf ihrem
Siegel g) mit der Legende: „Siegel der Stadt Ganders-
Heim
Das Braunſchweiger Pferd iſt wohl nur in Ermangelung
des eigentlichen Wappens ſubſtituirt.
7) Goſſeler. Goslar.) In G. der einköpfige
ſch. Reichsadler, links ſehend, auf der Bruſt mit
einer halbmondförmig gebogenen Spange belegt.
(Fortſetzung folgt.)
Vermiſchtes.
Siegelrecht. „Vnd wand unſer Sweſter Gertraud,
Eltzbet, Agnes, aigner Inſigel nit habent, und auch noch
unvoitbar ſint, darumb nemen wir uns für ſeu an., —
Donatio Puechpergensis, facta monasterio Zwehlensi.
Ludewig Reliquiae T. IV. p. 166. —
Das Wappen der Meiſſniſchen Shönberge wird in
Frauſtadts vortrefflicher Geſchichte dieſes Geſchlechts folgender—
maßen beſchrieben und abgebildet: in G. ein von r. und gr.
getheilter Löwe; Helm: Rumpf deſſelben, ohne Pranken aus
dem Helm (reſp. der Krone) wachſend; Decken g.⸗r. Zu den
a. a. O. dazu gegebenen Varianten führe ich noch nachſtehende
in meiner Sammlung befindliche an. 1) Eine Copie aus dem
Wernigeröder Wappencodex von 1490; hier iſt der Schild von
g. und w. quergetheilt, der Löwe darin wie ſonſt halb roth
halb grün, ſo daß die r. Hälfte auf g., die gr. auf w. liegt.
Aus dem gekrönten Helm wächſt ein w. Löwenrumpf mit ſehr
lang ausgeſchlagener r. Zunge. Decken rechts r.-w., links
g.⸗w. Die Ueberſchrift lautet „von Schönnberg.“ 2) In dem
in Nr. 1 und 2 des vor. Jahrganges d. Bl. beſprochenen
Flechtinger Manuſeript de a. 1600 iſt das Feld zwar g.,
der Löwe jedoch mehr ſchreitend als aufgerichtet, und von r.
und bl. ſchräglinks getheilt; aus dem gekrönten Helm
wächſt die r. Hälfte des Löwen, deſſen Kopf mit einer g. Krone
gekrönt iſt, auf welcher eine bl. Kugel (ob Pfauenſchweif?)
ruht. Decken g.⸗r. Ueberſchrift: „Herr von Schonberg.“ 3)
Ein Stammbuchblatt Caſpar's v. Schönberg (10 1.) zeigt das
W. innerhalb eines grünen Kranzes: der Löwe wie gewöhnlich
aufgerichtet in g., jedoch links gekehrt; ebenſo auf dem gekr.
Helme wachſend. Die Inſchrift des Blattes lautet;
nt. 0, C. A 14.
(verſchlungen.)
T S. M. C. (Spes Mea Christus.)
Obijt [Wappen.]
Ao. 1629,
9. Juni.
Amicitiae et recordationis ergo ||scribebat haec Cas-
parus à Schön berg e domo Pulsnicensi.“
Original im Stammbuch des Churf. Sächſiſchen Hofpredigers
M. Chriſtoph Laurentius. 4) Der Oberſt Andreas v. S.
(136.) führt das Wappen richtig, wie oben zu Anfang be⸗
ſchrieben; wenigſtens findet es ſich fo auf einem Blatte im
Stammbuch Jobs von Bomſtorff, deſſen Inſchrift lautet:
„Anno 1647 den 18 decem:
alles was mit gott, wirdt gefangen an,
Kann keinen böhſen auſgangk hahn.
zu freundtlichen gedechtnis
dieſes geſchrieben
Andreas von Schönbergk Oberſter.“
Einen gleichen frommen Sinn bekunden die Inſchriften
dreier anderer mir vorliegender Stammbuchblätter von Mit⸗
gliedern dieſer Familie:
Jedenfalls Andreas Nr. 132 iſt es, von dem das Stamm⸗
buch Chriſtian Sigismunds v. Bila folgende Eintragung ent⸗
hält:
„Andreas a Schönbergk
Si Deus nobiscum, quis contra nos.
V. V. V. 1989.“
Im Stammbuche Wilhelms von Hodenberg:
145 8
W. G, ͤ , W 69
Hanns gorg von Schonbergk.“
Hans Dietrich v. S. ſchreibt im Stammbuch des Franz
v. Domſtorff:
„Omnibus in rebus foeliciter [omnia cedent
Si statues ſinem priacipiumque Deum. i
Joan. Theodoricus || a Schönbergk scri] bebat
amicitiae et me||moriae ergo 29. IXbr i Ab. 79. Vi-
cenza. i
) Wer Gott Vertraut Hat Wohl Gebaut.
Ob Hans Dietrich Nr. 140? Die Zeitangaben ſcheinen
nicht zu paſſen.
Im Stammbuch Wolf Albrechts v. d. Gabelenz findet
ſich folgende Inſchrift von der Hand Moritz Chriſtophs v. S.
„Plinius lib. 4. Ep. 15.
Ad connectendas Amicitias vel tenacissimum Vinculum
MORUM SIMILITU DO.
Gleiche Sinnen, gleiche Herzen, Gleiche Freude, gleiche
Schmerzen,
Sind die nicht der Freundſchaft Band, [Welches ewig hat
Beſtand?
Symb: Mea Christus Uuica Salus.
Seinem liebſten Freundt widmete dieſes wenige] Moritz
Chriſtoph von Schönberg zu Auerswalde, den 9. Marty
Ao. 1653.“ — Ad. M. H.
Wir glauben den Leſern des „Herold,“ insbeſondere Den—
jenigen, welche ſich für Gravirungen in Stein intereſſiren.
einen Gefallen zu erweiſen, wenn wir dieſelben auf die Ar—
beiten wohl eines der erſten Künſtler in dieſem Fache, des Hrn.
Rudolf Otto“) aufmerkſam machen. Es liegen uns Arbeiten
vor, die Alles bis jetzt Geſehene dieſer Art übertreffen und
geradezu als unübertrefflich bezeichnet werden müſſen. Wappen
ſind — ſelbſt auf ſehr beſchränktem Raume — bis in's kleinſte
Detail erkennbar ausgeführt und ſo correct in der Zeichnung
und im Styl, wie wir dies bei Siegeln unſerer eigenen, be—
deutenden Sammlung und bei vielen anderen Stein-Gravirungen,
welche wir zu ſehen Gelegenheit hatten, nirgends bemerkt haben.
Mehr noch als die Wappen verdient jedoch die höchſt gelungene
und meiſterhafte Ausführung von Portraits in Stein und die
Darſtellung mythologiſcher Figuren erwähnt zu werden; ebenſo
haben wir mit Wappen und Buchſtaben farbig geſtempelte Brief—
bogen und Couverts geſehen, deren geſchmackvolle und ſinn—
reiche Herſtellung gewiß überall Anklang finden wird.
Wir dürfen uns Obigem nach Glück wünſchen, Herrn
Otto für Deutſchland gewiſſermaßen auch erobert zu haben.
W.
*) Herr Otto, geborener Dresdener, gehört zu den aus Paris
verwieſenen Deutſchen, war dort lange Jahre etablirt und hat ſich
jetzt in Berlin (40 unter den Linden, Firma: Ant. Guerlin) nieder:
gelaſſen.
Heraldiſche Bibliographie.)
Verzeichniß der im letzten Halbjahr 1870 auf dem Ge⸗
biet der Heraldik und der ihr verwandten Fächer erſchienenen
neuen Werke.
Almanach de Gotha, p. 1871. Gotha. 1 Thaler 20
Silbergroſchen.
v. Behr, Genealogie der in Europa regierenden Für⸗
ſtenhäuſer. Leipzig. 16 Thaler.
Bruce, family records of the Bruces and the
Cumyns. London. 18 Thaler 10 Sgr.
*) Wir glauben dem Intereſſe unſerer Leſer zu dienen, wenn
wir ihnen fortan ſtets an dieſer Stelle die neuen Erſcheinungen
der einſchlagenden Literatur nebſt Preiſen namhaft machen. Ueber
wichtigere Sachen werden wir nach wie vor sub „Literatur“ refe⸗
riren. Der für dieſe Nr. beſtimmte Literaturbericht muſſte wegen
Raummangel für Nr. 2 erſpart werden. D. Red.
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R-B. Magdeburg.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
Cappes urkundliche Münzgeſchichte der Stadt Coesfeld.
Coesfeld. 1 Thlr. 10 Sgr.
Codex diplomaticus Silesiae, herausgegeben von
Verein für Geſchichte und Alterthümer Schleſiens. 9. Band.
Breslau. 3 Thlr. 15 Sgr.
Codex diplomaticus Saxon. regiae, ed. Gersdorff
und von Posern-Klett. 2. Haupttheil 9. Band: Urkunden⸗
buch der Stadt Leipzig 2. Band. Leipzig. 6 Thlr. 20 Sgr.
Geſchichtsquellen der Provinz Sachſen und angrenzender
Gebiete. 1. Band: Erfurter Denkmäler. Halle. 2 Thlr.
Grazebrook, the heraldry of Smith. London. 5
Thaler 15 Sgr.
Haan diplomatiarium Bekessiense,
Thaler.
Haentle, Genealogie des erlauchten Stammhauſes
Wittelsbach vou deſſen Wiedereinſetzung in das Herzogthum
Bayern (11. September 1180) bis herab auf unſere Tage.
München. 2 Thaler 12 Sgr.
Henfrey, a guide to the study and arrangment,
of english coins. London. 2 Thaler 225 Sgr. e
Hermens, der Orden vom heiligen Grabe. 2.
Cöln. 2 Thlr.
Hildebrandt - Mieſte, Ueber Wappen
ner des deutſchen Reiches. Berlin. 10 Sgr.
Hoffmann. Kurze Abhandlung über die Münzen,
Medaillen und Orden der ſouveräuen Fürſten von Monaco.
Homburg. 10 Sgr.
Hoffmann, die Münzen und Medaillen der ſouveränen
Landgrafen von Heſſen-Homburg. Nebſt einem Anhange: Die
heſſen-homb. Militairauszeichnungen und Feldzugsdenkzeichen.
Homburg. 10 Sgr. s a
Hohen lohe-Waldenburg, F. K. Fürſt zu —
Die deutſchen Farben Schwarz-Gold-Roth und die hiſtoriſche
Berechtigung der rothen Farbe im Deutſchen Banner. 6 Sgr.
Holſenbürger, die Herren von Deckenbrock (von
Droſte-Hülshof) und ihre Beſitzungen. 1. Theil 2. Abtheilung.
Münſter. 25 Sgr. i
Hüſſen, Geſch. der ehemaligen
Herrſchaft Homburg a. d. Mark. Barmen.
Fortſetzung folgt.
Pesth. 2
Aufl.
und Ban⸗
reichsunmittelbaren
25 Sur,
Anzeige.
Von HY. Walte in Hannover, Canalſtraßſe 3, wird auf
franco Beſtellung gratis und franco verſandt: Verzeich-
niß von ca. 1200 verkäuflichen Abd rücken
von Siegel-Stempeln des Mittelalters und
der neueren Zeit.“)
*) Dieſe Abdrücke können Sammlern wegen ihrer ſorgfältigen
Anfertigung beſtens empfohlen werden. De, Red.
Inhalts- Verzeichniß:
Vorwort. — Protocoll. — Die Hausgenoſſen zu Bam⸗
berg. — Chronologiſche Matrikel der Preußiſchen Standeser⸗
höhungen. — Deutſche Städtewappen in der Sachſenchronik.
— Vermiſchtes. — Heraldiſche Bibliographie. — Anzeige.
Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.“
Hierzu eine lithogr. Tafel.
* se |
en | bannen Gosgeler. eee
Palle.
5
e
2
ji
Lith v J. Könecke in Gardelegen.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeil
S, Berlin, im Februar 1871. DI
2. Jahrgang.
Auszug aus dem Sitzungs-Protokoll des 2) Vom Schatzmeiſter: auf Ertheilung einer Decharge über die
„Herold“ vom 3. Januar 1871.
Die erſte Sitzung im Jahre 1871 fand unter dem Bor:
ſitz des Freiherrn von Reitzenſtein ſtatt.
Nachdem zunächſt das Protokoll verleſen war, wurde im
Anſchluß daran folgender in der vorigen Sitzung gemachter
Vorſchlag zum Beſchluß erhoben:
Die Sitzungen des Vereins ſollen, ſtatt am Mittwoch, am
Dienſtag ſtattfinden, und zwar am J. Dienſtag jedes Monats
die offizielle Sitzung, und am 3. Dienſtag die geſellige Zu—
ſammenkunft. In letzterer wird jedoch die Feſtſtellung des
Protokolls zu erfolgen haben.
Den Hauptgegenſtand der Beſprechung bildete ſodann eine
an den Verein gelangte Mittheilung des Herrn G. Seyler in
Offenhauſen über die von demſelben beabſichtigte Herausgabe
einer „Bibliotheca genealogico-heraldica,“ welche einen
Catalog aller, Heraldik, Sphragiſtik und Genealogie betreffenden
Bücher, Druckwerke und Manuferipte enthalten fol. — Von
dem p. Seyler war dem Verein ein detaillirter Plan des zu
edirenden Werkes zur Begutachtung vorgelegt, und gab derſelbe
Gelegenheit, dem Einſender einige Veränderungen zu empfehlen.
Allgemein wurde jedoch das Unternehmen mit großem Beifall
begrüßt, und wird das Buch bei dem gänzlichen Mangel der—
artiger Werke nicht nur jeder Bibliothek eine höchſt willkom—
mene Acquiſition bieten, ſondern vorzugsweiſe auch des Forſchers
langgehegten Wünſchen entgegenkommen. Es erklärte ſich daher
der Verein gern bereit, das Unternehmen des Herrn Seyler in
jeder Weiſe zu unterſtützen, und wurde der Wunſch ausge—
ſprochen, denſelben zu veranlaſſen, im „Herold“ einen
Aufruf zur Unterſtützung feines Unternehmens ſeitens der In—
tereſſenten zu veranlaſſen.
Sodann wurden folgende Anträge geſtellt und genehmigt:
1) Vom Vorſitzenden, auf das Correſpondenzblatt des „Geſammt—
Vereins der deutſchen hiſtoriſchen Vereine, Vorort Altenburg“
zu abonniren, dieſem Vereine ſich anzuſchließen und dem—
ſelben ein Gratisexemplar des „Deutſchen Herold“ zu über:
ſenden;
— . ͤ EBůà! 4 — . —ñ—— —
von demſelben vorgelegte Rechnung des „Herold“ vom 1.
Auguſt bis ult. December v. J. Dabei wurde ſeitens des
Schatzmeiſters bemerklich gemacht, daß die Einnahmen an
Beiträgen und Abonnementsgeldern — trotz der größtmög⸗
lichen Sparſamkeit — die Ausgaben für das Vereins⸗
blatt nur nothdürftig decken.
Von Herrn Clerieus: ihm die Geldmittel zu bewilligen, um
von den Wappen der in Nr. 11 des „Herold“ vom
vorigen Jahre erwähnten, in dem jetzigen Kriege erloſchenen,
baieriſchen Adelsgeſchlechter: „Peller von Schoppershof“ u.
„Heußlein von Eußenheim,“ eineu Holzſchnitt für das Ver—
einsblatt anfertigen laſſen zu können.
Der Antrag des Herrn Voigt: „die im „Herold“ erſchei⸗
nenden Artikel, bevor dieſelben zum Druck gelangen, einer noch
zu ernennenden beſonderen Redactions-Commiſſion zur Reviſion
zu übergeben,“ wurde zur Beſprechung für die nächſte Sitzung
ausgeſetzt.
Ferner theilte der Schriftführer mit, daß die Herren
„Bürgermeiſter Brecht in Quedlinburg und Rentier Galliſch in
Berlin“ aus dem Verein geſchieden ſeien. Schließlich gab der
Herr Vorſitzende noch zu Protokoll, daß die in der Nr. 1 des
„Herold“ ſeitens der Redaction gemachte Notiz zu dem Hage—
meiſterſchen Antrage vereinsſeitig nicht als zutreffend anerkannt
werden könne, und machte der Sections-Chef für Sphragiſtik,
Hr. v. Bülow, darauf aufmerkſam, daß ihm der in dem Protokoll
vom 7. v. Mts. ihm beigelegte Titel nicht gebühre, er vielmehr
zur Zeit noch keinen ſolchen Titel führe.
Die Sitzung, in welcher 7 Mitglieder anweſend waren,
wurde um 92 Uhr geſchloſſen.
Zur Beglaubigung:
F. Warnecke.
Seinsheim und Schwarzenberg,
die Freien und die Herren.
Neuerdings iſt das Geſchlecht der Grafen von Seinsheim
mit dem Anſpruch auf Gewährung derſelben Stellung und des⸗
felben Ranges aufgetreten, welchen die ehemals reichsſtändiſchen
Grafen und Herren mit dem Titel „Erlaucht“ durch die ehe—
malige Bundesacte erhalten haben. Das Haupt des fürftlichen
Hauſes Schwarzenberg, welches bekanntlich eine Linie des frän⸗
kiſchen freien Rittergeſchlechts von Seinsheim, auch Saunsheim“)
genannt, iſt, und welches wegen der im Kreiſe Franken belegenen
zuletzt zu einer gefürſteten Grafſchaft erhobenen Herrſchaft Schwar—
zenberg, und wegen des zur Herrſchaft qualificirten fruheren
freien Gerichts Seinsheim Reichs- und Kreisſtandſchaft hatte,
beſtreitet in der desfallſig verſandten Publication dieſen Rechts⸗
anſpruch ſeiner Stammesgenoſſen auf das Entſchiedenſte. Die
Unterſuchung der Rechtsverhältniſſe der beiden Linien Schwar⸗
zenberg und Seinsheim ſcheint uns dahin zu führen, daß der
Anſchauung der Fürſten von Schwarzenberg völlig beizupflichten
iſt. Vor dem Erwerb der Herrſchaft Schwarzenberg ſtand
nämlich keinem ihrer gemeinſchaftlichen Vorfahren die Vertre—
tung auf der fränkiſchen Grafen» oder Herrenbank oder auf
das Prädicat Nobilis oder dominus de Seinsheim zu,
ſondern die von Seinsheim gehörten zu dem freien Reichsadel,
welcher ſpäter das erſte Element zur Bildung der freien Reichs⸗
ritterſchaft in Franken, Schwaben und am Rheinſtrom abgab,
und welchem vom Kaiſer und Reich in ſeiner Geſammtheit im
vorigen Jahrhundert zwar reichsſtändiſche Qualität, nicht aber
Sitz und Stimme im Reichstage zuerkannt wurde. In der
Eigenſchaft als freie Reichsritter wurden die Freyen von Seins⸗
heim keineswegs dadurch alterirt, daß ſie Ritterlehn auch von
andern Reichsſtänden, z. B. von den Grafen v. Kaſtell u. v. Hohenlohe
beſaßen, denn ſie hatten gewiſſe Beſitzungen und Gerichtsbarkeiten
lediglich als Freieigen, und waren mit ſolchen nur Kaiſer und
Reich als Eigner unterworfen, davon ſie auch dem Stand der
Centbarfreien, Semperfreien oder Freyen (Frigen) angehörten;
den fränkiſchen Herrenſtand aber erwarben ſie lediglich erſt
mit dem Beſitz der früher Hohenlohe'ſchen Herrſchaft Schwar⸗
zenberg und derſelbe ging nach damaligen Grundſätzen nur auf den
Zweig der Nachkommen Erckingers von Seinsheim, des
erſten durch Diplom des König Sigismund v. 1429 ernannten
Reichsfrei- und Banner-Herrn von Schwarzenberg, über,
welcher im Beſitz und in der Vertretung von Schwarzenberg blieb, zu
welcher ſich dann ſpäter auch die Vertretung des zu einer Herrſchaft
qualificirt befundenen und dazu erhobenen freien Gerichts (oder
der Mark) Seinsheim geſellte. Die andern Nachkommen Erchingers,
welche weder den Beſitz noch den Namen Schwarzenberg er—
hielten, haben als Seinsheime auch den Anſprüchen, welche dem Hauſe
Schwarzenberg aus der Erhebung in den Reichsgrafenſtand v. 8.
Juni 1599, aus der Verleihung des Reichsfürſtenſtandes v, 14. Juli
1670 und aus der Einführung in das Reichsfürſtencollegium
v. 22. Auguſt 1674 erwuchſen, früher durchaus ferngeſtanden,
und haben vor und nach der Ertheilung des Reichsfreien⸗-Herren⸗
titels 1580 bis zum 17. Sept. 1705 im Freiherrenſtand
geblüht, welcher in ſeinem eigentlichen Weſen durch Verleihung
des Reichsgrafentitels unter dem genannten Datum keine
Mehrung an politiſchen Rechten erhielt. Dieſen uralten Freiherrn⸗
ſtand aber, welcher auf dem Erbe freieigner Güter und freieigner
Gerichtsbarkeit über Hals und Hand und anderer Regalien, als
hoher Jagd und von Bergwerksrechten auf edle Metalle (d. h.
ſofern dieſelben nicht lehnbarer Natur waren und ohne Mittel
») Das Wappenbild des Geſchlechts iſt die gekrönte Sau,
daher offenbar ein redendes. Das Kleinod, ein Menſchenhaupt, iſt
in Dr. Carl Ritter v. Meyers heraldiſchem A-B⸗C-⸗Buch Tafel
XVIII. nach alten Siegeln von 1360, 1369 und 1414 gegeben.
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unter Kaiſer und Reich ſtanden) beruhte, theilte Seinsbeim
mit andern deutſchen, vorzugsweiſe aber fränkiſchen, ſchwäbiſchen
und rheiniſchen Geſchlechtern, welchen nach ihrer Mediatiſtrung,
ſei es durch Lehnsauftragung einerſeits, ſei es nach ihrer Unter⸗
werfung unter die Gerichtsbarkeit anderer Reichsſtände oder
ihrer Incorporation iu die Reichsritterſchaft andererſeits eine bes
vorzugte Stellung vor dem niedern Adel nicht eingeräumt worden iſt.
Nachweiſen läßt ſich zudem, daß der Stand der Freien und der
Stand der Herren („nobiles domini‘‘) nicht einmal inſofern
immer zuſammentraf, daß die „nobiles“ auch „Freie“ waren.
Dies iſt der Fall bei den Schenken von Gaftell. (wohl zu unter—
ſcheiden von den Alt-Grafen v. Caſtell), bei den Schenken von
Limburg, den Marſchällen von Pappenheim, den Schenken von
Tautenburg, und vielen anderen alten Geſchlechtern,
denn ſchon ihr Amt bezeichnet ſie als Miniſteriales
oder Edelknechte des Reiches. In den öſtlichen Reichs marken,
begegnen uns ſogar Miniſterial⸗-Familien, welche nach ihrer
Ueberſiedelung in die von Wenden und Slaven bewohnten Ge—
biete, z. B aus dem Oſterlande nach der Lauſitz und Schleſien
aus dem gemeinen Ritterſtand in den Herrenſtand übertraten,
z. B. die von Pack und die von Veſta, welche bereits im 13.
und 14. Jahrhundert in der Lauſitz und Schleſien, Erſtere al$
Herren vou Pack, Letztere als Grafen und Herren von Kamenz
oder Bernhardsdorf (Bernſtadt) auftauchen. Andere, z. B. die
Edlen Herren von Wildenfels, Edlen Herren von Waldenburg,
Edlen Herrn von Ileburg oder Eulenburg (mit dem Vornamen
Botho, böhmiſch Puota, und Wend), die Gans, Edlen Herrn
von Putliz gehören dem Herrenſtand an, ohne daß bis
jetztihre Reichsunmittelbarkeit erwieſen iſt. Andererſeits er—
ſcheint der Stand der liberi, liberi milites, ingenui
viri, Centbar⸗Freien (Semperfreien) bei Geſchlechtern, welchen
eine beſondere politiſche Stellung niemals eingeräumt wurde. Die
ehemalige Bundesacte hat nicht einmal diejenigen Familien alle
berückſichtigt, bei welchen die Abſtammung aus den Nobiles u.
Liberi keinem Zweifel unterliegt, während dagegen die Häuſer
Lichtenſtein und Reuß durch den Rheinbund und die Bundesacte
zum Stande der Souveränetät gelangten. Die Vorfahren von letz—
terem Hauſe erhielten in den Urkunden des 13. u. 14. Jahrhunderts,
obwohl ſie als domini de Wida, domini de Gera auftraten,
gemeiniglich kein höheres Prädicat, als das von strenui viri
(geſtreuge Mannen), was jeder andere Rittersmann auch hatte,
niemals aber wird ihnen der Titel eines liber oder vir
ingenuus beigelegt; als Zeugen erſcheinen ſie im 13. Jahrh. faſt
immer unter den Miniſteriales oder Edelknechten. — Die heutige
Stellung eines Geſchlechts oder Hauſes giebt alſo keinen Maß—
ſtab für den Glanz der freien und erlauchten Geburt ſeiner
Ahnen. Der verdiente Umarbeiter der Voigtelſchen genealogiſchen
Tabellen der europ. Regentenhäuſer, Dr. A. Cohn zu Göttingen,
hat in ſeiner muſterhaften und fleißigen Abhandlung „die Vor⸗
fahren des fürſtlichen Hauſes Reuß in der ſtaufiſchen Zeit,
Band IX. Heft 3 Seite 529 der von der hiſtoriſchen Com⸗
miſſion zu München patronirten „Forſchungen zur deutſchen Ge⸗
ſchicht“ den Nachweis geführt, daß der Reußiſche Ahnherr
Heinrich II. v. Weida aus dem Stand eines Miniſterialen
der Herzogin Gertrud von Sachſen, dann Herzog Heinrichs des
Löwen erſt ein Reichsminiſterial geworden iſt, als er durch
Uebermacht beſiegt, ſich von Heinrich dem Löwen abwendete
und dem Kaiſer Friedrich J. anſchloß.“) Durch unverdächtige
„) Die Wiederlegung der Cohnſchen Abhandlung
hat zwar G.
A. Brückner in der im Auftrag geſchriebenen „Landes⸗
und Volks⸗ |
N
I
vor Allem aus begreiflichen Gründen vermeiden follte.
Urkunden ſteht feſt, daß die Stammſitze Weida und Gera im
Elſtergebiet, (abgeſehen von den bei Nordhauſen gelegenen
kleinen Ritterſitzen) eben landgräflich thüringiſches Territorium,
Schleiz und Lobenſtein ein Arnshaugiſches Erbe, die Voigtei
von Gera Lehn des Reichsſtifts Quedlinburg waren, und Plauen
den niederſächſiſchen Grafen v. Eberſtein gehörig, erſt 1329
von dieſen den Voigten v. Plauen aus dem Haufe Weida ei gen-
thümlich überlaſſen, ſehr bald aber böhmiſches Kronlehn wurde,
und daß das Haus Reuß bis in die letzte Zeit vor Entſtehen der ſeel.
Bundesacte ſich nicht von der böhmiſchen und ſächſiſchen Lehns—
hoheit befreien konnte. Die unechten Urkunden, aus welchen
man früher das Gegentheil folgern wollte, ſind von Cohn ſorg—
fältig ausgeſchieden. Dies möge als Beweis der obigen Be—
hauptung dienen, daß die heutige Stellung von Geſchlechtern
nicht immer auf urgeſchichtlicher Berechtigung beruht. Jedenfalls
kann man annehmen, daß die Qualität der centbarfreien Ge—
burt, welche die Deutſchen vor Alters als Erforderniß der
Selbſtändigkeit des Mannes verlangten und von jeher hoch zu
ſchätzen und zu betonen wußten, vom Ende des 15. Jahr-
hunderts ab nicht mehr als Grundlage hoher Stellung galt,
wenn nicht wirkliche Macht und geſchloſſener Grundbeſitz damit
verbunden war. Daher mögen ſich die Träger des Namens und der
Geſchichte ſolcher Geſchlechter, welche ſich dieſes Vorzugs freier Ab—
ſtammung rühmen, und darunter auch die Grafen v. Seinsheim, mit
der Pflege dieſes ſchönen Bewußtſeins begnügen. Hier mögen
einige Regeſten folgen, aus welchen die Stellung Erckingers v.
Seinsheim zur Zeit der Erwerbung der Herrſchaft Schwarzen—
berg und deſſen Eigenſchaft als brandenburgiſcher Vaſall her—
vorgeht, und aus welchen gleichzeitig die Auftragung einiger
freieigner Güter zu brandenburgiſch⸗nürnbergiſchen Lehn,
offenbar um Schutz und Schirmes willen, dargethan wird.
C. Chl. Frh. v. R.
Extract aus dem zu Bamberg befindlichen Lehn—
buch des Kurfürſten Friedrich J. von Banberg.
1421 den 17. November. Act. mergentheim feria II.
post martini. Erkinger von Sawußheim hat empfangen
das hawße weyſſenbrunn mit dem Innerſten gerichtegraben,
das er vormals von Burggraf Johanns ſeliger zu Lehen
gehabt hat. Item zween teil eines czehenden zu herbolcz—
heim. Fol. 7.
1426 den 13. Juli. Geben an ſant Margareten dag. Erkinger
von Sawußheim macht ſeine eigenen Güter zu Genot—
ſtat dem Marggrafen Fridrichen zu Lehen fuer andere von
deſſen Vorfahren den von ihm geſtifteten Kloſter zu Oft
heim geeignete Güter daſelbſt. Fol. 33b.
1429 den 16. Februar. Geben zu Newenſtat an Mitwoch
post dominicam Inuocavit.
Friedrich Markgraf zu Brandenburg bekennt auf Anſuchen
kunde des Fürſtenthums Reuß jüngerer Linie Gera 1870“ verfucht,
dieſelbe iſt aber ſo mit Entſtellung der benützten Urkunden geſchrieben
und ſo ſeicht begründet, daß der hiſtoriſche Theil dieſer Arbeit werth—
los iſt. Nachdem der Verfaſſer ſelbſt einräumt, daß die friderician.
Urk. v. 1232, welche die einzige iſt, wo ein Voigt von Plauen als
Reichsvoigt bezeichnet wird, gefälſcht iſt, verändert derſelbe Verfaffer
gleichwohl den Titel Reichsſtiftsvoigt im Laufe ſeiner Darſtellung
ſtets in den eines Reichsvoigts, was doch zwei ſehr verſchiedene
Stellungen ſind, welche mit einander zu verwechſeln ein Archivar
Daß die Be⸗
deutung des Hauſes Reuß in ſeinen Thaten für den Deutſchen Orden
in Preußen zu ſuchen iſt, hat ſchon Cohn betont. Der Obige.
11
des Erkinger von Sawnsheim Ritters zum Steffansperg
deſſen Gemahlin Barbara gebornen von Abensperg“) VC.
gulden reiniſch auf allen deſſen Lehnbaren gütern zu
Gnotſtat. Fol. 34.
1431 den 25. März. Geben zu Nuremberg am Palmtag.
Friedrich Marggraf zu Brandenburg ꝛc., verleiht dem Er—
finger von Sawußheim zu Weißenbrünn und Nicolaus
Ammann zu rechtem Manlehen den Dritteil der Zehenden
zu Helinezheim mit allen feinen Zugehorungen. Fol. 32b.
1431 den 16. April. Geben zu Nuremberg am Montag
nach dem Sontag Misericordias domini.
Friedrich Markgraf zu Brandenburg bekennt, daß er Er-
finger von Sawnßheim zu Beißenbrunn zu rechtem Manlehen
verliehen hat ein Wiſſen „im alten See“ genant, eine „im neuen
See“ genant und, die krummen wiſſen, alles zu Wiſſenbrunn
gelegen und einen See im Rudenhaußer Felde gelegen. Fol. 8.
eodem dato. Friedrich Marggraf zu Brandenburg und Burg—
graf zu Nurenberg eignet dem Erkinger von Sawußheim
zu Weyſenbrunn zwey Theile an dem Zehenden zu Helincz—
heim. Fol. Sb.
codem dato. Erkinger von Sawußheim zu Wiſſenbrunn
macht dem Marggrafen Friedrich zu Brandenburg fuer
zwei Theile ihm geeigneten Zehent zu Helinczheim andere
eigene Güter zu Lehen nemlich: eine Wiſſen im alten
See und eine im newen See genannt zu Wiſſenbrunn,
einen See im Rudenhapſer Felde gelegen und die Krum—
menwyſe zu Wiſſenbrunn. Fol. 9.
1439 den 22. März. Geben zu Onolezpach an Sontag Judica.
Fridrich Marggraf zu Brandenburg und Burggraf zu
Nürnberg verleiht den Gebruedern Hanſen, Sigmunden,
Erkinger, Ulrichen und Jobſt Herren zu Swarczenberg und
von Sawnußheim Güter, Zins und Gült zu Wiſſenbrunn
Kleinen-Lanckheim, Nenezenheim, Hernezheim und Sulcz⸗
dorf zu rechtem Mannlehen. Fol. 48h. — 51b.
1439 den 22. März. Geben zu Onolczpach,
Judica.
Friedrich Markgraf zu Brandenburg u. Burggraf zu Nu—
remberg eignet der Barbara Frau zu Schwarzenberg und
von Sawnsheim gebornen von Abensberg, und ihren
Söhnen Hanſen, Sigmunden, Erkinger, Ulrich u. Jobſt
alle ihre Güter zu Gnotſtat, dagegen ſie alle ihre Güter,
Zins und Gült zu Wiſenbrunn, Klein-Lanckheim, Nene⸗
zenheim, Hernczheim und Sulczdorff ihm zu Lehen gemacht.
Fol. 51 b.
sub eod. dato et anno.
Derſelbe Marggraf bekennt genannter Barbara auf vor
beſagten Gülten, Zinſen und Gütern zu Wiſenbrunn ꝛe.
VC. rheiniſche Gulden.
Fol. 52b.
des Sontags
) Barbara war die Tochter des Jodocus Herrn zu Abensperg,
deſſen leibliche Schweſtertochter die Gemahlin König Sigismunds
geweſen iſt. Barbara war die zweite Gemahlin Erckingers von
Seinsheim und Ahnfrau der Freiherren von Schwarzenberg und
Hohenlandsberg. In erſter Ehe war Erkinger mit Anna von Bibra
vermählt, aus welcher die andere Seinsheimiſche Linie ſtammte. Die
Kinder der Barbara waren 1443 nock nicht 14 Jahr alt, und ſind
ſämmtlich erſt nach 1429 geboren. Die Kinder erſter Ehe waren in
der Standeserhöhung v. 1429 nicht mitbegriffen. Der Obige.
12
Die Hausgenoſſen in Bamberg.
(Fortſetzung.)
2) Conrad, auf den ſich das Küchen meifter - Amt ver⸗
erbte, deſſen Descendenz dieſen Amtsnamen beibehielt. 1291
und 1294 Chunradus et Walterus filii quondam Broun-
wardi. 1301 Conrad Co qu ar ius. 1237 Brunward
Küchenmeiſter. 1331 Friedrich K. mit ſeiner Gattin
Eliſabeth. 1343 Ulrich. 1356 Conrad. 1411 Conrad
der ältere; Ulrich u. Engelhard Vettern; Ulrich, Hein⸗
zens Sohn, mit ſeinem Vetter Hans. i
3) Walter, erſcheint urkundlich bis zum Jahre 1298.
Schweitzer iſt geneigt, ihn für den Stammvater der Haller
zu halten; dieſe Angabe iſt nach meinem Dafürhalten jehr
wahrſcheinlich, obwohl ich keinen weiteren Stützpunkt für die⸗
ſelbe gefunden habe. als daß die Haller von je zur Sippe
der Braunwarte gezählt wurden. Nürnbergiſche Chroniken wiſ⸗
ſen zwar ſchon im Jahre 1240 einen Ulrich Haller, deſ⸗
ſen Wirthin „eine Edle Fuchſin“ geweſen ſei, anzuführen; in⸗
deſſen fehlt dazu nur der urkundliche Nachweis; außerdem wiſ⸗
ſen wir, wie überreich die Nürnbergiſchen Chroniken an genea⸗
logiſchen Märchen ſind. — Als Walters Söhne erſcheinen
1308 Brun wardus; 1314 Conrad. Die Namen der
bekannten Haller führe ich ſofort hier an: zu Biſchof Ludwigs
Zeit (13661374) Conrad und Georg. 1411 Cunz
Haller, Vetter des Conrad Küchen meiſter; Baltha⸗
far H. und fen Caspar; Lorenz u. deſſen Sohn Ge—
org.
f Als Brüder Conrads (Nr. 2.) und folglich auch als
Söhne Bra unwarts erweiſen ſich im Jahre 1323 Hein⸗
rich genannt Sambach und Hein rich genannt v. Lies⸗
perk. Bekanntlich gab es zwei landſäſſige Geſchlechter ganz
gleichen Namens, und iſt ſehr ſchwierig, die vorkommenden
Namen richtig einzureihen. Wodurch ſich unſere Hausgenoſ—
ſen das Recht auf dieſen Namen erwarben, ob — wie wahr⸗
ſcheinlich — durch Heirath, iſt dermalen noch fraglich. Nä⸗
here Unterſuchungen mir vorbehaltend, gebe ich hier nur eini⸗
ge Namen, die beſtimmt unſeren Geſchlechtern angehören:
4) Liesberg: Zu Biſchof Ludwigs Zeiten: Hein rich
Lisberger, Aelteſter der Hausgenoſſen und Erhard.
5) Sambach: 1326 Heinrich. 1374 Braunwart
und Heinrich. 1377 und 1382 Braunwart. 1411
Braun S., „Dichter“ des Heinz Gun dloch.
Die nachfolgenden Familien werden als Abkömmlinge
Günthers des Münzmeiſters angegeben, was aber unerwie—
ſen iſt, und mir irrig zu ſein ſcheint.
6) Im Jahre 1298 erſcheinen Wicker u. Gundloch
als Brüder. Der erſtere hatte einen Sohn Walter. Weiter—
hin wird dieſe Familie nicht erwähnt. Dagegen ſein Bruder:
7) Gun dloch hatte eine Reihe von Nachkommen. Ob
die Brüder von dem i. J. 1231 namhaft gemachten „servus“
Wigger oder von dem gleichzeitig angeführten Gundeloch
abſtammen, kann wohl nicht entſchieden werden. Im Jahre
1237 erſcheint ein Gundelochus Marscalcus bei biſchöf⸗
lichen Handlungen als Zeuge (Oeſterreicher Denkwdgktn. III.
26.) mit dem vorigen vielleicht eine Perſon. 1305 werden
Sifried und Friedrich, 1314 Franz als Sohn
Gun dlochs (des jüngeren) genannt. Zu Biſchof Ludwigs
Zeiten: Dietterich und Fritz Gundloch. 1411 Heinz
und Conrad.
8) Ans halm. Für den Stammvater dieſer Familie
halte ich den im Jahre 1291 unter den Hausgenoſſen zeu—
genden Anſelmus. Es wird dies derſelbe jein. der im J.
1257 Anshelmus filius Brunwardi quondam sculteti
genannt wird. Dieſer Brunwart, der ſchon im Jahre 1231
alter Schultheiß heißt, iſt von dem oben genannten Stamm—
vater der Braunwarte natürlich gänzlich verſchieden. Zu Bi—
ſchof Ludwigs Zeiten lebte noch ein Hausgenoſſe Carl
Ans halm.
Als Stammgenoſſen
Familien angegeben:
9) Nepf, von denen blos zu Biſchof Ludwigs Zei—
ten ein Heinrich als Hausgenoſſe erwähnt wird.
10) Berlein, die gar nicht hausgenöſſiſch waren. We—
ntgſtens wurde Hans Berlein, der ein Hausgenoſſe zu
ſein behauptete und die Steuer verweigerte, im Jahre 1380
nicht als ſolcher anerkannt, da er keinen Beweis führen konnte.
Die Angaben über das Wappen der Hausgenoſſen wei—
chen von einander ab. Schweitzer theilt mit, fie hätten ſämmt⸗
lich einen Brackenkopf und 3 Kolben geführt. Die Quelle aus
der er ſchöpfte, hielt indeſſen die Hausgenoſſen ſämmtlich für
Abkömmlinge eines Stammvaters, und dürfte deßhalb nicht
ganz zuverläſſig ſein. Nürnbergiſche Chroniken ſchreiben den
Münzmeiſtern und Hallern drei Sporen als Wappenbild zu.
Der mehrfach erwähnte Herr Curatus Schweitzer hat
im Oberfränk⸗Archiv II. Bd. 2. Heft aus einer alten Hand-
ſchrift und Urkunden ein intereſſantes Material zu Geſchichte
der Hausgenoſſen mitgetheilt, aus dem ich vorzüglich geſchöpft
habe. Seine Darſtellung iſt übrigens von der meinigen prin—
cipiell und formell verſchieden. Abgeſchloſſen iſt der Ge—
genſtand auch heute noch nicht: beſonders meine gegenwärtlgen.
Zeilen ſollen nur als Anregung zu weiteren Forſchungen gelten.
Offenhauſen. ehe n
der Ans halm werden folgende
Deutſche Städtewappen
in der Sachſenchronik;
erläutert von Ad. M. Hildebrandt und F. Warnecke.
Das 1362 und noch 1537 in Gebrauch befindliche Secret
zeigt den Adler rechtsſehend ohne die Spange, welche letztere
wahrſcheinlich dadurch entſtand, daß ein Zeichner die (auf dem
Secret ſehr ſichtbaren) Flügelſehnen irrthümlich auffaßte und-
die Linie über die Bruſt des Adlers fortzog. — Legende:
„ secretum. consulum. in. goslaria.“
Das 1476 noch benutzte Hauptſiegel mit der Umſchrift:
„rt Sigillum burgensium in goslaria“ läßt auf unſerm
Abdruck das Siegelbild nicht mehr recht erkennen, jedoch fcheint
daſſelbe ebenfalls den Adler im Siegelfelde zu führen, welcher
bei dem c.) „Signetnm civitatis Goslarie“ (16. Jahrh.)
erſcheint; zwei fernere Siegel d) und e) beide mit der Umſchrift:
„Signetum civitatis Goslariae,“ erſteres dem Anfange
letzteres dem Ende des 18. Jahrhunderts angehörend, haben
den Adler im Siegelfelde, ebenſo das f.) „Signetum civita-
tis goslarih“ (sic) aus dem 17. saec.
3) Jedenfalls aus der Zeit der preußiſchen Occupation
um 1806 ſtammt das „Siegel der Königl. preußiſchen
Stadt Goslar“ auf welchem der Reichsadler in den damals
jo beliebten verunſtalteten ſchwebenden preußiſchen Aar mit Scepter
und Reichsapfel verwandelt erſcheint. Späterhin trat der Reichs⸗
adler wieder in ſeine Rechte ein, wir finden ihn h.) auf
dem neueren Stadtſiegel mit der Umſchrift: „Magistr. der
Koen. hannov. Stadt Goslar.“ Ob etwa feit 1866 eine
abermalige Veränderung ſtattgefunden hat, iſt uns nicht be—
kannt. —
8) Gottinge. (Göttingen.) In R. ein g. go⸗
thiſches G.
Das G., welches wir ſoeben als zeitweiliges Wappenbild
der Stadt Gandersheim fanden, ſcheint von Göttingen ſonſt
nen Anhaltspunkt. Als Helmſchmuck dagegen tritt es im 16.
Jahrh. auf.
Es exiſtiren folgende Siegel in unſeren Sammlungen:
a) „t Sigillum. Burgensium. in gotigen.“
einem halbkreisförmigen Bogen, welcher mit drei ſpitzbedachten
Thürmen beſetzt iſt, ein nach links ſchreitender Löwe. Um
1300.
b) „ secretum. burgensium. in. gotigen.“
vorigen
Löwe nach rechts ſchreitend.
Wir glauben auf letzteren Umſtand beſonders aufmerkſam
machen zu ſollen; ſchon oben bei Braunſchweig fand ſich die
veränderte Stellung des Wappenbildes als Unterſcheidungs—
merkmal zwiſchen Siegel und Seeret: weiter unten wird ſtich
daſſelbe bei den Siegeln von Hannover und Lüneburg ergeben.
Wir werden ſpäter einmal noch auf dieſe Erſcheinung zurück—
kommen.
c) „Sigillum burgensium in gotigen.“ Wappen⸗
ſiegel; der Löwe nach rechts ſchreitend unter dem Stadtthor
im Schilde — auf dem Helm das gekrönte G. 16. Jahrh.
d) „Secretum burgensium in gotigen,“ 17. Jahrh.
e) „Sigillum civitatus Gottingensis,“ 18. Jahrh.
Beide zeigen nur den nach rechts ſchreitenden Löwen im Sie—
gelfelde. f
) „Sigillum civitat. Gottingensis“
g) „Sigillum civitatus Goettingensis“
Beide in Darſtellung wie c.
Endlich zeigen dieſelbe Darſtellung auch zwei neue Siegel,
die ſich nur durch ihre Umſchriften unterſcheiden: h) „sigil-
lum ciuitat. Gottingensis“ i) „sigillum civitatis Goettin-
gensis.“ Jedoch erſcheinen hier die Thürme in b., der Löwe
in r. Felde.
9) Haluerſtadt (Halberſtadt.)
geſpalten, darin eine ſchrägrechts
Wolfsangel.
Wann dies noch heutzutage geführte Stadtwappen zuerſt
auftritt, iſt nicht mit Beſtimmtheit ermittelt. Auf den älteren
Siegeln erſcheint es nicht. Von letzteren ſind zu erwähnen:
a) das prachtvolle Hauptſiegel aus dem 14. Jahrhundert;
unter einem ſchönen romaniſchen Portal der hl. Stephan in
ganzer Figur, halb in die Knie ſinkend, mit betend erhobenen
Händen, in geſticktem Ornat. Die Umſchrift in verzierten
Majuskeln: „Sigillum burgensium, in, halberstat.“
Ueber dem Heiligen: „St. Stekanus.“
b) „S'consulum in halberstat.“ Der Heilige knieend,
nach rechts gewendet; „St. Stephan.“ 14. saec.
c) „S’consulum im (sic) halberstat.“ Ebenſo „St.
Steffan.“ 16. Jahrh.
d) „Sigillum consulum in halberstadt.“ — „St.
Steffanus 1536.“ St. Stephan ebenfalls nach Rechts gewen⸗
det knieend; ihm zu Füßen der Wappenſchild, wie auf der Tafel.
Dem
18. Jahrh.
Von w. undr.
gelegte ſch.
(abgeſehen von der Größe) ganz gleich, aber der
13
e) „Sigillum civitatis halb erstadiensis 1680,“ mit
Perlenrand,
1680, mit
f) 29 272 29
glattem Rand,
g) „Sigill. Stat Halbstat“ (17. Jahrhundert) — zeigen
das vollſtändige Wappen wie es noch jetzt geführt wird: Schild
wie oben, Helm: hoher Hut, oben mit 3 Pfauenfedern beſteckt,
: 1 fein, wenigſtens geben die Siegel dafür kei- von w. und r. geſpalten mit Aufſchlag wechſelnder Tinctur
ie eee ; le zwiſchen zwei von w. und roth getheilten Fähnlein. — Daſſelbe
W. enthalten auch die neuen Stadtſiegel h) das große und i)
das kleine „Sigillum civitatis halberstadiensis“ während
h ein der Umſchrift entbehrendes K) v. J. 1730 nur den Schild
nter
zeigt. —
Halle (Halle a. d. Saale.) In W. ein flach ge—
zogener geſtürzter, die äußeren Schildesränder be—
rührender r. Halbmond, oben und unten von je einem
ſechsſtrahligen Stern begleitet.
a) Das alte Hauptſiegel mit der Umſchrift: „ Sigillum.
burgensium. de. Halle“ zeigt, ziemlich roh gearbeitet,
eine hohe von zwei romaniſchen Thürmen flanfirte oben runde
bogige Mauer mit einem kleinen Thürchen; 14 Jahrhundert.
Bereits im 15. Jahrh. begegnen wir dem eben beſchrie—
benen Wappen, welches bis jetzt geführt wurde, jedoch mit dem
Unterſchiede, daß der Mond aufwärts gekehrt iſt; zuerſt auf
dem b) „secretum burgensium in hallis,“ welches unter
einem Portal die hl. Jungfrau zeigt, rechts, links und unten
von dem Wappenſchilde begleitet. — Aus ſpäterer Zeit liegen
uns noch nachſtehende Siegel vor:
c) „Stadt Hall; achteckig, ſehr klein;
Mond und Sternen. 17. Jahrhundert.
(Fortſetzung folgt)
Schild mit
Bemerkungen zu den Städte- Wappen in
der Sadfendronik.
Zu Tafel J. Nr. 3 Braunſchweig. Der Schild
mit der Lilie wird das Wappen der Lilienwente ſein,
einer 1384 geſchloſſenen Verbindung der angeſehenſten
Stadt⸗Braunſchweigiſchen Geſchlechter zur Abwehr des fehde—
und beuteluſtigen Adels der Umgegend. Das Wappen
der Lilienwente, von welchem Rethmeier Braunſchw. Lüneb.
Chronik S. 1851 eine Abbildung nach einem alten an einem
Brückenpfeiler beim Michaelisthore in Braunſchweig befindlich
geweſenen Stein giebt, zeigt eine Lilie. — Näheres über die
Lilienwente ſchreibt Dr. H. Dürre in ſeiner muſterhaften Ges
ſchichte der Stadt Braunſchweig.
Zu Nr. 4 Einbeck. Ein in meinem Beſitze befindliches
altes Hauptſiegel hat dieſelbe Darſtellung, wie das Secret v.
J. 1385. — Das gothiſche E. erſcheint auf Bracteaten und
ſpäteren Münzen der Stadt Einbeck faſt ausſchließlich.
Zu Nr. 6. Gandersheim. Das weiße Pferd im rothen
Felde iſt nicht das Braunſchweiger, welches erſt viel ſpäter im
Wappen der Herzöge erſcheint. Das hier abgebildete hat wohl
Bezug auf den Sachſen-Herzog Ludolf, den Stifter der Abtei
Gandersheim, weil die Herzoͤge von Sachſen der Sage nach
dieſes Wappen geführt haben ſollen. — In Harenberg hist.:
Gandersheim. Tafel 25 iſt ein Siegel der Stadt Ganders⸗
heim abgebildet, welches den Rückenſchild nebſt Hörnern eines
Hirſchkäfers zeigt: offenbar hat der Künſtler, welchem wohl ein
verwiſchtes Exemplar des Siegels b. aus dem 16. Jahrhundert
vorlag, den Topfhelm für das Rückenſchild und die Büffelhör⸗
ner für die Hörner eines Hirſchkäfers angeſehen.
Wie unzuverläſſig die Siegelabbildungen in älteren Bi:
chern find, zeigt in demſelben Werke die Tafel 36, wo das
Siegel eines Otto v. Hohenbüchen (de Honboken, de Alta
fago) abgebildet iſt, welcher nie exiſtirt hat. Harenberg hat
dem Anſcheine nach dieſes falſche Siegel aus Weſtphalen
Script. rer. Meklenburg. entnommen, um ſeine Kupfertafel
auszufüllen. Die Folgerungen für die Vorfahren der Edel—
herrn von Hohenbüchen, welche aus dieſem erfundenen Siegel
gezogen ſind, ſ. v. Ledebur Arch. f. d. Adelsgeſch. II. S. 182.
J. Grote Rörhr.
Aufs en
Bernd J. findet ſich die Notiz, daß Leyſer's „historia
comitum Ebersteinensium etc.“ zwei Gegenſchriften von
Conr. Barth. Behrens und zwei Vertheidigungsſchriften des
Verf. zur Folge hatte. Wie lautet der genaue Titel dieſer
Schriften, wie viele Seiten zählt jede derſelben?
Wie lautet ferner der wortwörtliche Titel und wie viel
Seiten, Tabb. ꝛc. zählen die Letzner'ſchen Stammbücher, die
Geſchlechter: Berlepſch, Daſſel, Kerſtlingerode, Maltzburg, Stein⸗
berg, Schwanring und Pleſſe betr., ſämmtlich im 16. Jahrh.
erſchienen?
Daſſelbe von den Genealogien Mollers, folgende Geſchlechter
betr.: Ahlefeldt, Baudiſſin, Brandt, Hapthauſen, Hieſten, Hol—
ſtein, Nettelbladt, Strefow, Zaum und anderer, ſowie von
Mollers Beiträgen zur Adelsgeſchichte?
II
„Exiſtirte außer der Familie von Köckritz noch ein an⸗
deres Geſchlecht, welches daſſelbe Wappen (3 goldene Lilien im
blau und filbernen Felde, Helmzierde 2 Büffelhörner in den-
ſelben Farben) führt, woraus ſich eine Stammesverwandtſchaft
herleiten ließe?“
„Giebt es außer dem Dorf Köckeritz bei Waida noch einen
zweiten Ort oder hat es einen ſolchen gleichen Namens ge
geben?“
Der Heimgang der edlen Geſchlechter Wal d-
ſtromer von Reichelsdorf und Beller
von Schoppershof.
Im Jahre 1748 beſtand nach Biedermann 's Ge⸗
ſchlechtsregiſter des hochadeligen Patriciats zu Nürnberg
daſſelbe aus nachfolgenden Familien:
1) die Herren Behaim Freiherrn v. Schwarzbach,
2) die Herrn Dietherr v. Anwanden, 3) die Herren
Ebner v. Eſchenbach, 4) die Herren Fürer v. Haimen⸗
dorf, 5) die Herren Geuder v. Heroldsberg, 6) die
Herren Grun dherr v. Alten thann, 7) die Herren
Gugel v. Diepolts dorf, 8) die Grafen, Freiherren und
Herren v. Haller zu Haller ſtein, 9) die Herren Hars⸗
dörffer v. Fiſch bach, 10) die Herren Holzſchu her v.
Asbach, 11) die Freiherren und Herren Im Hof, 12) die
Herrn Kreß v. Kreſſenſtein, 13) die Freiherren u. Her⸗
ren Löffelholz v. Colberg, 14) die Herren Muffel
v. Ermreuth u. Eſchen au, 15) die Herren Oelhafen
v. Schöllen bach, 16) die Herren Peller v. Schoppers⸗
hof, 17) die Herrn Pfinzing v. Henfenfeld, 18) die
.
letzte
14
Herren Pömerv. Diepoldsdorf, 19) die Herren Sche url
Defers dorf, 20) die Herrn Stromer v. Rei⸗
chenbach, 21) die Herren Hack v. Suhl gen. v. Thill
22) die Herren Tu cher v. Simmelsdorf, 23) die Her⸗
ren Volckamer v. Kirchen⸗Sitten bach, 24) die Her⸗
ren Waldſtromer v. Reichels dorf, 25) die Grafen,
Freiherren und Herren v. Welſer.
Von dieſen 25 Familien ſind im vorigen Jahrhundert
noch 2 erloſchen, und zwar ſtarb in der zweiten Hälfte deſſel—
ben Herr Guſtav Gabriel Hack von Suhl genannt von
Thill, Pfleger zu Betzenſtein, als der letzte feines edlen
Geſchlechtes, und am 10. März 1764 erloſch die altadelige
Familie der Pfinzing mit Herrn Johann Siegmund Pfin-
zing von und zu Henfenfeld, Gründlach, Reutles
und Kirchen-Sitten bach, Reichsſchuldheiß und Caſtellan.
Im Anfang dieſes Jahrhunderts gingen die Gugel v.
Diepolds dorf aus, dann folgte den 18. März 1814 Ge⸗
org Friedrich Wilhelm Pömer von Diepoldsdorf als
der letzte ſeines altadeligen Geſchlechtes, und am 27. November
1819 wurde Herrn Johann Friedrich Martin Dietherr v.
Anwanden Helm und Schild ins Grab gegeben.
Fünfundzwanzig Jahre ſpäter berührte der Todes-Herold
den Wappenſchild eines der älteſten und vornehmſten Geſchlech—
ter des Nürnbergiſchen Patric iats. Am 10. Auguſt 1844
ftarb zu Fürſtenfeld Ale van der von Waldſtromer,
Hauptmann bei der dortigen Königl. Bayriſchen Kommandant⸗
ſchaft des Invaliden-Hauſes als der letzte dieſer adeligen Fa—
milie. Die Wal dſtromer waren ſchon im 12. Jahrhun⸗
dert des Heil. Römiſchen Reichs Erb-Obriſt-Forſt⸗ und Jäger⸗
meiſter und ſogar mit den Burggrafen von Nürnberg ver—
wandt,, waren auf den Turnieren als berühmte Renner und
Stecher bekannt, und ſchon im 15. Jahrhundert als Cavaliere
an dem kaiſerlichen, dem ungariſchen und böhmiſchen Hofe zu
treffen. Großer Grundbeſitz ſtand denſelben an, und ſchrieben
ſich dieſelben auch im Laufe der Zeiten von circa 20 der be—
deutenſten Burgen, Schlöſſern und Landgütern. Sic transit
gloria mundi.
Abermals nach einem Vierteljahrhundert wurde der Ge—
nealoge tief betrübt durch den Heimgang eines ebenfalls
ehrwürdigen altnürnberg'ſchen Adels- und Patriziergeſchlechtes:
Am 15. Auguſt 1870 wurde mit Helm und Schild, begleitet
von vielen Gliedern der noch blühenden Patrizier-Fami⸗
lien, der Garniſon Nürnbergs und den zur Heilung dort an—
weſenden deutſchen Kriegern mit 3 Ehrenſalven Herr Chris
ſtoph Carl Friedrich Peller von Schoppershof, Königl.
Bayr. Hauptmann im 2. Infanterie-Regiment, in die Famili⸗
engruft geſenkt. Er ſtarb, würdig ſeiner Vorfahren, als der
Peller, an ſeinen in der Schlacht bei Wörth erlittenen
mehrfachen Verwundungen den Heldentod.
Wenn auch der ſo ritterliche Ausgang einer edlen alten
Familie, in ſofern wir uns dem Schickſalsſpruch in Demuth
unterwerfen, einiges tröſtliches an ſich hat, ſo iſt der Schmerz
bei dem Gedanken nicht ganz zu vermeiden, daß hier ein Ger
ſchlecht verenden mußte, welches noch allen Anſpruch auf ein
fröhliches Gedeihen hatte. Friedrich v. Peller war in der
Blüthe feines Lebens, erſt 29 Jahr alt, geſund und kräftig.
als tapferer Offizier vom Feldzug 1866 her, in welchem er
auch ſchon verwundet wurde, in der bayriſchen Armee anerkannt,
und noch überdieß nicht allein im Beſitz eines bedeutenden
Vermögens, ſondern auch, was heut zu Tage ſo ſelten iſt,
15
maligen reichsritterſchaftlichen Beſitzungen in den Rittercantonen
Rhön und Werra.
Der letzte männliche Sproß des Geſchlechts war der Kgl.
Bayr. Lieutenant im 6. Chev.-Leg.⸗Regt. Johann Carl Leo
Joſeph Auguſt Donat Freiherr H. v. E., welcher in Folge
eines forcirten Rittes farb. (Vgl. „D. Herold“ Nr. 11.)
Sein Vater war Philipp Freiherr von H., ſeine Mutter
Mathilde gb. Freiin von Syberg-Süinmern; — noch lebt eine Toch—
ter derſelben. Adelheid, verm. Freifrau Lochner von Hüttenbach.
Wappen: In G. drei r. Roſen mit g. Samen. Helm:
ein g.⸗ geſtülpter r. Turnierhut mit fünf (2— 3) ſch. Hahnfe⸗
dern oben beſteckt. Decken: g.r.
N Peller von Schoppershof.
Martin P., ſtammend aus Feld—
kirchen in Vorder-Oeſtreich, kam
1582 nach Nürnberg und erhielt
d. d. Prag 8. Januar 1588 den
R.⸗Adelſtand mit „v. Schoppershof.“
In Bayern wurden immatriculirt:
Johann Wilhelm Chriſtoph P. v. S.,
Kgl. Bayr. Caſſirer am Leihhaus⸗
amt in Nürnberg, und ſpäter deſſen
Brudersſohn (Karl Guſtav Chriſtoph) der Kgl. Bayr. Haupt⸗
mann Chriſtoph Gottfried Wilhelm (geb. 1789). Wahrſcheinlich
iſt dieſer der Vater des letzten P. v. S., welcher im jetzigen
Kriege den Heldentod ſtarb. (Vgl. „D. Herold“ Rr. 1
Wappen: Getheilter Schild; oben in G. ein ſchreitender
ih, Steinbock, unten in R. eine w. Schleife. (Sparren.) Aus
ſeines Stamm- und Herrenſitzes Schoppers hof. Und ſo
bleibt uns nichts übrig, als dem Herold mit Wehmuth nachzu—
rufen:
„Heute Peller und nimmer mehr!“
Von dieſen letztgenannten Patrizier-Familien fügen wir
die Ahnentafeln ihrer letzten Heimgegangen an. Beide, Alex—
ander von Waldſtromer und Friedrich von Peller,
ſtiegen, ebenfalls eine Seltenheit in unſerer Zeit, mit ihren je
16 vollbürtigen Ahnen in das Grab.
Oskar v. Schellerer a. d. H. Pettendorf
Königl. Bayr. Kammerherr und Oberpoſtmeiſter.
|
|
|
Die im Kriege erloschenen Vayriſchen Ge-
ſchlechter Heußlin von Euſſenheim und
ö
|
Beller von Schoppershof.
Heußlin von Euſſenheim.
Unter dieſem Namen iſt Adam Jo⸗
ſeph Marie Valentin Donat, vor—
mals F. Würzburgiſcher Domcapi—
tular ꝛc. in Bayern als Freiherr
immatriculirt worden. (29. März
1819.) Das Geſchlecht iſt uradlig,
ſtammt aus Franken und kommt
daſelbſt als Heußlin ſchon um das
Jahr 1100 urkundlich vor. Im 14.
Jahrhundert erwarben ſie das Marſchallamt des Stifts Würz— b b .
burg und Herzogthums Franken, und bald darauf das Gut der Helmkrone wächſt der ſch. Bock zwiſchen zwei ſchräg aus⸗
Euſſenheim im Landgericht Karlſtadt, wonach fie ſich ſeit der | wärts \/ getheilten Büffelhörnern, rechts Sch. über G., links
Zeit ſchrieben. Die Immatrieulirung gründet ſich auf die vo- W. über R. Decken: g.⸗ſch., w. ⸗r. Gr.
Betreffend die in Nr. 2 des „Deutſchen Herold“ unerörtert geblie—
bene Anfrage, das Wappen der Familie Brunkow angehend,
re
Vermiſchtes. |
er | iſt der Unterzeichnete jetzt in der Lage, daſſelbe a einem er
N 3 lichem Wappenbuche zu beſchreiben. Daſelbſt iſt der Name: Brung⸗
Die letzten Standeserhebungen im alten ko w geſchrieben, und es zeigt in einem ſilbernen Felde einen ſchwarzen
deutſchen Reich Widderrumpf, deſſen Gehörn von Schwarz und Gold gewunden iſt
Es dürfte vielleicht gerade in der Jetztzeit nicht unintereſſant
|
und welches die Enden in die Höhe kehrt. Auf dem Helme ein
ſchwarzfilberner Wulſt, 0 welchem drei grüne Pfauenfedern ſtehen.
Decken: ſchwarzſilbern. (“ ielleich N it den Be⸗
fein, die letzten vom Deutſchen Kaiſer vollzogenen Reichs-Standeserhe⸗ 1 dorf) jj a ee
bungen kennen zu lernen, zumal es unter den jetzigen Verhältniſſen Ferner ad Anfrage VII. (aus derſelben Quelle:)
nicht unmöglich iſt, daß die nächſte Zukunft uns ſolche Erhebungen Die Familie v. d. Liepen oder Liepe im Brandenburgiſchen
wieder bringt, ſodann aber auch weil mehrfach Unrichtiges über die führt einen doppelſchweifigen linksgewendeten ſilbernen Löwen im
in Rede ſtehende Frage verbreitet iſt. ö 1 rothen Felde. Auf dem Helme ein rothſilberner Wulſt, darauf 3 Strauß—
Am 6 Auguſt 1806 legte bekanntlich Kaiſer Franz II. die federn rotb, ſilbern, roth. Decken: rothſilbern.
deutſche Kaiſerkrone nieder. ' n f Ebendaſelbſt iſt das Wappen einer Familie v. Hagemeiſter
Am 23. Juli deſſelben Jahres unterzeichnete er die letzten Reichs- folgendermaßen erwähnt: Getheilt von Roth über Silber, oben zwei
Erhebungsdiplome, laut welcher die Familien v. Grenus und Par⸗ filberne Sterne übereinander, zwei Spitzen aufwärtskehrend (ſechs⸗
tenſchlager v. Sonnenthal in den Reichsfreiherrnſtand erho⸗ ſtrahlig) unten aus grünem Boden an grünem zweiblättrigen Stiele
ben wurden, wohingegen der Reichsadelſtand den Familien Heymann, wachſend eine rothe Roſe. Auf dem rothſilbernem Helmwulſte drei
Hinsberg, Melzenheimer, Reichart, Rein, Rößler, See⸗ rothe Roſen an grünen Stielen mit je zwei grünen Blättern wadh-
deck gen. Querfel d, und Winckler zu Theil wurde, letztere ſend, und zwar die beiden äußeren je außen mit einem großen, innen
alle bis dahin bürgerliche Familien. Somit wurden an ein⸗ und dem mit einem kleinen Blatte, die mittlere mit 2 kleinen Blättern. Zwi⸗
ſelben Tage die letzten Reichsfreiherren⸗ und Adelsdiplome verliehen. | ſchen den Roſen je pfahlweis übereinander zwei filberne Sterne.
Die letzte Reichsgrafenſtands⸗Erhebung geſchah an den Grafen Des⸗ Decken rothſilbern.
en fans d'Avernas laut Diplom vom 13. April 1805, und der Berlin, Dezember 1870 M. Grigner, Lieut.
letzte deutſche Reichsfürſtenſtand wurde der Familie Traut manns
Heraldiſche Bibliographie.
dorff laut Diplom vom 12. Januar deſſelben Jahres 1805 zu
Theil, wenn man die am 9. April 1806 den Linien Reuß zu Schleiz,
Durch die Buchhandlung von Mitfcher und Röſt ell, Berlin,
Leipzigerſtraße 129, iſt zu beziehen:
Köſtritz und Ebersdorf, am 5. Juli ej. a. der Linie Lobenſtein
verliebene Erhebung in den Reichsfürſtenſtand in ſo fern nicht rech⸗
v. Kalckſtein, Robert der Tapfere, Markgraf von Anjou, der
Stammvater des kapetingiſchen Hauſes. Berlin. 28 Sgr.
net, als in deren Familie früher ſchon dieſe Standesvorzüge, nur
für andere Linien, gekommen waren. — X.
Klempin, die Exemption des Bisthums Cammin. Stettin.
123 Sgr. b
Krieger, die Burg Hornberg am Neckar. Beſchreibung und
Geſchichte aus urkundlichen Quellen. Heilbronn. 15 Sgr
v. Kyau, Familiengeſchichte des Geſchlechts v. Kyau. Leip⸗
2 Thlr. 20 Sgr.
Lehr, L' Alsace noble. 3 vols. rel. Straßburg. 64 Thlr.
Lehr, Seigneurie de Hohengeroldseck. Straßburg 20 Sgr
Lehr, les dynastes de Geroldseck-es- Vosges. Straßburg. 20
Sgr.
i Lorent, Wimpfen am Neckar. Geſchichtlich und topographiſch
nach hiſtor. Mittheilungen und archäolog. Studien dargeſtellt. Stutt—
dark. 2 Thi „
Luchs, ſchleſiſche Fürſtenhäuſer des Mittelalters
a 10 Sgr. Breslau. —
Luſchin, Zur öſterreich. Münzkunde des 13. und 14 Jahr⸗
hunderts. Wien. 12 Sgr.
Maggiulli, monografia numismatica della provineia d'
Otranto. Lecce.
Maiorca Numismatica contemporanea Sicula.
Thlr. 20 Sgr.
v. Mayerfels,
zig
5 —12. Heft
Palermo. 1
Doppel⸗Adler und Schwarz-Gold⸗Roth.
München. 10 Sgr. g f |
Morbio Opere storico-numismatiche. Bologna. 4 Thlr.
5 Sgr.
v. Mülverſtedt, die Münzen der ehemaligen freien Reichs—
ſtadt Nordhauſen. Quedlinburg. 15 Sgr.
Newald, Geſch. v. Gutenſtein in Nieder-Oeſterreich. 1. Theil.
Wien. 1 Thlr. 10 Sgr
Oertel, d. Jahr. 1869. 13. Nachtrag zur 2. Auflage der
Genealogie des 19. Jahrh. Meiſſen. 10 Sgr.
Oeynhauſen, Gr. v., Geſch. des Geſchlechts von Oeynhauſen.
1. Theil: Regeſten und Urkunden von 10361605. Paderborn. 2
Thlr.
Palliser, historie
London. 7 Thlr. 21 Sgr.
Pallmann, zur Geſchichte der deutſchen Fahne und ihrer Farben.
Berlin. 5 Sgr.
Pyl, pommerſche Geſchichtsdenkmäler. 3. Band. Greifswald.
1 Thlr. 10 Sgr.
Quellen zur Geſch. d. Stadt Cöln. 4. Bd. Köln a. Rh. 5
Thlr 20 Sgr.
Reichskleinodien, die Deutſchen zur Kaiſerkrönung. Hiſtor.
Nachweis und Beſchreibung derſelben, nebſt color. Abbild. Berlin.
6 Sgr.
Rei iquiae tabnlarum terrae regni Bohemiae anno M. D. XLII.
igne consumptarum ed. Emler. tom. I. vol. 1—3. Prag. a 1 Thlr.
Ricca, la nobilitä delle due. Sieilie Liefr. 42. Neapel. 1
devices, badges and war — eries.
Thlr.
Rohde, Die Münzen des Kaiſers Aurelianus und ſeiner
Frau Severina. Römiſche und griechiſche Prägungen. Weißenſee.
15 Sgr.
v. Sallet, die Daten der alexandriniſchen Kaiſermünzen.
Berlin. 24 Sgr.
v. Saurma⸗-⸗Jeltſch, Frhr.
Städte. Breslau. 4 Thlr.
(Fortſetzung folgt.)
Wappenbuch der ſchleſiſchen
Titeratur.
Heraldiſch⸗geuealogiſche Zeitſchrift, Organ des
heraldiſchen Vereins „Adler“ in Wien.“ 1. Jahrgang
Nr. 1. — 12 S. Quart mit Holzſchnitten. Prän.⸗Preis
für Vereins mitglieder 2% Thlr., für Nichtmitglieder
45 Thlr.
Bereits in einer früheren Nr. d. Bl. haben wir unſere Leſer
auf das bevorſtehende Erſcheinen dieſer neuen Fachzeitſchrift aufmerf-
ſam gemacht; von derſelben iſt nunmehr die hiermit angezeigte erſte
Num mer erſchienen. Der Verein „Adler“ hat uns gütigſt eine ſo
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R.⸗B. Magdeburg.
16
reiche Anzahl Exemplare derſelben zur Verfügung geſtellt, daß wir
in den Stand geſetzt ſind, den meiſten unſerer geehrten Abonnenten 1
Exemplar beizulegen. Näheres über den Inhalt zu ſagen, iſt daher
nicht nöthig; derſelbe iſt ebenſo intereſſant und vielſeitig, als die
Ausſtattung elegant. Wir empfehlen die Zeitſchrift allen Intereſſen⸗
ten augelegentlichſt. Probenummern find auf frankirte Anfragen
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v. Th. Oelsner. Bd. 1—8. Glogau und Breslau 1862-69.
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Inhalts- Verzeichniß.
Protokoll. — Seinsheim und Schwarzenberg. — Die
Hausgenoſſen. (Schluß.) — Deutſche Städtewappen. (Fortſ.)
— Bemerkungen dazu. — Anfragen. — Die 1 Geſchlechter
Waldſtromer, Peller und Heußlein. — Vermiſchtes. — Biblio⸗
graphie. — Literatur. — Anzeigen.
Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
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|
|
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Chriſtoph Gottfried Chriſtoph Gottlieb Wilhelm Georg Friedrich Maria Philippine Sigmund Friedrich Freyherr Maria Sophie Clara
N Helene Catharina Kurtenbach Margaretha Clara Zehaim v. Schwarzback
Peller von Schoppershof, a n Scheidlin Zehaim von Schwarzbach, Kreſ v. Kreſſenſtein, ah Kreß von Kreſſenſtein,
5 nchen W Ebner v. Eſchenbach, f Reichenſchwand, Oberndorf und 4 ra er 1 2 Alter Bürgermeiſter
Nürnberg'ſcher Ober-Zoll- und Waag⸗ 8 auf Reich 10 bern verm. den 25. Mai 1762 4 d. 10. Aſſeſſor am Unter⸗Gericht, geb. den | geb. den 1. September 1743, verm. der Reichsſtadt Nürnber geb. den 15. Auguſt 1755, verm. d.
Amtmann, geb. den 24. März 1733, verm. den bag Nes 1735 1 f Mär; 1776. 9. November 1737, + den 14. Juni den 31. Auguſt 1762, + den 23. eb de A Au ust 1749 17. Auguſt 1773, + den 9. Januar
geb. den 16. Februar 1723, 7 den | 21. Mai 1753, + den 5. März 1782. geb. den 2. eh 172 + den 14. 3 . 1767. Februar 1820, 9 1 den 20. 2 il . 1821.
22. December 1775. Mai 1782. 20. Ap 23. |
—— Tr — —ůů —— — — — — —— . D
Maria Magdalena Wilhelmina Carl Friedrich Maria Friederika Salome
Carl Guſtav Chriſtoph von Kurtenbach auf Neichen- en“ Freyin
Peller v. Schoppershof, ſchwand, 5 v. 2 ehaim, RE v. Behaim,
17. October 1764 + den geb. den 9. Mai 1764, verm. d. 13. Stadt- und Ehegerichts⸗Aſſeſſor, geb. den 5. December 1774, + d. 14.
. Nr: 1802 f Auguſt 1787, + den 18. December geb. den 29. April 1765, f den 11. Mai 1845, verm. den 28. Februar
u; 5 1815. März 1833. 1792.
— —— — ——— nn
Chriſtoph Wilhelm Gottfried Sophie Marie Friederike Caroline Freyin von
f 8 Peller von Schoppershof, Zehaim,
Königl. Bayer. Oberſt, geboren den 11. November 1802, vermählt den 2. Mai
geboren den 19. April 1789, 7 den 1859. 1822.
Chriſtoph Carl Friedrich
Peller von Schoppershof, 5
Königl. Bayer. Hauptmann im 2. Infanterie⸗Regiment,
geboren den 12. Januar 1841, F den 15. Auguſt 1870 an ſeiner in der
chlacht bei Wörth erlittenen Verwundung als der letzte ſeines edlen
Geſchlechts.
Beilage zu Seite 14.
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SS 2385 S 338,55 53228. S 38.8
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22-8 8 4 7
8 8 8
Sabina Dorothea
Dietherr
zu Schwaig,
Chriſtoph Jacob
Waldfiromer
von Reichelsdorf zu Schwaig,
geb. den 26. October 1701, F den
N 13. Mai 1764, ber
w. Rath u. dritter obriſter Hauptmann. Juli 1738.
——— — —-— —
Chriſtoph Wilhelm
von Waldſtromer,
geb. den 15. Juni 1729, 1 den 21.
Juli 1810. Reichsſchultheiß.
geb. den 14. September 1695, verm. Senator und vorderſter Rugsherr,
den 16. September 1727, + den 24. geb. den 10. März 1705, + 1771
„ 22 2 we 2 8 . *
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Carl Alexander Bien Backaen Johann Carl ARE ah Carl Chriſtoph Maria Philippina
Suſanna Maria .
Grundherr Wi Grundherr Kreß von Kreſſenſtein Volkammer
Minkler Gref
Imhof, 3 A 2
von Altenthann u. Weyerhaus, Mohrenfels von Altenthann, i Imhof, auf Räzelsdorf, Kaſtenamts⸗Pfleger von Kirchſittenbach,
de mom, Kriegs- Obriſt b. den 9. Februar 1703, verm. d i ). Decem
geb. den 8. Januar 1712, verm. den i riegs-Obriſt, geb. den 9. Februar 703, verm. d. zu Engelthal, geb. d. 10. December 1704, verm. d.
7 12. Juni 1731, + 1764 d. 3. April. geb. den 4. Auguſt 1690, F den 18. | 10. Auguſt 1728, + d. 6. April 1735. geb. den 4. Nov. 1697, + den 23. 5. October 1723, + 1754 den 23.
den 28. März. ö Juni 1760. April 1754. April.
. — —e —
) von Altenthann und Weyerhaus,
geb. den 8. April 1732, verm. den
26. April 1754, + den 23. Dez. 1786.
Anna Maria
Grundherr
— — , pp ——
Carl Alexander
von Waldſtromer,
7, + den 16. Auguſt 1834
Aſſeſſor a. D. des Stadt⸗
geb. den 30. Janne
als Reichsſtadt⸗ Nürnberg.
1 und Ehegerichts.
. 5ꝛ.- 1
Chriſtoph Carl
Grundherr von Altenthann,
Aſſeſſor am Stadt⸗ und Ehegericht,
geb. den 16. Juli 1729, + den 21.
Mai 1775.
1 ‚
. —— ————
Anna Maria
Kreß von Kreſſenſtein,
geb. den 19. Mai 1733, verm. den
7. November 1758, + den 21. No⸗
vember 1768.
Anna Maria
von Grundherr
auf Altenthann,
geb. den 9. Auguſt 1761, + den 31. März 1836,
verm. den 16. November 1784.
— — —ññññ -. rr
Chriſtoph Carl Alexander
von Wald ſtromer,
geb. den 29. October 1787, + den 10. Auguſt 1844 zu Fürſtenfeld
als königl. bayr. Hauptmann bei der Commandantſchaft des Invaliden⸗
hauſes — der letzte ſeines altadelichen Geſchlechtes.
|
Beilage zu Nr. 2 des „Deutſchen Herold.“
17
Matrikel. ortſetzuug“)
&
ahr Datum
Jahr] Datum | 1
Aa er
des Diploms.
amtl.
Public.
1661 | 15. Oct.
„ 15. Oct.
[7 15. Oct.
1662 | 4. Apr.
7 4. Apr.
1662 3. Sept.
Mm 2: Nov.
„ 20. Dez.
166320. März
„ T7. Mai
Name.
Heiden.
Los.
Wylich und Lottum.
Spaen.
Sparr.
Ludwig(s).
Siebert (nicht Seibert)
von Cronenfels.
Schlieben (Linie Bir⸗
kenfeld; + 1816).
Derſchau.
Kalau vom Hofe.
Krinz.
Drachſtedt.
(Hellmich) v. Gottburg.
Scharff von Werth.
Schnürling von
Aweyden.
(Die erſte
bekannte
Kurbrand.
Inhalt Diplom
des 2%
Diploms. THE
an. Frh. Georg v. H.
beſt. Frh.
an. Frh.
Gefreieten.
Lottumb.
an. Frh.
beſt. Frh.
Alex. v. S.
vgl. nebenan.)
an. A. Peter L., Kurbrand. Neu⸗
märk. Amts⸗Kammerrath.
an. A. Casp. S., Major.
an. G. Joh. Dietrich v. S.
ren. A. Reinhold Derſchow.
u. Wb.
A. Kurbr. Rath und Geh.
Extrak⸗
tion.
A. Gebr. Th., Joh. u. H. Kr.
an. A. || Diverfe Brüder u. Bet:
tern von Drachſtet.
A. || Oberfil. der Artill. An;
dreas H. als „v. G.“
beſt. A. Gebr. S. v. W.
beſt. A. Fr. S. auf Molſehnen
(Königsb. i. Pr).
Die Nachkommen des
Joh. Sig. v. Willich zu
Kurbr. Gen.⸗Feldm.
Alex. v. S., Reg.⸗Rath,
Gen.⸗Wachtmeiſter, Käm⸗
merer und Landdroſt.
(Vielleicht muß es hier:
Otto Chriſtoph heißen,
Lehnsſekr. Fabian K. v. H.
Wappen. | Bemerkungen.
Siebm. III. 44. Afrh. d. d. 13. 9. 1655 für 3
Gebr. v. H.
Rfrh. d. d. 20 10. 1629 für
Degenhardt Bertram v. L.
4 Felder mit Spaniſcher Frh. d. d. 1. 7. 1608
Hz. (D. Kreuz) für denſelben.
+ Stw., 3
Schildchen u
3 Lilien, 3
Helme. f
Köhne II. 64. R. Frh. d. d. 25. 5. 1661
für denſelben.
7 R. Frh. d. d. 25. 5. 1661 für
denſelben (ſo nach Led. Archiv
I. 341). Nach meiner (unmaß⸗
(gebl. Meinung iſt dies eine
wahrſcheinlich durch undeutliche
Schrift entſtandene Verwechslung
mit der vorigen Familie (v.
Spaen); die Sparr's waren
früher ſchon Freiherren, denn
der Kurbr. Generalfeldmarſchall
Otto Chriſtoph Frh. v S.
r bereits 1668; jedenfalls wäre
die gleiche Charge und Name,
gleiches Reichsfreiherrn⸗ und An⸗
erkennungs⸗Diplom an einem
Tage ein wunderbares Zuſam⸗
mentreffen.
Kaiſ. Renov. d. d. 26. Auguſt
1661 für denſ. Derſelbe wurde
13. Aug. 1668 nach dem Kam⸗
mergericht empfohlen.
A. mit „v. C.“ für denſ.,
d. d. 19. 12. 1661.
R. Grf. d. d. 11. 1. 1660 für
denſelben.
R. A. d. d. 15. 12. 1602 für
denſ. u. Brüder Bernh. u. Joh.
Das Diplom iſt doch wohl nur
eine Anerkennung des Adels?!
obgleich die folgende Erhebung
dafür ſpricht, daß mit dem Jahre
1663 die Extractionen bei Kur⸗
brandenburg begonnen haben.
Hallenſer Pfännergeſchlecht. Auch
Chr Fr. v. D., Hallenſer Pfän⸗
nere, rhielt v. K. Fr. I. (wann ?)
eine Anerkennung.
Köhne III. 30. 1
Berndt !. Tab.
EXRV.
Köhne ll. 91.
Köhne 1.1.
Köhne J. 89.
Köhne III. 4.
Köhne III. 52.
Köhne III. 74.
Köhne III. S.
7 R. A. für dieſelben (wann?) (Be⸗
reits Hans S. v. W. 1537 R. A.)
Köhne IV. 53. Vgl. Led. 11. S. 390
oben sub Schnürling.
R. A d. d. 18. 5, 1579 für
Joh. S. auf Aweyden (übrigens
nicht zu verwechſeln mit den
Herren v. Aweyde (Wappen:
Stierrumpf) ebenfalls in Oſt⸗
preußen begütert,
Jahr | Datum
des Diplome.
1664 22. Apr.
1665 | 18. San.
13. Juni
9. Nov.
21. Febr.
8. Nov.
1. Febr.
17. März
24. Apr.
15. Juli
(alias 22
Febr.
25. Juli
12. Febr.
20. März
5. Apr.
5. Aug.
14/24.
Jan.
30. März
26. Juli
(5. Aug.)
27. Juli
Kalſow. |
Enckevort. A.
Heiſter. 1. Frh.
N Rehberg. beſt. A.
atum
u. Jahr
der
amtl.
ꝙCͤcV%ĩl ]1]ʃ¼.,!l!.! . 8
Diplom
Name. Wappen.
Diploms. für
al: Chriſtian K. Köhne III. 62.
Daniel Enckevort, kurbr.
Gen.⸗Proviant⸗Meiſter u.
Oberſalzfaktor.
Gottfried v. H., kaiſ.
Feld⸗Marſchall⸗Lieut.
Amtmann C. G. Rehe⸗
berg zu Neuhoff.
Joh. v. N., Landeshaupt⸗
mann von Samogitien.
Köhne III. 14.
? (St.⸗W.
mit Sonne.)
lauf. Reh.
Näheres fehlt.
Led. II. 146.
Neuſtadt. .
Wilh. Thomas Q. v.
Hüchtenbruch zu Wykradt.
Quadt-Hüchtenbruch. an. Frh. Köhne II. 55.
A. Kurbrand. Hof: u. Leg.
Rath Andreas.
Achatz v. S
Kurbr. Geh.⸗R. Stier
Joh. Jae. v. C. .
Conrad Oscar. Grote B.
Siebm. S
IV. 18.
Khöne IV. 90.
Wichert. Köhne IV. 91.
Schulenburg (Lie an. Frh.
beroſe.)
Cratz.
Marenholz.
An., .
an. Frh.
Braunſchweig. an. Ganze Familie.
Mudersbach. Joh. Wilh. v. M.
richter.
Andreas v. C., Kurbrd.
Kamm.⸗Ger.⸗Rath.
Mich. Leersz, Pfalz⸗
Neuenb. Geh.- u. Kammer⸗
Rath.
Joh. Frh. v. H. (ſeit
1. 12. 1654) Erbtruchſeß
der Kurmark.
Joh. D. kurbrand.
Capitain.
Joh. B, kurbrand. Sekt. aufge:
Oberſtlt. richteter Bär.
kurbrand. Oberſt der 1
Artillerie.
Ernſt, nat. Sohn des
Herzogs Ernſt Bogus⸗
lav v. Croy⸗Arſchot und
der Dorothea Levins, als
„v. Croyengreiff“
Joh. Philipp v. Z.
an.
Coſſel.
an.
Leers. conf. A.
Hoverbeck. an. Frh. Köhne II. 41.
Köhne III. 4.
Dennemark. an. A.
Berents. A.
Bruſtorf v. Schohrdt.
Croyengreiff. Köhne III. 1.
Zweiffel.
Bachſtein von Fran⸗
ckendorff.
Led. 1. 29.
Kanzler Elias Michael
B.
B.
. auf Lieberoſe Gev. v. St.⸗W.
Sab
Land⸗ Siebm. l. 133.
Köhne II. 100.
Köhne III. 82.
Siebm. 1. 121.
Bemerkungen.
R. A. d. 30. 1. 1635 für
denſelben ct 20. 11. 1636.)
R A. als „v. E.“ (die Abſtam⸗
mung von der älteren Familie
unerwieſen präſumirend) für
Daniel Ingkefort.
R. Frh. d. d. 24. 7. 1664 für
denſelben.
R. A. d. d. 27. 1. 1661 für
at
Nicht 6. 3. 1660; im Diplom
ſteht, daß er einem adl. Ge⸗
ſchlechte A Grafſch. Mark ent⸗
ſtamme Doch gab es dort nie⸗
mals Familien d. N. Er erhielt
auch d. d. 20. 4. 1673 eine k.
polniſche cas reſp. Re⸗
ception in d. poln. Adel.
R. Frh. d. d. 14. Febr. 1664
für 5 1 Thomas Q. v WB
Joh. Ad. Q. von L. u. Wilh.
Rolemann Q. zu Meiderich.
Eine Renov dieſer Familie
ſ. 19. 10. 1804.
‚Sch. d. d. 21. 3. ejd. für
denſelben.
A. d. d. 25. 2. 1662 für
denſelben.
t. Frh. d. d. 26. 15 1667 für
e (auch 2. 11. 1682 für
ſeine Brüder
Anerk. v. 1. 7. 1570.
R.
Kaiſ.
R. Ritterſtand d. d. 5. Aug. 1646
für deſſen Vater.
A. 23. 3. 1667 für denſelben.
d. d. 20. 8. 1663
denſelben.
für
R. A. d. d. 5. Juni 1661 1 für
. ey er chohrdt“
1.
R. A. d. d. 27. 6. ej. für
denſelben. mit „v. F.“
Datum
Diplom
| Jahr Datum u Tah Inhalt
ö — der Name. des 10
| des Diploms. . Diploms. für
| 1671 a Sept. du Plessis-Gouret. | an. N. | Iſaac, kurbrd. Oberſtlt.
u. Indi⸗
; genat in
| Kurbrd.
Det Venediger. an. A. Wolf Heinr. v. V.
1672 22. Jan Sparr. beſt. G. | Georg Fr. Grf. v. S.
„eben Aug Boyen. A. Andr. B. Poln. Kam⸗
merherr.
„ Megelin von Wieſen⸗ A. Joach. Fr. M. k. Poln.
Oct. feld. 5 Oberſtlieut. mit „v. W.“
1673 | A. Juli Syberg zum Buſch. an. A Linie zum Buſch.
ei dv. Werminghauſen. conf. A. Linie zum Kluſenſtein.
„ 19. Dez. Lippig. N A. Gebrüder G. Fr., Capi⸗
tain u. Paul, Lieut. in
kurbrd. Dienſten.
1674 26. Juni Derfflinger. an. Frh. Georg v. D., kurbrd.
Feldm.
1675 14. Apr. Plotho. an. Frh. 4 Gebr. Frh. v. P. u.
Engelmünſter.
„ 48 Juni Henning von Treffen A. Joachim H. mit „v. T.“
feld. als Oberſt der Cavallerie.
167614. Febr. Pöllnitz. conf Frh. G. B. Frh. v. P., Gen.⸗
s Maj u. Oberſtallmeiſter
und H. Ch. Frh. v. P,
Oberſt und Gouv. von
| Lippſtadt.
„ 8. März Weber. beſt. A. David W.
1877 12½2. Frieſendorf. an. A. Arn. H. von Freſendorf.
März
1678 | 8/12. Meere. an. Frh.] Georg Joh. zu Wallen-
Jan. burg.
Det. Ruhenſtein. beſt. Ws Tochter des Kaufmann
b. 14. Dez. A. Rauen, Frau des Hans
Ad. v. Saldern.
1679 12. Febr. Heuſinger von beſt. A. 3 Gebr. H. v. W.
(nicht Waldegg.
27 2
1678.)
a ER.ND, Schimmelpfennig. an. A. Ludwig v. S.
März |
680 16. Jan Hanenfeld. an. A. Paul W. v. H., fürſtl.
Radziwill'ſcher Capit.⸗
Lieut.
„15. Mai Burgsdorff. conf. A. Fr. O. v. B., Pfälz.
Kammerherr, Oberſt u.
j Comm. v. Düffeldorf.
15 23. Dez. Pötter. an. A. Jacob v. P., kurbrand.
A Rath und Amtmann zu
16810 Draheim.
1681 vacat.
Wappen.
Köhne IV. 21.
Köhne IV. 81.
Köhne II. 2.
Köhne II. 89
das W. ohne
Hz.
Köhne III. 97.
Siebm. II.
115.
Siebm. II.
11.
Köhne III. 87.
Köhne II. 33.
Siebm. Supp
1. 2, mit Herz⸗
ſchild worin
Hirſchrumpf.
Köhne II. 77.
(sub J.)
Köhne II. 53.
Led. III. 85.
Led. J. 235
6 r. Lilien
3% 2, ine
2
Köhne IV. 85.
Köhne IV. 47.
Köhne III. 30.
Siebm. 1. 178.
Köhne IV. 22.
Bemerkungen.
„Des alten Adels behufs Auf⸗
nahme in den böhm. Ritter⸗
ſtand.“
R. Grf. d. d. 23. 10. 1670
für denſelben.
vgl. die der Familie d. d. 18. 1.
1701 und 12. 7.
1705 ertheil⸗
ten Diplome.
R. Frh. d d. 10. 3. ejd. für
denſelben.
R. Frh. für deren Vater
Wolfram v. 13. Sept. 1673.
Wegen großer Auszeichnung in
1
der Schlacht bei Fehrbellin.
R. Frh. d. d. 9. 2. 1670 für
denſelben.
R. A. d. d. 19. 8. 1671 für
denſelben.
laut A. C. O. an die Cleve'ſche
Regierung gerichtet.
R. Sch. d. d. 1635 für deſſen
Vater.
R. A. als „v. R.“ für dieſelbe
D. d. . (1006
R. A. d. d. 10. 6. 1651 für
dieſelben.
R. A. d. d. 11. 2. 1677 für
denſelben.
20
Inhalt
Jahr tur In i
8 u Scbe Name. des e Wappen. Bemerkungen.
des Diploms. Diploms. für
1682 | 16. Jan. Vieregg. beſt. A.] Sophie Hedwig. Tochter [v. Vieregg R. A. d. d. 10. 12. 1677, als
Ws. des Holſtein⸗Glücksb. Siebm. „v. V.“ für dieſelbe.
Rathes Zimmermann u. DA
der Anna Sophie von
Viereck; vermählt an
i Herrn v. Podewils.
5 30. Aug. Micrander. beſt. Frh. Georg Adolf. Köhne II. 49. R. Frh. ejd. ann. für denf.
„ 31. Ang. Meinders. beſt. A. [Franz, kurbrd. W. Geh. Köhne III. 97.] R. A. d. d. 2. 4. ejd. für dens.
Rath zu Ravensberg.
1683 15. März Bylandt. an G. Roelmann Graf B. und [Trroff, a R. Grf. d. d. 19. 5. 1678 für
ſeine 2 Söhne. Wpb. J. 1. dieſelben.
„ 22, Juni Kallheim. A: Anna Maria Kalow, Köhne III. 52. Dieſer v. Froben war
1684 3. März
„ 11 Dez
1685 12. Mai
149, e
„ 10. Aug.
(nicht 16.
Juli.)
„ 141.8,
7 do.
14. Sept.
Mai
1686 18. Juni
„ 1. Aug
7 21 Oct.
1687 | 26. Juni
„ 30. Sept
16881. Oct.
1689 20. Apr.
„ 24. Mai
(nicht 21.
März)
1690 | 14.24.
/ vom Hohen⸗ an. Frh.
Magir(us) von Logan.
Fuchs.
Schweinitz.
Hoffmann von Grei⸗
fenpfeil.
Rhetz.
Berbisdorf
Gladebeck
Zernikow
Fritſche
Schell
Schrötter
Heſſen
Lehndorf
v. d. Recke
berg
v, auf und zu
Dechen (Decher)
Beſſer
Braut eines v. Froben
und deren Descendenz,
als „v. Kallheim.“
an. A. Michael M. v. L.
an. A. Paul F., Kurbrand.
Geh.⸗Rath.
conf. Frh. Georg Rud.
beſt. A Cöleſtin H. v. G.,
Kurbrd. Rath, Bürger—
meiſter zu Frankf. a. O.
an. A. Joh. Ir v. R.
beſt. A Phil. Siegm. v.
an. A. ] Joh. Ch. v. F. Kurbrd
Rath.
A Conr. Joh. S.
conf. A Joh. v. S.
A Die H. in Oſtpreußen.
Ahasverus G. L. Graf
an. G
| vr
conf. Frh. Dietr.
Anſpach.
Linie in Kurbrandenburg.
Ganze Familie.
3,
u. Joh. Gebr.
Carl H. v. H., kaiſ.
Reg.⸗Rath u. Vorſtand
der Ritterſchaft im Fſtth.
Joach. D., Major der
Art. und Carl G D.
Maj der Inf.
A Joh. B., Hofrath,
Cerem.⸗Meiſter u. In⸗
troductor der Ambaſſa⸗
deure.
(Fortſetzung folgt.)
Köhne III. 93.
Köhne III. 22.
? Stw.
Köhne 111.32.
sub G.
Köhne IV. 33.
Siebm. 1. 162.
Geth., oben
ſchreit. Löwe
unter Quer⸗
Strom
3 Eimer.
Köhne 111.21.
2
Feld II. und
Il. des frei⸗
herrl. Wap⸗
vn
Köhne 1. 66.
4 Felder mit
Hz. (Löwe
mit Haken
im geth.
Felde),
4 Helme.
Köhne Il. 3.
Köhne II. 42.
wahrſcheinlich der Retter des
Kurfürſten bei Fehrbellin Ema⸗
nuel v. F. (+ 18. 6. 1675).
R. A. d. d. 5. (nicht 15.) Jan.
ejd. für denſelben.
R. A. d. d. 4. 6. 1683 für
denſelben; wurde 1701 auch R.
Freiberr (vgl. d.)
R. Frh. d. d. 29. 4. 1683 für
denſelben.
R. A. d. d. 15. 7. 1655 für
deſſen Vater Melchior H. mit
105 15 (ſein Sohn 10. J. 1699
a anerkannt 1700).
R. ni d. d. 20. 4. 1682 für
ihn und 1 d. 25. 1. 1684 für
ſeine Gemahlin.
R. A. d. d. 11. 4. 1665 für
deſſen Vater Job. F., Schöppen
zu Grünberg.
Poln. Adel d. d. 26. 5. 1685
für denjelben.
R. Grf d. d. 16. (nicht 100) 8.
1687.
R. Frh. v. J. 1681 für dieſ.
R. Frh. d. d. 4. 10. 1688 für
denſelben.
R. A. d. d. 11. 4. 1689 (nicht
25. 1. 1684) für dieſelben.
Verſchieden von denen v. B.
mit dem Schrägbalken im Schilde.
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oz utter Mlepdeborch.
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Northem. Gsenbrugke.
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Lithv.J.Köneckein Gardelegen,
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Erſcheint monatl. lg —1 er 8 Jährl. ee 1 Thlr. 10 Sgr. Je e 1 Sgr. für die geſpaltene lee
Ar. 3. a Berlin, im März 1871. AISI 2. Zahrgang.
Se. Majeſtät der König von Würtemberg haben aller— g tafeln zur Geſchichte der europäiſchen Staaten“ zu den ver-
gnädigſt geruht, den K. Conſul in Leipzig. Geh. Commerzien— | dienſtvollſten Werken auf dem Gebiete der geſammten Gene-
zienrath W. E. Bänſch, für ſich und ſeine Nachkommen in | alogie gehören. Sein dornenvolles, vielfach getrübtes Leben
den erblichen Adelſtand des Königreichs zu erheben. ſei viel zu früh für die Wiſſenſchaft erloſchen.
(Zeitungsnachricht.) Hierauf fand die Aufnahme mehrerer neuer correſpon—
Bine dirender Mitglieder ftatt, und zwar:
Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des auf 7 1 9 13 Herm. u 1 Breslau:
66 N andes-Archivar Hr r. Joſep ahn zu Graz;
„Herold vom 7. Februar 1871. auf den Vorſchlag des Herrn G. Seyler in Offenhauſen:
Der Vorſitzende eröffnete die Sitzung mit einer Rede, in 2) Herr Hugo Graf v. Walderdorff, Vorſtand des hiſtor.
welcher er darauf hinwies, daß ſeit der letzten 1 Vereins für die Oberpfalz und Regensburg, auf Hau⸗
des Vereins nun das deutſche Reich und der deutſche Kaiſer zenſtein;
Leben und Geſtalt gewonnen hätten, welches Ereigniß der Ver- auf den Vorſchlag des Herrn A. Grenſer in Wien:
i
|
ein um jo mehr mit Freuden begrüßen müſſe, als er ſchon 3) Herr Carl Krahl, K. K. Hofwappenmaler in Wien und
durch den Namen ſeiner Zeitſchrift „Deut cher Herold“ 4) Herr Gaſton, Freiherr v. Pettenegg daſelbſt;
darauf hinweiſe, ganz Deutſchland in den Bereich feiner Wirkſam- auf den Vorſchlag des Herrn Senator Starke in Sorau:
keit zu ziehen und in ſeinen Beſtrebungen ſich an das deutſche 5) Herr Kaufmann G. Starke in Görlitz;
Reich anzuſchließen. Die Zwecke des Vereins ſeien wiffen- | auf den Vorſchlag des Herrn Schatzmeiſters:
ſchaftlicher Natur, und verbänden alle Zweige der Herolds— 6) Herr Freiherr von Laroche, edler Herr zu Starfens
wiſſenſchaft mit einander. Durch das Betreiben der Gene— fels, Major a. D. in Charlottenburg;
alogie wolle der Verein den Familienſinn und die Verbreitung und auf den Vorſchlag des Schriftführers:
deſſelben weſentlich ſtärken. Daß das deutſche Reich zu Stande 1 90 Herr Herrmann Graf v. Hoverden z. Z. in München,
gekommen ſei, verdanke man neben der herrlichen Leitung un— ) Herr Moritz, Edler v. Weittenhiller in Wien,
ſerer Heere und neben der Tapferkeit unſerer Krieger auch 9 Eugen Gilg, Kgl. Bayriſcher Regiſtrator beim
weſentlich der Einigkeit im Streben nach dieſer Einheit, welches Bahn⸗ und Poſtamt zu München,
Fürſten und Völker gleich beſeelt habe. — i 0) Herr Dr. Anton Tobias, Oberlehrer am Johanneum
„Durch Einigkeit wird groß gemacht und Stadtbibliothekar in Zittau,
Was früher klein war und veracht, ) Herr Chr. G. Gerlach, evang. luth. Feldprediger z. Z.
„Drum habet lieb die Einigkeit, in Verſailles und
„So bleibt ihr frei in Ewigkeit.“ — 12 2) Herr Julius von Sebaſtiäni Porta de Remete
Dieſer alte Spruch der ſchwäbiſchen Reichsritterſchaft und Pogänyeſt, kgl. ungar. Notar zu Nagy-Kürtös
möge auch dem Vereine als Vorbild dienen, und die Mitglieder bei Kekkö.
mögen, wenn der Verein ſich kräftigen ſolle, darauf Bedacht Vom Schriftführer wurde ſodann eine neue von ihm ent—
nehmen, alle Zwiſtigkeiten perſönlicher Natur zu vermeiden. worfene Geſchäftsordnung vorgelegt, welche den einzelnen $$
Sodann verlas der Vorſitzende einen Nekrolog des am 13. nach verleſen, genehmigt und ſodann im Ganzen angenommen
Januar a. c. verſtorbenen Privatdocenten der Geſchichte zu | wurde.
Göttingen, Dr. L. A. Cohn, des rühmlichſt bekannten For⸗ Der Herr Schatzmeiſter hielt hierauf einen Vortrag:
ſchers in der Diplomatik und Genealogie, deſſen „Stamm— „Ueber Werth und Entſtehung der polniſchen Adelsge—
22
ſchlechter.“ Der Vortragende trat den vielfach geringſchätzenden
Meinungen über den polniſchen Adel entſchieden entgegen, und
legte dar, daß der polniſche Adel nachweislich ebenſo alt wie
der deutſche ſei.
An Geſchenken waren eingegangen:
von dem Herrn Freiherrn von Reitzenſtein hierſelbſt:
1) Der Nordwald und feine Eigener, hiſtoriſch-topographiſch⸗
genealogiſcher Excurs aus einer Urkunde von 1017 zur Ger |
ſchichte des Reitzenſteinſchen Geſchlechts 2c.
2) Archivaliſche Mittheilungen; beide Aufſätze verfaßt von
Carl Freiherrn von Reitzenſtein;
von Herrn G. v. Bülow hieſelbſt:
3) Geſchichte des Wappens des Geſchlechts von Buͤlow, von
G. v. Bülow;
von Herrn Dr. jur. v. Fock hierſelbſt:
4) Die Freiherren und Herren v. Fock (p.
Fock.)
a Nachdem die Rechnung des Schatzmeiſters für das vorige
Jahr dem Kanzlei-Inſpector Herrn Schröder zur Reviſion über—
wieſen war, fand um 93 Uhr der Schluß der Sitzung ſtatt,
in welcher 12 Mitglieder anweſend waren und als Gaſt der
Kreisgerichtsdirector Herr von Zieten aus Lüben, eingeführt
durch den Herrn Grafen v. Hoverden. —
Zur Beglaubigung:
F. Warnecke.
Brucken genannt
Erwiederung
auf Th. Stenzel's genealogiſche Bemerkungen,
von Adolf Cohn. “)
Herr Th. Stenzel hat in Nr. 4 und 5 dieſer Zeitſchrift
43 „Anmerkungen und Berichtigungen“ zu den von mir her—
ausgegebenen „Stammtafeln zur Geſchichte der europ. Staaten“
veröffentlicht, um — wie er ſagt — mir und meiner Arbeit
zu dienen, und noch Andere zu veranlaſſen, daß ſie ihre etwa
geſammelten Notizen und Berichtigungen mittheilen möchten.
Er bemerkt ferner, daß er hie und da auf Widerſprüche ver—
weiſe, deren Aufklärung ich mir oder Andere ſich würden an—
gelegen ſein laſſen. Die zuletzt erwähnte Aeußerung veranlaßt
mich, dem mittelbar darin enthaltenen Wunſche des Herrn
Stenzel zu entſprechen, ſonſt würde es genügt haben, auf die
noch nicht gedruckten „Bemerkungen zum 3. Heft“, die Vorrede
und die Nachträge und Berichtigungen, welche nach Vollendung
des ganzen Werkes gegeben werden ſollen, zu verweiſen. Für
die freundliche Abſicht und die thatſächlichen wenn auch nicht
erheblichen Berichtigungen zur anhaltiniſchen Genealogie Nr. 22,
32-34, 36, 38-39, 41, 42) bin ich Herrn St. dankbar,
nicht minder verpflichtet mich die Anerkennung, welche er meiner
Arbeit im Eingange ausſpricht; doch hätte ich — wenn dies
zu ſagen geſtattet iſt — gewünſcht, daß er bei der Aufzählung
von umfaſſenden Werken genealogiſchen Inhalts das höchſt ver—
dienſtliche Buch von K. v. Behr genannt hätte, welches eben
jetzt in erheblich verbeſſerter Form zum zweiten Male er—
ſcheint. Bekanntlich war ſchon die erſte Ausgabe für die Ge—
nealogie der jetzt regierenden Fürſtenhäuſer namentlich während
der letzten 3 Jahrhunderte ſehr werthvoll: der 16jährige Zwi⸗
) Vorliegender Aufſatz war eine der letzten Arbeiten des vor
Kurzem heimgegangenen Verfaſſers; vgl. oben im Protocoll. Einen
Necrolog findet der Leſer in der nächſten Nr. d. Bl. — D. Red.
erklären.
Buch nicht in einem Zuge verfaßt werden konnte, ſondern ein
Bogen nach dem andern, ſowie er fertig iſt, in die Druckerei
wandert,“) da
nicht zu vermeiden iſt.
ſchenraum, welcher zwiſchen den beiden Ausgaben liegt, iſt von
dem fleißigen Verfaſſer eifrigſt benutzt worden, um mit Des
nutzung vielfacher Hülfsmittel auch die älteren Stammbäume
(ſoviel ich bei einer bisher nur flüchtigen Durchmuſterung ge—
ſehen) in eine den heutigen Anforderungen entſprechendere Ge—
ſtalt zu bringen. Die Widerſprüche, welche Herr Stenzel
zwiſchen den auf verſchiedenen meiner Stammtafeln enthaltenen
Angaben über dieſelben Perſonen entdeckt hat, ſind leicht zu
Da die Umſtände es mit ſich brachten, daß mein
ferner bei dem Fortſchreiten meine Kenntniß
zahlreicher Einzelheiten wächſt, überdies der Druck ſehr langſam
vorrückt, jo iſt natürlich, daß Vieles in ſpäteren Tafeln ges
nauer gegeben werden kann, als in früheren. Die Wider—
ſprüche, die dadurch entſtehen, find ein Uebelſtand, der aber
Der Benutzer der „Stammtafeln“ hat
als Grundſatz feſtzuhalten, daß von zwei ſich widerſprechenden
Angaben immer nur die ſpätere Geltung haben ſoll. Bei den
erſten 2 Heften habe ich in den „Anmerkungen“ den Wider—
ſpruch jedesmal beſeitigt: bei den noch außenſtehenden Anmer⸗
kungen zum dritten Hefte wird daſſelbe geſchehen, dadurch ent—
—
ledigt ſich eine große Zahl der von Herrn Stenzel erhobenen
Bedenken (von 3, 6, 7, 8, 10, 11, 15, 16, 19, 20, 21, 23,
24, 26, 27.) Einige andere ſind durch Druckfehler, die ſtehen
geblieben, erklärt, (1, 4, 9, 12, 13, 14.)
Es bleibt ſomit nur eine kleine Anzahl von Punkten
übrig, die eine kurze Erörterung erheiſchen.
2) Hüntle in ſeinem reichhaltigen und höchſt verdienſt—
lichen Buch über die Genealogie des Hauſes Wittelsbach p.
153 giebt als Sabinens Vermählungstag nach ihrer eigenen
anderweitig beſtätigten Angabe 7. März 1825 an; ihren Tod
ſetzt er ins Jahr 1651. Behr dagegen in den Nachträgen zur
2. Auflage ſagt, Sabine ſei 6. Juni 1613 verm. und 21.
Febr. 1616 + Mir fehlen die Quellen um zu entſcheiden,
was richtig iſt. —
4) Die Frage iſt dahin zu beantworten, daß ich, nach
dem Muſter von Oertel, todtgeborene Kinder nur dann ans
führe, wenn die Mutter bei der Geburt ſtarb. (vgl. d. Bemer—
kung von F. M. Oertel. Geneal. Tafeln zur Staatengeſch. des
19. Jahrhdts. 2. Auflage. Leipzig, 1857. S. VIII.)
6) Wenn ich dort 18019. Auguſt geſagt habe, jo heißt
das, es läßt ſich nicht genau feſtſtellen, an welchem Tage der
Tod ſtattfand. Um einen Tag von einander abweichende Anz
gaben kommen in den Quellen ſehr häufig vor: ſie rühren
meiſt davon her, daß ein Todesfall in der Nacht eintrat, und
von den Berichterſtattern der eine den der Nacht vorhergehenden,
der andere den folgenden Tag meinte. —
13) Allerdings iſt „Würtemberg“ amtliche Schreib—
art. Meine Stammtafeln ſind aber kein kleinſtaatlich-amtliches,
ſondern ein wiſſenſchaftliches Werk: es wird daher Wirtemberg
und Baiern geſagt, was bekanntlich ſeit König Ludwig I. im
Lande der Bajuvaren nicht geſtattet iſt, wo man nur Bayern
ſchreiben und drucken laſſen darf. In Wirtemberg iſt man
duldſamer.
17) Ich entnehme die Notiz dem goth. geneal. Taſchen—
buch. In Behr's Genealogie findet ſich der 13. Sept.; ich
*) Auf die Uebelſtände, die davon die Folge ſind, habe ich
bereits in meinem Bericht in dem Gött. gel. Anz. 1864 p. 1077
hingewieſen.
|
5
N
1
j
4
23
überlaſſe es denen, die ſich mehr dafür intereſſiren, Nachfor—
ſchungen anzuſtellen, welche Lesart die richtige iſt.
18) Der angeführte Irrthum iſt in der Aum.
402 von mir ſelbſt ſchon berichtigt worden.
25) Als Todesjahr der Eliſabeth v. Darmſtadt geben alle
neueren Hülfsmittel (die Becker'ſche Tafel der Landgrafen v.
Darmſtadt, das Werk von Hofmeiſter über Heſſen, und Behr)
zu Taf.
Übereinſtimmend 1655 an.
28) Ich habe die Notiz (15. Feb.) aus einer dem Meck—
lenburgiſchen Staatshandbuch beigegebenen Stammtafel, welche
ich der gütigen Mittheilung des Herrn Geh. Archivrath Liſch
in Schwerin verdankte.
29) Das richtige Jahr ſcheint weder 1812 noch 1814
zu ſein, ſondern „zu Ende 1819“ So lautet die neuſte
Angabe von v. Behr in der 2. Aufl. ſeiner Genealogie, von
der man annehmen darf, daß ſie nicht 111 Grund gemacht iſt.
30) Den Witderſpruch weiß ich nicht zu löſen. Herr
Stenzel beruft ſich auf eine Sarginſchrift, Behr dagegen, welcher
die andere Angabe hat, auf eine amtliche Benachrichtigung. Eine
ſolche dürfte im Allgemeinen größeren Anſpruch auf Glaub—
würdigkeit haben; hier dagegen ſcheinen die übrigen Umſtände
zu Gunſten der Inſchrift zu ſprechen.
Das Hatzfeldt'ſche Wappen.
In Nr. 11 des „D. H“ findet ſich eine Kritik des neuen
Fürſt. Hatzfeldt'ſchen Wappens, welche den großen Uebelſtand
hat, daß ſie ein Wappen beſpricht, welches noch nicht einmal
zur Ausfertigung gelangt iſt.“) Hätte der Kritiker die Aus—
fertigung abgewartet, ſo würde er ſchwerlich Veranlaſſung zu
der ganz unbegründeten Vermuthung in Betreff des angeblich
fehlenden Vorderbügels an der Fürſtenkrone gehabt haben. Im
Uebrigm möchte ich noch bemerken, daß das Wappenbild des
Hatzfeldt'ſchen Stammwappen's als Haus- oder Maueranker an—
geſprochn werden muß, nicht als Feuerbock. Mit demſelben
geviertel erfcheinen ſchon im Jahre 1456 die drei Roſen der
Edelheren von Wildenberg, aus welchem Dynaſtengeſchlechte
(vgl. ur dieſe Sippe von Ledebur, Archiv f. Deutſche Adels:
geſchichte 243 — 245) eine Erbtochter Jutta bereits 1354 be |
deutende 1 an die Hatzfeldt brachte. Die Umgeſtal—
tung der früher ſtets geführten Roſen in diejenige Form, welche
man Miſplblüthen zu nennen pflegt, iſt nachweisbar das Pro—
duet einige Diplome der Neuzeit; die Wiederherſtellung der
urſprüng lichen e war nicht nur wünſchenswerth, ſondern
geradezu ni Die übrigen Wappenfelder finden ihre Be—
gründung in den Wappen derjenigen Familien, aus welchen,
größtentheils durch Erbtöchter, Herrſchaften an das Hatzfeldt'ſche
Geſchlecht gehngt find. Es handelt ſich da nirgends, wie die
Kritik vermuhet, um neu ereirte Figuren, ſondern um hiſtoriſch
Begründetes,
Daher das Mappen der Paland wegen der Herrſchaft Weis—
weiler nach den Diplom vom 28. Februar 1698 für den
Grafen Alexalder von Hatzfeld-Wildenberg-Weisweiler; dann
das Stammwappen der Winkelhauſen mit dem Adler- und Löwen—
felde, entnommu dem Wappen, welches dem 1737 verſtorbenen
Franz Carl Gafen von Winckelhauſen bei feiner am 12. De
tober 1711 effolgten Erhebung in den Reichsgrafenſtand er—
*) Dieſer dent war uns unbekannt geblieben; anderen Falls
N)
würde die Veröfentlichung des qu. Artikels beanftandet fein.
I
Th,. durch frühere Diplome ſchon Feſtgeſtelltes.
|
die Kritik ausdrückt; auch noch ſtärkere
theilt worden iſt, und zwar wegen des Erbes der Herrſchaft
Calcum. Der factiſche Beſitz der Herrſchaft Crottorf führte
zur Aufnahme der Selbach'ſchen Roſe, und zwar auf Grund
der am 17. September 1668 von Kaiſer Leopold J. beſtä—
tigten Stiftungsurkunde des Reichsgrafen Herrmann von Hatz⸗
fellt-Gleichen, in deren Schlußſatz die Annahme von Titel und
Wappen beim Ausſterbefall ſeiner Linie auch den in den Be—
ſitz von Crottorf gelangenden Agnaten zuerkannt worden iſt.
Endlich rührt die Aufnahme des Dietrichſtein'ſchen Stamm-
ſchildes von dem Beſitz der von der Dietrichſtein'ſchen Familie
ſtammenden Mähriſchen Herrſchaften Leipnik und Weiskirchen
her. — Wenn die Kritik weiter die Stellung der Helme „durch—
aus unſchön“ findet, ſo iſt der Geſchmack nur Nebenſache; die
Hauptſache iſt, daß ſie richtig iſt; für die Reihenfolge der
Helme muß aber die Reihenfolge der ihnen entſprechenden Felder
des Schildes maßgebend ſein. Unter den ſieben Helmen mußte
dem 1711 ertheilten Reichsadler als Würdezeichen der Vorrang
eingeräumt werden; dann mußten, von der Mitte ausgehend
in wechſelnder Ordnung die ſechs andern Helme folgen, nämlich
die — nicht neu geſchaffenen, ſondern gegebenen — Helme von
Hatzfeldt, Wildenberg. Paland, Winkelhauſen, Selbach und
Dietrichſtein. — Endlich ſpricht die Kritik noch von kleinen
„heraldiſchen Schnitzern,“ die ſie nicht namhaft macht: ich glaube
nicht fehl zu greifen, wenn ich annehme, daß ſich dieſelben auf
die überall von Ausrufungszeichen begleiteten „ſchwebenden Fi—
guren“ beziehen; — nun, mir ſind die ſchwebenden Figuren
auch ein Dorn im Auge; ſolche neu zu ereiren, wäre meines
Erachtens nach falſch; aber wo ſolche ſchwebenden Figuren that—
ſächlich vorhanden ſind, wie z. B. bei den Helmbildern von
Hatzfeld, Wildenberg, Paland u. ſ. w. — wer hat das Recht
ſie zu ändern,“) einer Theorie zu Liebe, die bei on Be:
rechtigung doch disputabel bleibt? daſſelbe gilt von dem „heral—
diſchen Nonſens der gekrönten Herz- und Mittelſchlde“ wie ſich
Ausdrücke werden das
hiſtoriſch Gegebene nicht ändern. II.
Deutſche Städtewappen
in der Sachſenchronik;
erläutert von Ad. M. Hildebrandt und F. Warnecke.
(Fortſetzung.)
d) „Magiſtrat der Stadt Halle.“ Darſtellung wie
die des oben erwähnten Secrets. 18. Jahrh.
e) Ohne Umſchrift: das vollſtändige S
Helmzier: Mond mit einem Stern darüber.
1) „Magiſtrat der Stadt Halle.“ (Mondſichel und
Sterne roth ſchraffirt).
g) „E. E. Raths d. Stadt Halle Ger. Sieg. des
Amts Beeſen.“ (Mondſichel roth ſchraffirt).
Beide zeigen den r. Mond mit den r. Sternen im w.
Schilde. — Daſſelbe Wappen in einem kleinen, unter einem
größeren, den preußiſchen Adler enthaltenden Schilde zeigt auch
n) das S. der Pfälzer Colonie vom Anfang des 18. Jahrh.;
Stadtwappen mit
*) Bei Ert geg neuer Diplome dürfte die ausfertigende De-
hörde doch wohl das Recht — oder die Pflicht — haben, in früheren
Diplomen e oder im Lauf der Zeit eingeſchlichene Fehler zu
redreſſiren und das urſprüng lich Richtige wieder einzuſetzen; ſchwerlich
wird ſich aber das Vorkommen ſchwebender Helmfiguren, als in praxi
unmöglich, über die Zeit der beginnenden Corruption der Heraldik
hinaus nachweiſen laſſen. A. d. Red.
die Umſchrift lautet:
lensis.“
11) Hamborch (Hamburg.) Zwei
einander: 1) in B. ein r. Portal,
Holſteiniſche Neſſelblatt;
dachte r. Thürme; 2) zwei geſchrägte w.
in N.
worin das w.
Erſteres Wappen führt die freie Reichsſtadt Hamburg noch
heute, doch etwas verändert: der Schild iſt weiß, das „Neſſel—
blatt“ fehlt, das Thor iſt mit einer b. Thür geſchloſſen; nur
der mittlere Thurm trägt ein ſpitzes b. Dach, mit einem w.
Kreuzchen beſetzt; die äußeren Thürme find gezinnt und über
jedem ſchwebt ein w. Stern.
jedenfalls das des Stifts Bremen.
a) Das älteſte Hauptſiegel (1255) zeigt die „Burg“ mit |
| 1648.)
geſchloſſenem Thor; über den Flankenthürmen je 18 Stern.
Umſchrift: „Sigillum burgensium de hamborg.“
b) Eine gleiche Darſtellung zeigt das — fedoch der
Sterne entbehren de — Seeret aus dem 14. Jahrh.,
welches noch 1723 benutzt wurde; es hat die Umſchrift:
„Secretum burgensium de hämborg.“ Ein (unſeres
Dafürhaltens nachgeahmter) faſt dieſelbe Darstellung, aber in
„geleckter“ Manier, zeigender Stempel wird im Muſeum zu
Greifswald aufbewahrt; er hat die corrumpirte Unſchrift!
„Scurgtum (sic) burgensium (sic) de hamborg.“
c) Ein ferneres Secret vom 1309 „Secretum ci-
vitatis hamburgensis“ hat gleichfalls die Burg, aber zwi—
ſchen den drei Thürmen befindet ſich rechts ein Stern, links
ein Halbmond.
Die Burg mit geöffnetem Thor ohne Sterne finden wir
auf folgenden Abdrücken:
0 „Secretum burgensium de hamborg “ 17.
) „Hamburg Pass- Siegel,“ 18. Jahrh.
N „Signetun eivitatis hamburgensis: MS Jahrh.
g) , ‚Sigillum judicii inferioris hamburgensis.“ 19.
Jahrh.
Das geöffnete Stadtthor mit den Sternen:
h) „Sigillum civitatis hamburgensis,“ 19. Jahrh.
1) Das große neue Staatsſiegel mit der Umſchrift:
„Signetum civitatis hamburgensis“ hat im Schilde die
drei Thürme mit Sternen ꝛc. wie oben beſchrieben: darüber
einen bewulſteten Helm, mit drei Pfauenwedeln und dazwiſchen
ſechs Fähnlein beſteckt. Schildhalter: zwei Löwen.
k) Ein kleineres Siegel ohne Umſchrift hat die Thürme
Sterne, den Helm nur mit Fahnen beſteckt. —
I) „Hamburgisches Syndicat Siegel.“ Im Siegel—
die Thürme (mit Sternen.) 19. Jahrh.
12) Hon over (Hannover.) In G. ein gr. Klee—
blatt (eine Spitze oben, zwei unten) in der Mitte
mit einer kleinen r. Scheibe belegt.
Bereits ziemlich früh kommt das Kleeblatt als Wappen⸗
bild der Stadt Hannover vor, als welches es noch heute gilt.
Zuerſt erſcheint es unſeres Wiſſens auf dem zierlich gearbeie
teten kleinen „Sigillum. mercatorum. in. honovere 7,“
Jahrh.
ohne
felde
Schilde neben
öffneten
darüber drei ſpitzbe—
Schlüſſel
— Das andere Wappen iſt wohl
.
„Sigillum coloniae palatinge hal-
a) das aus der Zeit um 1300 ſtammende, im Original-
Stempel erhaltene, mittelmäßig gearbeitete Hauptſiegel, welches
welches über einer mit geſchloſſenem Portal verſehenen Mauer zwei
eckige Thürmchen zeigt, zwiſchen welchen ein Dreieckſchild nach rechts
gelehnt iſt; in demſelben das Kleeblatt, jedoch eigenthümlich
geſtaltet: in der Mitte ein kleines Röschen, begleitet von drei
herzförmigen, die Spitzen nach den Schildesecken kehrenden
Blättern. Eigentliche Stadtſiegel kennen wir folgende:
’
nach rechts ſchreitende
eine Stadtmauer zeigt; inmitten derſelben ein Thor mit ges
Thüren, darüber zwei Zinnenthürme, zwiſchen denen
ein nach links blickender Lowe (ſchwebend) ſteht. Umſchrift:
sh 1 burgensium in Honovere.“
b) „Secretum burgensium de honovere.“ Dar⸗
ſtellung wie auf dem Sigill, jedoch der Löwe nach rechts
blickend.
c) „Secretum civitatis hannover;“ wie voriges,
doch unter dem Portal ein Schild mit dem Kleeblatt;
Spitze unten.) Ueber dem Löwen die Jahreszahl „1534“
d) „Secretum civitatis hannover; ganz ebenfo,
aber die Zahl „1570“
e) Ganz ebenfo, aber die Zahl: „1579“ (Abdruck v. J.
ie⸗
(eine
f) „Secretum civitatis Hannover.“ Im Schilde der
Löwe über dem geöffneten Thor, unter
welchem das Kleeblatt. Bewulſteter Helm mit zwei Büffelhör—
nern, dazwiſchen das Kleeblatt. (18. Jahrhundert.)
Dieſelbe Darſtellung zeigen:
g) „Secretum eivitatis Hannover.“ 18. Jahrh.
h) „Königl. Residenzstadt Hannover.“ 19. Jahrh.
i) „Der Stadt Hannover kleines Iusiegel.“
19 Jahrhundert.
k) 5 Stadtgericht der 54 Residenzstadt Han-
nover.“ Letzteres mit zwei L Löwen als Schildhalter.
13) Helmeſtidde (Helmſtedt.) In W.
ſtürzte g. Biſchofsſtäbe.
Drei Siegel liegen uns vor, von denen jedoch nur das
jüngſte dies Wappen enthält.
a) „Sigillum burgensium in helmestat.“ 1368.
Ueber einer Zinnenmauer unter einem dreibogigen Pertal der
hl. Ludgerus; auf dem mittleren Rundbogen: „S' Ludger’.
b) „Secretum burgensium in helmestat.“ 1536.
Mit gleicher Darſtellung.
c) „Sigillum senatus Helmstadeusis.
Schilde die gekreuzten Biſchofſtäbe. 1640.
(Fortſetzung folgt.)
zwei ge⸗
N.“
Im
Hund, Vairiſch Stammenbuch III. Theil.
Der wackere und fleißige Hund hat ung befnntlic den
III. Theil ſeines berühmten Stammbuchs im Mauuſcript hin—
terlaſſen, deſſen Original in der Kgl. Hof- und Staatsbiblio—
thek zu München bewahrt wird. Von den Geneclogen äußerſt
geſucht, war das Werk in ziemlich vielen Abſchriten verbreitet,
und im vorigen Jahrhundert überraſchte ſogar er Buchhänd—
ler de la Haye in Ingolſtadt die Genealogen mit einem
Proſpecte über die Herausgabe deſſelben. Nach ſeinem Plane
ſollte die Lieb'ſche Handſchrift, welche er in finen Beſitz ge—
bracht hatte, „von geſchickten Leuten“ mit Zuſitzen uud Fort—
ſetzungen bereichert werden, und eine für amalige Zeiten
glänzende typographiſche Ausſtattung mit Wapentafeln ꝛc. er⸗
halten. In wie weit dieſes Project zur Ausführung kam,
ift mir unbekannt, jedenfalls cireulirte ſ. Z. uiter den Genea⸗
logen die fama, das Werk ſei bereits vollendt und der Een:
fur übergeben geweſen, der betr. Beamte aber habe aus
Aerger, weil er die Geſchichte feines Hauſes darin nicht gefun⸗
den, das ſchöne Werk in feinen Kamin geworen.
exiſtiren, iſt jedenfalls nicht verloren gegangen; fie iſt bekannt—
lich in des Freiherrn v. Freyberg Sammlung hiſtoriſcher
Schriften Bd. III. (Stuttgart 1830) zum Abdruck gelangt.
Leider entſpricht dieſer Abdruck durchaus nicht den An⸗
ſprüchen, die man in unſerer Zeit zu ſtellen berechtigt iſt.
Abgeſehen von dem Mangel an Notizen über die Geſchichte
des Manuſcripts, von dem äußerſt ſparſamen Druck, der den
Gebrauch des Werkes bedenklich erſchwert, iſt die Ausgabe
eben nichts weiter als ein bloßer gedankenloſer Abdruck der
Lieb'ſchen Handſchrift. Von einer die vielen Fehler und zweifelhaf⸗
ten Stellen berichtigenden Kritik finden wir keine Spur. Es
iſt kaum glaublich, welche eraſſe Fehler der Editor ſtehen laſſen
konnte! So finden wir z. B. bei den Schenken von Hirſch⸗
berg S. 619 folgende Stelle: „Heinrich Schenk von Geiern,
Ritter, Bürger Führker, Heinrich Schenk von Leutershau—
ſen“ zc. Ein Blick in die betr. Urkunde hätte dem Editor ge—
zeigt, daß es „Bürge für“ heißen müßte. Aus vielen Stellen
ſehe ich, daß ſogar die Interpunktion der Handſchrift, mag
fie noch ſo finnftörend und den an ſich richtigen Text verwir-
rend ſein, beibehalten iſt; beſonders auffallend waren mir die
pagg. über die Roſenbu ſch und Ratzen. Bei den erſte—
ren finde ich s. ao. 1461 folgende Notiz: „Bartleme und
Ja cob 3 Gebrüder“; nach Hund's eigner, auf derſelben Seite
abgedruckten Angabe, war wirklich ein dritter Bruder Marquard
vorhanden. Durch falſche Interpunction iſt die ganze Genea—
logie in Confuſion gebracht. Bei den Ratzen ſind Fehler
und Irrthümer Hund's ſtehen geblieben, die man aus den
Zuſätzen Liebs hätte berichtigen können. Dies nur eine kleine
Auswahl, — denn unter allen Genealogien, die ich unterſuchte,
habe ich nicht eine einzige ohne Fehler gefunden. Thatſache
iſt, daß der vorliegende Abdruck nicht höher zu ſchätzen iſt,
als eine der gangbaren Handſchriften, und daß er ſehr der
kritiſchen Bearbeitung bedarf, wenn er als glaubwürdige und
zuverläſſige Geſchichtsquelle gelten fol. Hierzu ſcheinen mir vor
Allem die hiſtoriſchen Vereine Altbayerns und der Oberpfalz
berufen zu ſein. Die erforderliche Orts- und Familienkennt⸗
niß dürfte, wenn irgendwo, in dieſen Kreiſen zu finden ſein.
Leitende Grundſätze für die Bearbeitung wären nach meiner
Anſicht folgende: e
1) die Orthographie Hund's dürfte ganz unberückſichtigt
gelaſſen werden. Aus der Periode Hund's haben wir genug
und beſſere Sprachdenkmale. (Die Orthographie der Freybergi⸗
ſchen Ausgabe iſt corrupt, und eine Vergleichung mit Origi—
naldrucken ergiebt, daß Hund ganz anders ſchrieb, oder drucken
ließ.)
2) In vielen Fällen, da wo verſchiedene Familien glei-
chen Namens behandelt werden, iſt eine vollſtändige Umarbei—
tung der Artikel erforderlich. Hierbei kann gleichwohl die
Schreibweiſe Hund's beibehalten werden.
3) Eine Fortſetzung zu Hund ſcheint mir vorläufig, —
wenn fie ſich nicht ungeſucht darbietet, — nicht erforderlich zu
ſein, und es dürfte eine Berichtigung der irrigen Angaben
Hund's und der Text⸗Verſchlechterung durch die Handſchriften
dem Bedürfniſſe entſprechen. Um eine vollſtändige Kenntniß
der Familien zu erlangen, bedürfen wir ohnehin viel umfaſſen⸗
derer und mehr eingehender Arbeiten, als Hund lieferte und
liefern konnte, und ſolche können wir in den nächſten Jahren
nicht in einem Corpus erwarten.
Die Bearbeitung derjenigen Genealogien, welche meinem
25
Die Lieb'ſche Handſchrift, vielleicht eine der beſten, die,
Arbeitsfelde (Franken und benachbarte Theile des Nordgaus)
angehören, habe ich bereits unternommen, und hoffe ich, deß⸗
wegen den betr. Vereinen bald Vorlagen machen zu können.
„
CTiteratur.
„Doppel-Adler und Schwarz-Gold⸗Roth als Wap⸗
pen und Farben des neuen Deutſchen Reiches. Zum denkwürdigen
Jahre 1870 allen Deutſchen gewidmet von Dr. Carl Ritter v.
Mayerfels. 8. (35 S. mit in den Text gedruckten Holzſchn. und
farb. Titelumſchl.) München. Druck von Wolf & Sohn.“
Obwohl ich nicht zweifle, daß obige Broſchüre dermalen keinem
Leſer des Herold mehr fremd iſt, ſo halte ich es keineswegs für über⸗
flüſſig, das Erſcheinen derſelben hier zu regiſtriren, über den Stand-
punkt des verehrten Altmeiſters in jener vielbeſprochenen Frage zu be-
richten, und bei dieſer Gelegenheit meine eigene, ganz unmaßgebliche
Anſicht auszuſprechen.
Drei Factoren ſind es, welche bei Entſcheidung der Streitfrage,
zunächſt vom Doppeladler, in Betracht kommen müſſen: Die Ge⸗
ſchichte, das Recht, die Politik. Es iſt hierbei Folgendes über den
wahrſcheinlichen Urſprung des Doppeladlers nach Ritter v. M. vor⸗
auszuſchicken: Der Doppeladler iſt nicht das Symbol des heiligen
römiſchen Reichs, ſondern, urſprünglich als einfacher Adler, wohl
ſchon von den erſten deutſchen Königen aus dem karolingiſchen Hauſe
geführt worden, ſodann um das Ende des 14. Jahrhunderts aus
einer zeitgemäßen Vorliebe für Verdoppelung in den Doppeladler
umgeſtaltet. Aus geſchichtlichen Gründen müſſen wir uns
für den Doppeladler entſcheiden. Wir haben keine Veranlaſſung,
uns ein Wappen aus einer beſtimmten Periode der deutſchen Reichs⸗
geſchichte zu holen, es dürfte vielmehr das Natürlichſte ſein, an den
Zeitpunkt anzuknüpfen, der uns zunächſt liegt: 1806. Aus biftorifch-
heraldiſchen Gründen kann der Doppeladler ebenfalls nicht verdammt
werden, da er noch aus der beſten Periode drr Heraldik ſtammt,
womit denjenigen, welche für den einfachen Adler aus dem Grunde
ſprechen, weil dadurch die Bahn zur Purification des Wappenweſens
gebrochen ſei, die Handhabe genommen iſt. Daß der einfache Adler
das uralte Wappenbild des deutſchen Reiches, iſt ganz richtig, aber
der Doppeladler iſt doch auch ziemlich alt, wenigſtens mittelalterlich!
Ueberhaupt ſind die beiden Darſtellungen, der einfache und der
Doppeladler, nicht als zwei juridiſch zu unterſcheidende Wappenbil⸗
der zu betrachten, da ja, wie vorausgeſetzt, der letztere blos eine nach
dem Kunſtgeſchmacke des 14. Jahrhunderts umgeſtaltete Darſtellung
eines und deſſelben Wappenbildes iſt. Das Recht des Wappenherrn,
welches in den älteſten Wiederverleihungen eines ledig gewordenen
Wappens ausgeſprochen iſt, das neue Wappen ſeines Gefallens zu
gebrauchen (alſo entweder nur das alte oder nur das neue, oder
auch beide vereinigt,) findet demnach hier keine Anwendung; ſonſt
könnte etwa gar Grünenbergs alter dreiköpfiger Adler zur Thatſache
werden! Nein, nur die moderne Kunſt kann in dieſem Falle
Richterin ſein. Da ſich aber dieſe weder für die eine, noch für die andere
Darſtellung entſcheidet, ſondern beide für zuläſſig hält, ſo dürfen andere
Gründe bier maßgebend fein. Nachdem bis 1806 der Doppeladler das
Wappen des deutſchen Reiches war, kann das Recht deſſelben auf dieſes
Wappen gar nicht in Frage kommen. Nach dem Grundſatze, daß
das Recht des Wappenherrn ein ausſchließliches ſei, iſt Oeſterreich gänz⸗
lich unberechtigt im Beſitze des Doppeladlers, muß entweder das
Wappen aufgeben, oder — nach mittelalterlichen Grundſätzen —
einen Lehenbrief des Wappenherrn zu erlangen ſuchen. Aus politi⸗
ſchen Gründen (auf deren Beſprechung hier aus Rückſicht auf den
nicht politiſchen Charakter d. Bl. verzichtet werden muß) befürwor⸗
tet Ritter v. M. den # Doppeladler in G. gegenüber dem 3 Doppel⸗
adler in S., welcher von anderer Seite in Vorſchlag gebracht wurde.
Was die Farben des deutſchen Reiches betrifft, fo ſchließt ſich Ritter
v. M. denjenigen an, welche für #.-9.-r. ſtimmen; ſpricht jedoch aus
ähnlichen Gründen wie beim Doppeladler ſich gegen #.-w.-r. aus,
wozu noch der Umſtand kommt, daß im letzteren Falle die Farben
mit dem Wappen nicht im mindeſten coreſpondiren würde. Ich
halte u. -g.-r. für zuläſſig, weil eine Tricolore zeitgemäß iſt, und
„Beſſerungen“ auch hier angewendet werden können. Ich bezweifle
aber, daß R. zu den alten Reichsfarben in Beziehung geſtanden habe.
Thatſache iſt es, daß im Mittelalter R. für Kriegs- oder Sturm⸗
26
fahnen im Allgemeinen ſehr beliebt war. Im Nibelungenliede heißt
es, die Amelungen hätten, als ſie vor Worms kamen um mit den
Burgunden zu ſtreiten, rothe Banner aufgeſteckt; ebenſo auch die
Burgunder auf ihrer Fahrt durch Bayern. Nib. V. 6395:
er bant ouch ze sime schafte ein zeichen, daz was röt
eit käm er mitten konegen in eine grözliche not.
Es iſt eigentlich überflüſſig, wenn ich ſchließlich noch bemerke,
daß die Schrift in der gewohnten würdigen, gemüthlichen, klaren und
faßlichen Weiſe des Herrn Verfaſſers geſchrieben iſt. Uebrigens wer⸗
den Dilettanten in der Wappenkunſt wieder vielfache Belehrung aus
der Schrift ziehen können, da der Herr Verfaſſer einige arcaua, wie
jeder den heraldiſchen Adler ſtilgetreu darſtellen könne, mitgetheilt
hat. Seyler.
„Numismatiſche Zeitun g 1870. Pr. 22, Seite
119: Kritik des „Adligen Antiquarius“ des Pr. O. T. v. Hefner,
von G. Seyler; in treffender Weiſe die zahlreichen Mängel des ge—
nannten Werkes rügend.
„Anzeiger für Kunde der Deutſchen Vorzeit.“ 1870
Nr. 8 u. 9, Seite 273 ff: „Sphragiſtiſche Aphorismen“ von F.-K.
Abbildung und Erläuterung zweier der älteſten bekannten Siegel
geiſtlicher Herren mit ihren Wappen: Otto v. Paengen, Pfarrer zu
Herbertsfelden, (1259—1270) und des Probſtes Nicolaus von Meck—
lenburg (1280) Vgl. Meckl. Urk.-B II. p. 2243 — ferner des Sie⸗
gels des Halberſtädter Dompropſtes Erich v. Rabiel (1412) in ſo⸗
fern intereſſant, als im Siegelfelde über dem gelehnten Wappenſchilde
des Sieglers das Wappenbild der Domprobſtei Halberſtadt, ein
Adler, ſich befindet. — Verſchiedene Beiſpiele des Vorkommens der
— jetzt namentlich in der Engliſchen Heraldik ſo beliebten — Sitte,
die Helmzier ohne Helm über dem Schilde anzubringen, aus dem
Mittelalter. Endlich das ſchöne ſpitzovale S. des Stiftsherrn zu
B. Mar. virg. in Halberſtadt, Johann von Wernigerode, auf einem
Baume ein Pelikanneſt zeigend; mit Angabe frühzeitigen (wenn
gleich nur ſeltenen) Vorkommens dieſes Thieres auf Siegeln.
„Kgl. Preuſſ. Staats Anzeiger; Beſondere Bei⸗
lage Nr. 49.“ Abhandlung über „die Deutſchen Kriegsausdrücke
im Franzöſiſchen,“ — in ſofern intereſſant, weil ein Theil dieſer
Ausdrücke auf die Waffenkunde und in Folge deſſen die Wappenkunde
Bezug hat. U. A. ſagt der Bf. „das franzöſiſche blason, Wappen,
Wappenkunde, urſprünglich „Glanz“ bedeutend, geht auf das alt⸗
deutſche blas, Fackel, brennende Kerze, zurück; héraut der Herold
iſt der „Heerwalt.“ —
Ebendaſelbſt: „Das Trabantenweſen, mir bei. Rückſicht auf
Brandenburg Preußen.“ Es kommt darin vor, daß die Kurfürſtliche
Leibgarde aus 3 Körpern beſtand, und zwar 1) aus 24 Ade sbur—
ſchen oder adligen Leibreiſigen; 2) aus den Einſpännigen (beide zu
Pferde) 3) aus den Drabandten, eine Art Fußſöldner, unter welchen
1608 Chriſtoph Jobann Hombold, ein Vorfahr des durch Alexander
und Wilhelm v. H. bekannt gewordenen im 18. Jahrhundert ge
adelten Geſchlechts, genannt wird. Er ſtarb den II. Februar 1658
als Bürgermeiſter zu Königsberg i. N. Ein Trabant rangirte da—
mals zwiſchen den Hoftrompetern und Kammermuſikanten.
Eben daſelbſt Nr. 30: „Die geſtickte Altardecke im Kloſter
Ribnitz.“ (Vgl. Mecklenb. Jahrbücher 28. Jahrg.) Beſagte Decke
zeichnet ſich durch drei eingeſtickte Wappen aus: Das erſte, mecklen—
burgiſche, iſt (abgeſehen von den Siegeln) als das älteſte Wappen⸗
denkmal des mecklenb. Fürſtenhauſes zu betrachten; das zweite iſt
das Holſteiniſche, das dritte ſcheint das Braudenburgiſche; wenigſtens
"
zeigt der Schild einen Adler, während jedoch der Helm zwei mit
Federn beſteckte Hörner zeigt; die Vermuthung, daß es das Gräflich
\
Lindow'ſche Wappen ſei, ſcheint des Helmes wegen noch weniger zu—
treffend.
Eben daſelbſt Nr. 51: „Der Krieg im Munde des deutſchen“
1
Volkes.“ Etpmologiſche Abhandlung über kriegeriſche Ausdrücke; u.
A. heißt es: „Der zum Angriff dienende Theil der Kriegsrüſtung
wurde urſprünglich durch das Wort Waffe ausgedrückt, d h.
Wurfgeſchoß; doch dehnte ſich der Begriff deſſelben ſräter auch auf
die zur Vertheidigung dienenden Schutzwaffen aus, und ſo kam es,
daß die niederdentſche Form Wappen das hauptſächlich aus Schild
und Helm beſtehende Sinnbild der Rittergeſchlechter zu bezeichnen
begann.“ — — Helm bedeutet „der Hehlende, Schützende, von den:
ſelben Stamme dem auch der Held, d. h. der Beſchirmer, ent⸗
ſprungen iſt. —
„Geſchichte des Wappens des Geſchlechts von Bülow
Ein heraldiſch⸗ſphragiſtiſcher Verſuch auf Grund der älteſten Denk—
mäler des Geſchlechts mit einer Siegel: und Wappentafel, v. G. v.
Bülow. Berlin, bei Mitſcher und Röſtell 1871.“ Dieſe Arbeit er⸗
regt unſer lebhaftes Intereſſe, weil ſie eine der wenigen Kundgebun—
gen auf dieſem Gebiete iſt, welche von einer wiſſenſchaftlichen Dia⸗
gnofe des Herrn Verfaſſers zeugt. Frei von leider namentlich unter
den „Wappenherren“ noch ſehr verbreiteten Vorurtheilen verweiſt er
den mit der Heraldik ſo häufig verbundenen Tand dahin, wo er ge—
gehört, und beſchäftigt den Leſer, ſtatt mit Wappenſagen und an⸗
dern Erzeugniſſen der menſchlichen Eitelkeit, mit der Vorführung des
über das Wappen Bülow vorhandenen wiſſenſchaftlichen werthvollen
Materials. Die allgemeinen Erläuterungen, welche der Herr Ver⸗
faſſer gibt, machen dieſen in ſeiner Beſcheidenheit betitelten „Verſuch“
auch für ſolche Freunde der Heraldik leſenswerth, welche nicht der
Familie v. Bülow angehören und noch nicht tiefer in die ältere Ge—
ſchichte des Wappens eingedrungen ſind. Mit Recht bemängelt der-
ſelbe u. A. den Mißbrauch, welcher mit den Kronen als Helmkronen
getrieben wird. Die einfache alte „königliche“ Krone, welche ſchon
ſehr früh im 3. Jahrhundert als Helmzierde erſcheint und dann
von Fürſt und Edelmann als ſolche geführt wurde, hat der eitlen
Prunkſucht der Neuzeit nicht mehr genügt und man hat neunperlige
Grafenkronen, Kreiberenfronen, ja Kronen des Edel⸗
manns erfunden und ſie als Helmkronen in die Wappendiplome auf⸗
genommen. Ja es giebt Geſchlechter, welche ſogar ihr altes Wap⸗
penbild, ſtatt der räthſelhaften Entſtehung der Form nach-
zuforſchen, um der Eitelkeit zu fröhnen, mit ſolchen Grafenkronen
corrumpirten und ihm den Stempel der Neuzeit dadurch aufdrückten.
Wir kennen ein kurmärkiſches Wappen, welches im 16. Jahrhundert
als ein Wagenſpriet, über welchem eine Krone, erſcheint, und worin
damals die Krone in der alten Form dargeſtellt wird. Die Wappen⸗
träger haben aus dieſer Krone ſeit etwa 50 Jahren eine neunper⸗
lige Grafenkrone gemacht, welche das Lächeln jedes Heraldikers er—
regt; und es bietet doch die Geſchichte dieſes Wappens, namentlich
die Nachforſchung nach der älteſten Form deſſelben in Anbetracht des
Namens, ſo viel des Intereſſanten, daß der Familie Behufs der Unter
ſuchung dieſes Wappens ein Verfaſſer eines ſolchen „Verſuchs“ zu
wünſchen wäre wie der iſt, welcher in obigem Werk zum Leſer ſpricht.
Herr v. Bülow verſteht übrigens die Familien auseinander zu halten,
welche nicht zuſammen gehören, und in dieſer Beziehung möchten wir
denſelben denjenigen Herrn Verfaſſern von Geſchlechtsgeſchichten als
nachahmenswerth empfehlen, welche aus der Gleichheit eines Namens
bei Verſchiedenheit der Wappen eine gemeinſchaftliche Abſtammung
einer Familie folgern, wie dies die umfangreiche Arbeit über das
Geſchlecht der Freiherrn v. Eberſtein in Thüringen ausübt.
Frh. v. R.
„Geſchichtliche Nachrichten vom Geſchlechte Stillfried
von Rattonitz. Herausgegeben von Rudolph Stillfried.
Berlin, im Selbſtverlage des Herausgebers, 1870. Groß Quart.
J. Band, Geſchichte. 542 S. II. Band Urkundenbuch 466 S.“
„Geſchichte der freiherrlichen Familie von Tſchammer.
Herausgegeben von dem gegenwärtigen Majoratsherrn Frei—
herrn A. von Tſchammer-⸗Quaritz, verfaßt von F. W. von Rac⸗
zek. Breslau 1868. Groß Octav. 268 S.“
„Geſchichte des Geſchlechts der Saurma und Sauerma.
Denkſchrift zur 300jährigen Gedächtnißfeier der Fideicommiß⸗
Stiftung Jeltſch, von A. Weltzel. Ratibor 1869. Quart. 139 .
„Stammtafeln des Geſchlechts der Grafen und Frei—⸗
berrn von Saurma-⸗Jeltſch. Aufgeſtellt von Hugo Saur⸗
ma, Freiherrn von und zu der Jeltſch. 1869. Eine zweite
für das Geſchlecht der Sauerma. Beide mit großen, künſt⸗
leriſch ausgeführten Vignetten, gez. von Clericus, geſt. von
Loeillot.“
„Das von Prittwitz'ſche Adelsgeſchlecht. Aus den aufge—
ſammelten Nachrichten zuſammengeſtellt von Robert von Pritt—
witz. Breslau, W. G. Korn, 1870. Octav. 308. S.“
Es ſind alte ſchleſiſche Geſchlechter, die hier in den letzten Jahren
Darſtellungen ihrer Familiengeſchichten gefunden haben; das Ur⸗
kunden buch der Stillfriede beginnt mit dem Jahre 1207 am
Hofe Leopold's von |
Oeſterreich; die Tſchammer rühmen ſich, nach⸗
weislich in der Tartarenſchlacht bei Wahlſtatt 1241 mitgekämpft zu
haben, und auch der ſtrengſte Kritiker wird ſoviel als erwieſen er—
darſtellenden und etwa
achten müſſen, daß auf einem jene Schlacht
ee;
2
—
ein Jahrhundert ſpäter entſtandenen, uns noch erhaltenen Bilde einer
der deutſchen Ritter angeblich das Wappen der Tſchammer auf
ſeinem Schilde führt.“) Die Prittwitze erſcheinen zuerſt 1308 unter
dem Hofadel der ſchleſiſchen Piaſten. Weit ſpäter beginnt die Reihe
der Saurma's, die auch im Gegenſatz zu Jenen aus dem ſtädtiſchen
Patriciat hervorgegangen ſind. Ihre Stammtafel zählt vom Jahre
1420 ab.
Bezüglich der Ausführung iſt unbedingt an erſter Stelle zu
. Rune 3 ara)
nennen dos Stillfried ſche Buch, ein Muſter- und Prachtwerk in
feiner Art, wie es Schleſien noch nicht aufzuweiſen hatte. Aeußer—
lich mit demſelben Glanz ausgeſtattet, den man einſt an den mo-
3 ‘
unmenta Zollerana bewunderte, verſchwenderiſch reich verſehen mit
Allem, was ein Werk dieſer Art beleben und ſchmücken kann, Abbil—
dungen von Wappen und Siegeln, Epitaphien, Facſimiles, ſauber
ausgeführten Anſichten der Stammſchlöſſer, einer großen Sammlung
gut abgedruckter Urkunden und vor Allem einer ſtolzen Folge künſt⸗
leriſch ausgeführter Ahnenbilder, die in Erſcheinung und Tracht ſo
chargeteriſtiſch die wechſelnden Zeiten abſpiegeln, führt es die Ge—
ſchichte des Geſchlechtes herab bis zu dem Herausgeber, dem jetzigen
Haupte der Familie, dem Oberceremonienmeiſter Grafen Stillfried
von Alcantara, dem Herausgeber der Alterthümer des Hauſes Hohen—
zollern und Forſcher in der Geſchichte des preuß. Königshauſes, deſſen
Autobiographie darin ein größerer Raum gegönnt iſt. Die ältere
Genealogie läßt manchen Zweifel noch ungelöft. Bei der Fülle des
hier Gebotenen werden wir gern mancherlei, was
7
J
|
zu treten, ſich nicht der Pflicht zu entziehen, die von ihm ange⸗
führten Thatſachen auch quellengemäß zu begründen, und außerdem
überſichtliche Stammtafeln der verſchiedenen Linien dem Werke bei—
zugeben.
(Schleſiſche Zeitung vom 16. Febr. mit Aenderungen.)
Anfragen.
III.
Im Jahre 1285 erläßt der Propſt Rainer de Orio ein
Schreiben an die Domherren des Stifts Meißen wegen Ein:
treibung des päpſtlichen Decems, und ſagt an der Stelle der
Siegelformel:
nec miremini de sigillo, quia antiquum
amiseramus et utebamur tunc et utimur alio novo si-
Sillo, quod fieri fecimus sub alia pressura, quod
in rei
testimonium duximus praesentibus adponendum.
(Abgedr. im Cod. dipl. Sax. reg. II. I. Nr. 268.) Eines
Theils wird hiermit die Wichtigkeit beſtätigt, welche den Siegeln
dem Hiſtoriker all—
zuviel ſcheint, was aber vielleicht aus dem Weſen einer Familienge-
ſchichte ſich wie von ſelbſt ergiebt, mit in den Kauf nehmen. Uebri-
gens hat ſich in dem Werke auch noch Platz gefunden für genealo—
giſche Arbeiten über die Familien Schaffgotſch, Köckritz und Mettich,
für welche das Material indeß jedenfalls noch nicht genügend zu—
ſammengetragen iſt.
Weniger glänzend, aber gleichfalls ſchön ausgeſtattet erſcheint
die Tſchammerſche Familiengeſchichte. Die Anführungen, obwohl
leider der Quellennachweiſungen entbehrend, ſcheinen zuverläſſig, die
zahlreichen Stammtafeln ermöglichen raſche Orientirung, ein um—
faſſender urkundlicher Anhang, bei welchem allerdings grade die äl—
teſten Zeiten nicht vertreten find, ſchließt ſich der Darſtellung an.
Die Arbeit über die Saurmas bringt vor Allem die Eigen—
ſchaften ihres Verfaſſers, des fleißigen und beleſenen oberſchlefiſchen
Hiſtorikers Pfarrer Weltzel, zum Ausdruck, und gewährt deshalb
neben der eigentlichen Familienchronik noch namentlich für S rtsge⸗
ſchichte reiches Material und Alles immer durch genaue Citate be—
glaubigt. Getrennt davon, doch zu der nämlichen feſtlichen Ver—
anlaſſung, hat dann Freiherr Hugo von Saurma ſeine kunftvollaus—
geſtatteten 2 großen Stammtafeln bearbeitet.
Am anſpruchsloſeſten tritt die Prittwitz'ſche Familiengeſchichte auf.
Ihr Verfaſſer (von 1856-1863 Vicepräſident der Breslauer Re—
gierung) erklärt in der Vorrede, er habe trotz feines vorgerückten
Alters (64 J.) und trotz des Mangels an geſchichtlichen und gene—
alogiſchen Vorſtudien ſich entſchloſſen, eine überſichtliche Zuſammen—
ſtellung aus dem bisher über die Geſchichte des Geſchlechts Ge—
ſammelten herzuſtellen, die ja dann eine künftige eingehendere Fami—
lienhiſtorie weſentlich erleichtern würde. In der That waren hier
die Schwierigkeiten größer als bei einem der vorhergenannten Werke,
weil dieſe Familie beſonders viel verzweigt iſt. Jedenfalls werden
die Geſchlechtsgenoſſen ihrem Senior zu lebhaftem Danke verpflichtet
ſein, und auch ein weiterer Leſekreis wird Abſchnitte wie den über
den tapferen Bernhard v. Pr., den terror Tartarorum (Mitte des
16. Jahrh.) oder über den kühnen Reiterführer Joachim Bernhard
v. Pr. den Freund Friedrichs des Großen, deſſen Retter er bei Ku—
nersdorf wurde, mit Intereſſe leſen. Wir wollen hier nur noch aus
unſerm Buche die rühmliche Thatſache hervorheben, daß bereits 9
dieſes Geſchlechts in dem jetzigen Kriege ſich das eiſerne Kreuz er⸗
kämpft haben. Im Uebrigen aber möchten wir dem künftigen Fa⸗
miliengenealogen, der nach dem hier Gebotenen immer noch man—
cherlei zu thun finden wird, es dringend ans Herz legen, doch, wo—
fern er ſein Buch dazu beſtimmt, irgendwie an die Oeffentlichkeit
) Wenn uns die Ordensurkunden dies Geſchlecht in jener Zeit
unter den Mitgliedern des Ordens aufführen, kann das auch richtig
Ih ſonft aber dürfte das Wappenbild einem andern Geſchlecht an:
gehören.
in der Zeit beiwohnte, wo dieſelben die Unterſchrift erſetzten,
andererſeits erregt aber auch die Angabe, daß er ſich ein neues
Siegelsubalia pressura habe machen laſſen, die Frage, was
damit gemeint ſei. Will der Propſt damit ſagen, daß er ſich
das neue nach einem andern Abdrucke habe anfertigen
laffen, oder ſoll es heißen, daß der Stempel nicht gravirt, ſon—
dern gepreßt, gegoſſen worden ſei? Bekanntlich begegnet man
im Mittelalter mehr nach einer vorhergemachten Form gegoſſe—
nen, als mit freier Hand gegrabenen Siegelſtempeln, weil letz⸗
teres ſchon eine größere Kunſtfertigkeit vorausſetzte. Sphragi—
ſtiker mögen die richtige Erklärung nach andern derartigen Vor—
kommniſſen liefern.“) G.
IV.
Das gewöhnlich vorkommende Siegel der Stadt Belgern
an d. Elbe zeigt eine Kirche mit zwei ſchlanken ſpitzigen Thürmen
und einem kleinern dergleichen auf dem Dache Daneben findet
man auch ein Siegel, worauf ein Jagdhorn an einer Schnur
hängend dargeſtellt iſt und die Umſchrift ſteht: Stat Belgern
Feden Siegel 1709. Welche Bedeutung hat wohl dieſes?
Sollte unter dem Ausdruck Feden das Wort Fehden und ſo—
viel wie Streit, Proceß, alſo die mittelalterliche Bezeichnung
ad causas zu verſtehen fein, fo daß man es mit dem Stadt-
Gerichts-Siegel von Belgern zu thun hätte? Archivare
können aus dem Gebrauche dieſes Siegels an Schriften viel—
leicht Erklärung geben.“) Wäre dies Siegel das Gerichtsſiegel,
ſo wäre zu erörtern, woher die ſo ganz vom Stadtſiegel abwei—
chende Darſtellung und die Wahl eines Jagdhorns zu erklären
ſei. 6.
V.
Eruenda unter Städteſiegeln gehören wohl zu den Selten—
heiten, weil die Umſchrift faſt immer den Namen der Stadt
bringt; aber doch kommen dergleichen von Orten vor, wo die
Magiſtrate gar keinen Namen angebracht haben, oder dieſer nur
mit Buchſtaben angedeutet iſt.
Dem Einſender liegt ein Abdruck vor, auf welchem zwei
) Der Ausdruck „sub alia pressura“ ſoll wohl bedeuten, daß
das neue Siegel [zum Unterſchied von dem verlorenen und um einen
Mißbrauch deſſelben zu verhindern] eine andere Prägung oder
andere Grapirung zeigte, mindeſtens einen anderen Typus der Aus⸗
führung, wenn auch dieſelben Figuren. A. d Red.
EN
) Der Einfender erlangte es von Schriften abgeſchnitten.
5
an?
Vermiſchtes.
Zum Protocoll der Sitzung v. 2. März d. J., Herold S. 9,
und die hiezu gemachte Bemerkung des Herrn H. v. Ra O.
S. 26, betreffend Wappen und Geſchlecht des Markgräflich branden⸗
burg. Marſchalls Albero, erlaube ich mir hinzu zu fügen, daß dieſer
Marſchall bei Riedel cod. dipl. brand. 1244—1267 ausdrücklich als
„Albrecht de Stolpe marſcaleus“ wiederholt bezeichnet wird. Die
v. Stolpe oder Stülpe kommen noch 1292—1551 vor.
Chl. C. Frh. v. R.
Als Beitrag zu den in Nr. 1 S. 7 mitgetheilten v. Schön⸗
berg'ſchen Stammblättern möge auch folgendes Blatt eines unbekann⸗
ten Stammbuches dienen, welches ſich in dem Wappenſammelbuche
des „Chriſtoph Adam Fernberger von Egenberg, Erb⸗
kämmerers in Oeſterreich ob der Enns, der N. Oe.: Landſchaft
Raitmarſchall's“ findet. (Die Sammlung wurde ca. 1640 angelegt
und beſteht großentheils aus Stammbuchblätteru.)
1609.
„ 8.
[Wappen: Löwe von r. u. gr. geth. in G. Rother Löwenkopf mit
lang ausgeſchlagener Zunge auf dem gekr. Helm. Helmdecken r. u. g.]
Hanß Friderich von
Schönberg der Jung.
ma. pr.
Blatt 284a.
(H. G. W.)
Bibliographie.
Durch die Buchhandlung von Mitſcher & Röſtell, Berlin,
Leipziger Straße 129, iſt zu beziehen:
Schilling, Langenargen, feine Geſchichte und die feiner Beherr-
ſcher, insbeſondere der Grafen von Montfort. Mit e. kurzen
Geſch. d. ehemal. Amtsorte v. Langenargen. Urſendorf. 18 Sgr.
Schroll, Urkunden und Regeſten des Auguſtiner⸗Chorherrenſtiftes
Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt. 1 Thlr. 10 Sgr.
Siebmacher, großes und allgem. Wappenbuch in e. neuen vollſtän⸗
dig geordn. und reich verm. Aufl. mit herald. und hiſtor. Er⸗
(äuterungen, ber. v. Mülverſtedt, Heyer, Hildebrandt, Gritzner,
Gautſch und A. Lf. 74—82. Nürnberg. a 1 Thlr. 18 Sgr.
Siegel des Mittelalters a. d. Archiven der Stadt Lübeck. 8. Heft.
Lübeck. 24 Sgr.
Spieß, das Dillenburger Schloß. Wiesbaden. 124 Sgr.
Stickel, morgenländiſche Münzkunde 1 2. Leipzig. 6 Rthlr. —
v. Stillfried⸗Alcantara, Regeſten zur älteren Geſchichte der
Grafen Mettich, Freiherrn von Tſchetſchen, nebſt e. ausführlichen
Stammtafel. Berlin. 1 Thr. 10 Sgr.
Tafuri, della nobilitä nel gia reame delle Sicilie, Napoli. 1
Thlr.
Taſchenbuch, genealog., nebſt diplomat. ſtatiſt. Jahrbuch für
1871. Gotha. 1 Thlr. 20 Sgr.
Taſchenbuch der gräflichen Häuſer auf 1871. Gotha. 2 Thlr. 5
Sgr.
Taſchen buch der freiherrlichen Häuſer auf 1871. Gotha. 1 Thlr.
25 Sgr.
Trachſel,
die Münzen und Medaillen Graubündens, beſchrieben und
abgebildet.
Liefr. 1—3. Berlin. 1 Thlr. 10 Sgr.
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R-B. Magdeburg.
Trasmonde-Frangipani, De Frangipanis eorumque consanguine-
is. Romae,
Urfunden- Bud der Stadt Lübeck. Her. v. d. Verein für
Lübeckiſche Geſch. u. Alterthumskunde. 4. Theil, 1.—3. Liefe⸗
rung à 1 Thlr. Lübeck.
Urkundenbuch, liv- und eſthländiſches, nebſt Regeſten. Her. v.
Bunge. 6 Bd. 3. und 4 Heft. Riga. 2 Thlr.
Urkundenbuch, Breslauer, bearbeitet v. Georg Korn, 1 Thlr. Bres⸗
lau. 2 Thlr. 20 Sgr.
e Familiengeſchichte der von Dewitz. 1. Bd. Naugard. 5
Thlr.
Wing Oefversigt af nyare historien 1492-1870 med gene-
alogiska, geografiska och statistisca anmaerkinger. Gele.
Pig Geſchichte der Familie v Blücher. 1 Band. Schwerin.
5 Thlr.
Willis, Science of heraldry, part. I. London 11 Sgr.
Zeitſchrift, heraldiſch-genealogiſche, Organ des herald. Vereins
„Adler“ in Wien. Jahrgang 1871. 4 Thlr. 15 Sgr. (für Ver⸗
einsmitglieder 2 Thlr 15 Sgr.)
Zeitung, numismatiſche, red. von
1870. 4 No. 4 Thlr.
Zeitung, numismatiſche, Blätter für Münz-, Wappen⸗ und Sie⸗
gel⸗Kunde, red. von Leitzmann. Weiſſenſee. Jahrgang 1870.
26 Nrn. 2 Thlr. 15 Ngr. .
Durch dieſelbe Buchhandlung iſt der erſte
Jahrgang (1870) des „Deutſchen Herold“
zum Preiſe von 1 Thlr. 15 Sgr. noch fortwäh⸗
rend zu beziehen.
Huber und Karabacek. Jahrg.
An ze i g en.
Seyler, G., „das grollende Rauſchen in den Falten
des alten Kaiſermantels auf der Hofburg zu Wien.“
Fliegender Literatur-Bericht über des Malers und Literaten L. Cle⸗
ricus zu Berlin Brochüre: „Das Wappen des deutſchen Kaiſers
und die deutſchen Reichsfarben.“ Motto: „Dem groben Klotz
ein grober Keil.“ 8. (12 S.) Würzburg, 1871.
Wird von der Stahel'ſchen Buchhdl. in Würzburg gegen Einfen-
dung von 4 Gr. in Marken franco verfandt.
Durch mehrfache Anfragen veranlaßt, theile ich den
dafür ſich Intereſſirenden mit, daß die von mir beabſich-
tigte und bereits vor einiger Zeit angekündigte Heraus-
gabe der „Stammbuchblätter des norddeutſchen Adels“ bis-
her, eingetretener hindernder Umſtände wegen, noch nicht
hat erfolgen können; letztere werden indeß hoffentlich bin-
nen Jahresfriſt als beſeitigt angeſehen werden können.
Gleichzeitig erlaube ich mir, an die ge-
ſchätzten Ceſer d. Bl., welche alte Stammbücher
mit Inferiptionen und Wappen aus dem 16.
bis 17. Jahrh. beſitzen, oder wiſſen wo ſich ſolche
befinden, die ganz ergebenſte Bitte zu richten,
mir gütigſt recht bald davon Nachricht geben zu
wollen. Ad. M. Hildebrandt.
Inhalts-Verzeichniß.
Nobilitirung. — Protocoll. — Erwiederung auf Th.
Stenzels genealog. Bemerkungen. — Das Hatzfeldt'ſche Wap⸗
pen. — Deutſche Städtewappen. (Fortſ.) — Hund, Bayr.
Stammenbuch. — Literatur. — Anfragen. — Vermiſchtes. —
Bibliographie. — Anzeigen. — Beilage: Matrikel. —
Commiſſ.⸗ Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
Hierzu eine Beilage.
H
k
1
k
1695 | vacat.
Beilage zu Nr. 3 des „Deutſchen Herold.“
I
i, |
f N Datum
Jahr Datum 1 Jaht
r der
. Di 5 amtl.
des Diploms. Pub ie,
1690 24. Sept.
/8. Oet.
1691 12. Aug.
„I. Seßt.
Ii
„ 7. Nov.
16924. Aug.
28. Dez
1693 30. Mai
% 12. Juni
1694 25. Juli
7 18. Sept.
1696 30. Jan.
/9. Febr.
% Mai
(nicht
14.24.
Mai
1690.
N 4. Juli
1698 11. Febr.
„ 1: März
„ 10. März
Ayr.
5 14. Apr.
„ 10. Juni
„27 Juni
Name.
Dieſt.
Wernicke.
Schönbeck.
Weiler.
von der Goltz.
Bormans.
Ditmar von Dit—
marsdorf.
Platen.
Steutner von
Sternfeldt
Hornig.
Blaſpiel.
Cieſielski (Zimmer:
mann v.)
Stille.
Ludwiger.
Canitz.
Happe.
Heugel.
Poigk.
Berchem.
Melchior von Reichau.
Bauer.
N M
Inhalt N
des |
Diploms. |
conf. A.
an. A.
an. A.
an. A.
|
|
|
beſt. A.
an. Frh.
beſt. A.
an. A.
29
Matrikel.
Diplom
für
Fr. Wilh. D., Geh. Reg.
und Kriegs-Rath.
Chriſt. Fr. v. W.
zu
Carl v. S., Neumärk.
Reg.⸗Rath.
Ernſt v. W., Kurbrd.
Wachtmeiſter
Georg Caspar.
Andr. de B., Erbherr
auf Goyé und Hasle—
brouck.
Oberſt Martin D. v. D.
Franz Ernſt Grf. v. P.
Heinr. Steutner v. S.,
Oberſtlieut. der Art.
Georg v. H., Magdeb.
Oberforſtm.
Joh. Moritz Frh. v. B.,
Kurbrand. Wirkl. Geh.
Rath.
Daniel 3 9. .
2 Gebr. v. St.
Joh. Casp. v. L.
Fr. Rud. Frh. v. C.
Wilh. Heinr. v. H.,
Kurbrd. Geh. Rath.
Joh. Albr. v. H.,
Kurbrd. Hof⸗ u. Kammer⸗
Gerichts⸗Rath.
Wilh. u. Paul v. P.
Georg v. B., kurbrand.
Geh. Etatsrath.
Carl M., Maj. im Rgt.
Barfuß.
Conrad B, Kurbrand.
Stallmeiſter.
(Fortſetzung.)
Wappen.
Köhne III. 5.
Köhne IV. 90.
Köhne IV. 53.
Schräglinks⸗
balken in R.
H.: 2 Pau⸗
ken.
Köhne II. 37.
Köhne II. 87.
Köhne III. 6
Siebm. \
Zuſ. 1
Köhne IV. 69.
—
©
I
— |
Köhne II. 24.
Köhne 11. 97
Köhne IV. 70.
Köhne III. 91.
Köhne II. 28.
Köhne III. 39.
Köhne III. 49.
Siebm. l. 155.
Köhne II. 80.
Köhne IV. 30.
Vermuthlich
das bei
Köhne 11.77.
|
,
Bemerkungen.
R.“ A. 9. 1687 für
1 ein oki res Diplom
der Familie ſiehe 7. 5. 1790.
R. A. d. d. 21. 5. 1688 für
denſelben.
R. A. d. d. 1. 3. 1686 für
denſelben.
R A d. d. 4 6 e für
denſelben, vgl. auch ol.
1787. (and. Familie.)
1 9 d. d. 10. 5. 1678 für
ihn und ſeinen Bruder Johann
Rüdiger v. d. G.
R. A. mit „v. D.“ für den⸗
ſelben d. 9 22 91691.
R. Grf. d. d. 20. 7. 1689 für
: denſelben. 5
R. A. d. d. 83 1691 für
denſelben mit „v. Sternfeldt.“
R. A. d. d. 25. 6. 1679 für
1
R. Frh. de 19, 12 1678
für deſſen 1 Werner Wilh.
Kurbr. Wirkl. Geh. Rath.
Des ihnen vom Kaiſer bereits
14.124. Mai 1690 ertheilten
R. Adels.
R. A. d. d. 10. 6. 1545 für
Georg L.
R. Frh. d. d. 3. 1. eod. für
denſelben. Vgl. 28. 10. 1780
und 3. 6. 1798.
R. A. d. d. 14. 4. 1695 für
denſ. nebſt 3 Kindern.
R. A. 12. 10. 1539 und 15.
Sept. 1580; kaiſ. Renovation
d. d 27. 1.1642 für 4 Gebr.
H. (Darunter aber nicht
Joh. Albr. v. H.)
(Als „alte“ Edelleute.)
(Des „alten Adels.“)
A
Mit Prädikat: u Rei⸗
chau.“ (Vgl. 18. 1. 1701 wo
ſeine Bruder als M. v. Skirbs
nob. om)
Datum Inhalt Diplom
des
des Diploms. af Diploms.
Wappen. Bemerkungen.
für
J 0
1698 | 9. Sept. Kleinſorge. an. A. Heinr. Balth. K.. Köhne III. 66. Se a d. 1 e für
2 7 18 denſelben. te Fam 1.
Kurbrd. Kammer⸗Rath. iel 5 Aug 1792 0
R. Frh. d. d. 10. 10 1846 den.
N Preuß. Frh.)
Martitz. a Joh. v. M. Köhne III. 94. R. A. d. d. 4. 2. 1694 für
denſelben (in Pommern). Die
in Preußen eine andere Fam.
Schmettau. ; ? Köhne IV. 50. Der Adel bereits vom Kaiſer
d. d. 28. 9. 1668 renovirt.
(Vgl. 16. 10. 1701,31. 7. 1742
und 18. 9. 1822.)
Lethmate. an. Frh. Casp. Fr v. L., kurbrd. Köhne II. 46.] N. Frh. d. d. 12. 5. cod. für
Gen.⸗Maj. denſelben.
Schnitter. an. A. Carl Conſtantin S., Köhne IV. 52.] R. A. d. d. 2. Oct. 1536 und
kurbrd. Oberſtlieutenant. 15. 7. 1562 für deſſen Vor⸗
f f 5 fahren in Görlitz.
von der Lith. an. A. Joh. v. d. L., Kurbrd. Köhne III. 87. (Uradel aus dem Bremen'ſchen.)
Kriegs⸗Rath, und die
Kinder feines F Bruders
Fr. Heinr. v. d. L.
18. März Alemann. 4 2 Köhne II. 71. R. A. d. d. 9. März 1602
| Getheilt für Joh. Martin A., Bürger⸗
Löwe und || meiiter zu Magdeburg nebſt
Doppelhaken. 10 Brüdern u. Vettern (and.
Fam. v; 2 73
. Mat. Chenu de Chale- Jacob de Chalezac. Led. 111, 226 RE, u 5 5 2 6005
zak. genau? für denſelben.
Juli Schrödern. (Schrd- A. Gebr. Hofger.⸗Rath u. Khöne IV. 56.] R. A. d. d. 11. 3. 1698 für
der.) Lehnsſekretair von Hin⸗ dieſelben.
terpommern Balth. ©.
und Jacob S., Heſſen⸗
Darmſt Geh.-Rath und
| Kanzler.
18. Juli Unfried. ; Joachim Seultetus Köhne IV. 79.] R. d. d. 11 1078
nicht (Schultz) Unfried. Joachim S., als
ee 0. ; „v. Unfried.“
1698.)
18. Juli Corswant. A. Casp. C., Kurbr. Reg.⸗ Köhne II. 100. R. A. d. d
u. Hofrath u. Chriſt. d
C., Obereinnehmer und
Bürgermeiſter zu Greifs—
wald.
13. Sept. Mißbach. g Joh. Ernſt M. Köhne IV. 4. R. A. d. 1 15 7. 1695 für
enſelben.
do. Polenius. (Pohlens.) „Joh. Math., Polenins, Köhne V. 22. R. A. d. d. 1. 4. eod. für
(nicht Verſchieden von der Kurbr. Reg.⸗Rath und denſelben.
18. Sept.) alten Familie von Lehnsſekr.
Polh)lenz.
do. Unverfaerth. . Joachim Martin U., Köhne IV. 79.] R. A d. d. 14. 2. eod, für
Kurbrd. Kanzler des F. denſelben.
Minden.
Cordier. ! an. Etienne C., Leg.⸗Rath Led. J. 147. Franzöſiſchen Adels.
und Direktor der Königl.
Hüttenwerke.
Kholer. Chriſt. Jonas K. Köhne III. 65. a A. ii hi ee 1 5
H eſſen Vater Joh. Geor 5
Mae Sn. id Mohrenfeldt. Schon
d. d. 1. 3. 1617 hatte Auguſtin
K. den R. A. erhalten.)
9. Sept.
alias 4. 8.
1699.
19. Sept.
11. 10. 1698 für
ieſelben.
Jahr | Datum
des Diploms.
1699 20. Oet.
9. Det
78. Nov.
(nicht 29.
Nov.)
1700
77
7
7
1701
7
[23
28. März
„Juli
30.
Juli
| 7. Sept.
|
19. Sept.
23. Nop.
26. Nov.
2. Jan.
18. Jan.
[27
„
„
Datum |
u Jahr
der
amtl.
Publie.
Name.
Kolbe von Wartenberg
Barfus.
Bidekaps von Aßbach
(von Aſchenbach.)
Lauwitz.
Speckhan.
Waldburg -Truchſeß.
Anckerheim.
Greifenpfeil.
Schwerin.
(Linien Walsleben,
Wildenhof, Wolfs-
hagen.)
Plettenberg.
Kreytzen.
Wallenrodt.
Boyen.
Eichmann.
Ilgen.
Lehmann.
Matthias von Berchem.
Diploms.
— — T — .(— — .ſ ́ͤ ͤ— öBᷣ—
Inhalt
des
an. Grf.
an. Grf.
beſt. A.
an.
an.
an.
an.
all,
Diplom
für
Joh. Caspar Frh. C.
v. W., Kurbrd. Premier-
Miniſter.
Joh. Georg, nicht Albr.
v. B., Kurbrd. Gen.
Feldmarſch.
Fr. Eberh Chr. B. u.
Schweſter El. Sophie B.,
Kinder des + Kurbrd.
Geh. Kämmerers B. u.
der Gemahlin deſſelben,
ſpäter vermählt mit dem
Grafen Kolbe v. War—
tenberg, als Bidekaps v.
Aßbach.
Joh. Philipp Lau, Ob.
App. Ger. Rath, als
„v Lauwitz.“
Marie und Adelheid S.,
Töchter des Kurbrand.
Raths S.
Nachkommen des Grau:
fen Wolfgang Chr.
T.-W.
Chriſtian (Matheſius)
b A.
Melchior v. G., Kaiſ.
Oberſtlieut.
Otto Frh v. S.
Jobſt Heinr. v. P. aus
dem Haufe Schwar-
zenberg.
Joh. Albert v. K. (in
Preußen)
Chriſtoph v. W.
Raphael B., Weſtpr.
Vaſall, Pol. Oberſtlieut.
Ew. Joa. E., Bürgerm.
zu Colberg.
k. Pr. W. Staatsrath
Heinr. R. J.
Franz Heinr. L.
Geh. Hof⸗ und Amts⸗
Kammerrath Joh. Theod.
M. nebſt Frau Louiſe
geb. von Berchem.
Wappen.
Köhne IV. 65.
[Köhne J.. 7.
Köhne II. 38
Köhne J. 97.
Stw.
(frhl. W.?)
Köhne l. 63.
Köhne Ill. 13.
Köhne III. 82.
(Baum.)
Köhne II. SO,
Köhne II. 11.
I (Val. 19. 9. u.
Köhne J. 18.
Köhne II. 74.
Köhne III. 81.
Köhne II. 72.
Siebm. J. 130.
Köhne II. 90.
Köhne II. 89.
Köhne III. 59.
Bemerkungen
R. Gef. d. d. 26. 10. 1698
für denſelben.
15. 10. 1786
Wartenberg und Kolbe.
(Colbe.)
R. Grf. d. d. 10. Sept. ejd.
(Im ſelben Jahre ſoll auch der
vom Kaiſer wann? ertheilte
Freiherrnſtand einer Linie der
Familie anerkannt fein.)
R. A. d. d. 20 7. 1891 für
dieſelben als „von Aſchen—
bach;“ (ſo nennt ſich die
Familie augenblicklich wieder.)
Außerdem exiſtirt in Dänemark
und Schweden eine gleichna—
mige ältere, auch freiherrliche
Familie.
R. Grf. d. d 15. 3 1686 für
Wolfgang Chr. Frh. T. W.
R. A. d. d. 27. 6. 1699 für
Chriſtian Matheſius, als
„v. Anckerhe m.“
Frh. d. d. 10. 1. 1699 für
denſelben.
(Vgl. 15. 7. 1685.)
rf. d. d. 11. 9. .
gl. 3. 10. 1654, 31. 7. 1740,
27. 2 % 1.1787)
R.
R. d. 21. 6. 1698 für
Frhſt. d. d
denſelben.
Aus dieſer Familie erhielt ein
Zweig in Kurland als Belzig
v. Kreutz d. d. 29. 6. 1839
den Ruſſiſchen Grafenſtand mit
ſehr vermehrtem Wappen.
W.: 4 Felder und Mittelſch.
(Vgl. 12. 7. 1705 und 1. d.
1672.
Die Gemahlin war die Letzte
der 14. 4. 1698 anerkannten
Familie.
Jahr
des Diploms.
1701
Datum
18. Jan.
7
25. März
12. Mai.
1. Juni.
14. Juni.
(nicht Ja⸗
nu ar oder
Mai.)
17. Juni
10. Aug.
22. Aug.
Datum
u. Jahr
der
amtl.
Public.
wald.
Name.
Medern.
Melchior von Skirbs.
de la Palme du
Pré.
Quickmann.
Rebeur.
Roth.
Staden.
Stoſch.
Volckmann.
Werner.
Weißen
Kunſchig von Breit⸗
(Kunſch von
Breitenwald.)
Crull.
Wylich und Lottum.
Blumenthal.
Fuchs
Rickers.
Inhalt
des
Diploms.
A.
A.
an. A.
und Er⸗
ßiſchen
A.
an. Grf.
an. Grf.
an. Frh.
Frh. A.
Ws.
hebung in
den Preu-⸗
Adelſtand.
Diplom
für
Wilh. Gottfr. M.
Joh. Melchior mit Prä⸗
dikat „v. S.“
Peter Thomas d. J. P.
dp.
Landrath und Bürger:
meiſter Thomas Q. zu
Greifenberg in Pommern.
Joh. Phil. R., Infor⸗
mator des Kronprinzen
Fr. W. v. Preußen, u.
deſſen Bruder Joh.
Gabriel R., Capitain.
Moritz Conrad N.
Michael S.
Fr. W. St., Geh.
Staats ſekretair u. Hof
rath. und Bruder Wilh.
Heinr. St., Geh. Käm⸗
merer und Hofrath.
Joh. V., Bürgermeiſter
von Stargard und Land—
rath von Hinterpommern.
Köhne IV. 90.
Gottfried W., Hofrath
und Lehnsſekretair in
Preußen.
Gottfried W. (1716 k.
Pr. Geh Hof- und Kam⸗
merrath.)
Halberſtädt. Reg.-Rath
C. E. K. v. B., aus
Gröningen.
Carl G. C. nebſt Mutter
und Schwelter.
Philipp Karl, Frh. v.
W. und L., k. Feld⸗
marſchall.
Ludw. Frh. v. B., k.
Pr. Kammerherr und
Oberſt der Leib⸗Dra⸗
goner.
Paul v. F., k. Pr.
Geh. Rath.
Johanna Sibylla R.,
verm. Freifrau v. Die:
penbrock.
(Fortſetzung folgt.)
Wappen.
Köhne III. 96.
Köhne V. 63.
Köhne I. 15.
Köhne IV.
Köhne IV. 15
Köhne IV. 38.
Köhne IV. 65.
Köhne IV. 71.
Led Il. 63.
|
|
Geſpalten,
vorn ein
Löwe.
W. genau?
Köhne III. 1.
Köhne 1. 68.
Köhne 1.
Köhne 11.5
Bemerkungen.
— ͤ—
R. A. d. d. 20. 1. ejd. für
denſelben.
Der Nob. war der Bruder
des d. d. 10. Juni 1698 mit
„v. Reichau“ nob. Carl M.
Name und Wappen ging durch
Diplom vom 22. 3. 1841 auf
die Familie von Paſchwitz über
(vgl. dies Jahr).
Köhne III. 77.
Köhne 11. 37.
Vgl. 14. 9. 1726.
| Derſelbe hatte (wann?) den
Reichsadelſtand erhalten.
1596
R. Grf. 20. 1. ejd. für den⸗
. ſelben.
(Vgl. 15. 10. 1661.)
R. Grf. d. d 20. 1. ejd.
für denſelben.
Dieſe Linie iſt +. (Vgl. 20 10.
1786 und 15. 10. 1840.)
Ferner wurde eine Linie d. d.
. . . 1646 in den R. Frh.,
eine andere d. d. 9. 1. 1733 in
den R. Grf. erhoben.
R. Frh. d. d. 1. Aug. ejd. für
denjelben.
Er hatte d. d. 4. Juni 1683
den Reichsritterſtand, (vgl. 11.
12. 1684) erhalten.
(Vgl. 2. 6. 1702.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde Zu Berlin.
Jährl. Abonnementepreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
Mr. 5 u. 6. , Berlin, im Juni 1871. SI 2. Jahrgang.
Auf die unterm 28. April d. J. von den Vorſtands⸗Mitgliedern des „Herold“ an Seine Königliche Hoheit den Prinzen
Georg von Preußen gerichtete Adreſſe um Uebernahme des Protectorats, iſt dem Vereine durch den zeitigen Vorſitzenden —
Geheim⸗Seeretair Warnecke — folgendes höchſteigenhändiges Schreiben zugeſtellt worden:
„Dem Verein „der Herold“ ſage ich meinen beſten und aufrichtigſten Dank für die
„liebenswürdige Abſicht, mir die „Schutz⸗ und Schirmherrſchaft“ deſſelben anzutragen und
„mich zu ſeinem „ſchirmherrlichen Oberhaupt“ erwählen zu wollen. Sehr glücklich macht
„es mich, meine hiſtoriſchen Studien hierdurch gefördert zu wiſſen und dieſe Auszeichnung
„nicht allein meiner Geburt, ſondern auch meiner ſchriftſtelleriſchen Thätigkeit zu verdanken.
Berlin, den 8. Mai 1871.
Georg, Prinz von Preußen.“
2) Vom Herrn Hofgraveur Heinicke in Caſſel ein Stammbuch
des Geſchlechts von Berlepſch, herausgegeben von Joh.
Letzner 1594;
3) Vom Herrn Redacteur Hildebrandt zu Mieſte ſeine Schrift:
„Ueber Wappen und Banner des deutſchen Reiches“;
4) Von demſelben: 2 Wappenzeichnungen der beiden in dem
jetzigen Kriege erloſchenen fränkiſchen Adelsfamilien Peller
von Schoppershof und Heußlin;
5) Von demſelben die „Feſtſchrift zur dritten ordentlichen Haupt⸗
Verſammlung des Harz⸗Vereins für Geſchichte und Alter⸗
thumskunde zu Nordhauſen, den 7. und 8. Juni 1870.“
6) Vom Antiquariats⸗Buchhändler Herrn Ludw. Roſenthal in
München ein Katalog über Genealogie, Heraldik, Diplomatik,
Numismatik von dem Nachlaſſe des ſel. Reichsraths Carl
Maria v. Aretin;
7) Vom Herrn Freiherrn von Vorſt⸗Gudenau: Genealogie der
Familie von Vorſt, Wien 1871. 5
Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des
„Herold“ vom 4. April 1871.
Der Herr Vorſitzende eröffnete die Sitzung mit der Mit⸗
theilung eines Schreibens des Herrn Dr. G. v. Bülow, worin
derſelbe anzeigt, daß er ſein Amt als Vorſtand der ſphragi⸗
ſtiſchen Abtheilung niederlege, da er zum 2. Archivar in Stettin
ernannt ſei.
Zur Aufnahme als neue Mitglieder wurden vorgeſchlagen
und als ſolche aufgenommen:
Zu wirklichen Mitgliedern:
1) Herr Dr. jur. Eugen Trauttwein v. Belle, Cuſtos an der
kgl. Bibliothek; |
2) Herr Dr. phil. M. Runkel, — auf den Vorſchlag des
Herrn Vorſitzenden;
. Zu correſpon diren den Mitgliedern:
3) Serr Gutsbeſitzer Claus Kühl auf Crieſebye in Holſtein, —
auf den Vorſchlag des Herrn Leeſenberg; Der Künſtler Wilhelm Chodowieki, Enkel des berühmten
4) Herr Hofgraveur G. B. Heinicke in Caſſel, — auf Vor⸗ Mannes gleichen Namens, hatte ein Muſterblatt von Wappen
ſchlag des Herrn Schriftführers. | eingeſchickt, über welches derſelbe eine Begutachtung des Vereins
|
An Geſchenken waren eingegangen: . ſich erbat. Dieſes Muſterblatt enthielt zwei Siegelzeichnungen
1) Vom Herrn am Ende in Dresden eine Schrift über die nach Siegeln des Wildgrafen Conrad v. J. 1331 und des
Herkunft der Familie Am Ende; Grafen Walram von Spanheim v. J. 1346, und 4 gemalte
Wappen, Brandenburg, Tyrol, Elſaß und Lothringen, welche
aus Conrad Grünenbergs berühmtem Werke copirt waren. Dieſe
Arbeit wurde für ſehr gelungen erklärt und dem Herrn Cho-
dowieki eine Empfehlung für Arbeiten dieſer Art ertheilt.
Herr Kaufmann Starke in Görlitz hatte den Abdruck
eines, in einem Brunnen gefundenen, mittelalterlichen Petſchafts
eingeſandt, mit der Bitte um nähere Aufklärung der Umſchrift.
Das paraboliſche Siegel zeigt eine Hand mit der Umſchrift:
„Sigillum Petri Praedicatoris,“ iſt alſo offenbar das
Siegel eines Predigers Peter, vielleicht dem Predigerorden ans
gehörig.
Der p. Starke hatte ferner angefragt, ob das (nicht der
bekannten ſächſiſchen Familie von Carlowitz angehörige) Car⸗
lowitzſche Wappen mit dem halben angelehnten Adler den Nach—
kommen eines Markgrafen von Brandenburg⸗Schwedt angehöre,
oder, wie Dorſt angiebt, einer polniſchen Familie; die erſte
Angabe wurde als die allein richtige bezeichnet.
Der Herr Vorſitzende verlas einen Nekrolog des verſtorbenen
Archivraths Mone. Geboren den 18. März 1792 in Min⸗
golsheim bei Bruchſal, ſpäter Profeſſor der Geſchichte in Heidel-
berg, Löwen und wieder in Heidelberg, wurde er 1835 Ge⸗
heimer Rath und Director des Landes-Archivs zu Carlsruhe,
welchem Amte er bis vor wenigen Jahren vorſtand. Einer
der gründlichſten und tiefſten Geſchichtsforſcher, machte er ſich
beſonders durch ſeine „Urkunden-Sammlung des Oberrheins“
verdient, welches Werk für den Verein ſeiner ſpeciellen Genea—
logien wegen werthvoll und intereſſant iſt.
Sodann verlas der Herr Vorſitzende eine Abhandlung
über „Wappen⸗ und Siegelentſtellungen.“ Es wurden darin
die Familien von Beulwitz, von Bünau, von Dobeneck, von
Schauroth, von Schlotheim und andere als ſolche bezeichnet,
deren jetzt geführte Wappen Entſtellungen der alten Wappen
der betreffenden Familien bieten, wobei der Herr Schatzmeiſter
auch auf eine derartige Wappenentſtellung beim Geſchlecht von
Schierbrand aufmerkſam machte. Es empfahl ſich daher, alle
wappenführenden Geſchlechter auf ähnliche Verhältniſſe aufmerk—
ſam zu machen und denſelben die Beachtung der älteren Siegel
ihrer Familien anheimzuſtellen.
Nachdem der Herr Vorſitzende noch einen Literaturbericht
verleſen hatte, wurde die Sitzung geſchloſſen.
Zur Beglaubigung:
F. Warnecke.
Auszug aus dem Protocoll der Sitzung des
„Herold“ vom 2. Mai 1871.
Der Herr Vorſitzende eröffnete die Sitzung mit der er—
freulichen Nachricht, daß, einer Mittheilung des Herrn Generals
Freiherrn v. Knobelsdorf zufolge, Seine Königl. Hoheit der
Prinz Georg von Preußen auf die vom Vorſtande ausge
ſprochene Bitte Höchſtſich gnädigſt dazu bereit erklärt habe,
das Protectorat des Vereins zu übernehmen.
Sodann theilte der Herr Vorſitzende mit, daß er ſich leider
genöthigt ſehe, ſein Amt niederzulegen. Zum Canton⸗Com⸗
miſſair in Deutſch⸗Lothringen ernannt, wohin er noch heute
Abend abreiſen müſſe, werde er dem Vereine ferner nur als
correſpondirendes Mitglied angehören können. Allgemein wurde
dieſe Mittheilung mit Bedauern entgegengenommen, und dan⸗
42
kend der jo ſehr erſprieslichen und unermuͤdeten Thätigkeit e⸗
dacht, welche von dem nun Scheidenden dem Vereine gewidmet
worden.
Nach erfolgter Abſtimmung wurden — auf den Vorſchlg
des Herrn Archiv⸗-Raths, Paſtor Maſch zu Demern —
1) Der Gutsbeſitzer Herr Ehlers auf Grapen-Stieten zum er⸗
reſpondirenden Mitgliede, und auf den Vorſchlag des Schrit⸗
führers:
2) Herr General-Major, Freiherr v. Knobelsdorff und
3) Herr Reinhold Gf. v. Krockow, Pr.⸗Lieutenant in er
Garde du Corps hierſelbſt
zu wirklichen Mitgliedern ernannt.
Der Schriftführer referirte ſodann über die an den Verin
ergangenen Zuſchriften, und theilte u. A. mit, daß die altr⸗
thumsforſchenden Vereine zu Graz und Osnabrück einen gega—
ſeitigen Schriftenaustauſch proponirt hätten und darauf ſeiteis
des Vorſtandes gern eingegangen ſei.
An Geſchenken waren eingegangen:
a) vom Herrn Gr. v. Krockow hierſelbſt:
1) Magiſter Ludolf Rolevinks Trauerrede auf Reinhold vn
Krockow, T 52. 1599, aus dem Lateiniſchen, als Mam⸗
ſeript gedruckt.
b) Vom Herrn Lieut. Leop. v. Beckh⸗Widmeanſtettr
zu Graz:
2) Verzeichniß der gegenwärtig blühenden Familien aus dm
Steiermärkiſchen Hochadel.
3) Graz und feine neuen Gaſſenbenennungen. Ein Beitng
zur Perſonengeſchichte dieſer Stadt. Graz, 1869; bede
von L. v. Bekh⸗Widmanſtetter.
4) Eine Anzahl Siegelabdrücke von den im Beſitz des p. v.
Beckh befindlichen Petſchaften.
c) Vom Herrn Reichsfreiherrn Grote auf Schaum:
5) Die Photographie eines Grabſteins Borchard's von Sten⸗
berg d. a. 1379.
d) Vom Herrn G. B. Heinicke zu Caſſel:
6) Hiſtor⸗geneal. Handbuch über alle Linien des Regentn=
hauſes Heſſen, von Jacob Hofmeiſter. Caſſel. 1861.
e) Vom Herrn Frh. v. Reitzenſtein hierſelbſt:
7) Mittheilungen aus den Archiven des voigtländiſchen altr⸗
thumsforſchenden Vereins in Hohenleuben nebſt dem 38. u.
39. Jahresbericht.
8) Sechs Verzeichniſſe, Kataloge u. ſ. w. von Monographin,
heraldiſchen Werken u. ſ. w.
f) Vom Herrn Schatzmeiſter:
9) Neuer Siebmacher. Der Adel des Herzogthums Luxen⸗
burg von M. Gritzner und Ad. M. Hildebrandt zu Miete.
g) Vom Schriftführer:
10) Die deutſchen Farben vom hiſtoriſchen Standpunkt, vonF.
K., Fürſten zu Hohenlohe-Waldenburg; 1866.
11) 20 Siegelabbildungen aus dem Mecklenburger Urkundenbich.
Ferner erklärte der Verein zu der vom Schriftführer in⸗
geregten ſofortigen Verlegung des Sitzungslokals nach dem Eifé
Mielentz (Carlsbad) ſeine Zuſtimmung, und erklärte ſich auch
auf den Antrag des Herrn Barons Laroche bereit, die Sitzing
und geſellige Zuſammenkunft für die Folge bereits um 64 Ihr
Abends beginnen zu laſſen.
Dem Hauptmann a. D. Herrn von Prittwitz⸗Gaffron in
Oels, welcher nach brieflicher Mittheikung eine Münzſammling
von 1200, eine Wappenſammlung von 20,000 Stück, ane
Fachbibliothek von 100 Bänden und zahlreiche Quellennotzen
43
A
zur Geſchichte des ſchleſiſchen Adels, Autographen, Stammtafeln
u. ſ. w. beſitzt, und ſich bereitwilligſt erboten hate, alle dieſe
Gegenſtände Mitgliedern unentgeltlich zur Benutzung überlaſſen,
wurde für dieſes Anerbieten der Dank des Vereins votirt.
Sodann wurde die Sitzung, in welcher 14 Mitglieder
zugegen waren, gegen 9 Uhr geſchloſſen.
f Zur Beglaubigung: b
F. Warnecke.
Arſprung und Wappen der Jamilien
v. Hagemeiſter.
(Hierzu die beigefügte Wappentafel.)
Ueber die Familien v. Hage meiſter enthalten ſämmt⸗
liche Adelslexica, namentlich diejenigen von Zedlitz und Le—
debur, ſowie das pommerſche Wappenbuch von Bagmihl
irrige Angaben, indem ſie die verſchiedenen Familien dieſes
Namens zuſammenwerfen. Nachſtehendes diene zur Berichtigung.
Es exiſtiren drei verſchiedene adelige Familien dieſes Na:
mens mit verſchiedenen Wappen, welche wegen der Gemeinſam—
keit ihrer Stammgegend — Pommern und ſpeciell für zwei
derſelben Stralſund — und ihres gemeinſamen Wappenemblems,
der Roſe, welche als Hageroſe ein redendes Wappen darſtellt,
zwar verwandt zu ſein ſcheinen, deren Verwandtſchaft jedoch
nicht nachzuweiſen iſt.
1) Joachim Hagemeiſter, ein Sohn des Rathsherrn
Nikolaus H. zu Stralſund ( 1675), aus der älteften
von Heinrich H., Bürgermeiſter zu Grim men (+ 1546)
und Ilſabe v. d. Lipe abſtammenden und ſeit 1539 in
Stralſund anſäſſigen, zu den erſten Geſchlechtern dieſer
Stadt gehörigen und dort noch jetzt exiſtirenden Familie, trat
in ſchwediſchen Staatsdienſt, wurde Hofgerichts⸗ Aſſeſſor zu
Dorpat und 1692 von König Carl XI. in den ſchwediſchen
Adelſtand erhoben. Er erwarb Nömmküll und Oiſo in
Eſthland und ſtarb 1714. Bei ſeiner Nobilitirung erhielt er
als Wappen ſtatt der früheren einfachen Roſe, welche die Fa⸗
milie bereits nachweislich 1567 im Wappen führte, und dem⸗
nächſt von Roth und Silber im umgekehrt gewechselten Felde
theilte (Fig. I.), einen ſchrägrechts getheilten Schild, in deſſen
linken oberem goldeneu Felde drei blaue Roſen, oben zwei und unten
eine, ſchweben, und in deſſen unterem rechtem ſchwarzem Felde
eine goldene nach oben gerichtete Pfeil: oder Lanzenſpitze, dem
Wappen der Stadt Stralſund entnommen, ſich befindet.
Auf dem Helm heben zwei blaue geharniſchte Arme eine blaue
Roſe empor. Die Helmdecken ſind theils golden und blau,
theils golden und ſchwarz. (Fig. II.) Die Familie blüht noch
in Rußland, namentlich in den deutſchen Oſtſeeprovinzen, und
befigt feit etwa einem Jahrhundert Alt: und Neu-Droftenhof
und Gotthardsberg in Livland, ſowie Paunküll in Eſthland.
Die bürgerliche Familie beſaß an Landgütern bei Stralſund
von 1580 — 1631 Crönnevitz und Groß⸗Damitz, und im er⸗
ſten Viertel des 17. Jahrhunderts Höfe in Wüſtenfelde, Ahrend⸗
ſee, Brandshagen und Klein⸗Kedingshagen.
2) Der Herzoglich pommerſche Geheime- und Kammerrath
Joh ann Hagemeifter (T 1638), ein Sohn des Herzoglich
pommerſchen Geheimen Sekretairs Johann H. zu Stettin,
und wahrſcheinlich Enkel des Präpoſitus Johann H. zu
Cöslin (. 1569), deſſen Vater Albert H. Prieſter zu
Barth war, erhielt 1622 von Herzog Bogislav XIV. das
Gut Hohenſelchow im Randower Kreiſe als Geſchenk zum
Lehn und beſaß außerdem das Gut Ketſow theilweiſe. Ob er
bereits adlig war, oder wann er geadelt wurde, erhellt nicht.
Sein Vetter, der fürſtlich Croy'ſche Rath und Hauptmann
zu Kukelow, Erbherr auf Steinfurth im Greifswalder Kreiſe,
Michael H. (T 1660) ſcheint bereits adelig geweſen zu fein.
Der Maler Joachim Sellin zu Wollin nennt in ſeinem
1662 bis 1671 angelegten, jetzt im Beſitz des Herrn Paſtors
Ragotzky zu Triglitz befindlichen Wappenbuch die Familie
bereits von Hagemeiſter und ſtellt das Wappen folgender⸗
maßen dar: Der rothe Schild wird durch einen goldenen
Balken quergetheilt. In dem oberen Theile befinden ſich zwei
goldene ſechsſtrahlige Sterne, in dem untern wachſen aus ei⸗
nem Zweige von natürlicher Farbe an drei gekreuzten grünen
beblätterten Stengeln drei rothe natürliche Roſen hervor, welche
auf dem Helm in vergrößerter Weiſe ſich wieder zeigen. Da
die Helmdecken abwechſelnd außen blau und roth und innen golden ſind,
und rothe Roſen in ein rothes Feld nicht paſſen, ſo hätte wohl
der Balken richtiger blau und die untere Schildeshälfte in
Uebereinſtimmung mit einem ſpäteren Siegel golden bezeichnet
werden müſſen, wie die Fig. III. das Wappen darſtellt.
Joachim H.'s Enkel, der königlich preußiſche Land⸗Commiſſar
Sebaſtian Heinrich H. auf Hohenſelchow und Hein⸗
richshof, dem von ihm angelegten Erbzinsgut, wird zuerſt 1710
von Hagemeiſter genannt und führte damals das an dem
Altar der Kirche zu Hohenſelchow angebrachte Wappen folgender⸗
maßen: Im ſilbernen Felde wächſt eine rothe Roſe zwiſchen zwei
gleichen Knospen an grünen mit grünen Blättern verfehenen Stengeln
aus einem wagerechten Zweige von natürlicher Farbe hervor,
während drei rothe Roſen neben einander an gleichen grünen
Stengeln, wie im Schilde, hervorwachſend die Helmzier
bilden. Die Helmdecken ſind roth und ſilbern. (Fig. IV.)
Die Familie erloſch mit Jo h. Otto Heinrich v. H., der
1760 auf der Univerſität Halle ſtudirend farb, und bis zu
ſeinem Tode im Beſitz der Güter Hohenſelchow und Hein⸗
richshof blieb. Siegel aus dieſer Zeit zeigen das W. im Uebrigen
gerade fo, haben aber den Schild quergetheilt und in der obe-
ren rothen Hälfte die beiden vorerwähnten Sterne, in der un⸗
teren goldenen Hälfte die Roſe nebſt Knospen, auf dem Helm
aber zwiſchen den Roſen je übereinander zwei Sterne und aus
den Stengeln der beiden äußern Roſen je nach außen hin eine
Roſenknospe hervorwachſend. (Fig. V.) Der Ordens⸗Rath
Haſſe endlich ſtellt in einem auf der königlichen Biblio⸗
thek zu Berlin befindlichen heraldiſchen Manuſeript das Wappen
zwar im Uebrigen ebenſo wie die Siegel dar, bezeichnet aber
die Sterne und die untere Schildesfläche als filbern und läßt
in der letzteren die Roſe aus grünem Erdboden mit 2 großen
Blättern hervorwachſen, während die Knospen ganz fehlen.
Er hat offenbar irthümlich die Knospen für Blätter angeſehen.
Die Helmdecken find bei ihm roth und ſilbern. Die große
Mannigfaltigkeit in der Darſtellung des Wappens ſpricht übri⸗
gens dafür, daß die Familie gar kein Adelsdiplom erhalten hat.
3) Carl Hagemeiſter, Sohn des Rathsverwandten
Dr. Johann Albert H. zu Roſtock (+ 1730) und Enkel
des Bürgermeiſters Emanuel H. zu Stralſund (+ 1738,
aus einer vom Kaufmann Lucas H. zu Stralſund (+ 1628)
abſtammenden in der bürgerlichen Linie im Anfang dieſes
Jahrhunderts ausgeſtorbenen Familie, erbte die bereits von ſei⸗
nem Urgroßvater, dem Rathsherrn Johann H. zu Stral⸗
44
fund (+ 1676) mit einem Fideicommiß belegten und ſeit 1664
in Beſitz der Familie befindlichen Güter Clausdorf und Sol⸗
kendorf bei Stralſund und ließ ſich 1756 von dem Deut⸗
ſchen Kaiſer als von Hagemeifter adeln. Sein Stamm⸗
wappen, die rothe Roſe im ſilbernen Felde und drei gleiche
grün geſtengelte und beblätterte Roſen als Helmſchmuck (Fig.
VI.), wurde dahin umgewandelt, daß die Roſe in die Mitte
eines im blauen Felde befindlichen wellenförmig gezogenen fil-
bernen, vielleicht gleichfalls aus dem Stralſunder Wappen
entnommenen Kreuzes gelegt und goldbeſamt wurde, auf den
Helm aber nur eine Roſe zwiſchen einen zur rechten roth und
ſilbern, zur linken blau und ſilbern getheilten Adlerflug geſtellt
wurde. (Bagmihl hat die Helmroſe irrig als eine natür⸗
liche ſtatt als eine heraldiſche Roſe dargeftellt.) Die Helmdecken
find theils roth und filbern, theils blau und ſilbern. (Fig.
VII.) Die Familie beſitzt jetzt außer den beiden Stamm⸗
gütern noch die Rittergüter Hohenbarnekow bei Franzburg und
Tribbevitz auf Rügen.
Eine vierte Familie Hagemeiſter, in Stralſund ſeit
Beginn des 17. Jahrhunderts anſäſſig, von der aber kein Zweig
geadelt wurde, führte auch eine roth und ſilbern aber mehrfach
getheilte Roſe in umgekehrt gewechſeltem Felde, und auf dem
Helm dieſelbe Roſe zwiſchen einem roth und ſilbern getheilten
Adlerflug. (Fig VIII.) Sie beſaß um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts Schmietkow im Grimmer Kreiſe und Tolkmitz
auf Rügen, und iſt 1811 ausgeſtorben. In Stralſund ge-
hörten übrigens die ſämmtlichen Familien dieſes Namens zu
den angeſehenſten und begütertſten Familien der Stadt und
ſtellten dem Rath 17 Mitglieder, darunter 7 Bürgermeiſter.
Str. W. H.
Hat Wittekind der Große ein Noß im
Wappen geführt?
In der Geſchichte der Welfiſchen Stammwappen“) hat der
Herr Dr. H. Grote nachgewieſen, daß nach der Mitte des
14. Jahrhunderts kurz vor dem Erlöſchen des alten Hauſes
Lüneburg in allen Linien des alten Hauſes Braun ſchweig
das ſeither von demſelben geführte däniſche Helmzeichen (2
Schlangen oder Blashörner) abgelegt und dafür ein mit Pfauen⸗
federn beſteckter Schaft, vor welchem ein laufendes (auch ge⸗
ſattelt und gezäumt dargeſtelltes) Pferd erſcheint, angenommen
wurde. Daneben iſt von Fürſten und Fürſtinnen der Verſuch
gemacht worden, in das Wappenſchild ein ſchreiten des Pferd
zu ſetzen; und endlich iſt im 17. Jahrhundert dieſes Pferd das
Hauptwappenbild des welfiſchen Hauſes geworden.
Der Grund der Wahl dieſes Helmzeichens iſt nicht mehr
zu ermitteln. Der Herr Dr. Grote hat näher ausgeführt, daß
jene alten Fürſten des Hauſes Braunſchweig als Deſcendenten
engliſcher Könige das Pferd in ihr Wappen aufnahmen, daſſelbe
jedoch nur der vermeintliche Helmſchmuck des engliſchen Wappens
geweſen ſei.
Nach Aufnahme des Pferdes in den Helmſchmuck be⸗
mühten ſich Schriftſteller, eine Erklärung dafür zu finden. Die
erſte Andeutung darüber hat nach Hrn. Dr. Grote der Dechant
Gobelin Perſom in Bielefeld, welcher in ſeinem 60. Lebens jahre
) Münzſtudien Bd. III S. 287. ff.
1418 ein Werk, betitelt „Cosmodromium“ ſchrieb, in dieſem
Werke geliefert, wenn er darin (aetas VI. cap. 23) ſagt: „Die
Anführer des Heeres, welches von Sachſen nach Britannien
überging, waren die Söhne des Herzogs von Engern, von
denen einer, wie Beda (in ſ. Kirchengeſchichte) ſagt, Hengiſt,
der andere Horſa hieß; Namen, deren jeder in der Volks⸗
ſprache ein königliches Pferd von ausgezeichneter Kraft und
Schönheit bedeutet, jo wie fie die Fürſten gern bei Kampf-
ſpielen und Turnieren haben. Und daher iſt es vielleicht
gekommen, daß das Wappenbild einiger Herzöge
in Nieder ſachſen ein weißes Pferd iſt, weil fie von
1 5 her ſolches Wappen von ihren Vorfahren überkommen
aben.“
Man findet das Roß im 15. Jahrh. a) in dem Wappen
Heinrichs des Fetten von Nordheim, den man für einen
Herzog von Sachſen hielt, auf dem ihm in der Mitte jenes
Jahrhunderts geſetzten neuen Leichenſtein im Kloſter Bursfeld
auf dem Helme feines Wappens; b) auf dem Grabmahle Ottos
des Strengen zu Lüneburg und zwar weiß, ſpringend im ro
then Felde; c) in dem ſogen. Auguſteiſchen Wappenbuche in
der Wolfenbüttler Bibliothek, entſtanden zu Ausgang dieſes
Jahrhunderts, als Wappen des Herzogthums Weſtphalen; d) in
dem ſogen. Schigtbook in jener Bibliothek als Wappen von
Engern, ſchwarz in Gold, und e) auf den in Weſtphalen zwi⸗
ſchen 1463 und 1508 geprägten Münzen der Kölner Erz
biſchöſfe Rudbrecht und Hermann; wie Herr Dr. Grote er⸗
mittelt hat. (S. 350 a. a. O.)
Nun kommt Botho in ſ. Cronecken der Saſſen, welche
im J. 1489 zuerſt gedruckt wurde, alſo längere Zeit vorher
geſchrieben worden iſt. Derſelbe weiß ganz genau, daß das
Pferd die Wappenfigur des alten Sachſenfürſten Wittekind
iſt und ſogar, daß das Pferd vor der Taufe des Fürſten ein
ſchwarzes geweſen und nach der Taufe in ein weißes um⸗
gewandelt worden ſei. Er ſagt hierüber beim Jahre 786:
| „vnde wedekint vorde alle tyt ein schwart perdt
in syuem schilde. Konigh Karle gaft öme dar na
eyn wyt perdt to eynem teken, dat he sich vor-
luchtet hadde in dem geloven.“
Woher Botho dieſe Nachricht genommen habe, iſt nicht
zu ermitteln, da er ſeine Quellen nicht angiebt; man dürfte
aber nicht fehl gehen anzunehmen, daß müßige Mönche ſich
der Wappenſage bemächtigt und eine religiöſe Deutung in die
Farbe gelegt hatten.
Aus dieſer Quelle ſcheinen nun alle ſpätere Hiſtoriker
und Heraldiker ihre Nachrichten geſchöpft zu haben.
Albert Kranz, welcher feine Zaxonia nach Botho ſchrieb,
(die erſte Ausgabe iſt 1520 erſchienen,) vermehrte dieſe ihm
willkommene Mittheilung mit neuen Zuſätzen und wußte auch
nun, daß Heinrich der Löwe ſchon das Füllen auf dem Schafte:
des Helmes geführt hatte.
Solchen Autoritäten folgten nun blindlings andere wie
Ernſt Brotuff, Albinus, welche gar kein anderes Wappen.
der Fürſten und Herzöge von Sachſen kennen. Letzterer bringt
in ſeiner Meißniſchen Landchronik auf der Wappentafel S.
425 ein Schild mit ſchwarzem Roß als das des alten
Fürſtenthums Engern und ein weißes als das des Herzog⸗
thums Sachſens, beide im rothen Felde.
Spangenberg, ein ſonſt kritiſch zu Werke gehender Schrift⸗
ſteller, ſagt in ſeiner Mansfeldiſchen Chronik (S. 247), nach⸗
dem er die Schlacht am Welfsholze behandelt hat, als Sie⸗
45
geszeichen ſei nach der Schlacht ein gewappneter Mann auf
einer Säule aufgeſtellt und auf beiden Seiten das alte ſäch⸗
ſiſche Wappen, ein ſpringender weißer Hengſt im rothen
Felde, angebracht worden.
Ein Dichter damaliger Zeit, Martin Hameonius, be
nutzt dies in ſeiner Frisia und ſingt vom Hengiſts Wappen:
sed equus ater et huic est
Nomen avi, sortemque notans, quem Carolus album
Fecit ut ex sacro Witikindum fonte levasset.
Beim Nachſpüren nach der Quelle, aus welcher Botho
ſeine mit Beſtimmtheit ausgeſprochene Nachricht geſchöpft haben
möge, ſtießen wir auf Cruſius Lebensbeſchreibung des Wit-
tekind,“) eine gute Zuſammenſtellung aller über dieſen Sachſen—
herzeg in alten Schriftſtellern vorzufindenden Nachrichten, wor:
in über deſſen Grabmahl und daran befindliche Wappen fol—
gendes geſagt wird. Thatſache iſt, daß Wittekind in der von
ihm ſelbſt erbauten Kirche zu Engern begraben worden iſt.
Von hier ſoll ſein Leichnam ſchon vom König Heinrich J. nach
Paderborn übergeführt worden ſein. Dies iſt aber nicht rich-
tig, ſondern als das Kloſter zu Engern mit päpſtlicher Zu—
ſtimmung am 16. Januar 1414 nach Herford überſiedelte,
iſt die Aſche Wittekinds in einem hölzernen Kaſten dorthin
geſchafft worden, wie die Monumenta Paderbornensia
berichten. In dieſem Werke iſt auch S. 146 die Tumba u.
die beiden an derſelben zum Kopfe und an den Füßen ange⸗
brachten Wappen abgebildet. Was man aber hier abgebildet
und wohl dort noch in der Stiftskirche ſieht, darf man nicht
etwa als ein zur Zeit ſeines Todes entſtandenes Werk anſehen,
ſondern es iſt dieſe Tumba zu Ausgang des 14. Jahrhunderts
erſt errichtet worden. Im November des Jahres 1377 be⸗
ſuchte nämlich Kaiſer Karl IV. das Grabmahl Wittekinds zu
Engern, und fand nur eine durch das Alter ganz unſcheinbar
gewordene verunſtaltete Tumba vor. Dies that dem Kaiſer leid
und er befahl fie zu verändern (?) (interpolari) und zu et
neuern (renovari) und ließ am Kopfende das Wappen Karls
des Großen und am Fußende das böhmiſche, nämlich einen
gelben Löwen mit doppeltem Schweife in einem rothen Felde
hinzufügen. Dies berichtet Meibom in feinen Anmerkungen zu
des Lerbeck Chronik der Grafen von Schaumburg“). Cruſius
referirt in ſeiner Compilation die Anmerkung des Meibom
unvollſtändig, indem er nur das Hinzuſetzen des Wappens
mit dem Löwen erwähnt und dadurch zu der Meinung verlei—
leitet, als habe Kaiſer Karl ſolches als des Wittekinds angeb⸗
liches Wappen hinzufügen laſſen, während es doch ſein böh—
miſches Königswappen war. Möglich, daß heute noch in der
Paderborner Stiftskirche eins der beiden Wappen oder alle beide
für das Wittekindſche ausgegeben werden, da die Veranlaſſung
zur Anbringung derſelben und jene Notiz längſt in Vergeſſen⸗
heit gerathen ſein wird. Das Wappen Karls d. Gr. am
Kopfende iſt übrigens auch eins jener Phantaſie-Wappen, wel⸗
che zu jener Zeit erfunden wurden. Nach der Abbildung be⸗
ſteht es in einem geſpaltenen Schilde, in deſſen vorderer Hälfte
ein ſchwarzer halber Adler in weiß, und in der linken Hälfte
) Abgedruckt in Meibom Script. rer. germ. I. S. 216.
) Witikindus sive de Witikindi vita, moribus, rebus,
dello, Fkfrt. abgedruckt in Heineceii & Leukfeld Script. rer. germ.
) Hermann de Lerbeke Chronicon Comitum Schauen-
burg c. notis Meibomii S. 79 und 80.
fieben weiße Sterne in Gelb zu ſehen find.**”"*) Aus dieſer
alten Nachricht, an deren Glaubwürdigkeit kaum zu zweifeln
iſt, ergiebt ſich dann, daß an dem älteſten Grabmahle des alten
Sachſenherzog Wittekinds kein Wappen angebracht war,
ſonſt hätte doch Kaiſer Karl IV. daſſelbe ſicherlich ebenfalls
erneuern laſſen und nicht erſt zwei andere, ganz willkührlich ge—
wählte, anbringen laffen.
Daß Wittekind kein Wappen geführt hat, iſt dem heu—
tigen Heraldiker vom Fach eine ausgemachte Sache; uns kam
es nur darauf an, etwa eine ältere Quelle zu finden, aus
welcher Botho ſeine Nachricht geſchöpft haben könnte. Will
man dieſe Notizen als eine Ergänzung und Erweiterung der
gediegenen Groteſchen Arbeit anſehen, ſo ſtellt dies der Verfaſſer
dem Belieben des Leſers anheim. Als eine Berichtigung
jener Arbeit werden ſie aber jedenfalls in ſo fern dienen,
als nicht Kranz, wie Herr Dr. Grote S. 351 annimmt, ſon⸗
dern ſchon Botho derjenige war, der die Verwandlung des
ſchwarzen Roſſes in ein weißes der Annahme des Chriſtenthums
und Verleihung Karls d. Gr. zuſchreibt. Sollten noch ältere
Quellen für dieſe Wappenerdichtung nachzuweiſen ſein, ſo
wird dies gewiß jeder Heraldiker willkommen heißen, dem es
wie dem Verfaſſer darum zu thun iſt, ſolche alte Fabeln auge
zumerzen, und Wahrheit von Dichtung zu trennen. !)
Dresden.
Wappen- oder Siegelentſtellungen.
In der Feſtſchrift des Harzvereins für Geſchichte und Alter-
thumskunde für 1870 findet ſich in der höchſt ſchätzenswerthen
Abhandlung des Herrn G. A. v. Mülverſtedt, Staatsarchivars
zu Magdeburg, über Walkenrieder Grabſteine S. 59 u.
f. der Nachweis, daß die in Walkenried beerdigten drei Mit⸗
glieder des Geſchlechts von Werther, welches auch Wirthern,
Wirtern, Werthern, Werterde, Wirterde heißt, als Wappen
einen Schild mit drei (2. 1. geſtellten) zadigen Blättern (Wein⸗
blättern) und einen Helm mit einem großen breiten Ringe als
Kleinod führten, und daß die Siegel von Dietrich v. Wer⸗
therde 1350 u. A. bis auf Friedrich v. Werter 1429 daſſelbe
Bild des Schildes mit drei Weinblättern aufweiſen.
Der Verfaſſer findet als erſte Ahnherrn 1209 Herold
von Wirthern und 1229 Dietrich v. Wirther in gräflich Clet⸗
tenberg'ſchen Urkunden des Kloſters Walkenried, und bemerkt,
daß das jetzt noch blühende Geſchlecht der Grafen und Herren
von Werthern oder Werther als Stammwappen einen ſchräg⸗
rechtsliegenden Baumaſt oben mit einem unten mit zwei Blättern
als Wappenbild, und einen wachſenden gekrönten und mit
Straußfedern an der Krone gezierten Wolf als Kleinod ge⸗
brauche; eines faſt gleichen Bildes und Kleinods habe ſich zu⸗
erſt der Propſt zu Ilmen und Domherr zu Jechaburg Wolf v.
Werterde 1453 in ſeinem Siegel bedient, welches einen quer⸗
liegenden oben und unten geäſteten Baumſtamm mit zwei ge⸗
zackten Blättern oben und einem desgleichen unten als Bild des
) Abbildungen ſowohl in Monument. Paderborn., als auch
in Lerbecks Chronikon. 5
1) Nichtsdeſtoweniger werden gelehrte und ungelehrte Schrift⸗
jteller, welche viel zu weiſe find, als daß fie den Reſultaten der her⸗
aldiſchen Forſchung ihre Beachtung zu ſchenken nöthig hätten, noch
Jahre lang fortfahren die Fabel von Wittekinds en EN im
Wappen aufzuwärmen.
Schildes, und einen wachſenden auf dem Haupte mit Federn
beſteckten Wolf als Kleinod zeige. Wiewohl nun das Geſchlecht
Werthern die Güter Groß-Werther und Klein-Werther oder
Hornwerthern theils beſeſſen hat oder aber noch beſitzt, ſo will
es faſt ſcheinen, als ob bei der ſo bedeutenden Aenderung
des Wappenbildes und Helmzeichens um 1429 das urſprüng⸗
liche Geſchlecht de Werterde erloſchen und um die Mitte des
15. Jahrhunderts ein anderer Mannsſtamm in deſſen Beſitz
ſuccedirt und dabei die 3 Blätter ſeinem Stammwappen hin⸗
zugefügt habe. Ich will nicht unterlaſſen darauf aufmerkſam
zu machen, daß, da die von Werterde Miniſterialen der Grafen
v. Clettenberg waren, die Grafen von Clettenberg mit gewiſſen
Beſitzungen aber zum Lehnhof der Grafen von Orlamünde u.
Weimar gehörten, der flache Ring, welchen die v. Werterde auf
den Walkenrieder Grabſteinen als Kleinod führen, die Ver—
muthung erweckt, als ob dies Kleinod identiſch mit jenem Ringe
ſei, deſſen ſich die Grafen von Orlamünde auf ihren Siegeln
gewöhnlich als Beizeichen, Graf Friedrich II. von Orlamünde
aber 1337 den 8. Februar als Bild eines Wappenſchildes be—
diente, und daß die von Werterde dies Kleinod aus ihrem Mi—
niſterialenverhältniß zu den Grafen von Orlamünde entnahmen.
Daß übrigens Siegelentſtellungen vielfach vorkommen, er—
giebt der Vergleich vieler Wappen heute noch blühender Ge—
ſchlechter mit den Siegeln ihrer Vorfahren. Ich führe an die
von Beulwitz. Dieſe hatten bis in die Mitte des 15.
Jahrhunderts als Wappen einen Vollmond, begleitet von
drei Sternen, zwei oben, einer unten. Heute führen dieſelben
einen Halbmond mit den drei Sternen. Die Siegelſchneider
haben überſehen, daß der Halbmond in der vollen Siegelſcheibe
der alten Beulwitziſchen Siegel deshalb ausgeführt war, um
dieſe Scheibe als Mondſcheibe zu characteriſiren.
Die von Bünau führen heute eine Wappenfigur, welche
als Löwenhaupt auf einer Lilie ruhend blaſonirt wird. Das
älteſte mir vorgekommene Siegel dieſes Geſchlechts befindet ſich
an einer Münchener Urkunde von 1260, wenn ich nicht irre.
Die Größe und Ausführung dieſes Siegels läßt deutlich eine
Biene erkennen, welche in romaniſchem Styl dargeſtellt iſt.
Die Siegelſchneider haben aus dem Bienenkopf ein Löwenhaupt
und aus dem Leib mit ſeinen Flügeln eine geſtürzte Lilie ge—
macht. Ich möchte auch die in der Zeitſchrift des Harzvereins
unter dem Titel „Mittelalterſiegel“ erwähnten Siegel des in
der Grafſchaft Mansfeld verlebten von Conrad v. Bünau (1272)
abgeleiteten Geſchlechts von Bünau, deren Wappenbild als ge—
ſpaltener Schild mit drei fliegenden Vögeln in jedem Feld
beſchrieben wird, als mit Bienen bezeichnet anſprechen, und
dies um ſo mehr, als die von Bünau im Oſterlande (mit
ihren Stammgenoſſen von Ortwinsdorf oder Erdmannsdorf
und von der Plawenitz, auch denen von Kaſchwitz und von Bölzig)
ſich urſprünglich des geſpaltenen Schildes bedient haben und
noch heute bei der Vierung ihres Wappens gebrauchen.
Die von Schlotheim oder Marſchälle von Schlotheim
gehörten zu der großen Sippſchaft der Marſchälle der Land⸗
grafen von Thüringen, welche auch als Marſchälle von Burg⸗
holzhauſen, Altengottern, von Hagen ꝛc. bekannt ſind und die
bekannten Schafſcheeren im Wappen führen. Das heutige Ge⸗
ſchlecht der Freiherrn von Schlotheim, deren Abſtammung von
jenen durch Urkunden nachweisbar iſt, führte eine Figur im
Schilde, welche bald als Schüſſel, bald als Vorhängeſchloß bla⸗
ſonirt wird. Den Thüringer Forſchern iſt es gelungen nach⸗
46
zuweiſen, daß hierzu lediglich die Entſtellung von einer Schaf⸗
ſcheere in runder Form den Anlaß gegeben hat.
Die von Ende führen bei ihrem erſten Auftreten ein
Wappen wie die von Brandenſtein, einen Fuchs mit der Ente
in der Schnauze, und ſtammen daher wahrſcheinlich gemeinſchaft—
lich von denen von Hayn (de ind:gine) ab, welchen auch
die von Wolffersdorf nicht ferne ſtehen. Die angebliche Ge⸗
ſchlechtsgemeinſchaft mit den ſchweizeriſchen und oberrheiniſchen
Freiherrn von Ende beruht nur auf der Namensähnlichkeit
und iſt eine Fabel. Heute wird das Endeſche Wappen nur
als Wolf blaſonirt; die Ente, das weſentlich redende Wappen,
iſt verſchwunden.
Die von Schauroth oder Schowenrad führen ein
Schild, welches geſpalten und zweimal getheilt mit verwechſelten
Farben weiß und ſchwarz iſt, wie es 1349 Albero v. Wippach
hat. Auf den ältern Siegeln dieſes Geſchlechts habe ich in
jedem der durch dieſe Theilung gebildeten Quartiere ein Rad
gefunden.
Die von Dobeneck führen heute ein Schild mit einem
Cardinalhut mit Quaſten, während die älteren Siegel des gleich⸗
namigen Geſchlechts in Franken aus dem 14. und 15. Jahre
hundert ſtets einen ſpitzen Hut mit Kugel an der Spitze, einen
eigentlichen Judenhut, wie des Geſchlechts Stammgenoſſen die
Faß mann, aufweifen, der vielleicht ſich auf den Judenſchutz
bezieht.“)
Es dürfte hier angemeſſen ſein, alle Wappen führenden
Geſchlechter an dieſem Umſtand zu erinnern und dieſelben auf⸗
zuf ordern, den Siegeln der Vorzeit ihrer Familien einige Auf—
merkſamkeit zu ſchenken. Manche intereſſante Aufklärung für
Genealogie und Specialgeſchichte wird ſich ohne Zweifel aus
ſolchen Erörterungen ergeben. So wird z. B. die Fabel, daß
die Herren von Beulwitz““) polniſchen Urſprungs ſeien, welche
auf dem Halbmond mit drei Sternen beruht, durch den Nach—⸗
weis, daß das urſprüngliche Beulwitzer Wappen ein Vollmond
iſt, in ihr Nichts aufgelöſt. Der bei den Polen als Wappen
vorkommende Halbmond“) ſtammt aus dem Türkenkriege, welche
Unterlage für den Vollmond durchaus fehlt. —
Selbſt die landesherrlichen Wappen ſind häufig entſtellt.
Die Wappenſchilde der Herren von Arnshaug, Leuchtenburg
und Lobdaburg ſtimmen z. B. mit den entſprechenden Feldern im
Wappen des Großherzogthums Sachſen nicht überein.
Als Wappenentſtellung dürfte es aber nicht anzuſehen
ſein, wenn das betreffende Wappenbild der Mode folgt. So
führten in Franken die v. Mengersreuth, im Volksmund
Mangelsreuth, ein Geräth im Wappen, welches im Ge—
birge zum Glätten der Wäſche gebraucht wird, eine Man⸗
gel, im Anfang des 14. Jahrhunderts in der Form zweier
durch Stäbe verbundener krummer Sproſſen; Ende des 14.
*) Die Familie v. Schierbrand in Sachſen führte früher drei
ſchräggeſtellte, beiderſeits viermal brennende Aeſte (auf den Namen
deutend) jetzt: drei ſchwarze Würfel hintereinander ſchrägrechts, be⸗
gleitet von abgeſchnittenen g. Weizenähren. Gritz ner.
*, 1270 erſcheint Hartmuth v. Bulewitz unter den Lehn⸗
mannen des Grafen Hermann v. Orlamünde, des Schirmvoigts
des Kloſters Saalfeld; 1295 iſt derſelbe Zeuge des Landgrafen Albrecht
v. Thüringen, als dieſer den Voigt von Weida mit Kaſchwitz belehnt.
1301 iſt derſelbe unter den Teidingsleuten zwiſchen Landgraf Friedrich
d. Freudigen und den Herren von Lobdaburg zur Leuchtenburg, 1306
den 28. September ebenſo in dem Streite zwiſchen Landgraf Friedrich
d. Freudigen und den Voigten v. Gera; Hartmuth ſcheint der Ahn⸗
herr der v. Beulwitz in Thirtagen zu ſein. — v., R.
e) Richtiger Hufeiſen. f
Jahrhunderts und ſpäter hatten fie eine Mangel, wie die Ge:
birgsleute noch heut gebrauchen, eine krumme Sproſſe mit zwei
Handhaben. Unter die Wappenentſtellungen kann man es auch
nicht rechnen, wenn ein Geſchlecht ſtatt eines ganzen Thieres
nur einen Kopf oder halben Rumpf deſſelben gebraucht, ſo z.
B. ſiegelten von mehreren Gebrüdern v. Hirſchberg im 14.
Jahrhundert Einige mit einem ganzen bald nach Rechts, bald
nach Links geſtellten Hirſche, während Andere ſich nur des
vorderen halben Hirſches bedienen.
K. Chl. Frhr. v. R.
* Erwiederung.
In Nr. 3 des „Deutſchen Herold“ pro 1871 bringt
Herr „H.“ Berichtigungen zu der, in Nr. 11, 1870 deſſelben
Blattes von mir gegebenen „Beſchreibung des F. Hatzfeldt'ſchen
Wappens.“ Ich ſowohl wie auch die Leſer der Zeitſchrift
können dem Herrn Verfaſſer für dieſe Berichtigungen, welche
ja ganz im Intereſſe der Wiſſenſchaft liegen, nur von Herzen
dankbar ſein.
Ueber mehrere Punkte der Abhandlung glaube ich indeß
einige Bemerkungen machen zu dürfen.
Meine Blaſonirung geſchah nach einem Siegel-Probeab⸗
druck, welcher mir durch die Güte eines Berliner Freundes zu—
gegangen war und welcher mit der rühmlichſt bekannten und
allſeitig anerkannten Accurateſſe und Formenſchönheit des Herrn
C. Voigt'ſchen Ateliers in Berlin, gr. Friedrichsſtraße, gefertigt
war.
Nur durch die außerordentliche Schönheit des Stiches ge—
lang es mir, auch die kleinſten Details, ſowie die Farben mit
der Lupe zu erkennen. War es wohl glaublich, daß an ſolchem
feingeſchnittenen und doch auch koſtbaren Stempel noch weſent⸗
liche Veränderungen vorgenommen werden könnten, daß das
Wappen alſo noch nicht „ausgefertigt“ (beſtätigt) geweſen ſei?
Ich bezweifelte es, mußte überhaupt nach Obigem das Wappen
als „ausgefertigt“ und „fertig“ anſehen. Es dürfte demnach
im eigenen Intereſſe der betreffenden Behörde liegen, den Wap⸗
penherren die Anfertigung ihres Stempels ſo lange zu verſagen,
bis die „Ausfertigung“ erfolgt iſt.
Ferner ſetzt der Herr Verfaſſer den „Geſchmack“ ganz
bei Seite, wo er etwas für richtig hält. Ohne weiter mich
auf Erörterungen hierüber einzulaſſen, bemerke ich nur, daß
hauptſächlich die äußeren vier Helme, welche ſchweben,
meinem Geſchmack und doch wohl auch der heraldiſchen Rich—
tigkeit entgegenlaufen, und durch meine Kritik auch hauptſäch⸗
lich getroffen wurden.
Schließlich muß ich mich durchaus der in Nr. 3 vom Herrn
Redacteur gegebenen Note anſchließen. Die Heroldenämter haben
nicht nur das Recht, ſondern ſogar die Pflicht, heraldiſche
Unrichtigkeiten, ſeien dieſelben nun durch Irrthümer nach und
nach entſtanden, ſeien ſie auch durch das Zopfthum der kaiſer⸗
lichen Herolde der letzten Jahrhunderte erzeugt und durch kai—
ſerliche Inſiegel und Unterſchriften ſanctionirt, mit aller Macht
zu bekämpfen und (im guten Sinne!) zu „verbeſſern“.
Dann kann es nicht vorkommen, daß die „heraldiſchen
Schnitzer“ der ſchwebenden Schildchen auf den Helmen fort⸗
wuchern, dann kann nicht ein (zuerſt in einem kaiſerlichen
47
Diplom ſo blaſonnirtes) „Theerkranzeiſen“ aus dem alten —
durch ältere Siegel und Stammbücher genugſam erwieſenen —
Winkelhauſen'ſchen Streitkolben entſtehen, deſſen globug-
artiger Eiſenbeſchlag, nachdem im Laufe der Jahrhunderte das
Verſtändniß dieſer Figur und ſeiner obern Kugel mit dem Knopf
verloren gegangen war, zu dem Irrthum eines hohlen „Pech⸗
korbes“ Veranlaſſung gab. Iſt es wohl denkbar, daß die
Pallandt auf den Turnieren ein ſchwebendes Schildchen zwiſchen
den Helmflügeln führten?
Derartiges heraldiſche Unkraut womöglich auszurotten, die
oft willkürlich veränderten Wappen in ihrer altheraldiſchen Geſtalt
— wo es möglich — wiederherzuſtellen, das iſt Recht
und Pflicht der heutigen verſtändigeren Zeit! X,
Titeratur.
„Neue Mittheilungen aus dem Gebiet hiſtoriſch⸗an⸗
tiquariſcher Forſchungen.“ 12. Bd. 2. Hälfte. S. 554 —570:
Nachweis der Abſtammung Wolfgang Goethes von einem 1686 zu
Artern verſtorbenen Hufſchmied, v. G. Pappe.
„Geſchichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg,
5. Jahrgang, 2., 3. und 4. Heft. Magdeburg, 1870. S. 303-306:
Ein Stein mit dem Kracht'ſchen Wappen im Hoſpital zu
Egeln beſprochen von G. A. v. Mülverſtedt. Der Herr Verfaſſer
hält die v. Kracht für ein wendiſches Geſchlecht aus dem
Lande Jerichow; derſelbe legt einem angeblich wendiſchen Character
des Wappens einen gewiſſen Werth als Beweismittel bei, und oetro⸗
virt auf Grund deſſelben a. and. O. auch den Familien v. Bredow, v.
Rochow eine Nationalität, welche der bisherigen Annahme, der auch
Herr Pfarrer Winter folgt, daß nach Einnahme des alten Branni:
bor die feſten Schlöſſer durch Albrecht den Bären niederdeutſchen
Geſchlechtern behufs Coloniſirung und Unterwerfung der Wenden
anvertraut wurden, zuwiderläuft. Der wendiſche Name der
von dieſen Geſchlechtern beſetzten Burgen in Verbindung mit
dem angeblich wendiſchen Character des Wappens bildet für die
durchaus neue Aufſtellung des gelehrten Herrn Verfaſſers umſowe⸗
niger ein Beweismittel als z. B. aus dem Wappen der v. Rochow,
welches die bekannten Rochen präſentirt (die Rochen befinden ſich auch
im gräflich Rochlitz ſchen Wappen) hervorgeht, daß die Inhaber bei
Annahme dieſer Wappenbilder die wendiſche Bedeutung des Namens
Rechow gar nicht kannten und daher wendiſch nicht verſtanden haben.
Zugleich findet ſich aber auch dies Siegelbild des „Rochen“ bei dem
alten fränkiſchen Rittergeſchlecht der Neuſtetten genannt Stür—
mer, welches noch heute blüht. In ähnlicher Weiſe dürfte das Vor⸗
kommen des Bredow'ſchen Siegelbildes und anderer Wappen, an⸗
geblich wen diſchen Characters, bei alten deutſchen Geſchlechtern
nachzuweiſen ſein. Da übrigens das Ritterweſen nur bei Kultur⸗
völkern des Mittelalters Eingang gefunden, ſo iſt auch bisher die
Heraldik nur bei ſolchen nachweislich. Von den Slaven waren nur
die Polen ein Culturvolk. Es läßt ſich daher wohl von einem pol⸗
niſchen Character eines Wappens, nicht aber von ſlaviſchen und wen-
diſchen Wappencharacteren reden, falls nicht etwa die große ſlaviſche
Völkerverſchwörung uns durch eine neue Geſchichtsſchreibung, welche
mehr überzeugende Beweiſe bringt, als die bisherige, von der Höhe
ihrer Cultur im früheſten Mittelalter überzeugt. Bisher iſt die
Vorſtellung von der äußern Erſcheinung eines wendiſchen oder fla-
viſchen „Ritters“ und ſeiner Sitten im Allgemeinen eine ſolche,
welche ſehr weit von der der deutſchen Wappenherren jener Zeit
entfernt iſt. — Die böhmiſche Ritterſchaft iſt deshalb hier nicht zu
erwähnen, als ſie in Geſellſchaft der Deutſchen ſchon die Kreuzzüge
mitmachte und ihr älteſtes Wappenweſen ſich von dem der Deutſchen
Ritter nicht unterſcheidet.
Ebenda S. 540—553 über das ausgeſtorbene Geſchlecht von
Grieben von demſelben. S. 553: Genealogie der Grafen v. Barby.
S. 554 u. f. mittelalterliche Siegel aus dem Erzſtift Magdeburg.
1) Ruprechts, Edl. v. Querfurt als Domdechanten von Magdeburg
(ſpäter Erzbiſchofs) v. 1257. 2) Conrads, (angeblich Grafen) von
Sternberg (Starenberg?) Domherrn und Kellerers 1245—1266,
3) Der Stadt Frohſe 1265, 4) Otto Billings 1415, 5) Gero’s v.
Werder 1421, 6) der Richter und Schöppen zu Rothenſee 1547, 7)
des Bürgers Hans Harkſtroh zu Magdeburg 1449. — Ebenda das
von Plotoſche Epitaphium von demſelben. —
„Würtemberg: Jahrbücher für Statiſtik undLandes⸗
Kunde 1870.“ S. 373 441. Urk. zur Geſch. Herzog Chriſtians
v. Würtemberg 1552. — Beitrag zur Zollerngeſchichte, in specie
des Markgrafen Albrecht Alcibiades.
„Mittheilungen aus den Archiven des voigtländi—
ſchen alterthumsforſchenden Vereins zu Hohenleuben,“
40. Jahresbericht, Weida bei Aderhold. Dieſelben enthalten eine
Chronik des Kloſters Fronſchwig nebſt Verzeichniß der Priorinnen
und Nonnen, wichtig für Genealogie der voigtländiſchen Geſchlechter
und der Voigte v. Gera, von K. Chl. Frhrn. v. Reitzenſtein.
„Archiv für Geſchichte der Alterthumskunde von
Oberfranken,“ Bd. 11, Heft 2. Die Waldboten von Zwernitz, ein
Beitrag zur älteren fränkiſchen Dynaſtengeſchichte, von Hermann
Freiherrn v. Reitzenſtein. Der Verfaſſer weiſt ein altes Schloß
Zwiereng oder Zwereng, Zwernitz, an den Abhängen des Steinwaldes
reſp. Fichtelgebirges im Nordgau als Burg und Eigenthum der
ſränkiſchen Waldpoten nach, im Hinblick auf den jetzigen Beſitz der
Freiherrn Nothaft daſelbſt.
„Stammbaum derer v. Röder nach Urkunden aufge⸗
ſtellt und den Mitgliedern der Familie gewidmet durch Felix von
Röder“ in der Haſperſchen Hofbuchdruckerei zu Karlsruhe. Dieſer
Stammbaum bezieht ſich auf das ſchwäbiſche reichsritterſchaftliche
Geſchlecht der Röder v. Diersburg; nach dem Stammbaum
zu urtheilen, lebte der erſte Ahnherr dieſes Namens Ende des 12.
Jahrhunderts. Mit dieſem Hauſe ſind die im Gebiet der obern
Saale und Elſter vorkommenden Röder, welche ſich auch in der
Ukermark verbreitet haben und mit denen v. Zedtwitz ſtammver—
wandt ſind, nicht zu verwechſeln;
aber auch die in Thüringen
und Niederſachſen vorkommenden Röder ſind davon wohl zu trennen. —
„Zeitſchrift der Geſellſchaft für die Geſchichte der Her—
zogthümer Schleswig-Holftein und Lauenburg,“ Bd.
1. Kiel 1870. Dieſelbe enthält Beiträge zur Adelsgeſchichte
und zwar die Sejchichte der Familie Seheſtedt von dem Appella⸗
tionspräſidenten von Stemann. Derſelben find Stammbäume beige:
fügt. Das Wappen iſt eine rothe Roſe umgeben von
drei Seeblättern im blauen Feld. Der Verfaſſer leitet die
1396 auftretenden Siegfried und Otto Seheſtedt, welche als
Ahnherren des Geſchlechts angeſehen werden müſſen, daher von dem
Geſchlecht von Parkentin ab. Als Anfänger des Geſchlechts v.
Parkentin wird der 1225— 1250 auftretende Präfert in Holſtein Go⸗
deſcalk von Parkentin bezeichnet, von welchem 1289 drei Nachkommen
Borchardt, Hartwig und Godeſcalk den Zunamen von Segeberg
trugen. K. Chl Fhr. v. R.
Homeyer, Dr. G. C., die Haus- und Hofmarken. Mit 44
429 Berlin 1870. K. Geh. Oberhofbuchdr. 80 (XXIV und
423 S.
Bereits vor mehreren Jahrzehnten hat Michelſen den Verſuch
gemacht, die ſ. g. Ehrenſtücke in den Wappen von den Hausmarken
abzuleiten, dieſe als den Urſprung, die Mutter jener darzuſtellen.
Wenigen Leſern dieſer Blätter wird die von Michelſen behandelte
Frage fremd geblieben fein, wenigen wird ſie als unwichtig erſchei⸗—
nen, und es it daher nach meiner Anſicht ganz am Platze, wenn ich
dieſe Frage hier neuerdings in Anregung bringe. — Ich meinerſeits
kann weder leugnen noch zugeben, daß die Hausmarken in einzel⸗
nen gegebenen Fällen heraldiſirt worden ſeien. Ganz entſchieden
möchte ich denjenigen gegenübertreten, welche wie Michelſen dies als
Regel aufſtellen, — aus verſchiedenen Gründen. Die Wappen
und die Hausmarken haben zunächſt eine gänzlich verſchiedene Grund—
idee und nähern ſich einander nur in ihrem Rechtszuſtande, dem
Rechte des ausſchließlichen Beſitzes beider Symbole. Die Verſchie—
denheit der Grundidee wird ſchon auffallend durch den Namen ſelbſt
charakteriſirt. Die Wappen verdanken ihren Urſprung der ger⸗
maniſchen Kriegsverfaſſung, ſie ſind das Symbol der ritterlichen
Würde und Ehre ihres Trägers, deſſen Waffenfähigkeit ſie erweiſen.
Erſt verhältnißmäßig ſpät (Ende des 13ten Jahrhunderts) ſind die
Wappen, oder Theile des Wappens, in Beziehung zu dem Grund—
beſitze getreten, was jedoch die Beſtimmung der Hausmarken keines⸗
wegs alterirte, da die Wappen auch jetzt noch als Symbole des Ge⸗
ſammtbeſitzes galten, während die Hausmarken nach wie vor zur
Bezeichnung, zum Kennzeichen jedes einzelnen Beſitzſtückes angewendet
würden.
Sodann beſtehen zwiſchen den Wappen und Hausmarken ganz
auffallende, unverkennbare Formunterſchiede. Das weſentlichſte Ele⸗
ment der Wappen (wobei blos an die ſog. Ehrenſtücke gedacht wird)
find die Farben; das Bedürfniß, dieſe in einer „ſichtiglichen“ Weiſe
zu gruppiren, ſo daß ſie von Wappen mit ganz den nämlichen Far⸗
ben leicht zu unterſcheiden ſind, — mag gar oft die Urſache eigen⸗
thümlicher Schildestheilungen geweſen ſein. Ich wiederhole alſo:
die Wappen find durch eigenthümliche Farben zuſammenſtellung
entſtandene Figuren, während die Hausmarken farbloſe geometriſche
Figuren, zuſammengeſetzte Striche ſind.
Eine weit größere Bedeutung haben die Hausmarken jedenfalls
in der Sphragiſtik, da ſie ſehr häufig in Siegeln Anwendung fanden.
Beide Beziehungen aber dürften Veranlaſſung geben, uns mit dem
Gegenſtande genau bekannt zu machen.
In dem oben angezeigten Werke, — ein ſchönes Zeugniß für
des Herrn Verfaſſers raſtloſe Thätigkeit, wie umfaſſende Gelehrſam⸗
keit — finden wir für unſere Zwecke einen koloſſalen Stoff aufge⸗
ſammelt. Die verſchiedenen Capitel behandeln den Gegenſtand in
folgender Weiſe: 1. die Vorſtufen der Hausmarken, 2. die Hausmar⸗
ken nach örtlicher Bedeutung, 3. die Hausmarken in der Volksſitte,
4. die Zeichen nach Zweck und Gegenſtand, 5. die Hausmarken in
der Rechtsordnung, 6. das Zurückſinken der Hausmarken.
Mit Rückſicht auf den Raum darf ich es mir nicht geftatten,
das Werk in ausführlicher Weiſe zu beſprechen. Ich mache daher
hauptſächlich auf §. 60 Heraldiſirung §. 65 der Adel aufmerkſam.
Die Ausführungen des Herrn Verfaſſers zeigen auch in heraldiſcher
Beziehung ein gründliches Sachverſtändniß und verdienen vollſte
Beiſtimmung.
Ich kann hier ſchließlich noch Einiges zur Ergänzung des
Werkes beifügen, was ich gelegentlich in Schriften gefunden habe, die
nicht jedem Fachgenoſſen leicht erreichbar ſind. /
Jeder Davoſer trug früher einen „Pattſchiarring“ mit der
Hausmarke „Huszeicha“ von beliebigem Metall, mit feſtem, ſtark
vorſtehenden Kopf und ſcharfen Kanten, „um im Nothfall ſeine
Meinung auf den Köpfen anderer zu beſiegeln“. Das Hauszeichen
(Brand- oder Schnittmarke) dient zur Bezeichnung des Eigenthums⸗
rechtes auf Möbel, Geräthſchaften ꝛc.; nach dem Landbuch von
Kloſters ſoll, wenn ein Mann mehr denn einen Sohn hinterläßt,
der jüngſte Sohn des Vaters Zeichen führen und haben, ſo er aber
nur Töchter hinter ihm verließe, ſollen ſie ſonſt des Zeichens halber
ſich vergleichen. Auch auf Davos erbt der jüngſte Sohn das Haus⸗
zeichen. Das Landrecht von Frutigen im Canton Bern beſtimmt:
der jüngſte Sohn möge vor allen anderen Miterben in der Theilung
vorausnehmen des Vaters Brand und Zeichen, und die beſte Kühe⸗
trinklen. In Graubündten ändern nichterbende Söhne das Haus-
zeichen häufig durch einen hinzugefügten Strich oder in anderer
Weiſe. (Bühler, Davos in feinem Walſerdialect. 1. 57 u. 112.
Auch in Schuldverhältniſſen findet die Hausmarke Anwendung.
Das Landbuch von Kloſters beſtimmt mit Bezug auf das Ver⸗
fahren bei der Einziehung von Geldſchulden: „So aber einer, der
einziehen will, niemand bei ſeines Schuldners Haus oder da er ſeß⸗
haft wäre, fände, ſo ſoll er ſein eigen gewohnliches Hauszeichen mit
Kreiden oder was einer hat, an ſeines Schuldners Hausthür machen
bei gutem lautern Tag.“ In Wallis, wo noch Kerbhölzer ſehr ge⸗
wöhnlich ſtatt der Schuldverſchreibungen dienen, ſteht des Schuldners
Hausmarke auf dem Kerbholz. (Oſenbrüggen, Wanderſtudien aus
der Schweiz. S. 142 ff.)
Eine Abhandlung über die Formen der Hausmarken in Grau-
bündten findet ſich auch im „Anzeiger f. ſchweiz. und Alterthums⸗
kunde“ 1866 Nr. 2.
Seyler.
„Archiv des hiſt or. Vereins v. Unterfranken, Bd.
XXI.“
Perſonalmatrikel des Ritter⸗Cantons Schön⸗Werra 1666 —1785
her. v. G. Seyler; auch in ſeparater Ausgabe erſchienen (Würz⸗
burg 1871.) .
Der hiſt. Ver. zu Würzburg beſitzt einen Pergament⸗Codex in
—— . — Feun
Blättern mit
Seyler giebt
Folio, enthaltend die obige Perſonal⸗Matrikel auf 22
10 ſauber gemalten Wappen auf jeder Seite; Hr. G. giebt
hier einen getreuen Abdruck des Nanuferiptes, in alphabetischer
Reihenfolge der Familiennamen mit correcter Blafonirung der Wap⸗
pen, unter denen ſich viele intereſſante Varietäten befinden. Es find
im Ganzen 120 Geſchlechter, von denen jedoch die meiften durch
eine größere Anzahl von Mitgliedern (die mit den Taufnamen au⸗
geführt werden) vertreten ſind. —
wi, Siegel aus dem Er zſtift Magde⸗
bur g.“ Unter dieſem Titel giebt der Magd eburger Geſchichtsver⸗
ein die in ſeinen Publi kationen N, en, hier ſchon öfter
Beiptocenen ſphragiſtiſch⸗genealogiſchen Abhandlungen des Herrn
Archivraths v. Mülverſtedt in beſonderen Heften heraus. Das zwei⸗
te, mit zahlreichen Siegelabbildungen verſe hene iſt g ſoeben zu dem
billi ligen Preiſe von 25 Sgr. erſchienen. Jedem Geſchichtsfreund
wird es willkommen ſein, dieſe vielſeitig intereſſanten Artikel in
ſeparater Ausgabe erhalten zu können. —
„Genealogie der Familie von der Vorſt.“ Nach dem
Familienarchive und handſchriftl. Quellen. Als Mſer. gedr. Wien
(Selbſtverlag der Familie) 1871. 23 S. 80. Von dem älteſten be⸗
kannten Stammvater, Johann von der Vorſt welcher 1290 ſtarb
und von ſeiner Gattin Johanne von Gnkenonrt drei Söhne lee
ließ, ausgehend, bringt die Broſchüre einen überſichtlich geordneten
Nachweis der u. bis auf die neueſte Zeit. — Als bejon-
dere Vorzug iſt anzufüh hren daß es dem Herrn Vf. gelungen iſt, bis
in die älteſte Zeit hinauf d die Alliancen nachz zuweiſen; gerade in die⸗
ſer Beziehung zeigen die meiſten Stammbäume oft bedauerliche Lük⸗
ken. Die Auffindung der Alliancen iſt durch ein bei igegebenes Re⸗
giſter erleichtert, welches 142 — größtentheils niederländiſche und
weſtfäliſche — Geſchlechter aufweiſt.
7
„4
„Neue Mittheilungen des Thür.⸗Sächſ. Vereins
Bd. XIII. Etwas über die Herrn v. Scheplitz u und v. nechtrig, von
G. A. v. Mürverſtedt. (Auch als Separatabdruck ausgegeben.) —
Berichtigung einer Angabe in Bd. XI. a. a. O. woſelbſt irrthüm⸗
lich ein Uechtritziſches Wappen der Familie von Scheplitz vindieirt
wird. Erſteres zeigt bekanntlich im geſpaltenen e zwei geſchrägte
Schlüſſel, die von S. führen hingegen einen von 6 (reſ ſp. 5) Ster⸗
nen begleiteten Balken. Hieran. knüpft der Herr Vf. genealogiſche
Nachrichten über die von Scheplitz in Sachſen (wahrſcheinlich
eines Stammes mit der gleichnamigen alt märkischen Familie) deren
Stammreihe 1499 mit Haus v. S. beginnt und 1695 mit Wolf (A
©. abſchließt, — ſowie über die Heraldik der v. Hechtris d deren
0 ld, die Schlüſſel, von zahlreichen Geſchlechtern des Hochſtifts
Maße rs gefüh ‚rt wird reſp. wurde —
„Die ausgeſtorbenen Adelsfamilien d es O ſterlan⸗
des“ von H. C. v. d. Gabelentz. — 36 S. Nacht, äge zu einer
umfangreichen unter demſelben Titel in Heft 3 Bd. VI. der Mit:
theilungen des Oſterländiſchen Geſch.-Vereins von dem Herrn Pf.
veröffentlichten Arbeit, welche auf Grund ſorgfältiger Quellenfor⸗
ſchungen Nachrichten über 116 erloſchene Familien der genannter
Landſchaft brachte, während der ! ee Nachtrag deren noch 86
nun macht. Auch die Wappen ſind beſchrieben, To weit fie zu
ermitteln waren.
Es iſt eigentlich unnöthig, auf die Verdienſtlichkeit und
tigkeit 1 ſolcher Arbeiten hinzuweiſen; denne och wäre es höchſt
wünſchenswerth, wenn etwas häuf liger, als leider geſchieht, ähnliche
Forſchungen auch anderwärts angeſtellt und publieirt würden. Di
meiſten größeren adelsgeſchich keen Werke bei ſchäftigen ſich faft aus
ſchließlich mit 1 blühenden Adel, während eine größere Berückſich⸗
tigung ihnen gerade erſt Werth verleihen würde —
Wich⸗
8
Bibliographie.
Buchhandlung von Mitſcher und Röſtell, Berlin.
Leipzigerſtraße 129, iſt zu beziehen:
Antiquarius, rheiniſcher, 2 Abtheilung, 20. Bd., 1.
(160 S.) Cobl enz, 20 Sgr.
Beſchreibung d. bisher bekannten böhmiſchen 128 en und
Medaillen, beſchrieben v. Joſ. Neumann; 27. u. 28. Heft., groß
4. Prag. 2 Thlr. 4 Sgr. .
Durch die
Liefr., gr. 8.
nicht
49
e ee ee f. d. königl. preuß. Hof. 1. Reglement, betr.
Anmeldungen, Vorſtellungen und Audienzen bei Ihren königl.
Mea eftäten 5 bei Ihren königl. Hoheiten den Prinzen u. Prin⸗
eſſinnen u 10. Hauſes ſowie d. am königl. Hofe anzulegende
Coſtüm. . Geremonial bei Ankunft und Anweſenheit fremder
Allerhöe ter und höchſter Herrſchaften. III. Reglement betr. d.
Empfang fremder Botſchafter am königl e Hofe ſowie die
denſelben gegenüber zu beachtende Etiquette u. d. Ceremonial b.
d. Empf fange größerer Ge ſandſchaften in auß degree Miſſion.
gr. 8. (63 S) Berlin, 10 Sgr.
Debrett's illustrated peerage and tither of courtesy of
the united Kingdoms of Great Britain and Jreland 8. (697 p.)
London. 9 sh
Debrett's illustrated baronetage with the Figures
revised. 8. (671 p.) London. 9 sh.
Dodds peerage, baronetage and knightage for 1871. 12.
London. 10 sh. 6 d.
Geſchichte d er Familie d. Freiherrn von Bibra. gr. 8.
(191 S. in 9 Stammtafeln u. 17 Tabellen in 4. u. quer Fol.
M lünchen. 2 Thlr.
Geſchichts blätter f. Stadt u. Land Magdeburg. Mittheilun⸗
gen des Vereins f. Geſchichte u. Alterthumskunde d. Herzogth. u.
Erzſtifts Magd 66 urg. Heransgegeben im Namen d. Vereins
v. Dr. H. Holſtein. 6. Jahrg. 1871. 4. Heft, gr. 8. 1. Heft 160
S. nebſt e. Siegel⸗, e. Münz⸗ u. e. Wappentafel in gr. 8 u.
quer Fol.) Magdeburg. 2 Thlr.
0 ber, Unterſuchungen über d. Münzgeſchichte Oeſterreichs im 13.
14. Jahehunder, Lex. 8. (26 S.) W ien. 4 Sgr.
. Jof erh Hilarius von Eerhel. Ein Vortrag gehalten in
d. feſtl. Jahres⸗ Verſammlung d. numismat. Geſellſchaft in Wien.
gr 8. (26 ©.) Wien. 12 Sgr.
Liebuſch, Die deutſchen Reichsinſignien in ihrer ſymbol. Bedeu⸗
tung. 8. 22 S.) Quedlinburg. 3 Szr.
Lodge, the peerage and . of the britisch empire as
at present existing. 8. (916 p.) London. 31 sh. 6 d.
Mittheilungen d. Geſchichts⸗ u. Alterthums⸗Vereins zu Leis⸗
2
nig 1 königreich Sachſen. 2. Heft un e.
Fol) u a 8 (142 S) Leisnig. 15 Sgr.
Oertel, de 3.1970, . Nachtrag zur 2. ae d. genealog.
Tafeln d. 10 Jahrhunderts. 4 (51 S.) Meiſſen. 10 Sgr.
Seyler, Perſonal⸗ l⸗Matrikel des Ritter⸗ Canto Rhön⸗Werra aus d.
Jahre 1666-1785. Nach dem Originale im Beſitz d. hiſt.
Vereins v. Unterfranken. (Aus dem Archiv des hiſt. Vereins v.
Unterfranken) gr. 8. (53 S.) Würzburg 12 Sgr.
Sieb macher, 175 und allgem. ee her. von Gritzner,
Hildebrandt und Mülverſtedt ꝛc. gr. 4. Liefr. 83—87. Nürnberg.
à 1 Thlr 18 Sgr.
Verhandlungen d. hifter. Vereins v. Oberpfalz u. Regens⸗
burg. 27. Bd. d. geſ. ie u. 19. Bd. d. neuen Folge
gr. 8. (56 S. m. chromol ith. Karte in Imp. 4.) Stadtamhof.
1 Thlr. 6 Sgr.
Vom Fels zum Meer. Genealogie der Hohenzollern v. Burg⸗
graf Friedrich Nürnberg bis Kaiſer Wilhelm v. Deutſchland!
Imp: Fol. Bremen. 10 Sgr.
Walford, the county-familes of the united kingdom or royal
manual of titled and untitlel aristoeracy of Great Britain and
Jreiand. 8. (1135 p.) London. 2 L. 10 sh.
Weidenbark, naſſauiſche Territorien vom Beſitzſtande unmittelbar
vor der franz. Revolution bis 1866. (Aus den Annalen des
Vereins für naſſauiſche . und Geſchichtsforſchung,)
nebſt e. cle th. Karte; hoch 4. (108 S) Wiesbaden. 20 Sgr.
Weihe⸗Eimke, Octavio Piet el in de Herzog von Amalfi,
Ritter des goldenen Vließes, deutſcher Reichsfürſt und Gemahl der
e Maria Benigna Franzisca von Sachſen-Lauenburg.
lith. Tafel (in
Quellenſtudien aus dem Schloß-⸗Archive zu Nachod. gr. 8. (53
S.) Pilſen. 8 Sgr.
Inhalts-Verzeichniß.
Protocolle. — Urſprung und Wappen der Familien v. Hage⸗
meifter. — Hat Wittekind der Große ein Roß im Wappen geführt?
— un oder Siegelentſtellungen. — Erwiederung. — Lite⸗
ratur Bibliographie. — Matrikel. —
50
M atri kel. (Fortſetzung.)
Jahr | Datum
des Diploms.
1701 8. Sept.
19. Sept.
26. Sept.
. Sept.
19. Sept.
Datum
u. Jahr
der
amtl.
Pubiic.
Name.
Stephani.
Butt.
Heydekampf.
Schmettau.
Flemming.
(+ Linie 22. 6. 1777.)
(Wendt) von Wenden.
Eckersberg.
Spanheim.
Hamrath.
Reck.
Rickers.
Cocceji.
Butt.
Inhalt
des
Diploms.
an. A.
an. A.
an. Frh.
an. Frh.
conf. A.
beſt. A.
unter Er⸗
hebung
in den
Preuß. A.
frh. A.
ren. A.
Diplom
für
Daniel St., Geh. Rath
und Lehnsſekretair.
Volkart B., k. Pr.
Hofrath.
Chriſtian Siegmund v.
H., Rgb. auf Königs⸗
walde und Kehrberg,
Sohn des 1696 ge—
freieten Caspar Sieg—
mund. — Letzterer war
wieder der Sohn des
1688 geadelten Veit
H., kurbrd. Raths und
Ober⸗Zoll⸗Direktors in
Preußen.
Georg Ludwig Frh. v.
S. auf Königswalde u.
Kehrberg (laut Reſcript
an den Miniſter v. Bar⸗
tholdi.)
Georg Caspar, Reg.-Präſ.
in Stargard, u. Haino
Heinrich Gebr. v. F.
(des erſteren Sohn war
der Feldmarſchall Jacob
Friedrich v. F.)
Matthias W. v. W., Hof-
Ger.-Rath und Bürger⸗
meiſter zu Stargard i. P.
Joh. Philipp Cebrowski
als „v. E.“
Ezechiel S., Wirkl. Geh.
Rath.
Geh. Rath Friedr. H.,
maitre des requetes.
Hermann R., Altmärk.
Quartal⸗Gerichts-Rath ꝛc.
Joh. R., Clev.⸗Märk.
Hofger. Rath, u. Gattin,
geb. Hoppen, Eltern der
„ d. 22. 8,1701 be
reits in den freiherrlichen
Adelſtand erhobenen
Frl. R.
Heinrich C., Pr. Geh.
Rath und Profeſſor zu
Frankfurt a. O.
Volkart B., Pr. Hofrath.
Wappen.
Köhne IV. 68.
Köhne II. 94.
Köhne II. 40.
Köhne U. 61.
Köhne J. 39.
Köhne IV. 89.
Holobok
(halber Fiſch.)
Köhne II. 64.
Köhne III. 38.
Köhne IV. 28.
Köhne IV. 34.
Köhne II. 98.
Köhne 11. 94
Bemerkungen.
R. A. 4. Apr. 1698 für denſ.
als Kurbrd. Lehns⸗Sekretair.
R. A. d. d. 19. 5. 1701 für
denſelben.
R. A. d. d. 1. März 1688;
R. Frh. d. d. 17. 9. 1696 für
Caspar Siegmund v. H. Fſt.
Oſtfriesländ. Oberſtwachtmei—
ſter (vgl. 18. 1. 1704 und 27.
10. 1832.)
R. Frh. d. d. 20. Aug. ejd.
für denſelben. Auch erhielt er
ſpäter den Grafenſtand, vgl.
29: 11.712,
R. Grf. für dieſelben d. d.
16. 11. 1700.
R. A. d. d. 14. 1. 1699 für
denſelben.
Derſelbe war bereits früher von
Polen geadelt.
Mit ihm (1710) wieder +.
Das Diplom wurde indeß d. d.
6. 12. 1708 wieder zurückge⸗
nommen.
Derſelbe präſumirte von der
Fam. v. d. Recke abzuſtammen.
Wurde 3. 3. 1713 R. Frh
(val. 8. 11. 1749.)
R. A. d. d. 1. (nicht 19.) 5.
1701 für denſelben.
Jahr Datum Datum Inhalt Diplom
— — . Name des a Wappen. Bemerkungen.
des Diploms. Publie Diploms. u
— —-— — — —
1702 27. Nov. Huß. A. Joh. Helfreich H., Neg.: || Köhne III. 58.
a Rath zu Minden u. Magdeb.
Kammerrath, nebſt Gebr.
Carl Ad. u. Guſt. Ad.
1703 | 1. Jan. Wartensleben. Grf. Gen. Feldmarſchall Alex.] Gev. mit Hz.] Mit dem Wappen bei Bagmihl
(ält. Linie.) Hermann v. W. (Stw.) I. u. II. 46 erhielt derſelbe d. d.
IV. preuß. 29. 3. 1706 auch den Reichs⸗
Adler II. u. grafenſtand. — Das R. Grf.
III. Arm mit Dipl. der jüngeren Linie
Schwert. (W. Y bei Bagmihl) für 2
Dies W. Vettern v. W. iſt d. d. 14. 10.
wird indeß 1745 und anſcheinend von
| nicht ges Preußen nicht beſonders aner⸗
führt, ſondern kannt.
das W. bei
Bagmihl IL,
Tab. 46 nach
d. Diplom
Dom 2a 8.
I. . 1706.
„ 20. Febr. Seidel. an. A. Gebr. Andr. Erasmus Köhne V. 62. R. A. d. d. 11. 10. 1550 für
und Gettfr. Ludw. v. S., deren Vorfahr.
ſtammend aus der Schweiz.
15 2. März Kraut. A. Joh. K. aus einem Hal- Köhne III. 73.
lenſer Pfännergeſchlecht
(+ 1723 als Miniſter.)
5 N Meinders. As Gebr. Arnold Heinrich, Köhne III. 97.] R. A. d. d. 24. 1. 1704 für
Hof- und Kammerrath dieſelben.
und Clamor Hermann,
Leg.⸗Sekretair.
„ 5. März Werthern. an. Grf. Georg v. W., kurſächſ. Köhne l. 13. R. Grf. d. d. 12. 8. 1702
Geh.-Rath. für denſelben nebſt Wm. und
Prädikat: Hoch- und Wohl⸗
8 5 ee geboren.
Apr. Bondeli. Frh. Sim. Gabr. v. B., Ge⸗ Köhne II. 26.
ſandter bei der Schweiz
und Gebr. Em. u. Joh.
Erhard.
„ ai Dehrenthal. (Deren || conf. A. Den Kaumerrath und Köhne III. 3. R. VV
thall.) Landrentmeiſter v. D. zu deſſen Vater Daniel Ernſt,
Ravensberg. Vizekanzler des Iſt. Minden,
nebſt Brüdern Joh. Thomas
und Georg Heinrich und dem
Sohn ihres + Bruders, Clev.⸗
f Märk. Geh.⸗Raths.
0 18. Juni Steinau. an. Grf. Adam Heinrich v. St., _ Siebm. R. Gef, , 17032
(v. Steinrück.) kurſächſ. Feldmarſchall. A vn. für denſelben.
„ 18. Aug. Mylen, v. der A. Heinr. Ernſt v. d. M., Köhne IV. 9.
k. pr. Capitain.
„ 24. Aug. Bomin. A. Jae. Fr. V., Capitain⸗ Köhne 11.85.
lieutenant.
„ 12. Sept. Sanden. A. Chriſtoph Wilhelm S., Köhne IV. 83.] Andere Linie, vgl. 23. 3. 1796
Meckl. Schwer. Reſiden⸗ NB. des Nob. Vater war der
8 bei der Krönung König Fr. 1.
ten b. d. Generalſtaaten. anweſende Biſchof Sanden.
1704 | 18. Jan. Cheeuwen. A. Heinr. C., Pr. Hof⸗ u. Köhne 11.97.
Leg.⸗Rath.
Jahr Datum
des Diploms.
1704
18. Jan.
Name.
Heydekampf.
Schlüter.
Duchat de
Dorville.
Ebelll).
Schlieben
2
o
Krug v.
Drofte.
Meinecke.
18. Jau.
(nicht
1701.)
Bär.
(Urſin von.)
Beſchefer.
Katſch.
Inhalt
des
Diploms.
an. A.
(nicht
an. A )
|
|
|
|
|
1
u
|
|
Diplom
für
verwittwete Frau Char⸗
lotte Louiſe v. H. geb.
Klein, nebſt ihren Söhnen.
1
Andreas, k. Hofbaumeiſter
und Oberbaudirektor.
Gedeon, 1. D. d. D.
Major bei Wittgenſtein⸗
franzöſiſchem Adelsge⸗
ſchlecht.
Joh. E., Hptm. der Leib⸗
garde nebſt Gattin Eath.
Eliſ. geb. Canngießer.
Georg L., Oberſtlieut.
b. d. Garde zu Fuß,
nebſt Gemahlin Louiſe
Sophie geb. Gericken.
Carl Guſtav C., aus
einem hallenſer Pfänner⸗
geſchlecht, nebſt Mutter
und Schweſter.
Adam v. S. zu T
band.
Chriſtoph
Tuche⸗
Wittwe und Kinder d
+ Bürgermeiſters D.
Kneiphof bei Königsberg
i. P., nämlich Con⸗
ſtantia, geb. Droſte und
ihre 2 Söhne und 4
Töchter.
Joachim Moritz M.,
Hauptmann zu Fuß u.
Gattin Barbara Sophie
Wendt.
Biſchof als „U. v. B.“
nebſt Gattin Urſula Adel-
heid v. Huß.
Jacques B. aus Vitry,
Pr. Oberſtlieut. zu Fuß
nebſt Gattin Sufanna
de la Conde.
Chriſtoph K. W. Geh.
Staatsminiſter u. Gen.
Dragoner, angeblich aus
Benjamin Urſinus ev. ref.
Wappen.
Köhne III. 49.
(Schild auf
Doppeladler.)
2
Köhne III. 7. N
Köhne 111.10.
Köhne 111.85
| Köhne l. 89.
|
Köhne III. 75.
Köhne III. 9.
Köhne II. 81.
Köhne III. 98. 5
| ter des a. 1701 nob. Bürger⸗
Köhne III. 63.
Bemerkungen.
— —
Der + Veit H. (ihr Gemahl)
Kurbrd. Rath und Oberzoll—
dire tor in Preußen, hatte d. d.
1. 3. 1688 den R. A. erhal⸗
ten und ſie (ſeine Gattin)
mit ihm.
Er war der älteſte Sohn des
Chr. Siegm. v. H., Bruder
des 1696 in den R. Frh. er⸗
hobenen Chr. Siegm. v. H.
(vgl. deſſen Anerkennung 26.
9. 1701.)
R. A. d. d. 9 5. 1664 für
Caspar L., markgräfl. Brand.
Rath, ſeinen Vater.
Derſelve hatte bereits d. d. 27.
2. 1703 eine kaiſ. Adelsbe⸗
ſtätigung erhalten.
Die Familie iſt jetzt im Manns⸗
ſtamm erloſchen und Name
und Wappen an die von
Knobloch übergegangen; vgl.
27. 10. 1855.
Die Gemahlin war die Toch⸗
meiſters v. Wendt in Star⸗
gard.
U. war einer der Biſchöfe,
welche bei K. Fr. 1. Krönung
zugegen waren; er hatte den⸗
ſelben geſalbt.
2Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R.⸗B. Magdeburg.
Auditeur.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
(Fortſetzung folgt.)
Commiſſ⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Steindr. v. Jul. Könecke in Gardelegen.
o e OLTETT
*
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
Ur. 7. S, Berlin, im Juli 1871. SI 2. Jahrgang.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben Allergnä- ſchichten an die Bibliothek ihr Intereſſe an den
digſt geruht: den Kanzler des Deutſchen Reiches, Grafen Otto | Beſtrebungen des Vereins bethätigen möchten.
von Bismark-Schönhauſen, in den Fürſtenſtand zu erheben. Für die von hier verſetzten Herren v. Reitzenſtein und v.
(Allerh. Cab.⸗O. vom 21. März 1871.) | Bülow wurde die Neuwahl 1. eines Vorſitzenden, 2. eines
Secti fs für S iſtik er ˖
Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Heſſen und bei | Seckionschefs für Sphragiſtik erforderlich, welche nach erfolgter
Rhein ꝛc. haben Allergnädigſt geruht: am 9. November 1870 ö
den General-Conſul Horatius Günzburg zu St. Peters— |
burg für ſich, feine Ehegattin und gegenwärtigen und zukünf-
tigen Nachkommen beiderlei Geſchlechts in den Freiherrn-
ſtand des Großherzogthums zu erheben; |
am 21. März 1871 dem K. K. Oeſterreichiſchen Haupt⸗ Nach erfolgter Abſtimmung wurden folgende Herren zu
mann Karl Georg Friedrich Heyer aus Gießen, dermalen | Mitgliedern des Vereins aufgenommen:
in Wien, zu geſtatten, daß derſelbe künftig den Familiennamen a) zu wirklichen Mitgliedern:
|
!
Abſtimmung
ad 1. auf den bisherigen Vorſtand des hiſtoriſchen Vereins
zu München, jetzt hier anſäſſigen Herrn Hermann
Grafen v. Hoverden, und
ad 2. auf den unterzeichneten Schriftführer fiel; beide Wahlen
wurden angenommen. —
Heyer von Roſenfeld führe. 1. Herr Buchhändler Röſtell \ _.
2. Herr 10 155 hierſelbſt;
b) zu correſpondirenden Mitgliedern:
3. Herr Geh. Ober-Regierungsrath a. D. v. Kröcher auf
Vollenſchier,
4. Herr Karl Frhr. v. Wechmar zu Kiel;
ſämmtlich auf den Vorſchlag des Schriftführers. —
Dem Hrn. Schatzweiſter wurden vereinsſeitig die erbete—
nen Koſten der Anfertigung eines Holzſchnittes von dem noch
nirgend edirten Wappen der im letzten Kriege erloſchenen Fa—
milie von Palmenſtein bewilligt.
An Geſchenken für die Bibliothek waren eingegangen:
1) Von Hrn. Julius Grafen v. Oeynhauſen zu Hamburg:
„Geſchichte des Geſchlechts von Oeynhauſen, von J. Grf.
v. Oeynhauſen. I. Thl. Pader born, 1870.“ f
2) Von Hrn. Rittmeiſter a. D. v. Alvensleben auf Erxleben:
„Stammtafeln des v. Alvensleben'ſchen Geſchlechts, von U.
G. F. v. Alvensleben. Erxleben, 1865.“ —
3) Von Hrn. Regierungsrath B. von Schönberg zu Leipzig:
„Anhang zur Geſchichte des Geſchlechts v. Schönberg meiß—
Auszug aus dem Sitzungs-Protocoll des
„Deutſchen Herold“ pom 6. Juni 1871.
Der Schriftführer, als ſtellvertretender Vorſitzender, er—
öffnete die Sitzung mit der Verleſung der von Sr. Kgl. Hoheit
dem Prinzen Georg von Preußen auf die vom Vereinsvor—
ſtande überreichte Adreſſe um Uebernahme des Protectorats er—
gangenen zuſtimmenden Erklärung, und theilte ferner mit, daß
Se. Kgl. Hoheit dem Vorſtande eine Audienz zu ertheilen ge—
ruht habe, in welcher Namens des Vereins für die demſelben
erzeigte hohe Ehre pflichtſchuldigſt Dank abgeſtattet worden ſei.
Der Schriftführer referirte ſodann über die eingegangenen
Schreiben, und machte die erfreuliche Mittheilung, daß auf ſeine,
brieflich nach mehreren Seiten hin ausgeſprochenen, Bitten, ver-
ſchiedene Vereinsmitglieder und ſelbſt dem Verein fernſtehende
Herren ſich ſofort bereit erklärt haben, die Geſchichten ihrer
Familien ꝛc. (welche bekanntlich im Buchhandel nicht immer zu
haben find) der Vereinsbibliothek unentgeltlich zu überlaſſen. niſchen Stammes, von B. v. Schönberg.“
Nachdem auf die Wichtigkeit ſolcher Werke für den Verein hin⸗] 4) Von Hrn. Baron Hugo von Linſtow hierſelbſt: „Urkunden⸗
gewieſen worden war, wurde es für höchſt wünſchenswerth
erachtet, daß die betreffenden Adelsfamilien durch
Ueberweiſung der etwa vorhandenen Familienge⸗
Regeſten zur Geſchichte u. Genealogie der Herren v. Kotze,
von G. A. v. Mülverſtedt. Magdeburg, 1866.“
5) Von Hrn. Guſtav Seyler zu Offenhauſen: „Perſonalma⸗
54
trifel des Nittercantong Rhön-Werra a. d. Jahren 1666
— 1785, v. G. Seyler. Würzburg, 1871.“
6) Von Hrn. Oscar Ritter v. Schellerer zu Würzburg: „Die
Stiftsmäßigkeit des gegenw. in Bayern immatriculirten
Adels, zunächſt mit Bezug auf das ehemal. Hochſtift Würz⸗
burg, von O. v. Schellerer. Würzburg, 1871.“
) Von Hrn. Hofgraveur Heinicke zu Caſſel: „Einige Siegel—
Abdrücke der Stadt Caſſel, und photographiſche Abbildung
des kurfürſtl. heſſiſchen Wappens.“
Von der Herm. Manz'ſchen Hofkunſthandlung zu München:
„Welche ſollen des neuen Deutſchen Reiches Farben und
Flaggen ſein? München, 1871.“
) Von der Buchhandl. der Hrn. Mitſcher u. Röſtell hierſelbſt:
a) „Herald. Bücherverzeichniß v. J. A. Stargardt. Nr. 47.“
b) „Verzeichniß der wiſſenſchaftl. Sammlungen des Rent⸗
amtmann Preusker in Groſſenhain.“
10) Von Hrn. H. Walte in Hannover: deſſen „Verzeichniß
verkäuflicher Siegelabdrücke, nebſt Nachtrag.“
Von Hrn. Frhrn. v. Reitzenſtein zu Mühlhauſen: acht
Exemplare des Aufſatzes: „die Waldboten von Zwernitz,
von Herm. Frhrn. v. Reitzenſtein, zum Austauſch.
Von Hrn. Lieut. Gritzner: a) „Preußiſches Adelsarchiv,
1820.“ b) „Adelsbuch des Großherzogth. Baden, von F.
Caſt.“ c) „Armorial universel, von L. Curmer.“
13) Vom hiſtoriſchen Verein der Oberpfalz und Regensburg:
„Verhandlungen deſſelben; Stadtamhof, 1871.“
Vom hiſtoriſchen Verein für Steiermark: a) „Mitthei⸗
lungen deſſelben; 18. Heft.“ b. „Beiträge zur Kunde
ſteiermärkiſcher Geſchichtsquellen. Graz, 1870.“
15) Von der Schleſiſchen Geſellſchaft für vaterländ. Cultur
zu Breslau:
a) „47. Jahresbericht. Breslau, 1870.“
b) „Abhandlungen derf., philoſ.-hiſt. Abthl. 1870.“
c) „Desgl. Abthl. f. Naturwiſſenſch. u. Medicin. 1888.
Vom German. Muſeum in Nürnberg: „Nr. 7— 15 des
Anzeigers f. Kunde der deutſchen Vorzeit, Jahrg. 1870.“
Nr. 13 bis 16 im Austauſch gegen den „Deutſchen Herold.“
Gegen 9 Uhr wurde die Sitzung geſchloſſen.
Zur Beglaubigung:
F. Warnecke.
14
Ueber das Wappen der Stadt Altenberg
im ſächſ. Erz⸗Gebirge, und das des ehemaligen
Fleckens Altenberg in der Preuß. Provinz
Schleſien, Regierungs-Bezirk Liegnitz Kreis
Schönau.
In dem Wappenbuche der ſchleſiſchen Städte und Städtel
welches Herr Freiherr von Saurma, Jeltſch (Berlin 1870) her⸗
ausgegeben, wird ein Wappen des früheren Fleckens Altenberg,
jetzt Dorf in Schleſien, geliefert, welches in einem Schilde,
halb geſpalten und getheilt, oben rechts einen Biſchof
in verkürzter Figur, links einen kampfbereiten Löwen, in der
untern Schildeshälfte einen mit Schlägel und Eiſen arbeiten⸗
den Bergmann zeigt, und die Umſchrift hat: „Sigil der
freien Bergſtadt auf dem Altenberge.“ Der Herr
Verfaſſer erklärt den Biſchof für den heiligen Nicolaus, und
den Löwen für den böhmiſchen, und beſtimmt hiernach die Farben.
|
vor der Zeit des IOjährigen Krieges ganz ſtädtiſche Einridtun-
gen erhalten und im J. 1661 einem Herrn Conrad v. Sack und
Damsdorf pfandweiſe gehört hätte, welcher in dieſem Ithre
das ebenbeſchriebene Gerichts ſiegel habe anfertigen laſſer.
Nachdem dies geſchrieben und gedruckt geweſen, hat der
Herr Verfaſſer das erſte Heft der „Mittheilungen des Vereins
für Münz⸗ Wappen⸗ und Siegel-Kunde zu Dres den“ v J.
1869 zu Geſicht bekommen und darin das Wappen der Stadt
Altenberg im ſächſ. Erzgebirge nach alten Abdrücken be—
ſchrieben und abgebildet gefunden, welches bis auf einige unbe-
deutende Abweichungen ganz mit dem vom ſchleſiſchen Altenberg
gebrauchten übereinſtimmt. Dieſe Wahrnehmung veranlaßt nun
den Herrn Verfaſſer Seite 395 ſ. Werkes einen Zuſaß zu
jener Beſchreibung zu liefern, und an die Spitze derſelben die
Behauptung zu ſtellen, ja ſogar als Thatſache anzunehnen,
daß das Wappen des ehemaligen ſchleſiſchen Städ—
tels Altenberg friſchweg von der meißniſhen
Stadt Altenberg im Erzgebirge annectirt worden
ſei. Derſelbe ſucht dies Vorkommniß damit zu erklären, daß
ein Siegelſammler einen Abdruck des Siegels des ſchleſiſchen
Städtels erlangt, und, weil inzwiſchen das ſchleſiſche Altenberg
aus der Reihe der Städte verſchwunden geweſen, daſſelbe als
das der fühl. Stadt angehörige rubrieirt, ferner wie einmal,
etwa in Folge eines Brandes, die ſächſiſche Stadt Aten⸗
berg ihr Siegel verloren und ein neues zu fertigen nöthig
gehabt hätte, auf die Autorität jenes Sammlers hin, das
Wappen des ſchleſiſchen Städtchens nach Meißen verpflanzt
ſei. Es habe ſich ſodann ſchnell ein Chroniſt gefunden,
welcher nähere Data an der Hand gehabt, ſogar das merk—
würdige, daß der böhmiſche Löwe weiß und roth quer getheilt
im blauen Felde ſei, wobei ihm vielleicht das Wappen der
meißniſchen Familie v. Schönberg vorgeſchwebt haben möge.
Schwerlich, meint ſchließlich der Herr Verfaſſer, dürfte der
Grundherr und die jetzige Gemeinde von Altenberg im Kreiſe
Schönau gegen den fernern Gebrauch des Wappens Proteſt
einlegen, obſchon ſie aus den noch exiſtirenden
Schöppenbüchern ihres Orts ihr alleiniges Eigen—
thumsrecht zu beweiſen ſehr wohl im Stande ſei—
en, nur müßte es an dieſem Orte conſtatirt wer:
den, in welcher Weiſe zuweilen Wappen gemacht
werden.
Als Verfaſſer der Beſchreibung der Wappen in den an⸗
gef. Vereinsmittheilungen mußte ſich der Einſender dieſes ſo⸗
wohl durch das Vorkommen einer und derſelben Darſtellung
auf dem Siegel zweier gleichnamigen fo weit auseinanderlie-
gender Orte, als auch durch die eben kürzlich wiedergegebenen Be—
merkungen über eine Annection des Wappens der ſchleſiſchen
Stadt von einer meißniſchen veranlaßt fühlen, über Zeit und
Grund weitere Nachforſchungen anzuſtellen.
Das Ergebniß derſelben iſt jedoch dahin ausgefallen,
daß die Annahmen des Herrn Freiherrn von Saurma Jeltſch,
ſowie die daraus gezogenen Folgerungen, als irrige zu be⸗
zeichnen ſind.
Es hängt alles von der Frage ab: wann und von wel⸗
chem der beiden Orte erſcheint das fragliche Siegel zuerſt im
Gebrauche? 5
Der Einſender hat in dem Auſſatze jener Vereinsmit⸗
theilungen zwar berührt, daß die Abbildung nach einem Ab⸗
drucke des älteſten Siegels der Stadt Altenberg im Königlichen
Sodann berichtet derſelbe, daß das frühere Dorf kurz Hauptſtaatsarchive zu Dresden geliefert worden ſei, jedoch un⸗
|
|
|
terlaſſen, die Zeit zu conſtatiren, zu welcher Abdrücke
dieſes Stempels an Urkunden vorkommen. Es erſchien dies für
dortige kurze Notizen nicht gerade erforderlich, hätte jedoch,
wenn es geſchehen wäre, Herrn Freiherrn von Saurma-Zeltich
vielleicht von der Folgerung abhalten können, daß dies Wappen nach
einem Siegelabdrucke aus dem 17. Jahrhundert gezeichnet wor⸗
den wäre.
Obwohl nun, wie auch ſchon in jenem Vereinshefte S.
S gejagt ift, Altenberg im ſächſ. Erzgebirge bereits unter Kur—
fürſt Friedrich dem Sanftmüthigen (1428 — 1464) ſtädtiſche
Gerechtſame erhalten hat, fo iſt doch im Kgl. Sächſ. Staats: |
archive zu Dresden erſt an einer Urkunde aus dem J. 1544
ein Abdruck des Siegels der Stadt anzutreffen. Derſelbe
hängt noch wohlerhalten an einem Schreiben des „Raths auf
dem Altenberge,“ in Gemein ſchaft mit dem daſigen Berg⸗
meiſter Werner von Neſſa in Bergwerks⸗Angelegenheiten an
den Kurfürſten Johann Friedrich gerichtet, Mittwochs nach
Judika (den 2. April), in gleichem an einem Montags nach
Thomä deſſelben Jahres (den 22. December) von „Richter
vnd Scheppen ufm Aldenberg“ vollzogenen Schrei—
ben an denſelben Fürſten.
Dieſer Stempel führt die in jenen Vereinsmittheilungen
S. 9. ſchon erwähnten Umſchrift: „S. der freien Bergſtat
aufm Aldenberge.“ Betrachtet man den Abdruck genauer, ſo
findet man auch Beweiſe genug, daß der Stempel dazu im
Anfange des 16. Jahrhunderts angefertigt worden iſt. Es
iſt nämlich die Schriftgattung jener Umſchrift zwar ſchon die
um jene Zeit an die Stelle der jogen. neugothiſchen Majuskel
getretene lateiniſche Lapidarſchrift, allein ſie iſt noch nicht ſo
ſteif und überall geradlinig, wie ſpäter im 17. Jahrhundert.
Der Schild ferner, auf welchem die Darſtellung eingravirt iſt,
hat eine Form, ausgeſchnittene Seiten und umgebogene Rän⸗
der, welche man den heraldiſchen Schilden damals gern gab.
Endlich find die Figuren alle ſehr ſauber und forgfültig gras
virt und heraldiſch richtig (namentlich der Lowe) ſtiliſtrt.
Der Biſchof hält drei Brode in der linken Hand, und ſteht
in voller Figur auf einem Fußboden.
Einer ſpätern Zeit gehört ein anderer Stempel an, der
dieſelben Darſtellungen zeigt, jedoch nicht ſo ſorgfältig wie jener
gravirt iſt. Man ſieht aber, daß dem Stecher ein Abdruck
jenes zum Vorbilde gedient hat, denn Durchmeſſer der Siegel⸗
fläche und der Schild iſt ganz von derſelben Größe; man könnte
ſie für Abdrücke eines und deſſelben Stempels halten, wenn
nicht die Umſchrift eines Anderen belehrte, ſie iſt nämlich nicht
nur nicht ſo ſauber, wie jene, ſondern unterſcheidet ſich auch
weſentlich ſowohl durch den orthographiſchen Schnitzer FREUEN
ſtatt FREIEN, als auch durch die Schreibweiſe STADT
und ALTEN ſtatt STAT und ALDEN von der jenes
älteren Stempels, und bekundet dadurch zugleich ihren jün—
geren Urſprung. Nach einem Abdrucke dieſes, nicht des ältern,
iſt aus Verſehen die Abbildung in jenen Vereinsmittheilungen
Nr. 2 der Taf. photographirt worden.
Höchſtwahrſcheinlich iſt dies derjenige Stempel, den die
Stadt ſtechen ließ, als im J. 1615 der älteſte ſilberne durch
Brand unbrauchbar geworden war, und vom Stadtrathe dem Stecher
ein Abdruck des letzteren vorgelegt worden. Er kommt auch
an zahlreichen Aktenſtücken ſeit dem Anfange des 17. Jahrhun⸗
derts vor.
Verdrängt wurde derſelbe von dem in jenen Mittheilungen
getadelten neuen, welcher angefertigt werden mußte, als bei (laſſen.
55
— —H——ũ—— — 1lb k ———⁵' 2 —
dem Brande der Stadt im J. 18. . jener aus dem 17. Jahrh.
vernichtet worden war.
Die Annahme einer andern Darſtellung auf den Stempeln
hat mie ſtattgefunden; von den älteſten Zeiten bis auf die
jetzige findet man nur eine und dieſelbe, leider nur mit der
verhunzten Biſchofsgeſtalt auf dem heutigen Stempel.
Wenn nun Herr Freiherr von Saurma Jeltſch berichtet,
daß erſt im J. 1661 der Gerichtsherr des ſchleſiſchen Fleckens
Altenberg das in ſ. Wappenwerke S. 1 abgebildete Siegel
als Gerichtsſiegel habe ſtechen laſſen, alſo zu einer Zeit, wo
das erzgebirgiſche Altenberg ſein beſchriebenes Wappen bereits
länger als ganzes Jahrhundert, wie eben nachgewieſen worden,
geführt hatte, ſo muß man zu einer ganz andern Schlußfol⸗
gerung gelangen, als Herr Freiherr von Saurma.Jeltſch, näm⸗
lich der, daß das umgekehrte Verhältniß ſtattgefunden, daß
nämlich nicht das ſäch ſiſche Altenberg, ſondern das ſchle⸗
90 55 friſchweg das Wappen der ſächſiſchen Stadt annectirt
habe.
Ueber den Hergang laſſen ſich nur Vermuthungen auf⸗
ſtellen. Es iſt aber weit wahrſcheinlicher, daß der Herr von
Sack, als er im Jahre 1661 daran dachte, ſeinem Flecken ein
Siegel zu geben, von irgend einem Sammler oder durch Zu⸗
fall den Abdruck eines Siegels der gleichnamigen ſächſiſchen
Stadt Altenberg in die Hände bekam, und es aus ſehr nahe⸗
liegenden Gründen ſehr paſſend fand, daſſelbe für ſeinen Flecken
anzunehmen. Es paßte nämlich die Darſtellung des Biſchofs
Nicolaus, der ein ſehr beliebter Kirchenpatron war, wie die
vielen Nicolaikirchen durch ganz Deutſchland bekunden, viel:
leicht zufällig für jenen Ort, ferner ließ ſich der Löwe, da er.
ohne Angabe der Tinctur, ebenſogut der böhmiſche wie der
meißniſche ſein kann, dorthin verpflanzen, und endlich eignete
ſich die Darſtellung eines vor Ort arbeitenden Bergknappen
ganz vortrefflich für einen Ort, wo Bergbau betrieben wird.
Ferner iſt zu berückſichtigen, daß die Siegel der ſächſt⸗
ſchen Stadt Altenberg nie den Biſchof in weniger als ganzer
Geſtalt darſtellen, und die Umſchriften jener niemals ſo lauten,
wie die der Siegel des ſchleſiſchen Städtchens.
Man muß dahin geſtellt ſein laſſen, ob die Farben, die
der in den Vereinsmittheilungen angeführte Verfaſſer der Alten-
berger Chronik, Meißner, S. 63 für den Löwenſchild angiebt,
die richtigen ſind. Wahrſcheinlich hat man auf dem älteſten
Stempel den böhmiſchen Löwen darſtellen wollen, ihn aber nur
unrichtig tingirt, denn die Herrſchaft Bärenſtein, auf deren
Grund und Boden das ſächſiſche Altenberg angelegt wurde,
war ein böhmiſches Kronlehn der Markgrafen von Meißen, und
das Vorkommen des böhmiſchen Löwen in den Siegeln meiß⸗
niſcher Städte iſt deshalb nichts Auffälliges, weil verſchiedene
Herrſchaften im Markgrafthum Meißen bei der Krone Böhmen
zu zehn gingen.
Herr Freiherr von Saurma⸗Jeltſch ſcheint anzunehmen,
daß Altenberg in Sachſen nach dem oben erwähnten Brande
im Jahre 1615 in Verlegenheit um ein Stadtwappen ge⸗
rathen ſei und ſich durch Annahme des des ſchleſiſchen Städtchens
geholfen habe; allein jener Brand machte nur das älteſte Siegel
unbrauchbar, und alle Abdrücke vor und nach 1615 zeigen,
wie ſchon oben angegeben, dieſelbe Darſtellung; Beweis alſo,
daß man das frühere Wappen nicht mit einem andern ver⸗
tauſcht, ſondern nach Abdrücken des alten neu hat ſtechen
56
Eine Annexion des Wappens von Schleſiſch-Altenberg
Seiten des meißniſchen Altenberg müßte daher ſchon vor dem
Jahre 1544 ſtattgefunden haben, woran aber gar ſehr zu zwei—
feln iſt, weil nach den Angaben des Herrn Freiherrn von
Saurma⸗Jeltſch der von ihm abgebildete Stempel des ſchleſi⸗
ſchen Altenberg erſt im Jahre 1661 entſtanden iſt.
Uebrigens erſcheint es auch eigenthümlich, daß die Schöppen
dieſes Orts oder der Gerichtsverwalter ſich eines Siegels be—
dient haben ſollten, worauf klar und deutlich ſteht, daß es nicht
des Gerichts, ſondern der Bergſtadt, der Stadtgemeinde Siegel
ſei. Herr Freiherr von Saurma⸗Jeltſch führt in ſeinem Werke
eine Anzahl alter wie neuer Schöppen- und Gerichtsſiegel vor,
auf denen ſtets die Aufſchrift dahin lautet, daß dies das
Schöppen⸗ oder Gerichtsſiegel ſei; man kann daher kaum
glauben daß dieſem auch anderwärts ſtattfindenden Gebrauche
zuwider der Gerichtsherr ſelbſt noch im J. 1661 ein Siegel
für das Gericht habe ſtechen laſſen, welches nicht als Gerichts—
ſondern als Stadt⸗Siegel bezeichnet wird.
Herr Freiherr von Saurma-⸗Jeltſch ſagt ferner, daß ſich
Abdrücke des abgebildeten Siegels erhalten hätten und nach
dieſem die Abbildung gemacht worden ſei. Es iſt aber hier
von großer Bedeutung zu wiſſen, ob dieſe Abdrücke an Schriften
hängen, welche Magiſtrat oder Gericht des ſchleſiſchen Ortes
ausgeſtellt hat. Denn iſt dies nicht der Fall, ſondern iſt der
Abdruck aus einer Sammlung entlehnt, ſo iſt es gar nicht
unwahrſcheinlich, daß er von einem ſpäteren Stempel der ſäch⸗
ſiſchen Stadt Altenberg herrühre, der dem Einſender bis jetzt
unbekannt geblieben iſt, woraus wieder folgen würde, daß für
das ſchle ſiſche Altenberg gar kein Siegel exiſtire.
Endlich dürfte der Umſtand, daß das ſächſiſche Altenberg
von den älteſten bis auf die neueſten Zeiten auf allen be⸗
kannten Stempeln den heiligen Nicolaus ſtets in ganzer Figur
auf einem Fußboden ſtehend hat darſtellen laſſen, während das
Siegel von ſchleſiſch Altenberg denſelben Heiligen nur in 2
oder ſehr gedrückter Figur zeigt, dafür ſprechen, daß
letzteres eine Nachahmung des Siegels der ſächſiſchen Stadt ſei.
Wenn nun Herr Freiherr von Saurma⸗Jeltſch am Schluſſe
ſeines Aufſatzes noch ſagt, daß ſchleſiſch Altenberg aus den
noch vorhandenen Schöppenbüchern ſein alleiniges Eigenthums⸗
recht an jenem Wappen zu beweiſen im Stande ſei, ſo fragt
es ſich, ob dieſe Schöppenbücher über das Jahr 1661 zurück⸗
gehen; und iſt dies der Fall, ſo wäre zu wünſchen, daß Herr
Freiherr von Saurma⸗Jeltſch aus den angezogenen Büchern
nachweiſe, von welchem Jahre ab der Gebrauch des abgebil—
deten Gerichtsſiegels begonnen habe. Dadurch wird die Prio-
rität des Beſitzers documentirt und folglich auch die Frage
entſchieden werden, auf Seiten welcher Stadt die Aneignung
eines fremden Siegels ftattgefunden habe.
Dem Einſender iſt es jedoch in Erwägung des Umſtandes,
daß ſchle ſiſch Altenberg kurz vor dem dreißigjährigen Kriege,
alſo etwa 1610—18, ſtädtiſche Einrichtungen erhalten hat,
alſo von da an auch erſt ſich Stadt nennen und ein Siegel führen
durfte, während das ſächſiſche Altenberg über hundert Jahre
früher Stadt wurde und ſchon im Jahre 1544 das von ihm
abgebildete Siegel führte — nicht zweifelhaft, daß der Vor⸗
wurf der Annexion auf das ſchleſi ſche Altenberg zurückfalle,
wenn es wirklich das im ſchleſiſchen Städtewappenbuche abge⸗
bildete Siegel geführt hat.
Dresden. G.
„ .. ·1¹ꝛ]11 —ͤ
Bayreuth.)
Tandeshoheiten.
Verzeichniß derjenigen Familienhäupter des Reichsadels, welche
bei Auflöſung des alten Deutſchen Reichs über die hier ge—
nannten Territorien Landeshoheit beſaßen, ohne wegen derſelben
Reichsſtände zu fein, und welche weder zu Nebenzweigen reichs—
ſtändiſcher Häuſer noch zur freien Reichsritterſchaft in Franken
Schwaben und am Rbein wegen derſelben gehörten.
1) Der Herr von Arienſchwang wegen der Herrſchaft
Arienſchwang zu der vorderen Grafſchaft Sponheim im ober-
rheiniſchen Kreiſe.
2) Der Graf Bentink wegen der Herrlichkeit Knyphauſen,
Oſtfriesland.
3) Der Herr v. Blauche wegen der Herrſchaft Schönau,
Herzogthum Jülich.
4) Der Reichs-Freiherr von dem Bongard wegen der
Herrſchaft Richold, Herzogthum Limburg.
5) Der Reichs⸗Freiherr von Galen wegen Antheil an
Dörfern Hauſen und Kettenbach, im Oberrheinkreiſe.
6) Der Reichs⸗Graf v. Goltſtein wegen Herrſchaft Schle⸗
nacken im weſtphäliſchen Kreiſe.
7) Der Reichs⸗Freiherr Grote wegen des freien Gerichts
und Guts Schauen, im niederſächſ. Kreiſe.
8) Der Reichsgraf v. Hillesheim wegen Antheil an Herr-
ſchaft Reipoltskirchen.
9) Der Reichs⸗Freiherr von Mylendonk wegen Herrlich
keit Hörſtgen bei Mörs, weſtphäliſcher Kreis.
10) Der Reichs⸗Graf von Neipperg wegen Antheilen in
Bebenhauſen, Kreis Schwaben.
11) Der Reichs-Freiherr v. Reitzenſtein zur Reuth wegen
der ehemals Sparnekiſchen Reichslehn zu Markt Redwitz, Dörf⸗
las und Bernſtein, Oberpfalz.
12) Der Reichs-Freiherr von Sickingen wegen der Herr⸗
ſchaft Ebernburg zur vorderen Grafſchaft Sponheim im Ober—
rheiniſchen Kreiſe.
13) Der Reichs-Freiherr von Wachtendonk wegen der
Herrſchaft Wylern, Herzogthum Limburg.
14) Der Reichs⸗Graf Waldbot v. Baſſenheim wegen der
Herrſchaft Olbrück im oberrheiniſchen Kreiſe, der Herrſchaften
Reiffenberg und Kranzberg ebenda und der Herrſchaft Pir-
mont in der Eifel.
15) Der Reichs-Freiherr Waldbot von Bornheim wegen
der Herrſchaft Olbrück a. a. O.
16) Der Reichs⸗Graf von Walderdorf wegen Herrſchaft
Molsberg zu der Grafſchaft Nieder-Iſenburg im kurrheiniſchen
Kreiſe.
17) Der Reichs⸗Graf v. Wartenberg wegen der Graf—
ſchaft Wartenberg im oberrheiniſchen Kreiſe.
18) der Marquis von Weſterlo aus dem Hauſe Merode
wegen der Herrſchaft Stein in dem Burgunder Kreis.
Bemerkung. Der Reichsgraf v. Wartemberg war 1738
aus dem Wetterauſchen Grafencollegium ausgeſchloſſen, der
Reichsgraf von Neipperg war Perſonaliſt bei der ſchwäb.
Grafenbank und der Reichs⸗Graf von Sickingen⸗Hohenburg
war den 7. Juni 1791 ebenfalls als Perſonaliſt bei der ſchwäb.
Grafenbank eingeführt.
(von Lancizolle, Ueberſicht der deutſchen Reichsſtand⸗
ſchafts⸗ und Territorialverhältniſſe; Acten des Reichshofraths zu
Wien, und Hänlein und Kretzſch mann Archiv für Anſpach und
C. Chl. Frhr. v. R.
14
1
1
.
M a Ei ee (Fortſetzung.)
Jahr Datum . Tan Inhalt Di
u. Sabt Nn 5 Be
des Diploms. Publi. Diploms. RR
1705 |10. Febr. Heſſig an. A. | Joh. Heinrich, K. Pr.
Kammerrath.
„ 2. März Raab. A. Gottfried R., Clev.-Märk.
(nicht Reg.⸗ und Amts⸗Kam⸗
703 merrath.
„ 112, März Linger. A. Chriſtian L., Major der
Artillerie nebſt Gattin
Cath. Eliſabeth Gröwen.
Juli Ougier. A. Benjamin O., Sekr.,
ö Greffier und Archivar
in Neufchätel.
Juli Boyen. A. Joh. S. B., k. Poln.
Oberſtwachtmeiſter, Ra⸗
phael B., Fähnrich bei
den Generalſtaaten,
Andreas, Studioſus, u.
Fr. Wilh, Lieutenant,
Gebrüder und Vettern
v. B.
„ 11. Dez. Eyff. (Eiff.) A. Artillerie -Capitain
Eiff.
2
1 15. Dez. Ulrich von Ulrici. an. A. Joh. Warmund Ulrich
v. U., Concipiſten b.
Amt zu Glatz.
17061. Febr. Mienta. A. | Fabian M., Sekr. des
K. v. Polen.
„ 22.Sept. Weiß v. Weiß. ren. A. Michael W., Ritterguts⸗
beſitzer eines Cölmer
Gutes in Oſtpreußen.
„Ort. Broitzem. an. A. Andr. Ulrich v. B.,
Rittmeiſter.
„ 17. Nov. Poſadowski. (v. an. Frh.] Hans Ernſt Frh. P. v.
Poſtelwitz.) P. (laut Notif. an die
Lehnskanzlei.)
„ 4. Dez. Schlabrendorf. an. Frh.] Otto v. S., Generals
8 Lieut. und Commandant
von Cüſtrin.
1707 18. Jan. Weſtdorf. A Joh. Weſtarpff, k. preuß.
nicht Kriegskommiſſär als
beſt. „v. Weſtdorf.“
* Luck. A. Daniel L., kgl. Kam⸗
merdiener.
24. Juni Mienta. A. Anton Ciprian M.,
Bruder des I. 2. 1706
nobil. v. M.
Wappen.
Köhne III. 48.
Köhne IV. 26.
Köhne III. 86.
Köhne IV. 15.
Köhne II. 89.
(gev. mit
93.)
Köhne III. 13.
Köhne IV. 3.
Köhne IV. 88.
Grote D. 4.
Köhne II. 53.
Köhne Il. 61.
Köhne IV. 90.
Köhne III. 96.
Köhne IV. 3.
Bemerkungen.
R. A. d. d. 1. Aug. 1699 für
ihn und ſeine Brüder.
Derſ. erhielt d. d. 24. 1. 1732
als Gen.⸗Major auch den R. A.
Ein Renov. Dipl. vgl. 3. 12.
1787.
Die Nobilitirungs⸗Ordre iſt
vom 11. 7. 1711; das Diplom
alſo 6, nicht 2 Jahre vor—
datirt(!)
Vgl. 18. J. 1701 und 1. 8.
1672.
Das Diplom für denſelben
wurde ihm indeſſen erſt als
Major der Artillerie d. d. 11.
Dez. 1716 zugefertigt.
R. A db. d 21208 für
denſelben mit „v. Ulrici.“
Vgl. 24. 6. 1707.
Der Großvater deſſelben wan-
derte aus Böhmen, wo er an⸗
geſeſſen war, a. 1632 nach
Oſtpreußen aus.
Böhm. Frh. mit „v. Poſtel⸗
witz“ d. d. 26. 5. 1705 für
denſelben.
P ih dend eie, 1097
für denſelben, vgl. 17. 11. 1772
und 15. 10. 1786.
Vgl. I. 2. 1706.
Die einfachſten Wappen:)
1) einfarbige ohne Bild: (Es ſind dieſe faſt durch⸗
weg entweder von längſt ausgeſtorbenen Familien geführt, oder
durch Wappen⸗Vermehrung verändert worden:)
a) ein ſilbernes glattes Schild führte:
Boothby, England; (vermehrt durch ein kleines ſchwarzes
Eckſchild mit einer Löwentatze belegt.)
Bocquet, Normandie.
Bielsky, (d. polnische Wappen Zgraia.)
de Lacarre, Spanien. (Alliance Mit Bearn.)
Gourlez, Frankreich; (von denen die Grafen de la
Motte ſtammen.)
(mit rothem Schild-Rand: du Lac de Montledier,
Languedoc, und Sernay, Lothringen.)
b) ein goldenes glattes Schild:
Bandinelli, Kirchenſtaat.
Puy-Paulin,
Paernon,
Bordeaux,
Bise,
v. Lahr, Rheinl.
v. Roſenſtein,
Meues es,
Magorg
ee Portugal.
(mit rothem Schildrand:
c) ein blaues glattes Schild:
Barge, Lothringen.
Mai ent hal, Schweiz.
d) ein ſchwarzes glattes Schild:
G Our nay Norm., (Graf Go urnay; Vall.)
Desg abets, (des Gabets) d’Ombale.
de-France.
e) ein rothes glattes Schild
d’Albret. Gascogne. (d' AIbret-Orval —
das Schild mit einer ſilbernen ausgeſchweiften Ein⸗
faſſung — bordure engrelee.)
Cte Narbonne-Lara, \ Frankreich, von denen die v.
Pelet-Narbonne, N Pelet in Preußen ſtammen.
du Vivier, Languedoc.
Graf v. Herrten fein, (S. Siebm.)
Ximenez, Navarra.
Canizares,
Bourdeaux-Reipaulin,
du Disquay, Bretagne.
Rubei, Toscana.
Rossi, Florenz.
Mardick, Stadt in Flandern.
f) ein grünes glattes Schild:
= 19 5 5 Frankreich.
g) ein orange 05 glattes Schild:
No& de Guitaud, Languedoc.
*) Obwohl der Deutſche Herold“ die Stoffe ſeiner Abhand⸗
lungen möglichſt nur der deutſchen Heraldik zu entnehmen beſtrebt
iſt, ſo ſchien hier doch eine Ausnahme erlaubt, da die Beiſpiele ſo
ganz einfacher Wappen in Deutſchland äußerſt ſelten ſind, obige
von dem auch in der außerdeutſchen Heraldik ſehr ea een Herrn
Verfaſſer gemachte Zuſammenſtellung aber gewiß manchem Wappen⸗
ſammler intereſſant ſein dürfte.
Frankreich.
(S. Siebm.)
Schweiz, (S. Siebm.)
Spanien.
Pierrefort; Auv. Prov.)
Jle-
Spanien.
5
h) ein graues (?) glattes Schild
Pardos, Spanten.
i) ein Hermelin⸗Schild:
duc de Bretagne.
Le Bret, Bretagne.
Coigne, Tour.
Quinso u, Jsle-de-France.
Favin,
Ste Hermine,
Paris-Boisrouvray,
v. Wolckensdorf, (vermehrt — ſ. Siebm.)
Hoyos, Spanten, (Stammwappen der Grafen v. H.
Sprintzenſtein.)
k) Gegen⸗Hermelin: (contre-Hermine,) d.
Felde weiße Hermelinſpitzen.)
Laval, Normandie.
Maublanc,
Roux,
J) Hermelin mit rothem Schild-Rand:
Bretagne, Comte de Rougemont,
Lamballe i
Limoges,
A nlezy-Ch.,
Beilleul,
Barnevall victe Kingsland, England, (ausge-
ſchweifter Rand.)
m) einfarbiges Schild — mit freiſtehendem Rand (orle.)
Sinderen, (ſilber⸗roth. Helmz.: Kopf und Hals eines
Bockes. (S. Siebm.)
(Zundereu, Brabant, dgl.)
Essex v. Bewcot, + England (dgl.)
de Charlot, Pic. (ſilb.⸗blau.)
Bertram Lord Bothall, + (gold⸗blau.)
Cornu, Fr. (totheftlber.)
Beauc.mp, Belg. (dgl.)
Baliol, Engl. (dgl.) Helmz.:
v. Randow, Pom. (dgl.) Helmz.:
3 Pfauenfedern.
mit zuſammengeſetztem Rand (bordure
componee.)
Iriberri, Spanien (gold — blau gold — 20 Theile.)
o) einfarb. Schild mit belegtem Rand:
Cannizares, Span. (roth —roth— 8 — goldene Anz
dreaskreuzchen-flauchir.)
Valles, Span. (blau-ſilber; 8 rothe Roſen. quinte-
feuilles.) Bois- Dauphin, Frankr. (blau⸗ſchwarzer
Rand m. b kleinen en
Frankreich.
i. im ſchwarzen
Frankr.
Frankr.
2 Monde.
2 Fähnchen zwiſchen
n) einfarb. Schild
H. v. L.
Deutſche Städtewappen.
(Fortſ. aus Nr. 3.)
14) La uwenſtad. Im von R. und G. getheilten
Schilde ein g. Löwenkopf en face mit ausgeſchla—
gener r. Zunge.
Unter dem Jahre 1156 erzählt Botho, wie nach dem Brande
von Lübeck die Kaufleute daſelbſt Heinrich den Löwen um ſeine
Beihülfe zum Wiederaufbau baten; da ſeinem Anſuchen bei
Graf Adolf zu Holſtein um Abtretung der Stadt nicht ge—
39
willfahrtet wurde, baute ihnen der Herzog nicht fern von Lü—
beck eine Stadt, „und leyt de stad heten na synem na-
men de lauwenstad vnde gaff ön eyn gulden leopar
kopp to eynem wapen.“ Als aber ſpäter Graf Adolf zu
Holſtein dem Herzoge Lübeck zu Eigen gab, baten die Kauf—
leute, die alte Stätte wieder aufbauen zu dürfen; der Herzog
erlaubte das, und der Bau der Lauwenſtadt unterblieb. Siegel
exiſtiren natürlich nicht.
15) Lübke (Lübeck.) Zwei Schilde cd
vorn in R. das ſogenannte w. Neſſelblatt des Her—
zogthums Holſtein, hinten in G. der zweiköpfige
Reichsadler, auf der Bruſt belegt mit einem von
w. und r. getheilten Herzſchilde. Letzteren Schild führt
die freie Reichsſtadt Lübeck noch jetzt als Wappen.
Als eigentliches Stadtwappen iſt der getheilte Herzſchild
zu betrachten; wir finden daſſelbe bereits auf dem älteſten (2)
Siegel; a) daſſelbe zeigt (in ſehr erhabener Arbeit kräftig ge—
ſchnitten) ein auf Wellen ſchwimmendes, am Kiel wie am
Steuerende in Thierköpfe endigendes Boot, in welchem beider—
ſeits des Maſtes, von dem 6 Taue herabhängen, zwei Schiffer
zugewendet ſitzen, von denen der zur Rechten ohne Kopfbedeckung
die rechte Hand emporſtreckt, und ſich mit der Linken am
Taue hält, während der andere (eine Gugel auf dem Haupt)
mit beiden Händen das Ruder in die Wellen ſtößt. Die
Flagge am Maſt iſt quergetheilt.“) Die Umſchrift (ver-
zierte Majuskel) lautet: „Sigillum burgensium de lube-
ke“ 1396. —
b) Das Secret (1274,
Kaiſer ſitzend mit Scepter und Reicksapfelz
cretum burgensium de lubeke.“
c) „Signetum civitatis lubecae.“ Im Siegel der
Doppeladler mit dem Bruſtſchilde; zwiſchen den Köpfen der
Reichsapfel. 17. Jahrh.
d) „Sigillum civitatis lubicae.“ Ebenſo, doch fehlt der
Reichsapfel. (1652.
e) Sigillan reipublicae lubecensis. „desgl. (18. Jahrh.)
16) Luneborch— (Lüneburg.) In R. eine mit
Schießſcharten und drei gezinnten, darüber blau—
ſpitzbedachten Thürmen verſehene Mauer; das
offene Thor zeigt auf g. Grund einen links auf—
ſpringen den Löwen.
1352) zeigt im Siegelfelde den
Umſchrift: „se-
Dieſelbe Zeichnung finden wir auf dem alten Hauptſiegel
a) von welchem ein Abdruck d. a. 1396 (1535) vor⸗
liegt, nur mit dem Unterſchiede, daß der Löwe in einem das
Portal ausfüllenden Schilde angebracht iſt. Umſchrift: „Si-
gillum burgensium de civitate () luneburch.“
b) „Secretum. civitatis. luneborch.“ 1391. (1540.)
Die Darſtellung ſtimmt mit der vorigen überein, der Löwe
im Schilde unter dem Portal iſt rechtsgekehrt.
(Vgl. oben.)
c) „Signetum civitatis luneborch.“ Abdruck v. J.
1632 — der Stempel iſt jedoch älter. Ziemlich kleine Dar⸗
ſtellung wie sub b.)
d) „Sigillum civitatis Lunaeburgensis.“ Im
Schilde das geöffnete TE, den nach rechts ſpringenden
Löwen im Schilde zeigend. Jahrh.
e) „Niedergerichts- Siegel der Stadt Luneburg.“
) „Luneburg: Ger: Insiegel“ (klein.)
) Ein ganz ähnliches Siegel, wovon eine alte Zeichnung vor⸗
liegt, zeigt keine Flagge, ſondern über dem Maſte ein Kreuz.
Sitzender Löwe, in den Vorderpranken einen Halbmond (luna!)
haltend. 17. Jahrh.
g) „S. civit. Lunaeburg ad causas status 1740.“
Im Shaztkede das den älteſten Siegeln nachgebildete Thor,
mit dem Löwen im Portal, jedoch nach rechts gewendet.
h) „Magistrat der Stadt Lüneburg.“ Wappenſiegel.
Schild: In R. das Stadtthor mit dem Löwen im Portal.
Helm: gekrönt; Säule mit Pfauenwedel beſteckt, rechts von
dem Halbmond, links von dem an ihr hinauflaufenden Löwen
begleitet. Schildhalter zwei Löwen. 19. Jahrh. N
17) Das nun folgende Wappen findet ſich in
der Sachſenchronik zweimal, einmal mit der Ueber—
ſchrift „Lutter“ Lutter am Barenberge,) das andere
Mal mit „ZJegebarge— (Seegeberg in Holſtein) be⸗
zeichnet. Im w. Schilde ein über bläuliche Wellen
linkshin ſchreitender g. Löwe.
Leider liegen uns von Lutter gar keine, von Seegeberg
nur wenige Siegel vor, ſo daß es uns augenblicklich nicht
möglich iſt zu beſtimmen, ob beide Städte daſſelbe Wappen
führten, oder ob hier ein Irrthum Botho's anzunehmen iſt.
a) Ein leider 1 vermuthlich ein Stadtthor
zeigender Abdruck v. J. 1351 mit der Umſchrift: „S. bor-
gensium de segeberghe.“
c) „Sigillum senatus segebergen.“ Offenes, mit
Fahnen beſtecktes Stadtthor. 17. Jahrh.
18) Northem. Nordheim) In G. ein rothes
Gothiſches U. Vermuthlich hat hier dem Bf. (wie
oben bei Eimbeck, vgl. die Bemerkung in Nr. 2)
nur eine ältere ne vorgelegen, welche,
wenn wir nicht irren, das „U.“ zeigen. Auf den
Siegeln finden wir den Buchſtaben nicht; wir kennen deren Folgende:
a) „Secretum civitatis northeym.“ Vor einem drei⸗
bogigen, oben dreifach bethürmten Portal ein nach rechts ſchrei⸗
tender Leopard. Ende 14. saec.
b) „Secretum civitatis Northeym.“ Dieſelbe Dar⸗
ſtellung. 16. Jahrh.
c) „Secretum civitatis Northeimensis.“ Dieſelbe
Darſtellung. 17. Jahrh.
b) „Secretum civitatis Northeims.“ Desgl., mit
einer arabiſchen 2 unter dem Bauche des Löwen. 17. Jahrh. —
e) „Siegel der Stadt Northeim,“ — Desgl. wie
ad 1. 18. Jahrh.
f) „Magistrat der Stadt Northeim.“ Desgl., je⸗
doch das Thor in einem Halbkreis ſtehend. 19. Jahrh. —
19) Oſenbrugke. (Osnabrück.) Im w. Schilde
ein x. Rad mit ſieben Speichen.
Daſſelbe Bild zeigen auch die uns bekannten Siegel,
nämlich:
a) „Sigillum eivitatis osnabrugensis.“
| felde das Rad. 14. Jahrh.
b) „S. scabinor' nove civitatis osnab’““, Das Rad
in einem von Ranken umgebenen Schilde. 14. Jahrh.
c) „Stadt Osnabrück. * Im Siegelfelde das Rad zwi-
| ſchen einem Lorbeer» und einem Eichenzweige. 18. Jahrh.
d) „Sigillum civitatis Osnäburgensis ad causas
1801.“ Im Siegelfelde der hl. Petrus, auf eine Säule ſich
| ſtützend, an welche der Schild mit dem Rade gelehnt iſt. —
| 20) Quelingborch. (Quedlinburg) Zwei gegen-
einander gelehnte Schilde: vorn in W. ein nach
links aufſpringender r. Hund, rechts der einköpf⸗
Im Siegel⸗
60
ige Reichsadler in G. — Letzterer ſoll jedenfalls
die nahen Beziehungen der deut ſchen Kaiſer zu
dem Stifte Quedlinburg andeuten, während wir
in dem erſteren Schilde das eigentliche Stadt⸗
wappen zu erblicken haben.
Bekannt iſt die Sage von dem „Hündlein Quedel,“ welches
der Stadt und dem Stift den Namen gegeben haben ſoll; in
den Siegeln erſcheint es allerdings erſt ſpäter. Dieſelben ſind
faſt alle in den Originalſtempeln erhalten, welche von dem kunſt⸗
ſinnigen Magiſtratsvorſtande ſorgſam aufbewahrt werden. Letz⸗
terem verdanken wir ſehr gelungene Abdrücke.
a) „Sigillum. burgensium. in. quedeligeborch.“
Im Siegelfelde eine mit zahlreichen Fenſtern verſehene und ver—
zierte romaniſche Stadtmauer, mit kleinem Portal; darüber
zwiſchen zwei Thürmen mit byzantiniſchen Dächern ein Biſchof
(wachſend, Knieſtück) in vollem Ornat mit Nimbus, in der
Rechten den Krummſtab, in der Linken ein geſchloſſenes Buch
haltend. Um 1300. — (Schluß folgt.)
Zur Anfrage VII.
„Zobel“ als mittelalterliche Bezeichnung der u Tinctur ſteht
allerdings — wie bereits d. Red. richtig anmerkt — mit dem Fran⸗
zöſiſchen Worte „sable,“ d. h. ſchwarz, in Verbindung, ebenſo wie
das altdeutſche Wort „Keln,“ welches in Blaſonirungen für „roth“
gebraucht wird, mit dem Franzöſiſchen „gueules“ (roth) in Bezie⸗
1055 ſtehen dürfte. — Vergl. übrigens auch das Ma yerfels che
ABC.⸗Buch (1857) Seite 86. Dr. v. Querfurth.
Anfragen.
VIII.
a) Was für ein Wappen führte der am 3. Febr. 1800 verſtorbene,
aus der Altmark gebürtige K. Preuß. Generalmajor Carl Auguſt
von Schultz, welcher d. d. 6. Juli 1798 den Preußiſchen Adel-
ſtand erlangt hatte?
b) Desgl. der an demſelben Tage geadelte Artillerielieutenant von
Mattheſen (+ 14. Dez. 1833 als Oberſt)?
c) Wo lagern die Acten über die vom König v. Sachſen als Herzog
v. Warſchau ertheilten Standeserhöhungsdiplome, und ſind die—
ſelben einzuſehen?
d) Wappen der Familien v. Mia nowski und v. Poths, beide
in Warſchau geadelt von Preußen 17. Juni 1798
e) Desgl. v. Siegel, nob. 1. Mai 1794? 5
f) Wappen der Familien v. Dinyſon, 24. Juni 1794; v. Mar⸗
tin, März 1793; Frhr. v. Mit kau, anerk. 4. Oct. 1790; v.
Beyer, 1. Febr. 1801; v. Müller, 18. Feb. 1741; v. La⸗
nius, 15. Feb. 1752; v. Walter, 6. Juli 1769; v. Syburg,
10. April 1787 geadelt; v. Dieckhoff, Diplom v. 24. Dez. 1728
Gef. Antworten nimmt d. R. d. Bl. entgegen.
Wo findet ſich eine „adelige niederländiſche Familie von Hartloe-
wen“ legal dokumentirt? Hartloewen, auch Hartlaeven, Hartlewen.
Ueber einen Pierre J. von Hardleuwen findet ſich folgende Notiz:
„Mense Februario 1708 Col. Pierre J. von Hardleuwen
cum octingentis militibus ducem J. van Hobocken contra
insidiantes aborigines adjutum, Bataviam in navi „Harlem“
profectus est.“
Im Jahre 1740, September, den 25., ließ laut vorliegendem
legalen Taufſchein ein ſicherer Joannes Petrus Hartloe⸗
wen einen legitimen Sohn Franciscus Joſephus taufen. Es
würde ſich nunmehr darum handeln zu konſtatiren ob dieſer Jo⸗
annes Petrus nicht der Sohn oder direkte Nachkomme des oben er⸗
wähnten Pierre J. von Hardleuwen iſt, wozu die Vermuthung
ſehr nahe liegt. g
Gef. Antworten wolle man an die Redaction d. Bl. einſenden,
welche ermächtigt iſt, etwaige Auslagen und Koſten bis zum Betrage
von 3 Thlr. zu erſtatten. —
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R.-B. Magdeburg.
Titeratur.
„Wochenblatt der Johanniter-Ordens Balley Bran-
den burg, 1871 Nr. 23:„Linnenes oder goldenes Ordens—
kreuz?“ von Dr. Ht.
Nachdem bereits in Nr. 54 Jahrgang 1870 a. a. O. die Frage
angeregt war, ob dem ſ. g. leinenen Bruſt⸗ oder dem goldenen
Halskreuz der Johanniter der Vorzug gebühre, bringt der Vf. wei⸗
tere Anknüpfungspunkte für dieſe Erörterung. Das urſprüngliche
Abzeichen war das bekannte achtſpitzige weiße leinene Kreuz auf dem
ſchwarzen Mantel. Letzterer, deſſen Tragen oftmals unpractiſch war,
wurde ſchon früh vielfach erſetzt durch die ſ. g. Sopraweſte, einen
Ueberwurf, welcher ſowohl vorn als hinten das weiße Balken-Ge⸗
meine) Kreuz auf Roth zeigte, welches gewiſſermaßen als Wappen
des ganzen Ordens zu betrachten iſt. In Rhodus kam ſpäter hierzu
das am Halſe zu tragende goldene Kreuz, deſſen Feſtſetzungszeit nicht
genau nachzuweiſen iſt; es trat auf, als jene Orden geſtiftet wurden,
bei denen man mehr Werth auf die Decoration als auf den Zweck
des Ordens legte Das goldene Kreuz wurde immer als dem lin-
nenen untergeordnet betrachtet.
Im Allgemeinen ſollte das g. Kreuz nur von den Rittern ges
tragen werden, ſowohl den Gnaden- als Rechtsrittern, wie auch von
den Commendatoren, während es den Servienten unterſagt blieb.
Die weltlichen Mitglieder des Ordens, die Devotionsritter, ſollten
nur zum Tragen des g. Kreuzes berechtigt ſein. Neuerlich wird
namentlich von Rom aus darauf gehalten, daß nur die Juſtizritter
befugt find das leinene Kreuz zu tragen. Die Donatritter tragen
letzteres ohne den oberen Arm.
Das Emaillekreuz iſt mit dem linnenen identiſch und nur als
Erſatz für den weniger haltbaren Stoff der Leinwand zu betrachten.
Im Druck befindet ſich ein neues Verzeichniß von Monogra⸗
phien und Gelegenheitsſchriften zur Geſchichte adeliger Geſchlechter,
das ſich dem von J. Stargardt in Berlin i. J. 1865 herausge⸗
gebenen anſchließt.
Vermiſchtes.
In der Sitzung des Hiſtoriſchen Vereins von Oberpfalz und
Regensburg vom 4. Mai d. J. knüpfte der Vorſitzende an die Vor⸗
zeigung eines Tiſches, welchen der Stadtmagiſtrat zu Neumarkt dem
Vereine in jüngſter Zeit zu überſchicken ſo freundlich war, einige ein⸗
ſchlägige Bemerkungen. Dieſer Tiſch, aus dem 16. Jahrhundert
ſtammend, trägt außen die Umſchrift: „das heilig römiſch Reich
mitſammt ſeinen Gliedern;“ in der Mitte befindet ſich der
Reichsadler mit dem kaiſerlichen Wappen, umgeben von den Wappen
der Churfürſten; weiter nach außen zieht ſich eine Einfaſſung von
48 Wappen rings um den Tiſch, die übrigen Reichsſtände darſtellend,
und zwar ſind dieſelben nach der damals beliebten Weiſe in Par⸗
tien zu je vier gegliedert, als: „die vier Markgrafen“ die
vier Landgrafen“ u. ſ. w. Dieſe namentlich in der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts ſehr beliebte Eintheilung der Reichs-
ſtände entbehrt übrigens bekanntlich jeden hiſtoriſchen Grundes und
ſcheint nur eine Erfindung der Wappenmaler zu fein, wie ſchon der
alte Wiguleus Hund vermuthete.
Correſpondenz.
Hrn. Dr. Gr. in B. — Eine der nächſten Nrn. d. Bl. wird
wieder „Heraldiſche Technik“ bringen; zunächſt das Verfahren bei
dem Abdrücken von Siegeln in Gutta⸗Percha.
Inhalts-Verzeichniß.
Standeserhöhungen. — Protocoll. — Ueber das Wappen der
Stadt Altenberg. — Landeshoheiten. — Matrikel. — Die einfach⸗
ſten Wappen. — Deutſche Städtewappen. — Anfragen. — Literatur.
— Vermiſchtes. — Correſpondenz. —
Berichtigung.
„Nr. 4, S. 24, Zeile 12 v. u. lies „Veſtenberg“ ſtatt Neſtenberg.“
Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. \
Ur. 8. , Berlin, im Auguſt 1871. SI 2. Jahrgang.
Se. Majeſtät der König von Preußen haben Grenadier⸗Regiment Nr. 12 (Prinz Carl von Preußen),
Allergnädigſt geruht: den Kriegs- und Marine⸗Miniſter den Major Mecklenburg, etatsmäßigen Stabsoffizier
Albrecht von Roon in den Grafenſtand; den im Oſtpreußiſchen Küraſſier⸗Regiment Nr. 3 (Graf
Oberſt⸗Lieutenant Ba um eiſter vom 1. Schleſiſchen Wrangel), den Oberſten Mettler, Commandeur des
Grenadier⸗Regiment Nr. 10, den General-Major Bieh⸗ | 8. Rheiniſchen Infanterie-Regiments Nr. 70, den Ober:
ler, Inſpecteur der 3. Ingenieur⸗Inſpection, den [ſten Michelmann, Commandeur des 3. Niederſchle⸗
Oberſten Braun, Inſpecteur der 1. Pionier⸗Inſpection, ſiſchen Infanterie⸗Kegiment Nr. 50, den Oberſten
den Oberſt⸗Lieut. Bychel berg, von der Garde⸗Artil⸗[ Nachtigal, Commandeur des 4. Rheiniſchen Infan⸗
lerie⸗Brigade, den Oberſt⸗Lieutenant Dallmer vom terie-Regiments Nr. 30, den Oberſt⸗Lieutenant Opper⸗
7. Oſtpreußiſchen Infanterie-Regiment Nr. 44, den [mann, zur Zeit Commandeur der Ingenieure und
Major Dincklage, etatsmäßigen Stabsoffizier im Pioniere der III. Armee, den Major . vom
Königs⸗Huſaren-Regimente (1. Rheiniſchen) Nr. 7, den 2. Garde⸗Regiment zu Fuß, den Major Preinitzer
Oberſten Eskens, Commandeur des Niederrheiniſchen von der 1. Artilleriebrigade, den Generalmajor Ra⸗
Füſilier⸗Kegiments Nr. 39, den Major Feldmann niſch, Commandeur der 20. Infanterie⸗Brigade, den
vom Garde⸗Füſilier⸗Regiment, den Oberſten Flöckher, Oberſt⸗Lieutenant Sannow, aggregirt dem 3. Weſt⸗
Commandeur des 1. Weſtpreußiſchen Grenadier-Regi⸗ fäliſchen Infanterie⸗Regiment Nr. 16, den Major
ments Nr. 6, den Oberſten Grolmann, a la suite Seebeck vom Generalſtabe der 29. Diviſion, den
des 1. Naſſauiſchen Infanterie-Regiments Nr. 87 und General-Major Schulz, Inſpecteur der 2. Ingenieur⸗
Commandeur der 3. Infanterie⸗Brigade, den General⸗ Inſpection, den General-Lieutenant Schwarz, Inſpec⸗
Major Gündell, Commandeur der 23. Infanterie teur der 2. Artillerie⸗Inſpection, den Major Siefart,
Brigade, den Major Häniſch vom Großen General- aggregirt dem Kaiſer Franz Garde-Grenadier-Regiment
ſtabe, kommandirt zur Dienſtleiſtung beim Kriegs-Mi⸗ Nr. 2, den Major Stocken vom 3. Brandenburgi⸗
niſterium, den Major Hagen, a la suite des Litthau⸗ ſchen Infanterie-Regiment Nr. 20, den Major Span⸗
Men Dragoner-Regiments Nr. 1 (Prinz Albrecht von | genberg vom 1. Rheiniſchen Infanterie⸗Regiment Nr.
reußen) und perſönlichen Adjutanten Sr. Königlichen 25, den Oberſten Steinfeld, Commandeur des 7.
Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen, den Oberſt⸗ Rheiniſchen Infanterie-Regiments Nr. 69, den Ober⸗
Lieutenant Hartrott, Abtheilungs⸗Chef im Kriegs⸗ ſten Veith, Abtheilungs⸗Chef im Großen Generalſtabe,
Miniſterium, den General-Major Hausmann, Com⸗ den Oberſten Wahlert, Commandeur des Pommer⸗
mandeur der 11. Artillerie-Brigade, den Major Heiz ſchen Füſilier⸗Regiments Nr. 34, den Oberſt⸗Lieutenant
nichen, etatsmäßigen Stabs⸗Offizier im Rheiniſchen Weber vom 3. Heſſiſchen Infanterie⸗Kegiment Nr.
Ulanen⸗Regiment Nr. 7, den Oberſt⸗Lieutenant Hilde⸗ 83, den Oberſten Wright, Commandeur des Rhei⸗
brand, vom 2. Magdeb. Infanterie- Regiment niſchen Dragoner⸗Regiments Nr. 5, in den Adelſtand zu
Nr. 27, den Oberſt⸗Lieutenant Himpe, von der 8. Artil⸗ erheben. (Allerh. Cab.⸗O. d. d. 16. Juni 1871.) Den
lerie⸗Brigade, den Major Körber von der 10. Ar⸗ Majoratsherrn Ernſt Malte Friedrich Freiherrn v. Klot⸗
tillerie⸗Brigade, den Major Koſſel von der 9. Artil- | Trautvetter auf Hohendorf, Kr. Franzburg, in den
lerie⸗Brigade, den Major Kro ſeck vom 4. pommer⸗ Grafenſtand zu erheben; dem Superintenden und Ober⸗
—— ——— 00
3 7 Infanterie⸗Regiment Nr. 21, den General-Major prediger Hans Friedrich Theodor Stoſch zu Bütow in
ehmann, Commandeur der 60. Infanterie⸗Brigade, Pommern den von feinen Vorfahren abgelegten Adel für
den Major Lehmann vom 2. Brandenburgiſchen ſeine Perſon u. Nachkommen zu gewähren. (publ. 2. Juli.)
62
Das Wappen des deutſchen Reiches
iſt nunmehr endgültig feſtgeſtellt, und bezüglich deſſel⸗
ben d. d. 3. Auguſt 1871 von entſcheidender Stelle
verfügt worden:
1) „daß als . Wappen der ſchwarze,
„einköpfige, rechtsſehende Adler mit rothem Schnabel,
„Zungen und Klauen, ohne Scepter und Reichsapfel,
„auf dem Bruſtſchilde den mit dem Hohenzollernſchilde
„belegten preußiſchen Adler, über demſelben die Krone
„in der Form der Krone Karls des Großen, jedoch
„mit zwei ſich kreuzenden Bügeln, in Anwendung ge⸗
„bracht werde;“
2) „daß die Kaiſerliche Standarte in Purpurgrund
„das Eiſerne Kreuz, belegt mit dem Kaiſerlichen, von
„der Kette des ſchwarzen Adlerordens umgebenen Wap⸗
„pen in weißem Felde, und in den 4 Eckfeldern des
„Fahnentuchs abwechſelnd den preußiſchen Adler und
„die Kaiſerliche Krone enthalten ſoll.“)“
* „Schwarzenberg und Seinsheim.“
Zum Artikel: „Seinsheim und Schwarzenberg, die Freien und die
Herren.“
Der im „Deutſchen Herold“ Nr. 2, 1871 abgedruckte
Aufſatz über „Seinsheim und Schwarzenberg, die Freien und
die Herren“ wird nicht verfehlt haben, in den competenten
und ſich für ſolche Erörterungen intereſſirenden Kreiſen eine
beſondere Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken. Es wird dort
auf die Rechts verhältniſſe der beiden genannten Häuſer Bezug
genommen und den von Seite des fürſtlichen Hauſes Schwar⸗
zenberg gegenüber dem in neueſter Zeit von den Grafen von
Seinsheim auf Zuerkennung der ſtandesherrlichen Qualität, reſp.
des Titels „Erlaucht“, erhobenen Anſpruche geltend gemachten
Rechtsbedenken zugeſtimmt. Was nun die zur Begründung
dieſer Anſchauung vorgebrachten Gründe betrifft, ſo iſt an ihrer
Beweiskräftigkeit nicht zu zweifeln, inſofern es auf deren Zu⸗
rückleitung auf die deutſche Reichs⸗ und Rechtsgeſchichte und
auf eine genaue Vertrautheit mit den ganz eigenartigen Rechts⸗
verhältniſſen des Adels und der Stände des h. r. Reichs deut⸗
ſcher Nation im Allgemeinen ankommt. Was dort über
den deutſchen freien Reichsadel als Element der ſpäteren freien
Reichsritterſchaft in Franken, Schwaben und am Rheinſtrom,
über „Nobilis“ und „nobilis dominus,“ über den Stand
der „Freyen“, „Centbarfreien“ und „Semperfreien“, insbe—
ſondere aber über den „Herrenſtand“ und die zufälligen feinen
Nüancen bei „Nobilis“ und „Frei“ und über die ſich daraus
ergebenden Conſequenzen, endlich über Kreis- und Reichsſtand⸗
ſchaft ꝛc. geſagt iſt, beruht offenbar auf tief eingehenden Fach⸗
ſtudien. In der Darſtellung der genealogiſchen Beziehungen
zwiſchen „Schwarzenberg und Seinsheim“ und des rechtsge⸗
ſchichtlichen Entwickelungsganges dieſer beiden Häuſer begegnet
man aber einigen Angaben, welche theils auf irrigen Voraus⸗
ſetzungen, theils auf Mißverſtändniſſen beruhen, und daher einer
Berichtigung bedürfen.
*) Hiernach ſcheint die, in mehreren größeren Blättern kürzlich
enthaltene, ſehr intereſſante Angabe, daß der Reichsadler „an jedem
Flügel 5 große und 6 kleine Federn, ſowie einen heraldiſchen Schwanz“
haben ſolle, der Begründung zu entbehren. ee
Der „Fränkiſche Herrenſtand“ wurde allerdings von
Seite des Erkinger von Seinsheim durch den Beſitz der
früher einmal Hohenlohe'ſchen Herrſchaft Schwarzenberg,
ſowie der Reichsfreiherrenſtand durch das Diplom K Si⸗
gismunds v. J. 1429 erworben, und blieb der erſtere an die
faktiſche Innehabung der genannten Herrſchaft geknüpft. Wenn
aber weiter von den „anderen Nachkommen Erkinger's“
die Rede iſt, „welche weder den Beſitz, noch den Namen Schwar⸗
zenberg erhielten und als Seinsheime den aus ſpäteren
Standeserhebungen erwachſenden Anſprüchen des Hauſes Schwar⸗
zenberg ferne ſtanden und vor und nach Ertheilung des Reichs⸗
freien⸗Herrentitels 1580 bis 1705 im Freiherrenſtand ge:
blüht“ u. ſ. w.; ſo tritt hier eine irrthümliche Auffaſſung des
eigentlichen genealogiſchen Verhältniſſes offen zu Tage. Es
gab nämlich keine „Nachkommen Erkingers“, des erſten
Reichsfreiherren zu Schwarzenberg und fränkiſchen Herrn, welche
nicht auch den Namen Schwarzenberg geführt hätten, die Seins⸗
he ime geblieben und mit den 1580 in den Reichsfreiherren⸗
1705 aber in den Reichsgrafenſtand erhobenen Vorfahren der
heutigen Grafen von Seinsheim identiſch wären. Das oben
beregte Mißverſtändniß wird noch augenſcheinlicher und erhält
als ſolches ſeine Beſtätigung durch die Note Seite 11 des in Rede
ſtehenden Aufſatzes. Es wird dort von den beiden Ehen Er⸗
kinger's zu Schwarzenberg geſprochen und von deſſen erſter
Ehe mit Anna von Bibra geſagt, „daß von dieſer die andere
Seinsheim'ſche Linie ſtamme. Die Kinder der Barbara
wären 1443 noch nicht 14 Jahre alt geweſen und ſeien ſämmt⸗
lich erft nach 1429 geboren. Die Kinder dieſer (eriter) Ehe
ſeien in der Standeser höhung von 1429 nicht
mit inbegriffen geweſen.“ —
Unter jener anderen „Seinsheim' ſchen Linie“ ſcheinen
alſo jene früher erwähnten „anderen Nachkommen“ Er⸗
kinger's verſtanden zu fein, welche „weder den Beſitz noch
den Namen Schwarzenberg erhielten“, weil „ſie in
der Standes erhöhung von 1429 nicht mit ein be—
griffen geweſen.“ —
So lockend nahe auch hier der Anlaß zu einem längeren
genealogiſchen Excurſe zu liegen ſcheint, fo wird man ſich zur
Beleuchtung des richtigen Sachverhaltes doch nur auf das Noth⸗
wendigſte beſchränken.
Die Gemeinſchaft des Urſprungs und daher auch die
Stammgenoſſenſchaft der Häufer Schwarzenberg und Seins
he im ſtehen außer Zweifel, ſowie auch das Alter des ganzen
Geſchlechts; wie weit aber daſſelbe in die Vergangenheit hinauf
reicht, darüber ließe ſich allerdings wohl noch ſtreiten. Waͤhrend
ſelbſt noch neuere Genealogen den Urſprung des Geſchlechts bis
in das 10. Jahrhundert zurückleiten, wollen ſtrengere hiſtoriſche
Kritiker den genealogiſchen Nachweis nur bis in das 12. Jahr⸗
hundert gelten laſſen. Wie dem auch immer ſei, eine Ver⸗
zweigung des Geſchlechts wird bereits in der erſten Hälfte des
14. Jahrhunderts bemerkbar und ein beſonderer Seinsheim'ſcher
Aſt zu Kottenheim tritt bereits 1340, und ſogar noch vor
dieſem Jahre urkundlich in die Geſchichte. Wenn daher neuere
Rechtslehrer, wie z. B. Dr. A. W. Heffter in dem Werke:
„Die Sonderrechte der ſouverainen und der mediatiſirten, vor⸗
mals reichsſtändiſchen Häuſer Deutſchlands“, Berlin 1871, das
Haus Schwarzenberg „als eine 1333 von dem Hauſe Seins⸗
heim abgetheilte ältere Linie deſſelben“, ꝛc. bezeichnen, ſo iſt
allerdings guter Grund dazu vorhanden.
Der unzweifelhafte Urahnherr und Stammpater aller bis⸗
herigen Freiherren, Grafen und Fürſten zu Schwarzenberg war
Erkinger von Seinsheim zum Stefansberg, Ritter. Seine Ge⸗
burt fällt in die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Zu ſeiner
Zeit zäblte das Seinsheim'ſche Geſchlecht nicht weniger als 5
gleichzeitige Erkinger. Einer im fürſtlich Schwarzenberg'⸗
ſchen Familienarchive aufbewahrten Urkunde zufolge, gab es
1409 Seinsheime zu Kottenheim, Herbolzheim, Seehaus, Gnötz⸗
heim, Randersacker, Erlach, Stolberg, Wiſenbrunn, Koppen⸗
winde, Weſſerndorf, Wildberg, Liebenau, Schernau, Empfers⸗
bach, Ottershauſen, Niemenfels, Prolsdorf, Wielandsheim, Gera⸗
brunn, Stefansberg, u. a. m.“) Dieſe letztere Linie, dann jene
zu Kottenheim, (Hohen⸗Kottenheim) und Weſſerndorf, ſowie der
Zweig zu Wiſenbrunn treten zu Ende des 14. und zu An⸗
fang des 15. Jahrhunderts beſonders in den Vordergrund.
Ritter Erkinger zum Stefansberg, der Sohn Michaels und
Enkel Hildebrand's, war zu jener Zeit der Repräſentant der
Stefansberg'ſchen Linie Seinsheim. Im Jahre 1406 hatte
derſelbe von Oswald, dem letzten Grafen von Truchendingen,
das Erboberjägermeiſteramt im Herzogthum Franken an ſich ge⸗
bracht und ſeit 1405 Theile des Schloſſes und Gutes von
Schwarzenberg zu acquiriren begonnen. Dieſes freie Eigenthum
hatte er mit allen Zugehörungen 1428 dem Kaiſer und Reiche
zu Lehen aufgetragen, und am St. Laurenztage (10. Auguſt)
1429 wurde er „ſam mt feiner ehelichen Nachkommen⸗
ſchaft“ vom K. Sigismund zum „rechten Frei⸗ und Banner⸗
herrn des Reiches auf das Haus Schwarzenberg und auf das
Oberjägermeiſteramt des Stifts Würzburg und Herzogthums
Franken, „welche ſtets Grafen und freie Herren zu halten (inne
zu haben) pflegten“, erhoben“. In dieſer Urkunde“) heißt es
ausdrücklich: „daß demſelben Erkinger, ſeine eeliche
kinder, Sün und Töchter, die er yetz hat vnd hin⸗
für mit der hilff gotes gewynnet vnd die von Im
vnd denſelben kin dern eelich geboren werden, zu
rechten fryen in Gotsnamen erhebt vnd Sy pff
das vorgen. Jegermeiſteramt vnd das haus Swart⸗
zenberg u. ſ. w. gefryet, geadelt, gemacht.“ u. ſ. w.
Dieſem Standeserhebungsdiplome zufolge nahm die ge⸗
ſammte, ſowohl damalige, als noch zu gewärtigende ehelige Nach:
kommenſchaft Erkinger's, welcher in dieſer Urkunde „der Edel
Erkinger von Sawußheim“ genannt wird, an dieſer Aus⸗
zeichnung theil, und im weiteren Verfolge der Urkunde wird
dies ſowohl mit Bezug auf das Reich, als auch auf das Land
Franken neuerdings ausdrücklich betont und hervorgehoben unter
gleichzeitiger Verleihung des Rechtes mit rothem Wachſe
zu ſiegeln.
Zur beſſeren Illuſtration der Frage in Betreff der Nach⸗
kommenſchaft Erkingers dient deſſen ſchon ein Jahr früher,
nämlich am St. Veitstage (15. Juni) 1428, zu Stande ge⸗
brachtes Teſtament. Schon im Eingange dieſes ſeines letzten
Willens erklärt der Ahnherr der Schwarzenberge, „daß er
zweierlei Kinder habe von ſeinen beiden lieben
Hausfrauen“, und weiterhin motivirt er die Nothwendigkeit
der Beſtimmung, „wie jegliche Partei der Kinder
bleiben werde und wie ſie an ſeinen Gütern habend
ſein ſoll.“ Als mit ſeiner erſten Gemahlin Anna von Bi⸗
) Man vergleiche: „das Fürſtenhaus Schwarzenberg“ von
Adolf Berger, „Oeſterr. Revue“ Heft XI. Jahrgang 1866. j
0) Das Original im fürſtl. Schwarzenberg'ſchen Haus- und
Familienarchive zu Wien. Man findet dieſes Diplom auch in Lünigs
re Reichsarchive,“ part: spec: Tom: VII. Suppl, S. 39,
es fteht dort aber irrig zum Jahre 1428. —
63
bra erzeugte Söhne bezeichnet er Michael und Hermann.
Außer anderen Schlöſſern und Gütern fiel denſelben laut väter⸗
lichen Willens auch das Schloß Stefansberg mit allen
weiterhin benannten Zugehörungen zu. Als rechte Schweſter
dieſer beiden Söhne nennt Erkinger die bereits verheirathete
Tochter Margarethe. (Sie war mit Konrad von Roſenberg
vermält.) — Sodann ſpricht der Teſtator im Allgemeinen von
„ſeinen anderen Kindern“, „die er jetzt hat, oder hernach ge⸗
winnen möchte mit der Edlen, ſeiner lieben Gemalin, Frau
Barbara, geb. von Abensberg.“ „Ob es Söhne wären, fo
ſollen dieſe mit der genannten Gemalin Wiſſen, Willen und
Wort alſo geſetzt und geſchieden werden, denſelben ſeinen
Söhnen, es wären einer oder mehr, ſoll folgen, bleiben
und werden das Schloß Schwarzenberg, mit allen ſeinen
Zu⸗ und Eingehörungen, u. ſ. w. Hierauf folgt die Zuwei⸗
ſung noch anderer Güter, Nutzungen, Zinſen, u. dgl. m. Dieſe
Söhne „ob Einer oder mehrere“, ſollten ihren rechten Schweſtern,
ſeinen, Erkingers, jüngſten Töchtern, davon ſo viel ausrichten,
als Margarethen, feiner Tochter, geworden. —
Bei den weiteren Beſtimmungen über Theilungen ſpricht
Erkinger von ſeinen Kindern ſtets als „von den oben genann⸗
ten Parteien“, oder von „einer oder der anderen Partei“. So
z. B. ſoll das Oberſtjägermeiſteramt ſtets von dem Aelteſten
der einen auf den Aelteſten der anderen Partei übergehen. Auch
für den Fall der Minderjährigkeit der Kinder von der Barbara von
Abensberg wird vorgeſehen. Da Erkinger auch hinſichtlich des
Uebergangs des Güterbeſitzes von dem einen Theile auf den
anderen für den Fall des Erlöſchens der männlichen Nach—
kommenſchaft auf der einen oder anderen Seite, ſodann auch
wegen des Nichtverkaufs und Verſchuldens der Güter ohne
gegenſeitiges Vorwiſſen und ohne Zuſtimmung beider Parteien
Vorſorge getroffen; jo hatte dieſes Teſtament auch die Bedeu-
tung eines fideicommiſſariſchen Statutes. Nun wird zwar in
dieſem Dokumente keines der Kinder aus der zweiten Ehe nam⸗
haft gemacht; nichts deſtoweniger kann an der Exiſtenz wenig⸗
ſtens einiger derſelben zur Zeit der Teſtamentabfaſſung nicht
gezweifelt werden. Das Vorhandenſein von Söhnen aus be⸗
ſagter Ehe zu jener Zeit bleibt allerdings problematiſch. Was
aber nicht dem mindeſten Zweifel unterliegen kann, iſt die Gül⸗
tigkeit der Standeserhebung vom Jahre 1429 für
die Kinder aus beiden Ehen Erkingers. Und in der
That fehlt es aus dem Zeitraume nach 1429 keineswegs an
urkundlichen Belegen für die Prävalirung des Namens und
Titels „Herren zu Schwarzenberg und von Sawns⸗
heim“ von Seite der Söhne Erkingers aus erſter Ehe, Mi⸗
chael und Her mann. Um von vielen anderen zu ſchweigen,
gedenken wir hier nur der Erbtheilung der eben genannten
Brüder vom 6. Mai 1438 und des Vertrages derſelben mit
ihrer Stiefmutter Barbara und deren „Söhnen“ vom 18. Au⸗
guſt 1438“), in welchen beiden Dokumenten das angedeutete
Kriterium hervortritt. Aus dem folgenden Jahre befitzen wir
aber eine Urkunde, in welcher Barbara's Söhne bereits nament⸗
lich vorkommen. Es find dies „Hans Herr zu Swartzemberg
und von Saunsheim“ und deſſen Brüder Sigmund, Erkinger,
Ulrich und Jobſt, und die Urkunde iſt der in dem (im „Deut⸗
ſchen Herold“ mit abgedruckten) „Extracte aus dem Bamberger
Lehenbuche“ citirte Verweisbrief des Markgrafen Friedrich zu
Brandenburg ꝛc. vom 22. März 1439.7)
) Beide Originalurkunden im fürſtlichen arzenberg'ſche
Jaan, Ache 5 Wien. 0 ee e
») Das Original im obigen Archive.
64
Ebenſo wenig als Barbara's Vermälungsjahr find uns
die Geburtsdaten ihrer Söhne bekannt; aber wenn „Johann
Herr zu Swartzenberg und von Sawunsheim“ „als der Ael—
teſte unter ſeinen Brüdern“, mit Michael und Hermann Herren
zu Swartzenberg und von Sawnnsheim“ bereits am 29. De⸗
zember 1442 hinſichtlich der Heimſteuer und Widerlage ihrer
Mutter Barbara eine Urkunde ausſtellt, ſo muß er alſo bereits in
dieſem Jahre die Siegelfähigkeit erlangt haben. Johann fiel
am 16. Mai 1460 bei Giengen, ſein jüngerer Bruder Sig⸗
mund aber ſtarb 1502 72jährig, demzufolge ſich alſo 1430
als deſſen Geburtsjahr ergäbe, ſelbſtverſtändlich ein ſpäteres als
jenes Johann's. Deren rechte Schweſter Kunigunde wurde
1437 noch vor Erkinger's, des Vaters, Tode mit Matthäus
Schlik, Bruder des berühmten kaiſerl. Kanzlers Kaſpar Schlik,
vermält, ihr Geburtsjahr muß alſo ein viel früheres als jenes
ihrer beiden obengenannten Brüder ſein und wohl noch vor
1423 fallen, in welchem Jahre (am 14. Febr.) Erkinger die
Morgengabe feiner Gemalin Barbara auf Huerblach verſicherte.“)
Dem väterlichen Teſtamente v. J. 1428 zufolge iſt die
reichsfreie Herrſchaft Schwarzenberg den Söhneu aus Erkin⸗
ger's 2. Ehe zugefallen, und laut Erbausgleichung v. J. 1438
iſt nebſt noch anderen Gütern auch die erſt 1435 acquirirte
Herrſchaft Hohenlandsberg („Schloß, Amt und Gericht Lands⸗
berg“) noch zu jenem Erbe hinzugekommen. Durch Michael,
den älteren Sohn aus erſter, und Sigismund, den jüngeren
Sohn aus zweiter Ehe pflanzte ſich Erkingers, des erſten Frei⸗
herrn zu Schwarzenberg, Haus in 2 Linien fort, von welchen
die erſtere die „Stefans berg'ſche, die andere, die jüngere,
die „Hohenlandsberg'ſche“, „Sigmund' ſche“, oder
auch ſchlechthin „Fränkiſche“ genannt wurde. Mit Sigis⸗
mund's Enkel Chriiſtof (geb. 1488, 1538) nach Bayern
hinüber zweigend, wurde ſie ſammt dieſem Seitentriebe auf dem
Reichstage zu Augsburg am 21. Mai 1566“) in den Reichs⸗
Grafenſtand und die Reichsherrſchaft Schwarzenberg zur Reichs—
grafſchaft erhoben. Mit dieſem Beſitze und wegen deſſelben
zählten dieſe Schwarzenberge zu den fränkiſchen Herren, und
nach der Eintheilung des Reiches in Kreiſe und der Bildung
eines fränkiſchen Grafencollegiums gehörten beſagte Schwarzen:
berge bis zu ihrem Erlöſchen mit dem Grafen Johann 1588
dem fränkiſchen Collegium vom Anbeginn deſſelben als Mit⸗
glieder an.““) Dieſes Prärogativ ging nun mit der Reichs⸗
grafſchaft Schwarzenberg ſammt Hohenlandsberg auf die Schwar⸗
zenberg'ſchen Vettern in Bayern über, welche bis 1566 im
Reichsfreiherren⸗ und ſodann im einfachen Reichsgrafenſtande
gelebt hatten. Auch dieſer Zweig hatte ſich mittlerweile ge—
theilt, und die Reichsgrafſchaft Schwarzenberg erhielt nun, nach
dem Erlöſchen des jüngeren baieriſchen Zweiges mit Wolfgang
Jakob 1618, Georg Ludwig vom älteren Zweige dieſes Hauſes.
Die ältere Stefans berg'ſche Hauptlinie Schwarzen⸗
berg hatte mittlerweile verſchiedene Schickſale erlebt. Michaels
Freiherrn zu Schwarzenberg, älteſten Sohnes des Stammvaters
Erkinger's, Nachkommen hatten ſich im letzten Viertel des 15.
Jahrhunderts nach den Niederlanden gewandt. Seit damals
hieß daher auch dieſe Linie die „nie derländiſche“. Ein
*) Die Original⸗Urkunde im fürſtl. Schwarzenberg'ſchen Fami⸗
lien⸗Archive zu Wien. — 5
*) Das diesfällige Diplom abgedruckt bei Lünig p. spec. Bd.
XI. ©. 56. Vergleiche auch Heffters „die Sonderrechte,“ S. 402. —
.) Vergleiche: „Aechte Beſchaffenheit des Reichsgräflich fränki⸗
ſchen Collegii, und deſſen Voti curiati separati“ &. I. Thl. 1781.
S. 12. F. 29. u. ff., dann. S. 59. $. 127. u. ff. — N
|
jüngerer Zweig derſelben, der „Edmond'ſche“ oder „Lütt ich'⸗
ſche“ war dort zurückgeblieben, der ältere niederländiſche, auch
„Wilhelm'ſche“ genannt, hatte in Weſtphalen eine neue Heimat
gefunden. Durch den Heldenmuth eines ſeiner Söhne, Adolf's,
des Wiedereroberers von Raab, hatte endlich auch dieſer Zveig
1599 die Reichsgrafenwürde errungen.“) Schon der Sohn
dieſes Adolf, Graf Adam, hatte 1637 mit ſeinem Vetter,
Georg Ludwig, dem Letzten von der baier'ſchen Linie, in
Betreff der fränkiſchen Stammgüter einen Erbvertrag geſchloſſen,
und noch vor dem faktiſchen Erlöſchen der beſagten Linie im
Jahre 1646, fiel die Reichsgrafſchaft Schwarzenberg 1642 im
Ceſſionswege an A dolf's Enkel, Jo hann Adolf. Spät
zwar, aber dem natürlichen Laufe der Dinge gemäß und ganz
im Sinne des urahnherrlichen Teſtamentes v. J. 1428, ge⸗
langte nun auch endlich die „Stefansberg'ſche,“ jetzt
„miederländiſche“ Linie in den Beſitz des fränkiſchen
Stammgutes und mit demſelben auch zu Sitz und Stimme im
fränkiſchen Grafencollegium. Noch in demſelben Jahrhunderte,
nach den ſchweren, beſonders für die Reichsgrafſchaft Schwar—
zenberg verhängnißvollen Wirren des 30jährigen Krieges, ſchwangen
ſich 1670 die Beſitzer der erſteren zum Fürſtenſtand auf und
traten 1647 in den Reichsfürſtenrath ein. Es waren dies die
direkten Ahnherren des heute noch blühenden Fürſtenhauſes
Schwarzenberg. —
In der Filiation des letzteren iſt, dem bisher Geſagten
zufolge, demnach für die Seinsheim' ſchen Stammver-
wandten und Urſprungsgenoſſen kein Platz und die 1580 in
den Reichsfreiherrenſtand erhobenen und 1705 (in der „Wenger
Linie“ auch insbeſondere noch 1711) mit dem Reichsgrafentitel
condecorirten Seinsheime ſind daher weder mit den einen, noch
mit den „anderen Nachkommen“ des erſten Freiherrn zu
Schwarzenberg, Erkinger, identiſch, ſowie es denn überhaupt
keine Nachkommen deſſelben gibt und gegeben hat, welche nicht
in die Standeserhebung von 1429 mit inbegriffen geweſen
wären. Den einzigen Unterſchied im reichsſtändiſchen Verhält—
niſſe begründete der faktiſche Beſitz von Schwarzenberg. —
Was nun die heutigen Herren Grafen zu Seinsheim be—
trifft, jo wird man deren mittelbare und unmittelbare Vor—
fahren in jenen Seinsheimen zu ſuchen haben, die zu ihren
Stefansberg'ſchen Stammesgenoſſen vor und nach deren Meta-
morphoſe in Schwarzenberge eine chronologiſche Parallele bil—
deten. Es waren dies eben die bereits oben erwähnten Seing-
heime von der Kottenheimer und Weſſerndorfer Linie. Eine
unverfängliche und unparteiiſche, oder wenn ſchon dies nicht,
doch nur für die Seinsheime parteiiſche, weil durchweg im
proteſtantiſchen Intereſſe verfaßte Schrift, (die bereits früher
anmerkungsweiſe erwähnte „Aechte Beſchaffenheit des Reichs—
gräfl. fränkiſchen Collegii“ ꝛc.) gedenkt der Spaltung des Seins⸗
heim'ſchen Stammes in 2 Hauptlinien mit Hildebrand und
Friedrich und bemerkt:“) „Die letztere (Friedrich'ſche
*) Das Orig. Diplom vom 5. Juni 1599 im fürſtlich
Schwarzenberg ſchen Familien⸗Archive zu Wien. —
*) S. Seite 58. $. 123 und ff. Jenen Hildebrand und Fried:
rich findet man in dem „Schema genealogicum etc. gentis de
Seinsheim et inde oriundorum ete. Comitum nunc ..... Prinei-
pum in Schwarzenberg,“ von Nicolaus Ritterhuſius. Nürnberg,
1694. Wenn nun gleich dieſes Schema, durch die Forſchungen Paul
Oeſterreichers in deſſen „Nachrichten von dem Geſchlechte der
Ritter von Seinsheim“ in: „Die geöffneten Archive für die Geſchichte des
Königreichs Baiern“, Jahrgang III. 1823024 Heft 2. vielfältige Be
richtigungen und Zuſätze erhält fo ändert dies doch nichts an der obigen
Theilung des Stammes in mehrere. Hauptäſte und, wie früher bereits be⸗
65
Linie hat niemals etwas von Schwarzenberg befeffen und daher
auch niemals deſſen Namen angenommen, ſondern bis auf den
heutigen Tag lediglich den von Seinsheim geführt. Zu deren
Erbtheil gehörte Hohen⸗Kottenheim, welches dieſer Linie einen
beſonderen Namen gegeben hat. Jene aber verließ den Namen
Seinsheim, als Erkinger, der Enkel Hildebrand's, anno 1420
die Herrſchaft Schwarzenberg von denen von Veſtenberg er:
kaufte.)“ — „Von dieſem Erkinger ſtammen wieder durch feine
Söhne Michael seniorem und Sigismund 2 Linien ab.“ —
Den Forſchungen des früher genannten baieriſchen Ar—
chivars Paul Oeſterreicher zufolge, erſcheint ein Erkinger von
Seinsheim zu Kottenheim bereits 1340 urkundlich. Derſelbe hatte
auch Beſitzungen zu Gnetzheim. In einer Urkunde v. J. 1376 findet
man einen Friedrich und Heinrich von Kottenheim und einen
Heinrich von Gnetzheim, vielleicht Söhne des obigen Erkinger.
Ein ſpäterer Erkinger von Seinsheim zu Kottenheim,
Zeitgenoſſe des Stammvaters der Schwarzenberg, erſcheint als
des Letzteren Teſtamentszeuge 1428 und ebenſo auch als Zeuge
in dem bereits früher erwähnten Erbtheilungsvertrage vom 18.
Auguſt 1438. Als der Letzte feines Hauſes ſchloß die Hohen-
Kottenheimer Linie Georg Ludwig der Aeltere 1591, ein hoch—
angeſehener Staats- und Kriegsmann ſeiner Zeit, Rath dreier
röm. deutſcher Kaiſer, Feldmarſchall der katholiſchen Liga, ꝛc.
Vom Kaiſer Rudolf II. mit Diplom vom 15. März 1580**)
unter Einem mit ſeinem Stammverwandten Chriſtof von Seins⸗
heim zu Erlach (einem Zweige der Weſſerndorfer Linie) in den
Freiherrenſtand erhoben, vereinigte er am 7.17. Auguſt 1589
teſtamentariſch feine Güter in Franken (zu Hoch- und Nieder:
Kottenheim, Seehaus, Marktbreit, Erlach, u. ſ. w.) dann die
Herrſchaft Sinching in Bayern zu einem Familien-Fideicom⸗
miſſe.“) Nach dem gänzlichen Erlöſchen der zur Erbfolge be—
rufenen Seinsheime hatte der Fideicommißſtifter auch den ſtamm—
und ihm überdies auch noch von mutterſeite her verwandten“)
Schwarzenbergen die Ausſicht auf Succeſſion im Erbe eröffnet.
Auf die Beſchwerung, Verkümmerung oder gar Veräußerung
des Erbes in fremde Hände, ſowie überhaupt auf die Nichtbes
folgung ſeiner Teſtamentsbeſtimmungen hatte der Teſtator den
merkt worden, auch mehrere Zweige. Man vergleiche übrigens auch:
57 0 Revue“ 1866. Heft XI. „Das Fürſtenhaus Schwar⸗
zenberg.“ —
9 Nicht dieſe Acquiſition allein, ſondern vornehmlich die Stan⸗
deserhebung war die weſentliche Veranlaſſung der Namensverände⸗
rung und der Seceſſion. Es kann daher mit Recht das Jahr 1429
als das der von Seinsheimiſcher Seite ſo vielbeklagten Trennung ange⸗
nommen worden, und ſind diejenigen vollends im Unrechte, welche
1437, Erkingers zu Schwarzenberg Todesjahr, als jenen Scheidemo-
ment angeben. Dies thun aber z. B. ältere genealogiſche Staats⸗
und Handbücher, und ſelbſt auch noch das „Stammbuch des blühen—
den und abgeſtorbenen Adels in Deutſchland,“ Regensburg 1865.
Man vergleiche den Artikel „Seinsheim,“ Bd. III. S. 376. Aber
auch der Artikel „Schwarzenberg“, S. 364. enthält einen auffallen-
den Verſtoß. —
*) In lateiniſcher Ueberſetzung findet es ſich abgedruckt in: „De
ortu vita et rebus gestis JIl. et geu. herois domini Georgii
Lud. a Seinsheim senioris“ ete Imp. a. dom. 1590. Pag. 357
und ff. Dieſes von dem Würzburg'ſchen Rathe Conrad Dinner
(pseudonym: Tbrasybulus Septa) verfaßte Buch iſt noch zu Georg
Ludwigs d A. v. Seinsheim Lebzeiten im Drucke erſchienen. Wir
werden noch darauf zurückkommen. —
*) Das Original dieſes Teſtamentes, reſp. des Fideikommiß⸗In⸗
ſtrumentes, im fürſtlich Schwarzenberg'ſchen Familienarchive. Es
findet ſich auch bei Lünig: „Reichs-⸗Archiv.“ p. spec. Cont. II. Tom,
Suppl. p. 75.
%) Georg Ludwigs Mutter war Anna, Tochter des Freiherrn
Johann zu Schwarzenberg, genannt „der Starke“. b
— +—. V3. • 6ü— — —
gänzlichen Verluſt alles Anſpruchs als Strafe geſetzt. („Ver⸗
wirkung ohne rechtliches Erkenntniß.“) Um aber auch
ſeinem Geſchlechte eine eventuelle Succeſſion in den Schwarzen⸗
berg'ſchen Stammgütern in Franken anzubahnen und die Be—
ſitzer derſelben zur Wiederanerkennung der alten Stammver—
wandtſchaft und des Namens Seinsheim zu vermögen, war
Freiherr Georg Ludwig der Aeltere von Seinsheim die nach
dem Erlöſchen der fränkiſchen Linie (1588) eben erſt zur Erb⸗
folge gelangten Grafen zu Schwarzenberg von der baier'ſchen
Linie zu einem Familienvertrage zu überreden bemüht. So
kam zwar am 7.17. Dezember 1590 ein, in der neueſten
Controverſe eine nicht unerhebliche Rolle ſpielender, ſogenannter
Erbeinigungsvertrag*) zu Stande, welcher aber, kaum zu Per⸗
gament gebracht, von zwei Hauptpaciscenten, den Grafen Wolf—
gang und Johann Gerwick zu Schwarzenberg, auch ſchon wieder
revocirt wurde und ſonſt auch wegen legaler Formgebrechen nie
zur Rechtskraft gedieh, zudem ſich auch von Seite der Schwar-
zenberge der niederländiſchen Linie nie einer Anerkennung zu
erfreuen hatte.
Die vom Freiherrn Georg Ludwig dem Aeltern 1591, ſeinem
Todes jahre, nachgeſuchte Aufnahme in das fränkiſche Grafen-
collegium hatte erſt unter deſſen Erbnachfolger Georg Ludwig
dem Jüngern vom Erlacher Zweige der Weſſerndorfer Linie
einen Erfolg. Die Aufnahme in das Collegium erfolgte 1592
auf dem Grafentage zu Wertheim, und blieben die Seinsheime
Mitglieder des Collegiums bis 1655. Freiherr Friedrich
Ludwig von Seinsheim war das letzte Seins»
heim'ſche Mitglied des fränkiſchen Grafe neol⸗
legiums.““) Zufolge des am 10. Juni 1655 zu Straubing
abgeſchloſſenen und ſchon am 17. Juni j. J. vom Kaiſer be⸗
ſtätigten Vertrages trat hierdurch Ludwig von Seinsheim die
Fideikommißgüter in Franken bis auf Erlach, welches 1664
auch ſchwarzenbergiſch wurde, und ſomit die ganze Reichs—
herrſchaft Seinsheim“) an Johann Adolf, Grafen, ſpä⸗
teren erſten Fürſten zu Schwarzenberg, und deſſen Nachkommen⸗
ſchaft ab. Erſt nach dem gänzlichen Erlöſchen die ſer letzteren
im Mannsſtamme blieb den Seinsheimen ein eventuelles Rück—
fallsrecht offen. Nur die Herrſchaft Sinching in Baiern
blieb den Seinsheimen, bis zum Erlöſchen ihrer männlichen
Descendenz, in dieſem Fall mit Vorbehalt des Erbfucceffiong-
rechtes für die Schwarzenberge. Die Erlacher Seinsheime ver-
ließen hierauf Franken und ſtifteten in Baiern die Hauptlinie
Seinsheim⸗Sinching.
Jener Straubinger Vertrag war aber die unvermeidliche
) Das Original dieſes Vertrages, auf welchen auch Dr. Heff-
ter: „Die Sonderrechte,“ Seite 403, hinweiſt, und der ſich auch in
Dr. 9. Zöpfl's „kritiſchen Bemerkungen zu dem Schwarzenberg' ſchen
Memorandum“ dc. Heidelberg, 1869, als Anlage 5 abgedruckt findet,
im fürſtl. Schwarzenberg'ſchen Familienarchive. —
) Vergleiche: „Aechte Beſchaffenheit des Reichsgräfl.
fränkiſchen Collegii“ ꝛc. S. 68 u. ff. §. 150 und 151, dann
S. 71 F. 155. Das $. 156 Erzählte ift nichts weniger als der hi⸗
ſtoriſchen und actenmäßigen Wahrheit entſprechend. Die von Johann
Adolph Grafen zu Schwarzenberg geltend gemachten Rechtsansprüche
wurden von demſelben 1645 im rechtmäßigen Ceſſionswege erworben.
) Einer Beſchreibung aus ſpäterer Zeit zufolge lag dieſe
reichsunmittelbare Herrſchaft zwiſchen der Herrſchaft Ri und
dem markgräflich Anspach’ichen Oberamte Uffenheim. — Der Markt
Seinsheim aber war ſchon Erkingers, des erſten Freiherrn zu
Schwarzenberg, Eigenthum, und erhielt derſelbe vom Kaiſer Sigis⸗
mund 1434 ein Stadt⸗Wochen⸗ und Jahrmarkts⸗ dann Halsgerichts⸗
Privilegium für Seinsheim. — (Abſchrift in der Privilegien⸗Samm⸗
lung des fürſtlichen Schwarzenberg'ſchen Familien⸗Archivs.)
66
Kataſtrophe nach langen und ſchweren, hier nicht näher zu er⸗
örternden Proceſſen und die traurige Folge von unbegründeten
Erbsprätenſionen, von während des 30 jährigen Krieges began⸗
gener Felonie, Güter⸗Devaſtation⸗ und bereits theilweiſer Con⸗
fiscation, und hatte, nur in milderer Form, die Wirkung einer
„Res judicata.“ —
Nach dieſer Zeit hatte das reichsſtändiſche, auf den obigen
Befig baſirte Verhältniß der Seinsheime ein Ende, und die
während der baierſchen Sequeſtration des Fürſtenthums Schwar⸗
zenberg im Jahre 1809 aus Schwarzenberg ' ſchem Vermögen
ſtattgefundene Ablöſung des Seinsheim'ſchen Erbsanfall-, oder
vielmehr Reſtitutionsrechtes löſte die letzte Beziehung zu dem
ehemaligen reichsunmittelbaren Stammgute.
g Wenn nun aber eben aus jenem Straubinger Vertrag be⸗
ſondere familienrechtliche Conſequenzen gezogen, wenn aus dem⸗
ſelben ſtandesherrliche Rechte abgeleitet werden wollen und ſo—
gar darauf die Fiktion eines Geſammthauſes Seins⸗
heim mit einer älteren fürſtlichen und jüngeren
gräflichen Linie aufgebaut werden will), jo wird
ſich die innere Haltloſigkeit dieſes Anſpruchs auf Grund der
obigen vorausgeſchickten geſchichtlichen Darſtellung um ſo ſicherer
beurtheilen laſfen, als ſich ſelbſt bei dem, allerdings nicht er⸗
findlichen Vorhandenſein der vom gelehrten Herrn Verfaſſer des
in Rede ſtehenden Aufſatzes im „Deutſchen Herold“ vorge—
brachten genealogiſchen Prämiſſen keine den Seinsheim'ſchen
Wünſchen günſtigen Schlüſſe daraus ziehen ließen.
Die heutigen Grafen von Seinsheim ſind keine Abſtämm—
linge der „anderen Nachkommen Erkinger's“, des
erſten Freiherrn zu Schwarzenberg, und der Straubinger
Vertrag hat kein „Geſammthaus Seinsheim“ begründet.
Auf dieſe zwei Punkte kommt Alles an.
Wir müſſen uns nun noch zu der Anmerkung S. 10
des „Deutſchen Herold“ wenden, wo von dem Seinsheim'ſchen
Wappen die Rede iſt und die „gekrönte Sau“ als ein
„redendes“ Wappenbild bezeichnet wird. Auch dieſe Angabe
bedarf dringend einer Berichtigung. Offenbar iſt dieſe An⸗
nahme auf die ältere Schreibung des Namens Seinsheim zu—
rückzuführen. Dieſe letztere erſcheint urkundlich in den mal:
nigfachſten Formen, als: Sodensheim, Sawnsheim, Sowns⸗
heim, Saunsheim, Sannsheim, Soinsheim, Sauensheim, Sains—
heim und Seinsheim.“
Bei dieſer großen Verſchiedenheit der ſchriftlichen Form
wird wohl die Frage aufgeworfen werden dürfen: Wie denn
eigentlich dieſer Name in der Ausſprache, zumal in der alt
*) Der Beleuchtung dieſer Fiktion, fo wie der Widerlegung der
vorausgegangenen Seinsheim ſchen Deduktionen, insbeſondere der be⸗
reits früher citirten „Kritiſchen Bemerkungen“ ꝛc. von Hofrath und
Profeſſor Dr. Zöpfl, iſt das von den Profeſſoren und Hofräthen
Dr. Leopold Neumann und Dr. Joſef Unger verfaßte „Rechtsgutach⸗
ten über die beanſpruchten Familienſtandesrechte der Grafen von
Seinsheim,“ Wien, Druck von Carl Gerolds Sohn, 1870, gewidmet.
) Die Schreibung „Sannſſheim“ kommt z. B. in dem Diplome
Kaiſer Sigismunds v. J. 1429 über Erkingers zu Seinsheim Stan⸗
deserhebung vor, obgleich wir eine andere Urkunde Kaiſer Sigismunds
vom vorhergehenden Jahre, 1428, kennen, in welcher Erkinger „von
Sowußheim“ 4 wird. Wir kommen auf dieſes Document
nochmals zurück. Der Biograf des Freiherrn Georg Ludwig d. Aelt
von Seinsheim, Thraſybulus Septa, widmet der älteren Schreibung
des Namens Seinsheim einen Excurs und, ſich auf eine Stelle im
Todtenbuche der Franziskaner zu Würzburg zum Jahre 1343 beru⸗
fend, erklärt er die Schreibung „Sawensheim“ für eine wahrſchein⸗
liche Corrumpirung des richtigen „Seinsheim.“ „De ortu vita Familienvertrag mit dem in Farben ſorgfältig ausgeführten Wappen
ote.“ Seite 361 und ff.
i Famil wohl erha
Familienarchive.
fränkiſchen gelautet habe? Wurde doch auch der heutige Name
„Mainſtockheim“ in einer uns vorliegenden Urkunde v. J.
1426 „Mewnſtokheim“ geſchrieben, fo daß immerhin das „w“
vom fränkiſchen Munde wie ein „ü“ ausgeſprochen worden
ſein konnte“.) Doch ganz abgeſehen hievon, ſo iſt der Eber
im Seinsheim'ſchen Wappen keineswegs ein altes und urſprüng⸗
liches Emblem dieſes Geſchlechts. Das Seinsheim'ſche Wappen
war anfänglich ein ſehr einfaches und beſtand — Zeuge vieler
alter Siegel — in drei ſenkrechten Strichen, Streifen oder
Pfählen, die ſich, mit Hinzurechnung der Zwiſchenräume dieſer
Striche, in Farben ausgedrückt, zu 6 abwechſelnd blauen und
weißen Pfählen vermehrten, d. h., der Schild war ein 5—6
mal geſpaltener. Das in der oben erwähnten Note gleich⸗
falls beſprochene Menſchenhaupt iſt das in ſpäterer Zeit zum
ſogenannten „Heidenmännlein“ gewordene und auch im heutigen
Schwarzenberg'ſchen Wappen noch in dieſer Geſtalt erſcheinende
Helmkleinod. In Siegeln Erkinger's von Seinsheim und ſeines
Sohnes Michael an einer Urkunde vom Jahre 1427) iſt es
ein bärtiger Mannskopf mit einer Art von Krone auf dem
einen, und mit einer kegelförmigen Kopfbedeckung auf dem an⸗
deren Siegel. Nach ihrer Erhebung in den Freiherrenſtand
fügten die Schwarzenberge 2 neue Pfähle, einen blauen und
weißen hinzu, ſo daß dieſes alſo vermehrte Wappen nunmehr
8 Pfähle oder Striche (auch „Straßen“ genannt) zählte. Es
geſchah dies allerdings zur Unterſcheidung von den übrigen
Seinsheimen und auch wobl zur Andeutung des erhöhten Standes,
ſowie des vermehrten Beſitzes, und ging parallel mit der Na—
mensveränderung, von welcher wir übrigens ſchon 1428 ein Vorſpiel
erblicken, indem K. Sigismund in einer Urkunde ſchon damals
Erkinger „den Edln Erkinger Herrn zu Schwarzenberg und
von Sownſzbeim“ nannte.) So ſchrieb und nannte ſich auch
Erkinger in der Folgezeit; aber ſchon Erkinger's älterer Sohn
aus 2. Ebe, Johann, ſchrieb ſich in Urkunden v. J. 1456
nnd 1460 **) geradezu nur „Herr zu Schwarzenberg“, und die
Enkel und Urenkel legten bereits auf den Titel: „Freiherr“
Nachdruck, ja 3 der letzteren, die Freiberren Paulus, Chri—
ſtof und Friedrich zu Schwarzenberg, paktirten in ihrem
Erbtheilungsvertrage v. J. 1529 ausdrücklich wegen überein⸗
ſtimmender Führung des Wappens mit „den acht Strichen,
weiß und plau.“ )
In welchem Maße dieſe Namens- und Wappenveränderung
bei den ſtammverwandten Seinsheimen Anſtoß gefunden, kann
bei ihrem Geſchichtsſchreiber, Thraſybulus Septa, erſehen werden,
bei welchem ſich auch eine Beſchreivung des urſprünglichen
*) Ein analoger Fall findet ſich bei dem ausgeftorbenen alt⸗
öſterreichiſchem Geſchlechte der Herren von Sievering, welche die
„Seiferinger“ und „Sanweringer? geſchrieben wurden. Scheinfeld
in Franken z. B. hieß wahrſcheinlich urſprünglich Schönfeld.
**) Es iſt dies die e Erkinger's und Mi⸗
chael's von Seinsheim mit Aleß von Sternberg bezüglich der Tochter
Michael's, Anna, und des Sohnes Sternberg's, Peter, vom 11 April
1427. Original im fürſtlich Schwarzenberg'ſchen Familienarchive.
e) Dieſe ſchon erwähnte Urkunde, vom 8. Jänner 1428, betrifft
die Verpfändung von Petſchau, und befindet ſich im königlich böh⸗
miſchen Stadthaltereiarchive zu Prag.
%) Beide Urkunden „Johann's Herrn zu e e, ſo
wie eine der e Frawe zu Schwartzenberg,“ v. J. 1458 mit
tenen Siegeln im fuͤrſtlich Schwarzenberg ſchen
) Dieſer zu Donauwörth am 11 October, 1529 abgeſ chloſſene
im genannten Archive.
67
Seinsheim'ſchen Wappens findet.“) Bei demſelben Autor be
gegnet man aber auch einer Erklärung des ſchreitenden oder
vielmehr ſpringenden (apri in saltum se conjicientis“)
Ebers im neueren Seinsheim'ſchen Wappen; eines heraldiſchen
Bildes, welches dem ausgeſtorbenen Geſchlechte der Herren von
Sinchingen in Baiern angehörte und welches Freiherr Ge-
org Ludwig von Seinsheim nach dem Erkaufe der gleichnami-
gen Herrſchaft im Jahre 1570 und in Folge ſeiner Erhebung
in den Freiherrenſtand 1580 als einzige Neuerung reſp. Beſſe⸗
rung oder Mehrung in fein angeſtammtes Familienwappen auf⸗
nahm.“) Dieſer Eber hat alfo weder mit dem alten Namen
Sawnsheim noch mit dem neueren etwas zu thun. Der Irr⸗
thum in Betreff des beſagten Ebers hat übrigens in viele ge
nealogiſche und heraldiſche Werke Eingang gefunden, jo z. B.
gleich in J. G. Biedermanns „Genealogiſche Nachrichten
der fürſtlichen, gräflichen, ritterſchaftlichen und anderer Häuſer
in Franken“, 9 Bde., 1745— 1751. Den irrthuͤmlichen Aus⸗
deutungen des Ebers im Seinsheim'ſchen Wappen iſt aber be⸗ |
reits der Würzburg'ſche Archivar und Lehenſekretär Oetavian
Salver in feinen „Proben des deutſchen Reichsadels“, Würz-
burg 1775, berichtigend entgegengetreten. —
Was nun ſchließlich die im Anhange des bisher beſprochenen
Artikels enthaltenen urkundlichen Daten aus dem Bamberger
Lebenbuche betrifft, ſo gehen nur die aus den Jahren 1426,
1429 und 1439 den Schwarzenberg'ſchen Stammvater Er:
kinger und deſſen Descendenz an. Jener andere Erkinger von
Sawnuſzheim zu Wiſenbrunn (auch zu „Weyſſenbrunn“, „Weiſ⸗
zenbrünn“, „Beißenbrunn“, „Wiſſenbrunn“) war ein Zeitge⸗
noſſe des Erkinger von Sawnsheim zu Stefansberg, nachmals
Hrn. zu Schwarzenberg, u. erſcheint mit jenem dritten Erkinger von
Sawnsheim zu Kottenheim, ſowie mit Linhart von Sawnsheim
(auf Schernaw) in mehreren uns vorliegenden Urkunden als
Zeuge. So z. B. gleich im Teſtament Erkingers, des Schwar⸗
zenberg's, v. J. 1428, in der Erbtheilung vom Jahre 1438
und in noch einer Urkunde v. J. 1442, (Barbara's zu Schwar⸗
zenberg Heimſteuer und Widerlage betreffend.) Indeſſen hatte
auch, (laut ſeines Teſtaments v. J. 1428) Erkinger zu Schwar⸗
zenberg Zinſen, Nutzungen und Gefälle zu Wieſenbrunn und
die Lehenbuchsdaten zum Jahre 1439 betreffen dieſen Wieſen⸗
brunner Beſitz. (Der Orig.⸗Lehnbrief vom 22. März 1439
(Lehenbuchsfolio 51 b.) iſt, wie bereits erwähnt, im fürftlich
Schwarzenberg ' ſchen Familien⸗ Archive vorhanden). —
Wien, im Juni, 1871.
Adolf Berger.
Nachſchrift.
Die verſpätete Bekanntſchaft mit dem Artikel „Seinsheim
und Schwarzenberg“ in Nr. 2 l. J. d. Bl. hatte die weitere
Folge, daß auch der mittlerweile in Nr. 4 erſchienene, gleich
betitelte Artikel dem Verfaſſer des obigen Aufſatzes erſt nach
der Abſendung deſſelben an die geehrte Redaction zu Geſichte
gekommen. So ſchätzbar und zutreffend die jedenfalls von gut
unterrichteter Seite ausg egangenen berichtigenden Bemerkungen
*) „De ortu, vita“ ete, p. 18 und ff. dann p. 38 und ff.
Vergleiche auch p. 353 und ff. und 359 und ff.
*), Thraſybulus Septa beſpricht in ſeinem bereits öfter eitirten
Werke p. 279 und ff. ausführlich den Erkauf von Sinching und
erläutert p. 359 und ff. den Zuſammenhang des Ebers im Wappen
mit jenem Gutsankaufe.
in Nr. 4 d. Bl., ſo machen ſie doch die weitere Bemühung,
den Sachverhalt jo viel als möglich aufzuklären und das vor⸗
handene Beweismaterial zur Beſeitigung aller Zweifel zu ver⸗
werthen, keineswegs überflüſſig. Wenn daher auch der Herr
Verfaſſer des ſpäteren Artikels in Nr. 4 über die Bedeutung
des gekrönten Ebers im Seinsheim'ſchen Wappen, ſowie über
die Tragweite der Erhebung des Erkinger zu Schwarzenberg
im Jahre 1429 bereits das Nöthige beigebracht; ſo werden
unſere urkundlichen Daten und Quellencitate den hiſtoriſchen
Thatſachen zu einer um ſo prägnanteren Beſtätigung dienen.
Und ſo finden wir denn auch in Betreff der Scheidung der
beiden Häuſer Schwarzenberg und Seinsheim, ſowie hinſichtlich
der Verzweigung der Descendenz des Schwarzenberg'ſchen Stamm⸗
vaters Erkinger aus deſſen beiden Ehen, weiter nichts hinzuzu—
fügen.
Das Verwandtſchaftsverhältniß zwiſchen des R. K. Sigis⸗
mund Gemalin, Barbara, und der 2. Ehegattin Erkingers zu
Schwarzenberg, Barbara zu Abensberg, betreffend, fo iſt dies
hier nur von nebenſächlicher Bedeutung und könnte allenfalls nur
dann in näheren Betracht kommen, wenn der Irrthum aufrecht
erhalten werden wollte, daß die Kinder Erkingers zu Schwar⸗
zenberg aus deſſen zweiter Ehe bei der Standeserhebung v. J
1429 etwa eben jenes Verwandtſchaftsverhaͤltniſſes wegen eine
beſondere Berückſichtigung gefunden. Die im Arkikel Nr. 4 des
„Deutſchen Herold“ angegebenen ſchwägerlichen Beziehungen
zwiſchen K. Siegmund und Eliſabeth, der Schweſter Jodoks
von Abensberg, reſp. zwiſchen den Häuſern Cilli und Abens-
berg, beſtanden thatſächlich; nur iſt nicht zu überſehen, daß, ſowie
der Königin Barbara Mutter, Hermann II. Grafen von Cilli
Gemalin, als eine geborne Gräfin von Schaumberg (rectius
„Schaunberg aus Oeſterreich“) bezeichnet wird, Genealogen
auch der Barbara von Abensberg, vermälten Schwarzenberg,
eine Mutter aus jenem Geſchlechte (Agnes von Schaunberg,
Gemalin Jodok's oder Jobſt's von Abensberg) zutheilen. Uebri⸗
gens herrſcht in dieſen Abensberg⸗Cilli⸗Schaumberg'ſchen Ver⸗
wandtſchaftsbeziehungen große Unklarheit und verweiſen wir
nur noch zur Vergleichung auf die Cilli'ſche Stammtafel (nach
J. Orozen’s „Celjska kronika“, Cilli, 1853) in dem
Buche: „Die vier letzten Lebensjahre des Grafen Ulrich II.
von Cilli,“ von Alex. Georg Supan, Wien, Braunmüller,
1868.5)
Die Bemerkung im neuen Artikel, Nr. 4 des „Deutſchen
Herold,“ hinſichtlich der Erwerbung des Herrenſtandes von
Seite Schwarzenberg und der gleichnamigen Herrſchaft entbehrt
nicht der Begründung; maßgebend bleiben aber in ihrer Zu⸗
ſammenfaſſung die Motive im Standeserhebungsdiplome v. J.
1429; was aber die vorausgehende Bemerkung des Herrn Ver⸗
faſſers des beſagten berichtigenden Artikels bezüglich „der Un-
klarheit des Schwarzenberg'ſchen Widerſtandes
gegen die Seinsheim'ſchen Anſprüche“ betrifft, fo iſt
dem dort angeführten Argumente gegenüber nichts klarer, als
das, wenn den Herren Grafen von Seinsheim der dort ange
deutete Nachweis eben nicht gelungen, noch weit weniger die
hiſtoriſche und rechtliche Wahrheit des von ihnen aufgeſtellten
und weiterreichende Abſichten im Hintergrunde bergenden Rechts⸗
*) Die im 13. Bande der „Verhandlungen des hiſtoriſchen *
eins für Niederbayern“ (1868) abgedruckten „Beiträge zur Geſch. d
Grafen und 10 le von ee haben wir bis jetzt lader
noch nicht einſehen können. 9
68
titels der prätendirten Exiſtenz eines „Geſammthauſes
Seinsheim mit einer älteren fürſtlichen und einer
jüngeren gräflichen Linie“ jemals wird nachgewieſen
werden können. Dieſem alſo formulirten Rechtstitel gilt
der unausweichliche Widerſpruch, und ſieht ſich das Haus
Schwarzenberg, wie ſchon jo oft in der Vergangenheit, hier
neuerdings zur Defenſive genöthigt. —
Was es mit den gleichfalls abermals zur Sprache ge—
brachten Lehenregeſten vom Jahre 1431 für eine Bewandtniß
habe, wurde bereits von uns früher nachgewieſen; was aber
das vaſalliſche Verhältniß von Schwarzenberg und Hohenlands—
berg betrifft, ſo iſt wohl hier der Kadolzburger Vertrag v. J.
1511 gemeint, der ſowol in ſeinen Urſachen, als in ſeinen
Folgen auf ein „Compelle intrare““ hinauslief und häufigen
Vergewaltigungen zum Vorwande diente, übrigens aber als ein
Reichsafterlehenverhältniß kein Hinderniß für die Einführung
in den Reichsfürſtenrath 1674 wurde, bei welchem Anlaſſe es
mit günſtigem Erfolge zur Diskuſſion gelangte. —
6 Wien, 7. Juli, 1871.
Der Verfaſſer.
Ueber Blafonirung.
Es ift gewiß ſehr zu beklagen, daß einige heraldiſche
Schriftſteller es ſich nicht nehmen laſſen, unſere ohnehin man⸗
gelhafte deutſche heraldiſche Terminologie“) immer wieder mit
neuen, zum Theil unverſtändlichen, zum Theil ſogar un⸗
richtigen Bezeichnungen einzelner heraldiſcher Figuren zu be⸗
reichern.
Es wäre gewiß Sache der heraldiſchen Vereine, vor Allem
darauf hinzuwirken, daß dieſem Uebelſtande abgeholfen, und eine
allgemeine deutſche heraldiſche Terminologie,
welche auch für die Münz⸗ und Siegelkunde von nicht gerin⸗
gem Werthe ſein würde, aufgeſtellt würde. Die Bemühungen
des Einzelnen werden ſtets ohne den gewünſchten Erfolg bleiben.
Selbſt der alte Siebmacher, einer unſerer erſten heraldi⸗
ſchen Autoritäten, war bekanntlich kein Held im Blaſoniren.
Im erſten Theile feines Wappenbuchs, von 1605.,**)
kommen erſtens manche un beftimmte, zweitens manche zwei⸗
felhafte und drittens ſelbſt manche ganz falſche Bezeich⸗
nungen vor. a
ad I., Wenn Siebmacher ein Wappenbild gar nicht zu
blaſoniren weiß, fo ſagt er einfach „das darin“ (d. h. das
Bild im Schilde;) z. B. Bl. 87 bei den Költerer zu Höhe, Bl.
103 bei Neuſtädter gen. Stürmer, Bl. 114 bei den Fron⸗
hofen, Bl. 151 bei den Zaſchwitz; oder das „Zeichen;“
3. B. Bl. 10 bei Baſel, Bl. 73 bei den Rudezger und Gros
terzky; oder die „Figur,“ z. B. Bl. 95 von dem Schachreiter
der Herzheim und Bl. 202 von den 3 Schach⸗Thürmen der
Hohenbalken; oder das „Signet;“ z. B. Bl. 131, von
dem Doppelhaken der Sotern.
ad II. Mit demſelben Worte bezeichnet er mitunter
ganz verſchiedene Figuren; ſo nennt er die Wappenbilder
der Spangſtein, Bl. 47, der Ronau, Bl. 68, der Hacken gen.
Peuſten, Bl. 151, der Ramyn, Bl. 167, alle einen „Stock.“
*) Die Engländer und Franzoſen verdienten hierin zum Muſter
genommen zu werden. f
&) In den übrigen Theilen kommen bekanntlich keine Blaſo⸗
nirungen mehr vor.
Den Doppelhaken nennt er z. B. bei Bayrn von Caldif.
Bl. 44, „Hacken;“ dagegen bei Schenk von Winterſtetten,
Bl. 111, „Angel,“ und bei Stephan, Bl. 211, „Wolfs⸗
angel,“ obgleich er bei Pflaumer, Bl. 43 und bei Stadion
und Stein, Bl. 111, die Wolfs angel (hamecon à loups)
ganz richtig gezeichnet und blaſonirt hat.
Den Angelhaken nennt er bei Lanzkron, Bl. 62, „Hacken“
und bei Angelloch, Bl. 119, „Angel.“
Den abwechſelnd doppelt gekerbten Balken nennt er bei
Quadt, Bl. 131. einen „gekerbten Balken,“ und bei
Plitersdorf, Bl. 97, einfach einen „Balken,“ wie den nach
oben gekerbten Balken der Oſtermayer, Bl. 36; während er in
dem Wappen der Haunsperg, Bl. 34, den aufrechten glatten
Balken, ebenfalls Balken, und den doppelt gekerbten Querbalken
einfach mit „das in der Mitte“ blaſonirt.
ad III. Das redende Wappenbild der Pfahler, Bl. 81,
den Pfahlbohrer, nennt er einen „Pfahl;“ die drei Schach⸗
Thürme, (Roche,) der Rochau, Bl. 174, blaſonirt er als
Lilien, bei Derrer, Bl. 206, dagegen als „Hörner;“
die Turnierkragen z. B. bei Weingarten, Bl. 122 und Harf,
Bl. 123, nennt er „Brüken,“ und den Feuerſtahl der Schurf,
Bl. 43, nennt er „Feuereiſen.“
Den Doppelhacken der Komantzky, Bl. 75, blaſonirt er,
(wie Dorſt im Oetting'ſchen Wappen,) als Z.
Die beiden räthſelhaften Figuren im Wappen der Lu⸗
bowsker, Bl. 75, blaſonirt er als „Pfeile,“ was wohl kaum
richtig ſein kann.
Die Figur im II. und III. Felde des Kienburg' ſchen
Wappens, Bl. 45 und 81, blaſonirt er als „Band.“ u. den
Helmſchmuck der Brandenburger zu Ried, Bl. 118, als „Zähne.“
Die Wappenbilder von Lariſch, Bl. 76, und von Eſchel⸗
bach, Bl. 92, blaſonirt er einfach als „Meſſer.“
Auch D. J. W. Trier, in ſeinem trefflichen Werke: „Ein⸗
leitung zu der Wapen⸗Kunſt,“ Leipzig 1729, blaſonirt nicht
immer richtig; ſo nennt er z. B. das Wappenbild von Baſel,
ein ſchwarzes Futteral zu einem Biſchofsſtab; das Wappen
von Würzburg (im I. und IV. Felde) von Roth und Silber
quergeſtreift, mit drei in das Rothe gehende Spitzen; das
Wappen der Grafſchaft Schaumburg „im rothen Feld, ein, in
drei Theile zerſchnittenes Neſſelblatt, mit einem von Silber und
Roth quergetheilten Schildlein in der Vertiefung, gegen welcher
zwiſchen zwei Stücken des Neſſelblatts, ſo viele Nägel in Form
eines Schächer⸗Kreutzes mit den Spitzen gewendet erſcheinen;“
im Wappen von Lichtenſtein, im II. rothen Felde, ein güldener
Sparren, aus welchem oben einige zugeſpitze Zinnen aufſteigen;
das Wappen von Hatzfeldt, im güldenen Felde, zwei ſchwarze
in einander geflochtene Crampen; im Mittelſchild des Maxel⸗
rain'ſchen Wappens blaſonirt er den rothen Adler als Vogel,
und bemerkt dazu: „Dieſer Vogel, welcher von einigen ein
Adler, als deſſen gewöhnliche Stellung er hat,) von andern
ein Phönix genannt wird, ſoll vermuthlich ein Auer⸗Hahn ſein,
wie Siebmacher davor hält;“ (vergl. Siebmacher I. 19); das
Wappenbild von Augsburg, einen grünen Tann⸗Zapfen auf
einem güldenen Poſtiment.
J. G. L. Dorſt in feinem Wurtenbergiſchen Wappenbuch.
Halle 1846, nennt die Wolfsangeln auch Wolfseiſen. Während
er im Füſtenbergiſchen Wappen, die Kirchenfahne richtig be⸗
zeichnet, nennt er daſſelbe Wappenbild bei Windiſchgrätz:
(Fortſetzung Seite 70.)
*) Welche unbedingt maaßgebend iſt!
69
M atrikel. (Fortſetzung.)
Jahr Datum Be 5 Inhalt Diplom
3 ame. des Wappen. Bemerkungen.
des Diploms. N Diploms. für
1708 | 20. Aug. Hammerſtein. A. 2 Gebrüder H.; der eine I
Kgl. Kammerdiener.
1% 28 Nov. Henniges. A. Heinr. H., Kgl. Pr. Geh. Led. J. 343;
Rath, Geſandter ꝛc. 2 Helme.
1 1. Dez. Creutz. A. Ehrenreich Bogisl. C., Köhne III. I. Vgl. 12. 2. 1710,
Staatsminiſter, Kgl. Pr.
W. Geh.⸗Rath.
1709 | 4. Apr. Eulenburg. (Frh.) beſt. die || Die Familie, (laut Res || Siebm.1.31.|| Val. 19. 9. 1786
Abftam- || feript des Heroldsamts
mung zu Cöln a. ©.)
von den
Wetti⸗
nern. (!)
„ 18. Mai. Quadt⸗Hüchtenbruch. Frh. N. | Ludw. Alexander Rule-⸗ Köhne 11.55.
u. Wm. mann Frh. v. Q. zu
Wickeradt, Enkel des letz⸗
ten Freiherrn von Hüch⸗
tenbruch zu Gatrop,
Wilhelm Albrecht, ſeines
’ Schwiegervaters.
„ 16. Nov. Bullot. A. David u. Neffen Abra⸗ Köhne 11.92.
ham und Jean B.
Z " Oſterwald. A. David O., seigneur de ?
Biolley und feines +
Bruders Ludwig 4 Söhne,
‘ 55 Peprol. A. Jean Scipion P., Dr. Köhne V. 19.
ed 1 ſämmtlich in Neufchätel.
reform. Pfarrer zu Nis⸗ „„
s mes im Languedoc.)
„ „ Pury. A. Drei Gebrüder P.; Da⸗ Köhne IV. 25.
vid, Joſua und Alfons,
deren Neffe David, ſowie
Daniel P. nebſt 4 .
Söhnen.
„ 14. Dez. v. d. Recke. conf. Frh.] Conrad v. d. R., Reg.⸗ Köhne II. 56.'Rfrh. d. d. 18. 9. 1653 für
und Amts⸗Kammer⸗Prä⸗ denſelben.
ſidenten.
1710 12. Febr. Creutz. A. Fr. Martin C., Bruder Köhne III. I.
des d. d. 1. 12. 1708 5
. Nobilitirten.
„ 17. März Seckendorf. 3 J. F. Schmeerheim zu || 2 verichlun- || Wie derſelbe mit der alten Fa⸗
(A. C. O. Eckendorf, Kgl. Oberſt gene Zweige milie v. Seckendorf zuſammen⸗
v. 7. 2.) und Comm. von Lipp⸗ (v. Secken⸗ bing, iſt mir nicht bekannt,
= vermutlich ift der Name von
ſtadt, als „ # dorf.) 1 thlich iſt der N
adt, a An, Secken⸗ ſeinem Gute Eckendorf hergeleitet.
4 25 5
„ 11. April Finkenſtein. (Fink v.) an. Grf. u.] Albr. Conrad, Königl. Köhne 1. 38. N. Grf. d. d. 4. 2. ejd. für
in Pr. Feldmarſchall, Albr. den erſteren.
en. Chriſtoph und Fr. Rein:
ſtandes auf hold v. Finck.
ſeine
Brüder. (Fortſetzung folgt.)
70
Kirchen fächer;“ den Doppelhaken im öttingſchen Wappen
blaſonirt er als Z; das einfach mit Spitzen blau-weiß⸗roth')
quergetheilte Wappen der Herren von Ulm, blaſonirt er als
einen, durch einen 5 Mal gebrochenen ſilbernen Querbalken in
zwei Hälften von blau und roth getheilten Schild;““) feine
Blaſonirung der „Sporn ſchnallen“ im Blumberg'ſchen
Wappen ſcheint auch etwas gewagt; den Becher der Beſſerer
nennt er zwei übereinander geſtürzte Rondeln, (runde Schenken—
becher; ““) die bekannten Gumppenberg'ſchen Blätter blaſonirt
er, gegen ſein eigenes beſſeres Wiſſen, in 1. Linie als Schröterhörner.
Von einer kunſtgerechten Blaſonirung muß verlangt werden,
daß jeder Sachverſtändige auf Grund derſelben das betreffende
Wappen, — in einem beliebigen Styl, — mit Sicherheit bild—
lich darſtellen kann.
Nach jeder neuen Blaſonirung eines ungewöhnlichen
Wappens ſollte man ſich daher ſelbſt die Frage ſtellen: könnte
ich nach meiner Beſchreibung dieſes Wappen ohne Anſtand
richtig zeichnen?
Eine und dieſelbe heraldiſche Figur muß immer mit ein
und demſelben, möglichſt kurzen, aber umfaſſenden und beſtimm—
ten Ausdruck bezeichnet werden.
Es gibt aber auch heraldiſche Figuren kat’exochän,
welche keine eigenen Namen haben, deren urſprüngliche Bezeich—
nung wenigſtens nicht mehr bekannt iſt. Dieſe Wappenbilder
müſſen eben möglichſt genau beſchrieben, und ihre etwaige Aehn—
lichkeit mit einer andern bekannten Figur angegeben werden
Für das Wappenbild der Studengaſt, Nr. 282 der Zi:
richer Wappenrolle, giebt es z B. keinen techniſchen Ausdruck.
Um daſſelbe ſo zu blaſoniren, daß es jeder Heraldiker
ohne Vorbild richtig zeichnen kann, müßte man daſſelbe etwa
folgender Maßen bezeichnen: in Blau von Gelb ein Adlerfuß
mit rothen Waffen, aus welchen aus ſeiner Baſis zwei Lilien—
ſtengel mit den Spitzen der Lilien gegen die beiden oberen
Ecken der Schilder gekehrt, hervorwachſen.
Ferner kommen in der Züricher Rolle in den Wappen
Nr. 141, 341, 527 und 537 Wappenbilder vor, welche wir
vor der Hand mit keinem beſtimmten Namen zu bezeichnen ver—
mögen; das Gleiche iſt der Fall mit der räthſelhaften Figur
in dem Grünenbergiſchen Wappenbuch, welche beim Wappen
des Johannes Bowzumer Graf zu Arona u. Angloria zwar
nicht im Wappen ſelbſt, aber unmittelbar vor dem Wappen:
helm abgebildet ift.****)
Im Mebrigen ſollen die Blaſonirungen nicht kleinlich und
ängſtlich gehalten ſein.
Die Formen gewiſſer heraldiſcher Figuren wechſeln nach
Zeit und Styl, wie z. B. die Schirmbretter, auf welchen ein—
fach das Wappenbild angebracht iſt, und wo die Form im ein—
zelnen Falle unweſentlich und reine Geſchmackſache iſt.
Daſſelbe iſt der Fall bei den beſäten oder beſtreuten, den
zuſammengeſetzten Schild-Tinkturen; ob es einige Lilien,
Schindeln u. ſ. w. mehr oder weniger find, iſt gleichgültig, und
*) Im Aulendorfer Codex der Richenthal'ſchen Chronik, v. 1420,
ſtehen die Farben roth-weiß⸗blau, mit 3 Spitzen.
*) Siebmacher J. 199, blaſonirt den mittleren Streifen auch
als weißen krummen Balken.
) Siebmacher 1. 209 „Geſchirr.“
u) Wenn der eine oder andere der verehrten Leſer über die Be—
deutung dieſer Figuren eine Erklärung in dieſen Blättern mitheilen
wollte, würden wir ſehr dankbar dafür ſein.
richtet ſich einfach im gegebenen Falle nach der willkürlich ge-
wählten, aber immerhin nothwendiger Weiſe ſtylgerechten Schildferm.
Ein für alle Male ſollte man entweder immer gelb und
weiß ſagen, oder Gold und Silber; nicht abwechſelnd und
nicht Beides zuſammen: „Gold oder gelb,“ und „Silber oder
weiß,“ — was ja ſelbſtverſtändlich iſt.
Die natürlichen Farben einzelner heraldiſcher Bilder
könnten füglich zur Vereinfachung der Blaſonirung übergangen
werden; z. B. bei den gelben Löwen, bei den ſchwarzen
Bären, bei den weißen Schafen, bei den ſchwarzen Adlern,
bei den weißen Schwänen, bei den bunten Pfauen, bei
den ſchwarzen Raben, bei den ſchwarzen Hahnenfedern,
bei den grünen Bäumen, Zweigen und Blättern, bei den
gelben Sternen, bei den gelben Kronen, bei dem weißen
Hermelin mit ſchwarzen Spitzen u. dem weiß u. blauen
Kürſch u. ſ. w., könnte die Tinktur als ſelbſtverſtändlich ange⸗
nommen, und nur die Ausnahmen, z. B. ſchwarze Löwen,
rothe Adler, rothe Blätter, blaue Sterne, ſchwarze Kro—
nen beſonders angegeben werden. F.-K.
Beantwortung der Anfrage II., 2, in Nr. 2 d. Bl.:
Eine Papiermühle Köckeritz exiſtirt im Kreiſe Kammin.
5 . Dr. Fr.
Desgl. der Anfrage VIII., d., in Nr. 7:
Ein aus Warſchau ſtammender Siegelabdruck mit der
Bezeichnung: v. Poths, zeigt im grün ſchraffirten Felde eine
ſ. g. Edelkrone, durch welche zwei Pfeile — die Spitzen oben —
kreuzweis geſteckt ſind. Helm: Drei Straußfedern; über der
mittleren wächſt ein geharrniſchter Arm, das Gelenk links,
einen Pfeil ſchräglinks — Spitze unten — haltend. P. S.
Unter Bezugnahme auf Seite 56b. des vor.
Jahrganges dieſer Zeitſchrift erlauben wir uns
den geſchätzten Leſern mitzutheilen, daß die im
vorigen Jahre ausgefallene General-Verſammlung
des Geſammt⸗Vereins der deutſchen Geſchichts⸗
und Alterthumsvereine in dieſem Jahre
vom 17. bis 22. September in Naumburg a. 9.
ſtattfinden wird. Da vorausſichtlich auch manche
heraldiſche Fragen zur Beſprechung kommen,
ſo wäre eine recht zahlreiche Betheiligung der
deutſchen Heraldiker an dieſen Verhandlungen
höchſt erwünſcht. Die Red.
MEET Wir erlauben uns, die geehrten Leſer beſonders
darauf aufmerkſam zu machen, daß dieſer Nummer der Pro-
ſpect zu dem in unſerem Verlage erſcheinenden „Heraldi-
ſchen Muſterbuch“ von Ad. IM. Hildebrandt bei-
gelegt iſt.
Berlin. Mitſcher & Mörtel.
Inhalts-Verzeichniß:
Standeserhöhungen. — Das Wappen des deutſchen Reiches.
— Schwarzenberg und Seinsheim. — Ueber Blaſonirung. —
Beantwortung der Anfragen II. und VIII. — Anzeigen.
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R. B. Magdeburg.
Commiſſ- Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin.
Ur. 9.
S, Berlin, im September 1871. II
Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
2. Jahrgang.
Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des
„Herold“ vom 5. September 1871.
Die erſte die Winterſaiſon wieder eröffkende Sitzung des
Vereins war, da mehrere hieſige Mitglieder noch im Bade und
auf Reiſen ſich befanden, nicht ſehr zahlreich beſucht, indeſſen
gab ſich doch das Intereſſe daran und die Freude kund, nach
einer dreimonatlichen Vacanz wieder wiſſenſchaftliche Themata
beſprechen zu können.
Der Schatzmeiſter Lieutenant Gritzner theilte vor Allem
die intereſſante Neuigkeit mit, daß er alte Holzſchnitzarbeiten
(vertieft) aus dem Jahre 1587 (gefunden unter Schutt ꝛc. auf
dem Boden des Apothekerhauſes zu Jüterbogk) darſtellend theils
wirkliche Familienwappen, theils heraldiſche Inſtrumente und
Thiere in einzelnen Medaillons (gegen 70 Stück) von 3 bis
35 Centimeter Durchmeſſer zu Geſicht bekommen hare, welche
demnächſt, als Reliefs in Gyps gegoſſen, dem Vereine zur
Prüfung und weiteren Forſchung, wozu dieſelben wohl gedient,
zugehen würden.
Derſelbe berichtete, daß Herr Bergrath Freiherr v. Hoi—
ningen⸗Huene ſich erboten hat, dem Verein die Stammtafeln
ſeiner Familie, ſobald der Ueberdruck derſelben vollendet ſein
werde, zum Geſchenk zu machen, was mit Freude begrüßt wurde.
Es wurde demnächſt der Antrag geſtellt, doch in Erwägung zu
ziehen, ob es nicht angemeſſen ſein dürfte, für den Verein ein
geſchloſſenes, zugleich zur Aufnahme der Bibliothek und Samm—
lungen des Vereins geeignetes Zimmer in einem anſtändigen
Privathauſe zum Sitzungszimmer des Vereins zu miethen. Der
Antrag ſoll demnächſt in pleno berathen werden. Baron von
Saurma⸗Jeltſch, zum erſten Male nach ſeiner Rückkehr aus dem
Feldzuge im Vereine wieder anweſend, brachte die Frage in
Anregung, ob der Titel „Reichs-Graf“ und „Reichs-Freiherr“,
der noch von verſchiedenen Geſchlechtern mit Vorliebe geführt
wird, eine beſondere Bevorzugung habe.
In der Debatte darüber ward zunächſt conſtatirt, daß von
den alten Reichs-Baronen und Grafen, welche dynaſtiſchen
Urſprungs waren, nur leider noch ſehr wenige in Deutſchland
blühen; 2) daß der Titel „Reichs-Graf“ und „Reichs⸗Freiherr“
allerdings allen denen zuſtehe, welche in den Grafen- und Frei⸗
herrenſtand des vormals hl. Römiſchen Reiches, gleichviel ob a.
1510 oder 1806, erhoben ſeien; Vorrangirung vor den durch
Preußiſche oder andere Diplome in dieſen Rang erhobenen Fa⸗
milien denſelben indeſſen nicht unbedingt zugeſprochen werden
könne, da lediglich das Alter des Diploms maßgebend
ſein dürfte.
3) Der „Freiherrntitel“ ſei allen den Familien zuſtändig,
welche entweder beſondere Freiherrndiplome aufzuweiſen hätten,
oder aber zu einer der vormaligen freien Ritterkantone (wegen
reichsunmittelbaren Beſitzes) gehört hätten, und ſchließlich allen
den Familien, welchen, ohne daß ſie beſondere Freiherrn⸗
diplome aufzuweiſen hätten, die Führung reſp. Weiterführung
dieſes Titels, nach Verjährung ac. vom Landesherrn zuer⸗
| fannt wäre.
Letztere Fälle find beſonders in den baltiſchen Provinzen
| vorherrſchend, wo den dortigen alten Familien (meiſt einge⸗
wandert zur Ordenszeit von Weſtfalen ꝛc.) nachdem ſie bis zu
einer gewiſſen Zeit adligen Beſitz daſelbſt nachgewieſen, durch
beſondere Senats⸗Geſammt⸗Ukaſe z. B. vom 18. Mai 1834,
3. April 1862 x. die Erlaubniß ertheilt wurde, den Frei⸗
herrntitel zu gebrauchen.
Nachdem Herr Baron von Saurma noch auf eine an ihn
gerichtete Frage einen kurzen Bericht über die Entſtehung der
verſchiedenen Wappen in ſeiner Familie (Linien Jeltſch und
Zülzendorf⸗Ruppersdorf) gegeben, wurde die Sitzung gegen 9
| Uhr geſchloſſen.
| Zur Beglaubigung:
| J. V.: Gritzner, Schatzmeiſter.
| Eine Kabinets⸗Ordre Friedrichs des Großen und
die Abſtammung der Freiherren Steengracht
auf Moyland und Till im Cleve'ſchen von den
Grafen von der Mark.
des Großen im Königlichen Geheimen Staatsarchive:
„Mein lieber Geheimer Etats-ministre Graf v. Podewils.
|
| Zu Berlin befindet ſich folgende Cabinetsordre Friedrichs
Nachdem Ich aus bewegenden Urſachen reſolviret habe, den
ſonder Zweiffel Euch bereits ſchon bekannten Steingrach
(sic!) v. Soubourg welcher ſich in Meinen Landen völlig
etabliret, ein Patent zum Grafen zu accordiren; So iſt
Mein Wille, daß Ihr das nöthige desfalls der Geheimen Cantzley
zu Berlin aufgebet inzwiſchen aber zugleich das erforderliche
dieſerwegen ſo arrangiren ſollet, auf daß vor der Hand da⸗
von noch kein eclat gemachet werden müße. Ich bin Euer
wohlaffectionirter König. -
Potsdam, deu 2. November 1751.
/ (gez.) Friedrich.
An den Etats-Ministre Gr. v. Podewils zu Berlin.“
(S. auch v. Ledebur, Archiv für D. Adelsgeſch. I. 342.)
Der hier genannte niederländiſche Patrizier war Adrian
Steengracht de Wiſch et Soubourg, Freiherr der „Hoheit“
von Wiſch, Herr auf Moyland, Till, Oſſenbroich, Huet, alles
bei Emmerich; Slangenburg in Geldern, Oft- und Weſt⸗Soubourg,
Abeele, St. Aldegonde in Seeland, Echevin et Conſeiller der
Stadt Middelburg. Nachher Grand⸗Bailli der Domänen Seen⸗
lands weſtlich der Schelde, geb, 1720 + 1773. Er erhielt
erſt pfandweiſe, dann zum erblichen Beſitzthum von Friedrich
dem Großen, dem er pecuniäre Dienſte erwieſen hatte, die frü⸗
her Spaen'ſchen nachher Königlichen Güter Moyland (berühmt
durch die erſte Zuſammenkunft Friedrichs mit Voltaire, ſ. Carlyle
Life of Frederich the Great) u. ſ. w. im Cleve'ſchen, und
ſtammte in ſechſter Generation ab von einem Hubert de Jonge ge⸗
nannt Steengracht (+ 1618,) Bürgermeiſter von Zieritzee, Conſeiller
depute und Rath bei der Admiralität in Seeland, viertem
Sohne des Johann Anton de Jonge, geb. 1520. Dieſer er⸗
hielt d. d. Brielle 3. November 1571 vom Grafen von der
Mark, Wilhelm, Baron von Lumain, Serein, Bourſet, Erbvoigt
von Franchimont, unter Beifügung der Filiation
ein Atteſtat über ſeine Abſtammung von dem
Gräflichen Hauſe von der Mark, welches noch in origi—
nali im Haag aufbewahrt wird.
Jetziger Beſitzer der Güter Moyland, Till u. |. w. iſt
Freiherr Nicolas Adrian Steengracht, geb. 1834, Königlich
Niederländiſcher Kammerherr, (vermählt 1868 mit der Baro⸗
neſſe Maria Theodora von Herzeele, aus dem uralten, ſchon
vor 1200 urkundlich erſcheinenden aus Herſel bei Köln ſtam⸗
menden, 1689 von Spanien mit der Marquiswürde begnadig⸗
ten Hauſe Herzeele, Herſelles, welcher wie ſeine Vorfahren,
von der Preußiſchen Regierung den Freiherrntitel erhielt.)
Leider iſt, bei der in den Niederlanden herrſchenden
Wappenvariabilität, in dem jetzigen Steengracht'ſchen Wappen
72
von dem urſprünglich v. d. Mark'ſchen Nichts mehr übrig ge⸗
blieben, ſondern daſſelbe aus den Wappen dreier verſchiedenen
Familien zuſammengeſtellt. Der Obengenannte Adrian S.
führte es mit einem Freiviertel von de Rupyter, wegen ſeines
mütterlichen Urgroßvaters, des berühmten Admirals, Däniſchen
Edelmannes, ſpaniſchen Herzogs u. ſ. w.
Berlin, den 28. Auguſt 1871. v. Fock.
* Sandeshoheiten.
Unter obigen Titel bringt Nr. 7 des „Herold“ einen
Artikel, der in mehrfacher Beziehung der Berichtigung und Er—
gänzung bedarf. Ueberhaupt wird es ſehr ſchwer ſein, ein
vollkommen richtiges Verzeichniß der Territorien herzuſtellen,
bi
deren Beſitzer über dieſelben Landeshoheit beſaßen, da eines⸗
theils der Begriff der Landeshoheit zur Zeit des deutschen
Reiches eigentlich nie vollkommen feſtſtand, anderntheils aber
die Hoheitsrechte in den einzelnen Fällen ſo beſtritten und
wohl auch getheilt waren, daß es zuweilen kaum mehr möglich
iſt, das Richtige zu finden. Dies weiter zu erörtern iſt hier
nicht meine Abſicht; ich will vielmehr nur im Vorübergehen
einige Notizen zur Richtigſtellung mehrerer der angeführten
Nummern beibringen.
Der oben erwähnte Artikel will ein Verzeichniß bringen
„jener Familienhäupter des Reichsadels, welche bei Auflöſung
„des deutſchen Reiches über die hier genannten Zerriterien
„Landeshoheit beſaßen, ohne wegen derſelben Reichsſtände zu
„ſein noch zur freien Reichsritterſchaft wegen derſelben
„zu gehören.“ Dagegen läßt ſich verſchiedenes vorbringen und
zwar z. B. gegen:
Nr. 12) lautend: „der Reichsfreiherr v. Sickingen
„wegen der Herrſchaft Ebernburg zur vorderen Grafſchaft Spon—
„heim im Oberrheiniſchen Kreiſe.“
Hierzu iſt nun zu bemerken, daß Ebernburg zur Zeit
der Auflöſung des Deutſchen Reiches dem Grafen v. Sickingen
gar nicht mehr gehörte. Nach langjährigen Proceſſen und
Verhandlungen verzichtete nämlich i. J. 1771 das von
Sickingen'ſche Geſchlecht gegen eine Entſchädigung von
90,000 Fl. auf alle Anſprüche auf dieſe Herrſchaft zu Gun—
ſten von Baden und Pfalz, und wurde dieſelbe nun mit
der Grafſchaft Sponheim vereinigt. Uebrigens war Ebern—
burg allerdings reichsritterſchaftlich, und verzichtete die Reichs-
ritterſchaft auch erſt in dem oben angeführten Jahre auf ihr
Beſteuerungsrecht unter der Bedingung, daß ihr dafür andere
bisher mittelbare Güter einverleibt würden. — Schließlich iſt
zu bemerken, daß der Graf v. Sickingen zur Zeit der
Auflöſung des deutſchen Reiches nicht nur als Perſonaliſt,
ſondern ſeit 1779 als wirklicher Reichsſtand bei der ſchwäbi⸗
ſchen Grafenbank eingeführt war. —
Nr. 16) lautet: „der Reichsgraf v. Walderdorff we—
„gen Herrſchaft Molsberg zu der Grafſchaft Nieder-
„Iſenburg im Kurrheiniſchen Kreiſe.“ Das iſt vollkommen
unrichtig. Die Herrſchaft Molsberg hatte weder örtlich
noch ſtaatsrechtlich den mindeſten Zuſammenhang mit der
Grafſchaft Nieder⸗I ſen burg. Molsberg liegt in
der Gegend von Limburg an der Lahn und hatte urſprüng⸗
lich ſeine eigenen Dynaſten; ſpäter kam die Herrſchaft an Trier;
von Trier gedieh fie an Walder dorff, jedoch mit Vor⸗
behalt der Landeshoheit für Churtrier. Bekanntlich wollte
Trier dem innerhalb ſeines Gebietes anſäſſigen Adel die Reichs—
unmittelbarkeit nicht zugeſtehen, doch wurde der langjährige
Streit endlich im Jahre 1729 endlich dahin geſchlichtet, daß
der genannte Adel definitiv als reichsunmittelbar anerkannt
wurde; übrigens gehörten die von Walderdorff ohnehin von
jeher zur freien Reichsritterſchaft. Das verhinderte aber alles
nicht, daß Churtrier gewiſſe Hoheitsrechte über die Herrſchaft
Molsberg ſtets behielt. — Ein ganz anderes Verhältniß
hat es jedoch mit der Grafſchaft Nieder-Iſenburg, land-
einwärts zwiſchen Coblenz und Wied gelegen. Nach dem
Tode des letzten Grafen v. Nieder-Iſen burg⸗Grenzau
zog Churtrier den größten Theil der Grafſchaft an ſich; im
kleineren Theile folgten Walderdorff und Wied nach, und
beſaßen, nachdem langjährige Streitigkeiten zwiſchen allen Be⸗
theiligten endlich geſchlichtet waren, ihren Antheil bei der Auf-
73
löſung des deutſchen Reiches noch gemeinſchaftlich. Die Stimme,
für Nieder⸗-Iſenburg führte zwar Churtrier; in der
Reichs⸗Matrikel, z. B. v. J. 1776, wurden aber die drei Theil⸗
haber mit ihren Matikularbeiträgen einzeln vorgetragen, wie
dieſelben auch ihre Reichscontingente zu ſtellen hatten. Es
war alſo in dieſem letztern Falle der Graf v. Walder dorff
reichsunmittelbar als Mitbeſitzer einer Reichsgrafſchaft, während
er Molsberg nur als reichsunmittelbarer Edelmann beſaß.
Nr. 11) lautet: „die Reichs⸗Freiherrn von Reitzenſtein
„zur Reuth wegen der ehemals Sparneckiſchen Reichslehne zu
„Markt Redwitz, Dörflas und Bernſtein, Oberpfalz.“ Das
ſtimmt auch nicht. Vor allem muß erwähnt werden, daß zwar
die Veſte Reuth, welche das Geſchlecht von Reitzenſte in
durch Kauf erwarb, in der Oberpfalz liegt; keineswegs iſt dies
aber mit den erwähnten Reichsafterlehen der Fall, dieſelben
liegen vielmehr im ſogenannten Egerlande; Markt Redwitz
gehörte der Stadt Eger und bildete eine unter Kgl. böh—
miſcher Hoheit ſtehende Enclave zwiſchen Oberpfalz und
Brandenburg-Culmbach; Dörflas und Bernſtein
dagegen liegen im Culmbach'ſchen Amte Wunſiedel unter
Brandenburg'ſcher Hoheit. Von reichsunmittelbaren Terri—
torien kann alſo hier nicht die Rede ſein, und dies um ſo
weniger, da dieſe 1769 an Reitze n ſte in gediehenen Reichs⸗
afterlehen überhaupt nur aus einzelnen Gefällen beſtanden;
letztere waren Reichslehen, nicht aber die Landeshoheit über
Theile der genannten Orte, die wie, geſagt, brandenburgiſch war.
So würde ſich auch bei den übrigen Nummern noch
manche Erläuterung und Berichtigung ergeben. H. W.
Berichtigung
zum Aufſatze „die Deutſchen Farben“ in Nr. 10 (1870)
des „Deut ſchen Herold“.
In dem obenbezeichneten Aufſatze über die „Deutſchen
Farben“ wird Seite 69 behauptet, daß die böhmiſchen Herzoge
bereits 1225 den Doppeladler führten, wie ein Siegel an einer
Urkunde im Archive zu Breslau beweiſe. Auf dieſe angeb—
liche Entdeckung wurden eine Reihe ganz unzuläſſiger Folger⸗
ungen gebaut, die nunmehr mit der Entdeckung ſelbſt zu:
ſammenſtürzen. In Nr 5 des Correſpondenzblattes des Ge:
ſammtvereins der deutſchen Geſchichts- und Alterthumsvereine
hat nämlich Fürſt F. K. von Hohenlohe nachgewieſen, daß die
eine Hälfte des angeblichen Doppeladlers ein Löwe (der böh—⸗
miſche Löwe) iſt! — Uebrigens hatte A. Schulz, der die un⸗
richtige Abbildung obigen Siegels gebracht, ſeinen Irrthum be—
reits eingeſehen und bei der Beſchreibung des Siegels berichtigt;
es hätte alſo die Behauptung von dem angeblich böhmiſchen
Doppeladler nicht wieder erneuert werden ſollen.
H. W.
* Zum Wappen Wittekinds.
In Nr. 5 und 6 des „Herold“ erſchien ein Aufſatz über
das Wappen Wittekinds, worin unter andern auch des
Phantaſiewappens Karls des Großen erwähnt wird, welches
Karl IV. (2) an der Tumba des alten Sachſenherzogs an⸗
bringen ließ. Es wird dort behauptet, dieſes Wappen ſei in
den Monument: Paderborn: folgendermaßen abgebildet: „Ein
geſpaltener Schild, in deſſen vorderer Hälfte ein ſchwarzer, halber
Adler in Weiß, und in der linken Hälfte ſieben weiße Sterne (!)
in Gelb zu ſehen ſind.“ — Dieſe Behauptung iſt aber ganz
ungenau; Die Mo. Pad. weiſen vielmehr das Wappen ganz
richtig jo auf, wie es ſich die Heraldiker des fpäteren Mittel-
alters vorſtellten, nämlich einen monogrammatiſch aus dem deut⸗
ſchen Kaiſerwappen und dem Wappen der franzöſiſchen Könige
zuſammengeſtellten Schild, in deſſen rechter Hälfte der halbe
Reichsadler zu ſehen iſt, während die linke Schildſeite mit den
franzöſiſchen Lilien (urſprünglich Bienen — noch richtiger
Todtenköpfe [Schmetterlinge]) beſät if. Was die Farben betrifft,
ſo war bekanntlich zur Zeit, als die Monunm. Paderb. erſchienen,
die jetzt übliche Bezeichnung derſelben mit Schraffirung noch
nicht bekannt, abgeſehen davon, daß an der Tumba Farben
ſchon gar nicht zu entnehmen waren; die im fraglichen Auf⸗
ſatze enthaltenen Angaben über dieſelben ſind daher nicht ſtich⸗
haltig; nur iſt aus der dunkeln Haltung der Abbildung des
Adlers zu erſehen, daß derſelbe ſchwarz ſein ſoll. — Aus ge⸗
malten Wappenbüchern geht jedoch hervor, daß man ſich das
Feld mit dem halben Adler ſelbſtverſtändlich gelb dachte; dagegen
erſcheint das Feld mit den Lilien bald blau und bald weiß.
In Grünebergs Wappenbuch ſind z. B. die Lilien auf weißem
Felde zwiſchen rautenförmigem rothem Gitter angebracht; in
anderen Wappenbüchern erſcheinen ſie wie geſagt in blauem
Felde; noch an anderen Orten iſt der große Schild mit einem
Herzſchilde mit den bayeriſchen weißblauen Rauten belegt, die
Vereinigung der Reiche Deutſchland und Frankreich und des
Herzogthums Bayern unter den Karolingern andeutend. Einen
Schild mit letzterem Wappen hat z. B. auch die Statue eines
karolingiſchen Kaiſers (wahrſcheinlich Karls des Großen) auf
einem Brunnen des 16. Jahrhunderts im Vorhofe des ehe⸗
maligen Reichsſtiftes St. Emmeran in Regensburg“). Ich
möchte ſogar vermuthen, daß das »benerwähnte rautenförmige
Gitter ebenfalls auf die bayeriſchen Rauten Bezug nimmt und
nur aus Mißverſtändniß fo geſtellt wurde, wie es Grüneberg
hat. Uebrigens empfehlen wir allen Heraldikern, die dazu in
der Lage ſind, die Tumba Wittekinds einer eingehenderen Prü⸗
fung zu unterwerfen, da es in mehrfachen Beziehungen von
Wichtigkeit wäre, feſtzuſtellen, ob das angebliche Wappen Karls
des Großen ſchon im 14. Jahrhundert aufgekommen iſt.
H. W.
Redende Wappen.
Wenn auch die redenden Wappen mit zu den älteſten ge⸗
hören, ſo ſcheinen dieſelben doch urſprünglich nur vom niedern
Adel geführt worden zu ſein.
Ausnahmen hat es auch wohl von dieſer Regel gegeben;
es wäre intereſſant ſie zu ſammeln und zuſammen zu ſtellen.
Wir erſuchen daher alle Freunde mittelalterlicher Heraldik
um gefällige Mittheilung in dieſen Blättern, der ihnen be-
kannten redenden Dynaſten-Wappen, (von Herzogen, Grafen
und freien Herren,) aus dem XII. und XIII. Jabrhundert.
) Vergleiche (9. Graf v. Walderdorff) Regensburg in ſeiner
Vergangenheit und Gegenwart. Mit vielen Holzſchnitten und zwei
Plänen. — Regensburg, 1869. 8. S. 127. —
Matrikel.
74
(Fortſetzung.)
Jahr
Datum
Datum |® Jahr
77 1915
mtl.
des Diploms. Publ.
1710 21. Mai
3. Juni
24. Juli
Hory.
Mascow.
Chevalier.
Meuron.
Ougier.
Heilsberg.
Mopfeld.
Pabſt.
Bartholdi v. Micran⸗
der.
Mayersthal.
(Grone von)
Königsegg.
Flemming.
Inhalt
des
8 .
A.
(nicht
conf.)
conf. A.
u. Wm.
an. A.
conf. A.
an. Frh.
an. Grf.
Diplom
für
Joſoe, Staatsrath, David
Francois und Francois,
Prediger, ſämmtlich zu
Neufchätel.
Jonas H., Staatsrath
zu Neufchätel.
Peter v. M., kgl. Schwed.
Pommerſcher Conſiſt.⸗
Direktor und Profeſſor
zu Greifswald.
Jean Rudolphe, vormal.
k. franzöſ. Schweizer
gardiſt, Theodor, Oberſt⸗
lieut. in Neufchätel,
Simon, Staatsrath zu
Thielle daſelbſt und des
letzteren gleichnamigen
Sohn, Cavalleriemajor.
Etienne M., Staatsrath
zu Neufchätel.
Benjamin O., Sekretair
Greffier und Archivar
in Neufchatel.
Fr. H., Capitain bei
Pannewitz⸗Dragoner.
Ganze Familie.
Joh. Moritz, Juſtiz⸗ u.
Hofger.⸗Rath, Joh. Hein⸗
rich Weg⸗Graf in Cleve⸗
Mark, Vettern v. P.
Fr. Heinr. v. B., Geh.
Rath, Reg.⸗Präſ. zu
Halberſtadt, Schwieger⸗
ſohn des 1682 gefreie⸗
ten ah 1
Anna 1 Meyer
und ihre, mit dem Ober⸗
ſten Johann Levin v.
Grone erzeugten Söhne |
Joh. Friedrich u. Wilh.
Auguſt als „v. Mayers—
thal.“
Wilh. Fabian v. K.,
Oberſt.
Georg Ludwig v. F.
Wappen.
Köhne 111.23.
Köhne III. 56.
Köhne 111.95.
Gevierdtet.!.
u. IV.: mit
1 Sparren
belegter, von
2 Adler⸗
rümpfen be⸗
gleiteter
Schrägrechts⸗
balken. II. u.
III.: 3 (2. J.)
große lat. F.
Ein Helm.
Köhne
III. 100.
Köhne IV. 15.
Köhne III. 43.
Led. 1. 122.
Bruſtbild
eines Pabſtes.
Köhne II. 49.
Köhne III. 96.
Köhne II. 44.
Köhne J. 39.
Bemerkungen.
Ein v. G. hatte bereits anro
1522 den R. A. erhalten.
Wann Adelserhebung?
Schwed. Adelſt. d. d. 10. 7
1688 für denſelben.
Deſſen Vorfahren hatten be⸗
reits dies Wappen u ka.
Wappenbrief d. d. 22. 9. 1553
verliehen 2 901%
Den Gebrüdern Theodor, Itan
Jacques und Simon Ch. Hatte
d. d. 4. 10. 1681 die Herzogin
von Nemours den Adel ver-
liehen. (Feld I. des neben-
ſtehenden Wappens.)
©
Vgl. 11. 11. 1763; 3. 12
1789; 11. 3. 1828; 9. 1.
1830
Diplom 6 (nicht 2) Jahre vor⸗
datirt.
Wann nob?
R. A. d. d. 25. Oct. 1708
für dieſelben als „v. May⸗
ersthal.“
[Vgl. Grone. Led. Archiv 1.
296 und II. 15 ſowie Matri⸗
kel 8. 5. 1655.
Rfrh. d. d.. . 1694 für
denſelben.
R. Grf. d. d. Dresden, 16. 8.
1711 für denſelben.
Eine fernere Erhebung in den
Reichsgrafenſtand mit demſel⸗
ben Wappen erfolgte d. d. 9.
N
}
?
l
1
Datum
Jahr Datum || Jahr Inhalt Diplom
— — der Name. des i
des Diploms. Publie Diploms. für
171215. Dez. Mardefeld. an. Frh. Guſtav Frh. v. M.,
Präſident zu Magdeburg.
„ 20. Dez. Neheim. (Nehem.) | an. A. Den Senior der Familie
a durch A. C. O., welche die
Zulaſſung zum Cleve⸗
ſchen Landtage aus⸗
ſpricht.
1 ‚ Rumpf). an. A. are
Heinrich Franz v. R.
1743. 1. Jan Loellhoeffel von Loe⸗ A. Georg Fr. Loellhoeffel,
wenſprung. Kgl. Hofrath, Geſandter
in Warſchau, nebſt Brü⸗
dern und Vettern mit
| „v. Loewenſprung.“
1 Jacquet. A. Pierre J., Mitglied des
(nicht großen Raths zu Genf.
| 1813.) j
„ 11. Mai Thiele. (nicht Thile.) A. Martin T., Oberſtlieute⸗
nant im Regiment
Grumbckow.
1 Juli Hirſchfeld. A. Martin H., Lieutenant
(nicht und deſſen 3 Söhne,
1714.) von denen zwei Lieute⸗
nants, einer Sergeant
war.
„PDA Sa Manteuffel. an. Frh. Ernſt Chriſtoph, Königl.
(+ Linie.) Poln. und Churſ. Ca⸗
binetsminiſter.
„ 13. Nov. Dörffler. an. A. Joh. Andreas v. D.,
Neumärkiſchen Kammer⸗
Gerichts⸗Advokat.
„ 29. Dez. Boneukamp v. d. an. Peter Otto B., Gemahl
ö Hoeven. frh. A. [der Erbtochter derer von
| der Hoeven.
171425. März Schaper. A. Joh. Fr. S., Hofge⸗
(Notifi. an richts⸗ u. Commiſſariats⸗
die Pomm. Rath in Pommern.
Regie⸗
rung)
(Fortſetzung folgt)
Wappen.
(Nr. d. Dipl.
1708.)
Dieſelben
Bilder, aber
Bemerkungen.
Januar 1721 für die Iviſche
Linie (Felir Friedr.), welche
noch blüht.
Vgl. auch 30. 10. 1701. —
d. d. 1708 Reichs⸗
ſchräggeviertet. 5 wurde Jacob Heinrich
Köhne II. 48.
Balken be⸗
gleitet von 7
Herzen.
Led. II. 325.
Köhne III. 85.
Köhne III. 59.
Köhne IV. 75.
Gev.
Adlerfuß,
Arm mit
Schwert.
Köhne III. 51.
geſpalten,
vorn ein
Adlerfuß mit
Pfeilen,
hinten der
Hund.
Köhne 11.49.
Stw. mit
Freiherrn⸗
krone.
Köhne III. 6.
Köhne II. 40.
Köhne IV. 34.
gel und erhielt nebſt ſeinen
ettern Joh. George, Adam
Friedrich und Felix Friedrich
d. d. 16. 3. 1725 das ſchle⸗
ſiſche Incolat im Herrenſtande.
Kgl. ſchwed. Adel für Conrad
Maasberg, ſchwed. Oberſten d. d.
20. 1. 1646 als v. Mardefeld u.
Freiherrnſtand d. d. 9. Juni 1677
für denſelben als Gen⸗Feldmar⸗
ſchall und Gouv. von Pommern.
Aus dieſer Familie ſtammt der
im Polniſchen Aufſtande von
1864 bekannte Polnſche Partei⸗
gänger von Lelewel.
Vgl. 25. 11. 1719.
Vgl. 16. 2. 1787 und
13 5. 1787
Rfrh. d. d. 10. 3. 1709 für
denſelben, welcher d. d. 19. 8.
1719 auch Reichsgraf wurde,
jedoch 1749 ohne männliche
Erben verſtarb.
Vgl. 15. 1. 1720!
R. A d. d 16. 1 1693 fm
Peter D. zu Nürnberg, ſeinen
Vater.
Frhl. A. d. d. 11. September
1710 vom Kaiſer für den—
ſelben.
Mit ganz demſelben Wappen,
(nur ſtatt 2 überall Roth) hat
ſpäter der bei Led. II. 350 sub 11.
erwähnte Joh. Ludwig v. S.
durch Diplom d. d. Wien 21. 2.
1729 den Reichsadelſtand erhal⸗
ten. (Vgl. auch 10. 7 1789.)
2 2 8
Antieritica.
Ju der Doppelnummer 5 und 6 dieſer Zeitſchrift bat
Herr C. Chl. Fhr. v. R. Mehreres, z. Th. auf von mir ver⸗
faßte Abhandlungen bezüglich, veröffentlicht, was einer Auf⸗
klärung und Berichtigung bedarf. a f
1) Wenn Hr. v. R. die Zugehörigkeit der mit den drei
Blättern im Schilde ſiegelnden Hrn. v. Werther zu dem Stamme
des noch heute blübenden Geſchlechtes gl. N. mit dem dreimal
beblätterten Baumaſt im Schilde anzweifelt, ſo entwerthet dieſe
bloſe, jedes Beweiſes entbehrende Vermuthung der Umſtand,
daß die beregten Herren v. W. mit dem erſteren Wappen ſich
unter den Ahnen und im Stammbaum des heutigen Geſchlechts
befinden. Eben ſo wenig zu begründen dürfte die Vermuthung
ſein, daß der Ring auf den alten Wertherſchen Helmen ſich
auf ſo indirecte Weiſe von den „Herren des Lehnhofes, zu
dem die Lehnsherren der v. Werther gehörten,“ herſchreibe.
2) Hinſichtlich des Beiſpiels der v. Beulwitz' chen „Wappen⸗
Entſtellung“ walten erhebliche Bedenken ob. Da der geehrte Hr.
Referent weder die Namen der Beulwitz ſchen Siegelführer vor
der Mitte des 15. Jahrhunderts, noch die Urkunden, an denen
ſich die qu. Siegel befinden und deren Aufbewahrungsort an⸗
giebt, ſo iſt eine nähere Prüfung ſeiner Behauptung nicht moͤg⸗
lich, deren Schlußpaſſus „die Siegelſchneider haben überſehen“
u. ſ. w. mir nicht verſtändlich if. Die Sache liegt — den
Vorkommniſſen bei einem faſt gleichen Wappen zufolge — wohl
etwas anders als Hr. v. R. meint. 5
Eine angeſehene, ſtets des heutigen Adelsprädicats „von“
ſich bedienende Magdeburgiſche Stadtfamilie von Steinbeck
führt nach Ausweis mehrerer im Magdeburger Staatsarchtwe
beſindlicher Siegel (ſo Caſpar v. St. 1569 und ein anderer
Caſpar v. St. 1616) im Schilde einen Halbmond, (nit
Geſicht) begleitet von drei Lilien, oben zwei, unten einer. Dieſe
Familie hat ſich entſchieden auf ein rittermäßiges (landadeliges)
Geſchlecht gl. N. zurückgeführt, von dem uns auch die Siegel
dreier Mitglieder im gedachten Archiv erhalten ſind. Ritter
Lippold v. St. (im halberſtädtiſchen Stift) bedient ſich auf
ſeinem dreieckigen Siegel an einer Urkunde v. J. 1362 als
Wappenbild eines ſtarken Ringes, der in Form eines
Schächerkreuzes mit drei halb aus der Peripherie
hervortretenden Lilien beſteckt iſt. (Unſere Anſicht, daß dieſe
Figur ad simile des bekannten von Eberſtein'ſchen Wappen⸗
bildes eine mit Lilienornamenten verzierte Spange darſtelle, ift
hier indifferent.) Im J. 1407 zeigt das Wappen des Magde⸗
burger Domprobſtes Lippold v. St. auf ſeinem Siegel genau
dieſelbe Figur, nur muß das Innere des Ringes, das ſich
etwas gedrückt hat, mit einer Zeichnung verſehen geweſen fein,
und daß dieſe ein Geſicht dargeſtellt haben wird, läßt ſein
Grabſtein im Kreuzgange des Magdeburger Domes ziemlich
ſicher annehmen, da hier als ſein Schildemblem ſich ein wirk⸗
licher Halbmond in heutiger Figuration zwiſchen den 3 in's
Schächerkreuz geſtellten ganzen Lilien zeigt; dagegen zeigt das
im gedachten Archiv befindliche Siegel Burchards v. St.,
Cantors des Erzſtifts Magdeburg, v. J. 1452 eine kreisför⸗
mige mit den halben Lilien ſchächerkreuzförmig beſteckte Scheibe,
welche an der einen Seite breit⸗doppellinig und
an dieſer mit einem Geſicht verſehen iſt, während
die andere Hälfte der Peripherie einlinig iſt, der⸗
geſtalt daß die Scheibe aus den zu ſam menlau⸗
fenden Hörnern der Halbmondſichel gebildetwird.
Es iſt hiernach ſehr merkwürdig, daß wir bei den von
76
Steinbeck denſelben Vorgang wahrnehmen, wie bei denen von
Beulwitz, nnd nach dem Angeführten kann hier nicht auf eine
Nachläſſigkeit der Siegelſchneider geſchloſſen werden, ſondern auf
eine bewußte Abſicht derſelben oder der Siegelführer ſelbſt. Es
iſt zu beachten, daß auf dem erwähnten Siegel von 1452 das
Geſicht des Halbmondes, deſſen Hörner in ein—
linige Spitzen auslaufen, zu ſammengehen, und
einen Kreis bilden, en face gezeichnet und nicht
in der Mitte, ſondern an der Seite des Doppel-
randes angebracht iſt, ſo daß in der That ein Halbmond
erſcheint. Wie nun dieſe Variationen zu erklären find, darüber
würde eine Ausführung den uns hier zugemeſſenen Raum
überbieten; jedenfalls bleibt es fraglich, ob nicht in derſelben
Weiſe wie bei den v. Steinbeck, auch bei den v. Beulwitz auf
natürliche und nicht in entſtellender Weiſe ſich das
heutige Wappenbild entwickelte, ebenſo wie die bürgerlichen v.
St. einen Halbmond anzunehmen kein Bedenken trugen.
Unrichtig iſt die von dem Hrn. Ref. gemachte Angabe,
daß die v. B. bis in die Mitte des 15. Jahrh. einen Voll⸗
mond u. ſ. w. geführt haben. In einem ſehr merkwürdizen
handſchriftlichen, ſicherlich, wie keines, nach Siegeln gezeichneten
und illuminirten Wappen ouche aus dem Ende des 16. eder
Anfang des 17. Jahrhunderts, worüber ich in den Preuß.
Provinzialblättern Jahrg. 1849 S 432 ff. gebandelt habe iſt
Fol. 31. v. ein gelber Vollmond in der Mitte des Beul—
witziſchen Schildes zu ſehen.
3) Zu bedauern iſt die ungenaue Angabe über das „Miün-
chener“ Siegel eines Herrn v. Bünau an einer Urkunde von
etwa 1260. Es wäre mindeſtens zu wünſchen geweſen, dem
Siegelinhaber mit ſeinem Taufnamen genannt zu ſehen, da der
Herr Referent nicht zu wiſſen ſcheint, daß bei dem Meißniſch⸗
Sächſiſchen Geſchlecht v. Bünau ſich conſequent von deſſen er—
ſtem Erſcheinen an nur die Taufnamen Heinrich, Günther und
Rudolph finden, ſo daß er in einem Irrthum befangen iſt, das
Mansfeldiſche Geſchlecht mit den Vögeln im geſpaltenen Schilde
als zu jenem gehörig zu betrachten, da bei ihnen jene Tauf-
namen niemals vorkommen. Es kann ſich nicht darum han—
deln, was in dem Schilde der nur im Manfeldiſchen ſich zei-
genden Herren v. Bünow (auch oft ohne Präpoſition ſchon früh vor⸗
kommend) dargeſtellt ſein ſoll, ſondern was darin wirklich
dargeſtellt iſt, und dies ſind, nach Ausweis mehrerer Siegel,
ganz beſtimmt Vögel und nicht Bienen, fo ſehr der Namens⸗
klang auch an dieſe zu denken auffordert. Eine ſolche Conſe⸗
quenz trügt, wie wir ja eine Reihe von Adelsgeſchlechtern
mit Thiernamen kennen, die nicht die entſprechenden Thiere in
ihren Wappen führen, wie die v. Lau (Löwe) Hirſch, Fink
u. A. m. In der Zeitſchrift des Harzvereins iſt II. 2. Fink,
S. 180 ff. ein Bünaufches Siegel nicht blos beſchrieben, ſon⸗
dern auch abgebildet, und zwar von ſo ſachverſtändiger
Hand, daß kein Zweifel über die Figuren obwalten kann, die
ſich auch in einem anderen wohl erhaltenen publicirten Siegel
zeigen. Eine ganz ungegründete Vermuthung iſt es daher ferner,
daß der geſpaltene Schild der Mansfeldiſchen Bünau auf das
gleichartige Feld im vermehrten Wappen der Meißniſchen Bünau
zurückzuführen ſein könne. Wenn der geehrte Herr Ref. nicht
zwei Familien v. Bünau völlig verſchiedenen Stammes
(die v. B. im Oſterlande und die v. B. in Meißen und Sachſen)
ſtatuirt, was aus ſeinen Anführungen nicht erſichtlich iſt, ſo
iſt ſeine Angabe nicht verſtändlich, daß die v. B. im Oſter⸗
lande „urſprünglich“ ſich eines geſpaltenen Schildes bedient
7
haben, während er doch ſchon 1260 ein Bünauſches Siegel mit
einer Biene „im romaniſchen Styl“ (2) geſehen haben will. Es
müßte daher, iſt an eine Familie zu denken, das erſtere Wappen
noch vor d. J. 1260 auf einem Siegel erſcheinen.
Das von uns an der obigen Stelle der Zeitſchrift des
Harzvereins allegirte uns bekannte älteſte Siegel der Meiß⸗
niſch⸗Sächſiſchen Herren v. B. v. J. 1367, das wir aus Aut⸗
opſtie kennen, könnte, da die Lilie, faſt das ganze Siegelfeld
einnehmend, Hauptfigur iſt,“) zu der Annahme berechtigen, daß
man den mittleren oberen breiten Strahl der heraldiſchen Lilie
ebenſo mit einem Löwenkopfe ornamentirt habe, wie wir z. B.
auf Siegeln der Edlen v. Barby, Grafen v. Mühlingen, den
obern Flügelknochen des halben Adlers in ihrem Schilde auf
dieſelbe Weiſe verziert ſehen. Dem ſei indeß wie ihm wolle,
an eine Stammesgemeinſchaft der heutigen Herren v. B. mit
dem erloſchenen Mansfeldiſchen Geſchlecht gl. N. iſt aus den
angeführten Gründen auf keinen Fall zu denken.
4) Die von dem geehrten Herrn Ref. behauptete Stammes⸗
gemeinſchaft der Herren v. Marſchall auf Burgholzhauſen und
Altengottern und der vom (nicht von) Hagen im Eichsfelde
mit den erloſchenen Truchſeſſen v. Schlotheim iſt ebenſo wenig
beweisbar, als die der erſten beiden Familien. Genauere gene—
alogiſche Studien der betreffenden Geſchlechter würden leicht
hiervon überzeugen, ebenſo wie die große Fülle von Siegeln
der Truchſeſſe v. Schlotheim und vom Hagen in den Stadt⸗
Archiven zu Mühlhauſen und Langenſalza, und dem Staats⸗
Archiv zu Magdeburg. Wir würden dem Hrn. Ref. aufrichtig
dankbar ſein, wenn derſelbe diejenigen Urkunden kurz anzeigte,
aus denen die Abſtammung der heutigen Freiherren v. S. von
den Truchſeſſen v. erhellet, und diejenigen Werke Thürin⸗
giſcher Forſcher, in denen durch Siegel der Beweis von
der behaupteten Wappen-Entſtellung erbracht iſt. Herr Frhr.
v. Ledebur hält in ſeinem Preuß. Adelslecicon II. S. 380
beide Familien gleichfalls für verſchieden.
5) Der Herr Ref. hat vollkommen Recht, wenn er das
heutige v. Dobeneck'ſche Wappen als ein aus dem früheren
entſtelltes anführt; aber die Möglichkeit der Originirung des
neuen Schildemblems, ſo wie ſie angenommen worden, verbietet
ſich durch den Umſtand, daß es zahlreiche Familien mit ähn⸗
lichen Emblemen giebt, und daß der Nachweis von einem durch
die v. D. ausgeübten Judenſchutze fehlt. Schwerlich haben der:
artige Rechte zu Bildungen eigenthümlicher Schildfiguren ges
führt. Vgl. auch meine Abhandlungen über die ſogenannten
Judenköpfe in der diesjährigen numismatiſchen Zeitung Nr. 14.
6) Wenn in eiuer Note zu dem Paſſus über die v. Do⸗
beneck andererſeits bemerkt iſt, daß die Familie v. Schierbrand
in Thüringen (nicht Sachſen) „früher“ drei ſchrägrechts geſtellte
brennende Aeſte im Schilde geführt habe, ſo iſt das unrichtig.
Nach Ausweis mehrerer in den Stadtarchiven zu Mühlhauſen
und Langenſalza befindlicher Siegel, deren älteſtes allerdings
nur aus dem Jabre 1467 datirt, führten die v. S. immer
drei ſchrägrechts geſtellte Wecken oder Rauten, (welche niemals
feblen) und zwar oben und unten je bald von 2 und 3, bald
von 2 und 2 deutlich erkennbaren Blättern beſeitet, die bald
lanzenförmig und ausgezackt, bald kleeblattförmig ſind. Niemals
—
—
+
*) Auch ein v. Bünau'ſcher Grabſtein im Domkreuzgange zu
Magdeburg aus dem 15. Jahrh. läßt die Lilie als Hauptſache, nnd
deren mittleres oberes Blatt ſich in einen ziemlich minutiöſen Thier⸗
kopf endigend ſehen.
zeigen ſich von da ab brennende Aeſte, es müßten ſich denn
noch ältere Siegel finden.
Die Familie v. S. führte aber keineswegs ein fpecifijches
ſo zu ſagen auf ſie allein berechnetes Wappen, denn die thü⸗
ringiſche Familie v. Lengefeld, z. B. ſo Hermann v. L. 1356
und die als Beichlingiſche Vaſallen von 1300 bis 1500
erſcheinenden Gecze oder Geze (in und um Weiſſenſee geſeſſen)
führten nach Ausweis ihrer reſp. in dem Mühlhäuſer und Mag⸗
deburger Archiv befindlichen Siegel genau daſſelbe Wappen
wie das von mir angegebene der Herren von Schierbrand, auch
was den Helmſchmuck anlangt. Sie ſind mithin bei der gro-
ßen Nähe ihrer Wohnſitze und bei gleichen Taufnamen eines
Stammes. Es ſteht dahin, welche von den Familien den
Haupt und Urzweig bildete, und ob, da die 3 Wecken oder Rau⸗
ten als das Hauptemblem aufzufaſſen ſind, etwa auf eine größere
Sippe, an deren Spitze die v. Amra und v. Bodungen (nicht
die mit dem ſpitzen Hut) im nahen Eichsfelde und in Thü⸗
ringen ſtehen, zurückzugehen iſt, da dieſe im Schilde jene drei
Figuren in derſelben Stellung führen. i
Auf die Behauptung des Herrn Ref. daß „der bet den
Polen vorkommende Halbmond“ aus „dem Türkenkriege“ ſtamme,
näher einzugehen, iſt hier nicht der Ort; wir überlaſſen es
polniſchen Heraldikern, an der Hand der alten Siegel des pol—
niſchen Uradels hierauf zu antworten, und bemerken nur noch,
daß uns eine Reihe von Siegeln ſlaviſcher (wendiſcher) urade⸗
liger Familien aus der Zeit vor der Gründung des Türken⸗
11 in Europa bekannt iſt und jederzeit nachgewieſen werden
ann.
Und ſo weiſen auch bei Deutſchen Geſchlechtern die hier
ſo ſelten vorkommenden Halbmonde weit über das Jahr 1453
zurück, wie die Beiſpiele der Herren v. Eilsleben im Mag⸗
deburgiſchen (1308 Johann von E. im Archiv des Kloſters
Marienborn) und v. Morungen, reich begütert bei Sanger⸗
hauſen (Heinrich v. M 1376 im Magdeburger Archiv), lehren.
Unbekannt iſt mir, wer die „Fabel“ von dem „polniſchen“
Urſprung der Herren v. Beulwitz erfunden oder verbreitet hat;
aber ein ſonſt wohlgeachteter Kenner der fränkiſchen Alterthümer,
Salver, behauptet allerdings (Proben des teutſchen Reichsadels
506, vgl. v. Meding, Nachricht v. adel. Wappen III. S. 48)
daß die von B. von ſorbiſcher (d. h. wendiſcher) Extraction
ſeien. Zu dieſer Anſicht hat ihm ſicher ebenſo wie das Wappen
auch der Name des Geſchlechts und ſeines Wohnſitzes Grund
gegeben. Daß dieſer Name dem ſlaviſchen Sprachidiom ange⸗
höre, iſt wohl eben ſo unbeſtreitbar, als daß die Gegend von
Saalfeld und das Vogtland, wo das Geſchlecht zuerſt auftritt
und ſeine Heimath hat, einſt durch und durch von Wenden
(Slaven) ſtark reſp. überwiegend bevölkert und bebaut geweſen
iſt.
II.
Bei Gelegenheit der Erwähnung einer nur aus wenigen
Zeilen beſtehenden Aeußerung über den Character und Typus
des v. Krachtſchen Wappens und die Herkunft dieſes Geſchlechts
in meiner Erläuterung zu einem abgebildeten Kracht'ſchen
Denkſtein kommt derſelbe Herr Referent auch auf die von mir
„an anderen Orten“ gegebene Herleitung der v. Bredow
und von Rochow aus wendiſcher Nationalität zu ſprechen, um
1) nur längſt Bekanntes über die v. Rochow wieder vorzu—
führen, 2) zu behaupten, daß „das Vorkommen des Bredow'—
ſchen Siegel- (doch wohl Wappen?) Bildes und anderer Wap—
pen angeblich wendiſchen Characters bei anderen deutſchen
78
Geſchlechtern nachzuweiſen ſein dürfte,“ und 3) um einen ſla-] Denkwürdigkeiten der Gräfin zu Schleswig⸗Holſtein, Lecnore
viſchen (wendiſchen) Wappentypus in Abrede zu ſtellen
Bei dem Mangel jeglicher poſitiven Angaben und Be—
gründung zumal unter näherer Unterſuchung ſpecieller Falle
kann man der Auslaſſung des geehrten Herrn Ref. einen Werth
nicht beimeſſen, und wir glauben, daß demſelben durch recht
genaues Studium der Heraldik des in den alt-wendiſchen Lan—
destheilen Deutſchlands eingeborenen Adels und ſeiner alteſten
ſphragiſtiſchen Denkmäler, im Vergleich mit den Typen der
Wappen des Adels aus ſächſiſcher, vayriſcher und fränkiſcher
Nationalität, der große Unterſchied der ſlaviſchen und deutſchen He—
raldik werde klar werden. Allerdings iſt eine eingehende und um—
faſſende Unterſuchung über dieſen Gegenſtand erſt zu ſchreiben,
und wird es auf die Gründe der Erläuterungen ankommen,
ob dieſelben ſich mit ein paar allgemeinen Worten abthun laſſen.
Ad 2 erlaube ich mir einfach an den geehrten Herrn Ref. die
Frage zu richten, ein einziges „altes deutſches“ Geſchlecht
namhaft machen zu wollen, welches die Figur des Bredow'ſchen
Wappenſchildes — und noch mehrerer Familien in den Wendlän—
dern, die dem Herrn Ref. unbekannt zu ſein ſcheinen — führt. Wir
würden ihm hierfür im Intereſſe der Wiſſenſchaft ſehr dankbar
fein. Wenn es nun die gelegentlich und anmerkungs—
weiſe irgendwo von mir ausgeſprochenen Anſicht üver den
Wappen⸗Charakter und die Herkunft der von Bredow iſt, gegen
die der Herr Ref. ſich wendet, ſo hätte er billig erſt die
Begründung der obigen Anſicht abwarten müſſen. Ad 5 finde
ich nur anzuführen, daß es mir nicht erinnerlich iſt, mich
irgendwo über die Herkunft der v. Rochow und den Charakter
ihres Wappenbildes ausgeſprochen zu haben, ſo daß alſo die
Bemerkung des Herrn Ref. mir nicht gelten kann.“) —
G. A. v. M.
Bibliographie.
Durch die Buchhandlung von Mitſcher & Röſtell, Berlin, Leip-
zigerſtraße 129, ſind zu beziehen:
Annuaire de la noblesse de Belgique p. p. le Baron J. de Stein
d' Altenstein. 25. année 1871. 8. (399 p.) Bruxelles.
2 Thlr. 15 Sgr.
Bentinck, Aufzeichnungen über Maria Thereſia. Mit e. Einlei⸗
tung über d. öſterreich. Politik 1749—1755. Hrsg. v. H. Beer.
gr. 8. (142 S.) Wien. 2 Thlr. 10 Sgr.
Biſchof, Denkſchr. betr. d. fürſtl. u. grfl. Geſammthaus Schönburg
und deſſen Anrecht auf Einräumung von Sitz u. Stimme im
Bundesrathe d. norddeutſchen Bundes. gr. 8. (71 S.) Gießen.
15 Sgr.
Buſſe, Herzog Magnus, König von Livland. Ein fürſtl. Lebens⸗
bild aus d. 16. Jahrhundert. Aus d. Verfaſſers nachgelaſſenen
Papieren hrsg. v. Julius Frhr. v. Bohlen. gr. 8. (160 S.)
Leipzig 1 Thlr.
Caro, Liber cancellariae Stanislai Cirlek. Ein Formelbuch der
poln. Kriegskanzlei aus der Zeit der huſſit. Bewegung. Lex.
8. (227 S.) Wien. 1 Thlr. 6 Sgr.
Chronik, Berliniſche, nebſt Urkundenbuch. Hrsg. v. d. Vereine
f. d. Geſch. Berlins. Jahrgang 1871. Urkunden » Bud) - Fol.
(15 B. u. 3 Steintaf. Berlin. 1 Thlr.
*) Die von dem Herrn Ref. und ſonſt auch neuerlich gegebe—
ne beſtimmte Blaſonirung des v. Rochow'ſchen Wappenſchildes als
„3 Rochen“ enthaltend, hat mich zu einer Unterſuchung dieſes Wap-
ens geführt, deren Ergebniß, daß die qu. Figuren unmöglich Rochen
fein können, vielleicht in dieſen Blättern dargelegt werden kann.
Wo mag doch ein Siegel der alten Grafen 1 1 zu
A., d. Vf.
finden ſein?
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu
Mieſte, R.⸗B. Magdeburg.
Chriſtiana, vermählten Gräfin Ulfeldt, aus ihrer Gefangenkhaft
im blauen Thurm des Königsſehloſſes zu Copenhagen 1653—
1685. Nach der däniſchen Originalſchrift im Beſitze d. Herrn
Joh. Grafen v. Waldſtein hrsg. v. J. Ziegler. Lex. 8.
8316 S.) mit 2 lith. Portraits, 2 Chromoloth. u. 2 Holzſchn.
Wien. 5 2 Thlr. 20 Sgr.
Ebeling, Friedr. Ferdinand Graf von Beuſt. Sein Leben u. vor⸗
nehmlich jtaatsm. Wirken. 2. Bd. gr. 8. (564 S.) Leiziz.
A \ 3 Thlr.
Am Ende, Dr. J. J. G. am Ende, verſtorben 1777 als Super-
intendent zu Dresden. Ein Lebensbild aus dem 18. Jahrh.
zugleich e. Beitrag z. Geſch. Dresdens auf Grund familiengeſch.
Sammlungen. Nebſt e. Bibliotheka am Endiana. gr. 8. (35
d.) Dresden. 10 Sgr.
Fahne, Forſchungen auf d. Gebiete d. rhein. u. weſtphäl. Geſch.
3 B. in 2 Abthlgen u. mehr als 150 Illuſtr. von Schlöfern,
Siegeln u. Wappentaf. gr. 8. Cöln. 3 Thlr.
Förſter, Wladislaus Jagello II. Rex Poloniae et Ungariae
1434 1444, ex fontibus et documentis adhue ignotis illu-
„stratus. Dissertatio inaug. hist. 80. 86 S.) Breslau. 12 Sgr.
Heffter, die Sonderrechte d. ſouverainen u. d. mediatiſirten vor⸗
mals reichsſtänd. Häuſer Deutſchlands. gr. 8. (457 S.)
Berlin. 4 Thlr.
Höfler, Anna v. Luxemburg, Kaiſer Karls IV. Tochter, König
Richards IL. Gemahlin, Königin von England 1382—1394.
Wien. 5 8 2 Thlr. 16 Sgr.
Janko, Lazarus, Freiherr v. Schwendi, oberſter Feldhauptmann u.
Rath Kaiſer Maximilians 11. Nach Original⸗Akten d. k. k. Haus-,
Hof⸗ u. Stagts⸗Archives ꝛc. Mit Schwendis Bildniß gr. 8.
0 (213 S.). Wien. 5 1 Thlr. 10 Sgr.
Ju valt, Forſchungen über die Feudalzeit im euriſchen Rhätien, 1.
u. 2. Heft. gr. 8. (76 u. 270 S. m. 2 chromolith. Karten
„ Tabellen in qu. 4) Zürich. 2 Thlr. 10 Sgr.
Köhne, Ueber den Doppeladler. Mit 1 Kupfertafel hoch 4. (10
S.) Berlin. 15 Sgr.
Kopetzky, Regeſten zur Geſch. d. Herzogthums Troppau (1061—
1464.) Lex. 8. (179 S.) Wien. 1 Thlr.
Anfrage.
In „Trier's Einleitung zu der Wapen-Kunſt“ pag. 60
(efr. auch Siebmachers allg. Wappenbuch J. Theil pag. 146)
wird einer thüringiſchen Familie von Krechmar Erwähnung
gethan. Trotz eifrigſter Nachforſchungen habe ich Zuverläſſiges
über die wirkliche Exiſtenz dieſer Familie nicht zu erlangen
vermocht.
Bei der von mir beabſichtigten vollſtändigen Umarbeitung
der Geſchichte meiner Familie wird es mir wegen der in der
erſten Ausgabe derſelben enthaltenen Andeutung über obige
Familie von großem Werthe ſein, durch die Güte derjenigen
Herren Vereins-Mitglieder, denen hierüber Näheres bekannt ſein
ſollte, zuverläſſige Quellen zu erfahren, aus denen hervorgeht,
daß dieſe Familie factiſch exiſtirt, und nicht, wie ich vermuthen
muß, eine eigenthümliche Namens- und Wappenverſtümmelung
ſtattgefunden hat. Das a. a. O. angeführte Wappen unter⸗
ſcheidet ſich nämlich von dem von meinen Geſchlechtsvorfahren
und noch jetzt geführten Wappen durch die gewechſelten Tineturen.
Kiel. Karl Freiherr von Wechmar.
Inhalts⸗Verzeichniß.
Protocoll. — Eine Cab.-Ordre Fried. d. Gr. und die Abſtam—
mung der Freiherren v. Steengracht. — Landeshoheiten. — Berichti-
gung. — Zum Wappen Wittekinds. — Redende Wappen. — Ma⸗
trikel. — Antieritica. — Bibliographie. — Anfrage. —
Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
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5 Sphtagiſtik und Genealogie.
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde Zu Berlin.
Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile.
Ur. 10.
, Berlin, im November 1871. -I
2. Jahrgang.
Auszug aus dem Sitzungs- Protokoll des
„Gerold“ vom 3. October 1871.
Die heutige Sitzung, welche in Abweſenheit des Herren
Vorſitzenden von dem Unterzeichneten eröffnet wurde, gab zu—
nächſt zur Beſprechung lokaler Vereins-Angelegenheiten Anlaß,
und wurden ſodann zu correſpondirenden Mitgliedern in Vor⸗
ſchlag gebracht:
1) Von dem Herrn Vorſitzenden:
a) Herr Joſeph, Gr. von Hoverden, königl. Kammerherr
zu Breslau.
b) Herr Ludwig Gr. v. Schaffgotſch, freier Standesherr
auf Kynaſt ꝛc. zu Warmbrunn.
c) Herr Baron v. Reiszwitz, Major z. D. und Fönigl.
Bade⸗Polizei⸗Direktor daſelbſt.
d) Herr Dr. phil. Burkhard daſelbſt.
2) Von dem Herrn Schatzmeiſter:
e) Herr Dr. Moritz v. Harten zu Areusburg auf Oeſel, u.
f) Herr Stud. jur. v. Knobloch zu Königsberg i. Pr.
3) Von dem Unterzeichneten:
g) Herr Regierungsrath Bernh. v. Schönberg zu Leipzig.
h) Herr Edelſteingraveur Joſ. Carl Ertl zu Eger,
deren Aufnahme nach erfolgter Abſtimmung genehmigt ward.
Mit Geſchenken war der Verein in ſehr reichlichem Maaße
bedacht worden und wurde ſämmtlichen Donatoren der zu ver—
öffentlichende Dank votirt.
Es waren eingeſandt: 8
a) Vom Herrn Immanuel v. Kamptz zu Schwerin:
1) Die Familie v. Kamptz von C. G. J. v. Kampf,
Schwerin 1871.
b) Vom Verein für Geſchichte der Deutſchen in Böhmen zu
Prag:
2) Mittheilungen I. Jahrgang Nr. IV.
3) 5 HE „ I- VI
„ il ee
„ ya
n
) ͤ«᷑ .
|
13) Geſchichte der königl. Leibgedingſtadt Trautenau, von
77 I·VIII.
8) „
J 9) ME 5.2, 13H SEE
| 10) 4 IX ie Ss DAUER
11) 13 Hefte, Jahresberichte, Statuten ꝛc.
12) Andeutungen zur Stoffſammlung in den deutſchen
Mundarten Böhmen's von Ignaz Peters. Prag, 1864.
Jul. Lippert. Prag, 1863. a
14) Geſchichte Böhmen's von Dr. Ludwig Schleſinger.
2. Auflage. 1869.
15) Die Laute der Tepler Mundart, von Joh. Naßl. Prag 1863.
16) Die Vorſchuß⸗ und Credit⸗Vereine in Böhmen von
Dr. V. John. Prag, 1870.
17) Das Homiliar des Biſchofs von Prag, von Dr. F.
Hecht. 1863.
18) Chronik des Heinr. Truchſeß von Dieſſenhoven, von
Prof. Höfler. 1865.
19) Die Krönung Kaiſer Karl's IV. nach Johannes dic-
tus Porta de Avomiaco von Prof. Höfler, 1864.
20) Die Kaiſerburg zu Eger von Bernh. Grueber, 1864.
21) Aberglaube und Gebräuche aus Böhmen und Mähren
von Dr. Grohmann, 1864.
c) Vom Geh Archivrath Herrn Dr. Liſch zu Schwerin:
22) Meklenburgiſche Siegel. 1. Heft. Schwerin, 1867.
23) Die verwandtſchaftlichen Verbindungen des älteren
Hauſes Gans v. Putlitz mit altfürſtlichen Geſchlech⸗
tern, vom Archivar Liſch. Schwerin, 1841.
24a) Münzen des Richard v. Frieſack,
b) Das Wappen der von Stralendorf,
c) Der Kaland zu Zurow und das Siegel der Kirchen⸗
Juraten daſelbſt,
d) Das Wappen der v. Levetzow ꝛc, von Dr. G. C. F.
Liſch.
25) Urkundenſammlung zur Geſchichte
v. Maltzan, von Dr. G. C. F. Liſch.
Schwerin, 1851.
26) Denkſchrift zum Jubiläum des Dr. W. G. Beyer,
Großh. Meklenburgiſchen Archivraths. Schwerin, 1871.
des Geſchlechts
III. Band.
80
d) Vom Verein für ſiebenbürgiſche Landeskunde zu Hermannsſtadt:
27) Archiv des Vereins, 9. Band 1871 nebſt Jahresbe⸗
richt von 186970.
e) Vom General⸗Major Freiherrn v. Knobelsdorff hierſelbſt:
28) Geſchichte der Familie v. Knobelsdorff, von Wilhelm
von Knobelsdorff. 1. Heft. Berlin, 1870.
f) Vom Herrn Geh. Staats⸗Rath Herrn Frhrn. v. Köhne zu
St. Petersburg:
29) Ueber den Doppeladler, vom Frhen. B. v. Köhne. Ber⸗
lin, 1871.
g) Vom Herrn Geh.⸗Rath v. Kröcher auf Vollenſchier:
30) Geſchichte des Geſchlechts v. Kröcher, von Auguſt
Hennig v. Kröcher. 4 Theile. Berlin, 1865.
31) Lebenslauf ꝛc. des Grafen Albrecht v. Alvensleben.
Berlin, 1861.
32) Desgl. des Friedr. Wilh. Carl v. Kröcher.
1862.
h) Vom Herrn Archivrath G. A. v. Mülverſtedt zu Magdeburg:
33) Woher ſtammt Hermann Barth, Hofmeiſter des deut⸗
ſchen Ordens? von G. A. v. Mülverſtedt.
i) Vom Herrn Dr. Theod. Pyl zu Greifswald:
34) 36. Jahresbericht der Rügiſch⸗Pommerſchen Abtheilung
der Geſellſchaft für Pommerſche Geſchichte ꝛc. Greifs⸗
wald, 1871.
k) Vom Kammerherrn Herrn Dr. Carl Ritter von Mayer⸗
fels zu München:
35) Ein Luſtritt im Würmſee⸗ und Loiſach⸗Gebiet mit
ſtatiſtiſchen u. kulturhiſtoriſchen Notizen. München, 1869.
J) Vom Herrn Bergrath, Frhrn. v. Hoiningen gen. Huene zu
Bonn:
36) Stammtafeln der freiherrlichen Familien von Hoi⸗
ningen gen. Huene. Bonn, 1871.
m) Vom Herrn Landesarchivar Zahn zu Gratz:
37) Eine Anzahl Siegelabdrücke von im ſteiermärkiſchen
Landesarchiv vorhandenen alten Stempeln.
n) Vom Herrn Hofgraveur Heinecke zu Caſſel:
38) Abdruck eines neuen Siegels des Vereins für heffi-
ſche Geſchichte.
Auf den Antrag des Herrn Schatzmeiſters wurde der
Bibliothek des Herrenhauſes ausnahmsweiſe auch der Jahrgang
1871 des Vereinsblattes unentgeltlich zugebilligt.
Ferner beantragte der Schriftführer, der Univerfitätsbibli⸗
othek zu Straßburg nicht allein die bis jetzt erſchienenen Jahr⸗
gänge des „Deutſchen Herold,“ ſondern auch die etwa noch
folgenden ohne Entſchädigung zuzuſenden, was allſeitige Ge⸗
nehmigung fand.
Nachdem ſchließlich dem Herrn Redakteur Hildebrandt auf
deſſen Wunſch für Abbildung einiger Mittelalter⸗Siegel die
erforderlichen Geldmittel zur Verfügung geſtellt wurden, erfolgte
gegen 9 Uhr Abends der Schluß der Sitzung.
Zur Beglaubigung:
Berlin,
F. Warnecke.
Deutſche Städte- Wappen
in der Lachſenchronik.
Schluß.
b) „S. secretum civitatis quedelingeborch.“ Die⸗
ſelbe Darſtellung wie ad c.
c) „secrum. cosulum. i. quedligeburch.“ Spitz⸗
oval; das Thor geſchloſſen; die Thuͤrme ſpitzbedacht; onſt
wie das Hauptfiegel.
d) „secretum + civitatis + qu + edelingbur-
gensis + 1570.“ Wie ad d., der Hund jedoch links ge⸗
wendet. a
e) „secretum civitatis quedlinborgensis 1643.“
Ju Siegelfelde der Adler, auf der Bruſt ein Herzſchild mit
dem Stadtthor (ohne Biſchof) in deſſen Portal der Hund, nach
Rechts gewendet, hockt.
f) „secretum 1616.0“
Sonſt wie ad. d.
g) „Sigill. judicii. eivitat. quedlinburg.“ Im Siegel-
felde das Stadtthor mit dem rechts gewendeten Hunde im
Schilde, darüber das Stiftswappen: zwei geſchrägte Aufſcknei⸗
demeſſer. — 17. Jahrh.
h) Desgleichen, etwas kleiner. 18. Jahrh.
i) „Secretum civitatis quedelinburgensis.“ Das
Stadtthor mit dem fitzenden links gewendeten Hunde im
Portal. 18. Jahrh.
k) „Stidtfiegel zu Quedlinburg.“ Der Preußiſche Adler
mit Schwert und Scepter, ſchwebend. 18 — 19. Jahrh.
J) Das neueſte Stadtfiegel hat glücklicherweiſe die wider⸗
wärtige Figur des Zopfadlers, welchen vor ca. 100 Jahren jo
manche Stadt, die ſich ihres althergebrachten ehrwürdigen In⸗
fiegel8 ſchämte, zu führen begann, beſeitigt, und hat die ältere
Form, das Portal mit dem links gewendeten ſitzenden Hunde,
wiederhergeſtellt.
21) Meydeborch. (Magdeburg.) Im rotben
Schilde eine beiderſeits von einem blau ſpitzbe⸗
dachten Thurme flankirte w. Stadtmauer mit rund⸗
bogigem Portal, worin ein g. Fallgatter. Zwi-
ſchen den Thürmen wachſend eine b. gekleidete
Jungfrau, die Hände emporhaltend.
Das heutige Stadtwappen (abgebildet bei Hoffmann, Ge-
ſchichte der Stadt Magdeburg I. Taf. 3) zeigt einen quadrirten
w. Schild. 1 und 4: die Burg roth, ſchwebend, mit Zinnen⸗
thürmen; Die Jungfrau grün gekleidet, einen gr. Kranz auf
dem Haupte, einen desgl. mit der Rechten emporbaltend; 2
und 3: eine vierblättrige r. Roſe. Gekr. Helm: Die Jungfrau
wachſend. Decken w.⸗r.
Die Tincturen des Hauptwappens find mithin hier völlig
geändert. Der Kranz in der Hand der Jungfrau (Magd) er⸗
ſcheint bereits ſeit mehreren Jahrhunderten; ſein erſtes Vor⸗
kommen bleibt noch durch eine eingehendere Unterſuchung feſt⸗
zuſtellen. Die Roſe iſt das Wappen der erloſchenen Familie
v. Neugatersleben, welches Schloß die Stadt 1350 von
den Gebrüdern v. Neindorf käuflich erwarb. Seither wurde die
Roſe in das Stadtwappen aufgenommen, zunächſt in einem be⸗
ſonderen Schilde, ſpäter (16. Jahrh.) durch Vierung mit der
Burg vereinigt.
An Siegeln der Stadt Magdeburg liegen uns folgende vor:
a) „Sigillum. burgensium. in. magdeburch.“ Im Sie
gelfelde die Burg mit der Jungfrau, letztere als Knieftüd
mit ausgebreiteten Armen. 13. Jahrh. Mangelhaft abge⸗
bildet bei Hoffmann a. a. O. Taf. 2.
b) „Sig. civit. magd.“ Die Burg mit der Jungfrau. 17.
Jahrh.
c) Ohne Umſchrift.
civitatis quedelburgensis
18. Jahrhundert.
81
d) „Sigillum jud. eccl. civ. magdeb.“ Der quadrirte Schild
wie oben beſchrieben. 17. Jahrh.
e) „Sigillum civitatis magdeburgensis.“ Wie b). 18.
Jahrh.
f) „Sigillum civitatis magdeburgensis.“ Desgleichen.
(Größer. )
g) Ohne Ulmſchrift. Desgl., jedoch über dem Thore der ſchwe⸗
bende preußiſche Adler, ein Schwert haltend. 18. Jahrh.
h) Ohne Umſchrift; ebenſo, aber ohne den Adler. 19. Jahrh.
i) „Magiſtrat der Pfälzer Colonie zu Magdeburg 1689;“ ſonſt
wie g.
Kk) 1 5 colon. manheim magdeburge.“
Die Burg mit der Jungfrau, im Thor der preußiſche Adler.
18. Jahrh.
Die Siegel der Neuſtadt⸗Magdeburg zeigen die Burg mit einem
Biſchof, die der Vorſtadt Sudenburg außer dieſem mit einem nach
Rechts ſchreitenden Löwen im Thor.
22) Soltwedel (Salzwedel) Geſpaltener Schild;
vorn ein halber g- bewehrter r. Adler am Spalt,
hinten ein auswärts gekehrter aufgerichteter
Schlüſſel.
Der (Brandenburgiſche) Adler mit dem Schlüſſel bildet
ſeit der älteſten Zeit das Wappen der Stadt Salzwedel, jedoch
bei der Altſtadt und der Neuſtadt, welche ehedem getrennte
Verwaltungen hatten, in verſchiedener Art, wie dies aus den
Siegeln hervorgeht, welche ſich wie die meiſten der altmärki⸗
ſchen Städte früher durch ſchöne kräftige Arbeit auszeichneten.
a) „t S. burgensium. civitatis. sal (twe) dele.“ Das
ziemlich große Siegel zeigt den ſehr alt ſtiliſirten ganzen
Adler, unter den Fängen von einem hinter dem Schwanz
quer rechtsbin gelegten, den Bart abwärtskehrenden Schlüſſel
begleitet. 13. Jahrh.
„+ sigill’. antique. civitatis. saltwedele.“
kleiner wie a., font in der Darſtellung faſt ebenfo.
Jahrh.
„+ sigillum. nove. civitatis, saltwedil.“ Unter⸗
ſcheidet ſich von dem vorigen dadurch, daß an der erwähn⸗
ten Stelle zwei Schlüſſel erſcheinen, der eine über, der
andere unter dem Schwanz liegend; die beiden Flügel find
je mit einem einwärts gekehrten, mit einem Flügel beſteckten
Topfhelm beſetzt. Zwiſchen dem Helm zur Rechten und
dem Halſe des Adlers ſteht ein ſechsſtrahliger Stern. 14.
Jahrh.
d) „ + secretum. antique. civitatis. soltwedel.“ (Mi⸗
nuskel.) Geſpaltener Schild, vorn der halbe Adler, hinten
der Schlüſſel, wie auf der Abbildung. 15. Jahrh.
e) „+ S. nove. civitatis. saltw.“ Darſtellung — verklei⸗
nert — genau wie c) 14. Jahrh.
1) Ohne Umſchrift; Schild wie c., darüber „N. C. S.“
(15. Jahrh.)
Darſtellungen des Stadtwappens aus dem 16. und 17.
Jahrh. zeigen nun immer bei der Altſtadt den halben Adler
mit dem aufgerichteten Schlüſſel, bei der Neuſtadt den ganzen
Adler mit zwei querliegenden Schlüffeln. Seit der Vereinigung
beider Städte (i. J. 1713,) iſt auch das Wappen combinirt,
und zwar — in ſchlecht paſſender Weiſe — in einem geſpal⸗
tenen Schilde, welcher vorn das W. der Altſtadt, hinten das
der Neuſtadt zeigt; ſo haben es die folgenden Siegel:
b Etwas
14.
—
C
—
(Der Stern jedoch links vom Kopfe des Adlers.) Unten am
Schildesfuß: „d. 13. Dez. 1713.“
h) Ohne Umſchrift; kleines S. von der Größe eines
Fünffilbergroſchenſtückes. Schild wie beſchrieben; im zweiten
Felde die Helme über, und die Schlüffel unter dem Adler frei⸗
ſchwebend.
i) „Magistrat der Alt- und Neu-Stadt Salzwedel.“
Wie vor. 19. Jahrh.
k) Jetziges Stadtfiegel: „ + Magistrat der Alten
und Neuen Stadt Salzwedel.“ Schild wie oben; der
Adler mit den Fängen auf den über den Schwanz gelegten
Schlüſſeln aufſtehend. Der (fuͤnfſtrahlige) Stern rechts vom
Kopfe. —
23) Scheyningh. (Schöningen) In rothe m
Schilde auf ein er w. Säule ein nach Links ſchrei⸗
tender g. Löwe; unter deſſen ausgereckter linker
Pranke ein w. Stern.
Ein Siegel der Stadt aus dem 16. Jahrhundert zeigt
nur den nach Rechts ſchreitenden Löwen im Schilde. Um⸗
ſchrift: „Sigil senatus Scheningen.“
24. Stralſund. In Roth eine aufgerichtete
w. Pfeilſpitze. (Strahl.)
Die Pfeilſpitze war von je her das Emblem der Stadt
Stralſund, wie die nachſtehend beſchriebenen Siegel zeigen, von
denen das erſte (das ſ. g. Koggenſtegel) ein wahres Meiſterſtück
der Stempelſchneidekunſt genannt zu werden verdient.
a) „Sigillum. civitatis. stralessundis.“ Im damaſt⸗
artig mit kleinen Roſetten verzierten Siegelfelde ein nach Rechts
auf Wellen ſchwimmendes Schiff, rechts mit aufgeblähtem Segel,
links mit einem Steuermann. Der Wimpel am Maft zeigt
eine, die Flagge am Steuer zwei Pfeilſpitzen, beide links (gegen
den Stock) gewendet. 14. Jahrh. ö
b) „Secretum civitatis stralessunt.“ Im damas⸗
cirten Siegelfelde der aufgerichtete Pfeil. 1367.
c) „Signum Stralessunt.“ 1369. Leider unkenntlich,
anſcheinend der Strahl im Siegelfelde.
d) „Secretum civitatis stralssun.“ Ebenfalls der
Pfeil, jedoch innerhalb eines Sechspaſſes. 14. Jahrh.
e) „Sigillu. mi. civitatis. stralsundis.“ (Klein.) Der
Strahl geftürzt. Ende 16. saec.
f) „Sigillum minus civitatis stralsundis.“ Der
Strahl aufgerichtet. 17. Jahrh.
g) „Sigillum minus civit. stralsundensis.“ Ueber der
aufgerichteten Pfeilſpitze ein kleines Kreuz.
h) „Sigill. minus. civit. stralsundensis.“ Im Siegel ⸗
felde der aufgerichtete Strahl. 1662.
i) „Sigillum camerae stralsundensis.“ Im blauen
Felde der gekrönte Strahl; “) auf dem Helm zwiſchen zwei
Flügeln das Kreuzchen. Schildhalter: Löwen. 18. und 19.
Jahrhundert.
k) „Sigillum judicii stralsundensis.“ Desgl.
J) Ohne Umſchrift. Ueber dem gekrönten Strahl das Kreuz.
25. Wyßmer. (Wismar.) Geſpaltener Schild;
vorn vier fach getheilt von R. und W.; hinten am
Spalt ein halber » Ochſenkopf mit r. Ohr und
Zunge in G. i
Bereits ſehr früh erſcheint dieſer Schild (jedoch vorn der
„) welcher — wenn wir nicht irren — der Stadt unter ſchwe⸗
diſcher Herrſchaft, im Anfang dieſes Jahrhunderts, als eine befondere
g) „Sigillum cor ...... senatus soltquellarum.“ Auszeichnung verliehen wurde.
82
Ochſenkopf, hinten die Balken) als Wismar'ſches Stadtwappen;
zuerſt auf dem Secret im 14. Jahrhundert. Wir kennen nach⸗
folgende Siegel:
a) „Sigillum wissemarie civitatis.“ Im glatten
Siegelfelde ein nach Rechts fahrendes Schiff auf Wellen, in
welchen zwei Fiſche gegeneinander ſchwimmen; der Maſt iſt
vorn mit einem Schilde beheftet, worin ein vorwärtsgekehrter
Büffelkopf (der meklenburgiſche) ohne Zunge. 1323.
b) Dieſelbe Umſchrift und faſt gleiche Darſtellung, aber
beſſere Arbeit; das Siegelfeld mit Ranken verziert, der Büffel⸗
kopf mit Zunge. Am Kiel des Schiffes fitzt ein niederſehender
links gewendeter Vogel. Drei Fiſche. 1370.
c) „Secretum burgensium de wismaria.“ Der Schild
mit dem Stadtwappen. 1363. N
d) „Signum wismariense.“ Ebenſo. 1369. a
e) „Siegel der Stadt Wismar.“ Desgl. 17. Jahrh.
f) „Sigillum gewettae*) wismariensis.“ Desgl. 18.
Jahrh.
g) „Sigillum wismariense.“ Desgleichen.
Das auf der Tafel zunächſt felgende Wappen — in Roth
ein w. neunhuͤgeliger Berg — giebt Botho bei Gelegenheit der
Erwähnung der Bisthümer Merſeburg, Zeitz und Naumburg;
aber weder dieſe Bisthümer noch die gleichnamigen Städte
haben jemals dies Wappen geführt, ſo daß nur ein Irrthum
angenommen werden kann. Genau daſſelbe Wappen führt
Breiſach im Elſaß. (Siebm. I. 221.) Die noch folgenden drei
Wappen, — Augsburg. Regensburg und Speier — ſind der
Vollſtändigkeit wegen zwar auf der Tafel mitgetheilt, da ſich
jedoch unſere Sammlungen, ſoweit ſie ſich auf Süddeutſchland
beziehen, nicht ſo ſehr reichhaltig ſind, ſo würden wir es dank⸗
bar anerkennen, wenn ein Süddeutſcher Sachverſtändiger die betref⸗
fenden Siegel hier in größerer Vollſtändigkeit mittheilen könnte.
Aeber einige Siegel im Archiv zu Goslar.
Als Unterzeichneter vor mehreren Wochen die altberühmte Kai⸗
ſerſtadt Goslar beſuchte, war es ihm durch die zuvorkommende Güte
der dortigen Herren Magiſtratsbeamten ermöglicht, auch das einen reichen
Urkundenſchatz bergende dortige Archiv kennen zu lernen und einen
roßen Theil der Siegel in Gyps abformen zu können. Manche der⸗
ſelben möchten auch in weiteren Kreiſen der Siegelfreunde Intereſſe
erregen, weshalb ich der vorliegenden Nummer dieſes Blattes eine
Tafel mit Abbildungen mehrerer derſelben beifüge, die zwar nur
in Ueberdruck hergeſtellt iſt, aber doch zur Veranſchaulichung hinreichen
wird. Der beſchränkte Raum geſtattet ein näheres Eingehen nicht;
indeß dürften für Kenner nachſtehende kurze Notizen vorläufig genügen.
1) „+ S'. Ivtghard. filie, coit. d. slade.“ (d. h. sigillum
lutghardis, filie eomitis de sladen.) Urkunde vom Jahre 1349,
am Tage St. Marie⸗Magdalene. Das kleine ſpitzovale Siegel
zeigt die Sieglerin nach rechts (heraldiſch) ſchreitend, mit dem Kopf
en face; einen Schild, worin ein gekrönter Löwe, mit der Rechten
oben, mit der Linken ſeitwärts unten haltend. Der Urkunde zufolge
war Lutgard die Hausfrau Jan's von Rotzinghe (Röſſing.) Aus der
Umſchrift ſcheint hervorzugehen, daß ſie dies Siegel ſchon als Jung⸗
frau führte; der Löwe iſt das Wappenbild der Grafen v. Schladen.
ſef. Siegel des Grafen Heinrich von S. v. J. 1241, des Grafen
Heinrich v. J. 1308 in demſelben Archiv. Der Löwe auf dem erſten
hat (abgeſehen von ſeiner Größe) eine beſondere Aehnlichkeit mit dem
auf dem Siegel der Lutgard.]
) Das „Gewettgericht“ ſoll eine Art Wrogengericht ſein, welches
früher in Wismar exiſtirte. 5
Jan von Roſſing's Siegel zeigt daſſelbe Wappenbild, nim-
lich einen aufgerichteten gekrönken Löwen, jedoch im getheilten Felde.
Das heutige W. derer von Röſſing ſiehe bei Grote Hann. W.⸗Kuch
ee 64, 0 Hannöveriſcher Adel (Neuer Siebmacher II. 7)
Ta fel 16.
f 2) „+ s. sofhie. vxoris .. mils.“ Nach der
Urkunde: Sophla, uxor quondam Hermani de Gowisch. Urk. v J.
1337 i. d. beati Valentini. Dreieckig: im Schilde ein Schräg-
balken, begleitet von zwei gegen denſelben gebogenen Hirſchſtanzen.
3) „7 8. sofiye de blanc. ken. borch.“ Rund: im ge
gitterten Siegelfelde zwei Schilde nebeneinander, vorn eine gebogene
Hirſchſtange (Graf v. Blankenburg) hinten eine ſchräggeſtellte Säge.
(vermuthlich von Herſte.“) Beide Figuren einwärts gekehrt. Urk v.
3. 1349; in derſelben nennt ſich die Sieglerin „Wittwe Herrmanns
von Gowiſch.“ Es ſcheint keinem Zweifel zu untertiegen, daß die
Eigenthümerin der beiden Siegel 2 und 3 eine und dieſelbe Perſon
war, eine geborene Gräfin von Blankenburg, in erſter Ehe vermält
mit Hermann von Gowiſch, in zweiter mit N. v. Her ſte. Es iſt
auffallend, daß fie auf erſterem Siegel ſich nur als Frau v. Gowiſch
nennt, auf dem zweiten aber nur mit ihrem Geburtsnamen bezeich-
net. Iſt ſchon die dreieckige Form eines Frauenſiegels eine ſeltene jo
verdient beſonders die Art der Vereinigung ihres angeborenen und
ihres angeheiratheten Wappens, die Verdoppelung des Hirſchhorns
zur Begleitung des Schrägbalkens, Aufmerkſamkeit.
In der erſteren Urkunde nennt ſie Cifrid jun. von Gowiſch, in
der zweiten Hermann von Gowiſch als ihre Söhne; beide haben auch
die betreffenden Urkunden beſiegelt: das Siegel des erſteren zeigt
das vollſtändige Wappen der in den Goslarer Urkunden jo oft auf
tretenden Familie von G., im Schilde der Schrägbalken, auf dem
Helme ein offener Flug; das des letzteren nur den Helm.
4) „T secret. coit. coradi. de wnigrode.“ (secretum comi-
tis conradi de wernigerode.) Helmſiegel: über einem rechts gewen⸗
deten Topfhelm ein mit Pfaufedern beſteckter Schaft; vor demſelben
ein gebogener Fiſch. Urk. v. J. 1308.
Das Siegel bietet in ſeiner Zeichnung zwar nichts Beſonderes,
indem dieſelbe mit der ſonſtigen Wernigerödiſchen Helmzier über-
einſtimmt; nur der Umſtand erſchien dem Schreiber dieſes auffällig,
daß, während das Original in braunem Wachs abgedrückt iſt, der
Fiſch allein in grünem Wachs ausgeprägt und ſo in die braune
Maſſe eingelegt iſt, wie dergleichen Abdrücke jetzt zuweilen von
Graveuren in mehrfarbigem Lack gemacht werden. Sollte hier nur
eine Spielerei zu vermuthen ſein, oder dürfte eine beſtimmte Abſicht
vorliegen?
5) „S. thetlevi. de. werre.““ Urk. v. J. 1298. Im „Heral⸗
diſchen Pelzwerk“ von F. K. Tafel II., 31 und 34 ſind bereits an⸗
dere Siegel der v. Werre v. J. 1358 u. 1368 abgebildet; die Leſer
jenes Werkes wird es intereſſiren, hier ein bedeutend älteres Helmfiegel
deſſelben Geſchlechts von Werre kennen zu lernen; es zeigt einen
offenen Flug, jederſeits mit dem vollſtändigen mit Pelz überzogenen
verkleinerten Wappenſchilde belegt. N
Da wir einmal vom Pelzwerk reden, theilen wir noch zwei
weitere Siegel mit, welche den Hermelin in der Form zeigen, die
man jetzt als „Heraldiſchen Hermelin“ bezeichnet:
6) „+ S. Gottfridi. de. barvm. “ 1337.
7) „+ S. iohannis. de. barvm.“ 1379.
Herzo von Barum ſiegelt 1315 und 1327 mit einem bloßen
ſchraffirten Schrägbalken, ohne Pelz; Johannes de Barum 1312 be-
dient ſich eines gänzlich anderen Schildes, welcher unter einem mit
drei Pfählen belegten Schildeshaupte drei Roſen zeigt; derſelbe
ſcheint mithin nicht zu den Barum mit dem Schrägbalken zu ge⸗
hören, ſondern Stammesgenoſſe derer von Bilſtein geweſen zu ſein,
welche nach Ausweis der Siegel Arnold's v. B. 1313, Heinrich's
von B. 1316 u. A. ſich deſſelben Wappenbildes bedienten.
„+ S conradi cantoris (seti. maurieii) i. hild's.“ (Hilded«
heim) 1312, prid. non. Julii. =
Bon Intereſſe iſt das Belegen der Roſe mit der Lilie, welche
letztere ſich außerdem durch ihre Form auszeichnet. Ich vermag
im Augenblick nicht anzugeben, ob vielleicht die eine der beiden
Blumen dem Geſchlechtswappen des Sieglers entnommen iſt.
) Die von Herſte (Stammſitz gan im Grubenhagenſchen)
En Pr Handſäge im Wappen. Leukfeld Antiqu. Poeldenses
eite 155.
Die letzten beiden Siegel befinden ſich an einer Urkunde vom
Jahre 1306 oder 1307 und zwar als Rückſiegel:
9) ein roh gearbeites Geſicht (wohl keine Gemme) auf der
Rückſeite des ſchönen großen Siegels des Grafen Friedrich von
Wernigerode.
10) Ein dreieckiges Schildchen mit ſchraffirtem Rande, auf der
Rückſeite des Jan's v. Romesleue, deſſen Avers einen Querbalken zeigt.
Die Bedeutung des Schildchens mit dem Rande iſt mir unbe⸗
kannt.“) Ad. M. H.
Anfrage.
Wo, von wem, wann und weshalb iſt die Familie von
Görne in den Adelſtand erhoben worden?
Wie war das Wappen genannter Familie im älteſten
Original, und welche Farben zeigte es?
Wir erlauben uns dem geehrten Herrn Einſender ſogleich zu er⸗
wiedern, daß eine Beantwortung der erſten Frage aus dem einfachen
Grunde unmöglich iſt, weil die Familie v. Görne nicht zum Brief⸗
ſondern zum (märkiſchen) Uradel gehört. Bezüglich der zweiten
Frage iſt zu bemerken, daß die älteſten Quellen zur Feſtſtellung des
Wappens die alten Siegel der Familie, und ſolche aus den Archiven,
in denen ſich die das Geſchlecht betreffenden Urkunden befinden, zu
ermitteln ſind. Farbenangaben enthalten dieſelben natürlich nicht.
Spätere Wappendarſtellungen zeigen ſtets in W. ein querliegendes
eiſenfarbenes Meſſer, begleitet von drei (2. 1.) blauen Kleeblättern;
Helm: zwiſchen einem w. Hirſchgeweih ein b. Kleeblatt. Decken
w.⸗bl. Vgl. Siebm. V. 145; Diethmar Joh.⸗Ord. Nr. 16; v. Me
ding III. Nr. 265. Ein vorliegendes Siegel Ritzards v. Dalchau
(eine Linie der v. Görne) v. J. 1323 zeigt das Meſſer ſchräg⸗
rechts gelegt, den Schild mit Kleeblättern beſtreut. Umſchrift:
„T s. ritzardi. de. dalchov.“ Ein Abguß ſteht dem Herrn Ein⸗
ſender gern zu Dienſten. —
D. Red.
- Titeratur.
Deutſches Kaiſerwappen.
Unter dieſem Titel hat die lithogr. Anſtalt von L. Andrea in Stutt⸗
gart ein Farbendrud- Blatt von mangelhafter Ausführung ausgegeben.
In einem Schilde gruppiren ſich um den Königlichen Adler von
Preußen die Wappen der übrigen Länder des deutſchen Reichet.
Oben die Kaiſerkrone, (eigentlich die nunmehrig öſterreichiſche), aus
der ein Band in den Reichsfarben hervorgeht; unten zur Rechten
und Linken des Schildes die Wappen von Elſaß und Lothringen.
Den Hintergrund bildet ein Gebüſch von Lorbeer und Eichen mit
allerlei kriegeriſchem Beiwerk. Außer dem moraliſchen Schutz,
welcher in ſeiner Werthloſigkeit beruht, iſt das Blatt noch, geſetzlich
gegen Nachbildung geſchützt.“ H. 24 Cent B. 301 Cent.
Illkirch und Königshoffen, woſelbſt die Capitulationen
von Straßburg 1680 und 1870 unterzeichnet wurden. Tableau, das
Straßburger Wappen darſtellend, in beiden Seiten Illkirch und Kö⸗
nigshoffen, unterhalb die Anſicht des Münſters, mit deutſch⸗franz.
Text. Gezeichnet u. lith. von E. Matthis. gr. qu. Fol. Bildgröße
45, und 56 Cent. (Wwe. Berger⸗Levrault u. Sohn in Straßburg.)
28 Sgr.
Staats⸗Wappen aller Länder der Erde: 1) Deutſche
Reichs⸗Wappen. 2) Außerdeutſche Staaten. Nebſt Angaben der Landes⸗
farben und Schifffahrts⸗Flaggen. Correct in lith. Farbendruck mit
Gold und Silber. 2. Aufl. (60 Wappen verſchiedener Größe
auf 1 Blatt in qu. Roy. Fol.) Gebrochen in Mappe in qu. Fol. 2
Thlr. Boſelliſche Buchh. in Frankfurt.) N
) Abgüſſe der erwähnten Siegel, ſowie fernerer 150 aus dem
Goslarer Archiv — faſt ſämmtlich dem 13. oder 14. Jahrhundert
angehörend — ſind gegen ee der Anfertigungskoſten (durch⸗
a 0 21 Sgr. ä Stück) von der Redaction dieſes Blattes zu
eziehen. i
Wappentafel deutſcher Städte. Aukünd i⸗
gungen des Verlegers war die Tafel dazu beſtimmt, bei den Friedens⸗
feftlichfeiten als Hülfsmittel zur Decorirung zu dienen. Bei der Un⸗
zulänglichkeit der heraldiſchen Sammelwerke war man bei Fer⸗
tigung der Tafeln ſehr häufig auf die Angaben ſtädtiſcher Be⸗
hörden beſchränkt; bei den meiſten Städten kleineren Umfangs
verſiegte das Material vollſtändig, ſo daß nur wenige derſelben
Berückſichtigaung finden konnten. Jedes Wappen hat ſtatt des
Schildes eine eirkelrunde Einfaſſung. Die ſtyliſtiſche Behand⸗
lung läßt eine größere Conſequenz zu wünſchen übrig; dagegen iſt
die techniſche Ausführung des Farbendrucks eine vorzügliche. (192
Wappen auf 1 Blatt in qu. Imp. Fol.) (Boſelliſche Buchhandlung
Frankfurt.) Seyler.
Weber, Martin, die Kunſt des Bildformers und
Gypsgießers, oder gründlicher Unterricht ꝛc. plaſtiſche Gegenſtände
auf dem Wege des Abformens und Abgießens nachzubilden, ingleichen
wie ſie zu ſchleifen, zu poliren, zu firniſſen, zu bronziren und zu re⸗
ſtauriren find. 3. verm. u. verb Aufl. Weimar 1871. (80 115 S.)
Die einfache Mittheilung des abgekürzten Titels dürfte genügen,
um die Aufmerkſamkeit der Siegelfreunde auf obiges Werkchen zu
lenken, das kürzlich in dem bekannten techniſchen Verlage von Voigt
in Weimar neu aufgelegt wurde u. um wenige Groſchen zu haben iſt.
Correſpondenzblatt. Nr. 6, S. 45: Bemerkungen
über die Charakteriſtik des heraldiſchen Adlers, von F-K.
Mit Holzſchnitten. Ibid. Nr. 8, S. 62: Entgegnung auf dieſen
Artikel von G. A. von Mülverſtedt, betreffend das Siegel Arnolds
v. Ummendorf v. J. 1348, deſſen vordere Schildhälfte einen halben
Vogel am Spalt enthält, welcher, Schwimmfüße und Schwanenhals
zeigend, adlerartig ſtyliſirt iſt. —
„Verze ichniß (Nr. 110) von Monographien und Gelegen⸗
heitsſchriften zur Geſchichte adeliger Geſchlechter. II. Abth., zu be⸗
ziehen von J. A. Stargardt, Berlin, Jägerſtraße 53. 5 Sgr. Ent⸗
hält eine bedeutende Anzahl z. Th. ſeltener heraldiſcher und genealo⸗
giſcher Werke, recht zweckmäßig alphabetiſch nach den Namen der be-
züglichen Familien geordnet. —
Die große Amthor ſche Siegelſammlung leinige hundert tau⸗
ſend Stück), wie deſſen heraldiſche Bibliothek iſt in den Beſitz von
J. A. Stargardt übergegangen. Ein lithograph. Katalog wird In⸗
tereſſenten von demſelben auf Verlangen überſandt.
Zur gefälligen Notiz.
Nückſtändige Beiträge pro 1871 und Abonnements
gelder für dieſes Blatt, welche nicht bis zum 1. Dezember d.
J. von den Pereinsmitgliedern reſp. Abonnenten an den
Schatzmeiſter, Herrn Lieutenant M. Gritzner, Victoria⸗
Strafe 11, Berlin, franko einge ſandt find, werden — falls
nicht ein Anderes gewünſcht wird — bei Ueberſendung
der letzten Nummer des „Deutſchen Herold“ laufenden
Jahrganges durch Poſtvorſchuß entnommen werden.
Der Vorſtand des Herold.
Nach den
Anzeige.
Ein handſchriftliches Wappenbuch,
enthaltend 5270 Wappen, betitelt: „Sammlung derer meiſten frei⸗
Ra und Adelichen Inſignien unſeres Deutſchlandes mit be-
ondern Fleiß colligiret von Chriſtian Wilhelm Scharff. Rev. Min.
Cand. angefangen Anno 1742, vollendet Anno 1751.“ 3 Bände,
nebſt vollſtändigem Regiſter. Auf jedem Blatt 4 in Farben gemalte
Wappen, darunter viele ſeltene. Nur Adeliche und Freiherrliche.
Das Ganze dürfte, in Anbetracht der Menge von Malereien, die
ſämmtlich aus freier Hand gefertigt ſind, ziemlich einzig in ſeiner
Art daſtehen.
Anfragen und Offerten ſind an die Red. d. Bl. zu richten,
woſelbſt auch ein Band des Werkes zur Anſicht ausliegt.
Jahr
des Diploms.
1714 | 20./al.
10. Dez.
1715 vacat.
1716 | 10. San.
13. Jan.
24. (al.
27.) Jan.
20. Juni.
21. Sept.
30. (al.
20. Nov.
1. März
9. Marz
1. Mai
17. Juli
15. Sept.
Datum
Name.
Steiger⸗Montricher.
Dzingel.
Lubath.
Schroetter.
Ritzenberg.
Scharden.
Fuchs.
Troſchke⸗Roſenwerth.
Koven.
Rettberg.
Koeppen.
Criegern.
Werſſowitz.
84
M atrikel. (Fortſetzung.)
Inhalt
des
Diploms.
Frh.
ren. A.
an. Grf.
(Vrſchowetz) = Sekerka f
und Sedczicz.
Diplom
für
Acht Gebrüder und Vet⸗
tern v. S., ſämmtlich
Mitglieder des großen
Rathes zu Bern.
Albr. Balthaſar D.,
Land⸗Schöppenmeiſter u.
Agent des Kreiſes
Oletzko, ſtammend aus
dem Litthauiſchen Ge⸗
ſchlechte Pobog, unter dem
Namen „v. D.“
Johann L., Oberftlieut.
im Regiment Wartens⸗
leben.
Johann v. S., früher
Kammerdiener u. Sekr.
des Königs von Polen,
ſpäter in Preußiſchen
Dienſten als General⸗
poſtmeiſter v. Litthauen.
C. F. R., Geh Juſtiz⸗
Rath und Conſiſt.⸗Präſ.
Levin Schardius, Kgl.
Pr. Kriegsrath, aus
einem Stendaler Patri⸗
ziergeſchlechte.
Joh. Heinrich F., Kgl.
Pr. Hof⸗ und Kammer⸗
Ger.⸗Rath.
den a. 1714 in den
Böhmiſchen Freiherrn⸗
ſtand erhobenen Siegmund
Fr. v. T
Martin (nicht Joſeph)
Auguſt — alias Bern⸗
hard K.
Joh. R., Bürgermeiſter
zu Soeſt.
Peter Rudolf K., Capi⸗
tain der Artillerie.
Joach. Fr., Kurſächs.
Oberſt und Gen.⸗Adj.,
Dietr. Joa. auf Dalchau,
Fr. Dietr. auf Man⸗
cker ꝛc.
Wilh. Gottfr., Graf S.
(Fortſetzung folgt.)
Wappen.
# ſchweb.
Bee in G.
Baronskrone.
Köhne III. 10.
Köhne III. 90.
Led. II. 407.
2 Helme.
Köhne IV. 35.
Led. II. 351;
Feld blau.
Köhne III. 22.
Köhne II. 66.
Köhne III. 71.
Köhne IV. 32.
Köhne III. 69.
Köhne II. 13.
Bemerkungen.
Derſelbe hatte d. d. 26. 5. 1685
alias 21. 10. 1686) den Pol⸗
niſchen Adelſtand; d. d. 13. 3.
1700 den Reichsfreiherrnſtand
erhalten.
(Vgl. Schrötter v. Stutterheim
15. 11. 1814.)
Kais. Adels⸗Anerk. d. d. 18. 5.
1714 für denſelben.
N. und Wm. mit dem ſeines
Schwiegervaters Hans Fr. Frh.
Brecher v. Roſenwerth d. d. 7.
Juli 1716.
Vgl. 18. 3. 1797.
R. A. d. d. 15. Jan. ejd. für
denſelben.
Vgl. 18. 12. 1717, 17. 11.
1731 und 12. 5. 1734.
Einer andern Familie d. N.
hatte bereits 1571 den R. A.
erhalten.
R. A. d. d. 1. Juli 1711 für
denſelben.
Vgl. 28. 2. 1830.
Berlin, den 3. November 1871.
Verzeichniß
der gegenwärtigen Mitglieder des „Herold,“ Vereins für Siegel und Wappenkunde zu Berlin.
J. Protector.
Se. königliche Hoheit der Prinz Georg von Preußen.
II. Ehrenmitglieder.
Se. Durchlaucht der Fürſt Friedrich Karl zu Hohenlohe-
Waldenburg auf Kupferzell (Württemberg.)
Se. Excellenz der königl. Staats⸗Miniſter und Miniſter der
landwirthſchaftlichen Angel. v. Selchow in Berlin.
Freiherr Leopold v. Ledebur, Hauptmann a. D. und Di⸗
rector der königl. Kunſtkammer in Berlin.
Carl Masch, großherzogl. Archiv-Rath, Paſtor in Demern
bei Rehna (Mekl. Strelitz.)
Dr. Carl Ritter v. Mayerfels auf Schwanegg :c., königl.
Kammerherr in München.
G. A. von Mülverstedt, königlicher Archiv-Rath und
Staatsarchivar in Magdeburg.
Ludwig Graf von Uetterodt, auf Schloß Neu-Scharffen-
berg bei Eisenach.
III. Vorſtand.
Vorſitzender: Hoverden, Hermann, Graf, Hohenzollern:
ſtraße Nr. 10.
Schriftführer: Warnecke, Fritz, Geheimer expedirender
Sekretair, Steglitzer⸗Straße Nr. 58 III., vom 1. April
Redacteur des Vereins-Organs: Hildebrandt, Ad.
M., Archäolog in Mieste, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg.
1872 ab: Schill⸗Straße Nr. 18.1.
Schatzmeiſter: Gritzner, Max, Lieutenant a. D. Victoria⸗
Straße Nr. 11, III.
Bibliothekar des Vereins: Leesenberg, F. A., Rentier,
Neuenburger⸗Straße Nr. 18.11.
Sphragiſtik: Geheim. Seeretair F. Warnecke.
Seetionschefs für Heraldik: Lieutenant a.
D. M. Gritzner.
Genealogie: Stadt-Gerichts⸗-Rath Bernh. von Zur Westen, Georgen⸗Str 46.
IV. Wirkliche und correſpondirende Mitglieder.
v. Ahlefeldt-Dehn, Louis, Baron in Weimar.
Apetz, Carl, herzogl. Gerichts⸗-Amts⸗Actuar in Roda (Sachſen⸗
Altbg.)
Bartholomäus, Edmund, Buchhändler in Erfurt.
v. Barton gen. v. Stedman, Rittergutsbeſitzer auf Haus
Besselich bei Coblenz.
v. Belle, Dr. jur., Eugen Trauttwein, Cuſtos an der kgl.
Bibliothek in Berlin.
v. Bernuth, königl. Oberförſter in Jägerhof bei Wolgaſt.
v. Bertouch, königl. Regierungs⸗Rath in Liegnitz.
Bodemann, Eduard, königlicher Rath in Hannover.
v. Bohlen, Julius, Freiherr, Erbkämmerer auf Bohlendorf,
Inſel Rügen.
Brecht, Carl, Dr. phil. und Geheimer Regiſtrator in Berlin.
Burkhard, Dr. phil. in Warmbrunn.
v. Buttlar, R., Baron, auf Elberberg, bei Fritzlar.
v. Bülow, Gottfried, königl. Archiv⸗Sekretair, Dr. phil., in
Stettin.
Clericus, Ludwig, Maler und Literat in Berlin.
Culemann, F., Senator in Hannover.
Damcke, Georg, in Bernburg.
Dimmling, Gottfried, Wappenſtecher in Berlin, Jäger Straße 65.
v. Donop, Hugo, Hauptmann und Flügel⸗Adjutant in Detmold.
Dornbusch, J. B., Kaplan zu Schloß Frens, Station Hor⸗
rem, via Cöln.
Ebel, L., Gerichts⸗Acceſſiſt in Giessen.
Eger, L., Dr. in Wien.
Ehlers, J., Gutsbeſitzer auf Grapen-Stieten (Meklbg.⸗Schw.)
Eltester, Archiv⸗Rath und Staats⸗Archivar, Dr. in Coblenz.
Ertl, Joſeph Carl, Edelſtein⸗Graveur in Eger.
v. Fock, Benno, Baron, Dr. jur. in Berlin. Landgrafen⸗
Str. 9. III.
86
v. Franzenshuld, Hartmann, Edler, Ernſt, Dr. phil in
Wien.
v. Frölich, Adolf, königlicher Kammerjunker, auf Gr. Bell-
mannsdorf bei Görlitz.
Gerlach, Gotthold, evang. ⸗luther.
(Poſen.)
Gilg, Eugen, königl icher Regiſtrator in München.
v. Görne, Julius, königl. Unterlieutenant z. S. in Altona.
v. Grass, Freiherr, königl. Ober⸗Forſtmeiſter in Wiesbaden.
Grenser, Alfred, Buchhändler in Wien.
Grotefend, Hermann, Dr. phil. königl. Archiv⸗Sekretair in
Breslau.
v. Gudenau, Vorst-Lombeck, Ernſt, Freiherr, Burggraf
v. Drachenfels in Ziadlowitz (Mähren.)
Hagemeister, Wilhelm, königl. Juſtiz⸗Rath in Stralsund.
v. Harten, Moritz, Dr. in Arensburg auf Oeſel.
Hesekiel, Georg, Dr. königlicher Hofrakh in Berlin.
Heyer v. Rosenfeld, Friedrich, Hauptmann in Wien.
Himly, königlicher Regierungs- Aſſeſſor in Hannover.
Hötzel, Damian, Edelſteingraveur in Berlin, Friedr.⸗Str. 157.
Holscher, Ludwig Auguſt Theodor, Paſtor und Superinten⸗
dent in Horka bei Niesky.
v. Hoverden, Joſeph, Graf, königl. Kammerherr in Breslau.
Keck v. Schwarzbach, Oberſtlieut. z. D. in Warmbrunn.
Kindler, J. Premier⸗Lieutenant in Posen.
v. ber General⸗Major, Freiherr in Berlin.
v. Knobloch, Stud. jur. in Königsberg i. Pr.
v. König-Warthausen, Elife, Freiin auf Warthausen
(Württemberg.)
Korn, Ludwig, Buchhändler in Nürnberg.
Krahl, Carl, k. k. Wappenmaler in Wien.
v. Krockow, Reinhold, Graf, Premier⸗Lieutenant in der
Garde du Corps in Berlin.
v. Kröcher, Auguſt, Geheimer Ober-Regierungs⸗Rath,
Vollenschier bei Vinzelberg.
Kühl, Claus, Guts beſitzer auf Criesebye (Holſtein.)
v. Laroche, Guſtav, Freiherr, edler Herr zu Sierkepsele
Major a. D. in Charlottenburg.
Leinfelder, Franz Joſeph, königl. Miniſterial⸗Rath, Reichs⸗
Herold und Vorſtand des Haus- und Staats-Archives in
München.
v. Linstow, Hugo, Baron, Hauptmann z. D. in Berlin
Lisch, G., Geheimer Archiv⸗Rath, Dr., in Schwerin.
Löffelholz von Kolberg, Eugen, Freiherr in Nürnberg.
v. Löhneysen, F., Freiherr, herz. Geh. Legat:-Rath und
Kammer⸗Director in Braunschweig.
Odebrecht, Heinrich, Rentier in 5
v. Oeynhausen, Julius, Graf, in Berlin. Lützow⸗Str. Nr. 74.
Otto, Ru. dolf, Edelſteingraveur in Berlin, unter den Linden
Rr. 40
v. Pettenegg, Gaſton, Freiherr Pöttikh, in Wien.
Pichler, Friß, Dr. k. k. Univerfitätsprofeffor in Graz.
Printz von Buchau, Hermann, Freiherr, Oberſtlieutenant z.
D. in Dresden.
v. Prittwitz-Gaff ron, Hans, Hauptmann, auf Randow-Hof
bei Oels.
Pyl, Theodor, Dr., Vorſtand der Geſellſchaft für Geſchichte
x. in F DR
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Miefte, RB. Magdeburg. M. e zu Mieſte, R.⸗B. Magdeburg.
5 1 in Bialosliwe.
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Redacteur:
v. Querfurth, Curd, Dr., Rechtsanwalt u. Notar in Oschatz
(Sachſen.)
Ragotzky, Bernhard, Paſtor in Triglitz bei Pritzwalk.
Rantzau, Paul, Stud. theol. in Berlin.
v. Redern, Hermann, General⸗Major in Hannover, z. 3.
in Nancy.
v. Reitzenstein, Carl Chlodwig, Freiherr, kaiſerl. Cantens⸗
Polizei⸗ Commiſſarius in St. Amarin (Ober⸗Elſaß.)
nr Retberg a. e Ralf, in München
Rietstap, J. B., in Haag.
v. Rosen, Gottlich, gräfl. Stolberg'ſcher Regierungs-Rath in
Wernigerode.
Röstell, Carl, Buchhändler in Berlin, Leipzigerſtraße 129.
Runkel, M., Dr. phil., in Berlin.
v. Saurma-Jeltsch, Hugo, Freiherr, Prem.-Lieut. im Garde⸗
Cuiraſſier⸗Reg. in Bernd
v. Schaffgotsch, Ludwig, Graf, freier Standesherr auf Ky-
nast x. in Warmbrunn.
v. Schellerer, Oskar, Ritter,
Oberpoſtmeiſter in Würzburg.
v. Schmidt, Ed., kaiſerl. Oberpoſt⸗Commiſſarius in Frank-
furt a. II.
Schmidt, Georg. Dr., Kaplan in Vetschau (Nieder⸗Laufttz.)
Schmitzberger, Joseph, 29 ruſſ. Hofſteingraveur in Mün-
chen, Sonnenſtraße Nr.
v. Schönberg, Bernh., 19 955 Regierungs-Rath in Leipzig.
Schröder, Chriſtian, Geh. Kanzlei-Inſpector in Berlin.
v. Sebastiäni- Porta de Remete u. Pogänyest, Julius,
fgl. ungariſcher Notar in Nagy-Kürtös bei Kekkö.
v. Seydlitz, Ernſt, Baron, Hauptmann a. D. in Berlin.
Seyler, Guſtav, Schriftſteller in Offenhausen bei Hersbruck,
(Mittelfranken.)
Starke, Georg, Kaufmann in Görlitz.
Starke, Paul, Senator und Rittergutsbeſitzer in Sorau.
v. Starklolf, Hermann, Obriftlieut. in Cannstadt.
Steinmann, C. G. in Braunschweig.
v. Strombeck, herzogl. Kammerherr
Braunschweig.
Tobias, Anton, Dr., Oberlehrer am Johanneum und Stadt⸗
bibliothekar in Zittau.
Voigt, Carl, Hofgraveur u. akademiſcher Künſtler in Berlin,
Friedrichs⸗Str. 158.
Wahl, Friedr., Graveur in Berlin.
Waldbott v. Bassenheim zu Bornheim, Friedr., Freiherr,
in Wien.
- Walderdorff. Hugo, Graf in Regensburg.
. Wechmar, Karl, Freiherr in Kiel.
. Weittenhiller, Moritz, Edler in Wien.
. Werlhof Paul, Dr. phil., Gutsbeſitzer auf Udvard.
(Ungarn.)
Winkler, E., Wappenmaler in Berlin, Oranien⸗Str. 135.
Zahn, Iofeph, Landesarchivar, Dr. in Graz.
v. Zeppelin, Eberhard. Graf, königl. Geh. Legat:⸗Secretair
und Kammerherr in Stuttgart.
königl. Kammerherr und
u. Finanz⸗Rath in
Inhalts- Verzeichniß.
Protocol. — Deutſche Städtewappen. (Schluß.) — Ueber
einige Siegel im Archj 15 zu Goslar. — Anfrage. — Literatur —
Anzeigen — Matrikel. — Mitglieder⸗Verzeichniß.
Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen.
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